18 Die schwarze Wolke

Seine Stimme dröhnte noch immer in ihren Ohren. „Und jetzt wäre es sicher das Beste, Sie verlassen mein Zimmer!", hatte er gesagt.

In Leanas Kopf drehte sich alles.

Was war passiert? Jede Faser ihres Körpers verzehrte sich nach ihm und er stieß sie weg?

Sie stolperte zur Zimmertür hinaus und begann zu laufen.

Nur weg hier, weg von diesem Mann, in dem sie sich so getäuscht hatte, weg aus seiner Nähe!

In den dicken Mauern der Schule schien sie keine Luft zu bekommen. Schwer atmend rannte sie zur großen Eingangstüre, stieß mehrmals heftig mit der Oberarmpartie dagegen, um diese gegen den brausenden Wind zu öffnen. Ihre wunde Schulter spürte sie anfangs kaum, danach empfand sie es als angenehme Ablenkung von dem Schmerz, der in ihrer Brust tobte.

Die Tür gab schließlich nach und Leana stürmte nach draußen. Zum heftigen Wind hatte sich inzwischen noch ein kalter Regen dazugesellt, der sie innerhalb kürzester Zeit komplett durchnässt hatte.

Die Tropfen brannten in den Augen, oder waren es ihre Tränen?

Das extreme Wetter passte zu ihrer Stimmung, sie fühlte sich eins mit den stürmischen Elementen.

Ihre Schritte wurden allmählich langsamer, sie fiel in einem Rasenstück neben dem Schulgarten auf die Knie. Schwer atmend vergrub sie ihre Hände dort im hohen Gras. Ihr Körper wurde immer wieder von einem Schütteln durchlaufen, ihre Brust schmerzte so stark, dass sie glaubte, gleich ohnmächtig zu werden.

Wie konnte er sie so zurückweisen?

War da wirklich nichts zwischen ihnen?

Hatte sie sich so sehr getäuscht?

Wieso ließ er sie nicht an sich heran?

Leana schluchzte auf, sie schrie in den Wind, der ihre Stimme fast verschluckte: „WARUM?"
Verzweifelt grub sie ihre Hände tief in die nassen Graswurzeln und die aufgeweichte Erde. Dann ließ sie den Tränen freien Lauf in ihrem regennassen Gesicht.

Warum liebte er immer noch Lily?

Und warum empfand sie selbst so viel für ihn?

Noch nie hatte sie so heftige, schmerzhafte Gefühle für jemand aufgebracht.

Sie würde abreisen, gleich morgen früh.

Dumbledore und seine Probleme gingen sie nichts an, sie konnte hier nicht bleiben.
Allein die Vorstellung, Snape morgen gegenüber treten zu müssen, seine Stimme zu hören, seine Augen zu sehen, machte sie fast wahnsinnig.

Sie legte beide Hände flach auf das nasse Grass, ließ den Kopf nach unten hängen und den Regen auf sie einprasseln.

Es war egal, ob sie nass wurde oder ob ihr kalt war. Alles war egal. Nun, da er sie weggeschickt hatte.

Das Wasser lief an ihren Haaren herunter, über ihr Gesicht. Durchweichte ihre Kleidung und drang in ihre Schuhe ein.

Egal. Sie bemerkte es kaum.

Der Sturm fauchte durch die nahen Bäume, schüttelte an den dicken Ästen, trieb Laub und Pflanzenteile in einem wilden Tanz vor sich her.

Auch das nahm sie nur am Rande war.

Sie war innerlich leer. Alles, was sie fühlte, war dieser Schmerz, der ihre Brust zusammenzog, der ihren gesamten Körper zu beherrschen schien, der sie unfähig machte, etwas anderes wahr zu nehmen.

Doch.

Da war plötzlich etwas, was sie spürte.

Eine Hand auf ihrem Rücken. Seine Hand. Sie wusste es ohne umzuschauen.

„Leana"
Sie zitterte heftig.

Er soll weggehen, ich will ihn nicht spüren, nicht hören, nicht sehen!!!

Doch er beließ nicht nur seine Hand zwischen ihren Schulterblättern, sondern sprach mit seiner verdammten, tiefen Stimme auch noch von hinten in ihr Ohr:

„Es tut mir leid. Es war nie meine Absicht, Sie zu verletzen. Aber - Sie haben einen besseren Mann als mich verdient. Suchen Sie sich in ihrer Welt einen Partner, mit dem Sie glücklich werden können."

Leana drehte sich um, noch nie im Leben war sie so wütend gewesen. Völlig aufgebracht schrie sie ihn an: „Meinen Sie, ich kann mir das einfach so aussuchen? Ich bin noch nie einem Mann wie Ihnen begegnet und das hat gar nichts damit zu tun, dass Sie Zauberer sind. Aber Sie opfern sich ja für Lily auf!"

Ihr Atem ging schnell, in ihren Ohren rauschte das Blut. Vollkommen aufgelöst wartet sie auf seine Reaktion.

Er kniete sich vollständig zu ihr nieder, seine Haare klebten am Kopf, der linke Arm steckte noch im blutverschmierten Hemdärmel.

„Lily?", erwiderte er in überraschtem Tonfall, „Das hat doch gar nichts damit zu tun! Sie ist nichts weiter als eine alte Erinnerung!"

Leana konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. „Was ist es dann?", fuhr sie ihn zornig an.

Sie konnte sich doch nicht so getäuscht haben! Da war etwas zwischen ihnen, das konnte er doch nicht einfach leugnen!

Sie musste es jetzt einfach wissen, musste endlich Klarheit haben!

Leana sah ihm direkt in die Augen, was angesichts der Wasserbäche gar nicht einfach war. Sein Blick hielt ihrem stand, doch sie rückte noch näher zu ihm auf, fixierte seine Miene und stieß atemlos hervor: „Schauen Sie mich an und sagen sie mir ins Gesicht, ob Sie irgendetwas für mich empfinden!"

Er unterbrach nach einer halben Sekunde den Augenkontakt und wich ein Stück zurück.

Seine Stimme klang tonlos, als er schließlich antwortet: „Das ist unwichtig".

Leanas Stimme übertönte den immer stärker aufbrausenden Wind: „Das ist unwichtig? Das ist das Einzige, was für mich zählt!"

Sie verstand diesen Mann nicht, am liebsten hätte sie auf ihn eingeprügelt.

Was war nur mit ihm los? Warum konnte er ihr nicht ein einziges Mal eine vernünftige Antwort geben! Ja oder nein, das konnte doch nicht so schwer sein!

Und sie würde heute, hier und jetzt, darauf bestehen, eine eindeutige Aussage von ihm zu erhalten! So oder so.

Denn mit dieser grausamen Ungewissheit konnte sie nicht länger leben!

Sie fasste entschlossen nach seinem Ärmel und hielt ihn fest, er würde jetzt endlich Rede und Antwort stehen…..

Plötzlich war alles anders um sie herum.

Es wurde es still.

Der Sturm hatte schlagartig aufgehört, auch der Regen war mit einem Mal vorbei. Eine unerwartete, fast unheimliche Ruhe umgab sie.

Beide sahen überrascht zum Himmel. Die grauen Regenwolken verzogen sich auf gespenstische Weise und ein fahler Vollmond trat dahinter hervor.

Doch über dem Turm, der direkt hinter ihnen in den Nachthimmel ragte, braute sich ein andersartiges Wolkengebilde zusammen: dunkel, bedrohlich, massiv.

Wie aus dem Nichts erschien es und nahm von Sekunde zu Sekunde an Ausmaß zu.

Entsetzt betrachtete Leana das unheimliche Schauspiel am Himmel.

Hinter den vorderen Turmzinnen schien sich etwas zu bewegen.

War dort oben jemand?

Bewegte sich da nicht gerade eine Gestalt hin und her?

Snape sprang jäh auf und zog seinen Zauberstab. Dann hielt er kurz inne, um ihr eindringlich zuzurufen: „Laufen Sie sofort in ihr Zimmer und sperren Sie sich ein!".
Bei den letzten Worten begann er schon loszujagen, mit großen Schritten stürmte er in Richtung des Turms. Leana war ebenfalls hochgeschnellt und rannte ohne zu überlegen hinter ihm her. Sie konnte die Bedrohung deutlich spüren, irgendwas Gefährliches ging dort oben auf dem Turm vor.

Snape hatte eine versteckte Tür geöffnet und sprintete nun die steilen Treppenstufen hinauf. Sie tat es ihm nach und rannte mit etwas Rückstand ebenfalls die vielen Steinstufen nach oben.

Endlich stand sie schwer atmend vor der alten Holztür, die auf die Turmplattform führte, und öffnete diese einen Spalt. Sie sah Snape, der den Kopf in den Nacken gelegt hatte und mit ernster Miene das Schauspiel am Himmel beobachtete. Leana trat aus der Tür und erschrak beim Anblick der unheilverheißenden dunklen Wolke, die nun ganz nah direkt über dem Turm stand.

Snape fuhr herum und sah ihr direkt in die Augen. Gleichzeitig hörte sie in ihrem Kopf seine Stimme, die ihr deutlich einen stummen Befehl gab: „Verschwinden Sie schnell von hier!"

Erstaunt blickte sie ihn an, warum hatte er nicht laut zu ihr gesprochen?

In diesem Moment sah sie die Gestalt, die sich hier auf dem Turm aufhielt.

Es war Filch.

Filch, der grinsend hinter einer Zinne hervortrat und zu ihrer Überraschung einen langen dünnen Zauberstab in der Hand trug.

Er war doch ein Squib, was sollte dieser Aufzug?

Snape dachte wohl das Gleiche: „Filch, fuchteln Sie nicht mit dem Stab herum, wir haben hier ein ernsthaftes Problem!"

Der Hausmeister schien das Geschehen am Himmel nicht weiter zu beachten, er fletschte seine gelben Zähne und spuckte dann abfällig auf den Boden: „Sie und die anderen Lehrer haben mich noch nie ernst genommen, aber das ist jetzt vorbei. Expelliarmus !"

Snapes Zauberstab flog in weitem Bogen über die Brüstung. Leana stieß einen kleinen Schrei aus, sie konnte nicht glauben, was sie gerade gesehen hatte.

Der Hausmeister hatte Snape entwaffnet!

Filchs Augen sahen glasig aus. Er ließ nun ein triumphierendes Gelächter erklingen: „Das habt Ihr Euch nicht gedacht, dass der unbegabte Caretaker einmal so mächtig wird? Der dunkle Lord war so freundlich, mich mit ein paar nützlichen Fähigkeiten auszustatten. Noch ein paar Minuten und der Schutzzauber um Hogwarts ist durchbrochen. Dann steht dem Apparieren von Todessern direkt hierher nichts mehr im Wege!"

Er richtete seinen Zauberstab nach oben und murmelte ein paar leise Sprüche.

Leana stand vollkommen erstarrt noch immer am gleichen Fleck.

Filch hatte sich also Voldemort angeschlossen?

Und war nun dabei, die Todesser in die Schule zu lassen?

Mit weit aufgerissenen Augen musste sie hilflos mitansehen, wie ein schmaler Lichtstrahl aus dessen Zauberstab in Richtung der Wolke hochfuhr.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Snape blitzartig auf Filch zurannte, doch dessen Spruch war schneller. Der Hausmeister hatte seinen Stab jäh zur Seite bewegt. Sein „Stupor!" schleuderte den Professor zurück auf den Boden, nur ein paar Schritte von Leana entfernt.

Sie zuckte heftig zusammen.

Filch starrte ihn mit einem feindseligen Ausdruck an: „Es ist mir ein Rätsel, warum Sie das hier nicht schon lange erledigt haben. Der Lord bezeichnet Sie als treuen Anhänger, ich kann mir das nicht vorstellen! Sie hätten schon so viele Möglichkeiten gehabt, ihm Harry Potter auszuliefern."

Bewundernswert langsam und beherrscht antwortete ihm Snape: „Die wichtigen Aufgaben, mit denen mich der dunkle Lord betraut hat, wird er Ihnen wohl kaum verraten."

Filch schien nicht überzeugt. „Ich glaub Ihnen kein Wort. Wie wäre es mit einer kleinen Demonstration? Ein Folterspruch für diese Squib hier? Um zu beweisen, dass Sie es wirklich ernst meinen als Todesser?"

Panik machte sich bei Leana breit. Sie wich unwillkürlich einen Schritt zurück, da hörte sie wieder Snapes Stimme in ihrem Kopf: „Sie lassen sich auf den Boden fallen und spielen Schmerzen vor!"

Snape stand auf, klopfte sich kühl den Staub von der Kleidung und sagte ruhig: „Wie sie wünschen, . Wir sind ja offensichtlich nun Kollegen auf der dunklen Seite und ich werde Ihnen natürlich gerne einen Beweis meiner Loyalität erbringen. Allerdings brauche ich dazu meinen Zauberstab. Accio –„

Ein erneuter Blitz aus Filchs astartigem Stab ließ Snape zurücktaumeln. „Halten Sie mich für blöd, Snape? Wann Sie ihren Zauberstab zurückbekommen, bestimme nur ich! Und ich hab es mir anders überlegt, es ist sicher die bessere Lösung, wenn ich das hier übernehme. CRUCIO!"

Leana wurde wie von einer mächtigen Welle auf den Boden geworfen, unglaublich Schmerzen breiteten sich in ihrem Körper aus. Der Schrei blieb ihr im Hals stecken, sie fühlte ihre gesamte Haut in Flammen stehen und alle Muskeln brennen. Wie durch Watte hörte sie Snape laut rufen „Hören Sie sofort auf, Filch!".

Der Schmerz ließ schlagartig nach, trotzdem fühlte sie sich überall wund und geschunden. Anscheinend war sie gegen die unverzeihlichen Flüche nicht immun, ein Gedanke, der ihr gerade in diesem Moment große Angst einjagte.

Sie öffnete die Augen und sah unter der inzwischen dunkelrot leuchtenden Wolke einen grinsenden Filch. „Na so was, unser finsterer Professor hat ja ein weiches Herz!"

Er lachte wild auf.

Snape half Leana auf die Beine ohne den Blick von seinem Widersacher zu nehmen. „Lassen Sie sie gehen und wir beide tragen das hier aus!"

Er schob Leana zur Seite, wo sie mit zittrigen Beinen und heftig atmend stehen blieb.
Wieder Snapes lautlose Stimme in ihrem Kopf: „Wenn ich `Jetzt` rufe, springen Sie zur Türe und laufen nach unten!"

Das Gelächter von Filch klang immer irrer: „Austragen?", stieß er mit sich überschlagender Stimme hervor, „Sie verstehen wohl immer noch nicht! Ich habe einen Zauberstab und Sie nicht!"

Leana fühlte deutlich, dass Filch nicht mehr zurechnungsfähig war. Die neu verliehene Macht hatte ihm jeden Realitätssinn geraubt, er war im Moment zu allem fähig.

Snape schien das nicht zu registrieren, er machte mit den Händen eine herausfordernde Geste zu seinem Gegenüber: „Dann versuchen Sie doch noch mal einen Spruch an mir, Sie Zauberneuling. "

Völlig entsetzt starrte Leana ihn an.

Bemerkte er denn nicht, dass Filch nicht mehr zurechnungsfähig war?

War ihm nicht klar, in welch großer Gefahr er gerade schwebte?

Wieder hörte sie Snapes dröhnende Stimme. „Wie wäre es mit einer kleinen Demonstration Ihrer neuen Fähigkeiten? JETZT!"

Leana konnte die riesige Wut spüren, die in diesem Moment in Filch hochstieg. Er war nun zu allem fähig!

Sie hatte zwar Snapes Kommando gehört, doch es war ihr nicht möglich, sich von der Stelle zu bewegen. Als ob vor ihr ein Film abliefe, sah sie, dass Filch seinen Stab auf Snape richtete und den Mund öffnete.

"Avada Kedavra!"

NEIN ! Nicht Snape! Nicht Severus!

Sie fühlte eine reflexartige Bewegung durch ihren Körper gehen.

Wie in Zeitlupe liefen die Vorgänge der nächsten Sekunden ab. Sie war mittendrin und konnte gleichzeitig wie ein Zuschauer von außen alles betrachten:
Ganz automatisch war sie losgesprungen. Jedoch nicht in Richtung der Treppe. Sie konnte einfach nicht zulassen, dass Snape getötet wurde, sie musste das verhindern!

Der grüne Lichtblitz aus Filchs Zauberstab raste direkt auf sie zu, da sie nun unmittelbar vor dem eigentlichen Ziel stand.

Jetzt war alles vorbei! Sei sah den sicheren Tod auf sich zukommen.

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Jaaaa, Leana ist doch sowieso eine OC, die kann doch ruhig ins Gras beißen, oder? Dann ist Snape endlich frei für die schon lange im Mädchenklo wartende Hermine. Oder McGonagall, die auf der Suche nach Ehemann Nummer vier ist. Ach nein, Lucius! Der kämmt sich schon seit Tagen die blonde Mähne, weil er bei seinem Rendez-vous mit Severus einfach unwiderstehlich aussehen will! Grins. (sorry, hab mich in der ff vertan und bin bei Triflorifer gelandet…..)

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