Wow! da bin ich ja richtig verwöhnt worden mit tollen Reviews! Danke vielmals!
Und Danke vielmals meiner super Betaleserin scientific ida, die so genial ist und so schlau und so aufmerksam! Bin super froh für die Unterstützung!
Phoebe: Danke vielmals für dein Review, hat mich riesig gefreut! Was? Wie kommst du denn auf die Idee, dass sich Laura über die Regeln ihres Vaters hinweg setzen könnte? das würde sie doch nie tun ;-P
LuciaBlack: Ich fühle mich geschmeichelt über dein Lob! DAnke vielmals, freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefällt!
Ganz liebe Grüsse an alle, Sally
s s s s s
Snape sah Amélie ungläubig an und sie hätte beinahe gelacht bei seinem erstaunten Gesicht. Doch sofort sah sie auch etwas wie Schmerz in seiner Miene.
Elendig lange Sekunden sagte niemand etwas. Amélie war froh, dass sie nun klar gesagt hatte, was Sache war, obwohl sie spürte, wie ihre Hände etwas zitterten. Das um-den-heißen-Brei-Gerede hatte sie satt.
Sie wusste nicht, ob sie gerade das Richtige tat. Immer wieder hatte sie die leise Stimme in ihrem Hinterkopf gewarnt, nicht naiv zu sein. Durfte sie einfach nach ihrem Gefühl handeln ohne zu wissen, wer dieser Mann vor ihr wirklich war?
Aber eigentlich hatte sie ihren Entschluss schon lange gefasst. Und nun musste Severus die Karten auf den Tisch legen. Sie würde sich nicht mit einer unklaren Antwort abspeisen lassen!
Sie richtete sich stolz auf und sah ihm direkt in das fragende Gesicht. Ja, sie hatte ihn überrumpelt. Nein, es war kein Fehler gewesen! Amélie wirkte selbstsicher und entschlossen.
Severus räusperte sich. Seine Gedanken schlugen Saltos. Er musste sich verhört haben.
„Sind Sie sich bewusst, Amélie, was Sie da sagen? Sind sie sicher, dass Sie das so meinen?"
„Natürlich bin ich mir sicher!" sagte sofort sie energisch. All das Angestaute wollte jetzt raus.
„Ich war mir noch nie bei etwas so sicher. Ich liebe dich. Und ich bin gekommen, weil ich mich nun seit Tagen frage, was du für Gefühle hast für mich. Die 'privaten Gründe', die uns im Wege stehen, will ich wissen. Und zwar jetzt gleich!" forderte sie selbstbewusst.
Sie machte eine kurze Pause und redete dann ernst weiter.
Snape war ziemlich vor den Kopf gestoßen, da das bestimmt nicht das gewesen war, was er erwartet hatte, als sie plötzlich hier aufgetaucht war.
„Sage mir jetzt, dass du mich nicht liebst. Und dass du nie fähig sein wirst, mich in Zukunft zu lieben, dann werde ich versuchen, damit klar zu kommen. Aber ich will reinen Wein haben und wissen, was Sache ist. Ich gräme mich seit langem und ich halte das nun nicht mehr aus! Ich habe es sowas von satt!" sagte sie mit einer halsabschneiderischen Handbewegung. Ihr Puls raste und sie hätte ihn am liebsten richtig durchgeschüttelt vor lauter Verzweiflung.
Snape war gerade sprachlos. Das waren klare Worte! Er bewunderte die junge Frau dafür, aber konnte er ihr sagen, welches diese Gründe waren? Er könnte ihr sagen, dass er sie nie lieben würde, dann wäre die Sache erledigt.
Das konnte er aber nicht. Trotz allem.
„Sag endlich was, verdammt nochmal! Sprich mit mir! Ist es wegen Laura? Oder was kann denn so dramatisch sein, dass du mir keine Chance geben kannst?" Amélie tönte nun eher verzweifelt und etwas leiser sprach sie weiter: "Vor ein paar Wochen in deinen Armen hab ich mich so wohl gefühlt. Ich weiß, dass du das auch genossen hast." Sie klang nachdenklich, aber sie war sich sicher, dass sie sich das nicht eingeredet hatte. Sie hatte es gespürt.
Die innere Unruhe und die Spannung wurde beinahe unerträglich für ihn.
Sollte er es jetzt sagen und alles riskieren? Sie liebte ihn. Ihn! So unglaublich das für ihn war, so unerträglich war es auch.
Er focht einen inneren Kampf mit sich, seine Miene blieb neutral.
Amélies Blick wurde sanfter und entspannter. Sie hatte gesagt, was sie hatte sagen wollen. Sie sah den Ausdruck in Severus' Augen. Sie hatte sein Gesicht jedesmal studiert, wenn sie mit ihm zusammen gewesen war und erkannte, dass es nur sein Äusseres war, das so neutral und ausdruckslos blieb. Seine perfekte Maske.
Amélie sah zu ihm auf und sagte:„Laura wird sich damit abfinden, auch wenn es ihr vielleicht nicht gefallen wird."
„Nein!" sagte er deutlich. „Das ist es nicht. Es geht nicht um meine Tochter," sagte er angespannt. „Eher um meine Vergangenheit," fügte er vorsichtig hinzu. Er sah sie forschend an. Seine Fassade zeigte die inneren Zweifel nicht.
„Um die Vergangenheit?" wiederholte sie leise und nickte kaum merklich. Ein paar Sekunden war es ganz still. Gestand er ihr gerade, dass er ein Todesser gewesen war?
„Du hast getötet? Das haben einige im Krieg. Es ist schrecklich! Du warst auf der falschen Seite? Das ist auch schrecklich, aber du hast bestimmt hart dafür bezahlt und tust es wahrscheinlich immer noch. Hast du noch andere Leichen im Keller vergraben? Was, möchte ich wissen, steht zwischen uns? Wenn das... wenn deine Zeit als Todesser Vergangenheit ist, dann könnten wir eine Chance haben."
Snape kam sich vor wie ein Ballon, den man immer mehr aufbläst und dessen Spannung immer stärker und stärker wird - und dann lässt man die Luft einfach raus. Genau so fühlte er sich.
„Sie... du weißt davon," fragte Snape so leise, dass es schon beinahe ein Flüstern war. Er sah sie verwirrt an. Sie wusste davon und... und hatte ihm gerade ihre Liebe gestanden?
Konnte es sein, dass er diese Szene gerade träumte? Er hatte oft geträumt, dass er es ihr sagte. Er fühlte sich irgendwie wie ein Zuschauer dieser Begebenheit.
All die Gedanken, die sich in seinem Gehirn gekrümmt und gewälzt und ihn gequält hatten die letzten Wochen und Monate. Alles hatte sich um dieses eine Problem gedreht - und nun wusste sie es?
„Ja," gestand sie einfach. „Mein Großvater hat mir alles erzählt. Das nachdem mir eine Freundin einen Hinweis gegeben hat, was mich ehrlich gesagt ziemlich verunsichert und vielleicht auch geschockt hat. Ich war total am Ende, dass der Mann, den ich liebe, ein Todesser ist. Mein Großvater hat mir erklärt, wie in etwa das alles war und dass du auf der hellen Seite bist."
Sie sah ihn fragend an. „Das bist du doch, Severus?" fragte sie.
„Das bin ich," antwortete er kurz und ehrlich.
Amélies Augen forschten auf seinem Gesicht. „Ist es das? Hat dich das von mir fern gehalten ?" fragte sie leise . „Du hättest es mir erklären können," hauchte die junge Frau.
Vielleicht bestanden ja Chancen für sie, dachte Amélie hoffnungsvoll.
Er war ein sehr selbstbewusster Mann, der bestimmt niemandem Rechenschaft ablegte. Dass ihn sein Fehler dermaßen grämte und er sich dafür schämte, erstaunte sie. Natürlich war es ein schrecklicher Fehler gewesen und hatte schlimme Folgen. Er hatte aber auch sein Leben jahrelang aufs Spiel gesetzt und einen sehr heißen Job als Doppelspion ausgeführt, der ihm jederzeit viel Schlimmeres als den Tod hätte bescheren können. Sie hatte sich die letzten Wochen viele Gedanken gemacht darüber. Wie es sein musste, gebrandmarkt zu sein, für sein Leben. Und sie hatte sich versucht, vorzustellen, was der Mann vor ihr durchgemacht hatte in seiner dunklen Zeit, vor vielen Jahren.
Severus sah in Amélies Augen, die nun ziemlich blau schienen. Sie sah ihm an, dass eine große Belastung von ihm abfiel und sie wusste, dass es tatsächlich das gewesen war, dass ihn davon abgehalten hatte, sich ihr zu öffnen. Aber hatte er wirklich Gefühle für sie?
„Ich liebe dich trotzdem," sagte sie leise und trat einen vorsichtigen Schritt auf ihn zu.
„Dass du das akzeptieren würdest, war für mich nicht voraussehbar. Im Gegenteil. Ich konnte kein Verständnis erwarten. Es ist nicht so, als wenn man im falschen Dartclub wäre, oder so. Ich habe deshalb schon viel verloren. Zu viel," fügte er leise hinzu.
Seine große Liebe. Menschen, die er gekannt hatte. Seine eigenen Großeltern waren diesem Krieg zum Opfer gefallen. Einen großen Teil seines Lebens hatte er an diesem Fehler gelitten, obwohl er am Krieg selber ja nicht die Schuld hatte. Trotzdem hatte er sich schuldig gefühlt für die vielen Opfer. Amélie wusste bestimmt, was dieser Fehler für ihn bedeutete. Oder sie ahnte es zumindest.
„Ich weiß nicht, was ein Dartclub ist, aber nein, es ist keine Lappalie. Du hast genug gelitten, deswegen."
„Aber ich möchte nicht, dass du auch darunter leiden musst," sagte er und sah sie ernst an. „Dass der dunkle Lord wieder zu neuer Macht kommt, ist sehr wahrscheinlich. Amélie, weißt du, was es bedeutet, wenn ich nicht als Spion des dunklen Lordes zu ihm zurückkehre? Hast du den Hauch einer Ahnung, zu was er fähig ist? Du würdest in ständiger Gefahr leben."
Amélie sah ihn erstaunt an. Um sie fürchtete er sich?
Die letzten Zweifel, die sich hartnäckig in ihrem Hinterkopf festgekrallt hatten, fielen von ihr ab. Wie Schneeflocken wirbelten sie davon und entlasteten die junge Frau.
Sie hatte sich nicht getäuscht. Sie sah es in seinen Augen. Er hatte seine Gefühle nicht erfolgreich genug vor ihr verbergen können. Dass er sie trotz seinen offensichtlichen Gefühlen auf Abstand gehalten hatte, vielleicht aus Angst, es ihr zu sagen und sie dadurch zu verlieren, aber auch aus Angst um sie, zeigte ihr, wieviel sie ihm wirklich bedeuten musste. Dass er auf die Liebe verzichten würde, um sie zu schützen.
Und obwohl sie wusste, dass Severus Recht hatte, mit dem, was er sagte, war sie froh, dass er nicht vorhatte, weiterhin als Spion zu fungieren in Zukunft. Sie hatte sich viele Gedanken gemacht und ihr war klar gewesen, dass sie an Severus' Seite gefährlich leben würde. So oder so. Auch wenn er seinen Job als Spion weiter durchführen würde, wäre sie in großer Gefahr. Ihr schauderte bei dem Gedanken.
Der-der-nicht-genannt-werden-durfte war eine Bestie, und natürlich würde sie auf der absoluten Prioritätenliste stehen, wenn jemand mitbekommen würde, dass sie mit Severus zusammen war. Sowie er, der Verräter selbst und auch Laura, als seine Tochter.
„Ich bin heute gekommen, weil ich deine Gefühle mir gegenüber wissen will, Severus. Lange genug hab ich mich gefragt, was du fühlst. Ob du etwas fühlst und es versteckst, oder ob ich dir egal bin. Bitte gib mir eine ehrliche Antwort. Und ja, ich werde in großer Gefahr sein, das ist mir bewusst. Aber ich bin eine erwachsene Frau und ich weiß was ich will." Sie klang sehr überzeugt, als sie hinzufügte: "Ich will dich!" Amélie sah ihn gespannt an.
Alles hing nun von seiner Antwort ab.
Snape, der an ihr vorbei gesehen hatte, richtete seine Augen plötzlich auf sie. Sehr ernst sah er sie an, als wollte er herausfinden, ob das wirklich alles die Wahrheit war.
Wie kannst du zweifeln? dachte Amélie und ihr Blick sagte ihm genau das.
Er ging einen Schritt auf sie zu. Er stand kaum einen Meter vor ihr und sah auf sie hinunter. Zu der Frau, der sein Herz gehörte. Die er liebte und die so klar und deutlich gesagt hatte, dass sie mit ihm zusammen sein wollte. Trotz aller Gefahren und trotz der Vergangenheit. Sie sahen sich nur an, wie lange, wussten sie nicht. Wahrscheinlich waren es nur einige Sekunden gewesen, aber der Blick war so tief, dass die Zeit keine Rolle spielte. Dass Amélie das alles auf sich nehmen wollte, konnte Severus nicht glauben. Für ihn! Für ihre Liebe!
Plötzlich zog er sie in eine Umarmung und hielt sie mit seinen Armen fest umschlossen.
Sie schloss die Augen und genoss diese Geborgenheit. Dieses Zeichen. Eine Welle durchströmte sie, die sich anfühlte wie warme Honigmilch.
Der ganze Druck fiel von ihr ab. Die ganzen Sorgen der letzten Wochen machten einer großen Erleichterung und Freude Platz. Sie wollte diesen Augenblick nie vergessen! Sie würde ihn nie vergessen, das war absolut sicher. Ja, sie war sich absolut sicher, dass Severus zu ihrem Leben gehörte, ganz egal, welche Gefahren drohten.
„Ich liebe dich von meinem ganzen Herzen," hörte sie seine tiefe Stimme leise, wie ein fernes Donnergrollen.
Das erstaunte und beglückte sie so sehr, dass sie hätte ohnmächtig auf den Boden sinken können und ihr Gänsehaut über den Rücken kroch. Natürlich freute es sie wahnsinnig, dass er das für sie empfand. Dass er es aber mit Worten ausdrücken konnte, überraschte sie trotzdem. Er war kein offener Mensch, was solche Dinge angingen.
Die Freude zerriss sie fast. Ob sie sich schon jemals so glücklich gefühlt hatte? Wohl kaum. Glückliche Tränen liefen aus ihren Augen und sie schloss sie.
Snape fühlte sich wohl noch etwas erleichterter. Obwohl er seine Gefühle im Griff behalten wollte und vorsichtig sein würde, hatte er diese Worte über die Lippen gebracht.
Er war sich bewusst, dass er nur durch Laura gelernt hatte, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Das Kind hatte ihn gezwungen, sich zu öffnen! Er hatte keine Chance gehabt, sich immer zurück zu halten. Laura hatte hören wollen, dass sie geliebt wurde. Sie versicherte es ihm auch häufig und diese für ihn so schwierig zu akzeptierenden Gefühlsausdrücke waren Teil seines Lebens geworden. Und er konnte es nicht oft genug hören.
Das kam ihm nun zu Gute. Amélie war gekommen, um zu wissen, wie es um ihn und seine Gefühle stand. Sie hatte ein Recht auf eine klare Antwort. Und auch ein Recht darauf, selber zu entscheiden, ob sie diese Liebe mit Hindernissen wollte.
Nun hatte alles eine Chance. Nun konnte sein Leben sich verändern. Noch mehr verändern. Er wollte endlich ein einigermaßen normales Leben führen, aber er wusste, dass das niemals möglich sein würde, solange Voldemort lebte.
Doch er würde es genießen, solange wie möglich. Er spürte Amélie in seinem Arm und drückte sie fest an sich, als müsse er sie beschützen. Er schloss die Augen und genoss diesen Moment, der nie enden sollte.
Er hatte ihre Lippen auf seinen, bevor er sich versah.
S s s s s s
Severus wünschte sich am nächsten Tag, es könnte doch bitte Wochenende sein. Es fiel ihm eigentlich nie schwer, aufzustehen. Aber sich heute mit unmöglichen Gören rumschlagen zu müssen und sich überhaupt konzentrieren zu müssen, dass die Plagegeister nichts in die Luft sprengten, das würde ihm schwer fallen.
Er lag im Bett und ließ den gestrigen Abend nochmals durch den Kopf gehen.
War das wirklich alles geschehen?
Konnte so viel an einem einzigen Abend geschehen? Konnte eine solche Veränderung stattfinden in wenigen Stunden? Es kam ihm unwirklich vor und doch konnte er sich so gut an den Geruch von Amélie erinnern. Er roch sie jetzt noch, obwohl sie nicht mehr bei ihm war.
Als er Amélies Kuss gespürt hatte und der ganze Druck von ihm abgefallen war, hatte er sich nicht mehr um seine Selbstbeherrschung und Kontrolle geschert.
Für einmal hatte er sein Hirn ausgeschaltet. Er war nur Mensch gewesen. Mann.
Sie hatten sich geliebt, verzweifelt und ausgehungert. Ihr größtes Verlangen war gewesen, sich so nahe wie möglich zu sein. Am Besten für immer und ewig.
Dank Amélies verbleibendem Verstand waren sie nicht an Ort und Stelle übereinander her gefallen, sondern hatten es immerhin noch irgendwie geschafft, ins Bett zu gelangen.
Doch sie hatten all den zurück gehaltenen Emotionen und den unterdrückten Gefühlen freien Lauf gelassen. Die heimlichen Wünsche nach Nähe und Liebe waren endlich zum Ausdruck gekommen.
Severus war jetzt bewusst, dass das eine große Änderung in seinem Leben war. Auch im Fall, dass das mit Amélie nicht immer so sein sollte, wie es jetzt war.
Er hatte es zugelassen, dass er sich einfach hatte gehen lassen. Seinen Verstand in den Hintergrund geschoben hatte und sich selbst von einer anderen Seite kennen gelernt hatte.
Erst als er mit Amélie im Arm in seinem Bett gelegen hatte, war ihm bewusst geworden, dass er in all den Jahren nie mit jemandem das Bett geteilt hatte, den er geliebt hatte.
All die Frauengeschichten waren oberflächlich gewesen und von kurzer Dauer. Das mit Ellen war noch das Intensivste gewesen. Zu ihr hatte er zumindest sowas wie Freundschaft empfunden. Die gelegentlichen Abenteuer im Bett hatten für sie beide nichts mit Gefühlen für einander zu tun gehabt. Und waren ziemlich unromantisch von statten gegangen.
Es war ein wundervolles Gefühl gewesen, Amélie so zu spüren. Die Liebe, die sie ausgestrahlt hatte und der wunderbare, weiche Körper. Und bei der bloßen Erinnerung an die Blicke und Küsse der jungen Frau, erhöhte sich seinen Herzschlag drastisch. Ja, die Küsse... Er würde sich ziemlich anstrengen müssen, sich heute auf den Unterricht und die Kinder zu konzentrieren.
S s s s s s s
„Professor Snape?" Harry trat auf ihn zu, nachdem er die Bücher in seine Tasche gestopft hatte, nach der Zaubertrank Doppelstunde am nächsten Morgen, kurz vor dem Mittag.
Snape, der die abgefüllten Fläschchen sortierte, drehte sich abrupt zu dem Jungen um. Harry erschrak etwas über die prompte Reaktion des Lehrers.
„Remus hat gesagt, ich soll Ihnen sagen, wenn ich die Stimme wieder höre," begann er vorsichtig. Er hatte hin und her überlegt, ob er das wirklich Snape sagen wollte, aber er hatte es Remus versprochen. Er wollte ihm gehorchen. Er vertraute Remus.
„Gestern hab ich sie wieder gehört, aber nur kurz. Sie war aber ziemlich leise, dieses Mal," fügte er hinzu.
Es irritierte ihn, dass Snape nichts sagte und er wollte sich umdrehen, um zu gehen. Er hatte es ja gesagt, also hatte er seine Pflicht erledigt.
„Wann und wo?" wollte nun der Professor doch wissen, als er sich gerade abwenden wollte.
Harry blinzelte kurz. „Als wir zum Essen in die große Halle gingen. Wir waren etwas spät dran, da wir noch Hausaufgaben gemacht haben. Aber Percy war dabei," versicherte er auf Snapes finsteren Blick sofort.
„Ich hab aber nichts gesagt, zu Percy, meine ich," erzählte Harry. Diese Stimme war wirklich unheimlich gewesen.
„Was hat sie gesagt?" fragte Snape weiter.
Harry sah ihn mit großen Augen an und Snape spürte, dass ihm der Zwischenfall mit der Stimme unheimlich war.
„Sie... sie hat gesagt, dass sie jetzt töten will. Zerreißen..." Harry sah zu Boden. Konnte es vielleicht doch sein, dass das alles in seiner Phantasie entstand? Aber er hatte es doch deutlich gehört, wenn auch nicht laut. Wieso sollte eine Stimme sowas sagen? Sie hatte so brutal geklungen.
„Ist gut, Harry," sagte Snape nicht unfreundlich und Harry freute sich, dass er seinen Vornamen benutzt hatte, was er selten tat und nur in seinen privaten Räumen.
„Ich werde mit Remus sprechen," fügte er hinzu und drehte sich um, um aufzuräumen.
Harry war einen Moment still und Severus drehte sich um, ob der Junge gegangen war, aber er stand noch immer an seiner Stelle und starrte auf den Boden.
„Ist sonst noch was?" fragte Snape etwas ungeduldig.
Harrys Augen hoben sich zu seinem Lehrer und er fragte nach einem kleinen Moment, in dem er sich überwinden musste: "Sir, denken Sie... dass ich verrückt bin oder so, wegen der Stimme? Ist ziemlich seltsam, dass nur ich sie höre, oder nicht?"
Seine Stimme war leise und etwas unsicher.
Snape war erstaunt, dass Harry ausgerechnet ihn das fragte. Er war nicht wirklich eine Vertrauensperson, denen die Schüler ihre Sorgen anvertrauten. Aber vielleicht hatte Harry nun eine niedrigere Hemmschwelle ihm gegenüber, seit er bei ihm zu Hause in den Ferien gewesen war.
„Hast du das nicht Remus gefragt?" wollte der Lehrer wissen.
Harry überlegte einen Moment. Er wusste, dass er von Snape eine ehrliche Antwort erhalten würde, dass der ihn nicht schonen und auch nichts schönreden würde.
„Würden Sie Laura sowas ins Gesicht sagen, Sir?" fragte er und hoffte, dass er mit dieser Gegenfrage nicht zu frech war. Denn wenn Snape auch recht freundlich war im Moment, kannte er auch die strenge Seite sehr gut und wusste, dass Snape keine Frechheiten tolerierte.
Snape verstand Harrys Überlegung und antwortete: „Ich denke nicht, dass es etwas mit einer Geistesstörung zu tun hat, Harry," sagte er sachlich. „Wieso nur du die Stimme hörst, ist mir noch nicht klar, aber es wird eine Erklärung geben, denke ich doch. Gehe nun essen, Harry. Ich werde später mit Remus darüber sprechen."
Der Junge nickte und war froh, dass Snape ihn nicht für übergeschnappt hielt. Irgendwie beruhigte ihn das sehr.
„Darf ich Remus dann auch kurz sehen, bitte? Ich vermisse ihn," fragte er nun etwas selbstsicherer.
Snape sagte, dass er sehen werde. Er würde ihn benachrichtigen, falls es möglich war. Severus konnte sich vorstellen, dass Laura auch Sehnsucht haben würde, wenn er nicht da wäre. Das Mädchen vermisste ihn ja schon nach wenigen Tagen, wie sich in den Ferien gezeigt hatte.
Laura war von Heimweh geplagt gewesen, sogar als sie bei den Weasleys hatte sein dürfen. Mit Remus und Harry war es dann besser gewesen.
„Danke," sagte Harry und eilte hinaus. Es hatte ihn ziemlich beschäftigt seit gestern und er hatte nicht mal den Freunden erzählt, dass er die Stimme wieder gehört hatte. Nun würde er das wahrscheinlich tun.
„Harry!" ertönte Snapes Stimme, als er schon die Tür erreicht hatte. „Ich werde Laura ein paar Extrastunden in Verteidigung geben. Es wäre mir recht, wenn du dich auch daran beteiligen würdest. In gefährlichen Zeiten ist es ratsam, sich gut verteidigen zu können," informierte der Lehrer.
Harry nickte. War ja noch nett, dass Snape wollte, dass er sich verteidigen könnte. „Ja, danke," antwortete er und lächelte, bevor er nach der Türklinke griff.
„Behalte es für dich!" mahnte Snape , während er eine Schublade an seinem Schreibtisch schloss und Harry nickte wieder. Er schritt auf Harry zu. „Komm, gehen wir essen."
S s s s s
Amélie legte die Jacke beiseite und nahm ihre Post, die wie jeden Abend auf der Fensterbank lag. Sie hatte einen langen Tag gehabt.
Beinahe eine Woche war seit dem Erlebnis mit Severus vergangen. Wahrscheinlich war kaum eine Stunde vergangen, in der sie nicht an diese Nacht gedacht hatte.
Es war eine neue Erfahrung für sie gewesen, dass die bloße Berührung eines Mannes eine solche Wirkung auf sie hatte. Als sie seine Handfläche auf ihrer Haut gespürt hatte, war es um sie geschehen. Er musste eine spezielle Energie haben oder so.
Amélie seufzte, als ihr wieder diese einzelnen Augenblicke in den Sinn kamen. Eigentlich hatte sie alles irgendwie wie in einem Nebel aus Gefühlen erlebt, sodass sie gar keine klaren Erinnerungen hatte, eher Augenblicke, die ihr wie süße Tropfen durch den Bauch rieselten. Jedesmal wenn sie an diesen Abend dachte, fühlte sie dieses tolle Gefühl, das sie noch nie so erlebt hatte.
Eines wusste sie genau. Dass sie ihn sehr bald wieder sehen musste. Sonst würde sie die nächsten Tage nicht überstehen. Sie würde noch durchdrehen, wenn sie nicht sehr bald wieder in seinen Armen liegen würde. Ob es ihm genauso ging?
Ein Brief stach ihr sofort in die Augen, als sie die Post durchsah... Er war von Laura.
Amélie öffnete ihn zögernd. Sie hatte ein ungutes Gefühl, dem Mädchen gegenüber. Sie hatte etwas mit ihrem Vater und Laura wusste nichts davon.
Und Amélie wusste genau, dass Laura etwas dagegen haben würde. Sie fragte sich, ob Snape ihr etwas gesagt hatte.
Wenn es etwas Ernstes würde, und das hoffte sie sehr, würde er ihr das sagen müssen. Schnellstmöglich.
Aber sah Severus das auch als etwas Ernstes? War es für ihn so wichtig wie für sie? Wahrscheinlich schon, dachte sie glücklich.
Er hatte ihr gesagt, dass er sie mit seinem ganzen Herzen liebe. Sie konnte es immer noch nicht wirklich fassen, dass er das gesagt hatte, aber sie wusste, dass wenn Severus Snape sowas sagte, dann war es auch so.
Sie hatten sich jedenfalls seither einen Brief geschrieben. Natürlich war Severus zurückhaltend, beim Schreiben und es war nicht gerade ein Liebesbrief gewesen.
Aber jedenfalls wollte er sie auch bald treffen. Leider hatte er diese Woche wenig Zeit gehabt, aber nun, am Samstag konnte er es vielleicht einrichten.
Lauras Brief verriet aber nicht, dass sie etwas wusste. Snape schien ihr nichts gesagt zu haben. Eine leichte Enttäuschung war auf ihrem Gesicht, als sie - eher per Zufall - in ihren Spiegel sah.
Auch Severus wusste, wie schwierig Laura war, wenn ihr jemand ihren Vater streitig machte.
Amélie mochte diese Heimlichtuerei nicht. Selbst wenn Laura schwierig tun würde, und ihr das sehr unangenehm wäre, wäre es ihr lieber als so hinten rum.
Sie würde Severus fragen, wie er das sah.
Audrey würde nachher noch vorbei kommen. Sie würden sich einen gemütlichen Abend machen. Und sie würde, wie immer, nur immer an Severus denken.
S s s s s s
„Bleibst du über Weihnachten hier?" fragte Hermine. „Ich muss noch Geschenke besorgen." Hermine und ihre Freunde standen im Gemeinschaftsraum nach dem Abendessen. Es war ziemlich voll und ihr Lieblingssofa war besetzt.
Laura zuckte die Schultern. „Ich muss meinen Dad fragen. Ich hoffe, dass wir nach Hause gehen. Nur dort ist es wirklich gemütlich, um Weihnachten zu feiern. Geschenke habe ich auch noch keine. Aber wir dürfen ja auch gar nicht nach Hogsmeade," jammerte das Mädchen.
„Es gibt ja auch Kataloge," gab Ron zu bedenken.
Harry lächelte verschmitzt. "Ich könnte ja Malfoy ein anonymes Geschenk schicken. Zum Beispiel eine Packung von Georges und Freds Superbonbons, von denen man schwarze Zähne bekommt."
Die Kinder lachten.
„Und ich spendiere ein Haarshampoo. Eine Spezialmischung mit der Haartönung von meiner Cousine drin. Violettes Haar würde seinem faden Gesicht etwas Farbe bringen," lachte Laura.
„Wir hätten noch einige Neukreationen, für die wir noch ein Versuchskaninchen bräuchten," mischte sich George ein.
War manchmal schon unheimlich, wie die Zwillinge immer aus dem Nichts auftauchen konnten und alles mithörten.
„Und unser Percylein schenkt seiner Penelope bestimmt einen Verlobungsring," neckte Fred, nicht sehr laut, aber so, dass der große Bruder, der auf dem Sofa saß und ein Buch las, es sicher hören konnte. George pfiff durch die Zähne und lachte.
Percys roten Ohren verrieten, dass er zugehört hatte. Er tat aber so, als sei das Buch besonders spannend.
Hermine schien das nicht zu amüsieren. „Hör doch auf, Fred," schimpfte sie streng. „Das ist nicht lustig."
Fred verzog das Gesicht. „Aber wenn er sie so lechzend ansieht, ist das schon lustig," bemerkte der Junge und ahmte den Bruder übertrieben nach.
Laura lachte und Hermine sah sie böse an. „Und die geben sich auch so richtig eklige Schlabberküsse," sagte Laura, die das, schon vor Wochen einmal per Zufall mitbekommen hatte.
„Was?" fragten die Zwillinge wie aus einem Munde. „Oh unser vernünftiger Percy ist auf Abwegen!" jammerte Fred gespielt verzweifelt. Nun erntete er einen vernichtenden Blick von dem älteren Weasley über den Rand dessen Buches.
„Du würdest dich ja auch nur zu gerne auf diese Abwege begeben. Mit einer gewissen Zaubertr..." weiter kam Ron nicht.
Fred fiel ihm schnell ins Wort. „Muss ich dich vielleicht an deine Schulden bei uns erinnern, Ronnielein?" zischte er und hatte nun auch eine ziemlich gesunde Farbe im Gesicht.
Ron verzog das Gesicht und Percy rettete ungewollt die peinliche Situation. Groß und dünn stand er neben den Zwillingen und sah wichtig auf sie hinunter.
„Ihr begegnet mir besser mit mehr Respekt," sagte er in strengem Ton und Laura fand, dass er sich ziemlich aufspielte.
„Es könnte sonst sehr leicht geschehen, dass ich ansonsten sehr beschäftigt sein werde, wenn ihr das nächste Mal euer Quidditch-Funtraining habt. Und ihr wisst ja, dass ihr ohne Aufsicht eines Vertrauensschülers nicht spielen werdet. Also, passt besser auf!"
Alle Beteiligten wussten, dass Percy recht hatte und am längeren Hebel war. Dass er sich aber immer so wichtig machen musste, nervte sie trotzdem.
S s s s s
„Bitte Dad, bitte, bitte!" jammerte Laura und versuchte ihm einen freundlich bittenden aber nicht bettelnden Blick zu geben. Die Arme hatte sie locker um seinen Hals geschlungen und stand mit Dackelblick neben ihm. Er stellte die Kaffeetasse, aus der er den letzten Schluck getrunken hatte, vor sich auf den Tisch und rutschte etwas näher mit dem Stuhl.
Er seufzte und sah Laura tadelnd an. „Ich hab dir klar gesagt, dass ich es noch nicht weiß. Jetzt hör sofort auf zu jammern, oder ich schicke dich in dein Zimmer," sagte er endgültig und gab ihr einen mahnenden Klaps auf den Hintern. Schon dreimal hatte seine Tochter ihn angebettelt, er solle doch bitte seinen Vater und am liebsten noch Remus und Harry einladen, um mit ihnen Weihnachten zu feiern.
Natürlich wollte er mit Laura nach Hause gehen und nicht hier in Hogwarts bleiben. Und er hatte sich auch überlegt, ob er seinen Vater einladen sollte. Dass er nun die Vergangenheit ruhen lassen wollte und einen Schritt vorwärts gehen würde, hatte er für sich selber entschieden. Ihm ging es privat so gut wie nie zuvor und vielleicht sollte auch sein Vater diese Chance haben. Schließlich wusste man nie, wie lange es ihnen so gut gehen würde.
Ja, vielleicht war das eine Gelegenheit, um dem älteren Mann zu zeigen, dass er es wirklich ernst meinte, mit dem Neuanfang. Es würde nicht einfach werden, das wusste Severus, aber versuchen wollte er es.
Er hatte schon mit Remus geredet und er wollte den Weihnachtstag mit Harry in seiner Wohnung verbringen. Den Tag nach Weihnachten wollte er dann zu seinem Kollegen gehen. Wieder hatten sie zwischen Weihnachten und Neujahr ein Phönixorden-Treffen.
Laura ließ ihren Vater los und setzte sich an den Tisch, wo ein Blatt Papier und Kohlestifte lagen.
Severus beobachtete sie und rieb sich die Schläfen.
Wie es dann mit Amélie aussehen würde, wusste Severus noch nicht. Er hatte Laura noch nicht gesagt, dass sie nun mehr verband als eine Freundschaft.
Dreimal hatten sie sich nun getroffen und er konnte schon behaupten, dass er irgendwie süchtig war nach der jungen Frau. Es war eine neue und schöne Erfahrung für ihn, mit jemandem zusammen zu sein, den er wirklich liebte. Und das unglaubliche Glück war, dass diese Liebe gegenseitig war.
Dass Laura heftig auf diese Neuigkeit reagieren würde, wusste er. Im Moment hatte er keine Nerven dafür und er würde dieser Auseinandersetzung noch etwas aus dem Weg gehen.
Er seufzte. Eigentlich war ja alles genau richtig. Laura mochte Amélie und umgekehrt. Nur schien Laura es gar nicht lustig zu finden, wenn jemand ihrem Vater sehr nahe stand.
Amélie hatte ihm versichert, dass sie Lauras Gefühle verstand und hatte ihn gebeten, ihr trotzdem bald zu sagen, was Sache ist.
Das war natürlich leichter gesagt, als getan.
Snape war streng und hatte seine klare Linie und ganz sicher entschied er selbst darüber, ob er eine Beziehung haben wollte oder nicht. Aber Laura wirklich verzweifelt und elend zu sehen, war nicht gerade etwas, das ihn lockte.
Nun hatte er für den heutigen Abend Amélie eingeladen, und Laura würde auch da sein. Sie würde bald da sein und er hatte sie gebeten, diskret zu sein. Er wollte mit Laura dann später mal reden.
TBC...
