So, jetzt machen wir hier doch direkt weiter mit dem letzten Satz...
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12 Asparagus
Steif? Da kam ihr endlich eine Idee.
Mühsam überwand sie ihren Ekel und begann, ihn mit spitzen Fingern zu massieren. Er stöhnte heiser auf.
Gleichzeitig dachte sie mit aller Macht an einen schlaffen Zustand. Sie konzentrierte sich auf ein Zusammenschrumpfen, fokusierte verzweifelt auf erlahmende Manneskraft.
Kann das funktionieren? Kann ich ihm ähnliche Bilder übermitteln wie er mir – und vor allem – ohne, dass er es merkt?
Leana biss sich fest auf die Unterlippe und fuhr mit der Behandlung und der telepathischen Beeinflussung fort.
Tatsächlich!
Nach ein paar Minuten umschlossen ihre Finger keinen festen Stab mehr, sondern griffen mehr und mehr in ein weiches Etwas.
Sie übermittelte ihm weiter Gedanken an erlahmende Körperteile und drückte noch ein paar Mal entschlossen zu.
Er fuhr sie wütend an „Was machen Sie denn da?"
Gut! Er schob die Schuld auf sie und ihre Hände!
Leana bemühte sich um eine unsichere Stimme: „Es tut mir leid, , ich bin so aufgeregt. Leider bin ich in solchen Dingen nicht so arg erfahren, wie Sie vielleicht annehmen. Vielleicht geben Sie mir irgendwann nochmals eine Chance?"
Er verließ nun eilig das Bett, zog die Hose ruckartig hoch und zischte sie wütend an: „Das glaub ich kaum, du dummes Ding!"
Sein Zauberstab zeigte plötzlich auf sie. Bevor Leana überhaupt begriff, was er vorhatte, schleuderte er ihr „Mementonihil!" entgegen.
Ein Vergessenszauber! So stellt er also sicher, dass seine Eskapaden geheim bleiben! Allerdings scheint der Spruch bei mir nicht zu wirken!
Ohne auf ihre Reaktion zu warten, sammelte er hektisch seinen Stock und Mantel vom Boden auf und stürmte nach draußen.
Leana fiel zurück ins Bett, sie fühlte sich schmutzig, besudelt, missbraucht. Ohne dass sie es erst bemerkte, liefen ihr Tränen übers Gesicht. Sie lag vollkommen starr da und wollte sich nie wieder bewegen.
In diesem Moment wurde erneut ihre Türe aufgerissen.
Oh nein, ich ertrag es nicht, kommt er jetzt zurück?
Sie hatte keine Kraft mehr, sich zu wehren, sie würde einfach daliegen und alles über sich ergehen lassen. Ihr war alles egal, sie fühlte sich fremd in ihrem eigenen Körper. Verzweifelt schloss sie die Augen.
„Was ist hier passiert?" Das war Snapes unverkennbare Stimme.
Erleichtert öffnete sie die Augen. Es war vorbei, Malfoy war weg, sie war sicher!
Snape stand in der Schlafzimmertüre und sah sie fragend an. „Was wollte Malfoy hier? Er ist gerade eilig aus Ihrem Zimmer verschwunden." Seine Augen schienen sie aufmerksam zu mustern.
Ihr fiel jetzt erst auf, dass ihr Shirt noch offen stand, sie zog schnell die Decke bis zum Kinn hoch. Wie sollte sie das alles jetzt ausgerechnet Snape erklären? Eigentlich konnte er sich das doch selbst zusammenreimen.
Was er wohl auch tat: „Hat er Sie angefasst?" Er machte einen halben Schritt nach vorne, hielt dann offenbar verlegen inne, die Situation schien ihm unangenehm zu sein.
Leanas Stimme klang belegt: „Offensichtlich findet er Muggelfrauen durchaus - äh - anziehend. Der Reiz des Unbekannten." Sie musste schlucken. „Es war entwürdigend und ekelhaft. Das schlimmste waren seine Phantasien, die er mir gedanklich aufgezwungen hat."
Bei der Erinnerung erfasste ein Schauer ihren ganzen Körper und sie wickelte die Decke noch enger um sich. Sie hörte Snape laut ausatmen, er sah sie mit einem entsetzten Ausdruck an, seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Hat er Sie denn ….. ich meine,…… ist es zum Äußersten gekommen?"
Anscheinend fühlte er sich auf diesem Terrain nicht besonders wohl.
Leana räusperte sich: „Ob er mich vergewaltigt hat? Nein, das konnte ich abwenden."
Er öffnete den Mund, sprach aber die offensichtliche Frage nach dem `Wie?` nicht aus.
Seine Hände blieben geballt: „Er ist sicher noch irgendwo hier" Er drehte sich hektisch um und eilte mit großen Schritten zur Tür.
„SNAPE, STOP!"
Leana sprang aus dem Bett. Da er überrascht stehen geblieben war, konnte sie ihn überholen und sich vor der Türe aufbauen. „Das ist es nicht wert! Denken Sie doch nach, er hält Sie für seinen Freund, außerdem hat er einen Vergessenszauber ausgesprochen. Lassen wir es einfach gut sein!"
Sein zorniger Gesichtsausdruck verwandelte sich in einen undurchschaubaren. Sie konnte seine Augen kaum hinter den einzelnen schwarzen Haarsträhnen erkennen.
„Er hat sie auf schäbigste Art missbraucht! Das kann ich nicht auf sich beruhen lassen, er wird dafür bezahlen müssen!" Leana schluckte. Sie wollte nicht, dass Snape sich unbeherrscht in Gefahr brachte und die Tarnung riskierte.
Entschlossen blieb sie vor der Tür stehen: „Malfoy hat schon viel schlimmere Dinge mit anderen Menschen angestellt. Es ist ja nicht gerade so, dass er mir die Unschuld geraubt hat oder so was. Lassen wir es doch einfach auf sich beruhen."
Snapes Stirnfalte erschien tiefer, er sah sie ein wenig ungläubig an und strich sich langsam eine Strähne aus dem Gesicht. „Wenn das alles so harmlos war, warum haben Sie dann Tränen im Gesicht?"
Seine Finger verharrten kurz in der Luft. Für einen Moment hatte sie den Eindruck, er wollte sie berühren und ihr die Tränen von der Wange wischen. Doch seine Hand wanderte stattdessen an seinen Kragen, wo sie ruhig liegen blieb.
Er stand einen Augenblick regungslos da, aber da sie ihm die Antwort auf seine Frage schuldig blieb, ergriff er die Türklinke.
„Wenn Sie erlauben…", eine ironische kleine Verbeugung in ihre Richtung, „würde ich jetzt gerne in meinem Zimmer weiterarbeiten."
Leana trat einen Schritt zur Seite, er öffnete die Türe jedoch noch nicht, sondern entschloss sich doch noch, die offene Frage zu stellen: „Wie sind Sie Lucius losgeworden?"
Ein wenig verlegen sah er sie an.
Leana überlegte lange. Wie sollte sie das jetzt Snape erklären?
Schließlich antwortete sie: „Wissen Sie, wie eine Spargelstange aussieht, die zu lange gekocht wurde? Ich habe ihm sozusagen gedanklich sehr viel heißes Wasser übermittelt."
Snapes Gesicht veränderte sich schlagartig. Er lächelte. Zum ersten Mal zeigte er ein echtes Lachen. Kein höhnisches Grinsen, welches die Augen erst gar nicht erreichte, sondern ehrlichen Humor.
Fasziniert betrachtete Leana den Mann, der so nah vor ihr stand. Er sah komplett verändert aus. Seine Lippen wirkten voll und sanft, eine Reihe weißer Zähne blitze auf, und seine Augen – die Kälte war komplett aus ihnen gewichen, die kleinen Falten drumherum ließen sie fast verschmitzt aussehen, sie wirkten warm und weich.
Selbst seine Stimme hatte einen freundlicheren Klang, als er sagte „Miss Waitts, mir scheint, vor Ihnen muss man sich als Mann wirklich in Acht nehmen!"
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