„Ich vermisse sie ziemlich," sagte Laura traurig. Sie saß wieder einmal neben Emma beim Abendessen. Und endlich hatten sie wieder einmal ein anderes Thema als die süßen Jungs und insbesondere den süßen Ravenclaw-Jungen, der es Emma so angetan hatte.
Tatsächlich hatte Emma von sich aus nach Jimmy gefragt. Sie wusste, dass Laura sich immer noch Hoffnungen machte, dass das Tierchen noch lebte.
Emma konnte nicht so extrem viel mit Tieren anfangen. Nicht, dass sie sie nicht mögen würde, aber sie hatte nie ein Tier gehabt und konnte sich nicht so recht vorstellen, dass man sich so an ein Haustier hängen konnte.
„Vielleicht kommt sie ja wieder. Sie war ja auch schon eine zeitlang weg, oder?" versuchte Emma die Freundin aufzuheitern. Sie war sehr froh, dass sie wieder besser auskamen.
Laura zuckte die Schultern und spießte mit düsterem Blick eine Kartoffelscheibe auf. Etwas lustlos schob sie sie in den Mund und kaute darauf herum, während sie an Jimmy dachte. Wohl kaum bestand die Chance, dass sie das geliebte Tierchen wieder einmal zu Gesicht bekommen würde.
„Nichts, absolut leer!" hörte sie Harry leise zu Ron sagen.
„Woher das wohl kommt? Ich meine, das ist ja schon ziemlich alt. Das könnte einem unserer Großväter gehört haben," meinte Ron und Laura vermutete, dass sie über das Tagebuch sprachen, welches sie gefunden hatten.
„Vielleicht ist ja etwas mit unsichtbarer Tinte geschrieben," sagte Harry nachdenklich.
Ron sah etwas zweifelnd aus und zuckte mit den Schultern.
„Was meinst du, Laura?" fragte Emma und erst jetzt fiel Laura auf, dass Emma frisch fröhlich vor sich hin geredet hatte, während sie ihre Aufmerksamkeit auf Harry und Rons Unterhaltung gerichtet gehabt hatte.
Sie musste sich nicht fragen, wovon die Freundin geredet hatte, da ihr Blick natürlich wieder an irgend einem Jungen klebte, den sie süß fand. Aber sie hatte Emmas Frage nicht mitbekommen.
„Ehm... ich hab die Frage nicht recht verstanden," sagte sie etwas verlegen und Emma schmachtete zum Ravenclawtisch hinüber, wo ein paar Jungen miteinander redeten und lachten.
„Eben, findest du auch, dass dem dort kurze Haare besser stehen würden. Ich finde der sieht so etwas ungepflegt aus."
Laura seufzte innerlich und hätte am liebsten die Augen verdreht. Die Haare von dem Kerl da drüben interessierten sie nicht die Bohne. Immer dasselbe langweilige Thema!
Doch Laura tat der Freundin den Gefallen und bestätigte ihr, dass ein kürzerer Haarschnitt besser passen würde und seine Augen mehr zur Geltung kämen, bla bla bla...
Morgen würde sich Laura wieder neben Harry und Ron setzten, schwor sie sich. Ob das die Hormone waren, die ihre Freundin durchfluteten und Besitz von ihren Gedanken ergriffen und sie so nach Jungs lächzen liess?
Laura freute sich auf den gemeinsamen Abend mit ihrem Dad. Sie brauchte etwas Ruhe. Sie hoffte, dass ihr Dad zufrieden war, mit ihren Hausaufgaben, denn sie hatte keine Lust auf den ansonsten unvermeidbaren Ärger. Eigentlich hatte sie sich Mühe gegeben, außer in Geschichte der Zauberei. Dort hatte sie das Allernotwendigste erledigt, wie immer.
S s s s s s
Laura saß in ihrem Zimmer und hatte das alte Büchlein vor sich. Gestern Abend, als sie ihren Familienabend gehabt hatte hier, hatten sich ihre Freunde im Gryffindorgemeinschaftsraum das Büchlein genau angesehen und Hermine hatte versucht, ihm mit dem Zauberstab irgend ein Geheimnis zu entlocken, ohne Erfolg, wie die Freundin ihr dann heute Morgen erzählt hatte.
Es schien wirklich nur ein altes, uninteressantes Tagebuch zu sein. Das war nun wahrscheinlich Mode, denn auch Ginny schrieb ja immer in so ein Ding. Wenn sie es sich genau überlegte, sah es so ziemlich ähnlich aus, wie dieses hier. Aber Tom Riddle? Also Ginnys Tagebuch konnte es nicht sein, denn die hatte ja ständig dort hinein geschrieben und hier stand nichts drin außer dieses Namens. Und es sah auch nicht so aus, als seien Seiten raus gerissen worden. Und wieso sollte Ginny das Tagebuch eines anderen benutzen!
Das Sonderbare war, dass Ron den Namen Tom Riddle gekannt hatte. Tom hatte vor fünfzig Jahren einen Pokal erhalten, für besondere Dienste für die Schule, die Ron hatte blitzblank polieren müssen, als er Nachsitzen musste bei Filch.
Sie hatte Harry überredet, es ihr bis Morgen zu überlassen, damit sie es sich mal ansehen könnte. Allerdings hatte sie bis jetzt nichts Spannendes entdeckt. Es war einfach leer von der ersten bis zur letzten Seite.
Sie tauchte ihre Feder in die Tinte. Ein großer Tropfen blaue Tinte tropfte auf die erste Seite, da Laura zur Tür sah, die sich öffnete. Schnell schloss sie das Büchlein und fluchte in Gedanken über ihre Schussligkeit.
Doch es war nicht ihr Vater, wie sie erwartet hatte, sondern Amélie tauchte in ihrem Türrahmen auf.
„Darf ich rein kommen?" fragte sie die erstaunte Laura.
Severus hatte mit ihr geredet und erzählt, was vorgefallen war. Eigentlich war sie sehr froh, dass das Kind nun endlich Bescheid wusste. Wie Laura aber auf sie reagieren würde, wusste sie nicht und sie hatte etwas Angst, es herauszufinden.
Sie wollte die Gelegenheit jetzt nutzen und mit Laura sprechen. Zu lange hatte sie dem Kind etwas vorspielen müssen. Obwohl sie etwas aufgeregt war, musste es endlich raus.
Laura nickte und Amélie kam herein. Innerlich war sie sehr erleichtert, dass Laura sie nicht mit ihren rabenschwarzen Augen böse anfunkelte.
„Ich möchte mit dir sprechen, Laura," begann sie und setzte sich auf Lauras Bettkante. Das Mädchen drehte sich mit dem Stuhl um und sah Amélie erwartungsvoll, vielleicht auch ein klein wenig trotzig an.
Amélie seufzte, denn sie wusste nicht, wo anfangen. "Ich weiß, dass es ein Fehler war, dir nicht von Anfang an zu sagen, was Sache ist, Laura. Und ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst."
„Wieso lässt du denn nicht einfach die Finger von meinem Vater, wenn du schon weißt, wie ich mich fühle?" fragte sie herausfordernd, aber Amélie ließ sich nicht provozieren.
Natürlich hätte ihr Vater das nicht toleriert, das wusste Laura und war froh, dass dieser nicht hier war.
Sie wollte sich auch nicht wieder so daneben benehmen, wie es schon mal vorgekommen war, aber ein Fünklein Eifersucht hatte sich doch den Weg nach draußen gesucht.
Amélie dachte, wenn sie offen über ihre Gefühle sprechen würde, hätte Laura am wenigsten Angriffsfläche. Sie wollte mit offenen Karten spielen, endlich.
„Das kann ich nicht, Laura. Denn ich liebe ihn sehr," gestand sie. „Wir lieben uns gegenseitig."
Amélie sah, dass Laura mit finsterem Gesicht etwas erwidern wollte, und redete schnell und bestimmt weiter. "Es ist so, dass ich mit deinem Vater zusammen bin. Es macht mich sehr traurig, wenn du etwas dagegen hast. Aber es ändert nichts an der Sache, Laura."
Laura war schon überrascht, dass die junge Frau ihr so klar sagte, was Sache war und auch keine Hemmungen hatte, über ihre Gefühle zu reden.
„Ihr könnt ja auch nur Freunde sein!" schlug Laura vor, immer noch einen herausfordernden Ton in der Stimme.
Einen Moment war Ruhe, dann sprach Amélie auch schon weiter.
Das Laura klar sagte, was sie dachte, fand sie gut, und deshalb sprach auch sie selbst Klartext und nicht mit Engelszungen.
„Das reicht uns nicht!" sagte sie gerade heraus. „Wir wollen mehr als nur Freunde sein, da wir mehr für einander empfinden. Du wirst immer der wichtigste Mensch sein für deinen Vater, glaube mir. Du bist für ihn etwas, was ich nie sein werde. Sein Fleisch und Blut, sein Kind." Amélie machte eine kurze Pause, bevor sie weiter redete. Sie sah dass Lauras trotziges Gesicht nun eher nachdenklich war. „Aber auch ich kann ihm Dinge geben, die du ihm nicht geben kannst. Erwachsene brauchen nunmal auch Erwachsene, um glücklich zu sein. Dein Vater braucht einen Partner, mit dem er andere Dinge spricht und tut, als mit seinem Kind, verstehst du das?" fragte sie.
Laura senkte den Blick. Ihre Gefühle purzelten durcheinander. Einerseits wollte sie nicht einfach so ja und amen dazu sagen, da sie so unsicher war, andererseits verstand sie Amélies Standpunkt und war froh über das offene Gespräch.
„Ich will dir deinen Vater nicht streitig machen, Laura. Ich weiß, wie sehr ihr euch gegenseitig braucht."
Laura hob den Blick und erwiderte leise. "Jetzt hört sich alles so nett und gut an. Aber in einem Jahr ist vielleicht alles anders. Vielleicht haben wir dann nicht mehr diese schönen Abende zusammen und vielleicht hat mein Vater dann keine Zeit mehr für mich. Und... vielleicht hat mein Vater dann seine eigene Familie mit dir und ich bin nur noch der lästige Teenager."
Amélie merkte, dass Laura sich sehr viele Gedanken gemacht hatte. All diese Befürchtungen und Ängste hatten bestimmt lange schon an ihr genagt.
Das tat der jungen Frau sehr Leid. Aber sie war auch sehr froh, dass Laura mit ihr redete und ihr die Ängste mitteilte.
„Nicht mit mir, Laura. Er wird keine Kinder haben mit mir, da ich keine bekommen kann. Und ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob ich welche wollte. Ich bin ein etwas egoistischer Mensch und ich brauche meine Freiheit und Unabhängigkeit. Und ich denke ,auch dein Vater möchte keine weiteren Kinder."
Amélie wusste nicht, ob das wirklich stimmte.
Und sie wusste nicht, ob sie selber so war, weil sie schon früh gewusst hatte, dass sie nie Kinder haben würde. Vielleicht hatte sie sich von Anfang an anders orientiert.
„Wieso?" fragte Laura. „Wieso kannst du keine Kinder haben. Bist du keine richtige Frau?" fragte sie neugierig und musterte Amélie. Laura hatte schon von Leuten gehört, die nicht eindeutig weiblich oder männlich waren, aber sie konnte sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen.
Laura zog die Beine an und stellte die Füße auf die Sitzfläche des Stuhls.
Amélie lächelte und sagte: "Ich bin schon eine richtige Frau, denke ich doch. Aber ich hatte einen ganz schlimmen Unfall. Beim Fliegen." Amélie machte eine Pause und sah nachdenklich aus. „Ich habe mich lebensgefährlich verletzt während eines Quidditchmatchs und unsere Krankenschwester hat mich, so gut es ging, wieder zusammen geflickt. Aber in meinem Bauch hat sich etwas entzündet und ist unheilbar vernarbt."
Laura sah sie mit großen Augen an und nickte langsam. Sie erinnerte sich an Amélies knappe Antwort, als sie sie am Quidditchtournier vor Monaten gefragt hatte, ob sie gut fliegen könne.
„Amélie," sagte sie leise und ihr Gesicht war schuldbewusst. „Es tut mir Leid, dass ich so scheußlich war zu dir... als du hier warst vor ein paar Wochen."
Das hatte sie schon lange los werden wollen.
Amélie lächelte. „Entschuldigung angenommen," sagte sie und war ihrerseits auch froh, dass sie mit dem Mädchen, welches sie so gerne hatte, endlich über alles geredet hatte. Sie hoffte sehr, dass Laura das akzeptieren konnte und dass sie eine gute Beziehung mit dem Kind haben würde. Schließlich liebte sie Laura sehr.
„Amélie," hauchte Laura und zog an dem Bund ihrer Socke rum. „Mein Dad hat mir versprochen, dass ihr euch nicht küsst, wenn ich dabei bin..."
Die Frau lächelte und stand auf. „Das ist in Ordung," sagte sie. Sie streckte Laura ihre Hand entgegen und das Mädchen nahm sie und sah Amélie an. „Versprochen!" sagte die junge Frau und zog Laura vom Stuhl hoch.
S s s s
Severus war erleichtert, dass das Gespräch zwischen Amélie und seiner Tochter gut verlaufen war.
Er war auch sonst glücklich. Amélie lag neben ihm und er sah sie an. Dass diese Frau ihm ihre Liebe schenkte, war tatsächlich ein Wunder.
Nie war er ein beliebter oder gar geliebte Mensch gewesen. Natürlich hatte man seine Fähigkeiten geschätzt. Natürlich war er wichtig gewesen, als Spion für Dumbledore und als treuer Diener und ebenfalls Spion des dunklen Lords. Er vermutete, dass Dumbledore ihn sogar mochte und er wusste, dass er ihm vertraute.
Aber dass ihn jemand wirklich liebte, das war nicht häufig der Fall gewesen in seinem Leben. Vor allem in den letzten Jahren.
Nun gab es doch einige Leute, die ihn wirklich liebten. Remus mochte ihn bestimmt und Edward auch. Ganz sicher liebte ihn seine Tochter heiß und innig. Und wahrscheinlich auch sein Vater.
Und Amélies Liebe spürte er deutlich. Nicht nur, weil sie es ihm sagte, sondern weil sie es ihm auf so wunderbare Art zeigte.
Und auch er liebte diese Menschen. Auch etwas, dass er die letzten Jahre nicht gekannt hatte und dass ihn zu einem guten Spion und zu einem guten Doppelspion gemacht hatte.
Viel zu verletzlich wäre er nun für diese Arbeit.
Doch falls es Voldemort gelingen würde, wieder an die Macht zu kommen, würde er schnell realisieren, dass Severus sich von ihm abgewandt hatte und würde nicht erfreut sein über die Treulosigkeit.
Er würde seine Lieben beschützen müssen. Deshalb würde er sie lehren, sich zu verteidigen. Niemals würde er diesen Psychopaten an seine Familie ran lassen!
Amélie atmete gleichmäßig und schlief seelig neben ihm. Er beugte sich vor und küsste sie auf die Wange. Er liebte diese Frau, sie war so wunderbar! So schön und so lieb und so intelligent.
Er hatte ihr erzählt, dass er den Steinkreis gefunden hatte. Er hatte genau so ausgesehen, wie Laura es beschrieben hatte. Es war ihm noch nicht gelungen, den geheimen Gang zu öffnen, da Laura dazwischen geplatzt war, aber das würde nicht so schwierig sein. Er hatte unter dem Stein eine hohe Magie gemessen und vermutete, dass der Eingang mit einem Zauber versehen sein könnte. Dieser Gang war bestimmt die Verbindung zu dem Schacht in seinem Haus. Vielleicht verzweigte er sich aber. Er würde es dann schon noch raus finden.
Severus küsste Amélie nochmals. Wie er sich Edward gegenüber verhalten sollte, wenn er ihn das nächste Mal sah? Edward wusste Bescheid über die Beziehung zwischen Severus und Amélie, aber es war schon etwas seltsam für Snape. Sollte er so tun, als ob nichts wäre? Würde Edward etwas dazu sagen?
S s s s
„Tut mir Leid, hab wohl ein bisschen gekleckert," entschuldigte sich Laura, als sie am nächsten Tag das Büchlein aus ihrer Schultasche kramte, um es Harry zurück zu geben.
„Hab auch nichts Interessantes entdeckt," sagte sie, während sie das Büchlein öffnete, um Harry den Tintenklecks zu zeigen. Sie konnte ihn nirgends finden. Ihre Augen verengten sich etwas. Sie hatte sich das doch nicht eingebildet! Na ja, war auch gut.
„Hab gedacht, die Tinte hätte getropft, ich finde den Fleck aber gar nicht mehr. Vielleicht solltest du das Ding Remus zeigen?" schlug sie vor und reichte es Harry.
Dieser schmiss es in seine Tasche und zuckte die Schultern. „Scheint nicht besonders interessant zu sein, nur ein altes, leeres Tagebuch eben."
„Oh nein, nun muss ich noch meinen Aufsatz in Pflanzenkunde fertig schreiben!" jammerte Ron, der sich eben in das bequeme Sofa im Gemeinschaftsraum fallen gelassen hatte. Der Tag war recht anstrengend gewesen und den Aufsatz hatte er die ganze Woche vor sich hin geschoben.
Laura war froh, dass sie ihren schon erledigt hatte und war gespannt, was ihr Dad dazu meinte, denn sie fand ihn recht gelungen.
„He, Fred und George!" rief Laura, als die Zwillinge den Raum durchs Portraitloch betraten. „Danke nochmals, wegen gestern," sagte sie, als sie näher bei ihr waren. Laura stand an das Sofa gelehnt da und setzte sich auf die Armlehne. „Was schulde ich euch dafür?" fragte sie, da sie genau wusste, dass die Zwillinge selten etwas umsonst taten.
George wiegte den Kopf etwas hin und her, als er überlegte. „Nichts, ist schon gut!" sagte Fred, worauf George ihn empört an sah.
„Die Marpleessenz wäre eine Option," sagte er mit einem Seitenblick zu Fred.
Laura sah ihn an, als wäre ihm eine Sicherung durch gebrannt. „Wenn du mich umbringen willst, hättest du mir ja nicht erst helfen müssen! Die Marpleessenz stehlen! Von meinem Vater! Du hast wohl nen Knick in der Antenne," sagte sie und George lachte. Er wusste genau, wie schlecht Laura das bekommen würde, wenn sie ihren Vater bestehlen würde und seinen Vorschlag hatte er auch nur gemacht, um sie ein bisschen zu necken.
Er sah Fred an, denn gerade war ihm eine Idee gekommen.
„Einen Kuss für Fred," grinnste er frech und Fred boxte ihn in den Oberarm und gab ihm einen vielsagenden Blick.
Emma hatte die Hand vor dem Mund und kicherte aufgeregt. Hermines Mund stand offen.
Laura sah die Zwillinge prüfend an, ob das wohl ein Witz war? Der spinnt wohl! dachte sie.
„Sonst noch Wünsche?" fragte sie und tippte sich an die Stirn.
„Ja, aber auf die gehen wir jetzt nicht näher ein," sagte George lässig. „Du darfst natürlich auch wieder unser Versuchskaninchen spielen, wenn dir das lieber ist."
Laura schüttelte schnell den Kopf. Hätte sie doch bloß nicht gefragt, dachte sie nun.
„Und dich muss ich auch küssen?" fragte sie und rümpfte unwillkürlich etwas die Nase, als sie George fragend ansah.
„Nein danke, ich verzichte großzügigerweise. Du kannst meinen auch Fred geben," sagte er mit einem schelmischen Seitenblick zu dem Bruder. „Fred hat das ja für dich geregelt, nicht ich."
Laura überlegte einen Moment und kaute auf der Innenseite ihrer Wange rum.
Sie hatte schon als Versuchskaninchen dienen müssen, weil sie den Jungs wirklich etwas geschuldet hatte, aber das hier war doch was anderes, oder? Natürlich war sie sehr froh gewesen, über ihre Hilfe und sie wusste, dass Percy sie nie hätte gehen lassen, wenn die beiden Jungs sich nicht für sie eingesetzt hätten.
Und vielleicht brauchte sie die Hilfe von Fred und George wieder einmal. Diese beiden Spezialfälle konnten ziemlich nützlich sein, wenns drauf ankam. Zwei Küsse konnten wohl nicht all zu schlimm sein.
„Aber nur auf die Wange!" sagte sie und George schüttelte den Kopf. Er stützte seine Hände wichtig in die Hüften. Das alles hier gefiel ihm ziemlich und Fred würde ihm dann auch wieder etwas schuldig sein.
„Ne ne, Kleine, so einfach kommst du nicht davon. Wir mussten ein wertvolles Druckmittel einsetzen, dass uns nun für weitere Erpressungen fehlt," sagte der rothaarige Junge.
„Auf den Mund," verlangte er und Fred widersprach ihm verlegen, da er ja schlecht zugeben konnte, wie sehr er diese Küsse natürlich ,unbedingt' auf jeden Fall wollte. Das war ihm aber trotzdem sowas von peinlich.
„Gib dich nicht so bescheiden, Brüderchen. So schnell wirst du vielleicht nicht wieder geküsst," zog Georg seinen Zwillingsbruder leise auf. Laura seufzte.
Einen Moment überlegte sie. „Entweder zwei auf die Wange oder einen auf den Mund," feilschte Laura und reckte entschlossen das Kinn und kreuzte die Arme vor der Brust.
George, der diese Verhandlung führte, überlegte einen Moment und willigte dann mit einem strengen Blick zu Laura ein. Er sah recht zufrieden aus mit sich und Laura ließ ihre Augen zwischen den Jungen hin und her wandern.
„Also gut, aber keinen Schlabberkuss," sagte sie bestimmt. Emma hatte aufgehört zu kichern und sah sie entsetzt an.
„Schlabberkuss?" fragte nun Ron interessiert, der die Unterhaltung gespannt verfolgt hatte. Er saß nun kerzengerade auf dem Sofa auf.
Laura drehte den Kopf zu ihm. „Solche ekligen, wie Percy und Penelope sie machen," erklärte sie mit gekräuselter Nase.
„Man gibt Küsse," belehrte sie nun George. „Man macht sie nicht." Er lachte.
Laura verzog etwas das Gesicht. Ob geben oder machen, war doch egal! fand Laura. „Das wäre Hermines Text gewesen, George," bemerkte sie kühl und Hermine sah sie empört an.
War doch wahr! Hermine war hier die Lehrerin und Besserwisserin! Nicht dass Laura das schlecht fand, das war schon in Ordnung so. Es hatte ihnen schon einige Male genutzt.
„Willst du sie jetzt gleich?" fragte das Mädchen an Fred gewandt, die den Jungen noch nie so verlegen gesehen hatte.
Dieser wurde ziemlich rot und zuckte die Schultern. Er sah sich um. Wenn nicht jetzt, wann denn dann? dachte er. Er konnte ja nicht ein anderes Mal kommen und sagen, dass sie ihn jetzt küssen solle. Besser es gleich zu tun. Er kam sich zwar äußerst seltsam vor und es war ihm außerordentlich peinlich vor den anderen Schülern und auch Laura gegenüber war es ihm unangenehm, auch wenn er die Küsse natürlich wollte. Eigentlich hätte er vehementer protestieren und ablehnen sollen, aber wann würde er wieder so eine Chance bekommen?
Nun war es mückschenstill geworden im Gemeinschaftsraum. Es waren zwar nicht viele Schüler hier, aber alle Augen waren auf Laura gerichtet, der das nun auch ein wenig peinlich wurde. Vorhin war es ihr noch nicht bewusst gewesen, dass sie nun den ersten Jungen küssen würde. Na ja, bis auf ihre Cousins, aber da war sie noch ziemlich viel jünger gewesen, als sie die das letzte Mal geküsst hatte. Ach ja und Harry, vor noch nicht all zu langer Zeit...
Sie atmete hörbar aus, was beinahe wie ein Seufzer tönte. Ihr Dad hätte ein Schulterzucken nicht als Antwort akzeptiert, dachte Laura. Na gut, am besten schnell hinter sich bringen, dachte sie und stand auf.
„Also komm her," sagte sie und Emma kicherte nun hysterisch hinter ihrer Hand. Laura sah aus den Augenwinkeln, dass Harrys Mund nun auch offen stand.
Nun musste sie cool bleiben und ihre Frau stehen!
Sie konnte keinen Rückzieher machen und zögerte nicht lange, sondern holte nochmals tief Luft und spitzte ihre Lippen. Sie zog ihn zu sich hinunter und obwohl es ihr nicht gerade angenehm war, das zu tun, küsste sie ihn rasch aber nicht zögernd auf den Mund. Der Kuss tönte ziemlich laut in dem totenstillen Gemeinschaftsraum.
Laura war ziemlich stolz auf sich, obwohl das alles etwas peinlich war und wenn sie noch länger gezögert hätte, hätte sie es wohl nicht geschafft es zu tun. Sie hoffte, dass sie keine roten Wangen hatte, das wäre ja noch peinlicher, als es so schon war.
Nun brach lautes Gejohle aus in dem Raum und plötzlich schienen es viel mehr Schüler zu sein, die Zeuge dieses Kusses geworden waren. Nun wurde auch Laura wohl doch etwas rot.
„Danke nochmals, für die Hilfe," sagte sie etwas verlegen und drehte sich dann rasch zu ihren Freunden um. Heimlich wischte sie sich den Mund am Ärmel ab. Die mörderischen Blicke, mit der Seamus Fred durchbohrte, fielen niemandem auf.
Die sollten sich doch alle um ihren Kram kümmern, dachte Laura, als die meisten im Raum durcheinander redeten und sich fragten, was hier gerade abgegangen war.
Laura atmete einmal tief ein und aus, als sie sich auf den Boden gesetzt hatte und war den Freunden äußerst dankbar, dass sie ein anderes Thema anschnitten, auch wenn es ein wenig aus dem Wind gegriffen schien.
„Ehhm.." begann Ron und räusperte sich. „Das Abendessen war ziemlich gut heute, nicht wahr?" fragte er .
Hermine sah ihn etwas kritisch an. Harry ging aber sofort darauf ein und bald war eine ganz normale Unterhaltung ihm Gange und Laura entspannte sich.
Die Zwillinge waren auf dem Gemeinschaftsraum verschwunden. So schlimm war es gar nicht gewesen, Fred zu küssen. Der hatte zum Glück nicht so dicke, feuchte Lippen, das hätte sie wahrscheinlich ziemlich geekelt.
Es war ihr aber etwas unangenehm, dass sie jemanden hatte küssen müssen, von dem sie vermutete, oder sogar ziemlich sicher wusste, dass er in sie verliebt war.
Sie war aber nicht in den Jungen verliebt und hatte auch nicht vor, sich in ihn zu verlieben.
Überhaupt war sie noch nie richtig verliebt gewesen und wollte es auch nicht so bald werden. Sie hatte mal einen Schulschatz gehabt, aber das war etwa in der dritten Klasse gewesen und das war noch ganz harmlos gewesen. Und wenn sie sich verlieben würde, dann schon eher in Fabrizzio. Der war wiederum viel zu alt für sie und das war ihr auch recht so.
Sie fand den Spanier einfach so toll und hübsch und lustig und einfach alles, was man sich wünschen konnte. Falls sie mal heiraten würde, dann musste ihr Ehemann genau so sein wie Fabrizzio.
Aber jetzt hatte sie noch keine Lust auf solche Sachen. Sie wollte auch sehr lange Zeit keinen mehr küssen und würde aufpassen, dass sie nicht mehr in der Schuld von Fred und George stehen würde.
Dass Fred für sie schwärmte, fand sie im Augenblick eher lästig.
Emma schien das Ganze aber sehr zu interessieren. Sie schwärmte ihr zum Glück nicht mehr so viel von dem Ravenclaw-Jungen vor, den sie so toll fand. Wahrscheinlich hatte sie gemerkt, dass dieses Thema Laura nicht interessierte. Das Gekicher und Geflüster fand das kleinere Mädchen ziemlich mühsam.
„Wie war es, den zu küssen?" wollte Emma leise flüsternd wissen.
Laura sah zu ihr und zuckte die Schultern. „Wie sollte es schon sein?" Sie sah das wissbegierige Glitzern in Emmas Augen und dachte, dass es wohl besser wäre, einen Abgang zu machen. Sie wollte nicht mit Fragen gelöchert werden. Sie betete im Stillen, dass der Ravenclaw-Junge doch bitte so gut sein sollte, sich auch in Emma zu verlieben. Dann wäre die Freundin beschäftigt und konnte selber küssen, soviel sie wollte, wenn sie das so interessierte. Vielleicht sollte sie ihm einen Liebestr... nein! Stopp!
Sie würde sich da schön brav raushalten. Aber Emmas einziges und größtes Begehren schien das Verlieben zu sein, und ihr einziges Thema war Jungs. Es war doch gar nicht Frühling! dachte Laura verzweifelt, als sie sich die Treppe hinauf in den Schlafsaal begab.
Warum musste sich alles um sie herum verlieben? Die sollten doch mit den Frühlingsgefühlen warten, bis die ersten Blümchen sprießen würden. Das gäbe Laura wenigstens Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Sie hatte sich nämlich vorgenommen, heraus zu finden, warum Edna so früh hatte sterben müssen und sie wollte herausfinden, wohin der Geheimgang des Steinkreises führte. Und sie wollte dafür sorgen, dass Margarida Marconas kein vergessenes Kind mehr war.
S s s s s s
Die Kammer des Schreckens wurde ein paar Tage später wieder Gesprächsthema Nummer eins. Und zwar war Justin Finch-Fletchy versteinert aufgefunden worden. Und auch der fast Kopflose Nick, der nicht seine übliche feinstoffliche, weiße Farbe mehr hatte, sondern aussah, wie mit schwarzem Rauch gefüllt.
Zur Ablenkung organisierte Professor Lockhart eine kleine Überraschung am Valentinstag. Severus war froh darüber, denn auch er hatte mitbekommen, was so geflüstert wurde. Scheinbar hatte der versteinerte Justin von Harrys Fähigkeit, die Sprache der Schlangen zu sprechen, gewusst. Denn nun wurde gemunkelt, dass Harry etwas damit zu tun haben könnte.
Das war dem Jungen sichtlich unangenehm, verständlicherweise. Gestern Abend hatte er nach seiner Stunde für Verteidigung gegen die dunklen Künste noch kurz mit den Kindern geredet. Er hatte Harry gesagt, er solle das an sich abprallen lassen, da er wisse ja, dass das nicht stimmte. Es sei auch gleich eine gute Übung für die Extrastunden, die er ihnen gab. Es sei auch wichtig, fähig zu sein, seine Emotionen zu verbergen. Wenn er sich zerknirrscht gab, könnte das bei den Mitschülern wie ein Schuldgeständnis aussehen.
Severus war eigentlich recht zufrieden, wie eifrig die Kinder in diesen Stunden arbeiteten und wie sehr sie sich bemühten. Nur mit den Übungen für Okklumentik happerte es noch etwas.
Die Kinder kicherten oftmals, wenn sie eigentlich konzentriert daliegen sollten und ihre Gedanken und Emotionen verschließen sollten.
Gestern hatte er ihnen drohen müssen, dass ihnen das Lachen bald vergehen würde, wenn sie sich nicht besser im Griff hatten. So konnte er nicht arbeiten, mit den Kindern und genau das mussten sie lernen, sich gegen den Drang, lachen zu müssen, zu wehren.
Nach seiner strengen Drohung hatten es die Kinder dann recht gut hin bekommen.
Severus selber beunruhigte es ziemlich, dass diese verdammte Kammer nicht auffindbar war. Die Meinungen, ob die Kammer wirklich existierte, ging bei den Lehrern auseinander. Aber alle halfen mit, nach dem Eingang zu suchen und etwas Näheres heraus zu finden. Severus sorgte sich sehr um sein Kind. Das alle möglichen Schlossbewohner versteinert wurden, war beängstigend und er fragte sich, ob es beim Versteinern bleiben würde, oder ob es bald erste Todesopfer geben würde.
Albus Dumbledore schien auch beunruhigt über die jüngsten Ereignisse.
Und diese hässlichen Zwerge, die jetzt mit Engelsflügel griesgrämig blickend die Halle betraten, sollten nun für Ablenkung sorgen?
Na ja, vielleicht wirkte es ja wenigstens bei den Schülern. Jedenfalls kicherten viele und zeigten auf die bärtigen kleinen Kerle, die in einer Reihe zwischen den langen Tischen durch gingen.
Mit gönnerhaftem Lächeln erklärte Gilderoy Lockhart und rühmte seine Idee mit den kleinen süßen Liebesboten. Er selber habe zwar auch ohne diese schon etliche Liebeserklärungen erhalten, aber bestimmt würden noch viel mehr Liebesgeständnisse gemacht werden, wenn diese Engelzwerge sie verteilen würden. Und man durfte auch anonyme Liebesbriefe oder Gesänge, Gedichte, und Geständnisse weiterleiten lassen.
Laura war derzeit mit den Zwillingen am Rumalbern. „Wenn man da anonyme Briefe aufgeben kann, dann sollte ich die Gelegenheit nutzen, Malfoy meine Liebe zu gestehen," lachte Laura. „Ich wüsste so viele nette Liebeserklärungen für ihn," fügte sie nachdenklich hinzu. Sie dachte da an die lustigen und weniger lustigen Sprüche und Liebeserklärungen, die meistens in öffentlichen Toiletten an die Wände gekritzelt waren.
Fred und George waren von dieser Idee natürlich begeistert und ermutigten Laura, das wirklich zu tun.
Ron und Harry spitzten nun auch ihre Ohren. „Und ich Bullstrode," sagte Ron. „Die hat bestimmt noch nie einen Liebesbrief bekommen. Die weiß wahrscheinlich gar nicht, was das ist."
„Deine Erfahrungen mit Liebesbriefen dürften sich wohl auch auf diejenigen an Mummy beschränken," erwiderte Fred großartig und Ron schnitt eine Grimasse.
„Wir könnten auch in Goyles Namen einen verfassen für Malfoy. Wäre spannend zu sehen, wie begeistert er wäre, zu erfahren, dass Goyle ihn schon lange heimlich liebt, und wie er sich jede Nacht im Schlafsaal ausmalt, wie es wäre, zu ihm in sein Bettchen zu kriechen," sagte George und alle fanden das sehr lustig.
„Nee, aber wir müssen uns schon was einfallen lassen, das ist eine gute Gelegenheit!" sagte Laura. Ihr Vater hatte ihr zwar ausdrücklich gesagt, sie solle Ärger mit Malfoy aus dem Wege gehen. Und sie hatte keine Lust, mit ihrem Vater in Schwierigkeiten zu geraten. Gestern Abend hatte sie schon Ärger bekommen mit ihm. Er hatte sie in ihr Zimmer geschickt, um aufzuräumen, und da hatte sie die Tür wohl etwas zu heftig zugeknallt, worauf ihr Vater ins Zimmer gekommen war und ihr als Antwort eins auf den Hintern geknallt hatte. Seine Geduld wollte sie nun nicht auf die Probe stellen, so kurz nach diesem unangenehmen Zwischenfall.
Aber das war ja anonym, also konnte es nur spaßig sein! Und Malfoy brauchte mal wieder einen Denkzettel!
TBC... meiner Betaleserin scientific ida mein allergrösstes Dankeschön! Sally
