Ganz grosses Dankeschön an meine Betaleserin scientific ida für's Fehleraufspüren , korrigieren (Und fürs Uebersetzen ins Hochdeutsche,hihihi) ;-D

Allen Lesern und Reviewern , die mich so treu begleiten und ermutigen, auch ganz ganz grossen Dank!

Phoebe: Danke vielmals für das tolle Kompliment, ehrt mich sehr :-) Freut micht, dass dir das Kapi gefallen hat!

LG Sally

s s s s s s s

Die nächsten Tage war Laura sehr ruhig. Dass ihr Vater ihr nichts gesagt hatte, ärgerte sie unglaublich und beleidigte sie auch.

Und sie fühlte sich verletzt und ausgegrenzt. Die Erwachsenen waren heimlich verliebt und wollten nicht, dass Laura es wusste.

Seit vier Tagen hatte sie ihren Vater nun nicht mehr beachtet, war auch nicht zu ihm in den Kerker gegangen, was vielleicht nicht sehr aufgefallen war, da sie zu Beginn einer Woche nicht immer zu ihrem Vater ging und selten dort schlief. Aber sie wusste, dass ihr Vater das trotzdem gerafft haben musste. Er merkte immer alles. Sie hoffte auch, dass er es bemerkt hatte!

Sollte er sich nur mal ein wenig überlegen, wieso sie ihn links liegen ließ! Laura fühlte sich wegen ihres Verhaltens einerseits schuldig und dumm, vielleicht sogar egoistisch. Sie erinnerte sich selber sogar ein wenig an ihre Freundin Emma, die sich vor ein paar Wochen genau so egoistisch und eifersüchtig verhalten hatte. Andererseits waren ihr Vater und Amélie so hinterhältig und gemein!

Wahrscheinlich war das dem ganz egal, wenn sie ihn nicht mehr beachtete, schließlich hatte er nun Amélie, die ihn ja so sehr liebte. Was brauchte man da noch ein nervendes Kind?

Laura marschierte nach dem Abendessen mit düsteren Gedanken in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors gemeinsam mit ihren Freunden, die sich angeregt unterhielten und wie Schoßhündchen ihrem Vertrauensschüler Percy folgten, der sie zielstrebig durch die Gänge führte.

Sie überlegte, ob sie morgen, an ihrem Familientag, überhaupt erscheinen sollte.

„Hey," sagte plötzlich eine Stimme neben Laura und holte sie aus ihren Gedanken. Seamus ging plötzlich neben ihr, oder war der schon vorher da gewesen?

„Hast du dein Streifenhörnchen wieder... ich meine, ich hab da was gehört, dass es verschwunden sei?" erklärte er nach seiner Frage, da Laura ihn erstaunt ansah. Was interessierte den schon ihr Haustier? Sie war nicht in der Stimmung auf ein lustiges Plauderstündchen, fand es aber doch nett von dem Jungen, dass er fragte.

„Nein, leider nicht," sagte sie etwas traurig. Sie vermisste das Tierchen, das ihr ein Art Freund war. Oder eher gewesen war?

„Schade," meinte Seamus und ging weiterhin neben Laura her. „Hast du Lust, nachher eine Runde Zauberschach zu spielen?" fragte er nach einer Weile und Laura sah ihn erstaunt an. Was war denn mit dem los? fragte sie sich mit etwas zusammen gekniffenen Augen.

„Ehhhmm..." konnte sie nur raus bringen, denn in diesem Moment drängte sich Fred zwischen Seamus und sie, und George hatte sie auf ihrer anderen Seite.

„Tut uns Leid, Kumpel," sagte Fred zu Seamus, klang aber nicht so, als ob es ihm wirklich Leid tat, dass sie die Unterhaltung so abrupt unterbrachen. „Wir haben etwas Wichtiges zu besprechen," meinte George und zog das Mädchen mit sich mit. Seamus' Augen schossen Feuer gegen die Zwillinge.

„Könnte es sein, dass der dich belästigt?" fragte Fred. „Wir könnten dir ansonsten unseren neu entwickelten Kaugummi empfehlen. Der würde ihm einen Niesanfall bescheren, der ihn die nächste Stunde beschäftigen würde."

George lachte und Laura schüttelte den Kopf. Sie gab den Jungen abwechselnd einen finsteren Blick. „Ich kann mich schon selber wehren, wenn nötig!" sagte sie ziemlich scharf. Was bildeten sich diese beiden ein. Sie brauchte doch kein Kindermädchen! Sie konnte sich doch unterhalten, mit wem sie wollte! Und sie war nicht so wehrlos, wie die Zwillinge vielleicht dachten.

„Findest du ihn nett?" fragte Fred sofort und mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck, den Laura etwas erstaunte.

„Klar!" sagte sie deshalb extra locker. Sie hatte wirklich nichts gegen Seamus. „Er hat mich auch gar nicht belästigt und außerdem bin ich nicht so klein und schwach, wie ihr vielleicht meint. Ich kann sogar ziemlich gefährlich sein," bluffte sie, grinste aber dabei und fletschte dann die Zähne und knurrte.

„Oho! Klein-Dracula!" witzelte George. „Da müssen wir aufpassen, dass wir dir nicht nachts begegnen, wenn du die Fangzähne ausgefahren hast, was?"

„Die kann ich jederzeit ausfahren, also nehmt euch in Acht," sagte Laura lässig und gab ihnen einen eiskalten Blick, wobei die Jungs aber nur lachten.

Nun hatten sie das Bild mit der fetten Dame erreicht und die Unterhaltung der Kinder wurde unterbrochen. Laura sah, wie sich Harry und Hermine unterhielten, während sie durch das Loch hinter dem Gemälde gingen.

Im Gemeinschaftsraum waren ihre Lieblingssessel im Handumdrehen besetzt, was in letzter Zeit öfters vorkam, da die älteren Schüler sich nun auch schon nach dem Abendessen im Gemeinschaftsraum aufhalten mussten und nicht draußen rumhängen konnten. Sie hörte, wie ein älterer Junge leise über ihren Vater fluchte. Das war für Laura immer ein sehr eigenartiges und unangenehmes Gefühl.

Ein anderer Junge fragte ihn, wieso er denn nicht beim Nachsitzen sei, Snape habe ihm doch bestimmt eine Strafe aufgebrummt, weil er seine Hausaufgaben nicht erledigt hatte.

„Ja, ich muss erst morgen bei der Kerkerfledermaus erscheinen, da er heute wohl was Besseres vor hat," sagte er mit bösem Blick zu Laura, als wäre es ihre Schuld.

Laura stand auf, da sie das nicht mehr hören konnte. Zwar war sie auch der Meinung, dass ihr Dad eine Fledermaus war, sogar eine sehr gemeine, aber das durfte nur sie, als seine Tochter von ihm denken.

„Ich muss jetzt meine Vampirzähne schleifen gehen!" sagte Laura extra laut zu den Zwillingen, mit einem bösen Blick zu dem Jungen, der ihren Vater als Kerkerfledermaus bezeichnet hatte.

Ron sah die Brüder fragend an, die in seiner Nähe an einem Tisch saßen und ausnahmsweise Hausaufgaben erledigten. Ron war es immer ein Rätsel gewesen, dass man seine Brüder so selten bei den Schularbeiten sah.

Was aber Laura mit ihrer Bemerkung gemeint hatte, wusste er nicht, im Gegensatz zu Fred und George.

Diese hatten Lauras Blick zu Robert gesehen und gingen sofort darauf ein. „Sie ist eine seltene Vampirart, die ihre Zähne jederzeit bissbereit machen kann," erklärte George seinem kleinen Bruder gespielt ernst und sah den kritischen Blick seines Mitschülers aus den Augenwinkeln. Ron grinste nur.

Auf dem Weg in ihren Schlafraum überlegte Laura, ob ihr Vater sich wohl gerade mit Amélie traf und knutschte. Schon der Gedanke daran befremdete und empörte sie gleichzeitig. Ihre Augen funkelten böse, als sie an einem größeren Mädchen vorbei ging, die die Treppe hinunter kam. Das Mädchen sah Laura fragend an, diese stampfte aber weiter die Treppe rauf.

Ein merkwürdiges Gefühl beschlich sie. Im Schlafsaal setzte sie sich auf ihr Bett und rief nach Milly. Sie brauchte die Elfe jetzt.

„Milly hat viel zu tun, meine liebe Laura," entschuldigte sich die Elfe, da einige Sekunden verstrichen waren, bevor die Elfe erschien.

Ohne Worte umarmte Laura das kleine Wesen, für die das nun alles nichts mehr Neues und Ungewöhnliches war.

„Wieso ist Laura traurig?" fragte die Hauselfe. Schon als Laura sie vor zwei Tagen in der Küche besucht hatte, war sie so ruhig gewesen.

„Mein Dad. Er ist glaube ich zu Amélie gegangen," sagte sie und senkte den Blick. Die Elfe hatte ihr klar vor Augen geführt, wie sie darüber dachte, dass Meister Professor Snapes Herz groß genug sei für mehr als eine Person. Wieder schämte sich Laura für ihre Eifersucht, wollte aber Milly ihren Kummer anvertrauen.

„Nein, liebe Laura. Meister Professor Snape ist nicht bei Miss Delais. Er hat Milly gesagt, dass er nach etwas suchen will. Nach einem Steinring oder so."

Laura blieb der Mund offen stehen. Der Steinkreis! Das Blut in ihren Adern schien still zu stehen. Kurz danach raste es dafür mit doppelter Geschwindigkeit durch ihre Venen.

Der Traum! Der Steinkreis war mit irgendeinem Zauber belegt. Laura wusste nicht, was für ein Zauber ihre Vorfahrin auf den Kreis gelegt hatte, aber etwas Gutes war es sicher nicht. Was, wenn ihr Dad nun den Kreis betrat, und zum Beispiel alles vergaß? Oder gar starb?

Sie musste ihn warnen! War es vielleicht sogar schon zu spät? All ihr Ärger über den Mann war längst vergessen. Gänsehaut bildete sich auf ihrem Rücken und es schauderte sie. Ob er vielleicht noch im Kerker, in seinen Privaträumen, war? Vielleicht war es noch nicht zu spät!

Laura sprang auf. Milly erschrak und sah sie mit großen Augen an, sodass Laura den Eindruck bekam, sie würden ihr gleich aus dem Kopf purzeln.

„Milly, du musst ihn unbedingt warnen! Er ist in großer Gefahr!" sagte sie mit sich überschlagender Stimme.

Die Elfe war nun so nervös, wie sie selber und fuchtelte wild mit den Armen. „Das kann Milly nicht, wenn der Meister sie nicht ruft!"

Fieberhaft überlegte das Mädchen. Sollte sie zu McGonagall oder einem andern Lehrer gehen? Doch wer würde sich um einen Traum scheren? Die würden sie nur auslachen!

Laura rannte aus dem Raum die Treppe hinunter. Sie hörte nicht mehr, dass Milly ihr hinterher rief, dass sie ihn suchen würde.

Lauras Augen suchten aufgeregt den Raum nach Percy ab. Wo war der bloß?

Nichts!

Mit verzweifeltem Gesichtsausdruck rannte sie zu Fred und George. „Wo ist Percy?" fragte sie eindringlich.

Erstaunt sahen sie die Jungen an. „Was willst du denn von dem?" fragte George erstaunt.

„Wo ist er?" fragte Laura nun lauter, ohne auf die Frage ein zu gehen.

Die Jungen zuckten die Schultern.

„Es eilt, bitte holt ihn!" sagte sie und fasste Fred am Arm, um ihn vom Sofa hoch zu ziehen. Der Junge sah sie fragend an, stand aber auf.

In dem Moment erschien der ersehnte Vertrauensschüler. Kaum war er auf dem untersten Treppentritt, hielt Laura schon seinen Arm umklammert und bettelte nervös: "Percy, du musst mich zu meinem Dad bringen, bitte!"

Percy sah von oben herab auf das kleine Mädchen. Er mochte diesen Aufstand nicht. „Ich muss gar nichts, Laura. Du hast keine Sonderrechte, nur weil dein Vater hier Lehrer ist."

Laura funkelte ihn ärgerlich an. „Ich muss zu ihm! Es ist wichtig!" bat sie nochmals, so freundlich es ihr möglich war.

„Alle haben die Anweisung, nach dem Abendessen hier im Gemeinschaftsraum zu bleiben. Auch Laura Smethurst," sagte er etwas großspurig.

„Du überwichtiger Vertrauensidiot!" rief Laura außer sich. „Dann geh ich eben alleine!" Sie drehte sich unter Jubel einiger Mitschüler und vor allem der Zwillinge um und marschierte zum Ausgang. Sie hätte Percy Gift geben können! Oder ihm alle Produkte der Zwillinge gleichzeitig verabreichen können! Oder ihn Fluffy zum Abendessen servieren... oder...

„Nein!" sagte Percy ernst. „Du bleibst hier!" befahl er. Laura funkelte ihn mörderisch an.

Nun schalteten sich die Zwillinge ein. Zumindest ein Zwilling. Fred trat auf den Bruder zu und klopfte ihm auf die Schulter. Leise sagte er etwas zu dem älteren Weasley und sofort färbten sich Percys Ohren rot.

Mit wütendem Gesicht wandte er sich nach ein paar Sekunden Bedenken an Laura. Im Raum war es ganz still geworden und Percy versuchte gerade seine Würde zu wahren. „Du hast Glück, dass es noch recht früh ist. Und merke dir, das ist eine Ausnahme."

„Ja ja," sagte Laura patzig und war Fred wirklich äußerst dankbar.

Der Junge sah die Erleichterung in Lauras Augen und bereute nicht, eines der wenigen Erpressungsmittel gegen den großen Bruder aufgebraucht zu haben. Er hoffte nur, dass George nicht allzu sauer sein würde. Es war nämlich nicht so leicht, solche Druckmittel zu beschaffen und sie wollten sie nur für Notfälle brauchen.

S s s s

Sobald das Mädchen ihr Zuhause im Kerker erreicht hatte, stellte sie aufgeregt fest, dass ihr Dad nicht hier war.

Laura zögerte keinen Moment, mit Flohpulver in der Hand in den Kamin zu steigen.

Sie war auch schon einmal alleine mit dem Flohnetz gereist und zu sich nach Hause war das nicht schwierig, redete sie sich gut zu. Zwar hatte ihr Vater sie gewarnt, das nicht ohne sein Einverständnis zu tun, aber was sollte es? Auch wenn sie dafür sehr viel Ärger bekommen könnte, sie musste ihn warnen und zwar jetzt!

In ihrer Eile nuschelte sie ein wenig und merkte das auch, sobald das Wort ihren Mund verlassen hatte. Während des um-sich-selbst-Drehens hoffte sie bange, dass sie am rechten Ort landen würde.

Zaghaft öffnete sie die Augen, als sie endlich still stand. Die Reise hatte irgendwie so lange gedauert!

Erleichtert stellte sie fest, dass sie tatsächlich zu Hause, in dem großen Haus, gelandet war, in welchem sie erst vor kurzem Weihnachten gefeiert hatten. Sie rannte zur Hintertür, die aber verschlossen war.

Von innen müsste man die doch öffnen können! Oder zumindest müsste doch irgendwo ein Schlüssel sein. Automatisch griff sie nach ihrem Zauberstab, den sie aber leider nicht dabei hatte. Sie hatte ihn auf ihren Nachttisch gelegt, als sie in ihr Zimmer gegangen war.

„Scheiße!" fluchte sie vor sich hin und zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich Milly neben ihr stand.

„Milly!" sagte sie verblüfft und spürte eine große Erleichterung, dass die Elfe ihr beistehen würde. Oder hatte sie etwa vor, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten? dachte sie und sah verzweifelt zu Milly hinunter.

„Ich... wir müssen meinen Dad warnen. Er sucht nach dem Steinkreis und da ist ein Fluch drauf. Er weiß das nicht, schnell, Milly!"

Milly öffnete mit einem Fingerschnipsen die Türe und sagte: "Milly kommt mit Laura mit. Oder Milly könnte den Meister auch alleine suchen. Das wäre besser, Laura!"

Doch das Mädchen schüttelte entschlossen den Kopf und verließ das Haus.

Laura war erstaunt, dass Milly es zuließ, dass sie nach dem Vater suchte. Milly war nämlich sehr vorsichtig, wenn es um ihre Laura ging. Und die kleine Elfe hätte zweifellos die Möglichkeit gehabt, das Kind aufzuhalten.

Laura überlegte sich, ob sie die Elfe zum Schulleiter schicken sollte, aber sie wollte sie lieber bei sich haben.

Sie rannte durch den ziemlich dunklen Garten und war erstaunt, dass die Hauselfe mit ihren knubbeligen dürren Beinchen Schritt halten konnte.

In welcher Richtung der Steinkreis lag und wie weit entfernt er war, wusste Laura nicht. Sie rannte in die Richtung, in die der Geheimgang ging. Von weither hörte sie einen Hund, oder war es ein Wolf? Sie sah sich erschrocken um. Es war doch nicht Vollmond, oder? Aber nein, es war erst vor ein paar Tagen Vollmond gewesen, als Remus danach zerkratzt zu ihrem Dad gekommen war, dachte sie erleichtert. Sie rannte weiter, dicht gefolgt von Milly.

Bald war sie so außer Atem, dass sie gehen musste. Wieso hatte sie ihrem Vater nur nichts gesagt von dem Fluch? Sie hatte es ja geträumt! Sie war so dumm gewesen und so eifersüchtig!

Schwer atmend rannte sie weiter in den Wald hinein. Wo sollte sie nur suchen? Vor allem war es ganz dunkel. Zum Glück gab es noch Schnee, der alles etwas erhellte. Sonst hätte sie wohl gar nichts gesehen.

Das war so schlimm! Ihrem Instinkt folgend rannte sie quer durch den Wald. Wieso sie genau diese Richtung einschlug, wusste sich nicht. Vielleicht rannte sie in eine vollkommen falsche Richtung. Sie hatte das Gefühl, der Kreis müsse auf einem kleinen Hügel auf einer großen Waldlichtung sein. So hatte sie es von ihrem Traum in Erinnerung. Wenn es sie nicht zu viel Atem gekostet hätte, hätte sie vor Verzweiflung geweint. Sie keuchte und zwang ihre Beine weiter zu rennen.

Im Wald konnte sie nur gehen, was aber auch sehr anstrengend war, da sie über Wurzeln und Gestrüpp steigen musste und oft stolperte. Sie hatte nur Hausschuhe an, merkte aber nicht, dass diese vom Schnee total durchnässt waren. Sie hatte nicht mal eine Jacke an. Aber auch die Kälte fühlte sie nicht, zumal sie in Bewegung war und ihre Gedanken nur bei einer Person waren.

Sie fiel hin und rappelte sich sofort wieder hoch.

Sie war froh, dass Milly so flink war und vor allem, dass sie bei ihr war.

Laura hatte Angst um ihren Vater und bereute es, dass sie sich so dumm verhalten hatte.

Eine Geschichte kam Laura in den Sinn, wo sich zwei Mütter um ein Baby stritten und ein Mann mit einem Schwert das Kind entzwei schneiden wollte, damit beide Frauen einen Teil des Kindes bekamen.

Wieso sie in diesem Moment solche Dinge denken musste, wusste sie nicht und es nervte sie. Sie wusste nicht mal mehr, wo sie die Geschichte gehört hatte. Auch sie wollte ihren Vater für sich haben. Amélie vielleicht für sich. Auch sie würden den Mann nicht zerreißen können.

Na ja, das war ja nicht gerade dieselbe Situation wie bei dem Baby. Aber es führte ihr doch vor Augen, wie sie beide an Snape zogen.

Hoffentlich hatte ihr Dad den Steinkreis nicht gefunden! Ob er in genau diesem Augenblick hineintreten wollte? Ob er in diesem Moment starb und auf dem Boden lag. Sie hätte es verhindern können, wenn sie mit ihm geredet hätte. Nun konnte sie die Tränen nicht mehr zurück halten, obwohl es unnötig Energie verbrauchte zu weinen.

Ihre Schritte beschleunigten sich trotzdem, als sie ihren Vater im inneren Auge sah, wie er tot am Boden lag. Vielleicht würde sie den Kreis nie finden. Was war das für ein Zauber, den Rachel auf den Kreis gelegt hatte? Vielleicht einer, den die Grabstätte von Margarida unauffindbar machte. Oder ein Vergessenszauber. In diesem Moment hasste sie die Vorfahrin von ganzem Herzen.

Und was, wenn ihr Dad schon wieder zu Hause war und vielleicht sogar nach ihr suchte?

Doch es kümmerte sie herzlich wenig, dass sie in Schwierigkeiten sein würde. Falls ihr Dad in Gefahr war, musste sie ihn rechtzeitig finden!

Der Schweiß rann ihr in die Augen und vermischten sich dort mit ihren Tränen, die ihr die Sicht verzerrten. Sie hatte keine Zeit und keine übrige Luft um zu weinen, verdammt! Sie brauchte den Sauerstoff für ihre Muskeln.

„Milly, wir müssen ihn finden," keuchte sie, was ihr noch mehr Atem raubte. Plötzlich blieb sie stehen.

Auf einem Hügel im Wald, waren drei große Steine zu sehen. Von einer Waldlichtung war gar nichts zu sehen, aber Laura wusste, dass das der Steinkreis war.

Die letzten Meter ging sie langsamer.

Als sie endlich erschöpft vor dem imposanten Kreis stand, sah sie plötzlich die dunkle Silouhette eines Mannes im Steinkreis stehen und einen großen Stein untersuchen. Es war ein wunderschöner Anblick, fand Laura und stand einen Moment nur da und sah die schwarzen Steine gegen den Himmel ragen im schwachen Mondlicht. Sie ging etwas näher und sah, dass es ganz klar ihr Dad war. Er war ziemlich lebendig.

Vor Erschöpfung und Erleichterung sank das Kind auf die Knie und weinte vor sich hin. Ihr Gesicht in den Händen.

Sie spürte eine Hand auf ihrer Schulter und wusste, dass es nicht Millys war. Mit nassem Gesicht sah sie zu ihrem Vater hoch, der sie besorgt, aber auch streng ansah. „Dad!" schluchzte sie.

„Was um alles in der Welt tust du hier?" fragte er, fasste Laura unter den Armen und stellte sie auf ihre Füße.

In einer ersten, verärgerten Reaktion hätte Snape seiner Tochter beinahe gehörig eins auf ihr Hinterteil gehauen, da sie ihm offenbar unerlaubterweise gefolgt war, sah dann aber, wie durcheinander Laura war.

„Laura, was tust du hier?" fragte er nochmals und nun schwang Besorgnis in seiner Stimme mit.

Das Mädchen antwortete nicht, sondern klammerte sich an ihren Vater, als hänge ihr Leben davon ab. Der etwas steife, rauhe Stoff seines warmen Umhanges an ihrer Wange schenkte ihr Trost. Der Stoff roch nach ihrem Vater und ihr Vater war lebendig und sie spürte seine Wärme.

Er verstand überhaupt nichts mehr, aber klopfte ihr sanft auf den Rücken. Als Lauras Tränen nicht nachließen, zog er sie von sich weg und sah sie kritisch an. Laura sah bemitleidenswert aus. Ihr verweintes Gesicht, der weite Blick ihrer tiefschwarzen Augen, das im Mondlicht etwas fahl wirkende Gesicht... und nicht zuletzt, die spärliche Bekleidung! dachte er, während er sie immer noch musterte.

Was tust du hier?" fragte er nochmals etwas fordernder und kauerte sich zu ihr hinunter. „Wie hast du hierher gefunden? Bist du mir nachgelaufen?" Er sah seine Tochter an, ob sie einen Zauberstab dabei hatte. Er sah nichts, aber war froh, dass die kleine Elfe neben seinem Kind stand. Er wusste, dass diese ihre Laura beschützt hätte, wenn Gefahr drohte, ganz egal, was es kostete.

„Der Fluch..." schluchzte Laura und Snape hielt ihr ein Taschentuch hin. Sie schluckte schwer und schien ziemlich erschöpft.

„Im letzten Traum... habe ich gesehen... wie... wie Rachel einen Zauber oder Fluch oder so auf den Kreis gelegt hatte. Ich... dachte, dass der dich töten könnte... oder... oder dir die Erinnerung löschen würde..." Sie musterte ihren Vater, der wieder aufgestanden war, von oben bis unten. „Ist dir nichts passiert?" fragte sie mit verstopfter Nase und immer noch schluchzend.

„Wie du siehst, bin ich lebendig und auch nicht verhext. Ich bin ein relativ erfahrener Zauberer, Laura. Ich würde einen Fluch oder gefährlichen Zauber rechtzeitig erkennen."

Er wusste, dass sich Laura sehr gesorgt haben musste, so außer sich, wie sie war. Sie hatte gedacht, dass er in ernsthafter Gefahr sei. Das rührte ihn.

Aber dass sie so durch die kalte Nacht, durch den Wald rannte, freute ihn nicht. Er sah zu dem Kind hinunter, das sich nun die Nase schnäuzte und sich die Tränen abputzte. Dann steckte sie das Taschentuch in die Hosentasche.

Sie zitterte, teils von der Aufregung, teils aus Kälte, die sie nun deutlich fühlte.

Snape verwandelte ihre nassen Hausschuhe in warme, trockene Schuhe. Den Pullover in eine Jacke.

„Danke, Dad," sagte sie und genoss die Wärme.

Laura sah sich um und nahm seine Hand. Der Steinkreis sah komplett anders aus, als in ihrem Traum. Und doch wusste sie, dass er es war. Snape zog ihr die Kapuze der Jacke hoch.

Lauras Augen wanderten über die großen Steinblöcke. Wie sie feststellte, lag im Innern des Steinkreises kaum Schnee und kein Baum oder Strauch wuchs da. Das war seltsam!

Snape ging wortlos mit Laura an der Hand in den Kreis hinein. Sie sah sich um und erkannte den Stein aus dem Traum, unter dem, in einem verborgenen Gang, die Echse verschwunden war. Auch wusste sie, wo in etwa Margarida in der Erde lag. Sie wurde ganz nachdenklich.

„Wir kommen ein anderes Mal, Laura," sagte ihr Vater und Laura sah zu ihm auf und nickte. Sie war ziemlich erledigt und war so froh, die warme Hand ihres Vaters zu halten.

Sie hätte gedacht, dass sie etwas Spezielles, irgend eine Kraft oder Energie oder so fühlen würde, wenn sie den Kreis betrat, aber eigentlich fühlte sie sich ganz normal. Etwas zittrig, vom ganzen Stress.

Ihr Vater führte sie aus dem Kreis und hielt sie an sich gedrückt. Er spürte, wie Laura immer noch zitterte. Er nickte Milly zu und sie apparierten nach Hause.

S s s s

Mit einem Wärmezauber lag Laura in ihrem Bett. Aber nicht in Hogwarts. Sie würden morgen nach Hogwarts zurück kehren, hatte Snape spontan beschlossen und Albus eine Notiz geschickt.

Milly brachte Laura einen Tee und streichelte ihr Haar.

Als die Elfe aus dem Zimmer gegangen war, dachte Laura an ihre Angst. Sie hatte heute sehr viel Angst gehabt. Um ihren Dad.

In letzter Zeit war die Angst ihr Begleiter. Sie hatte nämlich immer Angst, ihn zu verlieren, nun, da er verliebt war.

Vielleicht war auch diese Angst unbegründet, wie das, was sie heute erlebt hatte.

Könnte ja sein, dass ihr Dad auch das im Griff hatte. Sie würde es ihm sagen müssen, dass sie den Brief gelesen hatte.

Und so schlimm es auch war, war es irgendwie doch besser, als es gar nicht zu wissen.

Tränen liefen ihr übers Gesicht, doch sie wischte sie nicht weg. Sie liefen ihr ins Haar. Laura dachte an das Gespräch mit Milly vor ein paar Wochen. Sie wollte doch keine so egoistische dumme Laura sein, die meinte, ihr Vater gehöre ihr alleine.

Trotzdem machte es sie traurig und sie wollte jetzt einfach weinen. Sie hatte schon so viel geweint heute. Es wollte alles raus.

Hatte ihr Vater nicht auch ein Recht darauf jemanden zu lieben? Anders als er sie liebte? Wenn man einen Vater und eine Mutter hatte, liebten die sich doch auch. Und trotzdem liebten sie auch die Kinder.

Plötzlich öffnete sich die Tür. Snape sah sie mit einem speziellen Blick an, den sie noch nicht kannte an ihm.

Laura sah ihn an, sagte aber nichts. Ob sie nun ein Donnerwetter hören würde, weil sie ihm gefolgt war? Ob er sie bestrafen würde? Es wurde ihr etwas flau im Magen. Sie musterte ihn.

Aber er sah eher... besorgt aus als böse. Und ernst.

Ohne ein Wort setzte er sich auf ihr Bett und sah sie an. Nun würde er mit ihr reden! Er würde es nicht mehr vertagen. Er wusste, dass sie den Brief gelesen hatte und er hatte gemerkt, dass sie ihn die letzten Tage gemieden hatte.

Sie hatte ganz anders reagiert, als er erwartet hatte. Er hatte ein riesiges, lautstarkes Theater erwartet. Dass sie rumschreien und ausrasten würde. Sie hatte ihn immer völlig beschlagnahmt, wenn Amélie auch nur in der Nähe war. Es war ihm nicht entgangen, dass sie ihn die letzten Tage geflissentlich ignoriert hatte, was ihm auch nicht wirklich lieber gewesen war, als ein Wutausbruch.

Mit dem hätte er wahrscheinlich besser umzugehen gewusst.

Er sah, wie Laura besorgt auf ihrer Unterlippe rumkaute, als erwartete sie ein Donnerwetter von ihm.

„Dad, ich hab mich so gesorgt um dich, nur deswegen bin ich dir gefolgt, sonst hätte..." versuchte sie zu erklären, doch Snape unterbrach ihre Rechtfertigungsversuche.

Er wollte sich nicht aus dem Konzept bringen lassen und es endlich aussprechen, was er schon lange hätte besprechen sollen mit Laura.

„Du hast den Brief von Amélie gelesen," stellte er ruhig und sachlich fest. Laura sah ihn überrascht an, nickte dann zögernd und schluckte schwer. Das fing ja nicht so gut an, dachte sie beunruhigt. Ihre Augen zeigten ihr Schuldbewusstsein deutlich. Die Spuren der Tränen, die ihr vorhin übers Gesicht gerollt waren, waren noch deutlich sichtbar.

Er sah sie an und fuhr etwas nachdenklich fort: „Ich weiß, dass ich es dir hätte sagen müssen. Schon lange."

Laura sah ihn nur an und wusste nicht wirklich, wovon er sprach. Severus registrierte ihren leicht verwirrten, aber auch ängstlichen Blick.

Sie erwartete, nun ausgeschimpft zu werden, wegen des Briefes und bestimmt auch wegen der Suchaktion im Wald. Wahrscheinlich befürchtete das Kind auch, bestraft zu werden. Aber er hätte sie gerne einfach an sich gedrückt.

Doch jetzt konnte er dem Gespräch, das er so lange vor sich her geschoben hatte, nicht mehr ausweichen.

„Amélie und ich, wir... lieben uns, Laura. Wir sind mehr als nur Freunde." Er musste die Worte beinahe heraus pressen.

Ruhe.

Laura biss sich auf die Lippen. Natürlich hatte sie es gewusst. Es nun aber offen zu hören, war nochmals etwas anderes. Nun war es so real. Sie atmete ein paarmal tief ein und aus, um ruhig zu bleiben. Sie wusste, dass alles Ausrasten nichts bringen würde, außer einem schmerzenden Hintern, da ihr Dad das auf keinen Fall dulden würde.

„Wieso habt ihr mir nichts gesagt?" fragte Laura nach einer Weile leise und tönte ziemlich heiser.

Snape gab ihr einen langen Blick. „Es ist meine Schuld. Amélie wollte es dir sagen. Aber ich dachte, dass du dich zu sehr aufregen würdest. Du musst dich auf die Schule konzentrieren und es sind genügend andere Dinge vorgefallen in den letzten Wochen, die dich verunsichern."

Laura wischte sich die Tränen weg, die schon beinahe getrocknet waren. Sie drehte sich etwas und benutzte den Oberschenkel ihres Vaters als Kissen. Mit großen Augen und nassen Wimpern sah sie zu ihm auf. Ihre Finger huschten zu einem seiner zahlreichen Knöpfe an seinem Gewand und drehten den schwarzen kleinen Knopf ein wenig hin und her.

„Ich habe Angst," sagte sie nach einer Weile. Er nickte und fuhr ihr übers Haar. Es war ein gutes Zeichen, dass sie ihm ihre Gefühle offen gestand.

Ein Moment war Ruhe und sie sahen sich nur an. „Hat sich etwas verändert zwischen uns?" fragte er plötzlich.

Laura sah vom Knopf zu ihrem Dad auf. Sie überlegte. Eigentlich war alles wie immer. Er hatte gleich viel Zeit gehabt und sie hatte sich nicht weniger geliebt gefühlt. Nicht weniger wichtig.

„Eigentlich nicht," gab sie zu. "Aber vielleicht kommt das ja noch. Plötzlich wohnt sie mit uns zusammen und dann wird alles anders und nicht mehr so sein wie jetzt."

Neue Tränen kullerten aus ihren Augen, als sie schon nur daran dachte.

„Nein," sagte Snape und seine Stimme hörte sich etwas belegt an. „Es wird sich in den nächsten Jahren zwar immer wieder etwas verändern, mit oder ohne Amélie. Aber wir werden unsere gemeinsamen Momente haben, wie jetzt. Und an meinen Gefühlen dir gegenüber wird sich nie etwas ändern, Laura. Du bist mein Kind. Das wirst du immer sein."

Lauras Hand griff nach oben und sie fuhr ihm mit den Fingerspitzen ganz sanft über die Wange. Ganz leicht spürte sie die kurzen Bartstoppeln des Mannes. Seine Augen sahen direkt in ihre und sie sah eine Sanftheit in ihnen, die nur in seltenen Momenten sichtbar war.

„Ich hab dich so lieb, Dad," hauchte sie und er hatte Mühe, seine Gefühle im Griff zu behalten. Es rührte sein Herz und eine angenehme Wärme durchströmte ihn. Er wusste, dass sein Kind ihn liebte. Und sie hatte es ihm schon oft gesagt. Trotzdem war dieser Moment speziell, denn Laura hatte es so ernst und gefühlvoll gesagt.

Er fasste sie unter den Armen und zog sie etwas hoch, damit er sie umarmen konnte. Laura klammerte sich an ihn und wieder rollten Tränen über ihre Wangen. Laura fragte sich, wieviel man weinen musste, bis alle Tränen aufgebraucht sein würden.

„Es wird schon gut," sagte Snape leise und ruhig. Laura wusste nicht, ob er das zu ihr gesagt hatte, oder zu sich selbst.

Sie schniefte und flüsterte: "Tut mir Leid, dass ich deinen Brief gelesen habe."

„Hm," grummelte Snape. Er brauchte einen Moment frische Luft. Er gab Laura einen Kuss auf die Wange und stand auf.

Er räusperte sich und sagte, dass er ihr einen Tee machen würde. Aber sie hatte ja eben einen getrunken von Milly, deshalb fragte sie, ob sie eine heiße Milch haben könnte.

Als sich die Tür hinter ihrem Vater geschlossen hatte, blinzelte sie und atmete tief ein.

Sie legte sich wieder hin und fühlte sich deutlich besser. Jetzt wusste sie, was Fakt war und es würde sich zeigen, wie sich alles entwickeln würde.

Ihre Zehen waren wieder aufgetaut und sie würde nachher nochmals zu ihrem Dad runter gehen. Würde er ihr wohl noch einen Vortrag halten, über ihr etwas überstürztes Handeln heute? Sie hatte irgendwie den Verdacht, dass das Thema noch nicht gegessen war...

S s s s s s

Severus war mehr als froh, dass das so glatt gelaufen war. Dass Laura sich nun so einsichtig zeigen würde, hatte ihn erstaunt.

Vielleicht war das aber auch nur vorübergehend und der große Sturm kam erst später. Er würde es so nehmen, wie es war, aber er hatte den Eindruck gehabt, dass Laura ehrlich gewesen war.

Sie hatte klar gesagt, dass sie Angst hatte. Und es war ihm um einiges lieber, wenn sie ihre Gefühle ehrlich zugab und ihm ihre Bedenken und Ängste anvertraute. Das machte ihn auch stolz und glücklich.

Er würde später noch mit Amélie sprechen, wenn Laura schlief. Morgen war ihr gemeinsamer Abend und er würde in nächster Zeit genau darauf achten, dass er keine Termine hatte am Freitag. Er hatte noch zwei Jungs, die nachsitzen mussten, aber das lief paralell. Er musste die großen Jungen nicht nonstop überwachen und Laura könnte auch mal kurz alleine sein.

Milly schien sehr zufrieden, dass ihrem Meister und auch ihrer geliebten Laura nichts passiert war und noch glücklicher, dass das Kind keinen Ärger bekommen hatte. Sie reichte dem Professor die Milch für Laura und fragte, ob sie nicht doch selber dem Mädchen die Milch bringen solle.

Mit dem heißen Getränk betrat Snape einige Minuten später Lauras Zimmer. Im ersten Moment dachte er schon, sie schliefe, aber dann drehte sie sich zu ihm und lächelte ihn an. Ihre Augen waren ziemlich rot von dem vielen Weinen.

„Danke, Dad. Mir ist nun wieder warm. Darf ich aufstehen?" fragte sie, aber er sah sie streng an.

„Nein, warte noch eine halbe Stunde."

Lauras Nase kräuselte sich etwas, aber sie gehorchte ohne Widerrede.

„Dad, die Zwillinge sind eigentlich doch nett, wenns drauf an kommt."

Eine Augenbraue wanderte etwas hoch bei dem Mann. Diese Bemerkung machte ihn hellhörig.

„So?" fragte er aber nur.

„Ja, ich denke, die sind schon manchmal echte Nervensägen, aber im Ernstfall würden sie alles tun um zu helfen."

„Wie kommst du auf diese Schlussfolgerung?" fragte er und setzte sich auf ihre Bettkante. Eigentlich fand er es gut, wenn Laura von solchen Freunden umgeben war. Es war immer gut, wenn man Leute hatte, die einem beistanden, wenn's sein musste.

Laura nahm die Milch entgegen und blies in die Tasse. Vorsichtig nahm sie einen Schluck. „Percy wollte mich gar nicht zu dir runter bringen. Der ist so ein aufgeblasener Streber!"

Ihre Augen waren ganz finster und erst, als sie dem noch finsteren Blick ihres Vaters begegnete, entschuldigte sie sich etwas verlegen für den Ausdruck.

„Ich möchte keine solchen Wörter mehr hören, sonst schmeckst du bald Seife, statt Honigmilch, klar?" sagte er streng und fixierte sie mit seinen dunklen Augen.

Laura nickte und biss sich auf die Unterlippe. „Fred konnte ihn dann überreden," erklärte sie weiter, sah aber den ernsten Gesichtsausdruck ihres Vaters.

„Ich weiß, dass du besorgt warst heute, Laura. Aber ich möchte es nicht nochmals erleben, dass du alleine durch den Wald rennst und das auch noch im Dunkeln. Du wusstest ja nicht, wo ich war. Ich kann recht gut auf mich selber aufpassen und wenn du irgendwelche Zweifel daran hegst, dann gehst du das nächste Mal zum Schulleiter, klar?" fragte er streng und Laura nickte wieder und senkte die Augen.

„Laura!" sagte er leise und das Kind wusste genau, dass er eine verbale Antwort erwartete.

„Ja, Dad," brachte sie dann zerknirscht hervor.

„Außerdem möchte ich nicht, dass du ohne zu fragen Briefe liest, die an mich gerichtet sind," stellte er klar und er fixierte sie immer noch mit seinem strengen Blick, der ihren Magen nervös flattern ließ.

Sie biss sich kurz auf die Unterlippe und nickte dann. „Ich tu's nicht mehr," versprach sie schuldbewusst. Sie wusste, dass es ziemlich unanständig war, sowas zu tun.

Severus beugte sich ein wenig zu ihr hinunter. „Das ist eine weise Entscheidung, junge Dame," sagte er.

Einen Moment schwieg Laura und sah ihren Vater dann wieder an. Seine Standpauke schien beendet, denn er sah nicht mehr so streng aus.

„Dad?" fragte sie und Snape vermutete einen abrupten Themawechsel, was sich auch bestätigte.

„Wie macht man eigentlich solche Schmatzeküsse? Ich meine, gibt es da einen Plan oder so? Das sieht immer so eklig aus, wenn die das im Fernsehen machen. Als würden sie einander auf den Zungen rum kauen."

Snape verdrehte, zumindest in Gedanken, die Augen. Er hatte fast vermutet, dass so eine Frage kommen würde.

„Möchtest du denn jemanden küssen?" fragte er und sah sie forschend an. Laura dachte an Fabrizzio, der ihr sehr gut gefiel. Küssen? Vielleicht, aber so einen Schlabberkuss, nein danke!

Wieder rümpfte sie die Nase. „Natürlich nicht. Ich will es einfach wissen."

Also wieder mal so eine 'ich will es einfach wissen'- Frage.

Severus seufzte tief. „Nein, es gibt keinen Plan. Und das machen auch nicht alle auf dieselbe Art. Du wirst es dann raus finden, Laura."

Er hoffte inständig, dass ihre Neugierde damit fürs erste befriedigt war.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das je tun werde," sagte sie und legte sich hin. Sie fühlte sich plötzlich so unendlich müde.

Das werden wir ja sehen, dachte Snape. Er hatte Laura einen Schluck Schlaftrank in die Milch getan und allem Anschein nach zeigte der nun seine Wirkung.

„Dad, bitte, könntest du mit Amélie küssen, wenn ich nicht dabei bin?" murmelte sie und schlief schon fast.

„Ich werde sie nicht vor deinen Augen küssen, Laura," versprach er und korrigierte damit auch gleich Lauras seltsamen Satz. Er war sich nicht sicher, ob sie das noch mitbekommen hatte, denn ihre Augen waren schon geschlossen.

Laura war froh über das Versprechen ihres Vaters, denn das würde sie doch nicht mitansehen können.

S s s s s s s s s s

Obwohl die Kinder wussten, dass es eine Vorsichtsmaßnahme war, fanden sie es etwas erniedrigend, wie Kleinkinder von einem Vertrauensschüler von Klasse zu Klasse geführt zu werden. Malfoys übliche Kommentare und Sticheleien schränkte das aber etwas ein.

Penelope, die Freundin von Percy, führte sie zur nächsten Klasse bei Professor Flitwick. Sie hatten eben Pflanzenkunde gehabt und gesehen, dass die Alraunen ziemlich aggressiv waren und Madam Sprout hatte gesagt, dass sie nun jugendlich waren.

Harry, Ron und Laura gingen zu hinterst und Hermine diskutierte mit Emma. „Der ist so süß!" hörte sie Emma sagen, die auf einen Jungen zeigte, der gerade mit den Hufflepuffs an ihnen vorbei ging. Welchen die Freundin genau meinte, wusste Laura aber nicht und Hermine schien es auch nicht zu wissen, denn sie sah von einem Jungen zum anderen, während Emma ihr etwas ins Ohr tuschelte.

Es ging eine Treppe hinauf, die gerade dabei war, die Richtung zu wechseln, was ihnen einen kleinen Umweg bescherte.

Plötzlich, als sie im zweiten Stock am Mädchenklo vorbei gingen, deutete Harry auf den Boden. Unter der Tür sickerte eine Wasserlache hervor.

Die Kinder sahen sich an. Von innen her hörten sie etwas wie Gesang. Nicht gerade wunderschönen Gesang allerdings.

„Die hat wieder geflutet," stellte Ron fest und blieb stehen. Laura und Harry waren auch stehen geblieben.

Penelope schien das nicht bemerkt zu haben, zumal ihre Augen nun an Percy hingen, der sie eben mit einer anderen Klasse im Schlepptau und stolzer Miene gekreuzt hatte.

„Die hat wohl wieder ihre schwachen fünf Minuten," sagte Laura mit einer Kopfbewegung zum Klo , ging schnell zur Tür und öffnete sie einen Spalt breit.

Der Rest der Klasse folgte immer noch schwatzend dem älteren Mädchen.

„Wir schauen nur schnell, wie schlimm die Verwüstung ist," flüsterte Laura ihren Freunden zu, mit einem Blick zu der sich entfernenden Klasse.

Wasser schwappte ihnen entgegen, als sie den Raum betraten. Myrte saß auf einem Waschbecken und sah in den Spiegel, während das Wasser voll aufgedreht war.

Sie sang und schluchzte gleichzeitig: "Tot zu sein bedarf es wenig und wer tot ist... und wer tot ist..." sie schniefte und jammerte herzzerreißend und wieder sahen sich die drei Freunde fragend an.

„Kommt, gehen wir!" sagte Laura und drehte sich um.

Harry bückte sich und hob etwas auf. Ein altes, durchnässtes Buch. „Wäh!" sagte er. Es tropfte, während er den Band untersuchte. „Das ist ein Tagebuch! Wer lässt denn sowas hier liegen?"

„Liegen? LIEGEN?" keifte nun Myrte. „Das wär mir ja noch egal, wenn es jemand hier liegen lassen würde. Aber nein... man BEWIRFT mich damit!" schrie sie beleidigt.

Harry drückte das Buch etwas zusammen, damit das restliche Wasser rausgequetscht wurde und steckte es dann ein.

Schnell gingen die Kinder aus dem Mädchenklo, um die Klasse noch aufzuholen. Sie hörten Myrte von drinnen schimpfen und jammern und keifen und rannten schnell den Korridor entlang.

Die anderen Kinder waren schon im Klassenzimmer und sie schlüpften schnell hinein. Flitwick war zum Glück noch nicht da, aber einige Schüler sahen sie auffällig heimlich an und tuschelten. Vor allem Justin, der sich das zum Hobby gemacht hatte und Harry immer so beschuldigend und wissend ansah seit ein paar Wochen.

„Ach, habt ihr euch ins Hemd gemacht!" lachte Malfoy und automatisch sahen die Kinder an sich herunter. Natürlich waren ihre Hosen etwas nass wegen Myrtes Flut.

„Ja, als wir eben dich gesehen haben," antwortete Ron cool. „Wir hatten Angst, dass deine Dummheit ansteckend sein könnte."

Er fühlte sich sehr toll über seinen Spruch und bestimmt wären seine Zwillingsbrüder recht stolz auf ihn.

„Dem würd ich am liebsten einen Tritt in den Hintern geben, dass er schneller fliegt, als sein neuer Besen. Am besten bis auf den Mond!" flüsterte Laura den beiden Jungen zu und diese lachten.

TBC...