So, meine Lieben, nun geht es auf zu neuen Untaten ;-P Und vergesst nicht, mir einen freundlichen Kommentar zu hinterlassen,LOL ;-P

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Severus war nervös. Eine Seltenheit. Er fragte sich, ob er Amélie etwas mitbringen sollte. Oder war das übertrieben?

Verdammt, er hatte doch keine Ahnung, was erwartet wurde! Wen hätte er schon fragen sollen?

Vielleicht den Wolf! Dachte er verzweifelt. Aber der war ja nicht da und er hatte keine Zeit, nun auch noch seinem Freund einen hastigen Flohbesuch zu machen.

Dieser Tag war so schnell vergangen, die Zeit war ihm beinahe davon gelaufen. Er hatte sich auch noch kurz von Laura verabschieden müssen, die ihn traurig angesehen hatte. Deshalb hatte er sich etwas mehr Zeit genommen und sich noch so einiges erzählen lassen von dem Kind.

Dumbledore hatte ihnen am Abend mitgeteilt, dass er nicht herausgefunden hatte, wer den Trank gestohlen hatte. Seltsam!

Severus trank den letzten Schluck seines Tees, von dem er immer wieder einen Schluck getrunken hatte, wenn er beim Tisch vorbei gekommen war.

Er fragte sich, ob Edward Amélie einfach vor die Tatsache gestellt hatte, dass er zum Abendessen kommen würde. Vielleicht nervte sie sich sogar, dass sie ihn bekochen musste, konnte ihm aber aus Anstand nicht absagen.

Ob er wirklich gehen sollte? Wäre es nicht besser, wenn er einen Vorwand hätte, um nicht zu gehen? Laura würde auch glücklicher sein!

Er hatte immer den Eindruck gehabt, dass Amélie sich sehr wohl gefühlt hatte, wenn sie zu Besuch gekommen war. Natürlich war auch immer etwas los gewesen, weil Laura immer da gewesen war. Es hatte nie eine peinliche Stille entstehen können. Aber wenn er alleine da wäre?

Nein, nun war es zu spät um abzusagen. Er würde gehen. Wenn er merken würde, dass er nicht sehr willkommen war, würde er einfach bald wieder nach Hause gehen.

Nun wollte seltsamerweise die letzte Halbestunde nicht vergehen. Oder war seine Uhr stehen geblieben?

S s s

Währenddessen saß Laura sehr missmutig im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Sie hatte Emma die Süßigkeiten gegeben und diese hatte sich dann auch wieder eingekriegt. Aber nun war sie dafür schon wieder wie ein Superhaftkleber. Sie redete fröhlich auf Laura ein und diese antwortete nur mit gelegentlichem Kopfnicken oder Schulterzucken.

Laura zog ein Hosenbein der blauen Trainerhose hoch, bis zum Knie, wo sie einen fetten Mückenstich hatte, der sie schon den ganzen Tag genervt und gejuckt hatte, bis sie ihn blutig gekratzt hatte. Nun, nachdem sie sich geduscht hatte, schien er noch mehr zu jucken.

„Du bist recht braun geworden," bemerkte Emma, worauf Laura nur kurz den Mund verzog. Emma sah auf ihren Unterarm und verglich ihre eigene Hautfarbe , die deutlich heller war, mit der von Lauras Bein.

„Dafür hast du Sommersprossen," sagte Laura beiläufig. Sie hatte immer Sommersprossen über der Nase haben wollen, denn sie fand das süß.

Aber eigentlich interessierte Laura dieses Thema überhaupt nicht und sie beobachtete nachdenklich ihre Freunde und Schulkameraden. Emma rümpfte die Nase über den Sommersprossenkommentar von Laura, denn im Gegensatz zu der Freundin mochte sie sich nicht besonders, vor allem nicht an den Armen.

Ein ganz anderes Problem beschäftigte Laura. (Außer dem, dass Snape sie alleine zurück gelassen hatte!) Wer nur konnte ihr den Trank untergejubelt haben? fragte sie sich.

Dass Harry es gewesen sein sollte, konnte sie sich nicht vorstellen. Er hatte selber miterlebt, wie streng ihr Vater sein konnte und er wusste genau, in welchen Schwierigkeiten Laura sein würde dafür. Er würde ihr doch keine rein bremsen wollen, oder? Er war doch ihr Freund! .

Laura spuckte ein bisschen auf den Mückenstich in der Hoffnung, dass es Linderung bringen würde. Sie sah, wie Emma ihr dabei zusah und die Nase rümpfte, aber lächelte.

Das Hosenbein wurde wieder hinunter geschoben und Laura ließ ihre Augen weiter durch den Raum streifen.

Es konnte eine von ihren Kolleginnen sein, mit denen sie das Zimmer teilte. Für die wäre es einfach gewesen, etwas in die Tasche zu schmuggeln.

Vielleicht waren es auch Fred und George gewesen. Die beiden Jungen hatten ihre eigenen Ansichten über Humor. Im Moment saßen sie in einer Ecke im Gryffindorgemeinschaftsraum und diskutierten angeregt, aber sehr leise, wie sie es oft taten.

Aber hätten sie überhaupt Lauras Tasche gesehen? Hielten sie sich im Zimmer von Harry und Ron auf? Sie hätten Lauras Tasche bestimmt erkannt, denn sie hatte sie in den Ferien dabei gehabt. Oder Ron? Nein, das war nicht Rons Art!

Sie musterte die Zwillinge, die nun ihre Blicke bemerkten. „Möchtest du gerne ein Foto von uns, Kleine, oder hälst du es ohne unseren Anblick aus, die ganze Nacht?" fragte George und zwinkerte ihr lässig zu. Fred lachte etwas verlegen, was für ihn sehr untypisch war.

Laura ging nicht darauf ein und zog die Augenbrauen zusammen. Die Zwillinge waren schon rechte Schlingel, aber sie mochten Laura. Ron hatte sogar gesagt, dass Fred sie toll fand. Die würden sie doch nicht in echte Schwierigkeiten bringen wollen, oder?

„So ganz in Gedanken versunken?" hörte Laura die leise Stimme von Hermine an ihrem Ohr. Sie drehte sich zu der Freundin um. Emma war zur Abwechslung mal gerade mit einer Erstklässlerin beschäftigt, die vor Heimweh heulte wie ein Schlosshund.

„Ich frage mich einfach, wer mir diesen Trank untergejubelt hat," sagte Laura leise. Hermine nickte ernst und setzte sich zu ihr.

„Genau das habe ich mich auch gefragt. Er war doch in der Tasche, die ich dir vor ein paar Tagen gebracht habe, oder?" fragte sie in ihrem klugen Ton und fuhr fort als Laura nickte: "Könnte ja eigentlich auch sein, dass dieser jemand gar nicht dich, sondern Harry in Schwierigkeiten bringen wollte."

Sie sah Laura erwartungsvoll an.

Emma hatte nicht mitbekommen, um was die Diskussion ging, und sah Laura fragend an. Diese hatte aber keine Lust, es ihr zu erklären und nickte Hermine nur zu. Ja, daran hatte sie gar noch nicht gedacht.

Wenn der Dieb die Tasche nicht gekannt hatte, wäre das natürlich auch möglich. Hermine sah Emma kurz an und verschwand dann hinter ihrem Buch.

Aber bestimmt dachte niemand, dass so eine bunte Tasche einem Jungen gehört, oder? dachte Laura, während Emma sich ihr wieder zuwandte.

Laura kramte in ihrer Tasche und holte ein Buch hervor. Sie tat so, als lese sie auch, denn sie hatte im Moment einfach keine Lust, mit Emma zu reden. Sie sah sich heimlich im Gemeinschaftsraum um. Das war schon seltsam. Wer könnte denn Harry in Schwierigkeiten bringen wollen, außer Malfoy natürlich?

„Du weißt auch nichts, wegen dem Trank?" fragte Laura Harry und es gelang ihr nicht ganz, den etwas misstrauischen Unterton in ihrer Stimme zu unterdrücken.

Harry sah sie ein wenig empört an. „Was?" fragte er und auch Ron spitzte die Ohren und sah Laura erwartungsvoll an.

„Ich meine... könnte ja sein, dass du jemanden an der Tasche hast rumfummeln sehen," sagte Laura schnell und fühlte sich ziemlich mies dabei. Sie musste eine schreckliche Freundin sein, dass sie ihre treuen Freunde auch nur einen Moment verdächtigt hatte.

Sie schämte sich, was man ihrem Gesicht deutlich ansah. Denn ungleich ihrem Vater konnte sie ihre Gefühle nur sehr schlecht verbergen.

Harry schüttelte den Kopf. „Nein," sagte er und sah Hermine an, die sich jetzt zu ihnen auf den Boden kniete. „Ich habe keine Ahnung, wann das jemand getan hat. Ich hatte deine Tasche in meinem Koffer und dann hab ich sie Hermine gegeben, die sie dir gebracht hat." Er sah Hermine an, die sich an der Nasenspitze kratzte. „Hast du sie gleich zu Laura gebracht, oder hast du sie im Gemeinschaftsraum liegen lassen?" fragte er aber die Freundin schüttelte nachdenklich den Kopf.

„Nein, ich habe sie gleich Laura gegeben... Emma, du warst ja dabei," sagte sie zu dem Mädchen, das dem Gespräch auch gespannt zuhörte. Emma nickte, hatte aber nichts weiter dazu zu sagen.

„Bin gespannt, ob die Lehrer etwas rausfinden," sagte Laura und die Freunde nickten. „Wofür haben wir denn eigentlich den Helden? Der sollte das doch im Handumdrehen geklärt haben, oder?" lachte sie.

Laura war froh, dass Harry ihr nicht böse war, wegen ihrer Verdächtigung. Das war wirklich dumm gewesen von ihr, dachte Laura schuldbewusst.

Harry und Ron klöhnten über die vielen Hausaufgaben, die sie diese Woche hatten erledigen müssen, vor allem über die unsinnigen von Lockhart. Laura hatte diese gar nicht gemacht, worauf Lockhart tadelnd den Kopf geschüttelt hatte und sie ermahnt hatte, wie wichtig dieses Hintergrundwissen über den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste war. Er hatte der ganzen Klasse einen Vortrag gehalten, wie viel besser sie dann all seine Heldentaten verstehen würden.

Laura seufzte, als sie daran dachte. Wie konnte ein Mann nur so eitel und selbstverliebt sein, dachte sie. Sie hatte das bis jetzt eher von Frauen gekannt. Laura rieb sich übers Gesicht, denn am Feuer war es ziemlich warm geworden.

Sie sah Ginny an, die wiedermal mit ihrem Tagebuch beschäftigt war. Sie fragte sich wieder, warum Ginny wohl so still war. In den Ferien war sie richtig lustig und fröhlich gewesen. Vielleicht hatte sie Sehnsucht nach ihrer Mum und Dad, dachte sie.

Laura hatte auch ein wenig Sehnsucht nach Milly. Sie hatte sie nur zweimal gesehen diese Woche. Ob sie sie besuchen sollte?

Aber dafür war es nun schon fast zu spät, dachte sie, als sie auf die Uhr von Emma sah.

Wenn ihr Dad hier wäre, würde sie nun mit ihm im Kerker sein und sie würden lesen oder etwas reden oder so. Einmal hatte er sich sogar überreden lassen, ein Kartenspiel mit ihr zu spielen.

Sie hatte ihren Vater diese Woche nicht viel gesehen.

Laura fühlte ein heißes Stechen in ihrer Brust, als sie daran dachte, dass er nun bei Amélie und den anderen Ludwigs war, ohne sie.

Hatte sie sich nicht immer gut benommen, wenn sie mit ihm irgendwo war. Mal ausgenommen von Velenos Laden, wo sie der Verkäuferin schwarze Zähne verpasst hatte. Aber die Ziege hatte sich ja auch an ihren Dad rangemacht und ihm sogar pausenlos auf seinen Hintern gestarrt. Der hatte das recht geschehen. Sie war dann allerdings noch ziemlich nett gewesen mit Laura, als diese ihr zur Strafe zwei Tage im Laden hatte helfen müssen.

Ob es einen speziellen Grund dafür gab, dass er sie nicht dabei haben wollte? Die Blicke ihres Vaters waren ihr nicht entgangen, die er der jungen Frau immer wieder gegeben hatte bei ihren Besuchen. Er versuchte zwar, seine Fassade zu behalten, aber sie konnte sein Gesicht recht gut lesen.

Als sie das gedacht hatte, kam ihr wieder ihr seltsamer Traum in den Sinn. In dem Traum hatte sie auch gewusst, oder zumindest geahnt, was ihre Traummutter dachte. Es schauderte ihr, als sie daran dachte, dass eine Mutter sich wünschte, ihr Kind läge statt jemand anderem in einem Grab. Sie wusste nicht, wer dieser jemand war, dem das Grab gehörte, aber es war auf alle Fälle schlimm, wenn eine Mutter sowas dachte.

„Dieser Lockhart ist so mühsam," hörte sie Harry zu Ron sagen.

Die beiden Jungen saßen neben ihr auf dem Boden vor dem Feuer und Ron hatte seine alte Ratte auf den Knien. „Der meint wohl, ich habe auch so einen Berühmtheitswahn wie er. Ständig will er mir Tips geben, wie ich noch berühmter werde. Das ist einfach sowas von lästig. Und Colin ist beinahe noch schlimmer. Er verfolgt mich auf Schritt und Tritt. Ich glaube, ich bewege mich von nun an nur noch mit dem Tarnumhang durchs Schloss."

Als ob eine Münze hinunter gefallen wäre in Lauras Kopf, klickte es bei diesem Schlagwort.

„Der Tarnumhang," sagte Laura leise vor sich hin, worauf die beiden Jungen neben ihr fragend die Köpfe zu ihr drehten.

„Harry, kann ich bitte deinen Tarnumhang ausleihen?" fragte sie und erhob sich. Hermine sah sie erstaunt und gleichzeitig besorgt an.

„Was hast du vor?" fragten Hermine und Harry beinahe gleichzeitig.

„Mach keinen Unsinn!" mahnte sie Hermine und sah sie mit großen Augen an.

Aber Laura hatte ihren Entschluss gefasst. Sie würde sich nicht entdecken lassen, dann konnte so gut wie nichts schief gehen.

„Ich schlafe bei meinem Dad, falls jemand fragt," flüsterte sie Hermine zu, als Harry mit dem Umhang unter dem Pullover versteckt die Treppe hinunter gerannt kam. Harry grinste verschmitzt. „Sei vorsichtig und pass gut auf meinen Umhang auf!"

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Amélie kam sich vor, als habe sie zwei linke Hände. Bald würde er kommen und sie war noch nicht ganz fertig mit ihren Vorbereitungen. Es sollte alles tiptop sein. Eine penetrante Kundin hatte sie noch aufgehalten. Sie hatte auch alles wissen wollen und jeden Stoff begrabschen und jeden Knopf einzeln aussuchen wollen.

Nun war sie froh, dass sie wenigstens genau gewusst hatte, wie sie die Massalé kochen musste und es duftete herrlich aus der Küche. Sie hatte immer wieder probiert, um auch ganz sicher zu sein, dass es gut war.

Sie hatte sich hübsch gemacht und ihr neues Kleid angezogen. Nun musste sie noch den Tisch decken und die Musik... ach ja, die Musik musste sie ja noch auftreiben. Was er wohl gerne hörte?

Eine Viertelstunde später war Amélie dann soweit. Nun konnte er von ihr aus kommen, dachte sie. Sie sah sich um und richtete noch dies und das und als er zehn Minuten später noch nicht da war, sah sie zum wiederholten Male ungeduldig auf die Uhr. Es war nicht seine Art, sich zu verspäten.

Ob er es vergessen hatte, dachte sie bange? Sie ging zum Spiegel und sah sich fragend an. „Immer noch wunderhübsch, meine Liebe," sagte der Spiegel freundlich. Amélie lächelte. Sie wäre beinahe aufgesprungen vor Schreck, als sie den Kamin rauschen hörte.

Sie lief rot an und nervte sich darüber. Sie ging in lockerem Schritt ins Wohnzimmer, wo sich der dunkle Mann, der aus dem Kamin trat, gerade die Kleider abklopfte, obwohl kaum ein Hauch Asche daran zu sehen war.

„Severus," sagte sie erfreut. „Schön, Sie zu sehen, geht es Ihnen gut?" fragte sie und nahm ihm den Umhang ab.

„Vielen Dank, Amélie. Entschuldigen Sie die Verspätung. Ich bin noch von Schülern aufgehalten worden," sagte er höflich. Wieso seine Slytherins auch gerade, als er in den Kamin hatte treten wollen, bei ihm auftauchen und ihm in den Ohren liegen mussten wegen dem Quidditchfeld, wusste er nicht. Nun war ja der verwöhnte Draco in seinem Quidditchteam und nun waren sie der Ansicht, dass sie ihn eintrainieren mussten. Mit Draco waren auch noch die neusten und besten Besen in seinem Quiddichteam, was Lucius Malfoy zu verdanken war. Da musste Geld vorhanden sein! wusste Snape.

Nachdem sie ihn dreimal links und rechts geküsst hatte, führte Amélie ihn in das Wohnzimmer, wo es sehr gut roch. Amélie war so nervös, dass sie sich richtig tapsig vor kam. Als sie Snape ein Weinglas reichte, schlug sie mit dem unteren Rand des Glases geräuschvoll am Teller an und als sie anstießen, klirrrte es auch viel zu laut, da Amélie ihre Hand nicht wirklich im Griff gehabt hatte und viel zu stark angestoßen hatte. Sie nervte sich über sich selbst, und hätte sich ohrfeigen können.

Als sie sich erstmals gesetzt hatten, kamen sie sofort ins Gespräch und ihre Nervosität machte sich auf leisen Sohlen davon. Stattdessen genoss sie es, mit dem Mann alleine zu sein.

„Dass Laura auf die Idee gekommen ist, das Geburtstagsfest nachzuholen, finde ich super süß von ihr," schwärmte Amélie. Das war wirklich nicht selbstverständlich, dachte sie. Normalerweise war es Kindern doch am wichtigsten, dass sie selber gefeiert wurden und viele Geschenke bekamen. Dass Laura an ihren Vater gedacht hatte, fand sie sehr lieb.

Severus nickte und nahm einen Schluck Rotwein. „Ich war auch angenehm überrascht, dass sie es so dezent gestaltet hatte. Ich hatte befürchtet, dass sie eine Art Kindergeburtstag plant," sagte er und Amélie lachte bei dem Gedanken, dass Snape mit verbundenen Augen herumtapste und blinde Kuh spiele.

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Laura stand keuchend vor dem Kamin im Privatquartier ihres Vaters. Sie musste sich erst beruhigen und die Schuhe würde sie besser auch ausziehen. Dann könnte sie besser schleichen. Sie durfte nicht entdeckt werden, das wäre obermegapeinlich! Schnell brachte sie die Schuhe in ihr Zimmer.

Seraphino Cunninghutch, der alte Mann in dem Portrait, welches den Eingang der Privaträume von Snape verdeckte, hatte sie schlaftrunken hinein gelassen. Der würde sich vielleicht am Morgen gar nicht mehr erinnern, dachte sie hoffnungsvoll, während sie nun wieder vor dem Kamin stand.

Sie atmete ein paarmal besonders tief ein und aus und kletterte dann auf den Rand des Kamins um an das Flohpulver ran zu kommen. Sie wusste, dass der Kamin bei den Ludwigs nicht im Esszimmer stand, also konnte sie unauffällig ins Haus gelangen. Sie tastete nach dem Pulver und spürte dann den Rand der kleinen Schale. Schon erstaunlich, dass nicht mal hier, auf dem Kaminrand Staub anzutreffen war, dachte sie.

Bei ihren Verwandten war es immer ziemlich schmuddelig gewesen, erinnerte sich Laura und sprang vom Rand, der den Kamin umgab, rückwärts hinunter. Etwas von dem feinen Pulver rieselte dabei auf den Boden und sie wischte es schnell weg mit der Hand. Das würde sonst auffallen, dachte sie. Alles musste perfekt sein, sonst käme ihr Vater ihr auf die Schliche.

Laura biss sich auf die Lippen und musste den Mut zusammen nehmen. Aber sie musste einfach wissen, was da vor sich ging. Nach einem Moment des Zögerns trat sie entschlossen in den Kamin und war einen Moment später in den grünen Flammen verschwunden.

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„Ich denke er ist ein selbstverliebter Schwindler, aber harmlos," sagte Amélie. Sie hatte genügend über Lockhart gelesen und er beeindruckte sie nicht mehr. Anfangs hatte sie ihn bewundert, aber als sie einige Auftritte von ihm gesehen hatte, und er nonstop in seinen Locken rumgefummelt, gezwinkert und seine Zähne gebleckt hatte, war er ihr plötzlich so gekünstelt vorgekommen.

Snape nickte leicht. Er war gar nicht begeistert, dass man so jemanden wie ihn auf die Schüler los ließ. Dafür gab es ausgebildete Lehrpersonen oder erfahrene Auroren; wenns sein musste, auch einen pensionierten, da es nicht so einfach war, jemand geeigneten zu finden. Aber ein selbstherrlicher, selbsternannter Held war eine klare Fehlbesetzung!

„Viele Mädchen sind begeistert von ihm," bemerkte er amüsiert. „Sie fallen beinahe in Ohnmacht, wenn er nur an ihnen vorbei geht und sie anlächelt." Amélie lächelte.

Sie erzählte, dass sie in der Schule auch einmal unsterblich in einen Lehrer verliebt gewesen sei, was Snape tatsächlich ein Lächeln entlockte.

Amélie gefiel das. Sein Lächeln war speziell. Vielleicht, weil es so selten war, aber es stand ihm auch gut.

Amélie sah auf, und spitzte die Ohren. Hatte sie eben den Floh gehört. Sie hatte den Eindruck gehabt, dass sie ein Zischen gehört hatte im Kamin, aber ihre Großeltern würden doch wohl nicht schon wieder nach Hause kommen?

Sie stand auf, um das Essen zu holen und sah kurz ins Zimmer, wo der ans Flohnetzwerk angeschlossene Kamin war. Sie sah aber nichts, zuckte die Schultern und ging in die Küche.

Mit einer schweren Pfanne kam sie ins Esszimmer zurück und schöpfte ihnen beiden von der herrlich duftenden Massalé. Severus war froh, dass es sich hierbei um eine Art Eintopf handelte und nicht um Froschschenkel.

Er hielt die beiden Teller etwas hoch, damit sie einfacher schöpfen konnte. Dann schenkte sie Wein nach und setzte sich wieder hin. Hoffentlich mochte er das Essen, dachte sie. Sie sah ihn prüfend an. Natürlich heimlich.

Snape versicherte ihr, dass es sehr gut war und es sah so aus, als schmeckte es ihm wirklich. Die junge Frau war beruhigt. Obwohl es gut roch, war sie nicht wirklich hungrig. Sie war zu aufgeregt.

Sie nahm ihren Mut zusammen, um die Frage zu stellen, auf die sie schon lange brannte. „Darf ich fragen, wo sich Lauras Mutter befindet? Laura hat noch nie von ihr erzählt und ich frage mich, ob sie viel Kontakt hat zu ihr." Natürlich wollte sie auch wissen, ob Severus noch Kontakt hatte zu ihr.

Die junge Frau spürte, dass sie leicht rot wurde, aber Snape antwortete ganz ruhig: „Lauras Mutter ist gestorben, als Laura noch klein war."

Amélie nickte und wünschte herzliches Beileid. Snapes Augen schienen aber nicht traurig.

„Ich war damals nicht mit Ellen zusammen. Laura ist danach bei Verwandten aufgewachsen, da ich nichts von ihrer Existenz wusste. Ich habe meine Tochter erst vor einem guten Jahr kennen gelernt."

Nun hatte seine Stimme aber doch einen bedauernden Ton. Amélie erstaunte das sehr, dass er seine Tochter erst seit einem Jahr kannte. Die Beziehung zwischen ihm und Laura schien ihr sehr eng zu sein. Hatte sich das in einem einzigen Jahr aufbauen können?

Aber, wenn sie an Laura dachte, war das schon möglich. Das Kind hatte eine sehr einnehmende Art, im guten Sinn. Sie hatte eine gute Mischung zwischen verspielt und frech, aber auch lieb und anhänglich aber doch nicht zu aufdringlich.

„Das muss eine interessante Erfahrung gewesen sein, plötzlich ein Kind zu haben," sagte sie nachdenklich und lächelte Snape an.

„Eine sehr interessante," bestätigte er und lächelte nun auch. „Ich muss zugeben, dass es nicht immer nur einfach war und auch nicht immer einfach ist," fügte er hinzu. Amélie konnte sich das gut vorstellen. Sie wusste nicht, wie sie mit der Tatsache umgegangen wäre, plötzlich verantwortlich für ein Kind zu sein, von dem man nicht mal gewusst hatte.

„Und Sie konnten die Verantwortung so ohne weiteres annehmen?" fragte sie interessiert. Snape dachte einen Moment nach.

„Es war nicht so einfach für mich, das zu akzeptieren, aber es war mir schnell klar, dass Laura dringend Führung brauchte. Und sie ist mein Kind, also ist es meine Aufgabe, sie zu erziehen. Und ich muss sagen, dass ich mich auch sehr daran gewöhnt habe und die Zeit auch nicht missen möchte." So offen sprach er selten mit jemandem, aber mit Amélie war das nicht so schwierig, da sie selber auf eine gute Art offen und interessiert war.

„Haben Sie dieses Kleid selber entworfen?" wechselte er das Thema. Das Kleid stand Amélie perfekt.

Sie nickte und er sagte, dass sie wirklich Talent besitze.

Amélie genoss dieses Kompliment. Snape schoss nicht mit Komplimenten um sich und deshalb schmeichelte ihr dieses um so mehr.

Sie hatte genügend Männer gekannt, deren leere, plumpe Komplimente sie nicht mehr beeindruckten. Deren Absichten sie lächerlich einfach hatte lesen können wie ein Buch mit extra großen Buchstaben für Sehbehinderte.

Bei Severus wusste sie nicht, was er über sie dachte. Sie hätte aber gerne einen Blick in seine Gedanken geworfen, nur um zu wissen, wie er von ihr dachte. Gefiel sie ihm? Fand er sie auch so anziehend, wie sie ihn? Alles was sie hatte, waren Vermutungen.

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Laura war leise aus dem Kamin gestiegen und direkt mal hinter einen Schaukelstuhl geschlüpft, nur für den Fall, dass jemand ihre Ankunft gehört hatte. Und tatsächlich steckte Amélie kurz ihren Kopf ins Zimmer und ging dann sofort wieder. Laura war das erste Mal alleine per Flohpulver gereist und war ziemlich stolz auf sich, dass sie es geschafft hatte.

Der herrliche Duft ließ Lauras Magen laut knurren und ließ sich auch nicht so leicht abschalten, wie sie es gerne gehabt hätte. Sie grub ihre Hand in ihren Bauch, bis es weh tat, um das Grummeln abzuwürgen. Das durfte ihr jetzt nicht alles verderben!

Als ihr Bauch wieder Ruhe gab, horchte sie, ob das jemand gehört hatte. Sie schien Glück gehabt zu haben, und war froh, dass sie noch in einem anderen Raum war.

Vor lauter Schmollen, hatte sie nichts zu Abend gegessen und war deshalb nun ziemlich hungrig und hätte auch gerne von dem gegessen, was die Anderen im Wohnzimmer aßen, was immer es war.

Statt des Abendessens war sie zu Milly in die Küche gegangen, wo es zwar auch sehr gut gerochen hatte, aber vor lauter Wut, hatte sie nichts runter gebracht.

Sie hatte der lieben Elfe ihr Leid geklagt, aber diese hatte natürlich nichts Böses gegen ihren Meister gesagt.

Laura wusste, dass sie das nie tun würde, aber sie war überzeugt, dass Milly ihre Meinung teilte, dass ihr Vater sehr gemein war, denn Milly hatte ihr Caramelpudding geben wollen. Wahrscheinlich hätte sie das zwar sowieso getan, aber der Gedanke, dass die Hauselfe ihrer Meinung war, gefiel Laura sehr gut.

Sie lächelte, als sie daran dachte, wie alle Elfen für sie Essen angeschleppt hatten - stopp! Sie durfte nicht mehr an Essen denken, sonst würde ihr Magen wieder knurren!

Laura hielt den Atem an, als sie sich auf leisen Sohlen ins Wohnzimmer schlich. Sie war auf einen Zipfel des Umhanges gestanden und sie war sehr froh, dass sie es rechtzeitig gemerkt hatte.

Sie konnte sich nicht vorstellen, was für ein Gesicht ihr Vater gemacht hätte, wenn sie plötzlich aus dem Nichts erschienen wäre.

Oje, sie wollte sich nicht ausmalen, wie unerfreut er gewesen wäre über ihr unartiges Verhalten.

Laura wagte kaum zu atmen und wünschte, ihr Herz würde etwas leiser klopften. Sie war sehr froh, dass noch kein Essen auf dem Tisch stand. Ihr Dad saß alleine am Tisch und jemand hantierte in der Küche. Sie musste das Wohnzimmer schnell durchqueren, nicht, dass noch jemand über sie stolperte.

Laura zog sich in den hinteren Teil des Wohnzimmers zurück, und setzte sich hinter das Sofa. Also bis jetzt hatte sie nur Amélie gesehen und keine Spur der anderen Ludwigs. Scheinbar hatte er ein Date mit ihr. Deshalb hatte er sie also nicht dabei haben wollen! dachte sie empört.

Wieso hatte er ihr das nicht gesagt? Waren die etwa heimlich verliebt? Nun, sie würde es heute heraus finden, dachte sie und war ziemlich verärgert über ihren Dad aber sehr stolz über ihren schlauen Plan. Es hieß schon etwas, wenn man ihren Vater ausspionieren konnte, ohne entdeckt zu werden! Ja, das war eine reife Leistung!

Einen Augenblick lang hatte sie das Gefühl gehabt, er habe sie bemerkt, denn er hatte genau in ihre Richtung gesehen, mit einem scharfäugigen Blick, der Laura eine Gänsehaut beschehrt hatte. Aber auch Snape konnte nicht durch Tarnumhänge sehen, hatte sie sich selber beruhigt und war hinter dem Sofa abgetaucht.

Nun war sie sicher. Hier konnte auch niemand zufällig über sie stolpern.

Sie hörte, wie Amélie etwas auf den Tisch stellte und schöpfte.

Dann begannen sie zu essen und Amélie fragte wegen Lauras Mutter. Das freute sie, denn so extrem gut konnte sie in diesem Fall ihren Dad wohl noch nicht kennen, wenn sie noch nie darüber gesprochen hatten.

'Bitte sei still!' bat sie ihren Magen im Stillen, denn sie fühlte sich nun halb verhungert. Das war doch wirklich ungerecht! dachte sie sauer. Die aßen da gemütlich und sie war so hungrig!

Sie fühlte, wie die Eifersucht sich in ihr einnistete, als sie die beiden Erwachsenen am Tisch sitzen und sich so gut unterhalten hörte. Zwar konnte sie das Gefühl nicht als Eifersucht identifizieren, aber es war ein verzweifeltes, trauriges und einfach ekliges Gefühl, das sie ganz hibbelig machte.

Sie zupfte am flauschigen Teppich rum und riss ihm vor Frust einige Fäden raus.

„Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Großeltern?" sagte Snape und sah Amélie fragend an.

Sie junge Frau nickte. „Ich war schon als Kind viel lieber hier als zu Hause," sagte sie und legte das Besteck in ihren leeren Teller.

„Mein Großvater war zwar ziemlich streng für einen Großvater, also nichts mit 'verwöhnende Großeltern'. Aber die Regeln waren hier klar und es wurde immer viel Anstand und gutes Benehmen erwartet. Meine Eltern waren immer sehr viel beschäftigt gewesen und hatten nicht viel Zeit für uns Kinder gehabt. Und wir haben unendlich viel gestritten, meine Geschwister und ich.

Meine Eltern haben einen Zaubererladen in der Impasse-Penché, wo auch ich jetzt meinen Laden habe, und je nach dem wie die Geschäfte gelaufen waren, wurde uns Kindern mehr oder weniger erlaubt. Das hat mich als Kind ziemlich irritiert, glaube ich, wahrscheinlich habe ich deshalb so viel Zeit hier verbracht. Meine Großeltern sind wirklich liebe Menschen, die mir sehr viel bedeuten."

Laura lauschte Amélies Stimme und obwohl sie die Frau sehr lieb hatte, und sie auch nicht aufdringlich war zu Snape, hoffte sie, dass nichts weiter war, zwischen den beiden. Keine heimliche Liebschaft oder so.

Es wurde langsam unbequem auf dem Boden, vor allem, wenn man immer aufpassen musste, dass der Tarnumhang auch alles verdeckte. Außerdem redeten die beiden nur so langweiliges Zeug.

Sie erhob sich ganz leise und setzte sich vorsichtig aufs Sofa. Das war doch viel bequemer, dachte sie und lehnte sich an ein großes Kissen. Zum Glück war der Tarnumhang so riesig.

Bis jetzt verhielten sich die zwei Erwachsenen unauffällig und eigentlich hätte sie wieder nach Hause flohen können, wenn sie ja doch nichts zu essen kriegte.

Aber was, wenn die beiden küssten, wenn sie weg war? Natürlich hätte sie nichts dagegen unternehmen können, was nicht aufgefallen wäre, aber dann wusste sie es wenigstens.

Nein! dachte sie verärgert. Sie hätte etwas dagegen unternommen. Zum Beispiel ein Buch runter geworfen oder irgend etwas, um die beiden daran zu hindern.

Snape wurde nur von einer Person geküsst und das war sie! dachte Laura entschlossen und gab den beiden Zauberern, die gemütlich feines Essen aßen, einen äußerst bösen Blick.

War nur schade, dass sie es nicht sehen konnten, dachte das Mädchen und wurde noch böser.

Nun unterhielten sich Amélie und ihr Dad über Erziehung, und Laura verdrehte die Augen, über die Worte und Ansichten ihres Vaters. Sie fragte sich, ob alle Väter es so eng sahen, mit Anstand und Fleiß und so. Snape beklagte sich, dass viele Schüler schlecht erzogen seien und ihnen viel zu viel Freiheit gelassen würde.

Amélie hörte ihm gerne zu, auch wenn sie bei diesem Thema nicht viel mitreden konnte. Sie hätte seiner Stimme stundenlang zuhören können, egal, was er erzählte. Aber er war ein sehr überlegter Mann.

Ihr war klar, warum Laura ihm so gut gehorchte und nicht frech war, wie viele Kinder in ihrem Alter. Sie selbst hätte auch nicht seinen Unmut auf sich ziehen wollen. Wenn er seiner tiefen, seidigen Stimme nämlich einen strengen Ton gab, tönte das doch ziemlich beängstigend. Und dann noch sein finsterer Blick, da konnten einem schon die Knie zittern. Allerdings wurden ihre Knie im Moment eher weich, wenn sie den Mann ansah, als dass sie zitterten.

Dass viele Kinder, ob Zauberer oder Muggel (Muggel fast noch schlimmer), sich zu viel erlauben durften, fand Amélie allerdings auch. Zaubererfamilien waren da meist noch etwas altmodischer und achteten mehr auf Anstand, aber auch dort ließ es nach. Jedenfalls wenn sie an die Kinder dachte, die in der Impasse-Penché immer den Eltern den Kopf voll jammerten, was sie alles haben wollten und doch recht frech wurden. Das hätte sie sich damals nicht erlauben können.

Sie fragte Severus, ob er noch mehr Massalé möchte, aber der hatte genug gegessen und lehnte dankend ab.

Die Gastgeberin stand auf, um den Tisch abzuräumen und Snape erhob sich ebenfalls. Auch er trug einiges in die Küche.

Endlich waren die Zwei aus dem Wohnzimmer verschwunden und Laura streckte sich und gähnte.

Sie wäre gerne zum Tisch geschlichen und hätte sich ein Stück Brot stibitzt. Aber was, wenn das auffiel? Verflixt und zugenäht! dachte sie und stand auf, um besser auf den Tisch sehen zu können. Nein, alles Essbare war in die Küche geräumt worden.

Als Amélie ihre Teller auf der Küchenkombination abstellte, streifte Snapes Hand die ihre leicht, als er die Pfanne daneben stellte.

Sie fühlte sich wie elektrisiert, aber nicht unangenehm. Im Gegenteil. Sie ließ sich aber nichts anmerken, auch wenn sie gerne noch mehr angefasst worden wäre, von ihm. Wie ein Magnet zog er sie an.

Er sah sie kurz an. Amélie wusste nicht, wieso er eine so starke Wirkung auf sie hatte. Jedenfalls flatterten Schmetterlinge wie wild in ihrem Bauch umher, nur wegen einer Berührung und einem Blick.

Der Tisch wurde noch fertig abgeräumt und Amélie erledigte den Rest des Abwasches dann mit Magie.

Im Wohnzimmer trat Snape auf das Fenster zu, wo der Regen ziemlich stark an die Scheibe prasselte. Amélie trat neben ihn.

Er hätte sich nun umdrehen und sie in die Arme nehmen sollen, dachte Amélie sehnsüchtig. Aber natürlich tat er das nicht.

„Möchten Sie gerne einen Kaffee?" fragte sie etwas heiser. Snape sah zu ihr hinunter.

Laura hielt den Atem an, als sie den seltsamen Blick ihres Vaters sah. Ihre Augenbrauen hatten sich zusammen gezogen und sie entspannte sich erst wieder, als der lange Blick, der ihr Vater Amélie gab, sich wieder zum Fenster hinaus richtete und er antwortete, dass er gerne einen Kaffee hätte.

Nachdenklich sah Severus weiter zum Fenster hinaus, bis Amélie den Kaffee brachte. Laura wusste nicht, was sie davon halten sollte. Das war ein sehr tiefer Blick gewesen, dachte sie etwas besorgt.

Die beiden Erwachsenen setzten sich an einen kleinen runden Tisch in bequeme Stühle und tranken Kaffee. Laura fand das Gespräch über verschiedene Zaubertrankmeister zum Gähnen langweilig und sie kuschelte sich etwas gemütlicher in das große Kissen des Sofas. Zum Glück war sie einige Meter von den Erwachsenen entfernt, in einer hinteren Ecke des großen Wohnzimmers. Sie hoffte, dass man ihren Abdruck auf dem Kissen nicht sah und wusste, dass sie ganz ruhig liegen musste um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Sie hatte nicht zugehört, was eben geredet wurde, als Amélie plötzlich aufstand und direkt zu Laura ging. Sie hatte gar keine Zeit, um vom Sofa aufzuspringen und sie hielt sich ganz still. Ihr Puls raste, als die Frau ein paar Zentimeter an ihr vorbei zu einem Bücherregal ging.

Laura ließ langsam den Atem wieder aus, den sie vor Angst angehalten hatte. Amélie sah den Bücherrücken entlang und nahm dann ein besonders dickes mit ledernem Einband aus dem Regal.

Sie setzte sich wieder zu Snape und zusammen stöberten sie in dem Buch über irgendeinen Erfinder eines Trankes. Allerdings war auch Severus nur halb bei der Sache. Amélie sah wieder hinreißend aus, fand er. Offen stand ihr das Haar wirklich sehr gut. Sie hatte weich aussehendes sanft gelocktes kastanienbraunes Haar, das er gerne mal berührt hätte. Ihre graue Augen waren am äußeren Rand der Iris tiefblau. Das gab ihren Augen eine besondere Austrahlung. Man hatte beinahe den Eindruck, als könnten sie die Farbe wechseln.

Er blätterte in dem Buch über die berühmten Erfinder verschiedener Tränke. Besonders stolz machte ihn, dass eine seiner Vorfahrinnen, seine Urgroßmutter, auch in dem Buch erwähnt wurde. Aber das Buch war im Moment Nebensache. Er sah aus den Augenwinkeln, dass sie ihn hin und wieder musterte.

„Hier, das war wohl einer der erfolgreichsten Tränkebrauer," sagte er leise und Amélie nickte. "Einer der brilliantesten und auch verrücktesten."

Sie fühlte den Mann an ihrer Seite. Er schien eine starke Energie auszusenden. Warum nur war er so beherrscht und zurückhaltend. Sie spürte doch genau, dass sie ihn auch anzog. Oder täuschte sie sich?

Irgendwie reizte sie diese unnahbare, gefasste Art des Tränkemeisters, obwohl sie auch fast daran verzweifelte.

Restlos alle anderen Männer, mit denen sie schon zu tun gehabt hatte, hätten sich nicht so geziert. Bei jedem würde sie sich zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Armen liegen.

Aber Snape war anders. Auch sie war anders zu ihm. Wenn sie jemand anderen interessant und anziehend gefunden hätte, hätte wohl auch sie sich nicht so geziert. Bei ihm sah man kaum durch seine Fassade, nicht einmal, wenn man so privat mit ihm zusammen war, wie sie im Augenblick.

Severus Snape sah sich selber nicht als der Typ Mann, dem junge, lebensfrohe Frauen hinterher sahen. Dafür gab es Lockharts.

Er war sich sicher, dass Amélie nicht begeistert sein würde, wenn er zu aufdringlich war. Und er hatte sich im Griff.

Außerdem war er ein Ex-Todesser. Früher oder später würde sie das merken, oder durch jemanden erfahren. Er konnte nicht von ihr erwarten, dass sie so verständnisvoll war, dem Thema gegenüber, wie Laura.

Amélie war kein unbeschriebenes Blatt, was den Krieg betraf und auch in ihrer Familie hatte es Verluste gegeben. Das wusste Snape von Edward.

Er konnte die junge Frau nicht zu nahe an sich heran lassen. Er musste seine Gedanken von ihr distanzieren. Sie würde ihn verabscheuen, für das, was er getan hatte, was er gewesen war. Und er würde das nicht ertragen können.

Er hatte ein gutes und schönes Jahr hinter sich. Wohl das beste seit... seit sehr sehr langer Zeit. Er hatte die Vergangenheit ruhen lassen können. Er hatte hier und jetzt gelebt. Er wollte nicht wieder leiden.

Laura hörte den Rest der Unterhaltung nicht mehr, da sie im Land der Träume war. Sie hatte nur kurz die Augen anlehnen wollen, aber das gleichmässige Gerede der beiden ihr vertrauten Leute hatte sie in den Schlaf entführt.

TBC...