Danke vielmals der lieben scientific ida fürs Korrigieren dieses Kapitels, und danke allen, die mir mit ihrem Review ihre Gedanken darüber mitgeteilt haben!

Phoebe: Danke vielmals für dein Review! Ich hoffe, dieses Kapitel beantwortet deine Frage ;-) Liebe Grüsse, Sally

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Laura malte an ihrem Bild, welches sie bestimmt vor Wochen angefangen hatte. Es zeigte einen Garten mit einer Steinmauer und einem Esel und im Hintergrund einen Berg. Laura konnte recht schön zeichnen. Sie zeichnete mit Kohle und konnte diese wirklich gut einsetzten.

Gedankenverloren legte Snape die Zeitung beiseite und sah auf das Bild.

„Was malst du da?" fragte er leise. Laura sah auf. Sie kratzte sich an der Nasenspitze, wodurch diese ganz schwarz wurde.

„Das ist der Garten aus meinem Traum. Der von Edna," fügte sie erklärend hinzu, obwohl Snape das vermutet hatte.

„Hm... so hat es also ausgesehen?" fragte er und seine Tochter nickte.

„So in etwa," antwortete sie und begutachtete kritisch ihr Bild. Es war noch schwierig, sich genau zu erinnern, da der Traum schon eine Weile her war.

Laura malte weiter, bis ein paar Minuten später der Kamin flackerte und Amélie hinaus kam. Snape hatte Laura gesagt, dass Amélie zum Essen kommen würde und sie gefragt, ob sie auch bei ihm unten essen wolle. Er hatte ihr aber auch gesagt, dass er es nicht mehr dulden würde, wenn sie frech wäre. Doch so würde sie sich nicht ausgeschlossen fühlen, dachte er.

„Hallo Laura!" sagte Amélie fröhlich und begrüßte erst das Kind. Laura war aufgestanden und umarmte Amélie.

Dann ging Amélie zu Severus und begrüßte ihn mit drei Küsschen. Sie hasste es, dieses Spiel zu spielen.

„Setz dich doch," sagte Snape und Lauras Kopf schnellte hoch. Seit wann duzte ihr Vater die junge Frau?

Laura beobachtete die Erwachsenen die nächsten Minuten heimlich, während sie malte und so tat, als konzentriere sie sich ganz auf das Bild.

Sie spürte, dass zwischen den beiden etwas vor sich ging. Irgendwie benahmen sie sich seltsam. Lauras Augen verengten sich. Was wurde hier gespielt? fragte sie sich mit ungutem Gefühl.

„Das ist ein sehr schönes Bild, Laura. Du bist sehr talentiert!" lobte Amélie ehrlich. Das freute Laura und sie bedankte sich für das Kompliment.

Milly erschien mit dem Essen und Laura ging schnell zu ihr, um ihr zu helfen.

Sie trug ein paar Häppchen zum Apéro auf und schenkte Weißwein ein. Das Essen hatte sie noch auf dem Herd.

Laura sah zu, wie ihr Dad und Amélie sich unterhielten und von dem Wein tranken. Sie schienen so viel vertrauter, als sonst. Vor allem ihr Vater war viel lockerer und kein bisschen sein distanziertes Selbst.

Ein eigenartiges, fremdes Gefühl kroch ihr in die Magengegend. Es beunruhigte sie und machte sie nervös. Ihre Augen verengten sich, als sie zu den Erwachsenen sah. Als sie bemerkte, dass Milly sie beobachtete, löste sie schnell den Blick von ihrem Dad und der jungen, hübschen Frau.

„Milly, ich helfe dir, das Essen zu bringen," bot Laura schnell an, als Milly in die Küche ging, wo das Essen auf dem Herd stand, damit es warm blieb.

Milly schenkte Wein nach und räumte den Apéroteller ab, während Laura in der Küche schon die Teller geschöpft hatte. Sie schien sich sehr beeilt zu haben, bemerkte Milly, denn das Essen war nicht sehr sorgfältig auf die Teller geschöpft worden.

Sie sagte nichts, da sie Lauras Eifer nicht bremsen und sie nicht beleidigen wollte und tat ihr Bestes, die Sache, so gut es ging, zu retten.

Dann trugen sie gemeinsam die Teller zum Tisch.

Laura setzte sich auch und als alle ihr Essen hatten, begann sie hungrig zu essen. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie Amélie.

Diese sah ihren Vater so seltsam an. Als sie den Kartoffelgratin in den Mund nahm, verzog sie sofort das Gesicht und Laura musste sich bemühen, nicht zu lachen. Konzentriert starrte sie auf ihren eigenen Teller und schnitt ihr Fleisch.

Auch Snape war Amélies Gesichtsausdruck nicht entgangen und er sah sie fragend an. Er fand das Essen sehr gut. Als er zu Laura sah, wusste er sofort, dass sie etwas damit zu tun hatte, dass Amélies Essen ungenießbar war.

Im Stillen zählte er auf Zehn und dann auf Zwanzig und wieder rückwärts, bis sein Puls sich etwas normalisiert hatte.

„Milly, könntest du bitte Miss Delais einen neuen Teller mit Essen bringen?" fragte er, ohne eine Emotion zu verraten.

Milly stellte keine Fragen und brachte Amélie sofort einen frisch gefüllten Teller. Laura tat so, als wenn nichts wäre. Sie sah ihren Vater nicht an, da sie wusste, dass er ihr einen strengen Blick geben würde.

Sie aßen weiter, nun etwas ruhiger. Kein Gespräch wollte so richtig seinen Lauf nehmen.

Als Laura versehentlich ihr Trinken ausschüttete, natürlich genau über Amélies Hose, brauchte Snape viel Selbstbeherrschung um seine Tochter nicht zu schütteln.

Er gab ihr einen warnenden Blick und sie senkte schnell den ihren.

Amélie war sehr traurig über Lauras Benehmen und Snape bereute ein wenig, dass er Amélies Besuch nicht doch ohne Laura geplant hatte. Laura war sensibel und realisierte, dass etwas anders war.

Trotzdem konnte sie sich nicht so unartig benehmen! Hier wäre nun wieder etwas Selbstbeherrschung ihrerseits gefragt gewesen.

Dass sie sich so ungehobelt aufführte, Besuch gegenüber, konnte er nicht tolerieren. Egal wie eifersüchtig sie war.

Zum Glück schien sich nun die Lage etwas zu entspannen und Laura spielte mit Jimmy und verschwand hin und wieder in ihrem Zimmer.

Snape unterhielt sich nun ungezwungen mit Amélie und Milly brachte Kaffee und Dessert. Nun war natürlich Laura auch wieder zur Stelle, als es nach Kuchen duftete.

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„Machen wir nachher ein Spiel, Dad?" fragte Laura und sah ihren Vater erwartungsvoll an. Gestern hatten sie einen gemütlichen Familienabend gehabt, nach ein paar Differenzen wegen Lauras Hausaufgaben, aber das war meistens der Fall. Allerdings wurden Lauras Arbeiten immer ordentlicher, aber die Anforderungen ihres Vaters schienen auch immer etwas zu steigen.

Sie hatten sogar noch Schach gespielt und dann hatten sie sich gegenseitig aus ihrem Buch vorgelesen, wie sie es in letzter Zeit oft taten.

Aber nun hatte er die ganze Zeit mit Amélie geplaudert, nun sollte er sich gefälligst um sie kümmern !

„Vielleicht," antwortete er, was Laura auf die Palme brachte. Sie schnaubte und biss in ihren Kuchen, als wolle sie den für die unerwünschte Antwort ihres Vaters bestrafen. Snape hätte ihr die Süßigkeit am liebsten weggenommen, bei dem frechen Gesichtsausdruck, den sie hatte.

Amélie sah ihn an und ihr Blick sagte ihm, dass er das nicht zu ernst nehmen sollte. Nur deshalb schickte er sie nicht vom Tisch.

Kaum hatte Laura das letzte Stück Kuchen hinunter geschluckt, stand sie auf und wollte ein Spiel holen.

„Setz dich hin, Laura!" sagte Snape scharf. Sie wusste sehr genau, dass sie nicht einfach so den Tisch verlassen durfte, wenn die anderen noch am Essen waren.

Laura funkelte ihn böse an, gehorchte dann aber widerwillig. Sie schmollte, während Amélie und Snape ihren Kaffee tranken und über ein furchtbar langweiliges Thema von irgend einem berühmten Zauberer, den Laura nicht mal kannte, redeten.

„Darf ich jetzt vom Tisch?" fragte Laura ungeduldig, sobald die beiden auch den Nachtisch gegessen hatten.

Snape sah sie einen Moment an und überlegte. „Wenn du dich jetzt benimmst, darfst du aufstehen," sagte er.

Ein paar Sekunden später pflanzte Laura ein Spiel, welches sie schon länger von Ron ausgeliehen hatte auf den Tisch. Sie hatte es erst einmal mit ihrem Vater gespielt und es war ziemlich langweilig. Es war mit kleinen Monstern, die die Spieler fraßen, wenn sie auf ein bestimmtes Feld kamen. War wahrscheinlich für Babys, dachte Laura.

Snape ärgerte sich sichtlich über die Manieren seiner Tochter, doch Amélie schlichtete und spielte bereitwillig mit.

Bald war klar, dass Laura mogelte. Das war sonst nicht ihre Art und Snape wusste, dass sie provozierte.

Wieso sie so unglaublich schwierig tat, wusste er nicht. Nun gaben sie sich ja mit ihr ab und er hatte sie extra dabei sein lassen heute, damit sie sich nicht außen vor gelassen fühlte.

„Laura, geh in dein Zimmer, marsch!" sagte er, als er die Nase voll hatte von ihrem Benehmen. Sie sah ihn empört an.

„Wenn du dich nicht angemessen benehmen kannst, gehst du am besten und denkst drüber nach, wie man sich aufführt!" schimpfte er und zeigte in Richtung ihrem Zimmer.

Sein Blick war warnend und sie stand schnaubend auf. Sie wusste, dass sie die Geduld ihres Vaters auf eine harte Probe stellte, aber im Moment war ihr das egal.

„Ihr wollt mich nur los sein, damit ihr alleine seid!" sagte sie wütend vor sich hin. Sie murmelte noch etwas, das er nicht verstand, das aber nicht nach einem Kompliment klang. Sie stampfte in ihr Zimmer und knallte die Tür zu, dass Snape und Amélie beinahe die Ohren wackelten.

Das gab Severus den Rest. Amélie sah ihm etwas hilflos nach, als er mit großen Schritten zum Zimmer seiner Tochter ging.

Mit verschränkten Armen saß Laura im Schneidersitz auf ihrem Bett und machte ein böses Gesicht. Ein sehr böses. Sie sah aus wie ein kleines Kind, das trotzte, fand Snape. Und genau so hatte sie sich die letzte Stunde auch verhalten. Wie ein unglaublich verwöhntes kleines Mädchen.

Der wütende Ausdruck verschwand rasch von Lauras Gesicht, als sie sah, wie unzufrieden ihr Vater sie ansah.

Mit nur zwei Schritten war er bei ihr. Sie wand und sträubte sich, als er sie am Handgelenk fasste und vom Bett zog. Doch ihr Versuch, sich gegen seinen Griff zu wehren, zeigte nicht den geringsten Erfolg. Kaum stand sie auf den Füßen, klatschen, in rascher Folge, drei ziemlich laute Schläge auf ihrem Hosenboden.

Ein erschrockenes 'Au' entfuhr Lauras Mund, als die Hand ihres Vaters auf ihrem Hinterteil landete, obwohl es sie eigentlich nicht sehr verwunderte, dass ihr Vater einen endgültigen Schlussstrich unter ihre Ungezogenheit zog.

„Wir sprechen uns nachher, junge Dame," sagte er streng, während sie sich den Hintern rieb und weinte.

Als er das Zimmer verließ, sah er noch, wie sie sich auf ihr Bett warf und den Kopf im Kissen vergrub.

Er blieb stehen und atmete ein paarmal tief ein und aus. Seine Hand prickelte von den entschlossenen, ziemlich kräftigen Klapsen, die er seiner Tochter gegeben hatte.

Und das erste mal zweifelte er, richtig gehandelt zu haben. Wäre nicht ein Gespräch angesagt gewesen?

Noch einen Moment länger stand er da und hörte gedämpft Lauras Schluchzen durch die Tür.

Verdammt! dachte er.

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„Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist!" sagte er zu Amélie, die ihm ein paar Schritte entgegen kam.

Diese seufzte. Natürlich hatte sich das Kind total daneben benommen, aber Laura tat ihr trotzdem Leid. Vor allem, weil sie wahrscheinlich auch durcheinander war und ihre Gefühle nicht einordnen konnte.

Das Mädchen stand zwischen zwei Erwachsenen, die sie liebte oder zumindest gut mochte. Nun spürte sie zwischen diesen Erwachsenen auch etwas und war eifersüchtig und hatte vielleicht Angst.

Amélie vermutete, dass die Gefühle zwischen ihr und Snape für Laura unberechenbar waren. Es waren nicht dieselben, die die Erwachsenen für Laura empfanden.

„Du solltest mit ihr sprechen, Severus, sie spürt, das da etwas ist, zwischen uns," sagte sie sanft. Ihre schönen Augen blickten ihn ernst und etwas traurig an. „Ja, sie hat sich sehr schlecht benommen, aber sie ist auch verwirrt. Sprich mit ihr!" riet sie.

Snape hatte noch nie Rat von jemand anderem angenommen, wenn es um seine Tochter ging. Vor allem nicht, wenn er nicht danach gefragt hatte.

Aber er sah, dass das alles Amélie auch ans Herz ging und er nickte. Er zog sie etwas zu sich und sie legte ihren Kopf an seine Schulter, als sie seine Arme spürte, die er sanft um sie legte. Schön, dass Amélie sich Gedanken machte über Laura und sich nicht über ihr Verhalten ärgerte oder gar enttäuscht war. Wahrscheinlich hatte die junge Frau Recht und Laura spannte wirklich etwas. Das Kind war ziemlich sensibel, wenn es um solche Dinge ging.

Wenn er nur daran dachte, wie sie ihn vor ein paar Tagen betütelt hatte, wie eine Glucke. Sie hatte sofort gemerkt, dass es ihm nicht gut gegangen war.

„Sie soll etwas Zeit haben, sich zu beruhigen und etwas nach zu denken," sagte er und sie lächelte ihn an. „Im Moment bringt es nichts."

Sie setzten sich aufs Sofa und redeten leise. Er erzählte vieles von Laura und Amélie war sehr erfreut, dass er seine Tochter, die ja wirklich manchmal ein echter Wirbel war, in so einem guten Licht sah. Sie spürte, wie sehr er sein Kind liebte.

Ob er noch mehr Kinder haben wollte? Zwar war er nicht so der Typ für Kleinkinder, aber man wusste ja nie. Sie wurde nachdenklich und Snape sah sie fragend an.

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Laura lag auf ihrem Bett und fühlte sich scheußlich. Nicht nur wegen der Klapse, die sie von ihrem Vater erhalten hatte und die immer noch auf ihrem Hintern surrten. Viel schlimmer war die Tatsache, dass sie sich Amélie gegenüber so schrecklich verhalten hatte. Wieso war sie nur so gemein gewesen zu der Frau, die sie doch eigentlich liebte? Sie verstand sich selber nicht.

Amélie würde sie nun für ein ungezogenes, freches Kind halten und nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, dachte sie unglücklich.

Bestimmt hatte sie gehört, wie ihr Vater ihr auf den Hintern gehauen hatte und sie war bestimmt glücklich gewesen darüber. Wahrscheinlich hatte sie gedacht, dass er sie noch viel härter hätte bestrafen sollen!

Sie schluchzte und dachte an die Blicke, die ihr Vater und Amélie sich gegeben hatten. Wieder flammte die Eifersucht hoch und Laura weinte noch mehr. Bald würde er Amélie lieben und sie wäre dann Nebensache! Nichts würde mehr so sein wie jetzt! dachte sie besorgt.

Natürlich hatte sie gewusst, dass ihr Vater es nicht durchlassen würde, wenn sie sich so benahm. Aber sie wollte einfach verhindern, dass Amélie und ihr Vater sich verliebten. Sie wollte, dass sie nur Freunde waren. Sie wollte ihren Vater für sich!

Plötzlich fiel ihr etwas ein. Oje, dachte sie, putzte sich schnell die Tränen vom Gesicht und stand auf.

Amélie lächelte, als Snape ihr erzählte, wie Laura der Frau in Velenos Laden schwarze Zähne beschert hatte und plötzlich hörten sie Lauras Zimmertür leise aufgehen. Laura ging schnurstracks an ihnen vorbei zur Garderobe. Sie blickte sich etwas verlegen zu den Erwachsenen um, bevor sie in Amélies Jackentasche griff und die Versuchskaninchen-Ratte hinaus holte.

Etwas beschämt ging sie wieder in ihr Zimmer und sah den vielsagenden Blick ihres Vaters. Ihr Bauch fühlte sich seltsam hibbelig an, wenn sie daran dachte, wie er sie angesehen hätte, wenn sie die Ratte in der Jackentasche gelassen hätte und Amélie sich deswegen erschrocken hätte. Aber sie war froh, dass sie nun noch rechtzeitig ihren Streich hatte verhindern können.

Es hätte wohl unangenehme Folgen gehabt, wenn sie nun nochmals so etwas geboten hätte.

Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, setzte sie sich wieder auf ihr Bett. Was konnte sie tun, damit diese beiden da draußen sich nicht verliebten. Sie würde es nicht ertragen, wenn sie knutschen und küssen würden, auch wenn es vorhin im Wohnzimmer nicht unbedingt danach ausgesehen hatte.

Sie sah die Ratte in ihren Händen an. „Heute ist der Tag deiner Freiheit!" sagte sie zu dem Tier, dass mit seiner langen Nase neugierig schnupperte. Laura sperrte sie in den Käfig zurück und gab ihr ein Apfelstückchen, welches sie eigentlich für Jimmy bereit gelegt hatte . Sie würde die Ratte dann später frei lassen. Sie hatte sich erst überlegt, sie in Malfoys Schultasche zu stecken, aber sie hatte befürchtet, dass der blonde Lackaffe das Tier womöglich töten würde.

„Milly!" hauchte sie.

Sofort stand das kleine Wesen neben ihr. Laura umarmte sie sogleich glücklich und trostsuchend.

„Was hat meine liebe Laura?" fragte Milly besorgt, als sie die roten Augen des Mädchens sah. Was konnte passiert sein?

„Mein Dad und Amélie küssen bestimmt da draußen!" klagte sie etwas empört. „Ich glaube, die verlieben sich," jammerte sie und zeigte zur Tür.

„Mein Dad hat mir ein paar gescheuert," fügte sie anklagend hinzu und rieb sich ein wenig den Hintern.

Leider bekam sie nicht den mitleidigen Blick von der Elfe, den sie sich gewünscht hatte. Milly wusste, dass Snape streng war, aber er würde seine Laura nicht bestrafen, wenn sie es nicht verdient hatte. Sie wollte Snapes Autorität auch nicht untergraben, indem sie Laura nun tröstete.

„Ist meine Laura traurig, weil ihr Vater nicht nur sie liebt?" fragte Milly, die Lauras Sorgen richtig gedeutet hatte.

Laura nickte zögernd. Das klang ziemlich egoistisch, wenn Milly das so sagte.

Milly überlegte einen Moment, lächelte dann heimlich und nickte zustimmend. „Milly will auch nicht, dass Meister Professor Snape Miss Delais liebt. Dann würden sie eine Familie sein und Laura würde nur noch Amélie lieben und Milly vergessen," sagte sie ernst und besorgt, beobachtete dabei aber die Mimik des Mädchens.

Laura schüttelte heftig den Kopf und sah die Elfe ungläubig an. „Nein, Milly, niemals!" beteuerte sie.

„Aber wenn Miss Delais dann für Laura da wäre und sich um meine Laura kümmert, würde Laura Milly nicht mehr so sehr lieben! Nur noch halb oder vielleicht gar nicht mehr. Sie würde nur noch Augen haben für junge Miss Delais und Milly wäre nicht mehr wichtig!" jammerte die kleine Elfe und sah Laura traurig mit ihren riesigen Augen an.

Laura kauerte sich zu Milly hinunter und sah sie so ernst an, dass Milly Mühe hatte, ihr Lächeln zu verbergen. Das Mädchen hielt sie an den dürren Oberarmen fest.

„Hör mir zu, Milly! Ich will das nie mehr hören!" schimpfte sie mit einem Blick, der von ihrem Vater hätte stammen können. „Du bist immer immer meine Liebste, meine Milly und ich werde dich immer so sehr lieben, wie jetzt. Egal was passiert! Ich hab doch viel Platz in meinem Herzen, weißt du," erklärte sie geduldig. Sie liebte ja auch ihren Großvater und Remus und ihre Verwandten und ihre Freunde und Jimmy ...

Milly lächelte und fuhr Laura mit der Hand über die Wange. „Mein liebes Kind," sagte sie voller Liebe.

„Glaubt Laura nicht, dass auch ihr Vater ein großes Herz hat? Groß genug? Meint Laura, er würde sie jemals weniger lieben, wenn er auch Miss Delais liebt?" fragte sie. „Laura wird immer Meister Professor Snapes Kind sein, das er am aller meisten liebt, egal was passiert!" Sie strich Laura nochmals über den Kopf und verschwand dann mit einem leisen 'Plop'.

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„Ich lass euch dann mal alleine," sagte Amélie und küsste Severus auf den Mund. Er stand auf und ging zur Garderobe, um ihr die Jacke zu reichen.

„Ich werde dir bald schreiben," sagte Snape. „Und entschuldige Lauras Benehmen."

Amélie lächelte ihn an. „Sie ist ein Kind. Und sie ist verwirrt und ich denke, sie braucht dich jetzt sehr."

Snape zog die junge Frau an sich, als sie in die Jacke geschlüpft war und hielt sie fest. Es war so wundervoll, dachte er. Amélie war so wundervoll.

Sie würden auch das mit Laura hinbekommen! Amélie verabschiedete sich und trat in den Kamin.

Sofort schritt Snape zu Lauras Zimmer. Vor der Tür blieb er stehen. Er hatte mit diesem Gespräch warten wollen. Er hatte es einfach noch ein wenig genießen wollen, mit Amélie. Er hatte vermutet, dass Laura nicht erfreut sein würde, aber dass sie so ein Theater veranstaltete, wenn er Amélie noch nicht einmal geküsst hatte, vor ihren Augen, hätte er nicht erwartet. Er hätte aber auch nicht gedacht, dass Laura etwas spitzkriegen würde.

Er öffnete die Zimmertür und sah Laura auf dem Bett liegen. Sie lag auf der Seite und er trat näher. Die Hände hatte sie zwischen die Knie geklemmt und sie schlief tief und fest.

Severus setzte sich neben sie. Er sah auf das Kind hinunter, das sein Leben auf Trab hielt und so sehr bereicherte und so grundlegend verändert hatte. Trotz all des Ärgers, den er mit Laura manchmal hatte, liebte er dieses Mädchen so unglaublich stark, dass er es sich selbst nicht erklären konnte.

Er strich ihr sanft übers Haar und sie drehte sich im Schlaf auf den Rücken. Einen Arm hatte sie über dem Kopf und ein paar Haarsträhnen über dem Gesicht. Er konnte immer noch ganz leicht die Kohle erkennen, die sie sich am frühen Abend ausversehen an die Nase gestrichen hatte, während des Zeichnens.

Nachdenklich saß Snape da, wie lange wusste er nicht. Sah sie nur an.

Was sollte er tun, wenn Laura immer schwieriger tat wegen Amélie? Wenn er ihr sagen würde, dass er die junge Frau liebte?

Sie musste es einfach akzeptieren. Er war bereit, Kompromisse ein zu gehen, wenn nötig. Er würde Amélie nur noch alleine treffen, wenn Laura es nicht ertragen würde, wenn sie sich nahe waren. Aber er würde ihr auch klar sagen, dass er das Recht darauf hatte, eine Beziehung zu führen und glücklich zu sein.

Auch wenn sie das nicht mochte, würde er sich nicht von ihr vorschreiben lassen, ob und mit wem er zusammen sein würde.

Er würde erwarten, dass sie sich anständig benahm.

Die Hoffnung bestand, dass es nicht zu solchen Auseinandersetzungen kommen würde. Amélie mochte Laura gerne und sie war sehr verständnisvoll und lieb. Und Laura mochte Amélie auch.

Und auch wenn sie Amélie nicht leiden könnte, würde sie die Beziehung trotzdem akzeptieren müssen. Vielleicht brauchte Laura einfach Zeit, um zu lernen, damit umzugehen.

Wieso musste das so schwierig sein, jetzt, wo alles sonst so gut lief?

Plötzlich sah er, wie Lauras Gesicht einen traurigen Ausdruck an nahm. Ob sie nun von dieser Angelegenheit träumte, dachte er etwas besorgt. Vielleicht belastete sie das alles ja zu sehr.

Wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn er sie nun mit diesem Thema einfach mal in Ruhe lassen würde.

Er stand auf und zog die Decke unter ihr hervor und obwohl sie noch im Traineranzug war, deckte er sie zu. Sie brauchte jetzt ihre Ruhe.

Aber einen Zahnputzzauber machte er dann doch noch. Laura hatte zu seinem Erstaunen wirklich schöne Zähne und keine Löcher. Wer sie gelehrt hatte, ihre Zähne so gut zu pflegen, wusste er nicht. Er würde sie dann gelegentlich fragen.

Ein Schluchzer entfuhr dem Mädchen, das im Moment so unglaublich klein und jung erschien. Sie hatte sich wieder auf die Seite gedreht und die Beine angezogen, als müsse sie sich vor etwas schützen.

Er beugte sich hinunter und küsste sie zweimal auf die Wange. „Du wirst immer meine kleine Laura sein," flüsterte er und erschrak ein bisschen über sich. Er gab seiner sentimentalen Seite selten Gelegenheit, sich auszudrücken.

Was diese Frauen doch alles bewirken konnten bei ihm! staunte er.

Ja, er würde sie etwas in Ruhe lassen, mit diesem Thema...

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Laura träumte derweil nicht von ihrem Vater und auch nicht von Amélie.

Sie träumte von Edna. Es war wieder der Traum vom Grab. Das war das erste mal, dass Laura wusste, wer in dem Grab lag.

Wieder erlebte sie das Ritual und wieder wurde sie gezwungen, den Trank zu trinken. Aber sie wusste, dass es ihr gelingen würde, einen Gegentrank zu entwickeln.

Sie wusste, dass sie sich eines Tages an die Schwester erinnern würde. Und dann würde sie ihre Margarida verabschieden und ihr eine Kerze ans Grab bringen. Sie würde ihr eine Blume aufs Grab pflanzen, sie würde das schaffen!

Die schwarzhaarige Mutter bekreuzigte sich.

Wie scheinheilig! dachte Laura. Sie war sich diesmal bewusst, wer diese Frau war. Es war Rachel Marconas.

Trotz des hinterhältigen Plans, der allen Verwandten die Erinnerung an Margarida rauben würde, war der Frau scheinbar trotzdem wichtig, dass eine Zeremonie stattfand und die Tochter anständig bestattet wurde. Laura wusste, dass die Leute früher meist sehr gläubig waren und in südlichen Ländern sowieso.

Wahrscheinlich war die Mutter auch ziemlich verzweifelt, wegen des Unfalls und sie hatte ja auch ein Kind verloren. Irgendwie tat sie Laura trotz ihrer unfreundlichen, kalten Art und ihres fiesen Plans Leid.

Schwarzkatholisch, hatte ihr Onkel immer gesagt, wenn die italienische Tante Antonia zu Besuch gekommen war, die in einem kleinen Tal in Süditalien lebte.

Laura sah diesmal genau hin, als sich der Stein, der den geheimen Gang verschloss, an seinen Platz rückte. Laura vermutete, dass es der Gang war, der im Schacht in ihrem Garten endete. Wieso sie die Echse dort einsperrten, wusste sie nicht.

Vor allem hatte Laura gesehen, dass der Mann mit der Kapuze der Echse noch irgend einen Zauber aufgehalst hatte, bevor er sie, mit blutigem Rücken in das Loch gelassen hatte.

Laura fragte sich, was der Mann der Echse angezaubert hatte.

Die Leute, die nun alle den Trank getrunken hatten, standen verwirrt herum und schienen nicht recht zu wissen, was sie hier taten.

Einige stolperten orientierungslos umher und andere redeten wirres Zeug. Laura fühlte, wie sich ein Nebel in ihrem Kopf breit machte. Es war ein unangenehmes Gefühl. Dieser Nebel schien sich durch ihr ganzes bisheriges Leben zu ziehen. Sie meinte zu fühlen, dass er sich wie eine Schlange durch ihre Erinnerungen schlängelte und Teile davon vernebelte.

Sie versuchte krampfhaft, das zu verhindern und sie dagegen zu wehren, aber es war unmöglich. Sie begann zu weinen.

Nein!

Edna begann zu weinen.

Laura konnte sich mit den Gedanken etwas distanzieren. Sie wusste zwar, wie das Mädchen im Traum sich fühlte, aber sie wusste genau, dass nicht sie es war. Und es war nicht ihr Gehirn, das vernebelt wurde.

Laura hoffte, dass sie nicht sofort aufwachen würde, denn sie wollte wissen, was als nächstes geschah.

Aber die nächsten Sequenzen waren nur Bruchstücke von Erinnerungen. Laura vermutete, dass das dem Trank zu verdanken war.

Sie hörte Gesprächsfetzen, die keinen Sinn ergaben für sie.

Sie spürte Ednas Verzweiflung und sie spürte, dass alles neu war für das Mädchen. Ein neues Haus, eine neue Sprache, neue Leute eine neue Schule. All das bekam Laura nur aus kleinen Episoden mit, die Edna scheinbar erlebt und gefühlt hatte.

Laura erwachte kurz, da jemand an ihrem Bett zog und sie Zahnpasta im Mund schmeckte. Sie glitt sofort wieder in den Schlaf, hörte aber noch die Stimme ihres Vaters nahe an ihrem Ohr. Er sagte ihr, dass sie immer seine kleine Laura sein würde.

Zufrieden schlief das Mädchen, bis am nächsten Morgen.

TBC...