Wenn der Feind zum Freund wird und die Hoffnung wieder einkehrt

Der folgende Morgen schien so unwirklich zu sein. Die Sonne strahlte wie immer durch das Fenster, schickte ihre Wärme herein und alles schien so, wie es hätte sein müssen. Hermine fühlte das Gewicht eines Körpers neben sich, mochte nicht erwachen und tat es ja doch, als er sich neben ihr regte.
Die Wahrheit, die sich ihr sofort wieder auf die Seele drängte, war erschütternd. Sie war in einem Haus gefangen, an einem Ort den sie nicht kannte. Ihr Professor war im Kellergewölbe des Gebäudes angekettet und die Hoffnung, hier wieder lebend nach draußen zu kommen, schwindete für einen Moment auf einen geringen Teil. Und selbst die Tatsache, dass Draco bei ihr war, tröstete nicht im geringsten darüber hinweg.
„Alles okay...?" wollte dieser von der Seite her wissen und hatte sich aufgesetzt, während seine grauen Augen auf die junge Frau gerichtet waren. Er selbst hatte keinerlei Übung damit, Leute zu trösten. Viel mehr, noch weiter darauf herum zu reiten, aber der erste Versuch, den er startete, war gar nicht so verkehrt.

„Nein... Wenn alles okay wäre, wäre ich nicht hier drin und wäre noch bei meinen Eltern zu Hause... Und Professor Snape würde nicht allein im Keller fest gekettet sein!" zischte sie und doch klang es eher nach einem Schniefen, während sie ihre Hände auf ihre Augen presste und die Tränen verdeckte, die sich daraus zu stehlen versuchten. Sie hatte genug geweint. Sie musste stark sein. Nicht nur für sich, sondern auch für den Mann, für den sich diese Fluchtplanung lohnen sollte.
„Hmhm..." Draco, der hilfloser nicht sein konnte, beschloss nicht weiter nachzufragen und erhob sich stattdessen vom großen Bett, um sich wieder an den Tisch zu setzen, auf dem bereits einige beschriftete Pergamentrollen lagen. Erst jetzt schien die Braunhaarige sie zu bemerken.
„Was schreibst du...?" begann sie langsam und erhob sich, mit einer Hand wischte sie sich dabei über die Augen und mit der Anderen zog sie ihre Kleidung zu recht.
„Wenn wir uns selbst befreien, dann könnte mein Vater mindestens so viel ärger bekommen, als wenn er es für uns tut..." begann der Malfoyjunge und kritzelte mit seiner Feder eine kleine Notiz in ein Buch, nur um dieses zusammen zuklappen und beiseite zu legen.
„Aber..." Hermine wusste im ersten Moment nicht, was er damit meinte, zu erschöpft war sie noch von den Erlebnissen der letzten Stunden. Erst, als er sie wieder direkt ansah, schien es einen Schalter umzulegen und da wusste sie es... „Das alles hier ist geplant...?"
„Richtig." Draco nickte leicht und legte dann seinen Finger auf seine Lippen. „Mein Vater würde nie zu lassen, dass mir etwas geschieht. Er mag vielleicht nicht so erscheinen, aber er hat ein gutes Herz."
„Aber wie hat er es sich vorgestellt? Ich mein, wir können ja hier nicht einfach heraus spazieren..."
„Nein, natürlich nicht. Das ist der Grund, wo du ins Spiel kommst."

„Ich?" Sie hob verwirrt eine Augenbraue und musterte ihn neugierig. Die verloren geglaubte Hoffnung keimte wieder in ihr und erstrahlte ihr Innerstes bis in den verborgensten Winkel.
„Ja. Aber noch ist es zu gefährlich, es dir zu erläutern. Dieser Wurmschwanz wird gleich hier hoch kommen und uns das Essen bringen. Nicht, dass er uns belauscht." seufzte der Blonde und warf einen Blick auf die Tür, nur um dann die Pergamentrollen zu greifen und sie in den Kleiderschrank zu schmeißen. Und keinen Moment zu spät.
Die Tür klickte und sprang zur Seite. Im Rahmen stand niemand Anderes, als Rons ehemalige Ratte in Menschengestalt. Ein Grund mehr, weshalb Hermine angewidert ihr Gesicht verzog und den kahlköpfigen Mann musterte. Dieser grinste eigenartig, als ob er etwas im Sinn führe, und schien sich besonders viel mühe zu geben, noch mehr wie eine Ratte zu wirken. Jedenfalls machte es den Eindruck.
„Ich hoffe doch, ihr Zwei habt gut geschlafen?" schnurrte er und funkelte die zwei jungen Erwachsenen böswillig an, ehe er ein Tablett mit Essen auf den Tisch stellte. „Wenn nicht, dann vielleicht das nächste Mal..."
„Verschwinde, Wurmschwanz!" zischte Draco und trat einen Schritt auf den Kleineren zu, der schnell zurück sprang. „Wage es ja nicht!" zischte er und presste seine kleinen Augen zusammen, schien aber keine Anstalten zu machen noch einmal näher zu kommen.

„Hau ab!" Ein neuerlicher Versuch den Mann aus dem Zimmer zu verjagen, dieses Mal von Hermine, die wahllos nach einem Gegenstand gegriffen hatte und sich nun mit einem Buch in der Hand wieder fand, dazu bereit, es ihm an den Kopf zu schmeißen.
„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!" zischte Wurmschwanz und trat endlich auf die Tür zu. „Sobald der dunkle Lord hier ist, wird er euch den Gar aus machen!" Mit diesen Worten verschwand er aus dem Zimmer und knallte das Brett zurück in das Schloss. Seine wütenden Schritte waren noch eine ganze Minute auf dem Flur zu hören.

„Das war knapp..." seufzte Draco und schien so erschöpft, wie nach einem Quidditchturnier. Auch Hermine fühlte die Erleichterung, dass zumindest dieses Hindernis für den Augenblick aus dem Weg geräumt war und sie sich auf eine Ecke des Bettes sinken lassen konnte.

„Warum bringt man uns eigentlich nicht einfach um...?" wollte sie wissen und sah den Blonden dabei gar nicht erst an. Sie wusste, dass auch ihn diese Frage eine Weile beschäftigt haben musste, denn für einen Moment herrschte vollkommene Stille im Zimmer. Wenn man mal von dem kurzen Klirren absah, dass die Gläser auf dem Tablett machten, als der Malfoyjunge sie umdrehte und Wasser in sie einfüllte.
„Die Todesser planen durch dich direkt an Potter ran zu kommen. Natürlich ist es ziemlich offensichtlich, das wissen selbst die." begann er und stellte die Karaffe zurück auf den Tisch, ehe er ein Glas zu Hermine hielt, die dieses dankend an nahm und in schnellen Zügen leerte. Wann hatte sie eigentlich das letzte Mal getrunken?
„Aber warum dann das Ganze?" Sie seufzte neuerlich und erhob sich wieder von ihrem Platz, nur um zu Draco zu treten und einen Blick darauf zu werfen, was wohl ihr Essen sein sollte. Es war eine Art Brei, ob Grieß oder Milchreis war schwer zu erkennen, denn es war einfach nur graue Pampe, die mit etwas Zucker und Zimt dekoriert war.
„Unter Anderem, weil ihnen die Optionen ausgehen. Sie vermuten, dass Potter leichtsinnig werden könnte, nur um seine beste Freundin zu retten. Und ehrlich gesagt, das glaube ich auch." Draco sah sie kurz von der Seite her an, ehe er ihr einen Teller mit Löffel in die Hand drückte und sich selbst einen heran zog, um zu essen.
„Nun ja..." Die Braunhaarige dachte einen Moment über diesen Gedanken nach und musste dem Zustimmen. Harry hatte oft einfach gehandelt und nicht wirklich darüber nachgedacht, ob es irgendeine Falle sein könnte - Er war einfach zu impulsiv gewesen. Und das schon seit dem sie ihn kannte.

So aßen sie nun also – Hermine stand mit dem Teller in der Hand vor dem Tisch und Draco saß davor. Für Minuten war nur das Klirren von Metall auf Porzellan zu hören und tatsächlich war die Gryffindor ziemlich froh, diese Zeit in Schweigen zu verbringen. Viel zu schnell waren ihre Gedanken zurück zu dem Mann im Kerker gekommen und kreisten um ihn. Wie ging es ihm jetzt wohl? Ob er noch lebte? Er musste noch leben! Sonst würde sich das hier alles doch nicht lohnen, nicht wahr?
Plötzlich... Ein Klicken riss die zwei Verbündeten aus den Gedanken und sie wandten sich der schweren Holztür zu. Doch wer eintrat, war niemand anderes, als Lucius Malfoy selbst. Neben ihm seine Frau Narzissa, die ihre kalten, grauen Augen sofort in die der Hexe bohrte.
„Das ist sie?" zischte die ältere Frau so, dass man sie vermutlich auch auf dem Gang gehört hatte, oder sogar hören sollte? Denn sobald Lucius die Tür hinter sich schloss, eilte sie auf die zwei jungen Erwachsenen zu und schloss sie fest in ihre Arme. Verblüfft von dieser Tatsache, blieb der jungen Hermine nichts anderes übrig, als es über sich ergehen zu lassen.
„Gott sei dank geht es euch gut..." seufzte die blonde Frau und lehnte sich zurück, nur um erst ihren Sohn, dann die junge Hexe zu mustern, der sie noch liebevoll über das feine Gesicht fuhr. Waren die Eltern doch nicht so schlecht, wie sie die ganzen Jahre über gedacht hatte? Doch was spielte das jetzt auch für eine Rolle?
„Wissen Sie, wie es ihm geht?" Hermine hatte schneller gesprochen, als sie wirklich darüber nachgedacht hatte. Aber eigentlich war es das, was sie beschäftigte und auch gar nicht loslassen wollte, egal wie sehr sie es versuchte. Darum ignorierte sie auch den mitleidigen Blick des ehemaligen Slytherin, der sich nun komplett aus den Fängen seiner Mutter befreite.
Diese sah nun erst zu ihrem Mann und dann zurück zu Hermine, ehe sie sachte mit dem Kopf nickte. „Wir wissen nicht, wie lange er durchhalten wird. Ihm geht es von Tag zu Tag schlechter..." erklärte Narzissa und legte die Stirn in Sorgenfalten, während Hermine einen Schritt zurück wich und gar nicht bemerkte, wie entsetzt sie die blonde Frau anstarrte.
„Warum...?" Es war ein Flüstern, dass zu einem Schreien an schwoll, während sie die beiden Malfoys böse an funkelte. „Warum haben Sie das getan? Ihn so zu quälen?"
Offenbar hatten sie gewusst, dass man sie das fragen würde, denn nun war es Lucius, der tief seufzte und sich an den Tisch lehnte. „Was denkst du denn?" wollte er wissen und seine Stimme klang dabei merkwürdig distanziert – anders als man es eigentlich von ihm gewohnt war. „Dass ein Verräter zurück zu den Todessern kommt und nicht auch nur im Ansatz dafür bestraft wird? Uns ist durchaus bewusst, dass es ihn sein Leben kosten könnte, aber glaube mir, das weiß auch er!"
Hermine starrte den Blonden für einen Moment an, unfähig diesen doch so verständlichen Punkt zu verstehen oder gar zu akzeptieren. Was sollte sie tun? Sollte sie weiter fragen? Wie sollte sie den Mann aus den Kerkern befreien?
Erschöpft, als ob sie mehrere Tage und Nächte gewandert wäre, ließ sie sich auf das Bett sinken, dem sie am nächsten stand. Ihre Hände, die zu zittern begonnen hatten, presste sie auf ihr Gesicht und sie seufzte schwer. „Und was sollen wir tun...?" wollte sie wissen, ohne wirklich auf eine klare Antwort zu hoffen.
„Ganz einfach..." Nun war es Narzissa, die wieder zu sprechen begonnen hatte und es somit schaffte, den Blick der Hexe auf sich zu ziehen. Diese schien jedoch so irritiert, dass sich ein sanftes Lächeln auf dem Gesicht der Todesserin wieder fand.
Plötzlich, als ob es nichts wäre, zog die blonde Hexe eine weißgoldene Kette hervor und Hermine wusste, was das war... Aber offenbar auch die Malfoys.

„Woher haben Sie das?" wollte die Braunhaarige wissen und griff danach. Allein die Berührung mit dem kühlen Metall war merkwürdig gewesen. Hatte sie den Herzschlag des Anderen so sehr vermisst, dass ein bloßes berühren der Kette ein Schaudern des Glückes durch ihren Körper jagte? Andererseits war da noch die Gewissheit, dass sein Herzschlag langsamer war, als sie es gewohnt war.

„Wir mussten sie dir abnehmen, als wir dich geholt hatten. Ansonsten würde der dunkle Lord sofort wissen, dass es eine derartige Verbindung zwischen euch gibt." erklärte Lucius ruhig und die Hexe wusste, dass er sie dabei beobachtete, wie liebevoll sie die Kette wieder anlegte und an sich drückte.
„Warum besitzt er seine Kette wieder...?" Hermine sah nicht von dem kleinen Stein ihres Medaillons auf, vielleicht in der Hoffnung, dadurch zu der anderen Hälfte zu gelangen und dem Mann zu helfen, der ihr merkwürdig wichtig geworden war.

„Dumbledore muss nicht grundlos einer solchen Verbindung zugestimmt haben. Tatsächlich ist sie eigentlich viel zu gefährlich, um zufällig in die Hände von irgendwelchen Todessern zu landen." erklärte der Todesser und strich sich eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht, welches so leer und doch voller Leben war. War die Zeit als Todesser für ihn so erschöpflich gewesen, dass jetzt der dünnste Strohhalm als Halt der Hoffnung dienen würde?

„Wir vermuten, dass man nicht nur 'sehen' kann, was mit dem Anderen geschieht..." Nun war es Narzissa, die ihre Stimme hob und sich dabei auf dem einzigen Stuhl im Zimmer nieder ließ. „Sondern auch, dass man direkt in das Geschehen eingreifen kann, sobald die andere Person ihr Einverständnis gibt. Da Severus allerdings nicht mehr in der Verfassung ist, um zu agieren, liegt die vollkommene Entscheidungskraft bei dir, ihn direkt aus den Kerkern hier her zu holen."
„Wie meinen?" Hermine war nicht dumm - eigentlich hatte sie das zumindest geglaubt. Aber in diesem Augenblick war das Gesagte so sinnlos für sie, wie mit einem Esel über die ökonomischen Veränderungen der Welt zu diskutieren. Nicht, dass man das nicht schon versucht hatte.

„Man kann die Verbindung der Ketten so manipulieren, dass man eine Art... 'Verschwinde-Kabinett' in Taschenformat besitzt. Dumbledore wusste um den Ernst der Situation und auch die Möglichkeit einer Entführung. Dass du allerdings auch in ein solches Gefecht gerätst, war alles Andere als geplant, da bin ich mir sicher." erklärte die blonde Frau weiter und lächelte knapp, nur um mit einem Seufzen den Blick zu senken. „Tatsächlich hatten selbst wir uns all das hier anders vorgestellt. Unseren eigenen Sohn hier Gefangen zu halten..."

„Also meinen Sie, ich solle... Professor Snape über die Ketten hier her 'holen'? Und wann?" Die Braunhaarige konnte nicht anders, als starren. Sie kam sich so dumm vor – wieso war sie nicht selbst schon auf so einen Gedanken gekommen? Nicht umsonst hatten sie einige Vertretungsstunden beim Schulleiter gehabt, in der sie Zaubermanipulation durch genommen hatten. Aber wo war sie da mit ihren Gedanken gewesen? Vermutlich weit weg in einer fernen Galaxis, wenn sie es genauer betrachtete.

„Möglichst bald. Aber wir werden euch ein Zeichen geben..." erklärte Lucius nun selbst weiter und strafte seine Schultern, um sich für das nächste zu stärken. „Wir werden in nicht all zu ferner Zukunft ein Feuer im Haus legen. Die Todesser werden keine große Chance haben, darüber nachzudenken, denn ihr eigenes Leben würde ja in Gefahr geraten, sollten sie zu lange hier verweilen. Du wirst die Chance nutzen und Severus aus dem Kerker holen. Ihr Drei werdet dann aus diesem Haus flüchten und möglichst in eine unbekannte Gegend apparieren – euch wird schon was einfallen, wohin. Dumbledore wird euch dort finden, denn sobald die Ketten wieder verbunden sind, bekommt er eine Art Signal und macht sich auf den Weg. Allerdings kann es auch gut sein, dass er sofort auftauchen wird, sobald du und Severus wieder beieinander seit..."
Wieder konnte sie nicht mehr, als zu starren. Seit Jahren kannte sie den alten Schulleiter und doch war sie nie auf die Idee gekommen, dass seine Voraussicht derart weit gehen konnte. Eine Voraussicht, die ihr wohl bald das Leben retten wird...

„Woher wissen Sie das alles?" wollte Hermine langsam wissen und runzelte etwas misstrauisch die Stirn, kam jedoch nicht umhin, ziemlich froh über diesen Umstand zu sein. Noch nie hatte sie sich dermaßen dumm gefühlt wie jetzt. Sicherlich gab es noch oft genug Momente, in denen sie sich einem Brot gleich kam, doch das hier war wohl der schwerwiegendste Moment.
„Noch bevor der dunkle Lord zurück kehren konnte, ich glaube, das muss vor fünf Jahren gewesen sein, als das mit dem Basilisken in der Schule war, klärte uns Dumbledore über einen solchen Tag wie diesen hier auf. Er sagte... 'Irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft wird der Moment eintreten, in dem ihr euch zwischen den beiden Seiten entscheiden müsst. Eine nie gekannte Magie wird auf euch treffen und ihr werdet eine Entscheidung fällen, die nicht nur eure Zukunft maßgebend beeinflussen wird...'. Natürlich wussten wir bis dahin nicht, was er damit meinte. Weder die Sache mit der Magie, noch die mit der Entscheidung. Wir waren einfach schlichtweg Todesser, deren nur ihr eigenes Wohl am Herzen lag. Aber je mehr wir in Kontakt mit dem Orden des Phönix und Potter und seinen Freunden gerieten, umso mehr..." begann Lucius, hielt jedoch inne, um einen Blick zu seiner Frau zu werfen, die sachte nickte. „...Wir hofften, dass dieser kleine Potterbengel wirklich die Zukunft verändern könnte und die Zeit der Todesser dem Ende entgegen sehen würde."

Nie hätte die Braunhaarige geglaubt, so etwas von einem eingefleischten Todesser zu hören. Aber da war es. Dieser kleine Anstoß, der sie zurück in ihre alten Bahnen schob und die 'deprimierte Hermine' in die weiten Dunkelheiten ihres Geistes verbannte. „Natürlich wird er das! Da besteht gar kein Zweifel." Sie baute sich etwas auf und spürte nicht nur ihren eigenen Herzschlag schneller gehen. Ob er wusste, dass dem hier bald ein Ende gesetzt werden würde und er bald frei war?

~~~xxx~~~

Die Nacht war wieder herein gebrochen. Schon zum wiederholten Male hatte Hermine eine Verbindung zum Tränkemeister aufgebaut und betrachtete ihn sorgsam. Natürlich konnte sie im Keller nicht viel erkennen, doch genug, um zu erahnen, wo welche Wunden waren und in welcher Verfassung ihr Professor war.
Sorgsam ließ sie ihre Hände über seine Brust gleiten und spürte eigentlich... Nichts. Jedenfalls war es das, was sie erwartete. Doch als sie seine Haut tatsächlich berührte, hin zu den Haaren glitt und auch diese fühlen konnte, jagte es einen merkwürdigen Schauer der Befriedigung durch ihren Körper. Nie hätte sie geglaubt, dass es wirklich wahr sein konnte... Ihn zu berühren und doch gar nicht bei ihm zu sein...

„Hermine..." Ein Ruck riss sie aus der Verbindung und derjenige, der dort stand, war kein Anderer, als Draco selbst. Offenbar hatte er sie bereits seit einer Ewigkeit beobachtet, denn sein Blick sprach Bände... Bände der Faszination und des Neides. Ob er sich auch jemanden wünschte, mit dem er eine solche Verbindung eingehen konnte? Und ob er wusste, dass all das eigentlich viel mehr gegen ihren Willen in Bewegung gesetzt worden war? Vermutlich, denn auch der ehemalige Slytherin wusste ja von der Abneigung der Schüler gegen seinen Hauslehrer.
„Was?" Etwas unwirsch sah die ehemalige Gryffindor ihn an und verschränkte dabei die Arme vor der Brust. Sie stand mitten im Raum und doch war es ihr egal gewesen, wie merkwürdig sie wohl dabei ausgesehen haben musste. Allein die Tatsache, dass man diesen wundervollen Moment einfach unterbrochen hatte, ließ sie mit den Zähnen knirschen.

„Es geht los...!"

Die Worte, die sie bereits seit Stunden erhofft hatte. Die Worte, auf die ihr Herz gebaut hatte. Die Worte, die sie dem Mann im Keller ins Ohr geflüstert hatte, um ihm Hoffnung zu geben, waren eingetroffen.

Mit nur wenigen Schritten war die junge Frau beim Fenster und warf einen Blick hinaus, wohl wissend, dass dort eigentlich nichts sein würde. Doch da irrte sie sich gewaltig. Denn die Dunkelheit, die noch bis eben geherrscht hatte, war verschwunden und stattdessen wurde alles von Orangeroten Flammen erhellt, die sich selbst immer weiter erhitzten und bald weißglühend am Fenster entlang züngelten.

Die Flucht musste gelingen!