Die gestörte Lektion
Hallöchen!
Soll ich Euch was über mich verraten? Ich in ein absoluter Musik-Junkie. Ich hab zu allen möglichen und unmöglichen Themen ein Lied im Kopf und ertapp mich auch hin und wieder mal dabei, dass ich auf der Straße vor mich hin summe. Oder singe. Das ist dann erst RICHTIG peinlich.
Und manchmal denk ich an irgendwas und in meinem Kopf spielt ein Lied los. Dann hör ich kurz zu und stell fest: Stimmt! Das paßt ja genau auf diese Situation! Mein Unterbewußtsein sucht sie da immer das passende aus. (Ich sollte das als neue Therapie-Form anmelden und viel Geld damit verdienen!).
Hab jedenfalls an diesem Kapitel noch ein wenig rumkorrigiert, hol mir zwischendurch ein Glas Wasser und was spielt mein eingebautes Radio? Gordon Lightfoot. "If you could read my mind... what a tale my thoughts could tell..... in a castle dark" Also wenn das nicht zu unserem Severus paßt!
Meine Lieblingszeile:
"When you reach the part when the heartache comes: the hero would be me..."
musikalische Grüße
Legi
.
.
.
6 Die gestörte Lektion
In den nächsten Tagen verschwendete Leana kaum einen Gedanken an Snape, außer vielleicht, um ihn für den aufwändigen Aufsatz zu verfluchen. Sie war auch viel zu beschäftigt mit der Arbeit in der Bibliothek und damit, ihr Leben an die Hogwarts-Standards anzupassen.
Mit Filchs Hilfe konnte sie inzwischen die meisten Geräte bedienen: Der Wasserhahn in ihrem Zimmer reagierte auf „Aqua"-Zuruf, Drückte man in richtigen Rhythmus zwei Fliesen, kam eine Dusche zum Vorschein. Und selbst das Feuer konnte mittels einer kleinen Statue, die auf dem Kaminsims stand, reguliert werden.
Der Hausmeister hatte eine Art Lautsprecher aufgetrieben, mit dem sie endlich richtig Musik hören konnte. Allein dafür war ihm Leana mehr als dankbar.
Die Schmutz-Wäsche verschwand auf wundersame Weise aus der Truhe und tauchte gebügelt wieder auf, selbst das Bett machte sich von selbst. Wie eine Mischung aus Märchen und Star Trek, dachte Leana manchmal.
Sie konnte sich gar nicht erinnern, wann sie bewusst die Entscheidung gefällt hatte, erst einmal hier zu bleiben.
Irgendwie lebte sie einfach so in den nächsten Tag hinein. Ließ sich bereitwillig überraschen, welche Abenteuer da noch auf sie warten würden. Was hatte sie auch groß zu verlieren? Schließlich gab es in der Muggelwelt niemanden, der ungeduldig auf sie wartete.
Trotzdem vermisste sie ihre Kontakte dort. Sie hier hatte niemanden, mit dem sie reden konnte, dem sie ihre Erlebnisse erzählen durfte. Und dabei war sie ein sehr kontaktfreudiger Mensch!
Doch nach Snapes eindringlicher Warnung unternahm sie lieber keinen Versuch, einem Schüler oder Lehrer näher zu kommen, zumal – außer Filch – auch niemand besonderen Wert auf ihre Bekanntschaft zu legen schien.
Snape sah extrem schlecht gelaunt aus, als sie zur nächsten Stunde erschien. Mehrere widerspenstige Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht, und die steile Falte zwischen den Augen schien sich noch tiefer in die Stirn gegraben zu haben. Mürrisch nahm er ihren langen Aufsatz entgegen und legte ihn zu den anderen Schülerarbeiten, die mit roten Korrekturen übersät waren.
Leana saß abwartend auf der vordersten Kante des Stuhls und beobachtete ihn aufmerksam.
So richtig wohlzufühlen scheint er sich in seiner Rolle als Lehrer hier auf Hogwarts nicht. Ob er Freunde hat? Kollegen, mit denen er sich abends trifft? Verwandte, die er an den Wochenenden besucht?
Bevor sie weiter überlegen konnte, erklärte er ihr die erste Aufgabe:
"Sie werden jetzt in meine Erinnerungen eindringen und mir anschließend wiedergeben, was Sie zu erkennen imstande waren."
Leana nickte stumm. Sie unternahm den ersten Versuch, in dem sie in seine dunklen Augen sah. Doch bei diesem direkten Blickkontakt begann ihr Zwerchfell, - aus ihr unerklärlichen Gründen - sich zusammen zu ziehen. Dieser Mann machte sie eindeutig nervös!
Kein Wunder, er behandelt mich ja auch wie eine unfähige Schülerin! Ist doch klar, dass ich da feuchte Hände bekomme! Ich muss mich jetzt wirklich zusammenreißen!
Sie wandte also ihre Augen ab und fixierte lieber seine Schreibfeder auf der Tischplatte.
Besser!
Auf diese Weise gelang es ihr sogar recht leicht, die ihr angebotenen Szenen zu erkennen. Stolz verkündete sie "Sie haben gerade die Zutaten für eine Heilsalbe zusammengestellt, hier in ihrem Arbeitszimmer!"
Snape zog nur die Lippen ein wenig zusammen und schnarrte kühl: "Nächste Erinnerung!"
Diesmal war es die Begrüßungsrede von Dumbledore zum letztjährigen Schulbeginn, dann folgte ein Spielzug aus einem Quidditch-Match.
Leana konnte alle Einzelheiten detailliert wiedergeben. Diese Tatsache schien seine Laune nicht gerade zu heben.
Hätte er mehr Spaß daran, wenn ich versagen würde? Oder stört er sich daran, dass ich in Gedanken eindringen kann, ohne ein Zauberstab und das passende Kommando verwenden zu müssen?
Snape nahm einen Schluck Tee und begann dann, im Lehrerton zu referieren:
„Um ein fremdes Eindringen unmöglich zu machen und seine Gedanken zu schützen, ist es unerlässlich, Okklumentik zu lernen und zu beherrschen. Dabei ist es erforderlich, seinen Kopf frei zu machen von allen Gedanken und Gefühlen." Mit einer kleinen Handbewegung zeigte er ihr an, sie solle wieder einen Versuch bei ihm starten.
Tatsächlich!
Dieses Mal prallte sie bei ihm ab. Selbst der konzentrierte Blick in seine Augen, zu dem sie sich schließlich zwang, brachte keinen Erfolg. Leana spürte nur Leere. Es war ihr nicht möglich, ein Gefühl oder einen Gedanken zu erkennen.
Erstaunt fragte sie: „Wenn das aber jeder Zauberer beherrscht, dann nutzt doch diese ganze Legilimentik nichts!".
Zum ersten Mal in dieser Stunde erschien sein höhnisches Grinsen - sie hatte es fast schon vermisst: „Miss Waitts, wenn Sie –statt sich in Ihren mageren Erfolgen zu sonnen - zugehört hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass ich nie erwähnt habe, dass viele Zauberer die Kunst der Okklumentik beherrschen."
Sie dachte nach. „Ist das nicht anstrengend, die ganze Zeit diese Blockierung aufrecht zu erhalten? Oder geht das irgendwann automatisch?„
„Konzentration ist dabei unerlässlich, jemand der sich leicht ablenken lässt" er blickte sie direkt an, „ist leichte Beute für einen geübten Legilimentiker. Sie dürfen selbstverständlich gerne versuchen, ob Sie bei mir einen Zugang finden." Er machte eine ironische einladende Handbewegung in Leanas Richtung.
Natürlich wurde sie erneut abgeblockt.
Seine arrogante Art ging ihr immer mehr auf die Nerven.
Ob er noch andere Hobbies hat außer Leute dumm anreden oder Schüler fertig machen?
Wieder seine tiefe Stimme:
„Jetzt machen Sie mal Ihren Kopf leer, das dürfte Ihnen sicher nicht allzu schwer fallen. Legilimens!"
Dieser eingebildete Affe!! – Sie spürte ihn wieder in ihrem Kopf – ausgerechnet jetzt! – ich muss alle Gedanken und Gefühle fallen lassen –
doch dieses unangenehme Gefühl, dass er sie lesen konnte, war immer noch da – jetzt streng dich an, das kann doch nicht so schwer sein!
Irgendwie schaffte sie es schließlich, ihn aus ihrem Kopf zu drängen.
Snape starrte sie wieder einmal vorwurfsvoll an: „Sie sollen mich nicht zurückdrängen, sondern erst gar nicht in ihren Kopf lassen! Oder wollen Sie, dass künftig jeder Legilimentiker weiß, mit welchem Tier Sie ihn gerade vergleichen?"
Verdammt! Jetzt hat er das mit dem arroganten Affen auch noch mitgekriegt.
Es klopfte.
Leana atmete auf, denn Snape funkelte nun statt ihr die Zimmertüre an. Seine Stirnfalte wurde zur tiefen Furche. Jäh sprang er auf und öffnete die Tür. Professor Sprout drängte sich sofort an ihm vorbei und betrat das Zimmer mit einem Tablett voll Gläser mit diversen Pflanzenteilen. „Hier sind wie versprochen die Springkrautblätter und die Mangrovunkeln. Sie wollten Sie doch so schnell wie…" Sie sah erstaunt auf Leana und blickte Snape fragend an.
Dieser bemühte sich missmutig um eine Erklärung: „Wir besprechen die Archivierung meiner privaten Fachbücher."
Professor Sprout lächelte Leana ein wenig mitleidvoll an „Ach so, na dann will ich nicht weiter stören, ich stell die Gläser hierher". Klirrend setzte sie das Tablett auf einem seitlichen Arbeitstisch ab und begann, es leer zu räumen.
Leana, die immer noch wütend auf Snape war, fühlte während des Gesprächs ihre Chance auftauchen.
Jetzt ist er doch abgelenkt, einen Versuch ist es wert.
Wollen wir doch mal sehen, ob Mister Alleskönner wirklich immer seine Abwehr oben hat!
Sie konzentrierte sich auf seine Gedanken, während er sich zugewendet hatte.
Tatsächlich, da war keine Blockade! Allem Anschein nach rechnete er im Moment nicht mit einem Eindringen ihrerseits.
Doch Leana hatte es schon geschafft, unbemerkt in seinen Kopf zu gelangen..
Erst spürte sie nur großen Ärger über die Störung und auch sein sein Drängen, Sprout schnell los zu werden. Aber irgendwas war dieses Mal anders. Sie befand sich nicht in einem abgeriegelten Bereich seines Gedächtnisses, sondern hatte freien Zugang zu allen Erinnerungen und Gefühlen.
Alles schien auf ein Mal auf sie einzustürzen: Große Einsamkeit, die auch in frühen Erinnerungen aufblitzte. Aber auch starke Wut, Reue, Hass. Dann tauchten einzelne Bilder auf. Er war umringt von dunklen Gestalten, sie spürte seinen linken Arm schmerzhaft brennen. Doch er kämpfte innerlich, lehnte sich dagegen auf, musste aber trotzdem diese Gesellschaft ertragen. Sie fühlte deutlich seinen übermächtigen Hass auf diese Gestalten und die Kraft, die er aufbringen musste, um sich zur Beherrschung zu zwingen. Dann tauchte ein Wesen auf. Eine Art dunkler Anführer, dessen Anblick all diese Gefühle nochmals steigerte……
Entsetzt ließ Leana los und zog sich aus seinen Gedanken zurück. Sie fühlte ihr Herz bis zum Hals schlagen und hoffte inständig, dass er nichts mitbekommen hatte. Nur mühsam gelang es ihr, ihren beschleunigten Atem wieder zu beruhigen. Als Snape die Tür hinter Prof. Sprout schloss und wieder zum Platz zurückkam, musterte sie scheinbar interessiert die Bücher auf seinem Schreibtisch.
Am liebste hätte sie ihn mit Fragen durchlöchert, wer diese Gestalten waren und was dies alles zu bedeuten hatte. Aber das wäre sehr wahrscheinlich einem Todesurteil gleichgekommen. Oder zumindest einem hochkantigem Rauswurf. Sie konnte sich jedenfalls nicht vorstellen, dass Snape sehr angetan von einem unbemerkten Besuch in seinem Gedankengut wäre.
Doch das Schicksal schien es heute gut mit ihr zu meinen, denn er verkündete das Ende der Lektion:
„Die Unterrichtsstunden finden künftig in meinen Privaträumen statt, letzte Tür rechts in dem Flur, den auch Sie bewohnen. Vergessen Sie den nächsten Aufsatz nicht. Und nun hab ich zu tun, wie Sie sehen."
An der Tür drehte sich Leana nochmals zum verabschieden um und war überrascht zu sehen, dass er unbewegt am Schreibtisch saß, den Kopf in die rechte Hand gestützt, und ihr nachdenklich hinterher blickte.
.
.
.
