Hallo ihr liebsten Leser! Danke für die tollen Reviews, hat mich wieder sehr gefreut! Der lieben Ida herzlichen Dank fürs Korrigieren!
Wer geht heute ins Kino? ;-D
Dani, vielen Dank für deinen Kommentar, hoffe, dieses Kapi gefällt dir auch!, Liebe Grüsse, Sally
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„Erzähl mir den Traum nochmals genau," sagte Snape zwei Stunden später, als sie endlich den Dachboden fertig aufgeräumt hatten. Laura war keine sehr große Hilfe gewesen, da sie immer wieder vor sich hin gestarrt hatte und an den Schrank gegangen war, um sich das Kleid anzusehen, welches sie nicht zu den Angefressenen in die Schachtel gestopft hatten...
In diesen zwei Stunden hatte sich Snape viele Gedanken gemacht, um Laura und ihren Traum. Er fragte sich ernsthaft, was es mit der Geschichte in dem Traum auf sich hatte. Laura hatte etwas von einer streng aussehenden, unangenehmen Mutter erzählt und von einem Steinkreis und von einem Grab.
Ob das aus der Phantasie des Kindes entstanden war? Von dem Steinkreis hatte sie erfahren, als er mit Remus in den Schacht gestiegen war, den Harry und Laura im Garten entdeckt hatten.
Das Kleid hatte sie ja schon einmal gesehen, als sie unerlaubterweise oben im Dachboden herum geschnüffelt hatte.
Konnte es sein, dass dies nun alles in einem Traum versponnen wurde? Aber wieso wiederholte sich dann der Traum und ging sogar weiter? Irgendwie war ihm das alles nicht ganz geheuer.
Laura saß auf ihrem Stuhl am Tisch und hatte ihre Beine angezogen und die nackten Füße auch auf die Sitzfläche des Stuhles gestellt.
Der tadelnde Blick ihres Dads ließ sie sich aber richtig hinsetzen. Sie steckte ihre Hände unter die Oberschenkel und begann konzentriert zu erzählen. „Ich stehe in einem Kreis, der aus großen Steinen besteht. Ich bin nicht allein. Es sind noch andere Leute da und ein Kapuzenmann. Es ist Vollmond und es regnet stark. Dann höre ich so einen Schlag, wie mit einer Axt. Der Mann mit der Kapuze bringt etwas Ekliges an das Grab. Ach ja, da ist ein Grab oder so. Jedenfalls ein Loch und ich denke da liegt jemand drin, den ich lieb habe... glaube ich." Sie atmete tief ein und überlegte kurz.
„Musik spielt... ehmm, ich denke Flötenmusik, sie ist schön, aber geheimnisvoll. Neben mir steht diese Frau, mit diesem Kleid vom Dachboden. Ich weiß es genau, weil ich im Traum das Kleid anfasse."
Laura erzählte alles, was ihr von dem Traum noch einfiel und Snape wurde immer nachdenklicher. Das war schon ziemlich seltsam, dachte er.
Konnte es tatsächlich sein, dass sie einen Traum von ihren Vorfahren hatte. Konnte es eine echte Begebenheit gewesen sein? Aber wieso träumte Laura denn davon? Und was sollte das für ein seltsames Ritual gewesen sein? Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie sich so etwas ausdenken konnte. Aber wieso kamen dann genau dieses Kleid und der Steinkreis darin vor. Er kannte sich in solchen Dingen nicht aus und war sehr skeptisch solchen undefinierbaren Angelegenheiten gegenüber.
Hmm... er würde mal mit Remus darüber reden, wäre sehr interessant, was er darüber dachte. Severus wusste, dass der sich schon mehr mit diesem Thema beschäftigt hatte, was er nie hatte verstehen können.
„Sie zwingen mich, einen Trank zu Trinken. Ich kann mich nicht wehren und muss ihn runter schlucken. Ein Trank, mit dem ich vergessen soll, glaube ich," erzählte die nachdenklich.
Das erstaunte Snape. „Wer sie?" fragte er und Laura blinzelte ihn fragend an. „Wer zwingt dich? Und was sollst du vergessen?"
Laura zuckte leicht die Schultern. „Meine Eltern, die im Traum," antwortete sie. „Was ich vergessen soll, hab ich eben vergessen," witzelte sie und damit schien dieses Thema für sie beendet.
Severus nickte und hing einen Augenblick seinen Gedanken nach. Er versuchte dem allem einen Sinn zu geben.
„Dad, bin ich kein Kind mehr, wenn ich Brüste habe?" fragte Laura unvermittelt und holte Snape abrupt aus seinen Gedanken.
„Hmm. Wie bitte?" fragte er etwas verwirrt über das total andere Thema.
„Wenn ich Brüste bekomme... bin ich dann trotzdem noch gleich wie jetzt? Umarmst du mich dann noch und so?" wollte sie wissen.
Sie hatte ziemliche Veränderungen bemerkt, an ihrer Cousine, als diese angefangen hatte, sich zu entwickeln. Sie war affig geworden und hatte angefangen sich raus zu putzen und aufzustylen. Laura hatte ihr ständig als Model dienen müssen und sie hatte nicht mehr häufig mit Laura gespielt. Nicht, dass sie jemals viel mit Laura gespielt hatte, denn die kleine Cousine war für Nathalie nicht besonders interessant gewesen. Jedenfalls nicht, wenn sie Freundinnen bei sich gehabt hatte.
Laura wollte aber so bleiben, wie sie war. Sie wollte nicht so blöd quietschen, wie einige Mädchen das taten, wenn ein Mann vorbei ging und sie wollte nicht, dass ihr Vater dann dachte, sie sei zu alt um sie zu küssen und nahe an sich ran zu lassen. Diese Befürchtungen hatten sie in letzter Zeit immer wieder geplagt.
„Deine Brüste werden mich wohl kaum daran hindern, dich zu umarmen, Laura," sagte er etwas steif. „Aber vielleicht ist es dann nicht mehr dein Wunsch, von deinem Vater in die Arme geschlossen zu werden," fügte er hinzu und spürte schon wieder eine Welle Eifersucht in sich hoch steigen, wenn er daran dachte, dass das dann wohl bald andere männliche Wesen an seiner Stelle tun würden.
Und es war auch etwas Traurigkeit, wenn er sich vorstellte, dass der Tag kommen könnte, wo sie sich distanzieren würde...
Er wusste nicht, wie sich heranwachsende Töchter ihren Vätern gegenüber verhielten. Er selber hatte keine nahe körperliche Beziehung zu seinen Eltern gehabt.
„Nein!" protestierte Laura bestimmt. „Niemals! Du bist doch mein Dad und das bist du doch auch noch, wenn ich eine Frau bin und du alt bist, " sagte sie.
Also so etwa in zehn Jahren! dachte er amüsiert, hob aber nur eine Augenbraue.
„Ich meine, du könntest doch theoretisch deinen Dad auch umarmen, oder nicht?" stellte sie sachlich fest.
Könnte ich, dachte Snape und brummelte nur.
Das Thema war nicht mehr ganz so brenzlig, wie noch vor ein paar Monaten für Severus. Er brauchte einfach Zeit, um den Mann wieder etwas näher an sich ran lassen zu können. Und dieser schien das zu akzeptieren, worüber Severus froh war.
Laura hatte in den Ferien einen ganzen Sonntag mit dem Mann verbracht, was schon seltsam gewesen war, für Snape junior.
Aber sein Vater hatte sich anscheinend gut um sein Kind gekümmert und sie auch nicht zu sehr verwöhnt gehabt, was ihn dann beruhigt hatte.
Nur schade, dass er sich damals nicht um ihn gekümmert hatte, dachte Snape bitter.
„Dad? Machen diese Carismanen-Dinger auch, dass man Sachen sieht, die nicht da sind?" fragte sie und zog dabei ihren Fuß an, in den sie der Carismale gestern gebissen hatte.
Der Blick ihres Vaters folgte der Bewegung und er überlegte einen Moment. Laura hatte nach dem Biss immer wieder das Gefühl gehabt, sie habe mehr als fünf Finger an einer Hand. Und als sie auf dem Sofa gelegen hatte, hatte sie Amélie in Snapes Arm sitzen sehen. Das war ihr gerade vorhin wieder in den Sinn gekommen. Sie hoffte, dass das eine Halluzination gewesen war.
„Man sieht Dinge vielleicht doppelt oder verschwommen," sagte er. Dann nahm er Lauras Fuß und begutachtet die Fußsohle.
„Ich glaube aber kaum, dass man Dinge sieht, die überhaupt nicht da sind. Wieso?" wollte er wissen und sah von Lauras Fuß in ihr Gesicht.
Sie zuckte nur die Schultern und er sah, dass sie einen ziemlich bösen Blick hatte. Er dachte, dass dieser dem bissigen Tier galt, das sich gestern in ihr verbissen hatte.
Er wusste nicht, dass Laura sich krampfhaft versuchte, besser zu erinnern. Lief da vielleicht wirklich was, zwischen ihrem Dad und Amélie?
Als hätte sie einen Carismalen verschluckt, der sich nun an ihren Eingeweiden gütlich tat, fühlte sich ihr Inneres an.
Sie war ziemlich sicher, dass ihr Vater den Arm um die Frau gelegt hatte und diese sich an ihren Dad gelehnt hatte. Oder hatte sie das geträumt?
Severus lies Lauras Fuß wieder los. Die Wunde war schön verheilt.
„Gibt es eigentlich auch Anti-Liebestränke, Dad? Damit sich Leute nicht verlieben?"
Snape war über diese Frage sichtlich überrascht. Er fragte sich, auf was genau Laura raus wollte. Wen wollte sie davon abhalten, sich zu verlieben?
Er sah sie streng an. „Ich weiß nicht, was du vor hast, junge Dame, aber ich möchte dich an dein Erlebnis mit dem Liebestrank erinnern. Seine Folgen und das, was hätte passieren können." Er sah sie lange und vielsagend an. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie daran dachte, wie viel Ärger sie sich damals eingehandelt hatte. Sie würde wohl ihren Plan ganz schnell wieder über Bord werfen. War eindeutig gesünder, dachte sie und nickte.
„Es gibt illegale Tränke, die in etwa dies bewirken," fuhr er fort, ohne den strengen Blick auch nur einen Moment von ihr zu nehmen. „Illegal! Das heißt: nicht zulässig. Und das hat seine Gründe, Laura. Bei solchen Dingen darf man sich nicht mit Zaubertränken einmischen." Er sah sie immer noch so intensiv an und fügte dann langsam hinzu. „Ich hoffe, das ist dir absolut klar!"
Laura nickte schnell und wünschte sich, ihr Dad würde sie nicht so ernst ansehen. Sie grub ihre Hände wieder unter die Oberschenkel. „Ja, Dad," hauchte sie und verzichtete darauf, ihm vorzuschwindeln, dass sie es nur aus reiner Neugierde hatte wissen wollen.
S s s s s s
Remus saß in seinem Sessel und genoss den heißen Tee. Er las im Tagespropheten. Er genoss die Ruhe.
Der Tag im St. Mungos war interessant aber auch anstrengend gewesen. Er hatte etwas kleines zu Abend gegessen und dann zwei Briefe geschrieben. Einen an Harry und einen an Laura. Die Kinder hatten ihm vor einer Woche geschrieben und er hatte die Briefe und Lauras Zeichnung jeden Tag angesehen.
Sein Tagesablauf hatte sich drastisch geändert. Früher hatte ihn diese Ruhe fast erdrückt. Heute war sie Entspannung. Es befriedigte ihn so sehr, sich um Harry kümmern zu können, obwohl es zugegebenermaßen nicht immer einfach war. Vor allem, wenn er selber nicht bei dem Jungen war, und nur von ihm hörte und auch von seinen Aktionen, die nicht immer ungefährlich waren. Und er vermisste ihn und auch Laura.
Er nahm einen Schluck Tee und dachte an einen Patienten, der sein Leben als nicht mehr Lebenswert erachtet hatte, da er sein Bein durch falsche Behandlung, oder eben zu späte Behandlung einer Krankheit verloren hatte. Der Mann würde lernen müssen, dass das Leben auch so lebenswert war.
„Remus, hast du kurz Zeit?" hörte er plötzlich vom Kamin her Severus' Stimme. Er drehte erfreut den Kopf, und hoffte sofort, dass nichts mit Harry passiert war. Und dass dieser nicht schon wieder etwas angestellt hatte.
„Natürlich, komm nur durch," sagte er. Es kam sehr selten vor, dass der Tränkemeister ihn besuchte.
Selten bis nie.
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„Hmm..." machte Remus nachdenklich. „Das ist schon recht interessant."
Snape wollte Remus auf dem Boden der Realität behalten und bemerkte: "Es könnte ja auch gut sein, dass es ein normaler Traum ist. Dass sie ihn zum wiederholten Male träumt, weil es sie beschäftigt."
Remus sah sehr nachdenklich aus. Er dachte, dass es wohl ziemlich schwierig war, Träume, die eine Bedeutung hatten, von normalen Träumen oder Albträumen zu unterscheiden. Vor allem für Kinder. Er konnte sich gut erinnern, dass er häufig schlimme Träume gehabt hatte, vor allem als Teenager, die ihm sehr realistisch erschienen waren und ihn verängstigt hatten.
„Das wird schwierig sein, heraus zu finden. Vielleicht träumt sie ja noch mehr und die Träume werden konkreter," sagte er und wischte sich eine hellbraune Strähne aus den Augen.
Remus überlegte einen Moment. „Existieren denn Bilder, von deinen weiblichen Vorfahren?" wollte er wissen.
„Ich werde mal suchen," antwortete Snape, womit das Thema fürs erste beendet war. Auf dem Dachboden hatte er keine Bilder oder Fotographien entdeckt, aber er hatte irgendwo mal solche Bilder gesehen, erinnerte er sich.
„Bei Gelegenheit werde ich mal das Gelände um das Haus absuchen, ob irgendwo tatsächlich ein Steinkreis ist, wie auf dem Stein im Schacht gestanden hat. Natürlich könnte dieser im Umkreis von mehreren Kilometern liegen."
„Hat nun eigentlich jemand etwas heraus gefunden, über die Sache mit dem gestohlenen Zaubertrankfläschchen, das in Lauras Tasche gefunden worden ist?" fragte Remus.
Also hatte Harry es Remus erzählt, dachte Snape. „Nein, seltsamerweise nicht," sagte er nachdenklich.
Severus wusste nicht recht, wie er das nächste Thema, das er mit Remus besprechen wollte beginnen sollte. Er redete nie mit jemandem über solche Angelegenheiten. Er räusperte sich und sagte so beiläufig als möglich: "Ich frage mich in letzter Zeit... wie das wohl ist... mit Frauen." Er ärgerte sich über seine einfältige Ausdrucksweise. „Was ich sagen will ist, ich frage mich, ob ich wohl jemals wieder etwas mit einer Frau haben kann, etwas ernstes, meine ich. Bei meiner Vergangenheit, wird das bestimmt schwierig. Es gibt Dinge, die ich nicht für mich behalten kann auf Dauer..." Severus kam sich vor wie ein Teenager. Wieso fiel es ihm so unglaublich schwer über solche Dinge zu reden?
Remus wusste aber sehr genau, was sein Freund meinte. Das mit der Vergangenheit und er wusste auch, dass es um eine gewisse junge Französin ging. Er verstand gut, dass Severus sich Gedanken über seine Todesservergangenheit machte. Er selber kannte das Problem gut genug. Denn, wer wollte schon etwas mit einem Werwolf zu tun haben. Severus war ein gebranntes Kind. Oder zumindest ein tätowiertes. Das dunkle Mal war etwas, dass er sein Leben lang nicht los werden würde, genau so wenig, wie es für ihn selber Heilung von seinem Werwolf-Dasein gab.
„Das kommt auf die Frau an, denke ich. Natürlich gibt es keine andere Möglichkeit, als der Frau alles zu erklären. Es zu verheimlichen ist unmöglich. Mit Ehrlichkeit sind die Chancen bestimmt nicht so schlecht."
Remus hatte keinen anderen Rat und er fühlte sich etwas hilflos. Er wusste, wie viel Überwindung es den Zaubertrankmeister kostete, darüber zu reden. Es musste ein Thema sein, das ihn sehr beschäftigte, sonst hätte er sich nicht überwunden.
Aber was sollte er ihm schon anderes raten? Bei ihm hatte es bis jetzt mit Ehrlichkeit immer am besten funktioniert. Alles andere weckte nur Misstrauen. Es freute ihn, dass sich Severus scheinbar sehr für Amélie interessierte. Sich in sie verliebt hatte, wie es aussah.
Und dass er ihn um Rat fragte, bestätigte ihm mehr als alles andere, wie gut befreundet sie in der Zwischenzeit waren. Es freute ihn sehr und er wünschte Severus, dass er das mit Amélie klären konnte. Er verdiente die Liebe der jungen Frau.
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Wieso er dieses, mit unangenehmen Erinnerungen gefüllte Haus nicht schon lange verkauft hatte, wusste Severus nicht.
Wahrscheinlich, weil auch noch Erinnerungen an die Zeit mit Lily daran hingen, dachte Severus, als er die Tür zu seinem Haus in Spinner's End aufschloss. Nun war sein Denken von einer anderen Frau erfüllt, egal wie sehr er sich dagegen wehrte. Er sah sich um.
Jetzt würde er die Sache in die Hand nehmen und sich des Hauses entledigen. Er hatte kein Bedürfnis, jemals hier wohnhaft zu werden. Er würde alles Gerümpel raus werfen und es verkaufen, so schnell wie möglich.
Man merkte, dass hier seit Jahren niemand mehr drin gewesen war. Es roch etwa so, wie der Dachboden, den er vor ein paar Tagen ausgemistet hatte. Nur vielleicht noch leicht nach Schimmel.
Mit Magie wäre das Haus schnell auf Vordermann gebracht und er würde keinen hohen Preis dafür verlangen, damit er es schnell los sein würde.
Er ging in den oberen Stock. Er wollte die Erinnerungen an die Angst erfüllten Tage nicht zulassen. Wie würde sich wohl sein Vater fühlen, wenn er das alte Familienzuhause betreten würde? Wahrscheinlich noch elender, als er selber, musste er ehrlicherweise zugeben. Severus wusste, wie sich Schuldgefühle anfühlten und er war sich sicher, dass Tobias es bereute und Schuld empfand.
Er sah den Schrank, der in seinem früheren Kinderzimmer stand, unter dem er sich oft versteckt hatte, wenn es kritisch geworden war. Er konnte sich an die Stimmen seiner Eltern erinnern, wenn sie gestritten hatten. Er konnte sich erinnern, dass er sich als Feigling gefühlt hatte, wenn er unter dem Schrank zusammengekauert gewartet und sich die Ohren zugehalten hatte. Er hatte sich geschämt, dass er seine Mum einfach alleine gelassen hatte, mit dem betrunkenen Vater.
Severus spürte, dass er raus wollte, aus diesem Haus. Er ging an den Schrank und öffnete ihn. Er fand sofort, wonach er suchte und verließ beinahe fluchtartig das Haus, da ihm die Luft knapp wurde.
Er wollte nichts behalten. Keine Möbel, kein Bild, das an den Wänden hing und ihm die Geschichte einer unglücklichen Kindheit erzählte. Nur die Schachtel, die er unter dem Arm hatte.
Erleichtert setzte er sich in seinen Räumen in Hogwarts an den Tisch. Er atmete ein paarmal tief ein und aus. Dann öffnete er den Deckel der staubigen Kartonschachtel, die noch nach dem Haus in Spinners End roch.
Alle Bilder und Fotos nahm er raus und legte sie auf den Tisch. Dann stand er auf und warf die Schachtel ins Feuer, welches diese Nahrung nicht verschmähte.
Muggel- und auch Zaubererfotos, die sich bewegten, lagen auf dem Tisch. Neuere und ältere in schwarz/weiß.
Laura hatte die Frau in ihrem Traum beschrieben. Vielleicht fand er sogar ein Foto, auf dem jemand das Kleid aus Lauras Traum trug.
Schwarze Haare hatten beinahe alle seiner Vorfahrinnen. Leider trug keine dieses Kleid auf den Fotos.
Wenn er wirklich herausfinden wollte, ob an dem Traum etwas dran war, dann durfte er Laura nicht direkt nach der Frau in ihrem Traum fragen und ihr die Fotos unter die Nase halten, er musste es unauffällig rausfinden.
Einige Minuten später erwischte es sich selbst, wie er auf abwesend auf ein Foto starrte, es aber gar nicht sah. Seine Gedanken hingen bei Amélie und an der Erinnerung an ihren Kuß. Wie gut sie sich angefühlt hatte! Es zog ihn so stark zu der Frau, dass es ihm Angst machte. War das noch normal? War da ein Zauber im Spiel?
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„Ich war noch nie auf einer Geisterparty," sagte Laura interessiert. Hermine tönte auch sehr begeistert und war bereit, Halloween dafür sausen zu lassen.
Laura, die Emmas Anhänglichkeit immer weniger ertrug, wollte dieser nichts von der Todestagsfeier von Sir Nicholas erzählen, aber sie wusste, dass die Freundin dann totbeleidigt sein würde.
Harry hatte den Freunden erzählt, dass er am Abend zuvor in Filchs Büro gelandet sei, weil er ganz schlammig vom Quidditchtraining zurück gekommen sei.
Wegen des schlechten Wetters, hatten die Kinder auf ihr übliches Training unter Freunden verzichtet, diese Woche, aber Wood dachte natürlich nicht im Traum daran, das offizielle Training abzusagen und deshalb war Harry halb aufgeweicht durchs Schloss gewatet. Er hatte keine Lust gehabt, sich in der Umkleidekabine auszuziehen. Seine Finger waren ganz klamm gewesen, von der Kälte und dem Regen.
„War es eigentlich schön zuhause?" fragte Hermine plötzlich an Laura gewandt.
Die Kinder waren gerade vom Abendessen in den Gemeinschaftsraum zurück gekehrt. Laura war kurz vorher von Zuhause zurück gekommen ins Schloss.
„Ja, ich muss euch nachher etwas erzählen," sagte sie halb flüsternd und geheimnisvoll. „Und mein Dad geht übrigens noch schnell zu Remus," sagte sie zu Harry. „Er kommt nächste Woche zu meinem Dad und möchte dich dann auch sehen. Dad hat gesagt, dass du dann auch kommen darfst um ihm Hallo zu sagen."
Harry freute sich sichtlich. Er vermisste den Mann, zu dem er ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut hatte.
„Nun erzählt schon!" drängte Ron.
Laura erzählte den staunenden Freunden von den beißenden Carismalen und natürlich von dem Kleid, das sie auf den Dachboden gefunden hatte. Die Kinder hatten sich in einem engen Kreis auf den Boden gesetzt.
„Buoa," sagte Ron ungläubig. „Vielleicht bist du ja Hellseherin oder so," vermutete er bewundernd.
Laura rümpfte die Nase. Hermine war mit ihren Gedanken natürlich schon in der Bibliothek und überlegte, in welchem Buch man über solche Dinge etwas heraus fand. Sie hatte sich schon informiert, aber über bereits geschehene Ereignisse, von denen man nicht wusste, ob sie tatsächlich geschehen waren, hatte nichts in den Büchern gestanden.
„Es muss also ein Traum aus der Vergangenheit sein," sagte sie nachdenklich. „Und jemand aus deiner Familie. Sonst würde wohl nicht dieses Kleid auf eurem Dachboden sein. Außer, wenn das Haus vorher jemand anderem gehört hatte und das Kleid dem vorherigen Besitzer gehörte. Vielleicht liegt ein Fluch auf dem Haus, oder so," ließ Hermine ihrer Phantasie freien Lauf.
„Das tönt ziemlich gruselig," sagte Laura und kräuselte die Nase.
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„Ich verhungere demnächst!" jammerte Ron, als sie die Treppen hoch stiegen und ihnen der Duft von den köstlichsten und nicht im geringsten verdorbenen Speisen in die Nase stieg.
Emma machte schon lange einen sauren Kopf und es nervte sie, dass sie das schöne Halloweenfest verpasst hatten.
Nur Hermine schien diese Erfahrung mit Sir Nicholas' Todestagsfeier so wichtig zu sein, dass sie dem herrlichen Essen, das es ganz sicher in der großen Halle gegeben hatte, nicht nachtrauerte. Das war speziell gewesen, all diese verstorbenen Menschen umherschwirren zu sehen und sehnsüchtig auf das dahinfaulende, verdorbene Essen zu starren und mit offenen Mündern hindurch zu schweben.
„Vielleicht reichts noch fürs Dessert," sagte Laura zweifelnd. „Muss schon schlimm sein, wenn man als Geist all die leckeren Dinge sieht, und nie was davon essen kann."
„War echt eklig," gab Harry seine Meinung zu dem Geistermahl.
„Wisst ihr noch, letztes Jahr, das mit dem Troll?" fragte Laura auf einmal. Das war ein echt gruseliges Erlebnis gewesen und hatte ihr ziemlichen Ärger mit ihrem Dad eingebracht.
„Ja, da hatten wir echt Glück," sagte Ron. Laura sah ihn an. Ja, er war ja auch nicht über den Knien von Snape gelandet, dafür. Im Gegenteil. McGonagall hatte sogar noch Punkte verteilt, dachte sie grimmig.
Harry nickte nachdenklich.
Plötzlich erstarrte er. „Hört ihr das?" fragte er aufgeregt und blieb stehen. „Da!" sagte er und die anderen hielten an und horchten. Doch außer irgend einem Rauschen oder Zischen, welches wahrscheinlich aus irgendwelchen Abflussrohren stammte, und den gedämpften Stimmen aus dem großen Saal hörten sie nichts.
„Was?" fragte Laura und horchte noch angestrengter.
Harry rannte die Treppe hinauf. „Es bewegt sich!" rief er und rannte einen Gang entlang. Erschrocken blieb er stehen, als er eine blutige Schrift auf der Wand sah. Er merkte kaum, dass er in knöchelhohem Wasser stand.
Als die anderen ihn keuchend eingeholt hatten, blieben sie auch wie angewurzelt stehen.
„Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet, Feinde des Erben nehmt euch in Acht..." las Hermine und sah die anderen erschrocken an.
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„Du musst es Remus erzählen," drängte Laura, als sie mit Harry alleine zum Quidditchfeld ging.
Harry sah sie verzweifelt an. „Der denkt doch, ich hätte eine Schraube locker," sagte er. „Du hast gehört, was Ron und Hermine gesagt haben. Stimmen zu hören, ist auch für einen Zauberer nichts Gutes."
Laura zuckte die Schultern. „Na und?" fragte sie. „Du hörst sie, oder? Ich könnte ja auch eine Schraube locker haben, wenn ich von irgendwelchen sonderbaren Dingen träume und dann auch noch Kleider finde, die darin vorkommen. Vielleicht spinne ich ja auch und bilde mir das nur ein. Deshalb hat mich mein Dad trotzdem lieb und er hat mich auch nicht ausgelacht oder so."
Harry sah sie zweifelnd an. „Sags ihm Harry. Du kennst Remus. Er würde dich niemals für geistesgestört halten."
Zögernd nickte Harry. „O. K. Ich sag's ihm ," sagte er leise und nicht sehr überzeugt. Hermine hatte ihm davon abgeraten, es jemandem zu erzählen. Und Hermine hatte meistens recht.
Das war schon alles sehr seltsam. Nur Harry hatte die Stimme gehört, die sie genau zu der versteinerten Miss Norris geführt hatte. Auch wenn sie die Katze nicht mochten, war das doch ein grusliger Anblick gewesen, wie das Tier so steif an einer Fackelhalterung gehangen hatte. Und sie waren auch froh, dass sie nur versteinert war.
„He, Hagrid?" rief Laura erfreut, als sie den großen Freund Richtung Wald schlurpen sah. Er winkte zurück, mit einem toten Hahn in der riesigen Hand.
„Wäh!" sagte Laura. „Was machst du mit dem armen Tier?" fragte sie skeptisch.
Hagrid fuchtelte mit dem toten Tier in der Luft rum, dass die Federn nur so flogen. „Irgend jemand tötet immer meine Hähne. Aber fressen tut er sie nicht. Das ist so sonderbar und ich kenne wirklich kein Tier, das sowas macht," schimpfte er böse.
Laura und Harry sahen sich erstaunt an. Wenn es keine Tier war, musste es wohl ein Mensch sein.
Aber wer konnte bloß was gegen Hagrids Hähne haben? War es dieselbe Person, die Miss Norris versteinert hatte? Ein Tierhasser?
Und woher war all das Blut gekommen, mit dem an die Wand geschrieben worden war? Das war ziemlich unheimlich, das alles.
„Weißt du noch, Dobbys Warnung?" fragte Laura und Harry nickte mit ungutem Gefühl.
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„Was hat dich gebissen?" fragte Audrey, Amélies Freundin, als die jungen Frauen zusammen in einem Straßen-Kaffee saßen, in der Impasse-Penché, einer Zaubererstrasse in Frankreich.
„Ein Carismal. Die haben wir in der Schule auch mal durch genommen," sagte Amélie in gespielt tadelndem Ton.
Amélie erzählte ihr das Missgeschick mit dem bissigen Wassertier und Audrey musste laut lachen.
„Severus Snape," sagte sie dann und Amélie sah, dass sie Freundin am grübeln war. „Irgendwo hab ich den Namen schon mal gehört."
Audrey lächelte verschmitzt und musterte Amélie. „Sag mal, kann es sein, dass dir dieser Mann den Kopf verdreht hat?" fragte sie und Amélie wurde etwas rot.
Obwohl sie mit der Freundin über alles reden konnte, hatte sie etwas Mühe, das zu zugeben. „Es ist seltsam," begann Amélie leise.
„Eigentlich ist er gar nicht der Typ Mann, auf den ich normalerweise stehe. Aber er hat so eine Anziehung auf mich. Er ist so geheimnisvoll und so... anders,"
Audrey lachte. „Vielleicht gibt er sich auch nur so geheimnisvoll. Und er hat ein Kind, sagst du?" fragte Audrey und tönte nicht sehr begeistert von dieser Tatsache.
„Ja, hat er," sagte Amélie leicht gekränkt über Audreys Worte. „Er hat eine Tochter. Ein sehr liebes Mädchen."
Audrey spürte, dass sie wohl etwas unsensibel reagiert hatte und fragte: "Wie sieht er denn aus, dein Severus Snape?" fragte sie und war wirklich interessiert. Amélie hatte wohl nicht so das richtige Händchen, was Männer betraf. Wie viele Male sie die Freundin schon hatte trösten müssen und über Liebeskummer hinweg helfen, wusste sie nicht mehr. Zu viele Male.
Amélie atmete tief ein und wieder aus. „Hmm... also mein Severus Snape ist er ja erstmal nicht," fing sie an und trank ihr Glas mit einem Zug leer. Eine ziemlich gefrustete Geste, fand Audrey und musste ein Grinsen unterdrücken.
„Er ist gross und schlank und... dunkel... ja ziemlich dunkel," sagte sie dann nachdenklich. „Er hat schwarzes Haar und noch dunklere Augen. Irgendwie ein wenig wie ein Vampir," sagte sie lächelnd.
„Uoh," machte Audrey. „Was, wenn er wirklich einer ist und dir nachts das Blut aussaugt?" Sie sah ihre Freundin mit großen erschreckten Augen verängstigt an.
Amélie gab ihr lachend einen Klaps auf den Arm, woraufhin die Freundin auch lachte.
Schon wieder kroch das kribbelige Gefühl in ihren Bauch, das sie immer hatte, wenn sie an Severus dachte.
Immer wieder hatte sie die Begebenheit bei Snape Zuhause durchgedacht. Sie schämte sich gar nicht so sehr, wie sie erst befürchtet hatte. Sie beruhigte sich immer selbst mit der Tatsache, dass sie ja entschuldigt war, für ihr Verhalten. Immer wieder dachte sie an den Kuss, den sie ihm spontan auf die Lippen gepflanzt hatte und immer wieder flatterten ihr dabei Schmetterlinge durch den Bauch.
Fast war sie diesem verflixten Carismal noch dankbar. Sonst wüsste sie jetzt nicht, wie Snapes Lippen sich anfühlten. Und auch nicht, wie unheimlich geborgen man sich in seinen Armen fühlte. Diese heutige Erfahrung wollte sie um nichts in der Welt missen.
Sie hätte die Situation vielleicht doch noch etwas mehr ausnutzen sollen. Denn wann ergab sich wieder die Gelegenheit?
Wenn Snape doch blos nicht so unergründlich wäre... aber dann wäre es wohl nicht Snape!
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Laura wusste, dass das ein Albtraum war. Obwohl sie das wusste, hatte sie Angst. Aufwachen, Laura, dachte sie. Das vielarmige Monster kam näher und sie steckte in einem Sumpf fest.
Sie atmete schnell und versuchte ihre Beine aus dem Sumpf zu befreien- und schlug die Augen auf. Sie blinzelte und war erleichtert, dass sie hatte aufwachen können. Sie bewegte ihre Beine, die sich nun so herrlich frei bewegen konnten. Was für ein doofer Traum, dachte sie.
Laura schlüpfte aus dem Bett. Der Boden war recht kühlt unter ihren nackten Füßen. Sie hörte, wie Emma im Bett neben ihrem sich drehte, tief einatmete und schmatzte. Laura hielt sich die Nase zu, um nicht laut zu lachen. Die träumte wohl gerade von einem Schokoladenkuchen, dachte sie.
Leise huschte sie zu Emmas Bett und schob den Vorhang bei Seite. Könnte ja sein, dass sie wach war und ein paar Schokofrösche vernichtete. Aber das Mädchen schlief tief und fest. Die Wange ans Kissen gepresst und den Mund halb offen lag sie da und atmete tief. Laura besah sie sich einen Moment länger und hielt sich immer noch die Nase zu, da Emma ziemlich lustig aussah und es recht schwierig war, das Lachen zu unterdrücken.
Laura tapste zum Fenster und sah in die Nacht hinaus. Sie setzte sich auf den Fenstersims. Das war eine wunderschöne Nacht, dachte Laura bewundernd. So geheimnisvoll. Es gab Nebelschwaden und der Mond schien fast voll. Laura musste an Remus denken. Der könnte wohl am Quidditchspiel übermorgen nicht dabei sein, dachte sie bedauernd. Der hätte bestimmt gerne zugesehen, wenn Harry spielte. Und Harry wäre bestimmt auch enttäuscht.
Sie sah zum verbotenen Wald hinüber, wo plötzlich einige Nachtvögel oder Fledermäuse rum flatterten.
Laura wollte den dummen Traum vergessen und sich auf andere Gedanken bringen.
Ihren anderen Traum, den Spezialtraum von dem Steinkreis, hatte sie nun schon lange nicht mehr geträumt. Obwohl sie der Traum immer wieder aufwühlte und beängstigte, war sie neugierig, wie es weiter ging. Sie wollte auch nochmals das Kleid sehen, um sicher zu sein, ob es auch wirklich ganz sicher das vom Dachboden war.
Sie wollte auch wissen, was sonst noch geschehen würde. Viele Male hatte sie sich gefragt, ob das eine reale Begebenheit war. Hermine hatte viele Vermutungen angestellt, aber seit Laura das Kleid gefunden hatte, dachte sie, dass es wohl nichts in der Zukunft sein konnte. Es musste eher etwas aus der Vergangenheit sein. Aber wie konnte sie etwas träumen, das sie gar nicht erlebt hatte.
Sie wusste, dass ihr ich im Traum nicht sie selber war. Sie hatte es gemerkt, als sie sich übers Gesicht gefahren war, mit der Hand. Und ausserdem war ja die strenge Frau ihre Mutter und die war komplett anders als Lauras Mum gewesen war.
Plötzlich kniff Laura die Augen zusammen. Was war denn das Seltsames? dachte das Mädchen und hielt das Gesicht näher zum Fenster.
Ein skelettartiges Pferd mit Flügeln flog über den Bäumen des verbotenen Waldes herum. Träumte sie wohl immer noch, oder gab es solche Dinger wirklich?
Von ihrem Atem beschlug es die Scheibe und plötzlich hörte sie eine Bewegung hinter sich.
„Was machst du da?" flüsterte Hermine und trat auf Laura zu.
„Komm, sieh dir das an!" sagte Laura, etwas zu laut für Hermines Empfinden und winkte sie aufgeregt näher.
„Sieh dort! Siehst du?" fragte sie und deutete zu dem fliegenden Haut-und-Knochen-Pegasus. „Hässlich, nicht wahr?" Sie hatte schöne Bilder von weißen Pegasus und Einhörnern gesehen, die mit diesem klapperdürren Knochengestell ziemlich wenig zu tun hatten.
Hermine sah angestrengt nach draußen in die recht helle Nacht. „Wo?" fragte sie ungeduldig.
„Dort!" deutete Laura ebenso ungeduldig. Hermine hatte doch wohl keine Tomaten auf den Augen, oder? Sie sah die Freundin an, die immer noch suchend umher sah.
„Bist du blind?" fragte sie erstaunt. „Da! Das Drachen-Pferd-Ding da, das dünne!"
Hermine kniff etwas die Augen zusammen. „Willst du mich veralbern?" fragte sie eingeschnappt und sah Laura streng an.
Lauras schwarze Augen verengten sich und sie erinnerten Hermine ziemlich an ihren Zaubertranklehrer.
„Siehst du das jetzt wirklich nicht?" fragte Laura unsicher. „Ich meine, die Viecher sind nicht gerade klein, weißt du!"
Nochmals sah Hermine aus dem Fenster und sah Laura zweifelnd an. „Du bist schon wach, oder? Bist du Schlafwandlerin?"
„Natürlich nicht!" fauchte Laura. Langsam wurde ihr die Sache unheimlich. „Dort über dem verbotenen Wald fliegt ein Tier. Es sieht aus wie ein ausgehungertes Pferd mit Flügeln. Hat vielleicht auch etwas von einem Drachen," erklärte Laura. „Hermine, du machst mir Angst," fügte sie verunsichert hinzu. Wieso konnte die Freundin das nicht sehen? Das war doch keine Fatamorgana oder so?
„Ich finde das auch unheimlich," gestand Hermine. „Erst hört Harry eine Stimme, die niemand außer ihm hört, dann siehst du Skelettpferde, die niemand außer dir sieht."
Laura sah aus dem Fenster. Das seltsame Geschöpf war verschwunden.
„Und dann noch dein Traum," sagte Hermine. „Hast du ihn wieder geträumt? Bist du deshalb wach?" fragte sie und setzte sich zu Laura auf den Fenstersims.
Diese war froh, dass Hermine sie nicht irgendwie abartig ansah, nach dem eigenartigen Erlebnis und schüttelte den Kopf.
„Ich hab ihn schon länger nicht mehr geträumt. Wieso bist du wach?" fragte sie. „Hast du vielleicht etwas gerochen, das nur du riechst?" sagte sie und lächelte spitzbübisch. „Schokoladenkuchen, zum Beispiel?" fragte sie und dachte sehnsüchtig an feinen, frisch gebackenen Kuchen, von dem Emma vielleicht geträumt hatte.
Hermine lächelte auch. „Ich habe nicht schlafen können und habe den Fragebogen von Lockhart ausgefüllt," sagte sie und bekam einen verträumten Blick.
Laura verdrehte die Augen, sagte aber nichts.
Eine Minute saßen sie schweigend da.
Das Tier erschien nicht mehr aus dem Wald. Aber scheinbar hatte es nochmals ein paar Nachtvögel aufgescheucht, die in einer Schar aus dem Wald hoch stieben.
„Ob das derselbe Steinkreis ist, wo scheinbar der Geheimgang des Schachtes hin führt," überlegte Hermine. „Wenn ja, müsste ja irgendwo dieser Steinkreis sein, wenns ihn noch gibt."
Laura zog die Beine an und umfasste sie mit den Armen. Ihre Füße waren eisig." Das hab ich mir auch schon überlegt," sagte sie. „Ich muss meinen Dad fragen, ob er ihn mit mir sucht. Allein darf ich sowas nicht unternehmen, sonst tickt Dad aus."
Hermine lächelte. „Ich frag mich auch, wer wohl Filchs Katze versteinert hat," wechselte sie das Thema. „War das nur eine Warnung? Werden es bald Kinder sein? Muggelkinder, die versteinert, oder sogar getötet werden?"
Laura starrte nachdenklich auf ihre Knie und kratzte eine Blutkruste auf. „Ob Malfoy dahinter steckt? Der hat so zufrieden gelächelt und es hat ihn überhaupt nicht geschockt, als er das mit Miss Norris und dem Blut gesehen hat. Ich stand ihm genau gegenüber und hab gesehen, was für ein Gesicht der gemacht hat."
Ein Tropfen Blut rann Laura nun das Schienbein hinunter, da sie die kleine Wunde ganz aufgekratzt hatte.
„Lass das doch!" schimpfte Hermine, als Laura das Blut mit dem Zeigefinger auf dem Schienbein verstrich. „Weiß nicht, aber wir müssen es eben raus finden. Vielleicht weiß er ja wirklich etwas."
„Und wie willst du das tun?" fragte Laura neugierig. "Der sagt bestimmt ausgerechnet dir, was er weiß."
Hermine machte ein ernstes Gesicht, denn was sie vor hatte, war verboten. Mehr als verboten! Sie holte tief Luft. "Ich habe da an einen Zaubertrank gedacht."
TBC...
Bitte ein Review hinterlassen, für die arme Sally, die nicht ins Kino kann...*schnief*
