So nun poste ich ganz schnell das nächste Kapi, um Euch Lieben ein wenig zu verwöhnen ;-D Liebe Grüsse und viel Spass, Sally
Grossen Dank an alle Reviewer und an alle, die diese Geschichte mögen . Speziellen Dank an die tolle scientific ida, die meine Patzer immer noch rechtzeitig findet ;-) DANKE!
s s s s
„Severus Snape, könnte ich Sie bitte sprechen," hörte Severus am Samstag Morgen in aller Frühe die Stimme der Lehrerkollegin Minerva vor seinen Privaträumen. Nachdem sie energisch an seine Tür geklopft hatte und er nicht sofort aufgesprungen war, um diese zu öffnen, redete sie nun durch die Eichentür hindurch. Sie tönte ziemlich verärgert, fand Snape und verdrehte die Augen. Hatte er nicht extra hier unten gefrühstückt, damit er seine Ruhe hatte? Wenigstens am Samstag, wenn schulfrei war! Welcher verflixte Bengel hatte nun wieder etwas angestellt?
Die Kollegin hatte ihn aus seinen Träumereien von Amélie geholt. Obwohl er so krampfhaft versuchte, seine Gedanken auf anderes zu lenken, glitten sie immer wieder zu der jungen Frau, die gestern wieder so unglaublich hinreißend gewesen war. Ihr Aussehen, ihre Art...
Er öffnete mit neutralem Gesichtsausdruck die Tür. „Wo drückt der Schuh?" fragte er leicht ironisch, was den Ärger der älteren Professorin noch mehr anzustacheln schien. Snape befürchtete, dass sie ihm jeden Moment an den Kopf springen und ihm die Augen auskratzen könnte.
„Meine Quidditchmannschaft hat für heute Morgen das Feld gemietet. Nun frag ich mich, wieso denn nun Ihre Mannschaft mit einer schriftlichen Bestätigung von Ihnen, dass das Feld zu ihrer Verfügung steht, unterwegs zum Feld ist!"
Snape sah kühl auf die Frau hinunter. Na, da hatte er wohl einen empfindlichen Nerv getroffen, dachte er amüsiert. Wenn es um Quidditch ging, war mit dieser Frau nicht zu spaßen.
„Ihre Mannschaft hat das Training um sechs Uhr morgens begonnen, wenn ich richtig informiert bin, Minerva. Ich habe meinem Kapitän ausdrücklich gesagt, dass sie frühestens um acht Uhr auf dem Feld sein dürfen um Ihrem Team zwei Stunden Zeit zum Üben zu geben. Und das Feld ist groß genug, dass beide Mannschaften proben können. Ich vertraue darauf, dass mein Team nicht früher auf dem Feld war als um acht," sagte er selbstsicher.
Minerva sah nicht gerade zufriedener aus, aber sie musste sich doch eingestehen, dass ihr Team in zwei Stunden einiges hätte üben können, wenn Wood es nicht bevorzugt hätte, den halb verschlafenen Kindern bis kurz vor acht seine neuen Strategien vorzustellen.
„Na gut," sagte sie knapp. „Aber nächstes Mal wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie meinem Team mehr Zeit einräumen könnten."
„Selbstverständlich," lächelte Snape gezwungen.
Minervas Lippen waren sehr dünn geworden und als sie sich umdrehte um davon zu schreiten, sagte Severus: „Falls Sie Laura sehen, könnten Sie ihr bitte ausrichten, dass sie zu mir kommen möchte."
Die Professorin drehte sich erstaunt um. „Ihre Tochter hat doch bei Ihnen geschlafen. Das hat mir gestern Abend Miss Thompson berichtet, als ich eine von Heimweh geplagte Erstklässlerin beruhigen musste. Sie ist auch nicht mit ihren Freunden zum Frühstück erschienen. "
Snapes Augenbrauen verengten sich sofort. „Ich war gestern gar nicht da," sagte er und es war nicht ganz klar, ob er es zu der Frau gesagt hatte oder zu sich selbst.
„Das ist mir bekannt," sagte sie. Sie hatte gehört, wie Severus es am Abend zu Dumbledore gesagt hatte, als sie sich kurz getroffen hatten, wegen der Sache mit dem gestohlenen Trank.
„Aber ich habe meine Erfahrung gemacht mit der Sturheit Ihrer Tochter. Deshalb habe ich gar nicht erst versucht, sie zu überreden in den Gryffindorturm zurück zu kommen."
Die Lehrerin, die zwar streng, aber auch recht geduldig war, wenn es sein musste, hatte letztes Jahr mit allen Tricks versucht, das unglaublich sture Kind aus dem Privatquartier ihres Vaters zu locken. Snape hatte damals verwundet auf der Krankenstation gelegen und Minerva hatte es nicht für sinnvoll erachtet, dass das junge Kind ganz alleine in Snapes Privaträumen übernachtete. Ihre Versuche hatten Null Erfolg gehabt.
Snape wurde etwas beunruhigt. Er hatte doch gestern Abend aus reiner Gewohnheit einen Blick in Lauras Zimmer geworfen. Konnte es sein, dass er das Kind übersehen hatte? Wohl kaum!
„Danke, ich werde sie finden," sagte er knapp. Er schloss die Tür und ging schnurstracks zu Lauras Zimmer. Die etwas verdutzte McGonagall ließ er einfach stehen. Er hatte keine Zeit für Höflichkeit.
Lauras Bett war unberührt. Es war auch zu schön gebettet für Laura, also konnte sie auch nicht schon auf sein. Nein, sie war keine Frühaufsteherin und er war ja schon lange wach.
Eine Unruhe stieg in Snape hoch. Und Angst. Wo war das Kind? Wo hatte sie geschlafen wenn nicht im Gryffindorturm und nicht hier?
Entschlossen griff er zu seinem Zauberstab und legte diesen auf seine ausgestreckte Handfläche.
„Zeig mir Laura!" sagte er und der Zauberstab fing an sich unruhig und ziellos auf seiner Hand zu drehen. Dann zeigte er in eine Richtung. Aber in dieser Richtung war gar nichts. Da war nur eine Schlossmauer und dahinter Erde, da sie hier ja unterirdisch waren.
Snape ging Dobbys Warnung durch den Kopf. Etwas Schlimmes braute sich im Schloss zusammen. Konnte es sein, dass Laura etwas zugestoßen war? Dass ihr auf dem Weg in sein Quartier etwas angetan worden war?
Milly konnte er auch nicht losschicken, um sie zu suchen. Die Hauselfe konnte Laura nur orten, wenn diese sie rief. Er fühlte sich machtlos und wurde nervös.
Er musste sofort den Schulleiter sprechen! Er schnappte seinen Umhang und ging rasch zur Tür. Im Sturmschritt eilte er durch das Schloss und die Schüler, die ihm begegneten, wichen ihm eingeschüchtert aus.
Die Treppe zu Dumbledores Büro bewegte sich so langsam, wie nie zu vor. So kam es Severus zumindest vor.
Und leider war Albus nicht in seinem Büro. Ein ehemaliger Schulleiter in einem Bild erklärte dem ungeduldigen und beunruhigten Severus, dass der Professor außer Haus sei.
Er spürte, wie sein Puls raste, als er durch die Gänge von Hogwarts zurück in den Kerker eilte. Das konnte doch nicht sein! Wo war sein Kind nur? Wenn sie in der Nähe wäre, hätte der Zauberstab sie ihm doch gezeigt!
Zuerst musste er sich beruhigen und dann überlegen, was er tun sollte. So konnte er nicht logisch denken.
S s s s s s
Amélie war früh zur Arbeit gegangen, da sie sowieso fast keinen Schlaf gefunden hatte. Aber sie würde heute wohl nichts Sinnvolles zu Stande bringen.
Sie war sehr zufrieden gewesen,mit dem Abend mit Severus. Sie waren sich zwar körperlich nicht wirklich näher gekommen, aber es war trotzdem sehr schön und sogar etwas romantisch gewesen mit Severus. Sie hatten im Garten einen kleinen Spaziergang gemacht, nachdem es endlich aufgehört hatte zu regnen.
Sie hatten auf der kleinen Bank gesessen und geredet. Sie hatte sich so gewünscht, von ihm in die Arme genommen zu werden. Sie hatte seine Wärme gefühlt, als er neben ihr gesessen hatte und sie war beinahe verzweifelt, weil er nur da gesessen hatte.
Sie hätte so unglaublich gerne ihre Hand in seine gelegt und ihre Lippen auf die seinen. Hätte ihm so gerne noch länger in die unendlich schwarzen Augen gesehen, die ihr einen speziellen Blick gegeben hatten.
Sie hatte klar gespürt, dass sie einander anzogen. Dass es nicht nur von ihr aus kam. Aber irgend eine seltsame Zurückhaltung hatte sie auch gespürt. Deshalb hatte sie ihr Verlangen, ihm noch näher zu sein, auch gezügelt.
Wieso konnte dieser Mann nicht so sein, wie andere Männer? fragte sie sich und beantwortete sich diese Frage gleich selber. Weil er dann auch nicht so anziehend und faszinierend wäre. Weil Snape ein spezieller Mann war. Deshalb. Und sie, sie war infiziert von ihm. Wie ein honigsüßer Virus pulsierte er durch ihre Adern. Er vernebelte ihre rosaroten Gedanken, die sich nur um ihn drehten.
Wie sollte sie so arbeiten können? Sie wollte ihn wieder sehen, am besten gleich! Sofort!
Die Großeltern waren zum Glück erst nach Hause gekommen, als sie schon im Bett war. Es war doch erstaunlich, dass die älteren Leute bis in die frühen Morgenstunden weg blieben, in diesem Alter.
Amélie beeindruckte das und sie hoffte, dass sie das mit fast siebzig auch noch machen könnte.
Edward war ziemlich müde gewesen, von dem Fest, das sehr lustig gewesen war. Trotzdem stand er, wie immer, beizeiten auf am nächsten Morgen und machte seine üblichen Turnübungen im Garten. Das Gras war noch nass und roch auch so. Und dem verhangenen Himmel nach zu urteilen, würde es wohl bald wieder regnen. Seine Frau schlief noch und eine Hauselfe wuselte in der Küche rum, als er wieder ins Haus zurück kam.
Er fragte sich, ob Amélies Abend erfolgreich gewesen war und hob das Buch auf, welches auf dem kleinen Tischchen lag. Also über Tränkeerfinder hatten sie diskutiert, dachte er und lächelte. Na, das muss ja besonders romantisch gewesen sein! Er legte seine Stirn in Falten. Ob sein Kollege überhaupt wusste, was Romantik war? Das passte nicht zu Severus Snape.
Als er am Sofa vorbei ging, um das Buch ins Regal zu verräumen, erschrak er sehr, als er einen Fuß auf dem blauen Kissen liegen sah. Nur einen Fuß!
Einen Kinderfuß mit hell und dunkelblau gestreifter Socke. Er schüttelte kurz den Kopf.
Als er sich vom ersten Schreck erholt hatte, sah er sich die Sache näher an. Vorsichtig berührte er den Fuß und war erleichtert, dass es sich um einen lebendigen Fuß handelte.
Ein Licht ging ihm auf und er sah, dass das Kissen auf dem Sofa seltsam zerdrückt aussah. Er tastete sich vorsichtig dem Bein entlang hinauf, bis er in Händen hielt, was er vermutet hatte. Er zupfte an dem samtigen Stoff und sah, dass an besagtem Fuß noch einiges mehr dran hing.
Ein kleines, schwarzhaariges Mädchen lag da auf seinem Sofa und schlief seelig. Er erkannte Laura sofort.
Ihre Locken fielen ihr etwas ins Gesicht und ein Arm war unter dem grossen Kissen verschwunden.
Er musste lächeln, denn er konnte sich sehr genau vorstellen, was hier vorgegangen sein musste. Er sah sich die Tochter seines Kollegen ein paar Minuten an. Diese Kinder! dachte er lächelnd.
Er schüttelte den Kopf und faltete den seltenen Tarnumhang zusammen. Das war ein sehr schönes und bestimmt sehr kostbares Stück, dachte Edward. Woher das Mädchen den wohl hatte?
Ob Severus seinen Wildfang schon vermisste? Wieso das Kind die wagemutige Idee gehabt hatte, ihrem Vater, verborgen unter einem Tarnumhang zu folgen, wusste er nicht, hatte aber seine Vermutungen. Severus würde wohl nicht besonders erfreut sein, über Lauras Benehmen und wahrscheinlich machte er sich schon Sorgen um seine Tochter.
Er beugte sich hinunter und rüttelte Laura sanft an der Schulter.
Sofort schnellte sie hoch und sah sich erschrocken um. Sie lief knallrot an und blinzelte den Mann an, der über sie gebeugt da stand.
Hastig suchten ihre Augen den Raum ab. Doch außer dem Kollegen ihres Vaters war niemand in dem Raum.
Ihr Dad musste schon vor Stunden nach Hause gegangen sein, denn es war hell draußen. Oh Mist, dachte sie.
Sie stand nervös auf.
Sie sah Harrys Tarnumhang in den Händen des Mannes. Edward schien genau zu wissen, was sie angestellt hatte und es war ihr wirklich unglaublich peinlich. Sie versuchte gar nicht erst etwas zu schwindeln. Sie sah beschämt zu Boden, denn Mr. Ludwig sah sie ziemlich streng an.
Oh, nein! dachte sie bange. Wie konnte sie nur so unglaublich blöd sein und beim Spionieren einschlafen? Sie war ja eine richtige Superspionin!
Wie spät war es und hatte ihr Dad schon gemerkt, dass sie verschwunden war? Wahrscheinlich nicht, denn er wusste ja nicht, dass sie nicht im Gryffindorturm war. Er aß am Samstag meistens unten im Kerker, deshalb würde er sie auch beim Frühstück nicht vermissen. Hoffentlich war er schon fertig mit Frühstücken und hielt sich nicht im Wohnzimmer auf, wenn sie im Kamin auftauchte.
Man durfte die Hoffnung nicht aufgeben, dachte Laura und rieb sich die Augen.
„Ich denke es ist Zeit, nach Hause zu gehen, meinst du nicht auch?" fragte Edward freundlich und sie war froh, dass er nicht schimpfte.
Für ihren Vorschlag, dass sie alleine nach Hause gehen könnte, hatte Edward allerdings kein Musikgehör.
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Wieso wollte immer jemand etwas von ihm, wenn er überhaupt gar keine Zeit hatte! dachte Snape verärgert, als er es im Kamin knistern hörte. Er hatte jetzt weiß Gott anderes zu tun als ein Kaffeekränzchen zu halten.
Doch vor ihm stand nicht Remus, wie er erwartet hatte, sondern sein Kollege Edward, der seine Hände auf den Schultern seiner sehr zerknirscht blickenden Tochter hatte.
Severus meinte, man hätte es beinahe hören müssen, als ihm der schwere Stein vom Herzen fiel. Gott sei Dank! konnte er nur denken.
Er wusste nicht recht, ob er Laura umarmen oder lynchen sollte.
Er sah auf den Tarnumhang, den sein Freund in der Hand hielt.
So so! dachte er. Er konnte sich etwa zusammenreimen, was vorgefallen war.
Seine Erleichterung machte Ärger Platz und er schritt auf Laura zu, die ihn schuldbewusst anblinzelte. Das war ja unglaublich! Er hatte hier beinahe eine Herzattacke vor Sorge um sein Kind, nur weil dieses beschlossen hatte, ihm heimlich hinterher zu spionieren. Wieso sie dann aber nicht mehr nach Hause gekommen war, wusste er noch nicht, aber er würde es bald heraus finden. Vielleicht hatte sie sich entschlossen, dort zu nächtigen. Nett jedenfalls, dass sie doch noch hier auftauchte und ihn von seiner Herzklammer befreite, dachte er grimmig.
Lauras Magen, der vor ein paar Stunden noch so hungrig gewesen war, fühlte sich nun seltsam flatterig an und bestimmt kein bisschen hungrig. Sie schluckte leer, als sie das Gesicht ihres Vaters sah, der sie anscheinend doch schon vermisst hatte. Sie atmete ziemlich oberflächlich, als Edward ihrem Vater den Umhang reichte
Er fasste sie am Oberarm und zog sie zu sich hin. Harrys Tarnumhang warf er auf den nahen Tisch.
Er sah Edward an, ohne seinen Ärger über Lauras unartiges Benehmen zu zeigen. "Danke fürs Bringen, Edward," sagte er gefasst und etwa kurz angebunden. Er war nicht nur verärgert, es war ihm auch etwas peinlich, dass sein Kind sich derart daneben benommen hatte. Das schien Edward zu spüren.
„Seien Sie nicht zu 'art mit ihr, Severus, sie ist ein gutes Mädcchen," riet der ältere Mann, der mit Elternsein viel Erfahrung hatte und sich vorstellen konnte, was Severus gerade durchgemacht hatte.
„Ein etwas neugieriges, aber gutes Kind."
Er wusste, dass Eltern in solchen Situationen auch etwas überemotional und vielleicht auch zu streng reagierten. Ihm war es mit seinen drei Kindern und zum Teil mit seinen Enkeln und vor allem seiner Enkelin auch oft so ergangen.
Severus nickte kurz und Edward merkte, dass es an der Zeit war für ihn, sich zurück zu ziehen. Er verabschiedete sich kurz und trat in den Kamin.
Seine Worte schienen nicht die gewünschte Wirkung gehabt zu haben, dachte er, als er ein klatschendes Geräusch hörte, welches ihm sagte, dass Laura wohl gerade gehörig eins hinten drauf bekommen hatte. Er verschwand in den grünen Flammen.
Laura war nicht sonderlich überrascht gewesen, als ihr Dad sie umgedreht hatte und ihr zwei ordentliche Klapse auf den Hintern gehauen hatte.
Sie schluchzte, als sie zu Snape auf sah, der sich zu ihr hinunter beugte und sie scharf ansah.
„Tu sowas nie wieder, verstanden!" zischte er und hielt sie an beiden Oberarmen fest. Er sah sie eindringlich an, als sie schniefte und nickte.
Dieses Kind war sein Tod! dachte er und konnte nicht anders als Laura an sich zu drücken. Er war so erleichtert, dass ihr nichts passiert war. Laura konnte kaum noch atmen, so sehr quetschte ihr Dad sie an sich.
Dann hielt er sie wieder an den Oberarmen von sich weg. „Was sollte das, Laura?" fragte er so streng, dass Laura ihn nicht anblicken konnte. Neue Tränen rannen ihr übers Gesicht.
Das war wohl die mieseste Panne, die hätte passieren können, dachte Laura und rieb sich den Hintern kurz. Die Superidee, ihrem Vater nachzuschleichen kam ihr plötzlich saublöde vor, obwohl sie ein bisschen stolz war, dass ihr Dad sie nicht entdeckt hatte. Nur ihre eigene Dummheit hatte sie nun in Schwierigkeiten gebracht.
Snape nahm sich den nächsten Stuhl und setzte sich drauf, um Laura in die Augen sehen zu können. Er war ihm zu mühsam, immer so auf sie hinunter zu schauen.
Laura schien nach einer plausiblen Antwort zu suchen und zupfte an einem Faden rum, der vom Saum ihres T-Shirts hing.
„Sieh mich an!" befahl er. „Du änstigst mich beinahe zu Tode, du schleichst mir nach und horchst uns heimlich aus! Wirklich, Laura, ich hätte nicht schlecht Lust, dich übers Knie zu legen und dich ordentlich zu versohlen!" Seine Stimme klang sachlich und ernst.
Snape war froh, dass es nichts Peinliches oder Geheimes gewesen war, was Laura gehört und gesehen hatte.
Sie sah bange auf.
„Zu deinem Glück stehen noch einige dreckige Kessel rum, die du nachher blitzblank putzen kannst. Und nun möchte ich gerne wissen, wieso dir so etwas Abstruses einfallen konnte." Er sah sie fragend an und Laura schluckte schwer. Nun musste sie das also auch noch erklären, als wäre alles nicht schon schlimm genug.
Sie beugte sich etwas hinunter und kratzte sich am Knie, wo sie den juckenden Mückenstich hatte. Obwohl die baumwollene Trainerhose nur dünn war, bot sie etwas Schutz vor Lauras scharfen Nägeln, die die Stelle gestern blutig gekratzt hatte.
Zerknirscht sah sie ihn dann an und wünschte, er würde ihr nicht so einen finsteren Blick geben.
„Ich... war so sauer, dass du ohne mich gegangen bist. An unserem Familientag und... Amélie ist doch auch meine Freundin. Ich habe mich gefragt, wieso du mich nicht mitnehmen willst. Und da dachte ich, ich könnte ja mal schauen, ob es dafür einen speziellen Grund gab."
Snape hatte aufmerksam zugehört und nickte. „Dass man nicht lauscht, habe ich dir schon mehrmals erklärt, denke ich," sagte er . „Wenn ich entscheide, alleine irgendwo hin zu gehen, dann möchte ich, dass du das respektierst. Und wenn es dafür einen speziellen Grund gibt, dann ist das meine Sache, ob ich dir davon erzähle oder nicht. Es gibt sowas wie Privatsphäre, Laura. Und ich möchte, dass du die in Zukunft achtest. Außerdem bist du noch nie alleine mit dem Floh gereist. Was wäre geschehen, wenn du an einem falschen Ort gelandet wärst? Niemand hätte gewusst, wo du bist und es wäre äußerst schwierig gewesen, dich wieder zu finden." Snape wollte sich nicht ausdenken, wenn Laura sich den Kopf gestoßen hätte, während des Drehens. Je nach dem, wo sie gelandet wäre, hätte man sie nicht mehr gefunden, unter dem Tarnumhang.
Das hatte sich Laura nicht überlegt und sie biss sich auf die Unterlippe. Snape beugte sich etwas vor, bis sich ihre Nasen fast berührten.
„Wage es nochmals, mir solche Angst einzujagen und ich verpasse dir eine Fusskette mit einem tonnenschweren Stein, die gerade von deinem Bett zu deinem Schreibtisch reicht. Weder magisch noch auf Muggelart zu öffnen. Klar?"
Laura biss sich auf die Lippen und senkte den Kopf, weil sie grinsen musste. Es ehrte sie ja, dass ihr Vater sich so schnell um sie sorgte, aber es tat ihr auch leid.
Und sie selber tat sich auch leid. Nicht nur wegen der unsanften Klapse, die sie erhalten hatte und der Kessel, die sie nachher putzen musste, sondern auch, weil ihre Pläne immer zum Scheitern verurteilt waren. Wieso konnte nicht einmal etwas so laufen, wie sie es sich ausgedacht hatte? Sie kratzte sich nochmals am Knie, worauf Snape ihr Hosenbein hoch krempelte.
„Machen Mücken eigentlich auch Sex?" wollte Laura plötzlich wissen, während ihr Dad den Stich ansah.
„Wie bitte?" fragte er erstaunt und sah zu ihr auf.
„Ich habe noch nie gesehen, wie sie Babys, ehm Junge machen. Und ich habe viele Mücken gesehen, am Bach. Bei Fliegen hab ich das schon oft gesehen. Und bei Spinnen frisst die Frau dann den Mann und..."
„Nein, Laura," unterbrach er sie. „Ich kenne mich mit dem Liebesleben von Mücken nicht aus. Wenn es dich wirklich brennend interessiert, dann leih dir in der Bibliothek ein Buch über Insekten und ihre Vermehrung aus."
Er klang etwas gereizt und schien gar nicht in der Stimmung, sich über Mückensex zu unterhalten. Obwohl Laura es liebte, ihn mit diesem Thema zu quälen, ließ sie es nun wohl besser gut ein. Sie hatte ihn schon genug aufgewühlt heute. Ihn nun noch mehr mit diesem heiklen Thema zu kitzeln, würde wahrscheinlich in noch mehr Kessel putzen enden.
„Ich hab Hunger, Dad, darf ich zuerst etwas essen?" fragte sie, als Snape ihr etwas Salbe auf den Stich strich und die Haut sich sofort in Normalzustand verwandelte.
Er antwortete nicht sofort, sondern zog Laura am Arm zu sich.
„Du darfst frühstücken, wenn du mir erklärt hast, wo du die Nacht verbracht hast." Er hoffte nur, dass sie nicht irgendwo in einer Ecke auf dem Fußboden geschlafen hatte, denn das wäre bestimmt recht kühl gewesen und ungesund.
Der beschämte Ausdruck kehrte in Lauras Gesicht zurück, als sie antwortete: "Bin auf meinem Beobachtungsposten eingeschlafen." Sie biss sich auf die Unterlippe und grub ihre Zehen etwas in den Teppich unter ihren Füßen.
„Und wo war der?" wollte Snape natürlich wissen.
Laura atmete tief aus. Das war so erniedrigend, ihre Pleite zugeben zu müssen, wo doch alles so gut angefangen hatte.
„Auf dem Sofa," antwortete sie kaum hörbar und ihr Vater nickte kurz. Er fixierte sie noch einen Moment und zog sie noch etwas näher. Automatisch lehnte sie sich ein wenig an sein Bein, als er mit seiner freien Hand den Ärmel von Lauras dünnen Pullover nach hinten zog, um sich die Haut an ihrem Arm anzusehen.
Er hatte in der letzten Ferienwoche nochmals eine Behandlung mit einer speziellen Salbe gemacht, damit die Narbe der Drachenfeuerverletzung schwächer sichtbar würde. Die Haut war an dieser Stelle nun nicht mehr so rosa. Zwar war sie am der Unterseite des Vorderarms nicht so gebräunt, aber das Narbengewebe hatte sich deutlich geglättet.
Snape schien zufrieden und nickte dann. „Wasch dir die Hände und setz dich an den Tisch, ich werde Milly bitten, dir etwas zu bringen," sagte er knapp.
„Tut mir Leid, Dad," hauchte Laura. Sie hatte ihren Vater wirklich nicht so ängstigen wollen und obwohl er ihr eine mühsame Strafe aufgebrummt hatte, fühlte sie sich irgendwie mies deshalb. Sie hatte gespürt, dass ihr Vater sich wirklich sehr gesorgt haben musste. Natürlich, wenn sie nirgends aufzufinden gewesen war...
Als sie eine halbe Stunde später am Kessel Schrubben war, wünschte sie sich, irgendwo draußen mit ihren Freunden herum zu rennen. Sie hatte keine Ahnung, dass Ron gerade damit beschäftigt war, schleimige Schnecken in einen Kessel in Hagrids Hütte zu spucken.
S s s s
Snape horchte dem Schrubben und leisen Fluchen von Laura, als er dabei war, seine nächsten Schulstunden zu planen. Sich zu konzentrieren fiel ihm allerdings ziemlich schwer. Zwei Frauen waren es nun, die ihm das Leben schwer machten, dachte er verärgert.
Da hatte seine Tochter ja wieder mal was geboten! dachte er etwas verzweifelt. Er hatte immer wieder an die Warnung von Malfoys Hauselfen gedacht. Er wusste, dass diese ernst zu nehmen war.
Als Laura am Morgen verschwunden war, hätte er beinahe eine Krise bekommen. Es beunruhigte ihn selber, dass er sich so schnell um sein Kind sorgte. Die Tatsache war gefährlich, besonders, weil er in solchen Momenten kaum logisch denken konnte.
Ob er richtige Entscheidungen treffen könnte, wenn Laura in Gefahr war oder in der Macht von dunklen Zauberern, bezweifelte er.
Er musste dafür sorgen, dass sie sicher war. Er musste sie schützen. Er wollte sie nicht ängstigen mit Übervorsichtigkeit, aber sie musste nun einmal lernen, nicht immer ihrer Neugierde nachzugeben.
Morgen Abend kam Remus und auch mit ihm würde er reden. Der Mann musste Harry auch am kürzeren Zügel nehmen. Er hatte sich selber geschworen, auf Lilys Kind aufzupassen, so gut er konnte. Aber in solchen gefährlichen Zeiten war das schwierig, denn er konnte nicht überall sein.
Er musste sich eingestehen, dass ihm der Junge ganz und gar nicht egal war.
Wenn Harry weiterhin so mir nichts dir nichts über alle Regeln hinwegsehen und tun und lassen würde, was ihm gefiel, konnte auch er ihn nicht beschützen.
Severus hatte zwar deutliche Fortschritte in seinem Benehmen bemerkt, aber dieser Stunt mit dem fliegenden Ford war wiedermal typisch gewesen für Harry Potter. Er hätte den beiden Jungen zünftig das Fell versohlt und ihnen mindestens zwei Wochen lang Nachsitzen aufgebrummt, wenn es nach ihm gegangen wäre. Diese Kinder mussten dringend ihren Verstand einsetzten, wenn sie schon nur die Schulzeit in Hogwarts überleben wollten!
Amélie machte ihm das Leben auch nicht einfacher.
Dass er Amélie begehrenswert fand und sich auch Gefühle zu regen begannen, musste er sich mittlerweile zugestehen. Es war nicht mehr ignorierbar.
Das hieß aber nicht, dass ihm diese Tatsache gefiel. Es war viel einfacher gewesen, einer verstorbenen Jugendliebe hinterher zu trauern. Da waren die Verhältnisse klar gewesen und in diesem Fall war gar nichts klar.
Erstens hatte er keine Ahnung, und bezweifelte es stark, dass er auch nur einen Hauch einer Chance gehabt hätte, bei der jungen Französin.
Zweitens, wenn ja, dann würde er ihr von seiner Vergangenheit erzählen müssen und das war ziemlich kompliziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dafür Verständnis hatte und darüber stehen konnte, war gering. Sehr gering. Praktisch Null.
Drittens wusste er nicht, ob er neben all seinen anderen Verpflichtungen und neben Laura überhaupt Zeit hätte für eine Beziehung. Das Wort Beziehung machte ihm schon Angst, wenn er es nur dachte.
Amélie war jung und würde bestimmt eine Familie wollen und alles. Und das konnte er ihr nicht geben. Er wollte ganz sicher keine weiteren Kinder. Er war nicht der Familientyp. Er war genügend gebunden mit seiner Tochter und er wollte genügend Zeit für dieses Kind haben. Und er brauchte auch viel Zeit für sich. Fürs Brauen.
Fazit war, dass er sich Amélie wohl besser ganz schnell aus dem Kopf schlagen würde und sich den anderen wichtigen Dingen des Lebens widmete, dachte Snape entschlossen. Man musste hier klaren Kopf behalten und es realistisch sehen. Hoffnungen brauchte er sich keine machen.
Aber ganz so einfach war das leider nicht...
S s s s s s s s
„Wie 'nicht gemacht'?" fragte Snape Stunden später, als er Lauras Hausaufgaben kontrollierte.
Laura gab ihm einen bösen Blick und antwortete etwas stur: "Ich hab Besseres zu tun!"
Ungläubig sah er sie an. Er hörte wohl nicht richtig! Was war nur in Laura gefahren?
„Es scheint so, als hättest du Lust noch ein paar Kessel zu schrubben!" sagte er leise und etwas gefährlich.
Sie stand vor ihm mit etwas roten Wangen, was vom Kesselschrubben stammte, und wagte es bei seinem Ton nicht, die Augen zu verdrehen.
„Es interessiert mich nicht die Bohne, welche Modemagazine er gerne liest und welcher sein Lieblingshaarstylist ist und seine liebste Heldengeschichte von sich selbst und auch nicht, wie oft er seine Nägel feilt!"
Das verwirrte Snape. Was redete Laura da?
Er hatte plötzlich einen Fragebogen unter der Nase, auf dem genau die Art Fragen standen, die Laura eben aufgezählt hatte. Snape fragte sich ernsthaft, ob bei dem Mann eine Schraube oder vielleicht mehrere locker saßen. Er würde diesen Quatsch Albus zeigen. So konnte man ja wirklich nicht unterrichten.
Er wollte, dass eine Tochter etwas lernte, in der Schule. Und gerade dieses Fach war enorm wichtig. Dabei dachte er auch an Harry. Die Kinder mussten sich verteidigen können. Nicht die geheimsten Wünsche dieses Taugenichtses kennen!
Das Blatt behielt Severus bei sich. Er war ziemlich sauer und schickte Laura in den Gryffindorturm, um direkt mit Albus reden zu gehen.
„Ich wollte aber heute baden, Dad," jammerte Laura, die sich schon so auf ein gemütliches Seifenblasenbad gefreut hatte. Meistens saß dann nämlich Milly bei ihr neben dem Bad und freute sich über Lauras Seifenblasen. Das war einfach immer so schön für das Kind. So viel Aufmerksamkeit für sie alleine!
„Du kannst morgen baden," sagte er und nahm schon seinen Umhang. Er trat zur Tür und hielt sie Laura auf. „Komm!" sagte er knapp und mit einer schmollenden Grimasse schnappte sich Laura ihren Schulsack und ging mit ihrem Vater zusammen raus.
S s s s s s
Im Gryffindorturm war das Zusammentreffen der beiden Quidditchmannschaften das Hauptthema an diesem Abend.
Obwohl die beiden Hauptbeteiligten gar nicht da waren. Hermine hatte Laura berichtet, dass die beiden Nachsitzen mussten, wegen der Auto-Flug-Aktion.
„Oh nein," sagte Laura mitleidig. „Ausgerechnet bei Lockhart!"
Harry konnte einem schon Leid tun. Wo er den Mann doch noch weniger ausstehen konnte als Laura.
Von allen Seiten hatte sie Brocken der Schneckengeschichte gehört, aber niemand hatte ihr gesagt, was wirklich vorgefallen war auf den Quidditschfeld.
Hermine weihte sie auch da ein und Laura staunte nicht schlecht. Schade, dass sie das verpasst hatte, dachte sie. Sie hätte diesem Malfoy gerne eine rein gehauen, weil er Hermine beleidigt hatte. Natürlich hätte sie nicht gewusst, was 'Schlammblut' heißt, aber dass es eine Beleidigung war, wäre auch ihr klar gewesen.
Plötzlich lächelte Laura verschmitzt und Hermine fragte, was denn so lustig sei daran, wenn man so beschimpft wurde.
Laura schüttelte den Kopf und lachte: "Nichts, natürlich!" antwortete sie und sah die Freundin grinsend an. "Aber ich habe mir Malfoy gerade mit violetten Haaren vorgestellt," sagte sie und sah Hermine herausfordernd an.
Hermine brauchte nicht lange, um zu kapieren, worauf Laura anspielte. „Du willst dich aber wohl nicht schon wieder in Schwierigkeiten bringen, Laura!" schimpfte sie mit ernstem Gesicht.
Laura lachte und schüttelte den Kopf. "Nein, keine Sorge. Aber ich hätte noch eine Haartönung übrig." Sie lachte, als sie Hermines strenge Miene sah.
Hermine würde bestimmt mal eine Lehrerin werden, dachte Laura.
„Nimm dich zusammen!" mahnte sie ernst und Laura wechselte schnell das Thema.
„Und spuckt Ron immer noch?" fragte sie besorgt und fuhr sich durch die vom Duschen feuchten Haare.
Hermine schüttelte den Kopf. „Nee, ich glaube, nun hat er es endgültig überwunden. War ganz schön eklig!" sagte sie und verzog angewidert den Mund.
S s s s
In Dumbledores Büro war ziemlich dicke Luft. Snape starrte den blonden Mann böse an. Dieser wich seinem Blick aus, so gut es ging. Albus hatte den Mann zuerst entschuldigen wollen, mit allen möglichen Erklärungen, die Snapes Ärger noch angestachelt hatten und hatte den berühmten Lehrer dann auf Snapes sturen Protest hin in sein Büro gerufen. Tänzelnd mit wogenden Locken war Lockhart im Büro des Schulleiters erschienen. Er hatte ihnen ein blitzendes Lächeln geschänkt, worauf Snape ihm am liebsten einen übler Zauber angehext hätte.
Snape hatte ihm den Fragebogen mit einer schnellen Bewegung unter die Nase gehalten und gefragt, was das solle.
Lockhart hatte versucht, lässig und locker zu bleiben, was ihm misslich misslungen war und hatte etwas von 'die Kinder würden von seinen Heldentaten lernen'. Was diese Fragen auf dem Blatt aber mit Verteidigung gegen die dunklen Künste zu tun hatte, konnte er nicht beantworten.
„Und wieso bestrafen Sie die Kinder nicht, wenn sie die Hausaufgaben nicht machen? Miss Smethurst hat ihre Hausaufgaben, die Sie ihr aufgegeben haben mehrmals nicht erledigt, wie sie mir selbst gesagt hat. Ist Ihnen vielleicht selbst klar geworden, dass es mit dem Stoff, den Sie eigentlich lehren sollten überhaupt nichts zu tun hat?" wollte Snape bissig wissen und sah ihn kritisch an.
Albus versuchte zu schlichten und den aufgebrachten Tränkemeister zu besänftigen. Allerdings hatte er selten bis nie Erfolg damit, wie er sich ehrlicherweise selber eingestehen musste.
„Nun," sagte er mit freundlicher Stimme, die Snape auf die Palme brachte. „Es ist ja erst Ihre erste Woche, in der Sie unterrichten, Gilderoy. Aber es wäre natürlich von Vorteil, wenn Sie in Zukunft ihr Augenmerk auf den Unterrichtsstoff legen würden. Auch in den Hausaufgaben. Natürlich steht es Ihnen frei, solche Fragebögen zu verteilen, die die Interessierten dann freiwillig ausfüllen dürfen."
Snape schnaubte.
Lockhart schien nun etwas nervös, versuchte aber lässig zu tönen. „Natürlich, Schulleiter. Zu Ihrer Frage, Professor..." Er wandte sich charmant an Snape, der ihm am liebsten ein paar hässliche Pusteln auf seine gepuderte Nase gehext hätte.
„Es würde sich ja nicht gut machen, wenn ich meine treuen Fans bestrafen würde, für so eine Lappalie." Natürlich hatte er bemerkt, dass er Laura wohl nicht zu seinen treusten Fans zählen konnte, aber was nicht war, konnte ja noch werden.
Er redete schnell weiter, bevor Snape wieder etwas Unangenehmes sagen konnte. „Und Miss Smethurst ist, so viel ich weiß, in Gryffindor, also sollte Sie das nicht kümmern," sagte er und bereute sogleich seine mutigen Worte. Er blinzelte nervös, als er von den zornigen Augen des Tränkelehrers fixiert wurde. Er hätte sich gerne ganz schnell verkrümelt.
„Miss Smethurst kümmert mich aber, Lockhart," zischte er zwischen den Zähnen hervor. „Und auch die Ausbildung der anderen Schüler. Und ich glaube kaum, dass meine Tochter ein Fan von Ihnen ist, wenn ich mich an ihre Worte erinnere, mit denen sie mir Ihren Unterricht beschrieben hat. Sehen Sie zu, dass Laura etwas lernt in Ihrem Unterricht," fügte er kühl hinzu und Albus hob beschlichtigend die Hände. Er wusste, dass Snape über eine sehr gute Selbstbeherrschung verfügte, ansonsten hätte er sich wohl ziemlich um Lockharts Wohlergehen gesorgt.
Was Tochter? dachte Lockhart verwirrt. Miss Smethurst konnte doch wohl nicht im Ernst Snapes Tochter sein! Der hatte doch ganz sicher keine Familie, oder? Also wenn Snape ein Familientyp war, dann war er selber Merlin höchstpersönlich... na ja, auf gutem Wege dazu war er ja, dachte er.
„Ich möchte mich entschuldigen, die Herren, ich habe Harry Potter bei mir im Büro. Er ist so freundlich, mir mit meiner Fanpost zu helfen. Ich komme mit den vielen Briefen und Autogrammkarten nicht mehr alleine zurecht." Schnell erhob er sich und verabschiedete sich kurz und bündig. Mit einem 'Klack' fiel die Tür ins Schloss.
„Es wundert mich stark, dass sie so einem Angeber diesen Lehrerposten geben, Albus. Sie glauben doch wohl selbst nicht, dass er auch nur die Hälfte dieser Heldengeschichten erlebt hat!" fragte Snape gereizt, als der blonde Engel namens Gilderoy Lockhart den Raum verlassen hatte.
Der Schulleiter sah seinen ehemaligen Schüler geduldig an. Er hatte bemerkt, dass der Mann in den letzten Paar Tagen ein bisschen sehr reizbar war und mit den Gedanken nicht immer anwesend, was er von Severus so nicht kannte.
„Beruhigen Sie sich, mein Junge," begann er und Snape funkelte ihn an.
„Nennen Sie mich nicht so, Albus!" sagte er und versuchte seinen Ärger unter Kontrolle zu halten.
Albus wurde nicht wütend über die barschen Worte, aber er sah etwas ernster aus. „Entschuldigen Sie, Severus. Ich habe den Eindruck, als belaste Sie etwas in den letzten Tagen. Sie wissen, dass Sie jederzeit zu mit kommen können, wenn Sie einen Rat brauchen oder auch einfach so."
Snape atmete hörbar aus. „Das schätze ich, Albus. Aber mir geht es gut, danke. Wir reden jetzt aber nicht über mich, oder?"
„Gilderoy hat den Hang zu übertreiben, das heißt nicht, dass er kein guter Lehrer sein kann. Geben Sie ihm eine Chance. Wenn er sich etwas eingelebt hat, wird sich das schon legen, mit seiner Selbstinszenierung."
So ein unbeirrbarer Optimist, dieser alte Mann! dachte Snape ärgerlich.
Er würde nun Draco Malfoy noch einen etwas unerfreulichen Besuch abstatten und ihm eine ordentliche Strafe aufbrummen.
Der Junge dachte wohl, er könne sich alles erlauben. Dass solche Ausdrücke, mit dem er Hermine Granger beschimpft hatte, alle Slytherins in ein schlechtes Licht rücken würde, hatte der verwöhnte Bengel nicht bedacht. Auf ihn, den Hauslehrer der Slytherins, würde das reflektieren und er würde dafür sorgen, dass sich Malfoy Junior in Zukunft gut überlegen würde, welche Worte er gebrauchen würde.
„Haben Sie etwas raus gefunden, wegen des Zaubertrankfläschchens in Lauras Tasche?" fragte Severus, der es wirklich seltsam fand, dass sich die Sache nicht aufklären ließ.
„Leider nicht, Severus," gab Albus zu.
„Übrigens," sprach Dumbledore weiter, als Snape aufstand um zu gehen. „Ich habe mich über den Zustand von Mr. Smeltens erkundigt. Und obwohl er relativ schwierige Wochen hinter sich hat, in denen er wohl auch viel Zeit zum Nachdenken hatte, ist er wohlauf. Am meisten Mühe scheint ihm aber am Beginn seiner Strafe ein ständiger Schmerz und ein permanenter Lumlock-Zauber gemacht zu haben, wie er mir geklagt hat," sagte Albus halb amüsiert halb fragend.
Snapes Blick verfinsterte sich nocheinmal kurz bevor er gleichgültig antwortete: „Ich glaube kaum, dass es diesem Verbrecher zusteht, sich zu beklagen. Er hat bekommen, was er verdient hat und er kann dankbar sein, dass es nichts Permanenteres war. Wer ein Kind angreift, hat im Mindesten das verdient. Guten Abend." Damit verließ Snape das Büro und ließ einen lächelnden Dumbledore zurück.
Natürlich hatte Albus von Anfang an gewusst, dass Severus es nicht auf der von ihm auferlegten Strafe belassen würde. Und natürlich hatte er sich davon überzeugt, dass es nichts all zu Schlimmes war, mit dem sich Severus für das Vergehen an seiner Tochter gerächt hatte. Er wusste, dass Smeltens für Snapes Verhältnisse glimpflich davon gekommen war.
S s s s s s
Laura lag in ihrem Bett und ließ sich den Tag nochmals im Kopf durch gehen. Hatte ja nicht gerade gut angefangen, dachte sie.
Sie hatte unten im Gemeinschaftsraum auf Harry und Ron warten wollen, aber die waren und waren einfach nicht zurück gekommen, von ihrem Nachsitzen. Ob Lockhart und Filch die Jungs die ganze Nacht behalten wollten?
Müde rieb sie sich die Augen. Sie war noch schnell bei Milly gewesen und die hatte sie ganz schön verwöhnt. Das hatte sie auch gebraucht, nach so einem Tag!
Als Lauras Augen zufielen, war sie die letzte im Zimmer, die ins Traumland glitt. Aber es gefiel ihr nicht besonders dort.
Kaum hatte sie nämlich die Augen geschlossen, so hatte sie das Gefühl, war sie auch schon im Steinkreis.
Regen, Mondlicht, fremde Menschen, Grab, alles war wie beim letzten Mal. Das mit dem Erde ins Grab streuen, schien diesmal aber schon vorbei zu sein.
Nun wurde ein Kelch herum gegeben. Laura wusste, was in dem Kelch war. Sie hatte ihre Mutter darüber reden gehört. Es war ein Vergessenszaubertrank. Alle sollten vergessen. Auch sie. Aber sie wollte das nicht. Sie wollte nicht vergessen! Sie würde nicht trinken, dachte Laura entschlossen.
Aber es waren nicht ihre Gedanken, die sie da dachte. Das war ihr jetzt bewusst. Es war so seltsam für Laura und sie versuchte aufzuwachen.
Der Kelch wurde nun als Letztes an sie gereicht. Laura wusste, dass es aussehen sollte, als ob Wein getrunken würde, als Teil der Zeremonie. Die Leute hatten keine Ahnung, dass sie vergessen sollten.
Sie nahm den Krug und tat so, als trinke sie. Die Frau neben ihr beobachtete sie mit Adleraugen. Sie merkte den Schwindel und zwang sie davon zu trinken. Sie konnte sich nicht gegen den Griff der Frau wehren. Der Mann, der neben ihr gestanden hatte, leerte von dem Trank in ihrem Mund. Er hielt ihr die Nase zu und sie hatte keine Wahl als zu schlucken.
Die Beiden schienen sich nicht um die entsetzten Blicke der anderen Anwesenden zu kümmern. Die würden sowieso alles vergessen, was in den nächsten Stunden noch so alles geschah. Dafür würden sie mit einem einfachen Vergessenszauber sorgen.
Laura konzentrierte sich verzweifelt. Sie wollte nicht vergessen. Sie wollte nicht vergessen! Sie durfte nicht vergessen!
Als sie prustend los gelassen wurde, hatte sie vergessen.
Aber sie hatte nicht vergessen, dass da etwas war, was sie unbedingt hatte in Erinnerung behalten wollen.
Sie schwor sich leise, dass sie sich wieder erinnern würde. Viel hatte sie nicht getrunken von dem Saft, ein Teil war in der Luftröhre gelandet.
Sie wusste, als einzige der Anwesenden, was sie da eben getrunken hatten. Der Trank würde ein Leben lang halten. Es war ein mächtiger Trank.
Sie hasste ihre Mutter und den Mann, der wahrscheinlich ihr Vater war, dass sie ihr das angetan hatten. Sie würde sie immer hassen dafür. Aber es würde ihr gelingen sich zu erinnern.
Schweißgebadet wachte Laura auf. Sie weinte und bekam kaum Luft. Hermine konnte sie auch nicht beruhigen und da kam ihr die Idee, Milly zu rufen. Zu ihrem eigenen Erstaunen kam die Elfe tatsächlich.
In deren Armen schlief Laura dann auch wieder ein.
Die kleine Elfe saß noch Stunden am Bett des im Traum immer noch schniefenden Mädchens. Sie streichelte ihr über die schwarzen, sanften Locken. Das war das Kind ihres Herzens. Nie hatte sie jemanden so tief geliebt.
TBC...
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