Mein Dank geht an meine liebe Betaleserin scientific ida, die sich die Mühe gemacht hat, auch dieses Kapi zu korrigieren!

Auch herzlichen Dank an alle Leser und Reviewer!

Phoebe: Da bin ich froh, wenn dir das Kapi gefallen hat! Ich schreibe nicht immer am selben Tag. Wie ich gerade Zeit habe, eben. Danke vielmals für deinen Kommentar!

Nun ein langes Kapi für meine lieben Leserinnen, das euch hoffentlich gefällt. Liebe Grüsse und viel Spass, Sally

s s s s

Es war Sonntag. Laura erwachte und lag wach im Bett. Schwaches Licht drang von dem Fenster her in ihr Zimmer.

Natürlich war das nicht echtes Licht, das wusste Laura. Snapes Quartier war nämlich viele Meter im Boden, das heißt im Felsen unten. Aber die wenigen Fenster waren so verzaubert, dass sie genau das Wetter und die Tageszeit zeigten, die draußen war. Sogar die Aussicht war so, wie sie sein würde, wenn der Felsen durchsichtig wäre. Und da das Schloss etwas erhöht auf einen Hügel gebaut war, waren die Kerker nicht im Boden unten, sondern ziemlich ebenerdig.

Dass sie von Tausenden von Tonnen Fels und mit Gras bewachsener Erde umgeben waren, merkte man nicht von innen. Aber die Fenster konnte man nicht öffnen.

Frische Luft gelangte durch ein Belüftungssystem in die Räume. Manchmal fühlte Laura sich bei dem Gedanken, so umgeben von solchen Massen zu sein, geborgen. Manchmal eingeengt.

Aber meistens dachte sie gar nicht daran, sondern fühlte sich sehr wohl in ihrem zweiten Zuhause.

Sie kuschelte sich in ihr Kissen und sah zu Jimmy, die die Ratte anfauchte.

Es fiel Laura ein, dass sie die Ratte gestern hatte frei lassen wollen. Sie hatte sich auch noch bei Amélie entschuldigen wollen.

Nun kam ihr das alles so unwirklich vor. War sie tatsächlich so scheußlich gewesen zu der Frau? Sie hatte ihre seltsamen Gefühle einfach nicht unterdrücken können und das tat ihr nun Leid.

Sie wusste einfach, dass da mehr war, zwischen ihrem Dad und Amélie, als die beiden zeigten. Das machte ihr ein sehr ungutes Gefühl und vielleicht sogar Angst. Wenn die Erwachsenen ihr wirklich etwas verheimlichten, konnte das nichts Gutes bedeuten.

Bei der Erinnerung, dass ihr Dad ihr ein paar ordentliche Klapse verabreicht hatte, griff sie automatisch nach hinten.

Sie hatte ja noch die Trainerhose an, merkte sie nun. Sie war eingeschlafen, bevor sie ihren Pyjama angezogen hatte.

Sie hatte sich wohl sehr daneben benommen, dachte sie, auch wenn sie es hasste es einzugestehen.

Erst als sie hier im Zimmer geweint hatte, war ihr bewusst geworden, wie sehr sie es herausgefordert hatte. Wie sehr sie ihren Vater provoziert hatte.

Sie dachte auch an die Worte von Milly. Die liebe Elfe hatte ihr genau vor Augen geführt, wie egoistisch sie dachte. Und trotzdem wollte Laura Amélie nur als Freundin, nicht mehr. Sie wollte keine Ersatzmutter und sie wollte keine Schwestern und Brüder und sie wollte nicht, dass ihr Vater heiratete und all das.

Sie wollte, dass es so blieb, wie es war. Das letzte Jahr, war trotz all der Schwierigkeiten ihr Bestes gewesen. Weitaus!

Sie war nicht unglücklich gewesen bei ihren Verwandten, aber sie war nicht behütet und beschützt gewesen. Sie war nicht umsorgt gewesen und niemand hatte sich so um sie gekümmert und sich für sie, und alles was sie tat, interessiert.

Ganz genau wusste sie, wie wichtig sie ihrem Vater geworden war. Wieso sollte ihr das nun schon jemand streitig machen? Wieso nur!

Vielleicht hatte Milly aber wirklich recht und ihr Vater würde sich weiterhin so um sie kümmern und sie weiterhin so sehr lieben.

Laura rieb sich die Augen und drehte sich auf den Rücken. Vage erinnerte sie sich, an die Worte, die ihr Vater ihr in der Nacht zugeflüstert hatte. Oder hatte sie das geträumt? War ja nicht gerade so ein Snape-typischer Satz gewesen.

Sie sah an die Decke. Leider war Fred II nicht zurück gekehrt. Sonst hatte sie ihm oft zugesehen, wie er sich abseilte oder sein Netz spann. Häufig hatte er sich aber auch gar nicht bewegt und hatte einfach wie tot da gestanden, bis sie ihn angestubst hatte.

Sie seufzte. Sie musste sich bei ihrem Vater entschuldigen. Sie schämte sich etwas, dass sie sich so schrecklich benommen hatte. Sie würde sich einfach besser fühlen, wenn sie sich entschuldigt hatte und alles wieder in Ordnung war.

Ihr Dad war aber eigentlich nie nachtragend. Er schimpfte mit ihr, wenn sie etwas aufgefressen hatte, oder bestrafte sie, aber dann war wieder gut. Meistens wollte er noch darüber reden, war aber nicht mehr böse. Gestern hatte sie keine Gelegenheit mehr gehabt, mit ihrem Dad zu reden.

Die Decke klappte sie mit einer raschen Bewegung zurück und schlüpfte aus dem Bett. Mit nackten Füßen huschte sie zum Zimmer ihres Vaters. Die Tür stand offen und das Bett war verlassen, also war er wohl schon aufgestanden.

Als sie an der Küche vorbei tappte, sah sie ihn mit einer Tasse Kaffee in der Hand dort stehen.

Sofort ging sie zu ihm und stand mit gesenktem Kopf vor ihn hin. Das war immer das Schwierigste. Bis man den Anfang gefunden hatte, dachte Laura.

„Es tut mir Leid, wegen gestern, Dad," sagte sie leise. Er antwortete nicht und Laura sah zu ihm auf. Sie wollte sehen, was für einen Gesichtsausdruck er hatte.

„Geh, und zieh dir dicke Socken oder Schuhe an, Laura. Du holst dir ja den Tod!" sagte er nur.

Laura ging sofort davon und kam eine halbe Minute später mit dicken Socken an den Füßen und dem Traineroberteil wieder in die Küche, die nun leer war.

Sie fand ihren Vater im Wohnzimmer am Tisch sitzend. Sie trat neben ihn und sah ihn bittend an.

„Dad! Bitte sei nicht mehr böse," sagte sie. „Ich weiß auch nicht, wieso ich so blöd war," hauchte sie.

Er sah sie an und sagte ernst: "Du warst nicht blöd. Du warst ungezogen und frech. Ich weiß nicht, wieso du Amélie so behandelt hast, aber ich möchte nicht, dass es noch einmal vorkommt, verstanden?" sagte er streng.

Laura nickte. „Ja, Dad," sagte sie leise.

Sollte er jetzt die Gelegenheit ergreifen und über Amélie und sich reden? fragte sich Snape, aber Laura machte gerade einen 180 Grad Themawechsel, wie sie es so gut konnte. Severus war eigentlich froh darüber.

„Dad, darf ich meine Jeans aufschlitzen? Die Alte, meine ich," fragte Laura und ihr Dad sah sie kritisch an.

„Wozu?"

Laura biss sich kurz auf die Unterlippe. „Weil das cool aussieht. An den Knien nur," erklärte sie schnell, um ihn davon zu überzeugen, dass da ja nichts dabei war.

Snape hob eine Augenbraue. Er konnte sich genau erinnern, dass ihre Cousine Nathalie einmal eine solche Hose getragen hatte. Lauras Cousine war ziemlich ausgeflippt und trug sehr auffällige Frisuren und Kleider.

Zu auffällig, für Snapes Geschmack. Nun fing Laura schon an, ihr nachzueifern? Das passte nicht wirklich in diese Welt, dachte Snape. Er würde nicht erlauben, dass sein Kind so unordentlich gekleidet herum lief!

„Natürlich nicht," entschied er, worauf seine Tochter sofort die Nase rümpfte, obwohl sie diese Antwort scheinbar erwartet hatte. Zu seinem Erstaunen beharrte sie aber nicht weiter darauf, ihre Kleider zu zerschlitzen und wechselte wieder zu einem komplett anderen Thema.

„Dad, Lockhart hat uns wieder mit doofen Quizfragen gequält. Ob wir wissen, welche Zahnpaste er bevorzugt, hatte er gefragt. Dad, denkst du, dass der in echt so weiße Zähne hat? Die sind ja beinahe schon durchsichtig, so weiss sind die. Oder hat er einen Zauber angewandt?"

Snapes Gesichtsausdruck wurde ziemlich genervt, als seine Tochter ihm eröffnete, dass dieser Banause schon wieder von dem wichtigen Thema im Unterricht auf sich selbst ablenkte. Natürlich hatte er, Severus, noch keine Sekunde damit verschwendet, über Lockharts weiße Zähne nachzudenken. Aber wenn er es sich jetzt recht überlegte, so könnten sich die Weasley-Zwillinge zur Abwechslung mal nützlich machen und ihm seine weißen Beißerchen mal ein bisschen umfärben. Das wäre bestimmt amüsant!

Snape erschrak selbst über seine Gedankengänge. Er gab Laura einen finsteren Blick und erwiderte: "Lockharts Zähne interessieren mich nicht im Geringsten, Laura. Allerdings interessieren mich deine und ich möchte, dass sie in nächster Zeit einmal kontrolliert werden."

Lauras Augen wurden groß. „Ich hab aber keine Löcher, Dad. Ich putze sie immer ganz gut," begehrte sie auf.

„Das wäre wünschenswert," antwortete ihr Vater, während er ihr die Hand wegstreifte, als sie auf dem Daumennagel herum kaute. „Trotzdem werden sie kontrolliert. Wer hat dir denn beigebracht, deine Zähne so gut zu pflegen?" wollte er nun wissen. Es war ihm aufgefallen, das Laura das wirklich pflichtbewusst und gründlich tat.

„Meine Mum," antwortete sie leise. „Sie hat mir das immer wieder eingetrichtert. Und da habe ich gedacht, dass sie sich freuen würde, wenn ich schöne Zähne habe und deshalb habe ich immer gut geputzt. Außerdem hatten wir fast nie Süßigkeiten, bei meiner Tante."

Wenigstens einen Vorteil hatte es, dass Lauras Tante so selten einkaufen gegangen war, dachte Snape. Und mit Lockhart würde er wohl ein Wörtchen reden müssen.

„Ich brauche unbedingt noch ein paar Geschenke für meine Freunde. Die haben mir letzte Weihnachten auch alle etwas geschenkt. Und ich habe ja jetzt Taschengeld," sagte sie und Severus hörte deutlich den Stolz in ihrer Stimme. „Können wir bitte einmal in die Winkelgasse gehen? Es geht nur noch zwei Wochen, bis Weihnachten,"

Laura hatte sich auf den Stuhl neben ihn gesetzt und rührte in der Milch, die vor ihr stand.

„Ich denke schon," sagte ihr Vater etwas abwesend. Er nahm einen Schluck Kaffee und musterte sie dann.

„Brauchst du neue Kleider?" fragte er. Es war ihm in lebhafter Erinnerung, wie Laura sich letztes Jahr nicht getraut hatte, nach neuen Kleidern zu fragen und sie immer dieselben paar Pullis getragen hatte, bis sie dann an einem schönen Tag alle in der Wäsche gehabt hatte und im T-Shirt rum gerannt war mitten im Winter.

Laura sah an sich hinunter. Sie schien keinen Gedanken daran verschwendet zu haben, ob sie noch in die alten Kleider passte. Nur das Schlitzen schien sie interessiert zu haben.

Snape fragte sich, wann die Bettlerei nach Kleidern und alles, was junge Mädchen so toll fanden, beginnen würde.

„Also das da passt mir noch gut. Bei einem von Naths Pullis reichen mir die Aermel aber nur noch bis hier," sagte sie und zeigte mit der Hand etwa Mitte ihres Vorderarmes. Snape nickte.

Einen Moment saß das Mädchen still da, die Hände im Schoß. Snape fragte sich, was denn nun wohl wieder los war und sah sie fragend an.

„Ich hatte den Edna-Traum, letzte Nacht," sagte sie plötzlich.

„Es war seltsam, weil ich jetzt viel mehr über die Personen im Traum weiß. Aber Edna tut mir richtig Leid," sagte sie leise.

„Hast du das Gefühl, sie möchte dir etwas mitteilen in diesen Träumen?" fragte er interessiert.

Laura sah ihn lange an und überlegte. Sie hatte sich natürlich viele Gedanken gemacht und sie hatte das Gefühl, dass Edna ihr die letzte Nacht diese Antwort gegeben hatte.

„Ich weiß es nicht sicher, Dad. Aber die Träume sind nicht so... wie soll ich sagen... sie sind nicht so... fordernd, ja, das ist wohl das richtige Wort. Ich glaube, dass Edna mir das einfach erzählen möchte. Ich weiß nur nicht, wieso gerade mir. Ich denke sie will mir sagen, dass es ihre Schwester gegeben hat. Dass sie nicht vergessen bleiben soll. Vielleicht will sie auch, dass ich das Grab finde, denn ich denke nicht, dass ihr das gelungen ist. Ich weiß nicht wieso, ich habe einfach das Gefühl," erklärte das Mädchen und atmete tief aus.

„Aber in den Träumen spüre ich, dass sie das wirklich will. Sie will unbedingt einen Erinnerungstrank entwickeln und sie will ihrer Schwester eine Blume aufs Grab setzten und eine Kerze hinstellen. Sie nimmt sich das während der Beerdigung vor, aber ich glaube nicht, dass sie jemals zum Grab gelangt." Laura sah etwas traurig aus und zuckte leicht die Schultern.

Eine Locke hing ihr ins Gesicht und sie strich sie weg und rieb sich über die Nase, welche von ihrem Haar gekitzelt worden war. Tief atmete sie aus und sah ihren Vater mit großen Augen an.

Snape hatte aufmerksam zu gehört. Er fuhr sich mit der Hand unter dem Kinn entlang. „Ich denke, wegen der Echse," sagte er eher zu sich selbst.

„Was?" fragte Laura und hielt den Kopf etwas schräg.

„Ich habe dir erzählt, dass man einen Vergessenszauber, so einen starken Vergessenszauber, der schwarzmagisch ist, an ein Leben binden muss, damit er aktiv bleibt und sich nicht abschwächt. Ich bin mir sicher, dass sie es an das Leben der Echse gebunden haben, da es sich um eine magische Echse handelte und diese sehr alt werden und kaum Feinde haben, die ihnen gefährlich werden können.

Mit der Zacke, die sie dieser Riesenechse abgehackt haben, werden sie das Tier magisch an diesen Ort gebunden haben. Sie sollte wohl den unterirdischen Gang bewachen und gleichzeitig Margaridas Geheimnis wahren. Solange nun dieses Tier lebendig war, war der Zauber aktiv. Nun, da das Tier durch einen Zufall doch nicht so alt geworden ist wie geplant, ist auch der Zauber von ihm gefallen, der auf ihm gelastet hatte. So wurde es Edna möglich, erstaunlicherweise über ihren Tod hinaus, jemandem ihr Geheimnis anzuvertrauen. Sonst hätte Edna vielleicht schon früher versucht, jemanden auf die einstige Existenz von Margarida aufmerksam zu machen. Dich wird sie ausgesucht haben, als einzige lebende Nachfahrin."

Lauras Augen waren immer größer geworden. Das war ja alles recht kompliziert und sehr interessant.

„Der Kapuzenmann hat der Echse einen Zauber aufgehalst, bevor er sie in den Gang getan hat," kam ihr in den Sinn.

Snapes Augen verengten sich kurz. „Vielleicht ein Schutzzauber, für das Tier," vermutete er. „Hat ihm leider nichts genutzt gegen den Hungertod."

Laura stand auf und ging nahe zu ihrem Vater. Das war alles so aufregend. „Nachdem Edna den Trank geschluckt hatte, war alles so neblig geworden in ihren Gedanken. Das was ein schreckliches Gefühl," sagte sie und lehnte sich leicht an ihren Dad.

Das Laura nun von Ednas Gefühlen sprach und nicht mehr von ihren, fand er gut. Sie sollte sich nicht betroffen fühlen. Er nickte und legte den Arm um Lauras Hüfte. Er würde sich bald auf die weitere Suche machen. Seine Neugierde wurde größer. Was war da vorgefallen, vor so vielen Jahren?

S s s s s s s

Laura schenkte sich ein Glas Wasser ein in der Küche. Ihr Dad war weg gegangen. Er hatte ihr erklärt, dass er etwas über Margarida ausfindig machen wollte. Sie hob das Glas an ihre Lippen, doch bevor sie den ersten Schluck nehmen konnte, hörte sie ein hohes, ängstliches Kreischen. Nicht in unmittelbarer Nähe, aber deutlich hörbar.

Erschrocken sah sie sich um. Sie eilte aus der Küche, kehrte aber sofort wieder um, da das Gequietsche ganz sicher von dort hergekommen war. Sie konnte sich die quietschenden Schreie, die nicht abbrechen wollten nicht erklären und suchte den Raum nach der Ursache ab.

Plötzlich streiften ihre Augen die Luke, durch welche Jimmy immer ins Freie gelangte. Laura lief es kalt den Rücken hinunter.

Jimmy! schoss es ihr sofort durch den Kopf.

Irgendwas schien sie gerade in Stücke zu reißen! Sofort ließ sie sich auf die Knie fallen und öffnete die Luke mit der Hand.

„Jimmy!" rief sie verzweifelt in das Loch, obwohl sie wusste, dass das nichts brachte. Die Schreie hatten aufgehört.

Oh Gott! dachte Laura und biss sich schmerzhaft auf die Unterlippe. Sie musste ihr Tier retten. Wenn es noch was zu retten gab!

Der Zauberstab! dachte sie und hörte wieder etwas aus dem Schacht. Sie legte ein Ohr an das Loch. Ein ziemlich leises, schleifendes Geräusch. Es konnte nicht sehr weit drinnen sein, sonst würde sie es wohl kaum hören.

Die Luke war nicht sehr groß, den Kopf konnte sie nicht hinein stecken und nachsehen.

Schnell stand sie auf und rannte in ihr Zimmer. Ihre Hände wollten ihr vor lauter Aufregung kaum gehorchen, als sie die Schultasche öffnete und hastig den Zauberstab hervor holte.

„Accio Jimmy!" sagte sie und wartete gespannt, als sie wieder vor dem Eingang zum Schacht kauerte. Die ganze Hand hatte sie in die Luke gesteckt und den Zauberstab in den Gang hinein gerichtet, der viel weiter war , als die Luke.

Wieso klappte der Spruch nicht? War ihre Jimmy schon ihm Bauch von irgend einem Streifenhörnchenfresser?

Vielleicht war sie, Laura, auch nur zu aufgeregt und der Spruch funktionierte deshalb nicht. Sie spähte nochmals in den Gang. Er war nicht sehr eng. Sie könnte hindurchkriechen und Jimmy retten, falls sie doch noch am Leben war. "Lumos!" sagte sie und spürte jetzt, dass ihr Mund vor Aufregung ziemlich trocken war.

In ihrem Kopf sah sie ihr geliebtes Tierchen, wie es sich blutend durch den Gang schleppte. Oh Gott, hoffentlich lebte sie noch!

Wie ging doch noch der Spruch um etwas zu vergrößern? Sie hatten das doch geübt, mit einer Orange! Etwas mit A. Am... ah ja!

„Amplio!" sagte sie und versuchte sich trotz Aufregung zu konzentrieren. Zu ihrem Erstaunen wuchs die Luke tatsächlich.

„Finite!" sagte sie, als sie groß genug war, dass sie hindurch passte. Das grenzte ja an ein Wunder, dass der Zauberspruch geklappt hatte! dachte sie erfreut und kroch sofort durch die Öffnung. Zum Glück war der Gang hinter der Luke gross genug, dass sie hinein schlüpfen konnte.

Sie wusste, dass ihr Vater die Luke so verzaubert hatte, dass nur Jimmy hinaus und hinein konnte. Das, damit sie nicht plötzlich irgendwelche Ratten oder Mäuse in der Wohnung hatten. Aber zum Glück wirkte der Zauber nicht auf sie. Natürlich hätte ihr Dad niemals vermutet, dass seine Tochter einmal hier hinein kriechen würde.

Wieder hörte sie das schleifende, gleitende Geräusch, ganz leise und etwas weiter entfernt und sie fragte sich, ob das irgend eine Riesenratte war, die ihre Jimmy abschleppte, um sie in Ruhe zu verspeisen. Wenn sie sich selbst bewegte, konnte sie das Schleifen nicht mehr hören. 'Halt durch, Jimmy!' dachte sie aufgeregt. Robbend bewegte sie sich vorwärts, den Zauberstab in der rechten Hand. Zum Glück hatte sie den Lumos-Zauber intus, sonst wäre es hier wohl ziemlich finster!

Der steinerne Gang war ziemlich eng und ihr wurde allmählich ziemlich unwohl bei der Sache. Sie sollte wohl am Besten umkehren, dachte sie bange. Umkehren konnte sie allerdings auf keinen Fall, da der Gang viel zu eng war. Sie musste sich auf den Ellbogen weiter ziehen. Vielleicht wurde er weiter vorne weiter.

Sie zog sich weiter und sah über ihre Schulter zurück, zu der Luke. Oh nein, dachte sie erschrocken. Die Luke hatte schon wieder ihre Normalgröße angenommen.

Nun wurde es ihr wirklich mulmig im Magen. Was, wenn sie es nicht mehr schaffte, sie zu vergrößern? So über den Rücken würde das bestimmt schwieriger werden.

Wieder das leise, seltsame Geräusch. Dieser Ratte, oder was es war, würde sie es zeigen! Einfach ihre Jimmy fressen zu wollen, machte sie sich selber Mut und versuchte, sich mit Entschlossenheit von ihrer Angst abzulenken.

Und was, wenn es gar nicht Jimmy gewesen war, die geschrien hatte? kam auf einmal der unangenehme Gedanke.

Vielleicht war es irgend eine gewöhnliche Kanalratte gewesen, die sich gestritten hatte. Aber nein, es hatte so verzweifelt geklungen. Und noch nie hatte sie das leiseste Geräusch gehört aus der Luke.

Plötzlich überkam Laura eine ganz seltsame, beklemmende Angst. Die einengenden Wände des schmalen Ganges, in dem sie sich befand, wurden bedrohlich. Sie hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu kriegen.

Sie spürte Panik in sich hoch steigen. Eingezwängt, wie in einem Sarg fühlte sie sich. Nein! Sie musste raus hier! war ihr einziger Gedanke. Sie wusste, dass sie bald ausrasten würde und ihr war auch bewusst, dass sie sich irgendwie versuchen musste, zu beruhigen.

Dass sie in einem engen Gang klemmte, umgeben von tausenden Tonnen Stein, musste sie verdrängen. Sie musste an etwas anderes denken, bevor sie gar nicht mehr denken konnte.

Schweiß rann ihr über das Gesicht und brannte in ihren Augen. Dad! dachte sie verzweifelt. Rette mich! Jimmy war in ihren Hinterkopf gerutscht und das Einzige, an das sie denken konnte, war, hier raus zu kommen.

Doch sie wusste, dass ihr Dad erst in ein, zwei Stunden nach Hause kommen würde.

Das Schleif-Geräusch kam näher. Laura sah, dass etwas weiter vorne der Gang sich verzweigte und größer wurde. Sie überlegte, ob sie sich bis dort hin nach vorne durchkämpfen sollte und dann umkehren und vorwärts zurück robben.

Doch sie begann, sich rückwärts zu schieben. Sie war nur etwa fünf Meter von der Luke entfernt, aber es kam ihr vor, als krieche sie einen Kilometer rückwärts. Es war sehr anstrengend und sie spürte, wie ihre nassen Locken an ihrem Gesicht klebten. Ihre Jeans glitten nicht gerade leicht über den rauhen, schmutzigen Boden.

Keine Schreie, kein gar nichts war mehr zu hören, abgesehen von einem leisen, aber irgendwie unheimlichen Zischen, wie sie es vor ein paar Tagen in ihrem Zimmer gehört hatte. Vielleicht war das Wasser, das durch Rohre floss.

Aber das hier, war ein Lüftungsschacht, zum Glück. Das Zischen verstärkte ihre Angst und irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es näher kam..

Mit aller Kraft schob sich das kleine Mädchen rückwärts und verzweifelte beinahe. Immer wieder versuchte sie sich einzureden, sie sei nur auf einem Spielplatz und alles sei in bester Ordnung. Sie atmete schnell und ängstlich. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr die Tränen in der Augen stiegen. Und nun unterbrachen verzweifelte Schluchzer ihren schnellen Atem.

Bitte, lass mich einfach da raus kommen! Schnell! betete sie. Ihre Angst schnürte ihr zusätzlich die Luft ab.

Endlich, als Laura schon langsam den Mut verlor, berührte sie mit dem Fuß die Klappe der Luke.

Wieder versuchte sie sich zu beruhigen. „Du bist gleich draußen, Laura!" sagte sie leise.

Schweißgebadet drehte sie sich um und zielte mit dem Zauberstab auf die Luke. „Amplio!" keuchte sie. Doch, wie sie befürchtet hatte, geschah nichts.

„Amplio!" sagte sie nochmals. Ihr Fuß begann zu wachsen und ihre Augen sahen das Schauspiel erstaunt mit an, bis sie endlich „Finite!" rief. Ausversehen hatte sie auf ihren Fuß gezielt gehabt. Wahrscheinlich, weil ihre Hand so zitterterte.

Kleiner machen, wie konnte man das? fragte sie sich. Doch sie konnte nicht denken. Sie wollte nur raus. Sie brauchte Platz! Luft. Sie wollte raus! Raus! RAUS!

Wie wild begann sie um sich zu schlagen und zu schreien. Bis sie erschöpft war und keuchte wie eine alte Dampflokomotive.

„Milly!" hauchte sie. Sie hätte sich ohrfeigen können, dass ihr erst jetzt in den Sinn kam, dass sie die Elfe zu Hilfe holen konnte.

Natürlich wollte sie nicht, dass Milly sah, was sie da tat, aber jetzt war ihr alles egal. Selbst wenn ihr Dad sie gefunden hätte, und ihr das schlimmste und größte Donnerwetter aller Zeiten bevorstehen würde, wäre sie mehr als überglücklich gewesen.

Ehe sie sich versehen konnte, wurde sie von einer unsichtbaren Kraft zurück gezogen. Als sie mit einem 'Plumps' auf dem Küchenboden landete, weinte sie vor Glück und Erleichterung wie ein Schlosshund.

Millys erschrockenes Gesicht sah beinahe lustig aus, dachte Laura. Nachdem sie Lauras Fuß auf Normalgröße gebracht hatte, begann die Elfe, sich den Schürfungen zu widmen, die Laura sich bei ihrem wilden Umsichschlagen zugezogen hatte.

Doch Laura legte ihre Arme um die kleine Person und drückte sie an sich. Milly kniete sich hin und hielt Laura fest, deren Tränen nicht versiegen wollten.

„Laura ist ein albernes Kind!" schimpfte sie dann, als sie sich von ihrem Schrecken erholt hatte. Laura hatte die Elfe noch nie so schimpfen gehört. Jedenfalls nicht mit ihr. Sie war doch ihre liebe Laura!

„Wenn Milly Meister Professor Snape wäre, würde sie Laura zur Strafe gar keine Süßigkeiten mehr geben!" sagte sie mit einem bösen Blick.

Nun blinzelte Laura und dachte, ihren Ohren nicht trauen zu können. War das wirklich ihre Milly? Natürlich war die Hauselfe nicht mehr so unterwürfig und vorsichtig, wie sie Anfangs gewesen war.

Aber dass sie ihre Laura so ausschimpfte und ihr sogar noch einen bösen Blick gab, brachte Laura sehr in Verlegenheit.

„Milly, ich habe Schreie gehört, in dem Gang. Das war bestimmt Jimmy!" Dabei kullerten ihr wieder neue Tränen aus den Augen.

Milly, die dem Mädchen nicht wirklich böse sein konnte und über ihre eigenen Worte erschrocken war, streichelte nun über Lauras Haar, das ganz verschwitzt war.

„Komm, liebe Laura, du musst duschen. Dann wird sich Milly um die Schürfungen kümmern."

Sie reichte Laura die Hand und sie stand auf.

Als sie eine halbe Stunde später auf ihrem Bett lag und sie Milly versichert hatte, dass alles gut war und sie im Bett bleiben würde, bis ihr Vater kam, verabschiedete sich die Elfe und verschwand. Fünfmal hatte ihr Milly versichern müssen, dass sie nichts davon ihrem Vater erzählen würde. Dafür hatte sie der Elfe versprechen müssen, sie das nächste Mal sofort zu rufen, bevor sie sich in eine solche Situation brachte.

Laura war froh, alleine zu sein. Das war ein schreckliches Erlebnis gewesen, fand Laura und weinte lange in ihr Kissen. Es tat so gut und Lauras Tränen versiegten erst, als sie ins Land der Träume glitt.

S s s s s s s s

Snape ging schnellen Schrittes durch die Straßen der spanischen Stadt Olot. Wo genau er anfangen sollte zu suchen, wusste er nicht, aber er musste einfach mal irgendwo beginnen. Wieso also nicht in Olot. Rachel hat von Olot gesprochen und die Puppe war auch von da gewesen. Also konnte dieses nicht all zu weit von dem Ort, wo seine Vorfahren gewohnt hatten, entfernt sein. Der Ort war viel größer, als Severus ihn sich vorgestellt hatte. Allerdings war das vor fast hundert Jahren wohl noch anders gewesen.

Es war schrecklich mühsam, mit den Muggelverkehrsmitteln durch die ganze Stadt zu fahren.

Das Zivilstandesamt der Stadt verfügte hoffentlich über Informationen. Obwohl Lauras Traum ja gezeigt hatte, dass Rachel bestrebt gewesen war, alles zu löschen, das etwas verraten könnte. Vielleicht fand er trotzdem etwas heraus.

Bei Albus hatte er sich für diesen Nachmittag abgemeldet, da seine letzte Tränkestunde am Mittwoch schon um 15 Uhr zu Ende war. Er hatte Laura angewiesen, im Kerker unten die Hausaufgaben zu erledigen. Das tat sie sowieso meistens, da sie dort ungestört war und viel schneller fertig war.

Das einzige, was ihr daran nicht sehr gefiel war, dass sie mit den Vertrauensschülern seiner Slytherins hinunter gehen musste.

Ein kleiner Mann mit Glatze stand hinter dem Empfang und Snape hoffte, dass er sich mit dem Mann verständigen konnte.

In der Kirche hatte er schon nachgefragt, aber da hatte seine Suche nichts ergeben, da ein Brand in der Kirche vor etwa achtzig Jahren fast alle Kirchenbücher vernichtet hatte. Der Kirchendiener hatte kaum englisch gesprochen, was die Angelegenheit nicht vereinfacht hatte.

Mit einer raschen Bewegung, die den älteren, kleinen Mann wohl erschreckte, legte Snape sein Familienbüchlein auf den Tisch. Kritisch beäugte der kleine Spanier die große, dunkle Gestalt.

Snape hatte auf seinen Umhang verzichtet und sah aber trotzdem ziemlich speziell und etwas unheimlich aus, für den Mann.

„Guten Tag," grüßte Snape steif aber höflich. „Mein Name ist Severus Snape und ich suche nach meinen Vorfahren, die hier in der Gegend gewohnt haben müssen," redete er einfach drauf los, ohne zu wissen, ob der Mann ihn verstand.

Dieser nickte aber.

„Der Name meines Großvaters war Rosario Marconas," erklärte er und der Mann sah sich das Büchlein an.

Eine kleine Brille des untersetzten Mannes, thronte nun auf seiner Nase, ohne die er wohl nicht lesen konnte. Er sah Snape forschend und skeptisch an.

„Diese Leute haben hier gewohnt, Sir, in Santa Pau," sagte er in gutem Englisch. Wieso der Mann das so spontan wusste, war Snape ein Rätsel. Es war sehr lange her, dass die hier gewohnt hatten. Der Muggelmann verschwand und kam etwa drei Minuten später mit einem Buch zurück. „Hier," sagte er und deutete auf einen Eintrag. Marconas Rosario, Rachel und die Tochter, Edna." Ein gelber Notizzettel, der in dieser Seite geklemmt hatte, segelte hinunter und der kleine Mann bückte sich, um ihn aufzuheben.

Snape sah sich das Buch genau an. Er konnte sehen, dass zwischen dem Taufeintrag und dem nächsten Eintrag eine zu große Lücke war. Seine Augen blickten schnell zu dem Zettel, den der Mann aufgehoben hatte und auf dem Tisch lag.

Als dem Mann Snapes Blick auffiel, entfernte er den Zettel schnell.

„Ich suche auch nach einer zweiten Tochter, die sie gehabt haben sollen," sagte er und sah den Mann an.

„Sie hatten keine zweite Tochter, Sir," sagte er, ohne auf den Eintrag zu schauen. „Jedenfalls ist nirgendwo eine eingetragen," sagte er.

Das fand Snape sehr seltsam. Wie konnte der Mann das so genau wissen? Er kannte die Bücher doch wohl nicht auswendig!

Snapes Augen verengten sich ein kleines bisschen, er sagte aber nichts.

„Vor etwa fünf Jahren hat jemand nach einer zweiten, jüngeren Marconas-Tochter gefragt und ich musste alles durchsuchen. Der Mann war sehr beharrlich gewesen und hat behauptet, es müsse eine geben. Ich habe sorgfältig gesucht und nichts gefunden," erklärte der Mann und nahm die Brille ab.

Das war ja äußerst interessant, fand Snape. Wer könnte sich wohl für seine Vorfahren interessieren. Und wer, um alles in der Welt wusste von Margarida? Das war äußerst seltsam, in der Tat!

„Ich nehme nicht an, dass Sie mir verraten, wer der Mann war?" fragte Snape.

„Das darf ich leider nicht, Sir," sagte der Mann entschuldigend.

Das machte nichts, dachte Snape, denn er hatte die Telefonnummer auf dem Zettel gesehen, der aus dem Buch gefallen war und sie sich eingeprägt.

Wenn er etwas Glück hatte, gehörte sie dem Interessenten. Ansonsten würde er zurückkommen und in die Erinnerung des Mannes schauen müssen. Er wollte auf jeden Fall wissen, wer dieser Mann gewesen war und warum er sich für Margarida Marconas interessierte.

„Vielen Dank," sagte Snape und ging schnellen Schrittes aus dem Raum. Nun musste er nur rausfinden, wem die Telefonnummer gehörte.

S s s s

„Du bist so nachdenklich," sagte Edward. Er hatte Amélie beobachtet, wie sie gedankenverloren den Kaffee trank. Die letzten Wochen war seine Enkelin auf Wolke 7 geschwebt und nun war sie so abwesend. Ob etwas vorgefallen war?

Amélie lächelte ihn an. „Ich war vor ein paar Tagen bei Severus," begann sie. „Laura hat sich total daneben benommen. Sie hat gemerkt, dass etwas ist, zwischen ihrem Vater und mir. Ich denke, sie findet das nicht so toll," meinte Amélie und sah ihren Großvater mit wehmütigem Lächeln an.

Ihre Großmutter hatte ihre größte Freude, nun, da sie wusste, dass Amélie tatsächlich einmal einen richtigen, bodenständigen Mann hatte.

Sie trank Tee aus einem kleinen, weißen Tässchen, mit blassrosa Blumen drauf. Die dazu passende Teekanne stand neben dran.

„Das ist nicht immer leicht, für Kinder. Vor allem in diesem Alter sind Mädchen sehr schwierig!" gab nun die Grossmutter ihre Meinung dazu ab. Sie hatte Erfahrung. Ihre eigene Tochter war äußerst unangenehm gewesen in der Pubertät . Bei Amélie hatte sie das natürlich nicht so nahe mit bekommen und Kinder benahmen sich meistens zu den Eltern schwierig, nicht zu den Großeltern. Aber ihre Tochter hatte ein paar mal geklagt, wie anstrengend Amélie war.

Amélie seufzte. „Sie hat mir das Essen versalzen und das Trinken über meine Hose geleert und eine Ratte in meine Jackentasche gesteckt. Sie war richtig darauf bedacht, mir zu Leide zu werden. Und sonst ist sie doch ein so liebes Kind," sagte sie etwas traurig.

Edward unterdrückte ein Lächeln bei Amélies Erzählung, beugte sich etwas vor zu ihr und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Das darfst du nicht persönlich nehmen, Amélie. Sie wird lernen müssen, das zu akzeptieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Severus solche Unarten durch lässt."

Amélie schüttelte den Kopf. „Nein, das tut er nicht. Manchmal denke ich, er ist zu streng mit ihr. Aber andererseits ist er auch sehr geradlinig und Laura weiß, wie's läuft. Und ich hoffe, er hat nun mit ihr geredet."

Eine Freundin ihrer Mutter hatte auf eine neue Beziehung verzichtet, weil ihre Kinder nicht einverstanden gewesen waren, dass sie wieder jemanden hat. Dabei hatte es keine Rolle gespielt, was für einen Mann sie ihnen vorgestellt hat. Die Kinder hatten alles aufs Gröbste sabotiert und hatten die Männer allesamt vergrault. Die Mutter hatte die Harmonie zu Hause vorgezogen, statt Klartext zu reden und hatte klein beigegeben.

Natürlich hatte sie es gut gemeint, mit den Kindern, aber so viel Amélie wusste, waren die Kinder mittlerweile ausgeflogen und die Mutter hatte immer noch niemanden und war alleine.

Sie war froh, dass Severus wusste, was er wollte und ihr nicht den Laufpass gab, wegen Laura.

„Ich bin sicher, dass das gut kommt. Gib ihr Zeit, sich daran zu gewöhnen. Sie liebt dich, Amélie und du liebst sie auch. Aber sie hatte, wie Severus mir erzählt hat, keine sehr behütete Kindheit und sie zeigt nun ihre Krallen, um ihren Vater für sich alleine zu behalten.

Vielleicht muss sie erkennen, dass es gar nicht so schlimm ist, vielleicht sogar von Vorteil, wenn man auch eine weibliche Bezugsperson hat," sagte Edward.

„Ja," stimmte die Großmutter zu. „Du solltest aber nicht versuchen, sie nun mit zu viel Aufmerksamkeit oder Geschenken zu beschlichtigen. Sonst vermittelst du eine falsche Nachricht. Du sollst dich nicht einkaufen müssen. Du bist du, genau so wie sie dich liebt. Du brauchst nicht ihre Gunst, dass du ihren Vater lieben darfst. "

Amélie ließ sich das durch den Kopf gehen. Da hatten ihre Großeltern schon recht. Man war schon versucht, Laura zu schmeicheln. Aber genau das war falsch. Das wäre irgendwie wie ein Eingeständnis, dass etwas falsch lief, für das man reuig sein musste.

„Ja, wahrscheinlich habt ihr recht. Ich gehe nun noch nach Hause, zu Maman und Papa, kommt ihr auch noch?" fragte sie.

Die Beziehung mit Severus war wirklich etwas ganz Spezielles. Sie spürte, dass er das genauso empfand und sie fühlte sich so geschätzt. Mittlerweile wusste sie, dass er nur eine Frau außer ihr wirklich geliebt hatte.

Amélie fand es speziell, dass es die Mutter von Harry Potter gewesen war. Er hatte ihr erzählt, dass der Blick in die Augen des Jungen manchmal beinahe unerträglich gewesen sei, da er die Augen der Mutter geerbt hatte.

Nun habe es sich geändert. Nicht nur, dass er Harry nun als eigenständige Person sah, nicht als ein Abbild seines Vater, mit den Augen seiner Mutter, sondern auch hatte er sich mit der Liebe für Amélie von Lily distanzieren können.

Klar würde sie immer in seinem Herzen sein und irgendwie würde er sie immer lieben. Aber Amélie konnte damit leben. Sie fand es schön, dass er so tief fühlte. Sie hoffte sehr, dass er das auch für sie tat.

Sie hoffte nur, dass er auch sie als eigenständige Person sehen würde und sie nicht mit Lily vergleichen würde.

S s s s

Laura war sehr froh, dass sie nach Hause gingen. Und noch mehr war sie froh, als ihr Vater ihr verkündet hatte, dass ihr Großvater auch hierher kommen würde in zwei Tagen.

Sie freute sich so. Seit dem Zwischenfall mit Amélie war sie allerdings etwas niedergeschlagen. Es tat ihr Leid, dass sie sich so benommen hatte und sie mochte das Schuldgefühl, welches sich in ihr eingenistet hatte, nicht.

Sie wollte sich entschuldigen und sie wollte, dass alles wieder gut war. Aber gleichzeitig wollte sie trotzdem nicht, dass Amélie in ihren Vater verliebt war. Natürlich wusste sie nicht, ob die Beiden sich trafen oder nicht. War wirklich etwas zwischen den Erwachsenen oder bildete sie sich das ein?

Die konfusen Gefühle hatten ihr die letzten zwei Wochen den Hunger geraubt. Sie brachte kaum etwas hinunter. Ihr Vater hatte sie schon ein paar Mal darauf angesprochen und sie gefragt, ob sie krank sei. Auch ihre Freunde hatten ihr immer wieder besorgte Blicke gegeben und sie immer wieder gefragt, ob etwas nicht stimme mit ihr, was sie so langsam angefangen hatte zu nerven.

Sie vermuteten, dass Laura so niedergeschlagen war, weil ihr Haustierchen nicht mehr aufgetaucht war. Die Freunde wussten, wie sehr Laura an Jimmy hing und Laura hatte ihnen von den Schreien aus dem Lüftungsschacht erzählt.

Natürlich war Laura sehr traurig, wegen dem Streifenhörnchen. Aber eben auch, wegen Amélie. Vielleicht konnte sie die nächsten Tage mit ihr sprechen.

S s s

Der Heiligabend war sehr ruhig und feierlich für Laura und Snape. Sie aßen gemütlich und saßen dann mit Milly zusammen am Feuer. Laura liebte dieses spezielle Weihnachts-Gefühl und den Schein der vielen Kerzen an den Wänden. Sie erinnerte sich an letztes Jahr, als sie das schönste Weihnachtsfest seit jeher erlebt hatte. .

„Soll Milly nun Nachtisch bringen?" fragte sie nach einer Weile. Das fand Laura einen äußerst guten Vorschlag. Schließlich hatten sie zusammen leckere Plätzchen gebacken.

Laura war ziemlich aufgezogen, obwohl das sie die ganze Zeit draußen gewesen war. Es war ziemlich mild, für diese Jahreszeit.

Sie hatte ihren Dad gefragt, ob sie die tote Echse sehen dürfe und zu ihrem großen Erstaunen hatte er es erlaubt. Er war mit ihr zusammen dort hinunter gestiegen und Laura hatte gestaunt, wie groß das Tier war.

Sofort hatte sie nachgesehen, ob die Zacke tatsächlich fehlte, was ja tatsächlich der Fall war.

Später hatte sie mit ihrem Vater Aerger bekommen, da sie im Bach herum gewatet war, obwohl er es ihr natürlich verboten hatte, mitten im Winter. Er hatte sie ziemlich ausgeschimpft und sie musste dann eine Stunde ins Bett liegen zur Strafe und um sich aufzuwärmen. Sie hatte protestiert und gejammert, dass er sie nicht bestrafen dürfe, weil es ja Heiligabend sei, was ihn nicht weiter beeindruckt hatte.

Er hatte ihr gedroht, dass sie auch noch eins auf den Hintern haben könne, egal was für ein Tag das sei, wenn sie nicht aufhöre mit dem Geklöne. Dann hätte sie dann wenigstens Grund zu jammern.

Laura hatte die Augen verdreht, da sie solche Kommentare nicht ausstehen konnte. Den Protest hatte sie dann aber trotzdem schnell aufgegeben, da man bei ihrem Vater nie wusste, ob er die Warnung vielleicht noch in die Tat umsetzte.

Irgendwie war sie einfach so aufgedreht und voll Tatendrang heute! Irgendwie sogar übermütig. Sie hatte ihren Bewegungsdrang ausgelebt, indem sie auf eine hohe Tanne geklettert war, während Vater irgendetwas Langweiliges mit irgendwelchen Zaubertrankjournalen zu erledigen hatte. Das hatte er dann zum Glück auch nicht mitbekommen.

Nun erschien sie stolz mit den Weihnachtsplätzchen, die sie mit Milly gebacken hatte. Sie hielt ihrem Vater eines direkt vor den Mund.

„Probier mal, Dad," sagte sie so fröhlich, dass er in den sauren Apfel oder eben in das süße Plätzchen beißen musste und ihr bestätigte, dass sie sehr gut seien. Er war nicht sonderlich angetan von Süßigkeiten, aber sie waren wirklich nicht schlecht.

Er war es nicht gewohnt, jemandem aus der Hand zu essen und er wusste nicht recht, was er von dieser Fütterungsaktion halten sollte. Aber er hatte ihr die Freude und den Stolz nicht verderben wollen.

Er saß am Tisch und trank einen Tee, den Tagespropheten vor sich.

„Ich bin irgendwie in Kämpferstimmung!" verkündete Laura plötzlich und ihre Augen glitzerten übermütig und kampflustig. Sie stand immer noch neben ihm, und sah ihn herausfordernd an.

„Und das am Heiligabend?" fragte Snape amüsiert mit vielsagendem Blick auf seine Tochter. Laura zuckte die Schultern und kräuselte kurz die Nase.

„Mit meinen Cousins habe ich immer gekämpft," erklärte sie. Dass diese Rangeleien meistens in Tränen geendet hatten, behielt sie für sich. Snape hob eine Augenbraue und sah sie belustigt an.

„Das heißt, ich soll dir die Weasleys holen, damit du Zwillinge zum Kämpfen hast?" fragte er und ein Lächeln deutete sich in seinen Mundwinkeln an.

Laura schüttelte heftig den Kopf. "Mit denen will ich nicht kämpfen. Vor allem nicht mit Fred," sagte sie und Snape gab ihr einen fragenden Blick. Laura stützte sich mit einer Hand auf dem Tisch ab.

„Ich hatte immer den Eindruck, dass du ziemlich begeistert bist von den Beiden," stichelte er.

Laura zuckte die Schultern und sog die Unterlippe ein. „Jaaa..." sagte sie gedehnt und fingerte an seinem Kragen rum. „Ich mag sie ja auch, aber die eignen sich nicht zum kämpfen. Fred ist nämlich in mich verliebt!" verkündete sie etwas stolz, obwohl sie selber nicht so recht wusste, ob ihr das nun schmeichelte oder unangenehm war. Aber solange Fred nicht aufdringlich wurde, war es ihr noch egal.

Erstaunt sah Severus sie an. Dass die Weasleys noch etwas anderes im Kopf hatten als Streiche und Unarten war ihm nie in den Sinn gekommen. Aber scheinbar hatte zumindest einer der Beiden etwas anderes im Kopf, nämlich seine Tochter.

Er trommelte leicht auf den Tisch mit den Fingern, als er fragte: „Und du, bist du auch in ihn verliebt?"

Diese Antwort interessierte ihn sehr. War jetzt schon die Zeit da, wo er anfangen musste, auf seine Tochter aufzupassen?

„Natürlich nicht!" sagte sie empört.

Snape sah sie vielsagend an und hob eine Augenbraue. „Wieso nicht, du hast ja jetzt Brüste, oder etwa nicht?" Innerlich musste er grinsen, sah sie aber normal ernst an. Vor ein paar Wochen war sie noch der Meinung gewesen, dass man sich erst verlieben könnte, wenn man Brüste hatte.

Laura überlegte einen Moment. „Ich habe eben gedacht, dass ich irgendwie anders sein würde, wenn ich Brüste habe. Ich fühle mich aber gar nicht anders oder erwachsener... und außerdem finde ich es eklig, jemandem solche schmatzigen Küsse zu geben. Percy tut das mit Penelope und das... wäh, ich finde solche Schlabberküsse einfach Pfui. Und wenn man verliebt ist, muss man das ja machen, nehme ich an. "

Snape sah sie amüsiert an. Er selbst konnte das mit den schmatzigen Küssen nicht von sich behaupten, aber er war schon erleichtert, dass seine Tochter das so sah. Jetzt noch, zumindest.

„Willst du mit mir kämpfen?" fragte Laura hoffnungsvoll und wieder glitzerte es angriffslustig in ihren Augen.

Snape sah sie ungläubig an. „Wie bitte?" fragte er, als habe er nicht richtig gehört.

„Ich bin ziemlich stark, weißt du!" bluffte sie in ihrem Übermut, lächelte frech und zeigte herausfordend ihre Krallen.

Ihr Vater seufzte tief und schüttelte verzweifelt den Kopf. Was wollte dieses Kind denn noch alles von ihm?

„Wenn du zu viel Energie hast, dann zieh dir Jacke und Schuhe an und renne ums Haus!" sagte er streng.

Enttäuscht sah Laura ihn an und seufzte schwer, obwohl sie natürlich stark vermutet hatte, dass ihr Vater sich nicht aufs Kämpfen einlassen würde.

„O. K. Aber spielen wir nachher etwas?" fragte sie und sah ihn hoffnungsvoll an. Sie hielt ihre Hände, wie zum Gebet und blinzelte ihn zuckersüß an. Snape stöhnte leise aber nickte. Laura lächelte. „Jupi!" sagte sie zufrieden und drehte sich um.

Er sah zu, wie sie Richtung Ausgang ging.

„Aber nur, wenns nichts mit Kämpfen zu tun hat,"sagte er.

Laura lachte von der Eingangshalle her und fauchte dann, während sie wie ein Tiger mit den Krallen nach ihm hangelte. Sie war schnell in die Stiefel geschlüpft und hatte die Jacke einer Hand.

„Geh jetzt!" schimpfte er und lächelte dann, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Laura lachte und rannte los. Wie sehr sie es liebte ihren Dad zur Verzweiflung zu bringen...

TBC...