Ganz herzlichen Dank meiner lieben Betaleserin Ida für das schnell Korrigieren.

Viel Spass beim nächsten Kapi, Sally

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Laura war an diesem Abend äußerst froh, ins Bett gehen zu können. Die Kinder hatten das Erlebnis noch im Gemeinschaftsraum diskutiert und waren eigentlich sehr erstaunt gewesen, dass Malfoy doch nicht der Erbe war. Wer war es denn dann? fragten sie sich.

Laura dachte an Hermine, die in der Krankenstation lag. Hoffentlich konnte Madam Pomfrey sie wieder ganz heilen. Das wäre ja eine Katastrophe, wenn Hermine immer so als halbe Katze herumlaufen müsste. Ihr Dad hatte sie gewarnt, dass es gefährlich sei, Zaubertränke alleine auszuprobieren. Sie hätte wohl die Sache verhindern sollen.

Laura seufzte und rieb sich die Augen. Lavender gähnte laut und Laura hörte, wie sie sich im Bett drehte, dann war es wieder still, bis auf die gleichmäßigen Atemzüge der Kameradinnen. Laura kuschelte sich noch tiefer unter die warme Decke. Ob ihre Ratte womöglich immer noch stepptanzend durch die Korridore von Hogwarts hopste? Vielleicht hatte auch die Katze eines Schülers sie gefressen. Das war ein sehr aufregender Nachmittag gewesen und wie auf Nadeln hatte sie immer gehofft, dass nichts schief laufen würde. Eigentlich ein Wunder, dass wirklich alles geklappt hatte bei diesem doch etwas wackeligen Plan.

„Laura?" flüsterte Emma, die gerade leise ins Zimmer gekommen war. Laura überlegte einen Moment, ob sie sich schlafend stellen sollte. Immerhin war es auch schon ziemlich spät. Emma hatte sich an der ganzen Vielsafttrank-Aktion nicht beteiligt. Trotzdem war sie sehr interessiert gewesen, an dem, was die Freunde vom Slytherin-Gemeinschaftsraum erzählt hatten.

„Hm," sagte sie leise.

„Laura, ich muss dir was sagen," sagte Emma in Flüsterton. Sie öffnete Lauras Vorhang ein wenig und äugte hinein. „Ich habe George die Ratte gegeben. Ich wusste nicht, was er mit ihr vor hatte. Er hat gesagt, dass er sie braucht, um euren Plan umzusetzen." Sie sah Laura entschuldigend an.

Laura stützte sich auf ihre Ellbogen und nickte. Emma setzte sich auf die Bettkante. „Schlafen die anderen?" fragte Laura. Sie wollte nun etwas klären mit der Freundin, das ihr schon lange auf dem Magen lag. Nun war eine gute Gelegenheit, auch, weil Emma noch ein schlechtes Gewissen hatte. Vielleicht würde sie dann etwas zugänglicher sein.

Emma nickte. „Ich denke schon," sagte sie und zuckte leicht die Schultern.

„Emma, ich will dich etwas fragen, und ich möchte, dass du mir ehrlich antwortest," begann sie und fand selber, dass sie ziemlich nach ihrem Vater tönte.

Emma schien das nicht sehr zu gefallen, aber sie nickte trotzdem.

Laura setzte sich im Schneidersitz hin. „Ich finde, du bist irgendwie so anders geworden," begann sie und sah Emma ernst an. "Erst bist du so richtig überanhänglich und dann ignorierst du mich absichtlich und spielst mir etwas vor mit Lavender. Ich weiß nicht, was das soll und es verwirrt mich ganz. Und auch, dass du immer sagst, ich sei zu dünn und so, finde ich komisch. Ich weiß schon, dass dich deine Mutter nervt, und du nie schön und gut genug sein kannst für sie, aber du bist du!" sagte sie und machte eine kleine Pause. "Und du bist doch gut, so wie du bist." Das war ziemlich direkt gewesen, dachte Laura, aber es stimmte! Sie sah Emma an, die schweigend vor ihr saß. "Wieso bist du so anders in letzter Zeit?"

Laura war selbst überrascht, dass sie das alles so gut hatte ausdrücken können. Normalerweise, wenn sie sich vornahm etwas zu sagen, konnte sie es dann plötzlich nicht mehr, wenns drauf an kam. Ja, sie war sehr erleichtert, dass es draußen war. Nun war es an Emma, sich zu rechtfertigen oder sich zumindest Gedanken darüber zu machen.

Ziemlich lange sagte Emma nichts. Sie war es auch gar nicht gewohnt, dass jemand mit ihr so klar über seine Gefühle sprach. Aber dennoch entschied sie sich für dieselbe Strategie. Wenn sie eine Chance hatten, dies zu klären, dann wahrscheinlich nur auf diesem Wege. Das wurde ihr genau jetzt klar. All das 'nicht-mehr-miteinander-reden' und einander ignorieren oder eifersüchtig machen, brachte gar nichts. Im Gegenteil.

„Ehmm... ich ..." Sie wusste gar nicht wo beginnen. „Es ist für mich irgendwie so... es stört mich eben, wenn du die ganze Zeit mit den anderen rum hängst. Du bist doch meine beste Freundin. Ich dachte, wenn ich dir ja nicht so wichtig bin, dann such ich mir eben eine andere beste Freundin."

Laura versuchte, das Gesagte ganz zu begreifen. „Das ist doch okay," sagte sie gelassen und sah zu Emma hoch. „Wir können ja beide deine besten Freundinnen sein. Ich bin gerne mit dir zusammen, aber auch mit den anderen."

„Genau das nervt mich!" sagte nun Emme etwas heftig und schielte schnell zu den anderen Better, ob sie wohl jemanden geweckt hatte. "Es ist dir einfach egal, ob ich noch deine beste Freundin bin oder nicht. Als ich mehr mit Lavender zusammen war, wollte ich sehen, wie wichtig ich dir bin, aber es schien dich nicht zu stören." Emma klang etwas beleidigt.

Lauras Augen verengten sich. „Das heißt, du bist nur mit Lavender zusammen gewesen, um mich eifersüchtig zu machen?" fragte Laura ungläubig.

Emma zuckte die Schultern.

„Das find ich echt mies," sagte Laura leise. Einen Moment sagte niemand was.

„Und ich auch!" hörten sie plötzlich Lavenders Stimme von ihrem Bett her.

Es war mückschenstill. Oh oh, dachten Laura und Emma wohl gleichzeitig. Emma biss sich auf die Lippen, stand auf und ging schnell zu Lavender.

„Geh weg!" sagte diese barsch und sehr verletzt.

„Ich war nicht nur deswegen mit dir zusammen. Ich finde dich super nett. Aber Anfangs war es vielleicht so," gab sie zu. „Aber jetzt bist du mir richtig wichtig geworden. Deshalb war es mir in letzter Zeit auch egal, wenn Laura mit den anderen zusammen war. Ehrlich!" beteuerte sie verzweifelt.

Das war aber auch verflixt. Lavender sagte nichts mehr und Emma ging wieder zu Laura hinüber. Sie würde nachher zu Lavender reden gehen, vielleicht hatte sie sich dann etwas beruhigt.

Laura funkelte sie ziemlich böse an. „Ich mag es nicht, wenn man mit mir solche Spiele spielt. Niemand mag das," stellte sie klar. „Ich gehöre nicht dir und ich darf auch noch andere Freunde haben außer dir. Ich bin gerne mit dir zusammen, aber wenn ich keinen Schritt ohne dich tun kann, dann wird mir das zu eng." Laura machte eine befreiende Armbewegung. Sie war froh, endlich darüber zu reden und diese Last los zu werden.

Emma sah etwas betreten aus.

„Du bist eine gute Freundin, Emma, wirklich! Ich bin auch sehr sehr froh, jetzt richtige Freunde zu haben. Aber ich brauche auch Freiheit. Davon hatte ich früher fast zu viel. Aber jetzt ertrage ich es trotzdem nicht, zu eingeengt zu sein. Ich möchte dich als Freundin behalten."

Sie machte eine Pause. Sie war so gut im Reden drin, dass sie nun alles klären würde. Ihre Zunge redete ihre Gedanken fast von alleine.

„Ich habe dich gern, so wie du bist. Aber ich möchte auch, dass du mich gern hast, so wie ich bin. Ich weiß genau, dass es dich manchmal nervt, dass ich dich in Schwierigkeiten bringe. Ich weiß auch, dass du ziemlichen Ärger bekommst dafür. Und wie ich aussehe und ob ich dick oder dünn bin, klein oder groß, ist doch nicht wichtig, für eine Freundschaft."

Emma nickte und lächelte dann. Laura war wirklich viel größer, als sie schien. So erwachsen, wie sie eben geredet hatte, bewunderte sie die Freundin. Das hatte eher nach Hermine getönt, so vernünftig.

Und eigentlich war es schön, eine solche Freundin zu haben. Sie würde sich damit abfinden müssen, dass sie Laura nicht für sich alleine haben konnte.

„Und es hat ja auch Vorteile, wenn man viele Freunde hat," lächelte Laura. „Dann kannst du dich unauffällig zurück ziehen, wenn wir wieder etwas Verbotenes planen, bei dem du dich lieber raus hältst."

Da hatte Laura Recht, dachte Emma. Sie lächelte die Freundin an und nickte nochmals. Dann stand sie auf, und ging zu ihrer anderen Freundin hinüber. Sie hatte wohl ein Talent, ihre Freundinnen zu enttäuschen, dachte Emma etwas bedrückt.

Laura kuschelte sich glücklich in ihr Bett. Es ging ihr richtig gut und sie war so stolz auf sich. Nun könnte sie Emma wieder genießen. Emma, mit ihrer witzigen und fantasievollen Art, die Laura so liebte.

Doch die Ruhe währte nur kurz, denn Lavender schien die Entschuldigung von Emma nicht so leicht zu akzeptieren. Mit voller Wucht hatte sie ein Kissen nach dem Mädchen geworfen, welches aber auf Parvatis Bett gelandet war. Diese war sauer, da sie wegen den Unterhaltungen nicht schlafen konnte und schmiss das Kissen hart zurück.

Sekunden später war die reinste Kissenschlacht im Gange, die nur Hermine verpasste, da sie in der Krankenstation war. Der Streit und die Enttäuschungen waren vergessen und die Mädchen boten sich eine erbitterte, superlustige Schlacht. Danach saßen sie alle auf Lavenders Bett und erzählten sich Witze. Eine so lustige Nacht hatten die Kinder schon lange nicht mehr gehabt und sehr viel Schlaf bekamen sie nicht.

S s s s s s s

„Du hast nicht etwa irgendetwas mit Miss Grangers Zaubertrankexperiment zu tun, oder?" fragte Snape ein paar Tage später seine Tochter.

Da Lauras Freundin bis auf weiteres krank gemeldet war, hatte Snape eins und eins zusammen gerechnet und war zur Überzeugung gelangt, dass es ein Vielsafttrank-Versuch gewesen sein musste, der schief gegangen war. Oder ein DNA-Veränderungstrank, aber das wäre viel zu schwierig gewesen und bestimmt gab es in diesem Schloss nicht das Rezept dazu im Gegensatz zum Vielsafttrank.

Schnell schüttelte sie den Kopf. „Nein, Dad, ich hab nie mehr selber gebraut, seit dem letzten mal. Wirklich!" versicherte sie ihm eifrig.

„Woher hatte sie das Zaubertrankbuch?" fragte er weiter, denn sie sah nicht so aus, als ob sie lügen würde.

„Sie hat Professor Lockhart gefragt," antwortete Laura wahrheitsgetreu. Sofort verfinsterten sich die Augen ihres Vaters.

Dieser Idiot! dachte Snape ärgerlich.

„Ich hoffe, du hast jetzt mit eigenen Augen gesehen, was schief gehen kann bei einem Trank. Ich wette, Miss Granger sieht interessant aus," vermutete er.

Wenn der wüsste, dachte Laura. Sie senkte den Blick und nickte. „Ziemlich interessant," bestätigte sie.

Snape stand auf. Er hatte eben Lauras Hausaufgaben durch gesehen und war zufrieden gewesen, was beinahe an ein Wunder grenzte. Laura machte in Gedanken ein Kreuz an die Decke, während ihr Vater zum Schrank ging und ein paar Fotos hinaus nahm.

„Komm her," sagte er knapp und setzte sich an den Tisch. Laura kam interessiert näher.

„Das hier ist Edna," sagte Snape und sah Laura an. Diese nahm das Bild in die Hände und studierte es.

Das war also Edna, dachte sie. War schon ein seltsames Gefühl, die Frau zu sehen, die sie im Traum manchmal war. Oder, in deren Erinnerungen sie manchmal war. Sie hätte erwartet, dass die Frau ihr irgendwie bekannt hätte vorkommen müssen. Dies war aber nicht der Fall.

Die Frau hatte etwas traurige, große Augen, die aber nicht so dunkel waren, wie die ihrer unfreundlichen Mutter und ihr Blick war viel sanfter und lieber. Sie war hübsch, aber trug eine altmodische, hoch gesteckte Frisur.

„Und das ist deine Ururgroßmutter, Rachel," sagte Snape weiter. Mit einem Fuß schob Laura den Stuhl neben ihrem Vater etwas nach hinten, damit sie sich setzen konnte. Der Blick blieb aber auf dem Foto hängen.

„Ednas Mutter," kommentierte Laura, die nun auf den Stuhl gesunken war. Das war wirklich alles wahr. Der Traum und das, was darin passierte. Ein letzter Zweifel hatte Laura davon abgehalten, das Ganze wirklich richtig zu glauben. Sie sah, dass auch ihr Vater all das glaubte.

„Dad, was will Edna von mir? Sie könnte mir ja einfach sagen, warum sie mir ihre Erinnerungen gibt." Mit etwas besorgtem Blick sah sie ihn an.

Genau diese Frage hatte sich Snape auch gestellt. Was wollte Edna? Und wieso wollte sie es von Laura und wieso jetzt?

„Es hat etwas mit Margarida zu tun," vermutete das Mädchen und blickte erwartungsvoll zu ihrem Dad. Dieser nickte, sagte aber nichts.

„Sie hat es geschafft, den Erinnerungstrank zu erfinden und sie wird sich auch erinnert haben, denke ich," redete Laura weiter. Ihre Finger drehten das alte Foto immer in den Händen.

Vielleicht hatte Rachel das gespannt, dachte Snape und hat sich ihr in den Weg gestellt. Bei dieser Frau wusste man nicht, zu was sie fähig war...

Genau davor hatte sie sich ja scheinbar gefürchtet, denn sonst hätte sie sich die Mühe mit dem Vergessenstrank nicht machen müssen.

Er würde nochmals nach dem Steinkreis suchen. Bald. Aber jetzt wollte er einfach nur den Abend mit seinem Kind genießen.

„Ich weiss es nicht, Laura , aber ich werde mich bemühen, mehr heraus zu finden. Möchtest du jetzt noch baden?" wechselte er das Thema. Er wollte nicht immer nur Probleme wälzen.

Laura nickte eifrig und legte das Foto von Rachel verkehrt auf den Tisch. „Darf ich Milly rufen?" fragte sie. Immer noch liebte sie ihr Bad am meisten, wenn ihre liebe Milly daneben saß und mit ihr redete und spielte.

S s s

Eine Stunde später kam Laura frisch gebadet ins Wohnzimmer, nur um dieses verlassen vor zu finden. Sie hatte sich so lange gebadet und mit Milly gelacht, dass sie ganz verschrumpelte Finger und Füße gehabt hatte. Milly hatte dann darauf bestanden, dass sie sich mit Feuchtigkeitscreme einrieb. Nach langem hin und her hatten sich die beiden dann verabschiedet und gute Nacht gewünscht.

„Dad?" sagte sie und sah sich um. Sie wollte in sein Zimmer gehen, um nach zu sehen, ob er wohl dort etwas verräumte. Als sie an die Küche vorbei ging, sah sie seine große Gestalt dort im Halbdunkeln stehen. Mit einem Löffelchen rührte er in seinem Kaffee, sein Blick war aber abwesend daran vorbei auf die Küchenkombination gerichtet.

Laura stand nur da und sah ihn an. Das war ein ungewohntes Bild, ihn so abwesend zu sehen. Und noch seltsamer war, dass er sie bis jetzt nicht bemerkt zu haben schien. Er schien mit den Gedanken woanders zu sein. Ob er etwas überlegte?

Natürlich wusste das Kind nicht, dass Severus Gedanken weit weg bei einer gewissen Französin waren. Wieso nur, konnte er sie nicht ausschalten aus seinem Gedächtnis. Nein, ausschalten wollte er sie natürlich nicht. Aber wenn er nicht ständig an sie denken müsste, wäre er schon froh.

Er dachte an den Abend, als sie sich an ihrem Arm festgehalten hatte, als sie bei der Echse gewesen waren.

Die Echse - sie hatte giftige Zähne. Eine Idee durchflog seine Gedanken.

Die Bisse entzünden sich meist unheilbar, wusste Severus. Er hatte über solche Echsen gelesen, nachdem er das tote Tier gefunden hatte.

Ob Edna versucht hatte, an der Echse vorbei zu kommen, um in den Steinkreis zu gelangen? Hatte die Echse sie gebissen? War das ihr Todesurteil gewesen?

Aber wieso war sie dann nicht von außen in den Steinkreis gegangen? Natürlich würde er mit einem Schutzzauber belegt sein, aber wäre der nicht zu brechen gewesen?

Plötzlich setzte sich ein paar Puzzleteilchen zusammen für Severus. Das Tier war vor nicht all zu langer Zeit verendet. Also wäre der Vergessenszauber, der an das Tier gebunden war nicht mehr aktiv.

Wahrscheinlich hatte Laura deshalb die Träume . Wahrscheinlich hatten deshalb nicht schon Rose oder seine Mutter Eileen diese Träume gehabt, weil die Erinnerungen durch den Bann an das Tier gebunden gewesen waren. Und da das Tier noch gelebt hatte, hatte Edna ihre Erinnerung nicht teilen können.

Er war überzeugt, dass es Edna gelungen war, sich zu erinnern, zumindest gut genug, dass sie den Wunsch gehabt hatte, durch den Geheimgang zum Grab der Schwester zu gelangen. Aber wieso?

Und war es Edna gewesen, die über das lateinische Zeichen, welches 'Steinkreis' bedeutete, im Brunnenschacht, 'Achtung Gefahr' gekritzelt hatte?

„Dad?" fragte plötzlich etwas hinter ihm. Laura umarmte ihn von der Seite her und sah etwas besorgt zu ihm auf.

Etwas abwesend strich er ihr übers feuchte Haar, welches frisch und angenehm duftete. Ein Anflug von einem Lächeln huschte über sein Gesicht. Laura lehnte ihren Kopf an ihn. Sie mochte seine etwas steife Kleidung, das gehörte einfach zu ihrem Vater. Er war nun mal nicht der locker gekleidete Typ, mit halboffenem Hemd oder Baumwollshirt...

„Dad, hast du die Ratte in den Käfig getan?" fragte sie, während sie zu ihm hoch blickte. Sie hätte vorhin beinahe einen Freudenschrei ausgestoßen, als sie die Ratte im Käfig entdeckt hatte.

Snape nickte und Laura lächelte ihn an. „Du musst sie aber wieder frei lassen, klar?" sagte er und nun nickte Laura, wenn auch etwas zögerlich.

„Komm!" sagte er leise und ging, die Tasse Kaffee in der Hand ins Wohnzimmer.

S s s

Diese Abende hatte er wirklich Lieben gelernt in den letzten Monaten. Früher hatte er sich nur entspannen können, wenn er alleine war. Nun saß er mit seiner Tochter auf dem Sofa und atmete tief durch.

„Dad, soll ich dir etwas vorlesen?" fragte sie freundlich. Warum wusste sie nicht, aber ihr Vater schien etwas Trost und Zuneigung zu gebrauchen. Bevor er antworten konnte, war sie aufgestanden und in ihr Zimmer gehastet, ohne allerdings zu rennen, da er das nicht mochte.

Mit dem Buch, welches er ihr zum Geburtstag geschenkt hatte, kam sie kurz darauf zurück.

„Also," sagte sie wichtig und setzte sich neben ihn. Sie sah ihn an, wie er so neben ihr saß. Ihr Blick wurde musternd. So musste man nicht aussehen, wenn man sich entspannen sollte, dachte Laura.

„Du kannst dich anlehnen, oder soll ich dir ein Kissen geben?" fragte sie fürsorglich.

Er war über ihren Eifer es ihm gemütlich zu machen etwas erstaunt. Normalerweise tat sie das, wenn sie etwas angestellt hatte.

Er musterte sie skeptisch.

„Was ist?" fragte sie unschuldig.

„Kann es sein, dass du ein schlechtes Gewissen hast? Hattest du doch etwas zu tun mit dem Zaubertrank?" Er sah sie so scharf an, dass sie leer schlucken musste. Nein, sie hatte nichts mit dem Trank zu tun, versicherte sie sich selbst. Nicht direkt jedenfalls. Sie schüttelte schnell den Kopf.

„Nein, ich will einfach, dass du etwas locker bist und es bequem hast," versicherte sie ihm und stopfte ihm ein Kissen hinter den Rücken. "Du siehst etwas traurig aus," redete sie dabei.

Er hob eine Augenbraue einige Millimeter und setzte sich etwas bequemer hin. Laura nahm ihren Platz neben ihm ein, nahe an ihn gekuschelt. Wenn die Slytherins wüssten, dass sie so mit dem strengen Hauslehrer da saß und sich an ihn schmiegte! dachte sie verschmitzt.

Im Schneidersitz mit dem Buch auf einem Bein, welches sie halb über Snapes hatte, begann sie zu lesen.

Snape hörte ihr zu. Sie las etwas unsicher. Nicht sehr flüssig, wie er es von einem zwölfjährigen Kind erwartet hätte.

Wahrscheinlich - nein, ganz sicher, hatte sich nie jemand die Zeit genommen, mit Laura zu üben, als sie in den unteren Klassen war.

Er sagte aber nichts. Sie würde sonst nie wieder freiwillig vorlesen, wenn er sie kritisieren würde. Doch er wollte sich von nun an häufiger vorlesen lassen.

Lauras Ausdauer im Lesen hielt knapp eine halbe Stunde an, dann klappte sie das Buch mit einem lauten 'Klack' zu.

„So," sagte sie, wie eine Mami, die ihrem kleinen Sprössling eine Gutenachtgeschichte vorgelesen hatte. „Hat dir die Geschichte gefallen?"

„Hm..." machte Snape nur, nicht sicher, ob er Lauras mütterliches Verhalten mochte.

Laura legte das Buch auf den Armlehne des Sofas, doch Snape räusperte sich auffällig. Sie schnappte es sich und brachte es schnell in ihr Zimmer. Nie konnte ihr Dad etwas durch gehen lassen!

„Ich hab jetzt übrigens beide Brüste und sie schmerzen saubl...ehm, ich meine, ziemlich," informierte sie ihren Vater, ohne eine Antwort zu erwarten. Kaum merklich war ihr Rücken etwas gerader geworden, als sie das erzählte und Snape sah amüsiert, wie stolz Laura war. Sie hatte ja wirklich lange auf die ersehnten, weiblichen Merkmale warten müssen, dachte er und lächelte leicht.

Laura war ziemlich froh, dass sie nun, wahrscheinlich als eine der letzten Zweitklässlerinnen sich nun auch noch entwickelte, aber es nervte gleichzeitig ziemlich, dass diese Dinger immer so empfindlich waren und sehr schmerzten, wenn sie an eine Tischkante, oder sonst irgendwo anstieß. Dass man sie auch noch gar nicht wirklich sah, wenn man nicht per Zufall eine Lupe dabei hatte, war auch etwas mühsam, aber das würde sich wohl bald ändern.

„Dad?" fragte sie und sah ihn keck an, während sie sich unsanft aufs Sofa neben ihn fallen ließ.

„Könnten sich Jimmy und meine Ratte sich nicht verlieben und dann süße junge Rättchen machen?" fragte sie unschuldig aber mit gewissem Schalk in den Augen.

Natürlich war ihr mehr als bewusst, dass Snape von dieser Idee nicht angetan war, aber sie liebte es einfach, ihn ein wenig zu sticheln.

Sie bekam einen strengen, vielsagenden Blick. Seine Lippen wurden ziemlich schmal. Sie blinzelte ihn mit ihren langen Wimpern an.

Der Dackelblick hatte seine Wirkung, denn er antwortete sanfter als sie erwartet hatte. „Das ist schwerlich möglich, da es sich um zwei weibliche Tiere handelt. Außerdem ist das nicht deine Ratte. Das kannst du dir hinter die Ohren schreiben, junge Dame. Du lässt sie nun endlich frei, klar?" forderte er.

Laura kräuselte die Nase und nahm seine Hand in ihre. „Bald, ehrlich. Nur noch ein paar Tage, bitte, Dad," jammerte sie und legte sich die Handfläche seiner warmen Hand an die kühle Wange. Es war recht kalt geworden, in den letzten Tagen und hier unten war es immer ziemlich frisch.

Durch seine warme Berührung bekam sie Gänsehaut am Rücken und nun wurde ihr auch bewusst, wie kalt ihre Füße waren.

„Ein paar Tage," antwortete Snape, als er Laura näher zu sich zog. Er brauchte ihre Nähe. Und er hätte auch gerne die Nähe einer anderen jungen Frau gehabt. Einer etwas runderen, weicheren, erwachsenen Dame, namens Amélie Delais.

„Danke Dad," sagte Laura leise. „Ich möchte wiedermal nach Hause," hauchte sie. Snape nickte. Ja, das würde ihm auch gut tun.

Er schloss die Augen einen kurzen Moment. Er spürte Lauras Herz klopfen unter seiner Hand, welche, um das Kind herum, seitlich an Lauras Rippen ruhte und sich leicht hin und her bewegte. Der sanfte Druck von Lauras Kopf an seiner Brust.

Ja, so musste ein Freitagabend sein, dachte er und entschied sich, die Augen noch einen Moment länger zu entspannen und einfach den Augenblick zu genießen.

S s s s s

Vier Tage vergingen. Amélie fühlte sich nur halb lebendig. Sie musste sich zwingen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Jeden Tag. Viele Handgriffe erledigte sie automatisch.

Kunden hatten sie schon angesprochen, ob sie krank sei und sie hatte sich immer wieder anstrengen müssen, um freundlich und zuvorkommend zu sein.

Das Wetter trug auch nicht zu einer besseren Stimmung bei. Grau und kalt war es. Es roch nach Erde und verrottenden Blättern. Ständig war es feucht und kühl und regnete viel.

Eines Abends hatte sie noch länger arbeiten müssen, weil ein Kunde zwei neue Anzüge brauchte, natürlich so schnell wie möglich.

Als sie die Tür öffnete und eben nach oben in ihre Wohnung verschwinden wollte, hörte sie die Stimme ihres Großvaters.

„Amélie, komm bitte mal her," sagte er freundlich, aber mit seinem üblichen strengen Unterton.

Sie seufzte und schlüpfte aus den Schuhen, bevor sie das Wohnzimmer betrat.

„Bekommt dein alter Großvater keinen Kuss mehr?" fragte er, während er sein Buch auf das kleine Tischchen stellte.

Amélie ging zu ihm und beugte sich hinunter. Sie drückte ihm demonstrativ einen besonders lauten Kuss auf die Wange und Edward lächelte.

Seine Frau war mit zwei Freundinnen aus gegangen und nun ergriff er die Gelegenheit, mit der Enkelin zu reden.

„Ich weiss, Großväter sind nicht immer so feinfühlig, und vielleicht komm ich alter Mann auch nicht mit, mit den Sorgen der heutigen Jugend. Aber du beunruhigst mich etwas, in letzter Zeit. Und ich vermute stark, dass es etwas mit Severus Snape zu tun hat."

Er sah sie fragend an und Amelie atmete tief aus. Sie setzte sich auf das Sofa schräg gegenüber von ihm. Es war seltsam, bei ihren Eltern hätte es sie wohl genervt, wenn die sich eingemischt hätten, aber bei Großeltern war das irgendwie anders.

„Rede mit ihm," schlug er vor. „Du kannst dich noch Monate lang grämen. Ich sehe doch, dass du unglücklich bist und du lachst kaum noch. Das kann doch nicht immer so weiter gehen. Es wird nicht besser und es wird sich nichts ändern, wenn du es nicht änderst."

Er sah sie eindringlich an und nach mehreren Momenten nickte sie. „Vielleicht hast du recht," sagte sie nachdenklich. Wieder holte sie tief Luft und lächelte dann leicht. „Es ist eben nicht so einfach," sagte sie. „Und Gefühle kann man nicht erzwingen, nicht wahr?"

Edward lächelte. „Mach dir um die Gefühle keine Gedanken. Rede einfach mit ihm, alles andere wird sich zeigen. Ich war gestern kurz bei ihm. Es scheint mir nicht, dass es ihm anders geht, als dir. Ich kenne ihn schon lange, Amélie. Vertraue einem alten Mann."

„Hat er denn nach mir gefragt?" fragte Amélie und gab sich sichtlich Mühe, nicht zu interessiert zu klingen.

„Er hat sich nach deinem Wohlbefinden erkundigt," sagte Edward amüsiert, zeigte es der Enkelin aber nicht.

„Und sonst?" wollte sie in beiläufigem Ton wissen.

Edward sah sie intensiv an. „Frag ihn, finde es heraus!" ermutigte er sie.

S s s s

Amélie wusste nicht, was sie sollte. Ja, einerseits wollte sie ihm alles sagen und von ihm wissen, wie es um seine Gefühle stand . Aber andererseits traute sie sich nicht.

Sollte sie etwa einfach bei ihm auftauchen und ihn direkt fragen? Ihr würden ja schon die Knie zittern, wenn sie ihn nur sah. Snape war ein spezieller Mensch und sie konnte nicht einfach mit ihm sprechen, wie mit ihren Verflossenen.

Aber wollte sie hier Trübsal blasen, bis sie alt und grau war? Ihr Großvater hatte Recht. Sie musste etwas tun. Und das gerade jetzt gleich!

Sie kannte sich genau. Wenn sie es auf Morgen hinaus schieben würde, würde sie es sowieso nicht mehr tun. Sie würde es immer weiter hinaus schieben und dabei immer gefrusteter werden.

Sie würde ein Schlücklein von ihrem Mut-Zaubertrank nehmen. Der bewirkte auch, dass man etwas gleichgültiger wurde und genau das brauchte sie jetzt. Alkohol hatte diese Wirkung ja auch, aber sie brauchte einen klaren Kopf.

Aufgeregt biss sie sich auf die Unterlippe, bis es schmerzte. „Du machst das jetzt!" nahm sie sich vor.

Sie hielt das Fläschchen mit dem Trank, den sie schon einmal benutzt hatte, in der Hand. Plötzlich erwachte ihr Ehrgeiz. Sie schaffte das doch auch so! Ohne Hilfe eines Zaubertrankes! Ja, sie wollte es schaffen! Der Frust der letzten Wochen entlud sich und sie schrie vor lauter Ärger über sich und diese Situation. Das Zaubertrankfläschchen schleuderte sie quer durchs Zimmer und es zerschellte an einem Bild, das an der Wand hing.

„Ich bin doch kein verdammter Feigling!" schrie sie sich selbst an und kickte mit dem Fuss gegen den Bettpfosten, was sie augenblicklich bereute. Sie stieß den Atem aus und versuchte den stechenden Schmerz in ihrem Zeh zu ignorieren.

Mit zittrigen Fingern zog sie sich andere Jeans an und einen nicht zu warmen Pullover. Dann schwang sie sich den Umhang um die Schultern und sah sich entschlossen im Spiegel an.

„Amélie, jetzt oder nie!" sagte sie entschlossen, und starrte auf ihr Spiegelbild während sie energisch mit dem Fuß auf den Boden stampfte.

„Sie schaffen es," versicherte ihr auch der Spiegel. Sie zwang sich zu einem Lächeln.

S s s s s

Beinahe hätte Amélie noch rechts umkehrt gemacht, als sie in den Kamin trat und die Hand ins Flohpulver grub. Sie atmete nochmals tief durch und ihr Großvater nickte ihr ermutigend zu. Aber sie zog es durch und stand ein paar Sekunden später in den Privaträumen des ersehnten Mannes.

Snape, der großzügig irgendwelche Schularbeiten korrigierte, wie es den Anschein hatte, sah auf, als er den Kamin zischen hörte. Sie hatte sich nicht einmal bei ihm angemeldet. Aber es war ihr egal. Der musste sich jetzt Zeit nehmen und Schluss!

Nun gab es kein Zurück!

„Guten Abend, Amélie," grüßte Snape etwas erstaunt. Er stand auf und trat auf sie zu.

Er fragte sich, was wohl der Grund für diesen unerwarteten Besuch war. Sie hatten sich schon länger nicht mehr gesehen, und das letzte mal war der Abschied etwas steif und unangenehm gewesen.

„Setzen Sie sich doch," sagte Snape und deutete auf das Sofa. „Möchten Sie etwas trinken?" fragte er. Er spürte ihre Nervosität. Ihre Körpersprache verriet sie.

Sie war ganz hibbelig und wollte sofort zur Sache kommen. Kein drum-herum-Gerede. Sie musste es so schnell wie möglich los werden. Oder sollte sie doch lieber eine Ausflucht erfinden und sich dann schnell wieder verziehen?

„Nein, danke. Ich möchte stehen," sagte sie und fand selber, dass das etwas doof klang. Sie wusste nicht, was sie mit den Händen anfangen sollte, und sie wusste nicht, wie anfangen, mit dem was sie ihm sagen wollte. Zu Hause hatte sie es noch gewusst. Hunderte Male hatte sie sich vorgestellt, wie das Gespräch verlaufen würde. Was sie sagen und tun würde, und es hatte immer so gut geklungen in ihren Gedanken.

„Severus, ich möchte mit dir reden," begann sie ernst und hörte ihren Puls in den Ohren rauschen. Ihre Stimme klang etwas flattrig. Warum sie sich gerade jetzt auf solche Dinge achten musste, fragte sie sich.

Er stand groß und dunkel vor ihr. Der Mut drohte, sich von Amélie zu verabschieden. Seine schwarzen, im Licht des Feuers leicht funkelnden Augen, sahen sie erwartungsvoll an.

Sie nahm sich zusammen, so gut sie es zu Stande brachte. Ihr Mund war plötzlich so trocken. Nun hätte sie doch gerne etwas zu trinken gehabt.

„Severus, ich liebe dich," platzte sie einfach heraus.

TBC...

Review?