3 Leanas neue Aufgabe
Fast den ganzen Tag über hatte Leana in der „Geschichte von Hogwarts" gelesen und war sich nun nicht sicher, ob es ein Märchenbuch war oder ob das alles tatsächlich der Realität entspringen könnte.
Treppen, die sich selbst bewegten, Hausgeister, umherschlagende Bäume, geheime Kammern – das konnte schließlich nur Fiktion sein.
Und was war mit den Menschen hier? Verfügten die wirklich über magische Fähigkeiten?
Oder war sie hier gefangen in einer riesigen psychiatrischen Anstalt?
Gehörte sie am Ende selbst dort hin?
Leana sank tiefer in den gemütlichen grünen Sessel und starrte in die lodernde Glut des Kaminfeuers. Es brannte schon den ganzen Tag immer gleich vor sich hin, obwohl sie nichts nachgelegt hatte.
Aber das musste schließlich nichts heißen, oder?
Sie war im Moment so durcheinander, dass es ihr absolut nicht gelang, die Gedanken in ihrem Kopf auseinander zu sortieren. Sie würde einfach ein wenig abwarten. Dann würde sich bestimmt alles auflösen…..
Sie würde aufwachen oder einfach weggehen, zurück in ihre Welt. Irgendetwas würde sicher geschehen.
Erst einmal brauchte sie Ablenkung, um nicht vollkommen durchzudrehen.
Sie holte aus ihrem Koffer den I-pod, stöpselte die Kopfhörer in die Ohren und ließ sich nun von Norah Jones berieseln, während sie weiter dem Spiel der Flammen zusah.
Es klopfte laut an der Tür. Fast gleichzeitig mit ihren „Herein" erschien Professor Dumbledore in einer leuchtend blauen Robe in ihrem Zimmer. Er schaute belustigt auf die Stöpsel, die Leana schnell aus ihren Ohren zog. „Zum Musikhören" nuschelte sie ein wenig verlegen. Er lächelte weiter, während er mit schnellen Bewegungen einen Stuhl näher zog und sich flink darin niederließ. Wie alt er wohl ist, fragte sich Leana.
Erwartungsvoll schaute sie ihn an.
„Wir haben lange im Kollegium diskutiert über Sie. Nicht alle waren damit einverstanden, eine Muggle auf Hogwarts aufzunehmen. Aber es stehen uns schwierige Zeiten bevor, da können auch ungewöhnliche Maßnahmen sinnvoll sein."
Fragend sah sie ihn an und wollte gerade zu sprechen beginnen, als er sie mit einer kleinen Handbewegung zum Schweigen anwies.
„Ich kann mir vorstellen, wie verwirrend das Alles hier für Sie sein muss. Sie können natürlich jederzeit gehen. Aber wir würden gerne sehen, welche Talente in Ihnen stecken. Darum möchte ich Sie bitten, kurze Zeit hier zu bleiben."
Leana war verwirrt. „Aber ich werde in Sydney erwartet! Auch meine Freunde wundern sich doch, wenn sie nichts von mir hören. Ich kann doch nicht einfach verschwinden….."
Dumbledore nickte ihr verständnisvoll zu.
„Das ist schwer zu verstehen, aber wir haben dafür gesorgt, dass sie nicht vermisst werden. Vielleicht können Sie sich dazu durchringen, wenigstens zwei oder drei Wochen hier zu verbringen?"
„Und was soll ich hier tun?"
Wollte er sie mit den Schülern in ein Klassenzimmer setzen oder hier im Zimmer einsperren?
Doch er lächelte sie ermunternd an:
„Sie sind also ab sofort ein Halbblut aus Übersee mit fehlenden magischen Fähigkeiten. Da Sie mit ihrer Familie zerstritten sind, wollen Sie auch nicht über ihre Vergangenheit reden. Als Squib werden sie für niedere Dienste eingesetzt und deshalb von der Zauberwelt nicht besonders beachtet. Offiziell ist Hogwarts also froh, jemanden zu haben, der die vielen alten Bücher unserer Bibliothek angemessen katalogisiert."
Erleichtert atmete sie die Luft aus, die sie die ganze Zeit über angehalten hatte. Dies war eine Lösung nach ihrem Geschmack, in einer historischen Bibliothek sitzen und antiquarische Bücher in einen Computer – oder was auch immer – erfassen.
Bevor sie über die Art der Archivierung nachdenken konnte, fuhr Dumbledore mit ernstem Blick fort. „Natürlich ist es nun die wichtigste Aufgabe, herauszufinden, über welche Fähigkeiten Sie tatsächlich verfügen. Professor Snape ist ein Meister in – wie Sie sagen würden „Gedankenlesen" - und auch Blockieren, er wird Sie prüfen und unterrichten. Fairerweise muss ich hinzufügen, dass er von dieser Idee nicht unbedingt begeistert ist, aber ich habe großes Vertrauen, dass Sie dank Ihrer Ausbildung mit ihm zurechtkommen werden."
„Ja sicher! " Alle Zauberer, die sie bisher getroffen hatte, von bis . waren sehr freundlich gewesen, da würde sie mit diesem Snape auch klarkommen. Ob er auch so einen langen Bart hatte wie Dumbledore? Die Lehrer schienen hier ja alle ältere Semester zu sein.
„Professor Snape erwartet Sie um acht Uhr abends in seinem Büro. Und – Miss Waitts – seien Sie lieber pünktlich"
Na, das scheint ja ein Drachen zu sein!
Im Rausgehen drehte sich Dumbledore noch einmal um. „Dieses Musikgerät – wie funktioniert das?" Leana, die sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen konnte, half ihm mit den Ohrstöpseln und zeigte ihm die Bedienung. Als er die Play-Taste drückte, kam ein kleiner Lichtblitz aus seiner Fingerspitze - mit dem Erfolg, dass ihm statt softem Jazz laut vernehmbar Mick Jagger „BROWN SUGAR" ins Ohr brüllte. Er gab das plärrende Gerät mit spitzen Fingern zurück und meinte lächelnd „Für Muggle-Technik bin ich eindeutig zu alt".
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