Meinen grossen Dank an meine treuen Leser für die Reviews und speziellen Dank,an meine einmalige Betaleserin scientific ida!
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„Verdammt," jammerte Ron und rannte mit Harry zum Schloss. „Wie soll ich das nur meiner Mum erklären?" fragte er Harry, der selber ziemlich blass war.
Es war tatsächlich ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebten. Noch vor ein paar Stunden hatte Harry sich so absolut glänzend gefühlt. Er hatte die wunderbarsten Ferien hinter sich, die er sich je hätte träumen lassen. Er würde seinen Freunden etwas Tolles erzählen können.
Und dass Remus sich so gut um ihn kümmerte und ihn so gerne hatte, war noch das allerbeste daran.
Er hatte wirklich gemerkt, wie wichtig er Remus war und er wusste nun zum ersten Mal in seinem Leben, wie es sein musste, Eltern zu haben.
Und nun hatten sie sich in solche Schwierigkeiten gebracht!
Erst während des Flugs war Harry eingefallen, dass er Hedwig hätte losschicken können, um Remus zu benachrichtigen.
Klar war er auch gespannt gewesen, auf das fliegende Auto. Und wann hatte man schon Gelegenheit in einem Solchen zu fliegen?
Aber der Absturz in die Peitschende Weide war schlimm gewesen und er hatte gedacht, das sei das Ende.
„Vielleicht können wir uns unbemerkt rein schleichen," sage Harry etwas mutlos. Seine Knie zitterten immer noch. Ron verzog das Gesicht und hielt die Hand auf den großen Türgriff der eichernen Holztüre zur großen Halle.
Er sah Harry etwas verzweifelt an und öffnete die Tür dann einen Spalt. Drinnen waren die Kinder alle am Essen und Reden. Ron steckte vorsichtig den Kopf hinein.
„Und?" fragte Harry bange. „Können wir uns rein schleichen?"
Ron machte Harry Platz, damit er selber sehen konnte. Als Harrys Kopf wieder erschien sagte er „Snape ist gar nicht an seinem Platz, wo könnte er bloß sein?" Er klang nicht gerade unbesorgt. Ob Snape wohl nach ihnen suchte? Das würde wohl ziemlichen Ärger geben, wenn der strenge Professor gemerkt hatte, dass sie fehlten.
„Der wird wohl auf dem Klo sein," vermutete Ron nicht wirklich überzeugt von seinen Worten. „Oder vielleicht war ihm schlecht," fügte er hinzu.
„Oder vielleicht sucht er das Schlossgelände nach zwei vermissten Gryffindors ab," sagte plötzlich eine tiefe, seidige Stimme, die ihnen nur all zu bekannt war, hinter ihnen.
Die Jungen fuhren erschrocken herum. Der verärgerte Blick von Snape versprach nichts Gutes.
„Mitkommen!" befahl er kurz und drehte sich um.
Zitternd folgten Harry und Ron dem Professor die Gänge und Treppen hinunter Richtung Kerker.
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Harry und Ron hatten die Blicke beschämt zu Boden gerichtet, als Snape ihnen gehörig die Leviten las. So ärgerlich hatten die Kinder ihn schon lange nicht mehr gesehen.
Ron wäre im Moment sogar noch lieber von seiner Mutter ausgeschimpft worden, was schon etwas hieß, denn Molly Weasley wurde zur Furie, wenn sie verärgert war.
Harry schämte sich unglaublich. Es wäre ihm beinahe recht gewesen, wenn Snape für ihn immer noch der fiese, ungerechte Lehrer gewesen wäre. Dann würde er sich wenigstens nicht so schämen müssen. Der Mann war in den Ferien streng gewesen, aber er hatte sich um ihn gekümmert. Er hatte ihn nicht hasserfüllt angesehen oder ungerecht behandelt. Harry hatte sich sogar sehr wohl gefühlt in Snapes Zuhause.
Neben der Scham spürte Harry aber auch ein kleines Fünkchen Freude. Freude, dass sich der Professor scheinbar wirklich gesorgt hatte. Er war nicht nur verärgert, über die Sache an sich. Er hatte gesagt, dass sie sich ernsthaft hätten verletzen oder gar sterben können.
Er hatte ihnen vor Augen geführt, wie das für Rons Eltern und für Remus wohl gewesen wäre, wenn sie durch den Absturz oder durch die Peitschende Weide umgekommen wären.
Snape sah in die zerknirschten Gesichter der Zwölfjährigen. Er hätte ihnen am liebsten gehörig den Hintern versohlt und ihnen zwei Monate Nachsitzen aufgebrummt und fünfzig Kessel schrubben lassen. Dann würden sie sich nächstes mal vielleicht mehr Gedanken machen vorher!
Er konnte nur hoffen, dass Molly, Arthur und Remus sich die Kinder vorknöpfen würden.
In dem Moment tauchten Albus Dumbledore und Minerva McGonagall in seinem Büro auf. Im Türrahmen drückte sich Filch mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck herum.
Snape konnte seinen Ärger kaum unterdrücken, als Albus die Konsequenzen des Geschehnisses mit lächelnder Ruhe an Minerva delegierte.
Immerhin hätten die Kinder ohne weiteres tot sein können! Auch wenn er sich nicht dafür hatte, es offen zuzugeben, aber ihm lief es bei diesem Gedanken doch kalt den Rücken herunter.
Nach seiner Beurteilung schien das die beiden älteren Leute nicht extrem zu beunruhigen und ihre Bemühungen, den Kindern ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen hielt sich, milde ausgedrückt, in Grenzen.
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„Ist nun der Haarschneidetrend ausgebrochen?" fragte Fred, als er sah, dass Emma, die sich neben Laura hinsetzte, auch ihre Haare geschnitten hatte, in etwa der selben Länge, wie Laura. Da sie aber blondes und sehr glattes Haar hatte, sah es doch ganz anders aus.
„Lang stand dir besser," meinte George, kurz nachdem Hermine Laura versichert hatte, dass ihr die neue Frisur gut stehe. Hermine fand das eher taktlos von George. Aber taktvoll zu sein, war nicht unbedingt die größte Stärke von Fred und George.
George erntete für seinen Kommentar einen bösen Blick von Emma, obwohl er es eigentlich noch freundlich gesagt hatte.
„Und sie waren auf dem Bahnhof noch da?" fragte Laura und sah sich besorgt um.
„Die Haare?" fragte Fred und rümpfte die Nase. Laura schnitt eine Grimasse.
„Nein, natürlich nicht die Haare! Ich meine natürlich Harry und Ron. Du hast doch eben gesagt, dass sie mit in den Bahnhof hinein gekommen seien. Danach habt ihr sie nicht mehr gesehen, richtig?"
Laura war etwas besorgt. Das war doch recht sonderbar.
„Ich weiß doch nicht," sagte Fred. „Wir hatten es eilig."
„Wir haben nicht wirklich auf sie geachtet, sind ja nicht ihre Babysitter, die ihre Händchen halten und ihre Nasen putzen müssen, oder?" neckte George.
Laura streckte ihm die Zunge raus. Es nervte sie, dass sich die größeren Jungen überhaupt keine Sorgen um Harry und Ron zu machen schienen. Sie alberten mit ihrem Freund Lee Jordan rum und scherten sich nicht um die vermissten Jungen.
Hermine sah sich suchend um und sah auch besorgt aus. Die letzten Schüler betraten die große Halle, die erfüllt war mit Reden und Gelächter.
„Vielleicht ist ihnen etwas zugestoßen. Du weißt doch, die Warnung," flüsterte sie zu Hermine, der sie die Geschichte mit Dobby geschrieben hatte.
„Wenn da doch etwas dran ist, und sie jemand entführt hat?" Laura sah, dass Emma ihnen einen etwas eifersüchtigen Blick zuwarf, wahrscheinlich, weil sie nicht in diese Unterhaltung einbezogen wurde.
„Vielleicht sollten wir die Lehrer benachrichtigen," meinte Hermine. Laura nickte und flüsterte: „Ich sags meinem Dad."
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Als sich alle gesetzt hatten, waren Harry und Ron immer noch nicht da. Ob ihr Dad sie finden würde? Professor Dumbledore gebot Ruhe und die Tür ging auf und die neuen Erstklässler mit aufgeregten, erwartungsvollen Gesichtern traten zum Teil etwas zögerlich ein, andere schritten mutig voran. Laura sah Ginny ziemlich weit hinten die Halle betreten.
Sie wusste noch genau, wie unsicher sie sich gefühlt hatte, an ihrem ersten Tag. Sie hatte das alles gar nicht wirklich glauben können. In der Erwartung, dass jederzeit jemand rufen würde 'Rein gefallen!' hatte sie staunend das Schloss betreten.
Dass das alles wirklich echt war und es diese Welt der Zauberer tatsächlich gab, hatte sie erst nach den ersten Schulstunden wirklich richtig glauben können.
Natürlich waren da als Kind diese seltsamen Dinge vorgefallen, aber dass das wirklich Magie war, hätte sie nicht gedacht.
Lauras Augen verengten sich, als ihre Augen über die jüngeren Kinder wanderten.
Sie musterte die Jungen und Mädchen genau und stellte etwas enttäuscht fest, dass die ja gar nicht so winzig klein waren, wie Fred und George gesagt hatten.
Viele waren jedenfalls nicht kleiner als sie selbst, musste sie sich selber zugestehen.
Als das erste Mädchen nach Gryffindor eingeteilt worden war von dem Hut, musste sie aber wieder an ihre beiden vermissten Freunde denken. Ob die anderen sie im Zug nur nicht gesehen hatten, oder ob sie wirklich gar nicht im Hogwartsexpress gewesen waren?
Vielleicht hatte ihr Dad sie nun gefunden. Mit etwas schlechtem Gewissen fragte sie sich, was ihr Vater wohl zu den Jungen sagen würde, wenn sie nur etwas verspätet waren oder von etwas aufgehalten worden waren. Dann würden die Jungen wegen ihr in Schwierigkeiten sein.
Aber, wenn ihnen nun doch etwas zugestoßen war? Sie hatte bestimmt richtig gehandelt und Hermine hatte ja auch gesagt, sie sollten einen Lehrer benachrichtigen.
Laura spähte zur großen Tür, aber kein Harry und kein Ron huschte hinein.
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Sofort wurde es mücksenstill, als Severus den Gemeinschaftsraum seiner Slytherins betrat. Die Schüler seines Hauses wussten genau, wie der Hase lief und begegneten ihrem strengen Hauslehrer mit sehr viel Respekt.
Sie wussten genau, dass er sehr korrekt war und meistens fair, aber auch sehr unbeugsam und knallhart, wenn sie sich nicht so benahmen, wie er sich das vorstellte. Es gab selten jemand, der sich traute, seine Authorität auch nur Ansatzweise anzuzweifeln. Und wenn, dann immer nur einmal und nie wieder.
Es hieß, dass es mal jemand gewagt haben sollte und dass der dann die ganze Nacht Toiletten und Gänge geputzt hatte. Snape habe sich auch nach Stunden nicht erweichen lassen, als besagter Übeltäter weinend seine Untat bereut hatte.
Niemand wusste allerdings, wer dieser Jemand gewesen war, die älteren Schüler waren sich nicht mal sicher, ob es ihn überhaupt je gegeben hatte. Aber sie wussten, dass Snape nicht das geringste Übertreten der von ihm gesteckten Linien und Regeln duldete und sehr streng gegen auch kleine Vergehen vorging.
Die jüngeren Schüler lernten das immer sehr schnell von den älteren.
Die Vertrauensschüler hatten eine recht große Verantwortung den jüngeren gegenüber. Sie mussten dafür gerade stehen, wenn etwas nicht klappte und sie hatten auch die Macht, kleinere Strafen zu verteilen.
Jeden Tag ging Snape selber in die Räume seiner Slytherins um nach dem Rechten zu sehen und er war zufrieden, wie gut alles klappte.
Natürlich waren die Kinder nicht immer so lammfromm, wie in der Zeit, in der er seinen Kontrollgang machte, aber immer waren alle rechtzeitig bettfertig und das Licht war zur vorgeschriebenen Zeit aus.
Nun stand er vor den neuen Erstklässlern und er würde auch ihnen klar die Regeln durchgeben. Sie würden sehr schnell lernen, dass sie diesen widerspruchslos Folge zu leisten hatten. Er war immer noch verärgert, wegen Harry und dem jüngsten Weasley-Jungen, wofür seine Slytherins zwar nichts konnten, aber seine Gemütslage zu spüren schienen, denn sie sahen ihn besonders lämmchenhaft an.
Wahrscheinlich waren auch wieder einige darunter, die von Heimweh geplagt wurden. Deshalb teilte er immer einem jüngeren Kind ein Größeres zu, das dann sein Ansprechpartner sein würde und speziell für dieses Kind da war. Das hatte sich sehr bewährt in den letzten Jahren.
Severus bedauerte es, dass in dem Haus, in welchem seine Tochter während der meisten Zeit in der Schule wohnt, praktisch gar keine Regeln gesteckt wurden. Minerva war der Ansicht, dass es die Selbstverantwortung der Kinder fördern würde. Vielleicht, dachte Snape, aber die jüngeren Kinder brauchten seiner Meinung nach noch die Führung der Erwachsenen und Regeln, an die sie sich halten mussten.
Immer wieder gab es müde Kinder in seinen Klassen und sie stammten nicht aus seinem Haus.
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Der Schulalltag nahm wieder seinen Lauf und die Kinder bekamen viele Hausaufgaben. Laura hatte aber immer so viel anderes zu tun, als Hausaufgaben zu erledigen.
Nun war auch Ginny in der Schule, worauf sich Laura sehr gefreut hatte. Aber das Mädchen war ungewöhnlich ruhig, fand Laura. Vielleicht hatte sie ja etwas Heimweh?
Laura ging mit Ron und Harry zur nächsten Schulstunde durch die steinernen Gänge des alten Schlosses, an einer Ritterrüstung vorbei, die sie freundlich grüßte.
Die Kinder grüßten zurück und drehten sich dann erstaunt um, als die Rüstung anfing zu zittern und klappern.
„Ohhh, die fliegenden Ritter!" jammerte die Rüstung gespielt ängstlich und Gelächter war zu hören.
Fred und George kamen hinter dem Ritter hervor und lachten, wegen der fragenden Gesichter, die die jüngeren Kinder machten.
Laura verdrehte die Augen, als Fred sich ihr und Ron,der im der Mitte ging, einhakte und George sich zwischen Ron und Harry drängte und sich auch ihre Arme fasste. Zusammen gingen sie , trotz Rons bösem Blick weiter und Fred lachte: "Oh Ronnielein, ich kann mich immer noch nicht erholen, von deiner Superidee, mit dem Auto zur Schule zu fliegen. Hätte glatt von uns sein können!"
„Richtig stolz sind wir auf dich!" fügte George hinzu. „Aber einfach ein Wunder, dass du nur einen Heuler bekommen hast von Mum. Wir wären bestimmt viel schlimmer bestraft worden! Viel schlimmer," jammerte er theatralisch, schniefte gespielt und begann theatralisch zu weinen.
Laura lachte über das Schauspiel des größeren Jungen. „Och du armes, ungerecht behandeltes Schätzchen," foppte sie zuckersüß und gab ihm den mitleidigsten Blick, den sie zu Stande brachte.
„He! Und was ist mit mir? Ich brauche auch ein paar seelische Streicheleinheiten!" reklamierte Fred entsetzt.
„Ach herrje, natürlich bist du genau so arm und misshandelt," sagte Laura sehr mitleidig. „Wo ihr beiden ja immer so unschuldige Lämmlein seid, die kein Wässerchen trüben könnten," lachte sie.
Harry lachte und Fred sah zu ihm hinunter. „Und was ist eigentlich mit dir? Ich hoffe, du hast den Flug genossen, obwohl Ron natürlich ein lausiger Pilot ist."
Ron versuchte verärgert, den Bruder abzuschütteln. Der hatte sich aber gut untergehakt bei ihm. „Na na, nicht so missgünstig, Bruderherz? Hab ja auch nichts dafür, dass ich der beste Pilot bin weit und breit!" Fred schwellte stolz die Brust.
„Haut ab!" rief Ron, der die Nase voll hatte von den Zwillingen und ihren Späßen und George sagte: „Komm, wir zischen ab! Müssen sowieso hier durch."
Ron verdrehte die Augen, war aber stolz, dass er die Brüder hatte vertreiben können. „Und das muss ich die ganzen Ferien erleben!" klönte er und verdrehte die Augen.
„War Remus sehr sauer?" fragte nun Laura an Harry gerichtet. Der Vorfall war schon zwei Tage her, aber sie hatte noch nicht die richtige Gelegenheit gehabt, danach zu fragen.
Harry sah sie an und druckste etwas herum. „Er war glaub ich ziemlich besorgt gewesen," gab er kleinlaut zu, aber schon huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Er war aber froh, dass mir nichts passiert war." Harry war so erleichtert gewesen, als Remus ihn in den Arm genommen hatte, nachdem er ihn ziemlich ausgeschimpft hatte. Er hatte ihm auch versprechen müssen, nie mehr so einen Unsinn zu machen. Er solle immer einen Lehrer oder ihn benachrichtigen, wenn etwas wäre. Harry hatte die Sorge in den Augen des Mannes gesehen und es hatte ihm sehr Leid getan, dass er Remus so verängstigt hatte.
Laura wusste, dass sie wohl mit einem ziemlich schmerzenden Hintern den Abend beendet hätte, wenn sie einen solchen Stunt gewagt hätte.
Sie hatte den beiden Jungs natürlich nicht gesagt, dass sie Snape darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Beiden fehlten. Aber sie hatte sich wirklich gesorgt um die Freunde und hoffte, dass sie es nicht rausfinden würden, dass sie die Vermisstenanzeige aufgegeben hatte..
„Ich glaub, Fred steht auf dich," sagte Ron zu dem schwarzhaarigen Mädchen neben sich und kratzte sich an der Nase, auf der die Sommersprossen sich im Sommer vermehrt zu haben schienen.
„Der schaut dich immer so an, als möchte er dich im nächsten Moment fressen." Ron sah zufrieden, wie Laura ihn ungläubig ansah. Es war ihm aufgefallen, dass Fred Lauras Namen ziemlich oft erwähnt hatte in den Ferien. Auch waren ihm die Blicke nicht entgangen, mit denen Fred das Mädchen ansah, wenn er sich unbeobachtet fühlte.
„Der wird wohl nur zu wenig zu Essen bekommen," witzelte sie. Sie verbarg ihre Verlegenheit.
Konnte es sein, dass sie einem so viel größeren Jungen gefiel? fragte sie sich erstaunt. Nein!
Sie hatte schon das Gefühl, dass die Jungs sie gut mochten, aber... in sie konnte man sich doch nicht verlieben, sie war ja noch viel zu jung!
Natürlich schmeichelte es ihr, andererseits war es ihr etwas unangenehm. Sie würde von nun an darauf achten, ob Fred ihr 'hungrige' Blicke zuwarf.
Ron zuckte die Schultern und Emma kam auf die Drei zu.
„Hier bist du!" fragte sie etwas vorwurfsvoll und trat neben Laura. Irgendwie war Emma in letzter Zeit recht anhänglich, fand Laura. Sie mochte das nicht besonders.
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Amélie saß am Weiher, im Garten ihrer Großeltern und fischte mit einem Stock etwas Algen aus dem Wasser.
In letzter Zeit verstand sie die Welt nicht mehr. Wieso bloß dachte sie immer wieder über eine Möglichkeit nach, Severus und Laura zu sehen?
Wieso ertappte sie sich, wie sie gedankenverloren vor dem Spiegel stand und sich fragte, ob sie Snape wohl gefiel. Auf was für einen Typ Frauen er wohl stand?
Und dass sie plötzlich Zaubertrankmagazine durchstöberte, obwohl sie das früher nie getan hatte?
Sie sah ihr Spiegelbild im Wasser an und sagte: „Amélie, du spinnst!"
„Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung!" hörte sie die bekannte Stimme ihres Großvaters hinter sich.
Sie drehte sich um und der ältere Mann lächelte sie an und zwinkerte.
Amélie lächelte auch, wenn auch etwas verlegen. Sie liebte ihren Großvater sehr und hatte wahrscheinlich noch die bessere Beziehung zu ihm, als zu ihrem eigenen Vater.
„Manchmal muss man nicht zu viel überlegen, mein Kind. Vertraue auf dein Herz." Er lächelte nochmals und ging dann zurück ins Haus.
Amélie stand mit gerunzelter Stirn da und sah ihm nach. So einen Kommentar hatte sie noch nie von ihm bekommen. Und was hatte er damit gemeint?
Sie sah zu Boden und lächelte. Natürlich wusste sie, was er damit gemeint hatte.
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Weit weg vom Haus der Ludwigs saß Severus an seinem Schreibtisch und korrigierte die Hausaufgaben der Drittklässler.
Das war ja noch erstaunlich annehmbar, heute. Er legte das letzte Heft zur Seite. Morgen hatte er zum ersten Mal die neuen Nervensägen.
Laura hatte sich noch nicht sehr viel blicken lassen hier unten. Es war schon etwas sehr ruhig, nachdem er nun Laura so viel um sich gehabt hatte, in den Ferien. Sie nur im Unterricht und bei den Mahlzeiten zu sehen gefiel ihm auf Dauer nicht
Er wollte hören, was sie zu erzählen hatte und er wollte sehen, ob sie im Unterricht überall gut folgen konnte und ihre Hausaufgaben korrekt erledigte.
Natürlich musste er ihr auch Eigenverantwortung übergeben, aber sie brauchte doch noch Kontrolle, um nicht zu nachlässig zu werden.
Das war auch etwas, was sie früher bei ihren Verwandten nicht gekannt hatte. Er vermutete, dass sie wohl häufig ihre Hausaufgaben nicht erledigt hatte, denn sie hatte mal erwähnt, dass sie viel hatte Nachsitzen müssen.
Nun wehte eben ein anderer Wind und er würde dafür sorgen, dass sie ihre Arbeiten zuverlässig erledigte. Schon manches Mal hatte sie etwas wiederholen müssen, weil sie geschlampt hatte, was hin und wieder zu einem kleineren Drama geführt hatte. Er schüttelte den Kopf, als er daran dachte, wie dramatisierend seine Tochter sein konnte und wie sehr sie sich bedauern konnte in solchen Momenten.
Er stand auf und rieb sich mit der Hand über den Nacken.
Edward hatte ihm eine Notiz geschrieben, ob er noch Elixamin-Wurzelpulver habe. Severus wusste genau, dass er noch etwas davon hatte, war sich aber nicht sicher, ob dieses noch gut war, da er es so selten brauchte. Er fragte sich, was sein Kollege brauen wollte. Dieses Pulver wurde nur in einigen wenigen Tränken verwendet.
Es fiel ihm sowieso auf, dass Edward in letzter Zeit plötzlich so viele seltenere Tränke braute und ihn um Zutaten fragte. Aber ihm konnte es recht sein, wenn er dafür hin und wieder seine Enkelin als Botengängerin schickte.
Ob Amélie wohl im Moment in den Armen dieses Muggel lag? War sie überhaupt noch mit ihm zusammen? Er hatte den Eindruck gehabt, dass es in dieser Beziehung etwas kriselte, aber er konnte ja wohl schlecht fragen.
Er öffnete die Bürotür und schritt den halbdunklen Gang hinunter. Er musste noch einige Substanzen aus seinem Lagerraum holen, die er morgen für die Erstklässler brauchte und dann würde er gleich wegen des Pulvers schauen.
Als er den engen Raum betreten hatte, blieben Severus' Augen an dem kleinen Kästchen, wo seine stärkeren Tränke verstaut waren hängen, das etwas offen stand. Snapes Augenbrauen zogen sich zusammen.
Das Kästchen war sonst verschlossen! Er schritt darauf zu und öffnete es. Er sah sofort, welcher Trank fehlte.
Er wusste sehr genau, dass er noch ein Fläschchen von diesem Trank hatte, da er ihn gebraucht hatte, als Harry von Voldemort angegriffen worden war. Er war sich ganz sicher, den Trank wieder in dieses Kästchen geschlossen zu haben. Er hatte ihn auch, bei den Vorbereitungen für den Unterricht gesehen, als er einen anderen Trank aus dem Kästchen genommen hatte.
Severus war viel zu korrekt, als dass er das Kästchen offen stehen gelassen hätte. Aber welcher Langfinger konnte es gewagt haben, hier hinein einzudringen? Außer ihm hatte niemand hier Zutritt. Er überlegte, wer an dem Trank eventuell Interesse haben könnte. Es war ein sehr potenter Trank, aber er diente hauptsächlich der Behebung magischer Verletzungen und Beschädigungen gewisser Körperstellen durch Magie.
Er würde es Albus sagen müssen.
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„Du hast es gut, dass dein Vater dir immer etwas Süßes schickt," sagte Laura und nahm sich einen der Schokofrösche, die auf Emmas Bett verstreut lagen.
Emma nickte. Sie teilte ihre Leckereien immer mit Laura. Sie wunderte sich, dass Laura so viel Süßes verdrücken konnte und doch nicht dicker wurde. An Laura sahen alle Kleider immer so süß aus und sie wäre auch gerne so zierlich.
„Wollen wir nachher noch ein Spiel spielen?" fragte Emma.
Laura schüttelte den Kopf und rümpfte die Nase. "Muss noch Hausaufgaben erledigen. Mein Dad kontrolliert das dann am Freitag."
Die Tür ging auf und Hermine steckte den Kopf hinein. Sie warf eine bunte Tasche auf Lauras Bett.
„Die hat mir Harry gegeben, du hattest sie noch in seinem Koffer," sagte sie und blickte kurz auf die Schokolade auf Emmas Bett. Sie fand es nicht die beste Idee, dass Emma so viel Süßes aß, wenn sie ja schon nicht gerade zu wenig auf den Rippen hatte und für die Zähne war es ja auch nicht gesund. Aber sie mischte sich nicht ein, da es sie ja nichts anging.
„Wir wollten doch noch den Aufsatz für Pflanzenkunde zusammen schreiben," sagte sie an Laura gerichtet.
Diese nickte und stand auf. „Ja. Danke für die Frösche, Emma, kommst du auch?"
Emma schüttelte den Kopf, denn sie hatte es schon erledigt, was sie jetzt etwas bedauerte. Laura winkte der Freundin, die immer noch auf ihrem Bett vor den Schokofröschen saß, kurz zu und ging dann mit Hermine zur Tür hinaus. Die beiden Mädchen sahen nicht, welch ärgerlichen Blick Emma ihnen nach warf.
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Der blonde Schönling redete und lächelte und redete und lächelte... Laura ärgerte sich über die verliebten und begeisterten Blicke, mit welchen die meisten Mädchen den Lehrer bewunderten.
Millicent Bulstrode schien wie Laura der Minderheit anzugehören, denn sie schien nicht verzaubert zu sein von dem weißzähnigen Lächeln, das er unaufhörlich zu ihnen blitzen ließ. Das machte sie Laura nun doch ein klein wenig sympatisch. Wenn es auch das einzige war, was Millicent sympatisch machte.
Sogar Hermine und Emma schienen die rosa Brille aufgesetzt zu haben, was Laura wirklich erstaunte.
Wie konnte man so einen alten Mann nur toll finden? Und dann noch einen, der sich selber so unglaublich schön fand?
Klar, Hermine musste ihn ja fast bewundern, schließlich war der Mann nicht nur schön, sondern auch noch Lehrer.
Laura kritzelte, eher gelangweilt, in ihr Heft. Die Heldentaten, von denen Lockhart erzählte, waren an und für sich schon spannend, aber er erzählte so selbstgefällig und lobte seinen Mut und seine Unerschrockenheit mit jedem zweiten Satz. Das nervte nicht nur Laura, sondern auch die Jungs, die neben ihr saßen. Sie machten immer wieder lustige Kommentare, zu dem, was der blonde Mann erzählte und Laura konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Sie hielt sich die Nase zu um nicht los zu prusten.
Dass jemand nicht an seinen Lippen hing, gefiel dem Lehrer nicht und er sah sie verärgert, eventuell auch etwas beleidigt an. Das Mädchen schien sich lustig zu machen über ihn!
„Miss... wie ist nochmals ihr Name?" fragte er und Laura tippte auf ihr Namensschild, welches sie vor ein paar Minuten erst hatten vor sich hin stellen müssen. Sie war immer noch bemüht, sich im Griff zu haben und nicht laut zu lachen.
„Miss Smethurst, wahrscheinlich kennen Sie die Geschichte von mir und den Wichteln schon," sagte er, denn er wusste, dass wohl die meisten Mädchen seine Bücher schon verschlungen hatten.
Bei diesem unerhörten Gör bezweifelte er das eher, aber man durfte sich ja nichts anmerken lassen.
„Wenn Sie sich artig benehmen, gebe ich Ihnen nachher gern ein persönliches Autogramm, meine Liebe, aber jetzt sollten sie ihre Aufmerksamkeit nur auf das richten, was ich hier unter diesem Tuch habe. Er lächelte ein, wie er dachte, gewinnendes Lächeln.
Einige Mädchen gaben ihr eifersüchtige Blicke, dass der Lehrer Laura persönlich angesprochen hatte. Diese nervte sich aber nun noch mehr über den Lackaffen. Wie konnte er es wagen, sie wie ein Kleinkind anzusprechen. 'Wenn Sie sich artig benehmen'. Pah! Idiot!
Laura antwortete automatisch: "Ich will gar kein Autogramm!" worauf sie alle Jungen der Klasse fragend ansahen und die meisten Mädchen sie ansahen, als habe sie eine Schraube locker.
Lockhart blinzelte verwirrt und tat dann so, als hätte er den Kommentar nicht gehört oder nicht verstanden.
Mit einer eleganten Bewegung zupfte er das Tuch von einem Käfig mit lauter kleinen, blauen Wichteln drin. Alle lachten, bis Lockhard die Wichtel frei ließ und diese wie wild gewordene Wespen im Schulzimmer umher flogen und ein riesiges Durcheinander veranstalteten. Alle flüchteten, samt Lockart, der Hermine, Harry und Ron den Auftrag erteilte, die kleinen nervösen Bösewichte einzusammeln.
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„Ich möchte um eure Aufmerksamkeit bitten!" sagte der Schulleiter laut und deutlich und die Kinder, die sich zum Mittagessen an ihre Tische gesetzt hatten, waren beinahe sofort still. Es kam nicht täglich vor, dass der Schulleiter etwas zu sagen hatte, das alle Schüler anging.
„Leider ist aus den Vorräten von Professor Snape ein Zaubertrank verschwunden. Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, dass es sich um einen ziemlich starken Trank handelt, der in den Händen von Schülern nichts zu suchen hat.
Falls jemand von euch Schülern etwas über das Verschwinden des Trankes weiß, möchte ich denjenigen bitten, sich umgehend mit einem der Professoren oder mir in Verbindung zu setzen. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit."
Die Schüler sahen sich fragend an und hier und da wurde etwas gemurmelt. Dumbledore setzte sich und das Essen erschien, worauf sofort das Klimpern von Besteck zu hören war und das Durcheinandergerede von Kindern und Jugendlichen.
Severus hatte einige der Gesichter, die aufmerksam auf den Schulleiter gerichtet gewesen waren, studiert, um irgendein Zeichen darin zu finden.
Unter seinen Verdächtigen Nummer eins sah sein geübtes Auge keine schuldbewussten Mienen. Seltsam, dachte er.
Eigentlich hatte er ganz klar die Weasley-Zwillinge im Verdacht gehabt. Sie hatten letztes Jahr Laura angestiftet, um ihnen die Marpleessenz Nr. 25 zu beschaffen, für ihre unsinnigen Experimente und Kreationen. Aber sie hatten weder rote Ohren, noch standen ihre Sommersprossen deutlicher hervor als sonst. Auch ihre Augen sahen neugierig, aber entspannt aus. Na vielleicht hatten die Weasley-Zwillinge auch nur gelernt, ihre Nervosität besser zu verbergen. Diese zwei waren schon Spezialfälle.
Laura machte auch ein unschuldiges Gesicht. Und von seinen Slytherins hatte er niemand im Verdacht.
Er musterte weiterhin die essenden Kinder. Wieder einmal wurde ihm bewusst, dass seine Strenge und seine Regeln sich lohnten, dachte Severus zufrieden, als er sah, dass es seine Slythrins waren, die weitaus am zivilisiertesten aßen. An anderen Tischen gab es Kinder, die eher wie Tiere aßen, die normalerweise auf dem Bauernhof zu Hause waren. Er rümpfte angewidert die Nase, als er sah, wie Ron ein Spiegelei in den Mund drückte, welches auf seinen Teller tropfte.
Er sah, dass Laura mit Emma diskutierte. Sie sah nicht sehr glücklich aus dabei. Was bei den jungen Kindern immer alles abging, war der reinste Wahnsinn. Die hatten schon die grössten Diskussionen, wie er manchmal beim Vorbeigehen hörte.
Er würde schon rausfinden, wer den Trank gestohlen hatte. Er war wirklich neugierig, ob sich der Missetäter melden würde. Er machte sich ein wenig Sorgen, dass der Trank missbraucht werden könnte.
„Was sagt ihr inneres Auge, Sibyll. Sie wissen bestimmt, wer den Trank gestohlen hat," sagte Severus zu der zwei Stühle weiter sitzenden Lehrerin für Wahrsagen.
Professor Trelawny ließ sich nicht anmerken, ob sie den höhnischen Ton des Kollegen registriert hatte oder nicht. Sie sah ihn durch ihre dicken Brillengläser geistesabwesend an.
„Natürlich weiß ich es, aber ich darf das Schicksal nicht beeinflussen, mein lieber Severus. Der Schuldige muss die Gelegenheit haben, sich zu stellen. Es plagen ihn schon die Gewissensbisse," sagte sie in rauchigem Ton.
„Ja klar," erwiderte der leise und verdrehte die Augen. Schade, dass er kein von Gewissensbissen geplagtes Gesicht aus den Reihen der Schüler zu sich aufblicken sah.
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„Iss doch etwas von diesem Kuchen," meinte Emma und wollte Laura eben ein zweites Stück Zitronenkuchen in den Teller legen.
„Ich kann selber nehmen, wenn ich will," sagte diese etwas genervt. „Mein Dad mag es nicht, wenn ich zu viel Süßes esse. Der schielt sowieso schon die ganze Zeit hier runter."
Hermine, die die Szene beobachtet hatte, runzelte die Stirn. Sie sagte nichts dazu, sondern drehte sich zu den Weasley Zwillingen.
„Ich hoffe nur, ihr seid das nicht gewesen," sagte sie an Fred und George gerichtet. „Ihr würdet Punkte verlieren für unser Haus," fügte sie streng hinzu.
Fred lachte und sah seinen Bruder vielsagend an. „Uiii Hermine hat gesprochen!" neckte der rothaarige Junge.
„Das wären ja nicht die Ersten, die wir für unser Haus verlieren würden," sagte nun sein Ebenbild. "Aber sei beruhigt, Herminchen, wir waren es ausnahmsweise mal nicht." Nein, so waghalsig waren nicht mal die Weasley Superzwillinge.
Hermine machte ein saures Gesicht und Ginny, die eben noch ein kleines Buch vor der Nase gehabt hatte, tröstete sie. „Hör nur nicht hin."
Hermine lächelte das Mädchen an. Ginny schien beinahe so lese- und schreibfreudig zu sein, wie sie selbst.
„Was liest du denn da eigentlich immer?" fragte sie, aber bekam keine Antwort von dem kleineren Mädchen.
Stattdessen hörte sie, wie Laura und Emma über Lockhart diskutierten.
„Der ist so von sich selbst überzeugt," sagte Laura und bekam dafür die Zustimmung der männlichen Kameraden am Tisch und böse Blicke der weiblichen. Was Hermine aber ein wenig erstaunte, war, dass nun Emma, die den hübschen Lehrer doch auch so angehimmelt hatte, jetzt auch gegen ihn redete.
„Genau!" sagte sie und sah Laura zustimmend an. "Der meint wohl, er sei der Schönste mit seinen blonden Schmalzlocken."
Laura schien das auch zu wundern, dachte Hermine, denn auch sie gab der blonden Freundin einen erstaunten Blick. Diese genoss aber gerade das zustimmende Gemurmel der Jungs und merkte es nicht, dass sie von Laura und Hermine fragend angesehen wurde.
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Severus wartete gespannt auf den Besuch von Edward. Eigentlich hoffte er, dass Amélie kommen würde. Sie hatte ihn noch nie besucht, hier in Hogwarts. Das letzte Mal, als er sie gesehen hatte, war an seinem nachgeholten Geburtstagsfest gewesen und da hatte er nicht wirklich gut mit ihr reden können. Es war eben nicht dasselbe, wenn noch andere Leute dabei waren.
„Guten Abend, Severus," sagte plötzlich eine Stimme aus dem Kamin. Severus drehte sich sofort um und sah den älteren Mann aus den Kamin treten.
„Guten Tag, Edward," sagte er höflich. Edward entging der leicht enttäuschte Gesichtsausdruck des Freundes nicht.
Er lächelte in sich hinein. Ja, das war schon gut so, dachte er.
„Isch nehme an, sie 'atten noch von diese Elixamin-Pülwer , Severus?" fragte er und lächelte.
„Ja, sicher, Edward. Ich hätte Sie ansonsten umgehend informiert," antwortete Snape und schritt zum Tisch, wo er das Glas bereit gestellt hatte. Er hatte extra etwas vorgearbeitet, damit er etwas Zeit hatte, heute Abend, falls Amélie gekommen wäre.
Nun bot er dem Mann ein Glas Wein an, obwohl er nicht besonders große Lust empfand, längere Gespräche mit dem Kollegen zu führen.
Doch der Franzose lehnte dankend ab. „Isch möchte 'eute Abend noch den Trank ansetzen, Severus. Falls Sie am Freitag Abend Zeit 'aben, möchte isch Sie gerne zu uns nach 'ause einladen. Isch möchte gerne noch etwa besprechen, mit Ihnen." Er machte eine kurze Pause und lächelte wieder in sich hinein."Amélie wird bestimmt gerne ihre berühmte Specialité kochen, Massalé."
Severus' Laune hob sich schlagartig, ohne dass er das jedoch zeigte. Er überlegte einen Moment und nahm dann dankend an.
Er hoffte im Stillen, dass Massalé keine gekochten Froschschenkel waren.
„Also, bis dann, Severus, vielen Dank," sagte Edward in seinem Akzent und trat wieder in den Kamin.
Als der französische Zaubererkollege verschwunden war, lächelte Snape. Er würde die Gelegenheit, Amélie zu sehen bestimmt ergreifen.
Sie war ihm in den letzten Wochen immer wieder im Kopf herum gegeistert, was ihn erst befremdet, dann beunruhigt hatte, aber inzwischen stritt er es wenigstens sich selber gegenüber nicht mehr ab, dass Amélie das gewisse Etwas hatte, das ihn anzog. Sie war so locker und doch intelligent und an vielen Dingen interessiert.
Er würde diesmal Laura zu Hause lassen. Beim letzten Besuch hatte sie sich die ganze Zeit an ihn geklammert gehabt und das wäre wahrscheinlich diesmal nicht anders, zumal sie nicht die besten Erinnerungen an den letzten Besuch bei den Ludwigs hatte.
Freitag war zwar Familienabend, aber wegen einem mal würde das wohl nichts schaden. Im Gegenteil. Laura war bestimmt froh, den Abend mit ihren Freunden zu verbringen, die sie so lange nicht mehr gesehen hatte. Sie würde ihn bestimmt nicht vermissen.
Als er sich gerade ein Glas Wein einschenkte, züngelten die Flammen im Kamin nochmal grün.
Edwards Kopf erschien und er sagte entschuldigend:" Oh, Severus, isch Schussel. Isch 'abe vergessen, dass wir am Freitag zu eine Geburdsdagfest müssen."
Severus' Laune sank wie ein tonnenschwerer Stein an den tiefsten Meeresgrund.
„Aber isch bin sischer, dass Amélie trotzdem gerne für Sie die Massalé kochen würde. Also, nischts für ungut, Severus," sagte er eilig und Snape nickte nur kurz.
Dann war Edward verschwunden und Snape stand vor dem Kamin und hätte mitsamt seiner nun im Eiltempo steigenden Laune in die Luft springen können, was er natürlich nie getan hätte.
Nein, er würde Laura ganz bestimmt nicht mitnehmen, diesmal.
S s s s s s s
„Wohin ist Großvater gegangen?" fragte Amélie nochmals ungläubig nach, als ihr die Großmutter erzählte, dass der Großvater etwas bei Snape holen gegangen war.
Amélie, die gerade vom Arbeiten gekommen war, rumorte der Magen, als sie das hörte. Seit Tagen hatte sie sich den Kopf zermartert, wie sie Snape wieder sehen konnte. Sie hatte nach einer plausiblen Erklärung gesucht in Hogwarts aufzutauchen. Sie hatte sich überlegt, wo sie ihn sehen würde, ob er am Wochenende in Hogsmeade sein würde. Ihr war nichts Schlaues eingefallen und es sollte ja auch nicht so inszeniert aussehen. Sie wollte sich ja nicht lächerlich machen.
Und nun war ihr Großvater in Hogwarts um etwas zu holen! Bei Severus! In diesem Moment!
Am liebsten wäre sie in den Floh gestanden und auch nach Hogwarts gefloht, aber was sollte es schon so Dringendes geben, das sie ihrem Großvater nicht auch nachher noch sagen konnte.
Wie ein Tiger lief sie im Garten hin und her und wartete, bis ihr Großvater nach Hause kam. Das gabs doch einfach nicht. Sie hätte ja das verdammte Ding, was immer es war, holen können. Sie! Wieso musste auch er das machen, wenn sie hätte nach Hogwarts gehen können?
Es war zum Haareraufen, dachte sie verzweifelt. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, bis sie das Zischen im Kamin hörte, das ihr verriet, dass der Großvater nach Hause gekommen war.
Sie lief schnell ins Haus, wo sie sofort auf den älteren Mann zutrat. Der lächelte und legte einen Arm um sie. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, die nun ziemlich rosa und warm war.
„Hallo, mein Schatz," sagte er fröhlich.
Er ging mit ihr in den Garten und sie fragte so beiläufig, wie sie es irgendwie zu Stande brachte: "Wo warst du denn, Grandpapa?"
Edward hätte laut rauslachen können, ab dem Theater, das ihm die junge Frau vorspielte. Natürlich wusste sie sehr genau, wo er gewesen war. Aber er wollte sie etwas zappeln lassen. Das machte ihm irgendwie Spaß.
„Ich war bei meinem Kollegen, Severus Snape. Du erinnerst dich doch an ihn?" fragte er unschuldig und in seinen Augen blitzte der Schalk.
Amélie sah ihn vielsagend an und lächelte. „Ach, Grandpapa, veralbere mich nicht," klöhnte sie.
„Er kommt am Freitag Abend hierher zum Essen," sagte er und setzte sich auf eine Bank, die vor dem Weiher stand. Amélie horchte auf. Er kam hierher? Er kam hierher!
Amélie setzte sich auch, allerdings nur auf die vorderste Kannte. Sie sah ihren Großvater erwartungsvoll an. „Am Freitag?" fragte sie erfreut nach und konnte ihre zappeligen Beine kaum ruhig halten. Ihr Herz machte einen Hüpfer. Am Feitag würde sie ihn also sehen, dachte sie hocherfreut. Die Verabredung mit ihrer Freundin würde sie sofort absagen.
„Ja, wir sind dann leider nicht da," sagte er gespielt bedauernd. „Aber ich habe ihm gesagt, dass du bestimmt trotzdem gerne für ihn kochst. Deine Spezialität, Massalé." Er lächelte und Amélie sah ihn entsetzt an.
„Aber Grandpa, ich hab doch keine Spezialität, ich kann doch gar nicht kochen!" schrie sie beinahe und ihre Augen waren so groß und erschrocken, dass er lachen musste.
„Dann wird es höchste Zeit, dass du es lernst," witzelte er und küsste die nun ganz bleiche Amélie nochmals auf die Wange.
„Grandpapa!" sagte sie entsetzt. „Du bist so... ein Schlitzohr!" lächelte sie und lehnte sich an die Schulter des graumelierten Mannes. Er legte den Arm um sie und genoss den Augenblick. Das hatte er geschickt eingefädelt, dachte er erfreut.
„Da kommen ja ganz neue Seiten von dir zum Vorschein," lächelte Amélie. Sie würde Kochbücher durchwühlen müssen und Massalé auf verschiedenste Arten kochen, bis es wirklich perfekt war.
Ihr Großvater war wirklich ein bemerkenswerter Mann, dachte sie glücklich.
S s s s s s s s
Laura war auf dem Weg zu ihrem Vater in den Kerker. Fred und George, die noch schnell einen Abstecher in die Küche machen wollten, begleiteten sie.
„Huiii, Die Karottenköpfe und die Schwarzwurzel!" kreischte plötzlich eine Stimme. Die Kinder mussten sich nicht mal umdrehen, um zu wissen, wem sie gehörte.
„Zisch ab, sonst rufe ich den blutigen Baron, huiii, der wird dir dann Beine machen!" foppte George den Poltergeist, der auf den Schultern einer Ritterrüstung saß und alle Schüler, die vorbei gingen, neckte. Leider waren nur noch sehr wenige Schüler auf den Gängen unterwegs, da es schon nach halb Acht war. Da kamen ihm die Drei gerade recht.
„Ach, wie mutig!" hörten sie schon wieder eine Stimme. Malfoy war mit seinen beiden Kumpanen Goyle und Crabbe die Treppe hinauf gekommen. Die großen vierschrotigen Jungen standen links und rechts des hellen, eher schmächtigen Draco, der besonders mickerig aussah, neben seinen massigen Begleitern.
„Wie heldenhaft, diesen alten Trick anzuwenden," feixte er. „Und so einfallsreich!"
Laura trat einen Schritt vor. Klar machten ihr die beiden großen Jungen neben Malfoy Eindruck. Klar zeigte sie das nicht. In Wirklichkeit war sie sehr froh, dass sie die Zwillinge im Rücken hatte.
„Ach, du musst deinen Mund aber besonders weit aufreissen. Wie heldenhaft und mutig ist es denn, mit zwei Gorillas als Leibwächter herum zu laufen. Du machst ja keinen einzigen Schritt ohne die Beiden," sagte sie herausfordernd und tönte viel mutiger, als sie war.
Goyle wollte sich die kleine Göre vorknöpfen, denn auch er hatte die Beleidigung geschnallt.
Pevees jubelte Beifall und motivierte die beiden breiten Muskelpackete, Hackfleisch aus den frechen Kindern zu machen, worauf Goyle die Faust ballte.
Mit einer Hand hielt ihn Malfoy jedoch zurück. „Ist es nicht wert, sich für diese kleine Kröte Ärger einzuhandeln."
"Buuu!" rief Pevees mit abwärts gerichteten Daumen. Niemand schenkte ihm Beachtung.
„Gut dressierte Gorillas!" sagte Laura zu Fred, der nun neben ihr stand. Die Zwillinge lachten. Ihnen machten die Muskeln der beiden Jungen keine Angst. Die hatten um so weniger Grips, und zaubern konnten sie auch etwa so gut wie eine Schnecke stepptanzen konnte.
„Wenigstens sind sie nicht in jahrhunderte alte Kleider von ihrem Urururgroßonkel gekleidet," sagte Malfoy abwertend und sah sie Zwillinge an. Laura hörte sofort, dass es ihm auch so ging wie ihr. Auch er gab sich mutiger, als er war.
„Gebt es ihm!" schrie der Poltergeist, der kurzspitz die Loyalität gegenüber den langweiligen Slytherins gekanzelt hatte und nun die Zwillinge anfeuerte. „Lasst das nicht auf euch sitzen! Ihr habt Stolz!"
Fred und George ließen sich aber nicht provozieren. Fred lächelte: "Ach du armer Malfoy, ich weiß schon, dass du nicht so überaus dumm bist, wie du aussiehst, das könnte keiner überleben."
„Es gibt nämlich sowas wie einen Mindest IQ, damit man Lebensfähig ist," hängte George ein. Sie lachten und Malfoy bekam eine gesunde Farbe in seinem sonst so blassen Gesicht.
Pevees kicherte und gluckste. Das war ganz nach seinem Geschmack. Noch eine kleine Rangelei wäre perfekt.
Die 'Gorillas' an Malfoys Seite schienen dem Gespräch nicht gefolgt zu sein, denn sie blickten nur dümmlich in die Gegend. Wieso diese beiden nach Slytherin eingeteilt worden waren, hatte sich Laura schon öfters gefragt. Man sagte doch Slytherins eine gewisse Gerissenheit und Schlauheit nach. Also wenn diese beiden schlau waren...
Die Zähne von Malfoy knirschten so laut, dass es alle hören konnten. „Wart nur, bis ich dir mal alleine begegne, Schwarzwurzel," zischte er zwischen den Zähnen durch.
„Das wird schwierig. Ohne deinen Begleitschutz traust du dich ja nicht aus deinem Gemeinschaftsraum," sagte sie lässig und Fred und George lachten wieder. Genau wie Pevees.
Malfoy rauschte ab, dicht gefolgt von Crabbe und Goyle, die etwas enttäuscht aussahen. Sie hätten wohl gerne ihre Fäuste gebraucht. Aber Malfoy schien immerhin schlau genug zu sein, dass er sich nicht auf eine größere Auseinandersetzung mit den älteren Schülern einließ, sehr zu Pevees Bedauern.
„Unglaublich, wie jeder Raum an Schönheit gewinnt, wenn die ihn verlassen," lachte Fred.
„Wir begleiten dich wohl besser," fügte er hinzu, woraufhin George die Augen verdrehte. Laura war aber ziemlich froh darüber.
„Wieso hinkst du?" fragte Fred das Mädchen. Sie sah zu ihm auf und erklärte, dass sie sich den Zehen gestoßen habe. Sie versuchte normal zu gehen.
S s s s s
Natürlich erzählte Laura ihrem Dad nichts von dem unangenehmen Zusammentreffen mit Malfoy. Sie hätte für nichts garantieren können, wenn Malfoy es darauf angelegt hätte, noch mehr Ärger zu machen. Wenn sie keine Verstärkung dabei gehabt hätte, hätte er seine Gorillas vielleicht nicht zurück gehalten. Sie wusste, dass sie auch nicht gerade dem Ärger aus dem Weg gegangen war, wie sie es ihrem Vater versprochen hatte.
„Dad, mein Zehennagel ist eingerissen," sagte Laura während sie die Socke, die sie bei den Zehen gefasst hatte, etwas umständlich vom Fuß zog.
Snape räumte eben die Aufsätze auf, die er korrigiert hatte. Er sah zu seiner Tochter hinüber. Natürlich fand er es immer schön, wenn sie ihn hier besuchte. Aber er fand auch, dass sie in ihrem eigenen Gemeinschaftsraum schlafen sollte, mit einigen Ausnahmen.
„Bin ich gut, Dad?" fragte Laura und Snape hob eine Augenbraue, während er zu ihr hinüber schritt.
„Weil du es geschafft hast, deinen Zehennagel einzureissen?" fragte er amüsiert.
Laura sah von ihrem Zehen, den sie auf dem Sofa sitzend begutachtete, zu ihrem Vater auf. „Nein! Natürlich im Aufsatz!"
Snape setzte sich vor sie auf das Sofa und sah sich den Fuß an. „Das wirst du morgen erfahren. Genau wie alle anderen Schüler auch, Miss Smethurst."
Sie stöhnte und zuckte gleich darauf etwas zurück, da ihr Vater die Zehe berührt hatte, die ziemlich schmerzte. Laura hatte sehr dunkle, sonnengebräunte Füße, da sie die meiste Zeit ohne Schuhe unterwegs gewesen war im Sommer. Aber Snape fiel auch auf, dass seine eigenen Hände viel gebräunter waren als sonst. Wahrscheinlich hatte er noch nie so viel Zeit draußen verbracht wie dieses Jahr!
Der Nagel von Lauras großer Zehe war etwa in der Mitte von der Seite her recht tief eingerissen. „Wie hast du das fertig gebracht?" fragte Snape, während er seinen Zauberstab darauf richtete.
„Ich war genervt und hab in eine Wand gekickt," gab Laura leise zu. Snapes Augen huschten kurz vom Zehen zu ihr auf und er sah sie vielsagend an und sie lächelte beschämt. Dann tipte er leicht mit dem Zauberstab auf den Nagel und schon war dieser wieder heil.
Lauras Gesicht erhellte sich sofort, als hätte sie noch nie etwas Derartiges gesehen und dankte ihrem Dad. Sie zog sich die Socke wieder über.
Snape sah sie nun forschend an. „Du weißt nichts von dem Trank, oder?" fragte er sie.
Laura schüttelte den Kopf. „Nein, Dad," sagte sie und hielt seinem Blick stand.
„Dann komm, ich bringe dich zurück in den Gryffindorturm," sagte er. Enttäuscht ging Laura ihrem Vater hinterher. Hier fühlte sie sich einfach am wohlsten.
Er wusste noch nicht, dass seine Tochter am nächsten Abend schon wieder vor seiner Tür stehen und ihn bitten würde, hier schlafen zu dürfen.
TBC...
Würde mich riesig freuen, wenn ihr einen kurzen Kommentar hinterlassen würdet...
