Liebe Leser,
hier also das vorletzte Kapitel.
Vielleicht hat ja doch noch jemand einen klitze-kleinen Kommentar für mich übrig?
Ihr erinnert Euch sicher, am Schluss des letzten Kapitel raste Filchs grüner Avada-Blitz auf Leana zu.
Da steigen wir direkt ein:
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19 Der Sprung
Doch der Fluch erreichte sie nicht. Stattdessen breitete sich ein hell leuchtendes Band in einem engen Bogen um sie und Snape aus.
Es war golden.
Der grüne Blitz prallte ab und wurde mit unglaublicher Gewalt zurückkatapultiert. Er traf auf Filch, der an der äußeren Brüstung gestanden hatte, und schleuderte ihn vom Turm. Ohne einen vernehmbaren Schrei fiel er nach unten und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf.
Das goldene Band wurde nach und nach schwächer.
Leana stand wie angewurzelt an der gleichen Stelle und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war. Als das Leuchten fast verschwunden war, sah sie, dass Dumbledore und McGonagall durch die Tür auf die Plattform gekommen waren. Beide hatten nun ihre Zauberstäbe in den Himmel gerichtet und schrumpften allem Anschein nach die dunkle Wolke allmählich zusammen.
Was war mit Snape?
War sie rechtzeitig vor ihn gesprungen?
Oder hatte ihn der tödliche Fluch doch getroffen?
Sie wagte es kaum, sich langsam umzudrehen. Ihr Puls raste immer noch wie verrückt und ihre Beine zitterten vor Angst.
Da stand er, direkt hinter ihr. Aufrecht und ebenfalls heftig atmend. Mit einem Ausdruck in den Augen, den sie nicht zu deuten vermochte.
Bevor sie ihn eingehender mustern konnte, hörte sie Dumbledores warme Stimme. „Das ist ja gerade noch gut gegangen! Severus, ich glaube, Du musst uns noch einiges über die Vorfälle hier erzählen. Wie war das mit Filch?"
Snape sah Leana mit unergründlichem Blick an, während er antwortete: „Einen Moment noch, Albus."
Dann trat er einen Schritt auf sie zu. Sie konnte erkennen, dass sich sein Brustkorb in schnellem Rhythmus hob und senkte. Er legte ihr mit einer fürsorglichen Geste die rechte Hand auf die Schulter und fragte: „Sind Sie in Ordnung, Leana?"
Alles, was sie als Anwort schaffte, war ein leichtes Nicken.
Er quittierte es mit einem knappen „Gut" und fügte anschließend hinzu: „Wir reden später".
Sie öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, doch er hatte sie bereits losgelassen und sich schwungvoll umgedreht.
Mit „Accio" rief er seinen Stab herbei, schritt zu den Zinnen und blickte mit Dumbledore nach unten in Richtung des gefallenen Filch.
Leana fühlte sich mit einem Schlag leer. Leer und kalt und erschöpft und völlig durcheinander. Alles Blut schien plötzlich aus ihrem Kopf zu verschwinden.
Sie begann gerade haltlos zu zittern, als Professor McGonagall zu ihr trat, ihren Arm nahm und sie über die Treppe zurück in die Schule begleitete.
Die Lehrerin war offenbar sensibel genug, keine Fragen zu stellen. Sie wollte nur wissen, ob sie Leana einen Stärkungstrunk von Madame Pomfrey holen sollte, aber Leana lehnte ab. Sie wollte nur in ihr Quartier.
Als sich die Professorin dann an der Zimmertür verabschiedete, ergriff Leana doch noch deren Ärmel. „War das jetzt tatsächlich dieses goldene Band? Wieso….." Sie ließ den Satz unvollendet.
McGonagall lächelte ihr vielsagend zu. „So wie es aussieht hat Severus alles riskiert, um Ihnen ein Entkommen zu ermöglichen und Sie haben ihn mit ihrem Leben geschützt. Eine engere Verbindung kann es wohl kaum geben, oder?"
Damit verabschiedete sie sich und ließ eine verwirrte Leana zurück.
Was hatte das nun alles zu bedeuten?
Eine Verbindung? Das konnte doch gar nicht sein! Schließlich hatte er ihr mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass sie in seinem Leben nichts zu suchen hatte. Einfach weg geschoben hatte er sie nach dem Kuss!
Andererseits – ER war er gewesen, der sie überhaupt an sich gezogen hatte! Der seine Arme um sie gelegt und seine Lippen auf ihre gedrückt hatte.
Und auch vorher: sie hatte in den letzten Tagen den Eindruck gehabt, dass ihm ihre Nähe durchaus nicht unangenehm war. Und wie oft war er ins Musikzimmer gekommen! Oder hatte auch mal nach der Lektion noch eine Tasse Tee mit ihr getrunken und sich unterhalten!
Ihre Gefühle konnten sie doch nicht so täuschen! Sie war sich sicher, dass auch er etwas für sie empfand!
Aber würde er das zulassen?
Würde er sie an sich heranlassen?
Leana seufzte.
Je mehr sie darüber sinnierte, umso größer wurde das Chaos in ihrem Kopf. Sie schlang die Decke eng um sich und versuchte, nicht an diese furchtbaren Szenen auf dem Turm zu denken. Was natürlich vollkommen aussichtslos war.
Doch ein Satz tauchte immer wieder in ihren Gedanken auf: `Wir reden später`, hatte er gesagt.
Das ließ sie neue Zuversicht schöpfen.
Es konnte nicht mehr lange dauern, dann würde die Türe aufgehen und alles aufgeklärt werden. Endlich würde sie Klarheit bekommen.
Sie lehnte den Kopf an die Rückenlehne und starrte auf die Türklinke.
Nach ein paar unruhigen Stunden im Kaminsessel hatte Leana aufgegeben.
Aufgegeben, sich einen Reim auf sein Verhalten zu machen.
Aufgegeben, hinter seine wahren Gefühle zu kommen.
Aufgegeben, auf sein Erscheinen zu warten.
Schließlich lag sie schlaflos im Bett und versuchte verzweifelt, an nichts zu denken. Morgen würde sie einen neuen Versuch starten, die Geschehnisse zu verstehen, aber für heute war es zuviel. Nicht einmal ihr Körper war sich einig, ob er noch die Schmerzen des Crucio-Fluches spürte oder den warmen Druck seiner Lippen.
Und immer wenn sie an seine Nähe dachte, tauchte das hübsche Gesicht der jungen Lily vor ihren Augen auf.
Verdammt! Warum tat es nur so unerträglich weh?
Was war das?
Ein knarzendes Geräusch? War die Türe zu ihrem Quartier geöffnet worden?
Sie musste nicht weiter überlegen, denn sie konnte deutlich fühlen, dass Snape soeben ihr Schlafzimmer betreten hatte.
Ihre Augen konnten nur seine Umrisse erkennen, aber der Rest ihres Körpers spürte schmerzhaft seine Nähe.
„Leana"
Der samtige Ton seiner Stimme jagte einen Schauer durch ihren Leib. Sie setzte sich auf. Am liebsten wäre sie zu ihm gelaufen und hätte ihn an sich gedrückt. Aber dann würde er sie sicher wieder wegstoßen. So wie in seinem Zimmer.
Bestimmt war er nur gekommen, um ihr zu erklären, dass sie sich keine Hoffnungen zu machen brauchte.
Doch diesmal würde sie ihm zuvorkommen!
Entschlossen setzte sie sich im Bett auf. „Professor, ich weiß warum Sie hier sind, Sie brauchen nichts zu erklären", schleuderte sie ihm entgegen, „Verbindungen zwischen Professoren und Muggles sind nicht erwünscht, ich kehre ja bald in meine Welt zurück. Es tut mir leid, dass ich heute nicht auf Sie gehört habe und Sie bei Filch in eine gefährliche Situation gebracht habe. Das kommt nun ja nicht mehr vor, wenn ich weg bin. Außerdem ist mir klar, dass Sie immer noch Lily verbunden sind, ich respektiere das und werde ihnen nicht mehr zu nahe kommen."
Abwartend lehnte sie sich ein wenig zurück. Sie kämpfte mit den Tränen, aber schließlich war nun endlich die Wahrheit ausgesprochen worden.
Er würde sicher gleich sagen: „Na dann ist ja alles geklärt." und grußlos das Zimmer verlassen.
Doch der Umriss stand immer noch unbeweglich neben der Schlafzimmertür.
Dann wieder seine Stimme. Diese verdammte tiefe, warme Stimme: "Ich weiß nicht, warum Sie immer auf Lily herumreiten, aber sie ist längst Vergangenheit."
Es dauerte einen Moment, bis sie tatsächlich zur Kenntnis nahm, was er gesagt hatte. Ihr Atem setzte für einen Moment aus.
Im Schutz der Dunkelheit sprach er weiter: „Leana, ich wollte es lange nicht wahrhaben, denn in meinem Leben ist nicht viel Platz für eine Frau. Und ich bin alles andere als eine gute Wahl. Doch nach den Ereignissen dieser Nacht hast Du ein Recht, es zu erfahren: Es sind DEINE Augen, die ich ständig vor mir sehe. Ich höre Deine Musik, auch wenn Du gar nicht mehr spielst. Ich spüre Dich, lange nachdem Du den Raum verlassen hast."
Sie konnte nicht antworten.
War es wirklich wahr?
Hatte er das tatsächlich gesagt?
Alles, was sie noch fertig brachte, war, ihren Arm wortlos in seine Richtung zu strecken.
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