Hallo Ihr lieben Leser, ich wünsche euch allen ein wunderschönes, glückliches und lesefreudiges Jahr 2011!

Danke scientific ida fürs Betalesen :-D

Phoebe: Danke vielmals für dein superliebes Review, freut mich sehr. Glaube aber kaum, dass ich doch noch weiter schreiben werde, sorry, also geniesse einfach dieses Schuljahr von Laura und ihren Freunden. Hoffe es gefällt dir auch weiterhin ;-)

Engelsvieh: Hihihi, ja, Laura besitzt ein Talent, Snape mit unangenehmen Fragen zu löchern ;-D Armer Kerl ;-P . Edward hat seinen französischen Akzent nicht verloren, allerdings unterhält er sich mit Amélie ja auf Französisch (Akzentfrei) Da ich euch ihre Unterhaltungen aber nicht auf Französisch zumuten möchte , schreibe ich diese einfach Akzentfrei;-D Vielen Dank für dein Review!

Liebe Grüsse, Sally

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Ich hoffe nur, dem Erben gelingt es, die Schule von all den dreckigen Schlammblütern zu reinigen. Die Granger zuerst, wenn ich bitten darf! So eine neunmalkluge Ziege," spottete Malfoy und Ron ballte seine fette Goyle-Faust. Klar konnte man das mit dem neunmalklug nicht völlig abstreiten, aber das aus dem Mund dieses aufgeblasenen, geleckten Kerl zu hören, fanden die beiden Jungen unerhört.

„Sag mal, was hast du denn die ganze Zeit?" fragte Draco skeptisch. Das kam ihm schon seltsam vor, wie seine Freunde reagierten. Für seine Lüge, die kleine Smethurst fertig gemacht zu haben, hatte er gar keine anerkennenden Blicke bekommen wie sonst.

Er sah kurz zum Eingang, der sich geöffnet hatte, aber es waren nur ein paar Schüler, die offenbar den Unterricht aus hatten.

„Was hat dir Snape gegeben?" fragte Ron zur Ablenkung. Malfoy schien einen Moment abzuwägen, ob er das dem Jungen sagen sollte.

„Das ist der neue Plan. Ich finde es erniedrigend, dass er uns arbeiten lässt! Wofür gibt es denn Hauselfen?" meinte er mit verächtlichem Gesichtsausdruck.

„Mal sehen, was ich nächste Woche tun muss. Puh! Nur Weckdienst. Du hast Stuhldienst im Gemeinschaftsraum... und du hast Feuerstelle, Crabbe,"

Fred bemerkte den kleinen Slytherin zu spät, der - in sein Heft vertieft - nah neben ihnen entlang ging. Der Junge stolperte und fiel flach auf den Boden. Seine Nase auf dem Aufgabenheft blieb er einen kleinen Moment liegen, bevor er sich mit peinlichem Blick umsah, ob jemand die Blamage gesehen hatte.

Er sah sich suchend um, warum er denn gestürzt war und rappelte sich wieder auf.

„Zu dumm zum Gehen, Slutter?" fragte Malfoys höhnische Stimme.

Erst jetzt fiel Laura auf, dass sie sonst noch nie gehört hatte, dass Slytherins sich gegenseitig ärgerten. Vielleicht taten sie das nur, wenn niemand anderes es hören konnte. Sie wusste, wie sehr ihr Vater es missbilligte, wenn man sich ungesittet benahm. Wahrscheinlich hatte er ihnen das eingetrichtert. Der Zusammenhalt schien im Haus Slytherin immer sehr groß zu sein. Wie es allerdings in den privaten Räumen der Fall war, konnte man als Außenstehender natürlich nicht wissen.

Laura war sehr froh, dass sie nicht aufgefallen waren. Das wäre ihr Ende gewesen, dachte sie.

Sie hatten in den letzten zwei Minuten gar nichts von dem Gespräch zwischen Malfoy und ihren Freunden mitbekommen, was sie sehr bedauerte, denn gerade sah Ron-Goyle ziemlich rot aus.

Ja, ziemlich rot, in der Tat! dachte Laura geschockt. Rons Haare fingen schon an, wieder seine übliche Farbe an zu nehmen. Oh Gott, merkte er das nicht?

Was sollte sie nur tun, um ihm das klar zu machen. Sie hörte Fred leise fluchen. Der hatte es auch bemerkt.

Malfoy war so mit Reden beschäftigt, dass es ihm nicht aufgefallen war.

Nun starrte aber Ron auf Harry und stieß ihn an. Die beiden plumpen Jungen standen schnell auf und verließen unter dem Vorwand, dass Goyle Medizin brauche, schnell den Gemeinschaftsraum. Wieder unterschätzten sie ihre Breite und wollten sich gemeinsam durch die Öffnung in der Mauer quetschen, was schlussendlich nur gelang, weil sie langsam wieder ihre richtige Figur zurück bekamen.

An die unsichtbaren Freunde dachten sie in dem Moment nicht. Sie stießen beinahe mit zwei großen Slytherins zusammen, die sie tadeln wollten.

„Er muss in den Krankenflügel!" rief Harry, und rannte, was er konnte, den Korridor weiter. Er betete dabei, dass sie keinem Lehrer in die Arme laufen würden, mit ihren nun viel zu großen Kleidern, die ihnen das Rennen sehr erschwerten.

An diesen Teil des Planes hatten sie nicht gedacht.

S s s s s

Laura sah die Zwillinge ängstlich an, als die Mauer sich nicht öffnete, da sie durchsichtig waren.

Oh nein! dachten sie bange.

Nun gut, spätestens wenn alle zum Abendessen gingen, würden sie sich hinter jemandem her schleichen können.

Das stellte sich dann aber schwieriger heraus, als sie gedacht hatten. Fast eine halbe Stunde hatten sie warten müssen in ihrer Ecke, bis Blaise alle zusammen rief und ankündigte, dass Essenszeit war.

Hier herrschte eine Zucht und Ordnung, an der Percy die hellste Freude hätte! dachte Laura und die Zwillinge wohl gleichzeitig, denn sie gaben sich vielsagende Blicke.

Alle gingen sie nacheinander durch die Öffnung in der Mauer, aber die drei unter dem Umhang waren zu ungelenk, um sich ihnen direkt anzuschließen. Zumal Fred auch noch auf dem Umhang getreten war und sie alle hatten stoppen müssen, um nicht ohne Tarnumhang da zu stehen.

Die Mauer schloss sich wieder - direkt vor ihren Nasen.

„Mist!" zischte Laura.

„Nun müssen wir es eben ohne Umhang versuchen," sagte George. „Wir brauchen ja kein Passwort."

Als sie eben unter dem Tarnumhang auftauchten, öffnete sich die Mauer wieder.

Geistesgegenwärtig zog Fred den Umhang schnell über ihre Köpfe. George war eine Sekunde zu spät verschwunden, aber das Mädchen, in welches sich Hermine hätte verwandeln müssen, kam hinein geeilt. Sie war ziemlich blass und fluchte. An ihrem Verhalten und der ungesunden Gesichtsfarbe erkannten sie, dass es die echte Bulstrode war und nicht Hermine.

Sie warteten ab, was das Mädchen tun würde. Bulstrode schien George nicht gesehen zu haben und hastete mit ihrer Schultasche den länglichen Raum entlang und verschwand hinter einer Tür. Dabei fluchte sie aufs Schlimmste.

Wenn ihr Vater das hören würde, dachte Laura. „Die wird sich den ganzen Tag ausgekotzt haben," flüsterte Laura.

„Eigentlich schade, dass ich kein Juckpulver dabei habe. Das hätten wir diesen Slytherin-Idioten aufs Toilettenpapier streuen können," flüsterte Fred zurück und Laura kicherte. Das wäre wirklich lustig gewesen!

Bald darauf erschien das Mädchen wieder, ohne Tasche und wartete ungeduldig bei der Wand, bis die sich geöffnet hatte.

Nun war ihre Chance gekommen und etwas tapsig schlüpften die Freunde aus dem Loch. Erleichtert atmeten sie auf und gingen schnell davon in die andere Richtung, als Millicent.

Auf kürzestem Weg gelangten die Kinder in den zweiten Stock; auf einem Weg, den Laura noch nicht kannte.

Fred hatte plötzlich ihre Hand genommen und war einfach durch einen Wandbehang gegangen. Durch einen Geheimgang ging es direkt bis in den zweiten Stock.

Laura war so überwältigt gewesen, dass es da solche unheimlichen Gänge mit Spinnweben gab, die ganz dunkel waren und feucht und modrig rochen, dass sie nicht bemerkt hatte, dass Fred ihre Hand nicht mehr los gelassen hatte, bis sie im Korridor im zweiten Stock hinter einem Teppich an der Wand hinaus gekommen waren. Mit großen Augen sah Laura zurück zu dem alten Teppich, hinter dem dieser Gang war.

S s s s

„ Oh mein Gott!" hauchte Fred!" Was für ein Mist! Was machen wir jetzt?" Die befellte Hermine sah sie mit gelben Katzenaugen an und schniefte. Laura hatte Mühe, das Lachen unterdrücken zu können, obwohl sie auch besorgt und befremdet war über den Anblick der Freundin.

Myrte schien höchst amüsiert zu sein. So viel Unterhaltung hatte sie wohl seit Jahren nicht mehr gehabt.

„Wir bringen sie auf die Krankenstation. Wir bitten Madam Pomfrey, niemandem etwas zu verraten. Die hat ja bestimmt Schweigepflicht, oder?" sagte Harry unsicher.

Laura war das gar nicht recht. Vielleicht verwandelte sie sich ja von alleine wieder zurück. Was, wenn ihr Vater unangenehme Fragen stellen würde? Laura fingerte etwas nervös am Saum ihres Pullis herum.

„Denkst du, Malfoy hat nichts geschnallt?" fragte Ron besorgt. Fred schüttelte den Kopf. „Nein, wir hatten ja nach eurer Flucht genügend Zeit, um ihn zu beobachten. Er hat mit einem größeren Jungen über die tollpatschigen Freunde gelästert und dann seine Hausaufgaben erledigt. War schon sehr speziell da, nicht wahr?" fragte er, worauf Hermine interessiert ihre Katzenohren spitzte.

George nickte. „Und habt ihr gesehen, als Snape rein gekommen ist. Die waren ja totenstill. Man hätte eine Haarschuppe auf den Boden fallen gehört!"

„Zum Glück kommt die McGonagall so selten bei uns in den Gemeinschaftsraum. Und zum Glück haben wir nicht diesen Drill!" sagte Harry und alle stimmten ihm zu.

„Ist der mit dir auch so?" fragte Fred besorgt an Laura gerichtet. Den Mann als Vater zu haben, wäre nicht unbedingt sein Wunsch. Nicht mal als Schwiegervater, dachte er und sah auf Laura hinunter, die so anders war als der strenge Professor und so witzig und hübsch, wie Fred fand. Sie war noch kindlich, ja, aber in ein paar Jahren würde das ganz anders sein.

„Nee, nicht so," sagte Laura abwesend. „Geht besser jetzt essen, sonst fällt es zu sehr auf. Ich bringe Hermine in den Krankenflügel. Mit dem Umhang."

Hermine fand das eine super Idee. Niemals wäre sie so durch die Gänge von Hogwarts gelaufen.

„Ich werde morgen meinem Vater schreiben, er soll Malfoys Haus nochmals untersuchen lassen. Diesmal unter den Bodendielen im Wohnzimmer. Dort haben sie nämlich ein Geheimversteck, hat Malfoy erzählt," sagte Ron zufrieden. „Hat Malfoy dir wirklich eine Lektion erteilt?" fragte er neugierig an Laura gerichtet. Sie sah ziemlich unversehrt aus.

„Davon hat er wahrscheinlich geträumt, der Angeber," sagte sie, während sie Hermine den Umhang über den Kopf zog.

„Miau!" sagte Myrte zum Abschied und verschwand in ihrem nassen Zuhause.

S s s s s s

Snapes Augen wanderten wieder zu den verlassenen Plätzen der Gryffindors. Ausgerechnet dieser Gryffindors, bei denen er sich Sorgen machen musste, dass sie irgend etwas Dummes anstellten. Wenn sie in zwei Minuten nicht da wären, würde er sie suchen gehen!

Er hatte Klartext geredet mit Laura und hoffte, dass sie sich keine Extratouren leistete. Wenn die Situation im Schloss nicht so gefährlich gewesen wäre, hätte er sich in Nachsicht geübt. Denn er hatte sich viele Gedanken gemacht über seine Tochter. Sie war wild und abenteuerlustig und alles, aber er würde ihr wohl eine gewisse Zügellänge gewähren müssen, auch wenn es schwierig war.

Aber sie musste trotzdem auch klar die Grenze zwischen Spaß und Gefährlich kennen und respektieren. Das würde wohl seine Hauptaufgabe sein bei ihrer Erziehung. Damit hatte sie am meisten Mühe. Sonst war sie eigentlich ein ziemlich anständiges Kind.

Seine Ansicht Kindern gegenüber hatte sich doch ein bisschen verändert. Er sah sie nun viel mehr als Individuen und nicht mehr einfach restlos alle als unerträgliche Plagegeister. Na ja, einige natürlich schon!

Snape sah das Essen vor sich auf dem Teller an. Er hatte gar keinen Appetit. Die Aufregung der letzten Tage und Wochen zerrten an seinen Nerven. Zumindest redete er sich ein, dass es die Aufregung war.

Dass es etwas mit Amélie zu tun hatte, versuchte er zu verdrängen. Aber ständig sah er ihr enttäuschtes Gesicht vor sich. Hatte sie wirklich diese Gefühle für ihn?

Aber auch Remus' Worte ließen ihn nicht mehr los. Ständig kreisten sie ihm durch die Gedanken. Ja, wenn er es nicht wagen würde, so konnte er sich ja auch gleich ins Kloster begeben. Dann würde er sich nie wieder auf eine Frau einlassen können.

Und ob sich nochmals die Gelegenheit ergeben würde, war sehr fraglich.

Er war nicht gerade der Sunnyboy und Frauenschwarm. Das wollte er auch gar nicht sein und doch schien Amélie etwas für ihn zu empfinden, was immer es auch war, das hatte er gespürt, als sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie sich in seiner Nähe Wohl wühlte.

Gerne hätte er die Kunst der Legilimentik benutzt, um ihre wahren Gefühle ihm gegenüber zu kennen. Natürlich konnte er das nicht tun.

Aber er würde mit ihr reden. Bald. Sehr bald. So konnte es nicht weiter gehen, das war klar! Egal was es kostete. Er würde eben alles auf eine Karte setzten!

Ah, nun kamen die drei Weasleys und Harry... nur Laura und Miss Granger waren noch nirgends zu sehen.

Er sah sich um. Seine Augen blieben an Crabbe und Goyle hängen, die so verschlafen in die Welt guckten, dass er sich fragte, ob sie sich womöglich nicht an die vorgeschriebenen Schlafenszeiten gehalten hatten, oder die ganze Nacht geredet hatten. Er würde ihnen nachher ins Gewissen reden.

Nun kam auch Laura in den Speisesaal und gab als erstes ihrem Vater einen entschuldigenden Blick. Snape nickte kaum merklich und Laura setzte sich.

Er bemerkte, dass auch sie nicht viel Hunger zu haben schien, denn sie aß nur ein paar wenige Bissen. Was konnte ihr über die Leber gekrochen sein?

Heute Abend würde er mit einer Großtante reden gehen, die er wohl noch nie vorher gesehen hatte, und die wahrscheinlich nur bereit war mit ihm zu reden, weil sie wahrscheinlich kaum mal Besuch hatte.

Aber die könnte etwas über die Familie wissen. Er wollte vor allem rausfinden, wieso Edna so früh gestorben war.

Vielleicht wusste die Großtante sogar etwas über die Kindheit von Edna.

S s s s s s

Das etwas abseits gelegene, einst wahrscheinlich wunderschöne Herrenhaus sah ziemlich klapprig und baufällig aus. Niemand hätte vermutet, dass hier noch jemand lebte, so heruntergekommen war es. Der Garten war auch ganz überwuchert und die riesigen Bäume versteckten das Haus fast gänzlich.

Severus öffnete das quietschende Eisentor und näherte sich dem schwach beleuchteten Haus. Es schien höchstwahrscheinlich nur eine Kerze oder eine Fackel zu brennen. Es war schon ziemlich dunkel, als er durch den Garten ging.

Es raschelte, als er über das Laub auf das Haus zu schritt. Es musste einst sehr schön gewesen sein.

Das Eisengeländer, das die Treppe zur Tür hinauf führte, war ganz rostig und er ließ es schnell wieder los.

Das Gras wuchs aus den Rissen in den Bodenplatten und das Laub, welches die Bäume immer mehr fallen ließen, hatte niemand weg gewischt.

Er klopfte mit einem altmodischen Türklopfer, ebenfalls aus Eisen, der die Form eines Eberkopfes mit einem Ring im Mund hatte.

Der Eber gab ein müdes Grunzen von sich und Snape hörte schleppende Schritte von drinnen auf die Tür zu kommen.

„Guten Tag, der Herr? Wir kaufen nichts!" sagte ein eher kleiner, alter Mann, dessen Gesicht aber noch ziemlich voll und pausbäckig war. Er hatte eine kaum zu erkennende Hasenscharte. Auf dem Kopf trug er eine lederne Kappe, die schief herunter hing.

„Ich wünsche nichts zu verkaufen. Ich habe eine Verabredung mit Ms. Prince," sagte er etwas ungeduldig. Was war das wohl für ein seltsamer Kerl? dachte er und verengte die Augen leicht.

„Ach so, na gut, solange sie keine Mäuse mitbringen," krächzte der Alte, schlurpte einen Schritt zurück und ließ Severus eintreten.

Es roch ziemlich speziell hier, wie in einem Museum, vielleicht aber auch noch ein wenig muffig. Also wie in einem schlecht gelüfteten Museum. Das Haus sah innen mindestens genau so alt aus, wie von außen.

Ziemlich finster war der Korridor mit der hohen Decke. Snape wusste, dass diese Prince-Villa seinen Urgroßeltern gehört hatte. Sein Großvater Serian Prince hatte seinen Teil des Anwesens der Schwester Ann verkauft und war mit seiner Frau, Rose, in deren Haus, welches nun Severus gehörte, gezogen. Severus' Augen glitten über die Bilder, die an den bräunlich gelblichen Wänden hingen. Ein riesiger Spiegel mit verschnörkeltem Goldrahmen war auch da, passend zu der Lampe, die ziemlich tief hinunter hing und ihr schummriges Licht verbreitete.

Soviel Severus wusste, war seine Grosstante Ann, die hier wohnte, nie verheiratet gewesen. Jedenfalls hiess sie noch Prince und es sah nicht aus, als sei an dem Haus einmal irgend etwas verändert oder renoviert worden. Und Kinder hatte Ann nicht. Also würde er dann wahrscheinlich auch dieses Haus einmal erben.

Nun war er aber nicht wegen dem Erben hier, sondern wegen etwas ganz anderem.

Der Mann marschierte mit kleinen Schritten voraus und öffnete dann eine Tür in den Salon. Auch hier war nur wenig Licht, welches von einem riesigen Kronleuchter stammte, der bestimmt sehr wertvoll, aber alles andere als schön war. Die goldenen Schlangen, die den Ring mit den Kerzen festhielten sahen viel zu protzig aus für seinen Geschmack.

In einem schweren Armsessel mit einer hohen Rückenlehne saß eine alte Frau.

Die altmodischen, dunklen Möbel in diesem Raum passten gut zum Erscheinungsbild des Hauses. Ein sehr langer Esstisch mit mindestens fünfzehn auch altmodischen Stühlen stand im vorderen Teil des großen Raumes.

„Guten Tag, Sie müssen Mr. Snape sein," bemerkte die Frau mit erstaunlich gesund klingender Stimme, die so gar nicht zu der alten, schrumpligen Frau passte. Man sah, dass die Frau einemal eine noble Dame gewesen war.

„Freut mich, Ms. Prince," sagte Severus höflich. „Ich bin ihr Großneffe," fügte er hinzu.

„Nehmen Sie Platz. Falls Sie gekommen sind, um mein Vermögen an sich zu reissen, können Sie sofort wieder gehen. Ich bin noch nicht tot," sagte sie spitz.

„Deshalb bin ich nicht hier, Ma'am," antwortete Snape kühl. „Vielmehr möchte ich etwas über meine Urgroßmutter, Edna Rodrigues - Marconas in Erfahrung bringen."

Sie gab ihm einen skeptischen Blick. „Na gut. Mr. Timothy, bringen Sie uns bitte Tee," befahl sie mit einer Stimme, die es gewohnt war, zu kommandieren.

„Gerne, Ms. Prince, solange ich keine Mäuse bringen muss," hauchte der rundliche Mann.

Severus viel auf, wie viel Schmuck die alte Frau trug. Wahrscheinlich trug sie so ziemlich alles, was sie besaß. Vielleicht aus Angst, es könnte gestohlen werden.

„Was willst du denn wissen, mein Junge?" fragte sie plötzlich ziemlich freundlich. Severus zeigte sein Erstaunen nicht. Auch nicht über die Tatsache, dass sie ihn plötzlich duzte.

„Meine Urgroßmutter Edna ist früh gestorben, wissen Sie wieso?" fragte er direkt und die Frau sah ihn mit wachsamen Augen an.

„Mein Bruder hat Ihre Großmutter jung geheiratet, und ich glaube, sie waren glücklich. Ihre Großmutter hatte ihre eigene Mutter, eben Edna, nicht gekannt, da sie erst zwei gewesen war, als diese starb. Den genauen Grund weiß ich nicht, aber ihr Mann, also dein Urgroßvater Sideris, hat einmal etwas von einem Biss erzählt. Es war ihm wahrscheinlich eher raus gerutscht, denn er wollte es nicht erzählen, als ich nachgefragt habe.

Allerdings denke ich, dass Rachel ihn beeinflusst hatte."

Severus wurde hellhörig. „Sie haben Rachel gekannt?" fragte er interessiert.

Die Frau nickte. „Ja, die alte Giftschlange hatte auch in dem Haus gewohnt, indem mein Bruder und Ihre Großmutter gelebt haben. Sie war pures Gift, sag ich dir, mein Schatz."

Severus dachte nun wirklich, dass die Frau irgendwo eine Schraube locker hatte. Sie kannte Severus nicht einmal, hatte ihn früher ignoriert, weil er nicht reinblütig war, und nun nannte sie ihn Schatz!

Aber an die Geschehnisse von früher schien sie sich zu erinnern, und nur das interessierte ihn.

„Sie hat den Griechen nie leiden können, den ihre Tochter Edna als Mann ausgesucht hatte. Der Grieche war ein Hallodrio und hat mal von dem und mal von diesem ein bisschen gelebt. Ein 'Lebenskünstler,' wie er es selbst bezeichnet hatte. Hatte keinen richtigen Job und ist immer herum gereist.

Als Edna gestorben war, hatte er sein kleines Mädchen mit sich in die Welt genommen, bis sie elf war und nach Hogwarts musste. Von da an hatte sie unter dem Fuchtel von Rachel Marconas, ihrer Großmutter, gelebt und gelitten, vermute ich.

Aber Rose hatte ihr das scheinbar nicht übel genommen, denn sonst hätten sich mein Bruder und sie wohl nicht entschieden, in diesem Haus, zusammen mit diesem Gift zu leben. Ednas Vater, Rosario war damals schon lange Tod. Er war kurz nach seiner Tochter gestorben, obwohl er nicht krank war und noch ziemlich jung. War etwas über fünfzig Jahre alt, denke ich. Muss wohl sehr an Edna gehangen haben, dieser Rosario.

1943 starb Rachel endlich und mein Bruder Serian und Rose hatten ihre Ruhe mit ihrem kleinen Töchterchen Eileen.

Und Roses Vater hatte sich von da an auch häufiger bei ihnen aufgehalten. Er war ein lieber Kerl.

Ich habe mich mit ihm dann mal unterhalten, über Edna. Och, er war ein Bild von einem Mann!" schwärmte sie mit verträumtem Blick. „Und Ihre Großmutter, Rose, also seine Tochter, war auch eine wunderschöne Frau. Ich war als junges Mädchen ziemlich eifersüchtig auf sie, muss ich zugeben. Du kannst dich vielleicht noch an Rose erinnern? Ich denke du warst hin und wieder in den Ferien bei deinen Großeltern?" fragte die alte Dame, redete dann aber weiter, ohne auf eine Antwort zu warten.

„Sideris, also der Grieche, Roses Vater, hatte, dank einem wirklich schlechten Vergessenszauber, den ihm ganz sicher die Giftschlange aufgehalst hatte mit ihren alten zittrigen Fingern, nur noch Bruchstücke gewusst."

„Aber Rodriguez ist doch kein griechischer Name, oder?" fragte Snape etwas verwirrt. Brachte die alte Frau nun doch etwas durcheinander?

„Nein, mein lieber Grossneffe. Sideris' Mutter war Griechin. Sein Vater wiederum, weiß ich nicht, was der war. Wohl Spanier oder so, dem Namen nach. Egal. Jedenfalls war dieser Sideris der schönste Mann, den ich je gesehen habe, und er war ja gute zwanzig Jahre älter als ich," erinnerte sich Ann und lächelte. War schon erstaunlich, dass ihr all das im Gedächtnis geblieben war.

Die Tür öffnete sich und Mr. Timothy kam wieder hinein, nun mit etwas weniger schleppenden Schritt und ohne die furchtbare Mütze.

Sein Gesichtsausdruck war plötzlich ziemlich stolz und sein Rücken etwas gerader. Er trug ein Tablar mit zwei Tassen dampfenden Tees.

„Danke, Mr Barklay, stellen Sie es auf das kleine Tischchen," sagte sie nebenbei. Nun fragte sich Severus wirklich, ob es sinnvoll war, das Gespräch weiter zu führen. Die Gute schien wirklich etwas verwirrt.

Sie lächelte und der Alte stellte die Tassen ab. Es war derselbe Mann, denn Severus sah deutlich die Hasenscharte. Es war auch bei Zwillingen äußerst selten, dass gleich beide Hasenscharten hatten, und dann noch genau dieselben. Wieso nannte sie ihn denn nun Mr. Barklay, wo sie ihn vor ein paar Minuten mit Mr. Timothy angesprochen hatte.

„Ich habe mich also mit dem Griechen unterhalten und er sagte etwas von einem Monster, welches seine Edna gebissen habe. Und von einem Grab und all so wirres Zeug," erzählte Ann weiter. „Sie hat wohl auch ihren Körper kaputt gemacht mit dieser verbissenen Tränkebrauerei. Die war ja richtig besessen gewesen, wie Sideris erzählt hat. Natürlich hatte sie dann auch Erfolg gehabt, aber was nützte es ihr? Wahrscheinlich hat ihr Körper deswegen schlapp gemacht. Was weiß ich..."

Die Dame nahm ihren Tee und kühlte ihn, indem sie in die Tasse blies.

Severus hatte nicht die Absicht, diesen Tee zu trinken. Er fragte weiter. „Rachel und ihr Mann Rosario sind aus Spanien gekommen. Wissen Sie vielleicht, von wo genau?"

„Nicht genau, Sir," antwortete sie. „Aber irgendwo aus dem Süden, soviel ich weiß. Rachel hat immer behauptet, keine Verwandten mehr dort zu haben, was ich ihr nicht geglaubt habe.

Mr Timothy, nun drücken Sie sich nicht hinter der Tür rum! Mr. Snape hat keine Mäuse, bestimmt nicht!" schimpfte sie und sah dann Severus fragend an. „Oder?" fragte sie unsicher.

Snape musste sich zusammen nehmen, um nicht die Augen zu verdrehen. „Ich habe keine Mäuse," bestätigte er knapp, worauf sich die Frau entspannte und Mr Timothy vorsichtig hinter der Tür hervor kam.

„Haben die Herrschaften noch einen Wunsch?" fragte er scheu. Wieder trug er den Lederhut.

„Nein danke," antwortete die Frau geduldig. Sie sah Snapes skeptischen Blick und erklärte.

„Denken Sie nicht, er sei verrückt, mein Junge. Alle denken, er sei verrückt. Er ist nicht verrückt! Nein! Er ist nur mindestens zwei Personen auf einmal, was manchmal etwas schwierig ist, da sie sich nicht speziell gut leiden können."

Snape hob die Augenbrauen. "Lebt sonst noch jemand hier?" fragte er, doch sie verneinte.

„Wissen Sie sonst noch etwas über Rachel?" wollte Snape noch wissen. Seine Großtante überlegte einen Moment und sagte dann: "Nur, dass sie pures Gift war, Mr Snape. Sie war sehr dominant und herrisch und hochmütig und alles, was man sich nicht wünscht."

Snape erhob sich. „Dann möchte ich Ihnen danken, dass Sie sich Zeit genommen haben für mich," sagte er freundlich distanziert.

Irgendwo auf dem Gang hörte er Mr. Timothy schimpfen. Oder war es Mr. Barkley?

„Zieh mir nicht immer dieses hässliche Ding an!" schimpfte er, zu wem wusste Severus nicht, wahrscheinlich zu seinem anderen ich, Mr Timothy, der für gewöhnlich den seltsamen Hut trug.

Snape öffnete die Tür. Ms Prince war auch aufgestanden und Snape staunte, wie zackig sie noch auf den Beinen war.

"Mr Barklay, möchten Sie bitte Mr. Snape hinaus begleiten?" fragte sie und dieser schlurfte den halbdunklen Gang entlang, während er ärgerlich die Lederkappe vor Kopf riss und sie energisch zu Boden schmiss. Er blieb kurz stehen vor einem trüben alten Spiegel mit einem groben goldenen Rahmen. „Und mit dir spreche ich schon gar nicht!" keifte er sein Spiegelbild an.

Snape war froh, als ihm draußen der Wind um den Kopf strich. Diese zwei Alten waren wohl schon ziemlich verrückt!

S s s s

Man konnte nicht behaupten, dass Amélie den Abend mit ihrem Partner wirklich genoss. In Wirklichkeit hoffte sie, dass er bald aufessen würde, damit sie gehen konnten. Sie selbst hatte nur einen kleinen Salat bestellt und mit wenig Appetit, aber auch mit wenigen Worten zwischendurch, gegessen.

Sie wollte nur nach Hause. Aber Monsieur Ganoui schien es alles andere als eilig zu haben. Irgendwie fühlte sich Amélie auch ein bisschen fies, dass sie sich hatte überreden lassen. Wahrscheinlich machte er sich jetzt Hoffnungen.

Er war ja wirklich ein netter Kerl und sie hatte sich vorgenommen, ihm eine Chance zu geben. Wenn Snape kein Interesse hatte, na gut! Dieser hübsche junge Mann hatte Interesse!

Aber ihr Plan war kläglich gescheitert. Es machte sie wahnsinnig, dass sie nur an Snape denken konnte.

S s s s

Snape machte es wahnsinnig, dass er nur an Amélie denken konnte.

Nach diesem langen Tag saß er auf seinem Sofa, nachdem er Harrys Tarnumhang in seinen Schrank geschlossen hatte. Der Junge hatte ihm den Umhang freiwillig gebracht nach dem Essen. Das hatte ihn erstaunt und gefreut.

Snape streckte sich aus. Er hatte noch ein paar Hausaufgaben korrigiert. Nun könnte er noch einen Besuch abstatten. In Frankreich. Er hatte etwas, das dringend diskutiert werden musste. Wieso also nicht heute!

Ärgerlich stieß er den Atem aus, als es an seine Tür klopfte. Ein Schüler konnte es um diese Zeit nicht mehr sein, es war nach Acht. Also war es sehr wahrscheinlich Albus.

Ruckartig öffnete er und sah Madame Pomfrey vor der Tür stehen. „Guten Abend, Severus," sagte sie geschäftig. Sie sah erschrocken zu Boden, als sie etwas Graues an sie vorbei in Snapes Büro flitzten sah.

„Eine Maus!" sagte sie etwas überrascht.

Mäuse verfolgen mich wohl heute! dachte Snape und sah, dass es sich aber gar nicht um eine Maus handelte, vielmehr um eine Ratte. Sofort zückte er den Zauberstab und lähmte die Ratte, die sich eben in sein Wohnzimmer hatte davonmachen wollte.

„Guten Abend," grüsste er nun zurück. „Wie kann ich Ihnen zu später Stunde noch helfen?" fragte er nicht in seinem freundlichsten Ton.

„Ich brauche einen speziellen Trank und möchte wissen, ob sie davon etwas auf Lager haben. Es ist wirklich dringend. Es ist der Harmonitustrank."

Snapes Augen verengten sich augenblicklich. Was genau ging hier vor? Das war ja wohl wirklich ein spezieller Trank.

Er kannte die ältere Frau gut genug, um genau zu wissen, dass sie nichts weiter raus rücken würde.

Er nickte und ging, gefolgt von der Medizinhexe, den steinernen Korridor entlang zu seinem Lagerraum. Dank seiner genauen Ordnung fand er das gesuchte Fläschchen sofort.

„Es hat nur noch diese eine Flasche. Möchten Sie, dass ich mehr davon braue?" fragte er und hoffte, dass sie nein sagen würde.

„Das wäre sehr gut, Severus. Ich brauche es so bald wie möglich."

Also doch kein Besuch bei Amélie! dachte Snape.

Er hob die gelähmte Ratte am Schwanz auf, die sich ihren Weg in seine Quartiere hatte machen wollen, als gehöre sie hier her. Er besah sie sich mit etwas angeekeltem Gesichtsausdruck.

Es lag auf der Hand, dass es die Ratte war, welche Laura gezähmt hatte. Es ging doch nicht an, dass das Kind jede Spinne und jede Kanalratte im Schloss zähmte, er wollte doch keinen Zoo hier unten.

Sie würde das Vieh freilassen müssen.

Vielleicht hatte sie aber genau das getan und das Tier hatte das gemütliche Leben bei Laura vermisst und sich spontan für ein Leben in Gefangenschaft entschieden, befürchtete er, während er das nicht besonders anziehende Tier musterte. Rasch schritt er zu Lauras Zimmer und beförderte das Tier unzeremoniell in den Käfig auf Lauras Nachttisch.

Er würde nun in sein Labor gehen und mit den Trank anfangen müssen. Er war nicht sehr erfreut über die abrupte Wende in seinem Abendprogramm.

Er wusste nicht, dass zurselben Zeit an einem weit entfernten Ort, Amélie gerade freiwillig aus dem Abendprogramm ausstieg, welches Monsieur Ganoui für sie vorgesehen hatte. Er wurde ihr zu aufdringlich und sie verabschiedete sich rasch, mit einer nicht sehr fantasievollen Ausrede.

TBC...