8. Zweifel und Erkenntnisse

Edward lockerte seinen Griff um meine Taille und ließ den Kopf hängen, bevor er seufzend erwiderte „Als wenn du jemals stören würdest, Alice! Obwohl du das wohl besser als ich beurteilen kannst! Störst du?" Er wandte sich mit einer spöttisch hochgezogenen Augenbraue an die Person, die mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte. Ich folgte seinem Blick und entdeckte eine Elfe die mir seltsam vertraut vorkam: klein, dünn, blass, schwarzhaarig, goldäugig und obwohl sie still stand strahlte sie eine unbändige Energie aus. Sie war mit einem Wort einfach niedlich, obwohl ihr niedlich nicht ganz gerecht wurde, dafür sah sie einfach zu gut aus.

„Hm, wenn du sooo fragst … muss ich zugeben dass es schon so aussieht als wenn ich etwas unterbrochen hätte. Aber du wirst mir mein schlechtes Timing verzeihen, wenn du erfährst warum ich störe!" erwiderte Alice mit einem so verschlagenen Grinsen, dass ich mich unwillkürlich fragte, ob die Beschreibung Kobold statt Elfe nicht doch besser passte.

Bevor ich noch einen weitern Gedanken fassen konnte stürmte sie auf mich zu und hatte sich geschickt zwischen uns gedrängt, um mich fest in den Arm zu nehmen. „Ich bin so froh, dass du endlich wieder wach bist! Das hat viel zu lange gedauert, ich habe dich vermisst!" dabei nahm sie mein Gesicht in ihr kalten kleinen Hände und sah mir eindringlich in die Augen.

„Gib's zu, du konntest nur nicht abwarten hierher zu kommen!" Da trat sie einen Schritt zurück und wandte sich Edward zu, der mittlerweile ihren Platz im Türrahmen eingenommen hatte und uns belustigt beobachtete. „Ja, das auch! Natürlich kann ich es kaum erwarten mit meiner Schwester zu reden, jetzt wo sie wieder wach ist." sie versuchte erst gar nicht Edwards Behauptung abzustreiten. „Aber ich bin auch hier, weil ich Bella helfen will. Ich kann mir vorstellen, dass es ihr lieber ist wenn ihr eine Frau zur Hand geht. Wenn du verstehst was ich meine?!"

„Selbstverständlich, ich bin dir wirklich dankbar dafür." er sah etwas verwirrt aus, als er Alice stirnrunzelnd betrachtete. Anschließend warf er mir einen etwas verschämten Blick zu und murmelte „Ich geh dann mal besser." und verließ fluchtartig den Raum. Als sich die die Tür leise hinter ihm schloss musste ich zugeben, dass mir dieser Gedanke bis zu diesem Moment gar nicht in den Sinn gekommen ist. Ich bin einfach davon ausgegangen alleine klar zu kommen.

„Ich weiß, als wenn ich mir keine Sorgen machen würde!" murmelte Alice leise als sie die Tür finster anblickte. Dann richtete sie den Blick auf mich und sah mich vorwurfsvoll an „Natürlich hast du gar nicht daran gedacht um Hilfe zu bitten! Als wenn du alleine klar kommen würdest. Du würdest es eher fertig bringen und dir zusätzlich noch einen Arm zu brechen. Also, hier bin ich! Womit fangen wir an?!"

„Ähm ich weiß nicht so recht?" ich war sprachlos, Alice war wie ein Sturmtrupp. Ehe ich mich versah, saß ich auf einem Stuhl, der quasi aus dem Nichts aufgetaucht war und sie wusch mir die Haare mit zahllosen Mittelchen die sie eins nach dem anderen aus den Tiefen der Reisetasche auf der Ablage hervorholte, dabei redetet sie förmlich ohne Punk und Komma, wobei mein Input anscheinend nicht erforderlich war, da ihre Fragen ehre rhetorisch klangen und die Pausen in ihrem Redefluss ohnehin zu kurz waren um überhaupt etwas zu sagen. Die gesamte Situation kam mir seltsam vertraut vor, eine wage Erinnerung an Plastiktüten und ein Gipsbein tauchte vor meinem inneren Auge auf.

Nachdem sie mir das hässliche Krankenhausnachthemd mit einem fast schon angewiderten Gesichtausdruck förmlich vom Leib gerissen hatte überraschte mich die Sanftheit mit der sie den Waschlappen über meine Haut führte. In diesem Moment unterbrach der bis dahin konstante Monolog und sie sah traurig zu mir auf „Oh Bella! Es tut mir so leid, ich wünschte ich hätte es verhindern können!" Als ich jetzt ohne die verhüllende Stoffschicht an mir herabblickte wurde das ganze Ausmaß meiner Verletzungen zum ersten mal deutlich sichtbar, es gab fast keine Stelle an meinem Körper die nicht von blauen Flecken oder Kratzern übersäht war. Es hatte mich schlimmer erwischt als ich angenommen hatte.

Ich begegnete ihrem Blick und rang mir ein kleines Lächeln ab „Du musst dir keine Vorwürfe machen! Was hättest du schon machen können?" „Besser aufpassen!" sie flüsterte die Worte so leise, dass ich mir nicht sicher war ob sie mit mir oder mit sich selbst sprach. Alice erhob sich mit einem leisen seufzen von ihrer hockenden Position zu meinen Füßen und legte mir den Waschlappe in die Hände „Warum machst du nicht den Rest fertig. Ich bin gleich wieder da und bitte bleib einfach hier stehen, mach keine Experimente!" Sie verließ den kleinen Raum so leise und schnell, dass ich mich fragte ob sie wirklich gerade erst vor einem Moment hier war, oder ob ich wieder fantasierte.

Hier war sie nun die Gelegenheit, auf die ich seit dem ich heute morgen aufgewacht war gewartet hatte. Ich hatte einen Spiegel vor mir und war alleine, unbeobachtet, komischerweise hatte ich auf einmal Angst in den Spiegel zu blicken. Was wenn mir nicht gefiel was ich zu sehen bekam? Ich redet mir selbst gut zu währen ich mich langsam fertig wusch, da ich als ich fertig war immer noch nicht den erforderlichen Mut gefunden hatte, beschloss ich mir die Zähne zu putzen, stets bemüht den Blick nicht in auf den Spiegle vor mir fallen zu lassen. Ich konnte es nicht länger vor mir herschieben, ich wollte wissen wie ich aussah und selbst wenn ich grottenhässlich sein sollte, dann könnte ich ohnehin nichts daran ändern. Ich schloss meine Augen und atmete einmal ein bevor ich den Kopf hob und meine Augen langsam öffnete.

Aus dem Spiegel blickte mir eine blasse junge Frau entgegen, dass Gesicht von langen dunklen Haaren umrahmt. Ich schloss die Augen wieder und öffnete sie abermals, an der Reflektion die mir entgegenblickte hatte sicht nichts geändert, bis auf den skeptischen Gesichtsausdruck. Sie blinzelte gleichzeitig mit mir und hob ebenfalls zeitgleich mit mir ihre Hand und legte ihre Fingerspitzen an ihre Wange. Kein Zweifel, das war mein Spiegelbild und ich war hübsch. Ich weiß nicht warum mich diese Erkenntnis überraschte, aber ich war sprachlos als ich mich näher begutachtete.

Mein Gesicht leicht oval geformt, meine Wangenknochen gut ausgeprägt, die Stirn hoch, die Lippen voll und von einer sehr ansprechenden rosa Farbe. Das auffälligste waren aber meine Augen, groß und tiefbraun, von dichten langen Wimpern umgeben und von einer Tiefe und Ausdrucksstärke die geradezu auffällig war. Sie sahen Charlies Augen sehr ähnlich. Ich blinzelte und beugte mich näher an den Spiegel um einen Kratzer auf meiner Nase näher zu betrachten. Bis auf den kleinen Kratzer auf meinem Nasenrücken und einem auf meiner Wange, war mein Gesicht ansonsten erstaunlicherweise unverletzt. Was mich in Anbetracht meines sonstigen Zustandes doch etwas überraschte.

„Na gefällt dir was du siehst?" Alice Spiegelbild tauchte hinter meinem auf und lächelte mich an. Ich blickte ihr über den Spiegel in die Augen und erwiderte fast flüsternd „Ich hatte vergessen wie ich Aussehe!" bevor ich mich umdrehte um sie direkt anzusehen. „Ich bin ganz hübsch! Keine umwerfende Schönheit, aber ganz nett anzusehen!"

„Hübsch? Bella du bist mehr als hübsch, du bist wunderschön!" bemerkte Alice als sie in der Reisetasche nach Kleidung zu kramen begann. Diese Bemerkung entlockte mir ein Schnauben und eine skeptisch hochgezogenen Augenbraue. „Man sollte auch für Kleinigkeiten dankbar sein! Wenigstens sieht sie sich nicht mehr als unscheinbar an!" murmelte sie vor sich hin, als sie ein Teil nach dem Nächsten aus der Tasche zog. „Alice, warum sagst du das?" „Hier die Schwester hat diese Salbe dagelassen, als sie dein Bett neu bezogen hat. Lass uns dieses Zeug auf deine Wunden schmieren und zusehen, dass du in diese Klamotten kommst. Du wirst so was von stylisch aussehen!" erklärte sie mir mit einem breiten Grinsen. „Alice, ich bin im Krankenhause und nicht auf einem verdammten Laufsteg, auf irgendeiner blöden Modenschau!"

„Na und? Deswegen musst du doch wohl nicht aussehen wie der letzte Schlunz und in ausgebeulten Jogginganzügen oder Omanachthemden rumlaufen. Das passt nicht zu uns Cullen's! Da fällt mir ein, ich habe ein Nachthemd für dich gesehen! Kobaltblaue Seide, wadenlang und das Oberteil ist eng anliegend und aus Spitze und so was wie für dich gemacht!" „Oh Alice! Es reicht, hör auf! Du nervst!" meine frustrierte Antwort auf ihren Begeisterungssturm konnte diesen nicht im mindesten abschwächen, das steigerte meine Frustration nur noch weiter. „Kommt dir irgendwie bekannt vor, oder?" fragte diese Nervensäge mit großen unschuldigen Augen als sie ihre Aufmerksamkeit kurzfristig von den blauen Flecken und er Salbe lenkte und mir ins Gesicht blickte bevor sie zwinkerte und sich wieder der Aufgabe vor ihr widmete.

„Ja, irgendwie schon!" „Ha! Wusste ich es doch! Mich vergisst man so schnell nicht!" ich sah sie ungläubig an und brach dann in Lachen aus, Alice stimmt in mein Lachen ein. Als ich mich wieder so weit im Griff hatte um sprechen zu können, drückte sie mir ein Kleidungsstück nach dem nächsten in die Hand, die ich alle ohne nähere Betrachtung anzog. Als ich fertig angezogen war blickte ich erneut in den Spiegel und stellte erstaunt fest, dass die Kleidung die ich trug nicht nur bequem war, sonder auch stylisch. Irgendwie überraschte mich das nicht wirklich.

„Danke Alice, dass sieht wirklich gut aus! Und ist genauso bequem wie der ausgebeulte Jogginganzug den ich im Sinn hatte! Ich weiß aber nicht, ob ich morgen auf mein Omanachthemd verzichten kann!" Ich blickte mein Spiegelbild kopfschütteln an und runzelte dann die Stirn, Alice schien meinen Stimmungswechsel zu spüren, denn sie drückte mich wieder auf den Stuhl und lehnte sich dann mit dem Rücken gegen den Waschtisch um mir ins Gesicht blicken zu können.

„Was ist los?" „Alice, hat Carlisle euch erzählt was mit mir los ist?" sie sah mich einen Moment verwirrt an und erwiderte dann vorsichtig „Ja?". „Alles?" „Ich denke schon, diverse Quetschungen und Kratzer, einen angeschlagenen Kopf und und und … soll ich weiter aufzählen?!" „Auch dass ich mein Gedächtnis irgendwie verloren habe?" „Ja, das auch! Ich muss gestehen, ich habe mich schon ein bisschen gewundert. Ähm, Edward und du …" sie sah mich einen Moment verunsichert an und schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Ja?" als sie in meinem Blick nur Neugierig sah fuhr sie fort „also … ihr seid da gerade sehr vertraut miteinander umgegangen.". Ich sah sie einfach nur weiter an und fragte mich worauf sie eigentlich hinauswollte. „Naja, dass sah sehr, … wie soll ich das sagen, … körperlich aus. Nicht unbedingt so, als wenn du nicht wüsstest … . Und ich frage mich wie viel du vergessen hast? Kannst du dich an vieles nicht mehr erinnern? Kannst du dich an Edward erinnern, oder an … mich?"

„Oh! Nein, ja! Ach, ich weiß auch nicht! Weißt du das ist ja dass komische, ich kann mich nicht erinnern, zumindest an nichts konkretes und trotzdem habe ich dass Gefühl ihn zu kennen. Mit dir geht es mir ganz genau so! Da sind kleine Gedankenblitze. Als du mir gerade geholfen hast da musste ich daran denke, dass mir das seltsam vertraut vorkam und an ein Gipsbein und Plastiktüten."

Jetzt grinste sie mich an und sah irgendwie erleichtert aus. „Oh ja, das werde ich so schnell auch nicht vergessen! Du hast total blöd ausgesehen mit diesen grauen Säcken am Bein!". Ich sah sie etwas verunsichert an und fuhr dann mit meiner Erklärung fort „Ich hatte schon mehrere solcher Erinnerungen. Es ist nur so, ich weiß nicht, ob es wirklich Erinnerungen sind, oder ob ich bloß eine lebhafte Vorstellung habe. Was wenn nicht alles zurückkommt? Was wenn ich mich nicht mehr erinnern kann?".

Ich sah auf in Alice wunderschönes Gesicht und versuchte verzweifelt die Tränen in meinen Augen weg zu blinzeln. „Hey, alles wird wieder gut! Glaub mir, ich bin Alice, wenn jemand das wissen kann dann ich! Du weißt doch, wette niemals gegen Alice! Und außerdem bist du nicht alleine, wir helfen dir! Wofür sind wir schließlich eine Familie!?" sie beugte sich zu einer kurzen Umarmung zu mir runter und stellte sich dann hinter meinen Stuhl und fragte mit einem breitem Grinsen „Also, was stellen wir jetzt mit deinen Haaren an?"


Hallo zusammen! Ja, ich weiß ich habe mir ganz schön Zeit gelassen und es tut mir auch leid! Schande über mich!!! Aber mir fehlt im Moment einfach die Inspiration und ich denke mir, ich lasse euch lieber warten, als das ich einfach irgendetwas schreibe. Ich möchte euren und natürlich auch meinen Ansprüchen gerecht werden. Ich kann nichts versprechen, aber ich bemühe mich euch in Zukunft nicht mehr ganz so lange warten zu lassen. Ich hoffe ihr bleibt auch weiterhin bei mir?!