Ferienplanungen oder auch: Das zahme Kätzchen
Die Nacht war letztlich sehr schnell vergangen, sobald der Professor seinen Magen beruhigt und sich hingelegt hatte. Auf sein leises Gebrumme, Hermine solle doch bitte in ihr eigenes Zimmer gehen, hatte sie ihn nur mit Ignoranz bestraft und es sich mit einem Buch in den Händen auf der anderen Bettseite bequem gemacht.
Es graute bereits der nächste Morgen und feine Sonnenstrahlen versuchten sich durch die Vorhänge an den Fenstern des Schlafzimmers zu schieben. Vergebens. Das war nun auch der Zeitpunkt, an dem der jungen Frau die Augen schwer wurden und sie trotz des Versuches, wach zu bleiben, in einen angenehmen Schlaf fiel. Das Buch fiel neben ihr auf die weiche Matratze und wurde durch ein tiefer-rutschen der Schülerin letztlich auf den Boden befördert, während sich Hermine in die warmen Weiten des Bettes schmiegte – oder doch nicht?.
Als sie zwischendrin erwachte, bemerkte es die Gryffindor nicht. Alles schien so unwirklich und vor allem die Tatsache, dass sie sich mitten im Schlaf eng an den Tränkemeister gekuschelt hatte und weniger in die sogenannten Weiten des Bettes, war für sie wie ein weiterer, verwirrender Teil ihrer merkwürdigen Träumerein, die sie zu haben pflegte. Also wurden die haselnussbraunen Augen wieder verschlossen, ohne daran zu denken, dass das hier real sein könnte.
Ein sanftes Kitzeln weckte Hermine sachte aus ihren verworrenen Träumen. Sie spürte den warmen, festen Körper an sich, die Muskeln, die sich unter der blassen Haut bewegten und konnte fühlen, wie sich der Brustkorb regelmässig hob und senkte. Hatte sie geglaubt, ihr Traum würde sich wie zuvor weiter führen, täuschte sich die Schülerin sofort, als sie die doch sehr realistische Hand an ihrem Rücken fühlte, dessen Fingerspitzen mit einer bestimmten Zärtlichkeit darüber strichen.
Mit einem Schlag war die junge Gryffindor hell wach und starrte auf die halbnackte Brust des Tränkemeisters, während ihr bewusst wurde, wie sie hier an ihm lag. Ihr Kopf war auf seinem Oberarm gebettet, während ein Arm sich um seinen Oberkörper schlang und ein Bein halb über den Oberschenkel des Mannes hinweg hing. Er selbst schien entweder zu schlafen oder es als merkwürdig witzig zu empfinden, denn sein Arm hielt sie regelrecht an sich. Ob er glaubte, sie würde noch schlafen?
Wiederholt liebkosten seine Fingerspitzen ihren Rücken durch den dünnen Stoff ihrer Bluse und bahnten sich hin und wieder einen Weg unter den Verschluß ihres BH's, doch nicht so weit, um ihn vielleicht versehentlich zu überspannen und dadurch zu öffnen. Manche Verschlüße waren durchaus heimtückisch was das betraf.
Vorsichtig hob Hermine ihren Blick zum Gesicht ihres Professors. Es war so entspannt und ruhig. Ob er schlief? Wie es sich wohl anfühlen musste, wenn sich seine Lippen auf die ihren legten? Ob er sie sanft küssen würde? Oder eher stürmisch?
Der Gedanke, dass er noch wenige Stunden zuvor seinen Mageninhalt zurück an die Oberfläche befördert hatte, verpasste der jungen Frau einen kurzen Dämpfer, wurde das Gefühl von Unbehagen jedoch sofort durch die Streicheleinheiten an ihrem Rücken fortgespült. Dieser Mann musste einfach magische Hände haben, anders konnte sie es sich einfach nicht erklären.
Die Schülerin schloss neuerlich ihre Augen und genoss noch einen Augenblick lang die zarten Berührungen, ehe sie vorgab, aufzuwachen. Fast sofort spürte Hermine, wie die Hand in ihren Bewegungen inne hielt und schlaff auf die Matratze zurück sank.
„Sind Sie endlich aufgewacht?" knurrte Snape leise und schien eine seiner übelsten Launen hervor gezogen zu haben. Warum wusste sie nur, dass das nicht seine wirkliche Stimmung zu sein schien?
„Hmhm~" Ein zustimmendes, scheinbar müdes Brummen kam nun von ihrer Seite aus und nur zögernd setzte sich die junge Frau neben dem Blinden auf. „Haben Sie gut geschlafen?" fragte Hermine lauter, als es nötig gewesen wäre und bekam auch sofort dafür die gewünschte Reaktion, während sie selbst sich leise knackend streckte.
Die Mundwinkel des Tränkemeisters zogen sich leicht in den Keller und seine Augen hatten sich geöffnet, um sie blind aber böse anzufunkeln. Vermutlich hätte er angefangen sie anzuzischen, wenn da nicht die Kopfschmerzen gewesen wären, die sich deutlich bemerkbar machten. Also gab er nur ein genervtes Brummen von sich und entschied sich wohl, lieber den Mund zu halten.
„Offenbar nicht..." Hermine hob amüsiert eine Augenbraue und musterte den Dunkelhaarigen. Wenn er nicht ihr Lehrer gewesen wäre, und das machte die Tatsache, dass sie hier an ihn gekuschelt geschlafen hatte im übrigen auch nicht besser, hätte sie ihm vermutlich einen sanften Klaps auf den Bauch gegeben und ihn dazu animiert, sich zu erheben. Doch so beließ sie es bei einer nur beiläufigen Geste – einem kurzen Streicheln über den Unterarm, welche dem Professoren eine sichtbare Gänsehaut verschaffte. Fühlte er eigentlich jetzt anders? Intensiver? Schließlich mussten irgendwelche Sinne ja den Sehsinn ersetzen und das waren gewöhnlich die Hör- und Tastsinne.
„Sagen Sie, Professor Snape..." begann die Gryffindor und schob sich elegant von dem großen Bett, nur um sich an dessen Seite zu hocken und ihr Buch auf zuheben. „Hatten Sie für die Sommerferien eigentlich etwas spezielles geplant? Also ich meine, bevor Sie erblindeten?"
Die Frage schien den Tränkemeister doch ein wenig zu irritieren und aufgrund der Kopfschmerzen entschied er sich für eine recht knappe, aber präzise Antwort. „Natürlich. Aber nichts, was Sie anginge."
„Ach kommen Sie. Jetzt, wo Sie nichts mehr sehen können, muss ich doch wissen, was Sie planen."
„Nein..." Er verschränkte die Arme vor der Brust.
„Professor Snape... Sagen Sie schon!" Sie trat sachte mit dem Fuß auf.
„..."
„..." Hermine starrte ihn unablässig an.
„..." Wieder verzog der Ältere die Mundwinkel und runzelte etwas genervt die Stirn. Was wohl in seinem Kopf vor sich ging? Vermutlich versuchte er gerade abzuwiegen, was schlimmer für ihn wäre. Es ihr zu sagen, oder noch länger ihren stechenden Blick auf sich zu fühlen. „Ich wollte nach London, Kräuter besorgen, nach Hause..." knurrte Snape ergebend, jedoch möglichst leise, um nicht weitere Kopfschmerzen hervor zurufen.
„Wunderbar" stieß die junge Hexe aus und klatschte eine Hand auf ihr Buch, nur um es für sich selbst als beschlossen abzustempeln. Doch der Tränkemeister schien weniger begeistert von dieser Geste zu sein, denn wieder verzog er etwas die Mundwinkel und wollte wohl gerade noch nach dem Grund für ihre Begeisterung erfragen, als sie selbst schon weiter sprach.
„Da ich ohnehin noch einmal nach der Abschlußprüfung nach London zu meiner Familie wollte, können wir das gerne in einem Rutsch erledigen. Sie begleiten mich mit nach Hause, dafür begleite ich Sie an Ihre geheimen Orte, um ihre Erledigungen zu tätigen."
Nun schien Snape doch etwas überrumpelt worden zu sein. Seine blinden Augen weiteten sich etwas, verengten sich kurz darauf jedoch soweit, dass nur noch das Funkeln zwischen den Lidern zu erkennen war, mit dem er seine Schülerin nun bedachte. „Wer hat denn gesagt, dass ich MEINE Ferien mit Ihnen verbringen will!" zischte er und zuckte gleichsam zusammen. Er war offensichtlich zu laut geworden.
„Ach kommen Sie, Professor..." Hermine trat von einem Fuß auf den Anderen, wohlwissend, dass er eigentlich nicht Nein sagen konnte. Schließlich würde er so seine Planungen erledigen können und das ohne Beeinträchtigungen. Mehr oder weniger. „Außerdem können wir somit mehr Zeit nutzen, um weiterhin an meinem Medica-Studium zu arbeiten."
Ob es das Argument war, das ihn zur Erleuchtung führte, oder ob er selbst gerade den gewissen Vorteil bemerkte, den er durch die Anwesenheit seiner Schülerin haben würde, war ihr nicht ganz klar, dennoch nickte er kurz und stieß dabei genervt die Luft aus der Nase.
Somit war es also beschlossen. Ferien bei dem Tränkemeister persönlich. Ob es förderlich war, oder nicht, wusste Hermine in diesem Moment nicht, aber es war sicher alles Andere als unangenehm, etwas Abstand zu ihren einst besten Freunden zu gewinnen, wenn sie sich ohnehin im Augenblick wie die letzten Idioten aufführten.
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Es war erstaunlich, wie schnell die nächsten Tage dahin flogen. Während Hermine oft nur noch mit weiterem Lernen zu brachte, hatte sich der Tränkemeister in sein Büro zurück gezogen und wies sie nur hin und wieder dazu an, ihm zur Hand zu gehen. Über die Ferienplanung verlor keiner der Beiden vorerst ein Wort mehr. Warum auch? Schließlich würde Snape seinen Willen bekommen und die junge Hexe würde sicherlich einige Zeit später Ruhe geben.
So kamen also endlich auch die Tage der Prüfungen und gingen mindestens genauso schnell. Die junge Gryffindor war vor allem in den wenigen Stunden zwischen den einzelnen Prüfungen so unausstehlich, dass selbst Snape sie zu meiden schien. Doch davon bemerkte sie herzlich wenig.. Zu sehr hing ihr Kopf in den Büchern und war vollgepumpt mit dem unangenehmen Gefühl, durch die kompletten Prüfungen zu rauschen und dann ohne Zaubererabschluß da zu stehen.
Ihre Angst vor dem Versagen war sogar schon so schlimm geworden, dass sie oft vor dem Schlafen gehen noch zu weinen begonnen und ihr ganzes Wissen ein letztes Mal aufgerufen hatte. Auch in den Träumen schien nichts mehr wie sonst, denn überall sausten Prüfer durch ihren Kopf und stempelten ihr ein dickes „F" für Fail auf die Stirn...
Doch nun, da die letzte Prüfung überstanden war und die Nachricht, dass nur wenige Prüflinge die Tests wiederholen mussten (Hermine war natürlich nicht dabei), hatte sich wieder alles beruhigt. Die Schülerin war deutlich entspannter geworden und redete gerade ohne Unterlass auf den Professoren ein, der seinerseits versuchte, sie zu ignorieren, indem er konzentriert an einer schwarzen Bohne herum schnitt.
„Das wird wundervoll, glauben Sie mir. Meine Eltern werden Sie sicher mögen. Und wenn nicht, dann auch egal. Wir bleiben ja nur ein paar Tage und in denen können Sie sich ja getrost aus dem Weg gehen, nicht wahr?" plapperte die junge Hexe und holte am Ende tief Luft – ohne wirklich mit dem Reden inne zu halten und gleichsam zu atmen war doch eine erstaunlich schwierige Aufgabe. Wer hatte nur den Menschen mit der Fähigkeit zum Atmen erfunden? Ohne das wäre es doch sicherlich viel einfacher, stundenlange Vorträge zu halten, ohne immer wieder nach Luft zu schnappen, oder?
Dennoch war es diesem Umstand zu verdanken, dass nun der Tränkemeister zu Wort kam und mit hochgezogener Augenbraue zu ihr hinüber 'sah' – zumindestens dahin, von wo ihre Stimme kam. „Wie bitte? Sie haben mir nicht gesagt, dass wir länger bei Ihren Eltern bleiben, Miss Granger!" zischte Snape und verengte gefährlich die Augen. Eine Tatsache, die der doch etwas überfröhlichen Hermine entging.
„Nicht? Na dann wissen Sie's jetzt. Also..." Sie wollte gerade neuerlich Luft holen, um weiter zu sprechen, als der Ältere seine Hand hob und sie zum Schweigen brachte.
„Was gedenken Sie noch alles mit mir zu tun, während wir... Unterwegs sind?" knurrte der Dunkelhaarige und schien einen Moment versucht, Vermutungen anzustellen, unterließ es jedoch sofort, um ihr ja keine Flöhe ins Ohr zu setzen. Mittlerweile konnte er die junge Hexe doch schon besser einschätzen und das war etwas, dass sie in sich aufsaugen und verarbeiten würde.
„Naja..." begann Hermine langsam und wurde kurz rot, beachtete diesen Farbumschwung jedoch nicht, nur um fort zufahren. „Wir, also Sie und ich, könnten ja auch den Weasleys einen Besuch abstatten. Schließlich war ich bis jetzt jedes Jahr wenigstens für ein paar Tage im Fuchsbau und es würde Mrs. Weasley sicherlich fürchterlich unglücklich machen, sollte sich das nur aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen mir und ihrem Sohn ändern."
Wäre die Situation für die junge Gryffindor nicht so ernst gewesen, hätte sie sich jetzt wohl ein leichtes Grinsen verkniffen. Snape schien wirklich alles Andere als Begeistert von der Offenbarung ihrer Pläne zu sein. Und schon gar nicht in Bezug auf eine Familie, die er weniger leiden konnte, als Weihnachten. Letzteres hatte zumindestens noch einen Vorteil – Er hatte seine Ruhe und würde nur die alljährlichen Plätzchen von Dumbledore und Molly erwarten, die oft in Form von kleinen Reagenzgläsern oder Büchern gebacken waren. Und er durfte nicht den Schal vergessen, der seit einem halben Jahr auch Handgelenkewärmer beinhaltete...
„Muss das sein...?" knurrte Snape und verzog dabei sachte sein Gesicht, als er spürte, dass ihm der weiche Kern der Bohne ins Gesicht gespritzt war – diese Zutat würde er nun vergessen können.
„Sicher." Hermine klang wie immer sachlich und warf ihm dabei von ihrem Platz aus – sie saß auf einem Pult und wippte mit den Beinen – ein weiches Tuch zum Abwischen entgegen.
Letztlich verriet ihr das Sinken seiner Schultern, dass er genervt nachgab und während er sich das Gesicht von der Flüssigkeit reinigte, machte sich über ihrem Eigenen ein zufriedenes Grinsen breit. Die junge Hexe wusste noch nicht, ob das hier ihre bis lang besten Ferien werden würden, oder gar die Schlimmsten.
Wie werden wohl die Planungen aussehen? Und was wird bis zum offiziellen Beginn noch alles geschehen? Lest selbst im nächsten Kapitel ^^
Tut mir Leid, dass es so kurz geworden ist Q_Q Aber es liegt ja bekanntlich in der Kürze die Würze .
LG X3
