Flucht in ein anderes Leben
Hoffe das vorherige Kapitel hat gefallen?
Wie auch immer... Viel Spaß beim Lesen X3
„Hermine, das kann doch nicht dein Ernst sein?"
Nun versuchte der Rotschopf mit dem Namen Ron schon seit einer geschlagenen halben Stunde das zu verdauen, was er zuvor von Harry erfahren hatte. Sie saßen alle Drei im Gemeinschaftsraum auf dem kleinen Sofa am Kamin und tatsächlich konnte sich die junge Frau nicht entsinnen, wann sie zuletzt hier ohne große Hintergedanken gesessen hatten.
Noch vor einem Jahr hatte sie hier mit dem Weasleyjungen aufeinander gehockt und hatte sich seinen ständigen Annäherungsversuchen ergeben, um letztlich über jede kleine Störung erfreut zu sein. Schon nach kurzer Zeit war die Beziehung zwischen ihr und Ron mehr auf körperlicher Basis – war das neuerdings normal, dass Jungs in dem Alter nur auf den körperlichen Kontakt aus waren? Wenn ja, waren die zu Hauf nicht sonderlich reif. Kein Wunder, wenn sich Mädchen wie Parvati bereits nach einem Fünfundzwanzigjährigen umsahen.
„Doch, das ist mein Ernst, Ron. Und hör auf, mich so anzustarren, oder dir fallen noch die Augen raus." knurrte Hermine genervt und sah dabei über den Rand ihres Buches hinweg in das puderrote Gesicht ihres Exfreundes.
„Aber... Wieso Snape?" stammelte Ron und zog dabei angestrengt seine Augenbrauen zusammen. Wusste er, dass er gerade aussah wie ein Quaffel? So rot und aufgeplustert hatte er erstaunliche Ähnlichkeit mit einem.
„Entschuldige mal, aber Professor Snape ist der einzige Zaubertränkelehrer hier an Hogwarts. Außerdem" zischte die junge Hexe und schlug dabei ihr Buch geräuschvoll zu. „Ist er ein intelligenter, und vor allem talentierter Mann! Und selbst du kannst das nicht abstreiten."
„Sag bloss, du fährst auf ihn ab!" stieß der Rotschopf angewidert aus und verzog dabei die Mundwinkel in den Keller, schien es aber selbst nicht zu bemerken. Harry, der neben ihm saß, zog ebenfalls so ein Gesicht und schien dabei zu hoffen, dass das Gespräch mit Ron dazu beitragen würde, sie von ihrer Idee abzubringen.
„Also hör mal! Das ist mindestens so ein bescheuerter Satz, seit dem Harry vermutet hat, ich würde sitzen bleiben." knurrte Hermine genervt und warf ihm dabei einen bitterbösen Blick zu. Normaler Weise hätte Ron wohl auch darauf reagiert, wenn er sich nicht gerade so in seinen Hass auf den Tränkemeister steigern würde.
„Das wäre immerhin besser gewesen, als uns zu sagen, dass du ganze Jahre noch bei dieser alten Fledermaus sein möchtest! Weiß Dumbledore überhaupt davon? Nicht, dass das alte Ekel dir nachher nur an die Wäsche will!"
Nun war es an der jungen Hexe ihre Hautfarbe in ein tiefes Rot zu verfärben und den Anderen drohend anzufunkeln. „Dumbledore hat es mir selbst erst angeboten. Außerdem ist Professor Snape gar nicht so schlimm – du kannst ihn ja nur nicht leiden, weil er viel mehr Intelligenz als du, Walnuss, besitzt." fauchte sie und packte dabei ihren Wälzer geräuschvoll auf den Tisch.
Hermine wollte nicht warten, bis er erneut mit seinem Gemecker anfangen würde – dazu hatte sie im Augenblick einfach keine Nerven. Sollte er schließlich denken, was er wollte. Sie würde ihre Ausbildung hier vollziehen, ob ihre Freunde es für gut heißen würden, oder nicht. Also erhob sich die junge Frau von ihrem Platz, griff nach dem Umhang, der über der Lehne lag, an der sie bis eben noch leicht gelehnt war und verließ ohne ein weiteres Wort den Gemeinschaftsraum.
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„Miss Granger, könnten Sie sich vielleicht einen Moment lang um den Professor kümmern?" seufzte Madame Pomfrey und es war nur abzusehen, dass sie bereits kurz davor war, ihre Nerven mit Snape zu verlieren.
Nun waren schon ein paar Tage seit dem Streit vergangen und bisher war Hermine ihren Freunden aus dem Weg gegangen. Wenn sie ihnen über den Weg laufen würde, würden sie ja doch nur wieder mit dem selben, leidigen Thema beginnen und genau darauf hatte sie nun einfach keine Lust mehr. Schließlich hatte sie ihre Entscheidung gefällt und würde diese auch nicht bereuen.
„Natürlich... Was soll ich denn genau tun?" stutzte die junge Gryffindor und stellte dabei ein paar beschrifteteTränke zurück in den Schrank – die Krankenschwester hatte sie zwar nicht darum gebeten, aber die Schülerin wusste selbst, wie wichtig es war, genau darüber bescheid zu wissen, was sich im Inventar befindet und was vielleicht nachgebraut werden muss.
„Nicht bestimmtes. Nur seine Verbände abnehmen und über die Stellen, wo sich Narben gebildet haben, eine von den Salben schmieren. Sie wissen schon – die, die Haut geschmeidiger macht und hilft, dass nur noch ein silbern-schimmernder Streifen zurück bleibt." erklärte die Ältere und ließ sich erschöpft hinter ihrem Pult fallen. Offenbar hatte sie bereits mehrere Minuten erfolglos mit dem Professor darum gekämpft, diese Aufgaben an ihm durch zuführen. Irgendwie tat sie der jungen Hexe leid...
Noch eine letzte kleine Phiole wurde sachte in den Schrank gestellt, ehe sich Hermine umwandte und aus dem kleinen Büro ging. Der Vorhang, der sonst zugezogen war und den Tränkemeister vor neugierigen Blicken schützen würde, war nun beiseite gezogen und gab einen amüsanten Blick frei.
Snape hatte sich aufrecht ins Bett gesetzt und tastete nach den Verbänden an seinem Oberkörper, um sie scheinbar zu lösen. Das Problem war wohl doch, dass er nicht sah, wo sie genau endeten und das war ein Grund, weshalb er seine Mundwinkel genervt nach unten gezogen hatte und leise vor sich her knurrte.
„Lassen Sie das, Professor" summte Hermine amüsiert und trat an sein Bett. Dabei realisierte sie, dass er sie wohl nicht kommen gehört hatte – sein Zusammenzucken verriet ihn. Ein mürrisches Knurren folgte und wenn er gekonnt hätte, hätte der Tränkemeister sie vermutlich versucht, mit den Blicken zu erdolchen.
Vorsichtig, um ihn nicht erneut zu erschrecken, ließ sich die junge Gryffindor auf dem Rand des Bettes nieder und zog einen seiner Arme zu sich. „Madame Pomfrey scheint ziemlich erschöpft zu sein" summte die Hexe wie nebenbei und trennte dabei den Verband mit einem Zauber auseinander. „Sie sollten ihr das Leben nicht so schwer machen, Professor Snape. Madame Pomfrey will Ihnen doch nur helfen."
„Sagen Sie mir nicht, was ich zu tun und zu lassen habe, Miss Granger. Außerdem weiß Madame Pomfrey genau, dass Sie mich einfach in Ruhe lassen soll – da ist sie selbst Schuld, wenn sie weiter versucht, was unmöglich ist..." zischte die gewohnt kalte Stimme des Tränkemeisters. Seine Hand ballte sich kurz zu einer Faust, um ihre neu gewonnene Freiheit auszutesten. Als seine Auszubildende und Schülerin jedoch ihre Hand, beschmiert mit der Salbe, über die Stellen streichen ließ, wo noch vor wenigen Tagen unzählige Wunden waren, zog Snape zischend die Luft ein.
„Was schmieren Sie mir da rauf?" fauchte er und wollte seinen Arm weg ziehen, doch er hatte nicht damit gerechnet, dass Hermine einen solch festen und hartnäckigen Griff hatte. Doch was sie konnte, konnte er schon lange. Das würde sie schon sehen.
„Sie wollen doch keine Narben zurück behalten, oder? Das könnte Ihre Arbeiten beeinträchtigen... Beim Zaubertränke brauchen, meine ich." erklärte Hermine ruhig und wickelte gleich einen neuen, sauberen Verband um den Arm und die Hand. Schließlich sollte die Salbe ja nicht gleich an den Sachen hängen bleiben.
„Was spielt das für eine Rolle? Falls Ihnen das noch nicht aufgefallen ist, Miss Granger, ich bin blind. Haben Sie schon einmal einen blinden Mann allein Tränke brauen gesehen!" Dass er verbittert sein würde, hatte die junge Gryffindor ja geahnt, aber dass er diese Verbitterung so offen ihr gegenüber zeigte, überraschte sie.
„Nein, das nicht..." begann sie beschwichtigend und machte sich derweilen daran, einen weiteren Verband zu lösen und dort die selbe Prozedur durchzuführen. „Aber wer sagt denn, dass Sie das fürs Erste allein machen müssen? Schließlich bin ich bei Ihnen in der Ausbildung und praktische Erfahrungen können nur von Vorteil sein, meinen Sie nicht? Außerdem sagt ja kein Mensch, dass Sie auf Ewig blind sein werden."
Da war es wieder – sie hatte dieses abfällige Schnauben schon viel zu oft vom Anderen hören müssen. Und das war auch ein Grund, weshalb sie etwas fester auf die Narben drückte und dabei die Salbe verteilte. „Sagen Sie mir bloss nicht, Sie wollen den [style type="italic"]Erga Caecitas[/style] brauen?"
„Ob Sie es glauben wollen, oder nicht, aber ja, das hatte ich vor."
„Sie sind doch verrückt. Außerdem wer sagt, dass ich Ihr Gepansche überhaupt trinken werde? Eher würde ich in einem Kerker versauern!"
„Das tun Sie bereits... Ich werde den Trank außerdem nicht alleine, sondern mit Ihrer blinden Führung brauen."
Hermine sah nun böse auf und machte sich daran, den Verband um den Kopf zu lösen. Erst jetzt hielt der Tränkemeister wirklich still – nicht einmal sein Mund bewegte sich, um zu protestieren. Vielleicht hatte sie ja über ihn gesiegt? Oder er wartete auf den richtigen Moment, um es ihr heim zu zahlen?
„Ich habe nicht vor, erneut in Ihrer Schuld zu stehen, Miss Granger..." brummte Snape plötzlich und spürte dabei, wie kühle Luft sein Gesicht umspielte. Seine Augen hatte er geschlossen und Hermine war sich im Augenblick nicht so sicher, ob er es tat, weil er sich schämte, oder weil er nicht noch mehr Gewissheit über seine Erblindung erhalten wollte. Innerlich wusste sie, dass es das Erste sicher nicht sein konnte.
„Warum erneut?" stutzte die junge Hexe und rieb nun auch die Stellen in seinem Gesicht mit der kühlen Salbe ein. Dafür hatte sie sich extra vor ihn gestellt und dabei seinen Kopf zu sich herum gedreht. Sie konnte sehen, wie sich die Lider seiner Augen leicht hoben und erkannte das leere Schwarz unter ihnen, die einfach nichts mehr zu erfassen vermochten. „Ohne Sie würde ich kaum noch hier sitzen, meinen Sie nicht?"
Dieser Kommentar von ihm kam so unerwartet, dass die junge Frau einen Moment lang inne halten musste. „Ach kommen Sie..." räusperte sich Hermine und fuhr damit fort, seinen Nasenrücken zu massieren. Dass sie größer und markanter war, als jene, die sie bisher so nah gesehen hatte, störte sie nicht. Tatsächlich stand sie dem Professor besser, als jedem Anderen sonst. Nicht, dass er besonders gut aussah, doch selbst jemand wie sie musste sich eingestehen, dass er etwas an sich hatte, dem sie sich nur zu gern unterworfen hätte.
„Wenn Professor Dumbledore nicht so Weise gewesen wäre, mir das Medaillon nicht schon am selben Tag zu geben, dann hätte ich Ihnen doch genauso wenig helfen können." seufzte die Gryffindor und band das Gesicht, im Gegensatz zum Rest, nicht mehr zu. Dass sie ihm dabei kurz, aber durchaus kräftig auf den Oberschenkel klopfte, signalisierte dem Professor, dass das Thema wohl für sie abgeschlossen war. Nun, tatsächlich vermutete sie, dass er es wohl zu einem späteren Zeitpunkt wieder anschneiden würde. Wann das wohl wahr?
„Miss Granger?" Erschrocken fuhr Hermine zusammen und sah direkt in die trüben Augen des Tränkemeisters. Seine Stimme klang eben noch so sanft und vorsichtig. Hatte er je schon einmal so geklungen? Im Unterricht? In einem privaten Gespräch? Irgendwie konnte sie sich nicht sonderlich daran erinnern.
Ein Brummen von ihr schien ihm zu zeigen, dass sie ihm zuhörte, während sie nun begann, die alten Verbände in den Müll zu schmeissen. „Würden Sie mich in meine Wohnung bringen?"
„Sie wissen doch, dass Sie noch im Bett bleiben müssen, Professor..."
„Ob ich hier meine Zeit verschwende, oder in meiner Wohnung. Was spielt das für eine Rolle?" knurrte der Tränkemeister etwas verstimmt und verzog ein wenig seine Mundwinkel. Dabei bildete sich zwischen seinen Augenbrauen kurz eine tiefe Falte. Dachte er etwa darüber nach, wie er sie überzeugen konnte?
„Okay, ich mache Ihnen einen Vorschlag" kam es so plötzlich von Hermine, dass der Mund des Professoren herunter klappte, ohne dass er einen Ton hören ließ, nur um ihn dann wieder zu schließen. „Wenn Sie mir erlauben, für die erste Zeit bei Ihnen auszuharren und mich um ihre Narben zu kümmern, dann werde ich sehen, was ich tun kann."
Für einen Moment hatte die Hexe das Gefühl, die Augen ihres Professoren würden sich etwas weiten, doch sofort verengten sie sich zu bedrohlichen Schlitzen. Doch es kam keine böswillige Erwiderung auf ihren Vorschlag – viel mehr schien er Vor- und Nachteile abzuwiegen und seufzte letztlich ergebend. „Nun gut. Aber Sie sorgen dafür, dass alles an Ort und Stelle bleibt...!"
Ohoooh – Hermine bei Snape? Wozu wird das nur führen?
Weiter geht's im nächsten Kapitel ^^ (und ich hoffe, ich brauche nicht wieder so lange ==)
Bedeutung des Tranknamens
Erga Caecitas ist eigentlich ziemlich simpel – es ist Latein und bedeutes so viel wie „Gegen Blindheit"- allerdings kann ich selbst nicht genau sagen, ob das Erga die richtige Formulierung dafür wäre :/ (Ich hatte Latein vor einigen Jahren, aber das ist halt schon lange her ^^")
