Betagelesen von scientific ida. Danke vielmals dafür!
Allen viel Spass beim nächsten Kapie, Gruss Sally
s s s s
Severus lag in seinem Bett und seine Gefühle drehten wilde Runden in seinem Kopf. Er dachte an Lily, an Amélie und an andere Frauen. Die flüchtigen Liebschaften, die er gehabt hatte. Und auch an Ellen. Wild spukten sie alle durch seinen Kopf.
Er dachte daran, wie sehr er Lily geliebt hatte. Er hatte gespürt, dass Lily ihn auch sehr gerne gemocht hatte, aber geliebt hatte sie ihn sicherlich nicht. Er hatte sie trotzdem geliebt, vielleicht sogar vergöttert. Als er dann gemerkt hatte, dass sich Potter für seine Lily interessiert hatte, war in ihm eine unglaubliche Unruhe gewesen. Er war richtig nervös geworden und verzweifelt. Vor allem, als er dann auch gesehen hatte, dass Lily diesem Gockel gewisse Blicke geschenkt hatte.
Er hatte Potter deswegen schon nicht gemocht und war unglaublich eifersüchtig gewesen. Später hatte er ihn sogar richtig gehend gehasst. Nicht nur, dass er sich so unwiderstehlich gefunden hatte und damit scheinbar sogar Lily beeindruckt hatte, nein, er und Black hatten ihm das Leben in Hogwarts zur Hölle gemacht.
Er bereute zutiefst, dass er, damals, als Potter ihn so gedemütigt hatte, seine Wut an Lily ausgelassen und sie 'Schlammblut' genannt hatte. Er hatte sich diesen kleinen Augenblick der absoluten Wut und Scham nicht im Griff gehabt, und dadurch hatte er so viel leiden müssen.
Jahrelang hatte ihn das schreckliche Gefühl geplagt, das ihn erfüllt hatte, als Lily sich von ihm abgewandt hatte. Es war einfach unglaublich zermürbend gewesen und als sie dann auch noch umgebracht worden war und er sich dafür auch die Mitschuld gegeben hatte, war es um so schlimmer geworden.
Wenn er nun an Amélie dachte, kam er sich vor, als verrate er damit die Erinnerung an Lily. Sie war die einzige Frau gewesen, die er je geliebt hatte.
Aber er hatte sich im letzten Jahr von den Erinnerungen distanziert. Nicht bewusst. Er hatte gar keine Zeit gehabt, seit er Laura hatte, sich in seinen Schuldgefühlen und Erinnerungen zu suhlen. Die Bitterkeit, die diese Gedanken immer in ihm hervor gerufen hatten, hatte er größtenteils ablegen können. Bei der Erinnerung daran fragte er sich auch, ob er es nicht manchmal sogar irgendwie genossen hatte, hier unten den finsteren Gedanken nachzuhängen und sich in seinen seelezerfressenden Gefühlen zu wälzen. Irgendwie jämmerlich, dachte er. Jetzt, da er so viel vor sich sah, das sein Leben zukünftig mehr als lebenswert machte, wirkten diese düsteren Zeiten so unwahr.
Es war wirklich an der Zeit, das Kapitel abzuschließen obwohl er die Schuldgefühle nicht komplett abstreifen konnte.
Ganz sicher würde er Lily nie vergessen, das war klar, aber hatte er nicht auch das Recht, nun wieder ein glückliches Leben zu führen? Hatte er nicht genug gebüßt, für seine Fehler?
Und wäre es, wenn man es bedachte, nicht auch möglich gewesen, dass Lily ihm hätte vergeben können? Er hatte an dem Tag etwas Schlimmes gesagt, aber hätte sie - als seine gute Freundin - nicht wissen müssen, dass die Beleidigung eigentlich nicht gegen sie gerichtet gewesen war und aus Verzweiflung gesprochen worden war? Er konnte seine schrecklich verletzenden Worte nicht entschuldigen, aber ihrer Freundschaft zuliebe, hätte Lily versuchen können, ihm irgendwann zu verzeihen. Er hoffte, dass sie es wenigstens jetzt tat und es wunderte ihn, dass er die Sache nun das erste Mal aus einer anderen Perspektive sah.
Lily hatte nicht ihn sondern James Potter geliebt. Nun durfte er sein Herz auch wieder öffnen. Nicht nur für sein Kind.
Ach, diese Frauen machten einen doch noch ganz durcheinander! Auch die Kleinen!
Laura war kurz vor neun Uhr bei ihm vor der Tür gestanden. Sie wolle hier schlafen, hatte sie gesagt, da sie ihn so vermisse. Er hatte ziemlich geschimpft mit ihr, da sie um diese Zeit noch auf den Gängen war. Um acht Uhr mussten alle Schüler im Gemeinschaftsraum sein, ohne Ausnahme. Außerdem war sie erst gestern Abend bei ihm aufgekreuzt, wegen der Zehennagelgeschichte.
Er hatte sie dann aber schlussendlich hier schlafen lassen, da sie ihn so flehentlich angesehen hatte und gejammert hatte, sie vermisse ihn so sehr und wolle unbedingt hier schlafen, sogar wenn sie eine Strafe bekommen würde. Also äußerst unbedingt und dringend!
Es war immer noch seltsam für ihn, dass ihn jemand vermisste. Obwohl Laura hier bestimmt früher ins Bett musste und keine Freunde hier unten waren, kam sie häufig hierher zu ihm um in ihrem Zuhause zu schlafen, wie sie es immer nannte.
Das freute und schmeichelte Snape insgeheim, denn es zeigte ihm, wie wohl sie sich hier fühlte. Sie brauchte diese Geborgenheit scheinbar mehr als den Spaß mit ihren Kameraden.
Natürlich sollte sie aber, wie die anderen Schüler auch, in ihrem Schlafsaal schlafen. Aber er fand, dass es ja nicht nur Nachteile haben sollte, wenn man seinen Vater in der Schule hatte, also erlaubte er es ab und zu. Normalerweise schlief sie an Freitagen immer hier. Und vielleicht war es eine Frage der Zeit, bis sie das nicht mehr wollte, dachte er. Auch er vermisste das Kind unter der Woche, wenn er Laura nur so selten sah.
So! Nun würde er eben noch etwas lesen, wenn diese Frauen ihn ja nicht schlafen ließen! dachte Severus und tastete nach dem alten Tränkebuch, das ihm ein Kollege geschickt hatte. Mit der anderen Hand drückte er den Lichtschalter und setzte sich mit einem Seufzer im Bett auf.
S s s s s s s s s
Laura sah an sich hinunter und wusste genau, was sie sehen würde. Sie würde wieder diesen seltsamen Umhang tragen. Sie spürte den kalten Regen den Rücken hinunter rinnen. Es schauderte ihr. Sie blickte neben sich, wo die streng aussehende Frau stand, wie sie von den früheren Träumen wusste.
Sie sah das Kleid der Frau an, mit dem weinroten Saum und den weißen Rüschen. Sie berührte es und die Frau sah kühl zu ihr hinunter.
Laura brauchte sich nicht umzusehen, um zu wissen, dass die großen Steine in einem Kreis um sie und die paar anderen Leute herum standen. Was konnte das alles bedeuten? Wieso träumte sie das bloß?
Sie hörte den Schlag, der Axt auf Stein. Und dann war da wieder der Keramiktopf, der herumgereicht wurde und sie selber wurde ausgelassen. Die Leute streuten der Reihe nach etwas Erde in das dunkle Loch, das vor ihren Füßen war. Das Grab. Wessen Grab das wohl war, dachte Laura und wieder schauderte es ihr. Ja, sie spürte auch, wie sie schlotterte.
Dann schritt die dunkle Gestalt mit der Kapuze ans Grab. In der Hand das tropfende Ding. Laura sah genauer hin. Sie erkannte im Mondschein nicht genau was es war, aber es sah irgendwie eklig aus. Die dunkle Flüssigkeit, die Spuren auf der Hand des Mannes hinterließ, erinnerte Laura an Blut. Irgendwie wie in einem Horrorfilm, dachte sie.
Der Kapuzenmann warf es ins Grab und sprach etwas in einer seltsamen Sprache.
Laura spürte, dass jemand in dem Grab lag, dem sie Aufwiedersehen sagen wollte. Sie wollte auch Erde hinein werfen und sie fand es unmöglich, dass sie einfach so übergangen worden war.
Sie fuhr sich über das Gesicht, da ihr der Regen in die Augen rann. Laura erschrak. Sie fühlte sich so anders an. Sie wollte sich über den Kopf fahren mit der Hand, aber die Hand gehorchte ihr nicht.
Angst kroch in ihr hoch. Sie wollte hier weg. Wo war ihr Dad, der nach ihr rief und sie weckte?
Sie sah wieder zu der Frau hin. Die Frau bekreuzigte sich und sah dann wieder ins Grab. Sie schien zu merken, dass Laura sie ansah, denn ihr Kopf wandte sich ihr zu. Ihre kühlen Augen sahen sie scharf an.
Laura fragte sich, ob es der Frau lieber gewesen wäre, wenn sie in dem Grab gelegen hätte. Ein schrecklicher Gedanke, aber die Frau neben ihr war keine nette, liebende Person, auch wenn sie so gottesfürchtig und grossmütig tat. Nein, ihre Mutter hatte ihr noch nie etwas vormachen können. Sie hatte ihr hartes, gefühlsloses Gesicht immer lesen können.
Laura schrie laut. Sie würde einfach schreien, bis sich aus diesem elenden Traum aufwachen würde.
Und sie schrie, bis sie ihr Bett roch und im Halbdunkeln erkannte, dass sie in ihrem Zimmer war. Hier, Zuhause bei ihrem Dad. Obwohl sie erleichtert war, dass sie nicht mehr in diesem Traum war, weinte sie.
Als ihr Vater das Zimmer betrat, saß Laura schluchzend auf ihrem Bett. Ihr Gesicht in den Händen verborgen saß sie da und weinte.
Ihre Mutter? dachte Laura schluchzend. Sie konnte nicht glauben, was sie da geträumt hatte.
Die Gefühle im Traum hatten sich so echt angefühlt. Wie konnte sie nur so schlecht von der Frau denken, die im Traum ja ihre Mutter war? Sie hatte das Gefühl gehabt, als kenne sie die Frau, obwohl sie genau wusste, dass sie sie in echt noch nie gesehen hatte.
Ihre Mutter war doch tot und so eine Mutter hatte sie ganz sicher nicht! Wieso sie auf die Idee gekommen war, dass diese unsympatische Frau ihre Mutter sei, wusste sie nicht. Aber sie war sich sicher gewesen, dass es so war. Oder war das vielleicht eine Stiefmutter, in ihrer Zukunft? Das konnte doch nicht etwa eine Zukunftsvision gewesen sein, oder?
Laura zitterte. Sie wollte diesen komischen Traum nicht mehr träumen. Nicht, wenn diese Frau ihre Mutter war.
Snape sah stirnrunzelnd zu Laura hinunter. Er fragte sie, ob sie schlecht geträumt hatte, bekam aber keine Antwort.
Laura schmeckte die Tränen, die sich hinter ihren Händen sammelten und ihren Weg zu Lauras Lippen suchten. Es war beruhigend, sie zu schmecken, so salzig, so normal.
Severus zog ihr die Hände vom Gesicht weg und beugte sich etwas hinunter. „Laura!" sagte er ernst.
„Sieh mich an!" befahl er, als sie einfach weiter weinte.
Er zog sie an den Armen hoch, sodass sie auf dem Bett stand.
Ihre Handgelenke ließ er los und fasste sie an den Oberarmen und schüttelte sie sanft. Laura hatte die Hände sofort wieder vors Gesicht genommen, als ihr Vater den Griff gewechselt hatte.
Snape sah sie etwas ratlos an.
Er murmelte etwas und das Licht, welches vorhin nur den Gang beleuchtet ging auch im Zimmer an. Er sah wie Jimmy, die sich in einem Körbchen auf Lauras Nachttisch zusammengerollt hatte, ihr Näschen hinaus streckte und schnupperte.
Laura schluchzte und er schüttelte sie nochmals leicht.
„Was ist?" fragte er etwas sanfter, obwohl er ungeduldig wurde.
Zwar hatte sie ihn aus den Grübelein über Frauen geholt, worüber er nicht unglücklich war, denn das Buch hatte das nicht geschafft, aber seine Tochter so aufgelöst zu sehen wegen eines Traumes, besorgte ihn etwas.
Aber Laura schluckte nur schwer und schniefte, sagte aber nichts.
Plötzlich klammerte sie sich an ihren Vater und dessen Arme legten sich automatisch um sie. Er spürte Lauras kleinen, schmalen Körper unter seinen Händen zittern und es schüttelte sie immer ein wenig, wenn sie schluchzte.
Zwei drei Minuten standen sie so da und Snape klopfte ihr sanft auf den Rücken, während er seine Ungeduld in Schach hielt. Lauras Griff lockerte sich nicht. Sie hatte das Gesicht in seiner Halsbeuge verborgen und schniefte, allerdings nicht mehr so herzzerreißend.
Sie gehörte hier her. Das war die Wirklichkeit! Das war ihr Dad! Sie fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht, welches sich in ihrem Traum so seltsam fremd angefühlt hatte. Oder war sie nur älter gewesen? Sie schüttelte leicht den Kopf, um diesen Gedanken los zu werden. So eine Zukunft wollte sie nicht!
Snape griff nach ihren Armen und wollte sie von sich weg ziehen, um mit ihr zu reden, aber sie klammerte sich nur noch mehr an ihn.
Es wurde ihm zu blöde, einfach so da zu stehen und nicht weiter zu kommen, außerdem wurde seine Geduld beängstigend dünn. Kurzerhand hob er sie hoch und trug sie ins Wohnzimmer.
Wie eine Klette klebte sie an ihrem Vater.
Als er mit einem kleinen Schwänker seines Zauberstabes ein schwaches Licht angezündet hatte, löste er mit einer Hand die Umklammerung ihrer Beine um seinen Körper und setzte sich mit ihr auf einen Stuhl, den er leicht vom Tisch weg zog.
Er verdrehte die Augen. Dieses Kind war zwölf in Merlins Namen! Benahmen sich alle Zwölfjährigen so? Ob sie sich auch wie ein Kleinkind an ihn geklammert und tragen lassen hätte, wenn ihre Freunde das mitbekommen hätten?
Was für einen schrecklichen Traum musste sie geträumt haben, dass sie so aufgewühlt war?
Laura nuschelte etwas in Snapes schwarzen Schlafanzug.
„Könntest du dich etwas klarer ausdrücken, Laura. Sieh mich bitte an, damit ich wenigstens Lippenlesen kann."
Lauras Gesicht tauchte aus seinem warmen Pyjama auf. Sie rieb sich die nassen Augen und lächelte, wegen Snapes Kommentar.
„Ich... hatte wieder... diesen seltsamen Traum," schniefte sie. Sie wollte das Schniefen abstellen, aber das ging leider nicht auf Knopfdruck.
„Was für ein Traum?" fragte Snape erstaunt. Sie hatte ihm in letzter Zeit nichts von einem Traum erzählt.
Laura blinzelte ihn mit nassen Wimpern an und fuhr sich mit der Hand unter der Nase durch. Sie richtete sich etwas auf.
„Der Traum vom Steinkreis," sagte sie leise und schnäuzte sich dann die Nase in ein Taschentuch, welches ihr Vater plötzlich in der Hand hielt. Einen Moment lang dachte sie daran, dass sie sich ja wie ein Baby benahm, schob ihre Bedenken dann aber sofort bei Seite.
„Und von dieser unheimlichen Frau, die im Traum meine Mutter ist und von dem Grab und dem Kapuzenmann und der Erde in dem Topf und der Flötenmusik..." Laura schniefte nochmals, aber ihr Atem schien sich zu beruhigen.
Snape versuchte sich etwas zusammen zu reimen, aus dem, was er gehört hatte, wurde aber nicht schlau daraus.
„Du hast den Traum also schon einmal geträumt?" fragte er und sah sie forschend an. Laura nickte und lehnte den Kopf an Snapes Brust. Sie fühlte sich plötzlich ziemlich müde. Sie wollte aber nicht mehr weiter träumen!
„Darf ich zu dir ins Bett?" fragte sie flehentlich, obwohl das wohl auch ein bisschen babyhaft war, wenn man zu seinen Eltern ins Bett stieg. Aber das wusste ja niemand und wer weiß, was ihre Freunde und Freundinnen so alles taten zu Hause, wenn es niemand sah. Sie stellte sich die ganze Weasley Familie in einem Bett aufgestapelt vor, das unter dem Gewicht des ganzen Clans knarrte und dann zusammen brach.
Snape atmete tief aus. Er würde sie morgen nochmals nach dem Traum fragen.
„Zehn Minuten," sagte er knapp. Laura entspannte sich spürbar. "Danke Dad," flüsterte sie und er grummelte nur etwas.
An der Hand führte sie ihr Dad in sein Zimmer, wo sie sich sofort glücklich unter seine Decke kuschelte.
Ihr Blick fiel auf seinen Nachttisch, wo die Fotos seiner Liebsten standen.
Diese Fotos nahm er immer mit von Zuhause zu diesem Zuhause in Hogwarts und umgekehrt. Sie blinzelte, als sie ein Foto mehr dort sah.
Es war ein Foto, welches ihr Großvater, der Vater ihrer Mum, ihr gegeben hatte, bei ihrem Besuch am Anfang der Sommerferien. Es zeigte Klein-Laura und ihre Mum, Ellen. Ellen lachte und hielt die etwa zweijährige Laura auf dem Arm.
Laura wurde es ganz warm im Bauch.
Ihr war klar, dass ihr Dad ihre Mum nie geliebt hatte, das hatte er Laura klar gesagt. Aber er wird sie zumindest sehr gemocht haben, dass er ein Foto von ihr aufstellte, dachte sie glücklich. Vielleicht hatte er es auch ein bisschen für sie, Laura, getan.
Sie lag da und sah auf das Bild.
Severus nahm das alte Tränkebuch zur Hand, welches ihn eigentlich sehr interessierte, von dem er aber noch keinen richtigen Satz gelesen hatte. Er sah aber nicht auf die aufgeschlagene Seite des gelblichen Papiers, sondern beobachtete Laura still. Sie liebte ihre Mutter sehr und wahrscheinlich vermisste sie sie auch manchmal.
Ein stechendes Gefühl breitete sich in ihm aus, als er seine Tochter sah, wie sie ihre Hand ausstreckte und mit den Fingern sanft über das Bild ihrer Mutter strich.
Er wusste, dass Laura ihn so sehr liebte, wie er sie. Er war jetzt der wichtigste Mensch in Lauras Leben.
Jetzt noch, dachte er dann sogleich bitter. Bald würden irgendwelche Männergeschichten beginnen. Sein Hals fühlte sich plötzlich seltsam eng an bei diesen Gedanken und sein Blut schien etwas schneller zu fließen.
Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Über seine Gefühle.
Er konnte doch wohl nicht eifersüchtig sein auf Lauras tote Mutter, die Lauras Herz mit ihm teilte. Er konnte nicht eifersüchtig sein, auf Männer, denen in ein paar Jahren Lauras Liebe und ihre Gedanken gehören würde.
Laura drehte sich um und lächelte ihn an. Sie kuschelte sich nah an ihn und schloss zufrieden die Augen. „Das waren die aller wunderschönsten Ferien, Dad," murmelte sie im Halbschlaf.
Sie lächelte, als sie daran dachte, dass Filch sie am Abend erwischt hatte, als sie heimlich durchs Schloss geflitzt war, zu den Kerkern und das um beinahe neun Uhr abends!
Sie war fast in ihn hinein gerannt. Sie hatte ein Donnerwetter erwartet und eine Bestrafung, aber stattdessen hatte er, zu ihrem großen Erstaunen sie nur angesehen. Dann hatte er Miss Norris gerufen, die Laura anblinzelte mit ihren gelben Augen und ihr um die Beine strich. Er hatte sich einfach umgedreht, als hätte er Laura nicht auf frischer Tat ertappt, als wäre er ihr gar nicht begegnet und war verschwunden.
Laura hatte ihm hinterher gesehen und etwas verwirrt die Nase gerümpft. Natürlich wusste sie, dass er ihr dankbar war, dass sie seine geliebte Katze gerettet hatte, aber dass sie so glimpflich davon kommen würde, hätte sie nicht gedacht. Wenn man es genau nahm, wäre ja Miss Norris auch nicht in die missliche Lage gekommen, mit dem dreiköpfigen Hund, wenn sie und ihre Freunde nicht dort hinein gegangen wären.
Mit geschlossenen Augen lag sie an ihren Vater geschmiegt da und genoss seine Nähe, während sie ins Traumland glitt, welches ihr nun freundlicher gesinnt war.
Severus setzte an diesem Abend wohl das erste Mal, seit Laura ihn kannte, nicht durch, was er gesagte hatte. Er schickte sie nicht nach zehn Minuten in ihr Bett.
Er genoss das schlafende Kind neben sich in seinem Bett. Etwas wehmütig sah er sie an. Ihre langen, schwarzen Wimpern. Ihre sanften, unbändigen Locken die auf der Seite noch feucht waren von ihren Tränen. Er sah, wie geborgen sie sich fühlte. Wie sie regelmäßig atmete und ihr Arm entspannt über seinem Bauch lag.
Bald würde sie erwachsen sein. Jetzt gehörte sie noch ihm. Es war nur so ein kleiner, so ein viel zu kurzer Augenblick, in dem sie ihm gehörte. Er wollte ihn genießen.
S s s s s s s s s
„Wir werden sehen, Severus," sagte Dumbledore mit leichter Stimme. Sie hatten sich entschlossen, der Sache mit dem verschwundenen Zaubertrank auf den Grund zu gehen, während die Schüler im Unterricht waren. Pomona Sprout, die auch eine freie Stunde hatte, begleitete den Schulleiter und den Zaubertrankprofessor.
„Also, ich kann nicht verstehen, wieso ein Schüler so einen gefährlichen Trank stehlen sollte," sagte Pomona und schüttelte ihren lockigen Kopf.
„Es gibt so manches, was ich bei diesen Schülern nicht immer verstehe, glauben Sie mir, Pomona," sagte Snape schneidend.
Die drei Zauberer standen in der Eingangshalle und waren gespannt, wohin sie ihre Zauberstab führen würde.
Snape hatte es zwar nicht direkt ausgesprochen, aber es war ziemlich klar, dass er die Weasleys im Verdacht hatte. Es hatte noch nie jemand so häufig und penetrant versucht, an seine Tränke und Zutaten ran zu kommen, wie diese beiden rothaarigen Flegel.
Zu seiner Genugtuung leitete sie Dumbledores Zauberstab tatsächlich Richtung Gryffindorturm.
Es war ein komplizierter Zauber, der einem Gegenstände, besonders Magische, zeigen sollte. Personen und nicht magische Gegenstände waren viel leichter zu orten, als Tränke.
Die drei stiegen die Treppen hinauf und durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors.
Ha! Natürlich die unmöglichen Zwillinge! dachte Snape. Nun würde der Schulleiter endlich sehen, dass man bei diesen Jungen mal härter durchgreifen musste. Zu lange schon hatten sie den Lehrern und auch dem Schulleiter selbst auf der Nase rum getanzt.
Severus blinzelte verwirrt, als nun der Zauberstab in Richtung Mädchenschlafsäle zeigte. Ein ungutes Gefühl machte sich bemerkbar in seiner oberen Bauchgegend, das er aber geflissentlich ignorierte.
Er folgte Dumbledore und ließ sogar Professor Sprout den Vortritt, obwohl er doch sehr neugierig war, wohin der Zauberstab nun deuten würde. Er hoffte sehr, dass er noch eine Treppe hoch zeigen würde.
Aber der Zauberstab tat ihm den Gefallen nicht. Mit einer unerfreuten Grimasse folgte er Albus in das Zimmer der fünf Mädchen zu denen auch sein eigenes Kind gehörte. Als Snape nun die Tür hinter sich geschlossen hatte, war Albus schon bei Laura Bett.
Severus konnte nun das seltsame, beschämende Gefühl nicht mehr ignorieren. Direkt auf Lauras karierte Tasche zeigte das verdammte Teil!
Snape sah Albus ungläubig an und griff sich dann rasch selber Lauras Tasche. Er stöberte darin und fand sofort, wonach sie suchten. Langsam zog er das Fläschchen aus der Tasche und sah es ziemlich ungläubig an.
Er wollte Dumbledore sagen, dass er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass Laura das getan hatte. Er kannte sein Kind zu gut. Niemals hätte sie ihm so direkt ins Gesicht lügen können.
Er hatte ihr gestern Abend angesehen, dass sie nichts davon wusste. Laura war eine miserable Lügnerin.
Der Schulleiter kam ihm zuvor. Wie es häufig der Fall war, schien er Snapes Gedanken lesen zu können.
„Es ist nicht alles immer so, wie es scheint, meine Lieben," sagte er lächelnd. „Wir werden nach dem Mittagessen mit Laura reden."
Madam Sprout nickte nachdenklich.
S s s s s s s s
„Sie ist meine Schülerin, Severus," beharrte Minerva. Sie sah, dass Snape zu aufgewühlt war. Es war doch etwas anderes, ob es sich um eine Schülerin oder eine Tochter handelte, dachte die ältere Frau, die zwar keine Kinder hatte, aber sich das gut vorstellen konnte und auch schon viel mit Eltern zu tun gehabt hatte in ihrer Laufbahn.
Severus grummelte unzufrieden und funkelte sie böse an. Als sie Laura schon einmal unschuldig verdächtigt hatte, war es nicht so gut raus gekommen, dachte er. Laura war damals ziemlich frech geworden zu ihrer Hauslehrerin, da diese ihr nicht geglaubt hatte. Allerdings waren die Beweise gegen Laura auch ziemlich eindeutig gewesen, musste er aber zugestehen. Damals hatte ein anderer Schüler mit Lauras Zauberstab einen hübschen Blumenstraus auf Quirells Turban gezaubert und es dann so aussehen lassen, als sei es Laura gewesen.
Er sah zu dem dunkelhaarigen Mädchen, das seine Tochter war. Sie saß am Tisch mit ihren Freunden, sah aber etwas weniger fröhlich als sonst. Er sah, dass ihre Freundin Emma beleidigt auf ihren Teller starrte. Die beiden Mädchen kriegten sich in letzter Zeit öfters in die Haare, dachte er stirnrunzelnd. Aber das war vielleicht normal, in diesem Alter. Da fingen wohl die ersten Zickenkriege an.
Er hatte sich den ganzen Morgen den Kopf zermartert, wie der Trank in Lauras Tasche hatte gelangen können.
Hatte Laura ihn doch geklaut? Vielleicht für jemand anderes? Oder hatte ihn ihr jemand untergejubelt?
Nun, als er Emmas Gesichtsausdruck sah, fragte er sich, ob sie es gewesen sein konnte. Hatten die Mädchen Streit und sie hatte sich rächen wollen? Aber nein! dachte er. Emma war nicht besonders mutig, obwohl sie in Gryffindor war. Oder etwa doch? Aus einem Grund musste sie ja in dieses Haus eingeteilt worden sein.
Obwohl er nicht wirklich wusste, wie Kinder, vor allem Mädchen, tickten, dachte er, dass sie wohl nicht so eine gemeine Aktion machen würde.
Nun er hoffte schwer, dass Laura wirklich unschuldig war, denn er hatte ihr schon einmal eine predigt gehalten, als sie für die Zwillinge die Marpleessenz hätte besorgen sollen.
S s s s s s s
Amélie nähte von Hand noch einen letzten Knopf an die Jacke, die sie für sich selbst genäht hatte.
Wenn das Wetter schön genug war, würde sie Morgen mit Snape draußen essen. Sie hatte dreimal Massalé gekocht und ihre Großmutter hatte sie etwas seltsam angesehen und sich gewundert über Amélies plötzliches Interesse am Kochen. Vor allem dass sie nur immer dasselbe kochen wollte, erstaunte sie.
Sie hatte aber ihre Rezeptbücher durchsucht und zusammen mit ihrer Enkelin die beste Massalé gekocht, die Amélie je gegessen hatte.
Die junge Frau war zufrieden und hatte der Großmutter überschwenglich gedankt für die Hilfe. Es musste nur morgen auch noch so gut gelingen.
Sie fragte sich, ob er Laura mitnehmen würde. Sie liebte das Kind, aber ein Abend mit Snape alleine wäre natürlich auch mal sehr grandios.
Es musste einfach ein gelungener Abend werden, dachte sie aufgeregt und begutachtete die moosgrüne Jacke. Ja, die sah wirklich super aus. Speziell! dachte die junge Frau zufrieden. Speziell war gut. Snape war auch speziell. Aber das war nichts seltenes in der Zaubererwelt.
Sie hatte sich in den letzten Wochen ernsthaft gefragt, was in sie gefahren war, dass sie immer wieder an den geheimsnisvollen, unnahbaren Mann denken musste. Ob er auch an sie dachte? fragte sie sich zum hundertvierundzwanzigsten Mal. Sie würde den Weinkeller ihres Großvaters durchstöbern heute Abend und sie musste heute etwas länger arbeiten, damit sie morgen genug Zeit haben würde, um alles vorzubereiten.
S s s
Severus sah seine Tochter mit strengem Blick an, denn er wusste, dass sie dem nicht standhalten würde, wenn sie nicht die Wahrheit sagte.
„Professor McGonagall hat mir berichtet, dass du nichts mit dem Diebstal zu tun hattest?" sagte er halb Frage halb Feststellung. Laura nickte und sah nicht weg.
„Weißt du, wie der Trank in deine Tasche gekommen ist?" fragte Snape und sah direkt in Lauras große Augen.
„Nein, ich habs McGonagall schon gesagt, keine Ahnung!" sagte Laura nun leicht genervt. Wieso musste sie alles hundert mal sagen?
Sie hatte es ja selbst nicht geglaubt, als ihre Hauslehrerin es ihr gesagt hatte. Sie hatte den Trank nicht gestohlen! Höchstens wenn sie schlafgewandelt wäre.
Sie hatte sich auf dem Weg vom Büro der Lehrerin den Kopf rauchig gedacht, wie die Flasche in ihre Tasche gekommen war.
Snapes Blick wurde noch etwas strenger als er leise aber deutlich mahnte: "Professor McGonagall, Laura!"
„Ja ja," sagte sie etwas patzig. „Ich habe meine Lektion gelernt letztes Mal," versicherte sie ihrem Vater und dachte an die Begebenheit mit der Marpleessenz.
Snape hob eine Augenbraue und sah sie immer noch ernst an. „Das ist gut, denn glaub mir, die nächste Lektion darüber würdest du über meinem Knie lernen, junge Dame," sagte er. Er sah ihr an, dass sie ihm gerne die Zunge raus gestreckt hätte. Sie beherrschte sich aber knapp und nickte.
Sie widmete sich wieder ihrem Marmeladenbrot, dass sie heute besonders dick bestrichen hatte, was ihr einen tadelnden Blick von ihrem Dad eingebracht hatte.
Sie merkte, dass ihr Vater ihr glaubte, trotz der Mahnung die er eben ausgesprochen hatte und da sie dieses Gespräch während dem Abendessen führten, war es wohl auch nicht ganz so ernst, wie wenn sie in Schwierigkeiten wäre.
Er würde mit Dumbledore reden, dachte Snape. Irgendwie mussten sie raus finden, wer Laura das Fläschchen untergejubelt hatte und warum. Er nahm einen Schluck von seinem schwarzen Kaffee.
„Glaubst du, dass jemand dir das Fläschchen in die Tasche gesteckt hat?" fragte er vorsichtig. Er wollte kein Misstrauen gegenüber ihren Freunden wecken.
Laura überlegte einen Moment, während sie in ihrer Milch rührte, obwohl es nichts zu rühren gab, da es pure Milch war.
„Hab ich auch schon gedacht," gab sie zu. „Aber ich wüsste nicht wer. Außerdem war die Tasche bis... vorgestern, glaub ich, bei Harry." Sie war froh, dass sie nicht von ihrem Brot, welches sie vor ihrem Mund hielt, abgebissen hatte, denn in dem Moment wäre ihr der Bissen im Hals stecken geblieben.
Das Brot blieb unberührt vor ihrem Mund und ihre Augen verengten sich. Harry? fragte sie sich selbst und bemühte sich, sich ihre Vermutung nicht anmerken zu lassen. Snape hatte sich auch im Unterricht viel fairer verhalten, dem Freund gegenüber. Sie wollte nicht, dass ihr Dad schlecht von ihm dachte.
Und, ehrlich gesagt, konnte es auch kaum sein, dass Harry das gewesen war. Wozu auch?
Snape räusperte sich, als er in Lauras konfuses Gesicht sah und wechselte das Thema. Laura biss nun von ihrem dunklen Brot ab.
„Ich gehe morgen zu den Ludwigs. Unser Familienabend fällt aus und du darfst im Gryffindorturm bleiben," sagte er.
Wenn er einen Jubelschrei oder ein glückliches Gesicht seiner Tochter erwartet hatte, hatte er sich gründlich getäuscht.
Sie sah richtig enttäuscht aus. Sie nahm lustlos noch ein kleines Bisschen von ihrem Brot.
Hatte ihr Dad sie deshalb heute Abend hier unten zu Abend essen lassen, damit er sie morgen los war?
Ließ er sie hier, als eine Art Strafe, wegen der Sache mit den Fröschen bei ihrem letzten Besuch bei den Ludwigs, oder wieso wollte er sie nicht dabei haben? Sie wusste selber, dass sie bei diesen Gedanken wohl etwas übertrieb, denn das war ja schon einen Moment her, aber sie fühlte sich einfach irgendwie abgeschoben.
Amélie war schließlich auch ihre Freundin! Und die war bestimmt auch dort.
Sie seufzte. „O. K. Dad," sagte sie leise. „Kontrollierst du meine Hausaufgaben heute? Ich hab noch nicht alles gemacht und... meine Tasche ist auch oben im Turm."
Snape war erstaunt über das traurige Gesicht von Laura. Bedeuteten ihr diese Abende mit ihm so viel, dass sie dafür auf ihr Freunde verzichten wollte? Jetzt, wo sie viele davon so lange nicht mehr gesehen hatte?
„Ich kontrolliere sie am Samstag, Laura. Ich habe heute noch einiges zu erledigen." Er aß den letzten Bissen seines Brotes und sah zu, wie Laura lustlos an ihrem Brot rumkaute. Dieses Mädchen würde ihm wohl immer ein Rätsel bleiben, dachte er. Er genoss die Abende mit seiner Tochter sehr und es freute ihn, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. Wenn das nur auch mit den Gefühlen Amélie gegenüber so sein würde, dachte er.
„Ist Amélie dann auch dort, bei den Ludwigs, meine ich?" fragte Laura und ihre Stimme tönte noch enttäuschter, als ihre Augen ihn ansahen.
Er räusperte sich. Natürlich würde er Laura nicht sagen, dass nur Amélie da sein würde.
Er nickte und antwortete, während er seinen Teller abräumte: „Ja. Wenn du dein Brot nicht mehr essen willst, dann lass es, aber knabbere nicht wie eine Maus daran herum."
Laura legte das Brot in den Teller zurück und räumte diesen zusammen mit dem ihres Vaters in die Küche. Dort sah sie sich um und öffnete einen Küchenschrank. Sie horchte, ob ihr Vater, kam. Aber sie hörte nur das Rascheln der Zeitung, also war er mit Lesen beschäftigt.
Dort oben mussten die Süßigkeiten noch sein. Die Süßigkeiten, die dort seit etwa einem Jahr verstaut waren.
Sie hatte sie mit Harry in Hogsmeade geholt. Ob sie noch gut waren? Aber wahrscheinlich schon, denn es waren ja Zauberersüßigkeiten.
Sie hatte sie damals für Emma gekauft, weil sie die Freundin überredet hatte, mit ihr im See zu schwimmen und sie dafür in Schwierigkeiten geraten waren. Emma wäre auch beinahe abgeso... ehm ertrunken, dachte Laura und stand auf die Zehenspitzen um das süße Zeug zu sehen.
Und genau für diese wollte sie nun die Leckereien. Emma war so unglaublich anhänglich, seit sie wieder in Hogwarts waren. Laura hatte sie ein paarmal etwas grob angefahren deswegen und nun war Emma sauer auf sie.
Immerzu wollte sie Laura für sich beschlagnahmen und das mochte sie einfach nicht. Sie blickte Laura schon verärgert an, wenn sie nur mit jemand anderem redete.
Laura wollte aber wieder gut auskommen mit ihrer Freundin. Sie hatten es doch bis jetzt immer so gut gehabt zusammen.
Laura ging ins Wohnzimmer, wo ihr Vater auf dem Sofa saß. Eine Fackel brannte an der Wand und Laura wusste, dass das kein heißes Feuer war, sondern verzaubertes.
Sie stand etwas nervös vor ihren Dad und als dieser vom Tagespropheten auf sah, trat sie von einem Bein aufs andere. Sie wusste, dass das ein wenig ein heikles Thema war.
„Dad?" begann sie leise und gab ihm einen guten Dackelblick. „Darf ich bitte die Süßigkeiten?... Die, welche ich in Hogsmeade gekauft habe?"
Snape hob eine Augenbraue und Laura fuhr schnell fort, während sie nervös die Finger ineinander verhakte: "Nicht für mich, sondern für Emma. Wir hatten Streit und außerdem teilt sie mit mir immer ihre Süßigkeiten, die ihr Dad ihr schickt."
Sie machte eine kurze Pause und musterte sein Gesicht, welches nicht sehr willig blickte.
„Ich helf dir dafür auch mit... mit was du willst. Bitte Dad! Ich putze auch Kessel oder so. Wenns unbedingt sein muss," fügte sie noch schnell an, allerdings etwas leiser.
Snape überlegte einen Moment. „In nächster Zeit möchte ich den Dachboden zu Hause entrümpeln. Wenn du mir versprichst, mich dabei tatkräftig zu unterstützen, dann kannst du etwas davon haben."
Er sah, wie sie zufrieden nickte. Das war doch mehr, als sie erwartet hatte.
„Was war das für ein Traum, Laura, den du gestern hattest?" wollte er wissen und deutete Laura, dass sie sich neben ihn setzen sollte.
Sie kniete sich seitlich neben ihren Vater und dieser hob wieder eine Augenbraue. Sie rutschte daraufhin auf ihren Hintern und lächelte verschmitzt. Ihr Vater tadelte sie immer wieder, dass sie sich richtig hinsetzten sollte, aber es war ihr viel bequemer, wenn sie sich einfach irgendwie aufs Sofa pflanzte.
Als sie nun aber wieder an den Traum dachte, wurde sie ernst. Sie biss sich auf die Lippen und ließ sich die Szene durch den Kopf gehen.
„Es ist so ein komischer Traum, der sich irgendwie echt anfühlt," begann sie leise und zog die Beine an.
„Ich stehe neben so einer Frau. Sie hat schwarze Haare und ist sehr unfreundlich. Zu allem Übel ist sie auch noch meine Mutter. Es sind irgendwie ein paar Leute, die in einem Kreis aus großen Steinen stehen. Ein Grab ist auch da und... es ist Nacht," ergänzte sie. Es war schwierig, das zu beschreiben, was sie in dem Traum erlebte.
„Es ist immer wieder dasselbe. Immer stehe ich an diesem Grab. Ich glaube, es gehört jemandem, der mir nahe steht." Laura machte eine Pause. Jemand, der ihr nahe stand? Hoffentlich war es nicht ihr Dad, dachte sie und bei dem Gedanken wurde ihr schlecht. Sie stand auf und setzte sich unvermittelt auf Snapes Schoß.
„Und ich darf als einzige keine Erde ins Grab werfen," murmelte sie.
Wie aus dem Nichts waren ihr Tränen in die Augen gestiegen. Hoffentlich war das keine Vorahnung, dachte sie besorgt. Hoffentlich war das nur ein blöder Albtraum.
Snape war über Lauras Benehmen überrascht. Er kannte diese Art Träume. Er hatte sie selbst viele Male erlebt. Es war schrecklich. Für ein Kind wahrscheinlich noch schlimmer. Bei ihm waren es Träume über den dunklen Lord und seine Grausamkeiten gewesen. Dinge, die tatsächlich geschehen waren.
War das bei Laura irgend eine Art Erinnerung an die Beerdiung ihrer Mutter? Aber wieso war dann diese Frau neben ihr ihre Mutter? Vielleicht waren das einfach Ängste, die sich in ihren Träumen zeigten.
Vielleicht war es eine Art Verarbeitung, vom Tod ihrer Mutter.
Er klopfte ihr gedankenverloren mit den Fingern auf den Rücken. Sie hatte sich ganz an ihn geschmiegt. Sie war sehr anhänglich in letzter Zeit. Wenn er es recht bedachte, war sie das aber eigentlich immer.
TBC...
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