Snapes Musikgeschmack

Hallihallo,

ich hab Euch ja im letzten Kapitel schon gewarnt. Heut kommt meine musikalische (hüstel) Ader mal wieder durch.

Viel spaß beim Lesen!
Im nächsten Kapitel gibt es dann etwas mehr Action und endlich den allseits beliebten schmerzhaften Griff am Oberarm!
Der darf doch in keiner Snape-Story fehlen, oder?

Legi

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7 Snapes Musikgeschmack

An diesem Abend vermisste Leana schmerzlich eine verwandte Seele zum reden. Normalerweise war sie gerne allein, aber in einer so extremen Situation wie im Moment hätte sie verdammt gerne eine Freundin zum erzählen, gemeinsam überlegen und auch zum ablästern, gehabt. Jemanden, bei dem sie sich einfach mal Luft machen konnte. Schließlich konnte sie sich ja kaum bei Filch oder Pince über ihr hartes Los als Snapes Schülerin beschweren!
Ihr fehlte dringend ein Ventil für all die Gefühle, die in ihr tobten.
Sie dachte kurz über ein Tagebuch nach, aber angesichts der Hauselfen und sonstigen magischen Vorgängen war das sicher keine gute Idee.
Zu allem Überfluss bekam sie die Szenen, die sie in Snapes Kopf beobachtet hatte, nur schwer aus dem Kopf. Wie passte das alles zusammen? Diese dunklen Gestalten.....
Konnten das diese Todesser sein, von denen sie in Büchern gelesen hatte? Oder war das nur eine Legende....
Sollte etwas dran sein an diesen Schülerplappereien, die sie in der Bibliothek aufgeschnappt hatte? Dass er zur dunklen Seite gehörte?
Aber sie hatte doch auch deutlich seinen Hass auf diese Gesellschaft gefühlt. Und irgendwie war sie sich sicher, dass er nicht auf der dunklen Seite stand.
Bei diesem Mann passte aber auch gar nichts zusammen!

Nachts hatte Leana einen Alptraum, dass Snape ihr Eindringen in seine Gefühle herausgefunden hatte. Er hatte sie angeschrieen und sie war sich furchtbar klein und schäbig vorgekommen.
Als sie schweißgebadet aus dem Schlaf hochfuhr, sah sie noch lange seine drohenden, schwarzen Augen vor sich.
Die restliche Nacht wälzte sie sich unruhig im Bett herum und wartete darauf, dass die Morgendämmerung ihr das Zeichen zum Aufstehen geben würde.
Unausgeschlafen tappte sie schließlich zum Frühstück in Richtung Große Halle. So früh waren noch nicht viele Schüler unterwegs. Ein Mädchen aus dem lief an ihr vorbei.
„Hoffentlich seh ich ihn heute, hoffentlich schaut er mich endlich an, er ist ja so süß mit seinen Sommersprossen…..". Leana lächelte und musterte das Mädchen genauer. Erstaunt bemerkte sie, dass diese gar nicht sprach, sondern an einem Fingernagel herumkaute.
Jetzt geht`s aber los!
Hör ich schon Gespenster reden? Nun ja, wär ja hier auf Hogwarts gar nicht ausgeschlossen.
Oder gehört Bauchreden zur magischen Ausstattung?

In der großen Halle saßen nur eine Handvoll Schüler, doch unentwegt schnappte Leana Gedankenfetzen auf.
Himmel, das liegt ja tatsächlich an mir!
Ich fange wohl direkt auf, was um mich herum gedacht oder gefühlt wird!
In ihrem Kopf wurde es immer lauter und verworrener. Sie konnte gar nichts mehr den einzelnen Personen zuordnen. Und mit jedem Schüler, der die Halle betrat, wurde das Durcheinander schlimmer.
Hilfesuchend sah sie zum Lehrertisch, aber weder Dumbledore noch Snape war inzwischen aufgetaucht.
So kann das nicht weitergehen, ich werde ja wahnsinnig!
Fluchtartig verließ sie die Halle und eilte in Richtung ihres Zimmers. Dort lief sie mehrere Minuten auf dem Gang auf und ab in der Hoffnung, auf Snape zu treffen.
Hatte er nicht gesagt, dass sein Raum auch hier auf diesem Flur sei?
Doch er erschien nicht und sie wagte es nicht, so früh am Morgen an seine Türe zu klopfen.

In der Bibliothek war sie heute Vormittag zum Glück allein. Madam Pince hatte in irgendeinem Kellerarchiv zu tun, was Leana heute sehr entgegen kam. Mittags holte sie sich nur ein bisschen Obst von den Tischen der großen Halle und aß es in ihrem Zimmer.
Der Nachmittag war dann allerdings eine große Herausforderung. Sie versuchte verzweifelt, sich auf den Registrator und auf ihr Geschichtsbuch zu konzentrieren und manchmal half es ein wenig. Immerhin schien sie nicht mehr jeden einzelnen Gedanken zu hören.
Leana beruhigte sich ein bisschen und hoffte, dass dieser Zustand allmählich abklingen würde. Aber im nächsten Moment hatte irgendein Schüler wieder einen starken Gefühlsausbruch, den sie - wie einen lauten Zuruf - egal aus welcher Ecke der Bücherei auffangen konnte.

Sobald es möglich war, zog sie sich in die wohltuende Stille ihres Zimmers zurück und schrieb höchst unkonzentriert weiter an ihrem Aufsatz für Snape. Auf das Abendessen verzichtete sie gerne. Allein die Vorstellung, einen Raum mit Hunderten von Menschen betreten zu müssen, raubte ihr jeglichen Appetit.
Doch so konnte es auf Dauer nicht weitergehen. Es war ja unmöglich, jeden Kontakt zu meiden!
Schließlich nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, ging langsam an das hintere Ende des Ganges und stand schließlich vor der letzten Tür.
Ihre Handflächen fühlten sich unangenehm feucht an und sie spürte einen Kloß im Hals.
Jetzt reiß dich zusammen, du kannst doch nicht noch zwei Tage bis zur nächsten offiziellen Stunde warten!
Gedämpfte Geräusche drangen durch die dunkle Zimmertüre nach draußen. War das etwa.......?
Ihre Hand hatte sich irgendwie selbständig gemacht und klopfte laut an die Tür.

Nach einer halben Ewigkeit, während der sie ernsthaft überlegte, einfach umzudrehen und wegzugehen, öffnete sich die Türe einen Spalt. Snape musterte sie kurz, zog die Augenbrauen hoch und meinte kühl „Sie sind zwei Tage zu früh".
Leana holte tief Luft: „Ich weiß, aber ich muss mit Ihnen reden".
Widerwillig öffnete er die Tür und gab den Blick frei auf seine Privaträume. Das Wohnzimmer war deutlich größer als Leanas gesamter Wohnbereich. An allen Wänden standen deckenhohe dunkle Regale, die mit Büchern vollgestopft waren. Auf der rechten Seite war dem Wohnzimmer eine Art Küche angeschlossen. Ein kleiner, abgenutzter Teekessel dampfte auf dem Herd vor sich hin. Es roch irgendwie würzig.
Snapes schwarzer Umhang hing neben der Tür. Die oberen Knöpfe seines Gehrocks standen offen und zeigten ein weißes Hemd, ansonsten war er gekleidet wie immer.
Unsicher ging Leana ein paar Schritte ins Zimmer hinein, während er die Türe hinter ihr schloss.

Erst jetzt registrierte sie, dass es tatsächlich Musik war, was sie draußen vor der Tür gehört hatte. Überrascht blickte sie sich um. Ein Abspielgerät war nirgends zusehen, doch der ganze Raum war erfüllt von klassischen Klängen, die ihr bekannt vorkamen.
Snape sah sie fragend an: „Also ?"
Ohne nachzudenken antwortete sie „Das ist Beethovens drittes Klavierkonzert!"

Er kam näher, blickte sie drohend an und sagte mit gefährlich leiser Stimme „Miss Waitts, falls sie nicht hergekommen sind, um über meinen Musikgeschmack zu diskutieren, sagen Sie endlich, was Sie wollen! Meine Zeit ist sehr begrenzt."
Ein kleiner Ruck seines Zauberstabs brachte die Musik zum verstummen.

Leana schluckte. „Ich höre ständig alle Leute denken" sprudelte es aus ihr heraus „es macht mich ganz verrückt. Seit der letzten Unterrichtsstunde schreit mir jeder hier seine Gefühle und Gedanken entgegen, ich kann da gar nichts dagegen tun!"

Mit einem verächtlichen Blick sah er sie an. „Selbstverständlich können Sie etwas dagegen tun. Verschließen Sie Ihren Kopf, nehmen Sie keinen Kontakt mit anderen Gedanken auf. Das ist – wie ich Ihnen im übrigen bereits erklärt habe – eine Frage der Konzentration. Halten Sie Ihre Neugierde im Zaum und üben Sie lieber Okklumentik bis zur nächsten Stunde!"
Damit drehte er sich von ihr weg und wandte sich dem sprudelnden Teewasser zu.

Leana blieb verdutzt noch kurz im Raum stehen und beobachtete seine geübten Bewegungen. Schließlich ging sie zur Tür, nicht ohne auf dem Weg dorthin noch einen Blick ins nächste Bücherregal zu riskieren. Zu ihrer Überraschung standen da neben antiquarischen Büchern, deren Runenschrift sie nicht lesen konnte, auch ihr bekannte Autoren. Rimbaud, Kafka, Joyce, Whitman - das hätte sie nicht erwartet.
Snape liest Muggelautoren und hört Beethoven?

Ihr war noch was eingefallen.
„Professor?"
Mit einem genervten Ausdruck drehte er sich um und baffte sie an: „Was denn?"
„Ein paar Zimmer weiter ist ein Musikraum. Darf ich den benutzen?"
Erstaunt blickt er sie an.
Sie beeilte sich mit einer Erklärung:
„Also wenn das erlaubt ist: Ich würde so gerne mal wieder Klavier spielen, das geht mir hier wirklich ab".
Er sah sie seltsam an. Sie konnte seine Miene beim besten Willen nicht deuten.
„Wenn Ihr Seelenheil davon abhängt, dann spielen Sie halt" Sie überhörte den barschen Unterton jetzt einfach mal gnädig und verließ sein Zimmer – zum ersten Mal nach einer Begegnung mit Snape im zufriedenen Zustand.

Wenige Augenblicke später saß Leana am kleinen Flügel im Musikzimmer.
Ihre Finger strichen zärtlich über die Tasten ohne sie anzuschlagen. Oh ja, das hatte ihr wirklich gefehlt!
Er lag mit seiner zynischen Aussage über ihr Seelenheil gar nicht so falsch. Musik war schon immer ein gutes Ventil für alle Gemütszustände bei ihr gewesen.
Sie begann zu spielen, eine kurze Etüde von Chopin, mehr schlecht als recht.
Egal, die Wände und Türen waren dick!
Sie schloss die Augen und ließ sich von einem Stück zum anderen tragen. Merklich fiel die Anspannung der letzten Tage von ihr ab. Sie hatte keine Vorstellung, wie lange sie am Flügel gesessen hatte, aber in dieser Nacht schlief sie zum ersten Mal wieder gut.

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