Meiner unvergleichlichen Betaleserin, scientific ida meinen grössten Dank fürs Korrigieren!

Viel Spass allen beim Lesen, Sally

s s s s s s s s

Laura wusste, dass am Abend Amélie kam. Ihr Vater hatte es ihr gesagt, sie wollten zusammen Abendessen.

Sie war sehr froh, dass ihr Vater Amélie nie einlud, wenn sie ihren Familienabend hatten. Dieser gehörte nur ihnen alleine und Laura schätzte das und genoss diese Zeit mit ihrem Vater immer sehr, auch wenn es hin und wieder etwas Ärger gab, wegen der Hausaufgaben.

Aber sie freute sich auch auf Amélie. Als sie mit Percy zusammen in den Kerker ging, dachte sie an Margarida.

Ihr Vater hatte ihr gesagt, dass sie am Wochenende nach Olot gehen würden, um sich dort einmal umzusehen. Er hatte von Juanjosé Pereirra erfahren, wo in etwa sie gelebt haben mussten. Laura war aufgeregt, wenn sie daran dachte, dass sie diese Gegend sehen würde.

Als sie um die Ecke bogen, kamen ihnen zwei große Jungen entgegen. Laura kannte den einen vom Sehen her. Es war der Syltherin-Junge, der ihr gefiel. Aber er war bestimmt schon fünfzehn oder sogar sechzehn. Er hatte etwas längeres, hellbraunes Haar und blaue, strahlende Augen.

Aber dass ihr ausgerechnet ein Slytherin gefiel, fand sie nicht so toll. Die Jungen gingen an ihnen vorbei, ohne sie großartig zu beachten.

Percy redete keinen Ton mit ihr. Der schien irgendwie sauer zu sein auf sie. Stumm wartete er vor der Tür, bis Snape geöffnet hatte und ging dann mit kurzem Abschiedsgruß davon.

Laura gab ihrem Dad einen Kuss und fragte, ob Amélie schon da sei. Dieser nickte und Laura rannte schnell ins Wohnzimmer, wo die junge Frau am Tisch saß und aufstand, als sie das Kind kommen sah.

S s s

Etwas mehr als eine Stunde später, nachdem sie gemütlich gegessen hatten, saßen sie alle zusammen auf dem Sofa und Laura erzählte von ihren Freunden und Freundinnen.

Irgendwie hatte Emma sich in letzter Zeit etwas von ihr distanziert und war mehr mit anderen zum Teil mit älteren Mädchen zusammen und scheinbar hatte ein Junge von Hufflepuff ein Auge auf sie geworfen. Von ihrem Schwarm von Rawenclaw sprach sie nun nicht mehr. Laura wusste nicht genau, ob Emma sich mit dem Jungen traf, aber sie bekam sie seltener zu sehen. Wenn sie aber zusammen waren, hatten sie es im allgemeinen gut, nur das ewige Gerede über Liebe und all das nervte Laura ein wenig.

„Emma spricht immer über Jungs. Und sie kichert immerzu. Ich glaube, sie hat ihre Menstruation bekommen und dann spinnen ja die Mädchen sowieso, oder?" fragte sie und sah zu ihrem Vater auf. Natürlich sah sie ihrem Dad sofort an, wie unbeliebt das Thema bei ihm war und wie ungerne er darauf antwortete. Aber irgendwie fand sie es immer lustig, ihn solche Dinge zu fragen und ihn etwas in Verlegenheit zu bringen. Sie fand auch, dass er sich nicht so anstellen sollte, war ja ganz normal, oder?

„Dad, wie ist das, wenn Mädchen ihre Tage bekommen, können sie dann schon Kinder machen?" Laura wusste von ihrer Cousine Nathalie so ziemlich vieles über die Menstruation, aber sie wollte es von ihrem Dad wissen. Auch Amélie grinste nun verschmitzt und zwinkerte Laura zu. Amélie schien genau zu wissen, dass Laura ihren Vater damit aus der Reserve locken wollte.

Severus räusperte sich. Er sah Amélie hilfesuchend an. Die junge Frau wusste, wie schwer es Severus fiel, über solches zu reden. Es war eine gute Übung, entschied sie für sich. Sollte er sich überwinden und sie würde sich da raus halten.

Auch mit ihr hatte er immer etwas Mühe über private und vor allem über sehr private Dinge zu reden.

Sie würde ihm etwas Zeit geben müssen, aber Laura machte gerade einen guten Job.

„Vielleicht könnte dir Amélie da besser Auskunft geben," antwortete er und sah Amélie fragend an.

Amélie atmete tief ein und wieder aus und stand auf. „Das ist schade," sagte sie gespielt bedauernd. „Leider habe ich gerade keine Zeit, ich muss los."

Dabei gab sie einen ermunternden Seitenblick an Laura, die den Schalk in den Augen trug.

Snape sah ziemlich verzweifelt aus. Laura musste ihr Grinsen verbergen.

Snape stand auch auf und verabschiedete Amélie mit einem kurzen Kuss auf den Mund. Auch Laura verabschiedete sich von ihr und sah dann erwartungsvoll zu ihrem Dad.

Amélie verschwand, mit einem kurzen Winken, in den grünen Flammen und Snapes Augen verengten sich, als er sich wieder aufs Sofa setzte.

Mit einem Wink seines Zauberstabes beschwor er ein Stück Pergament hervor und eine Feder um seiner Tochter alles aufzuzeichnen, was er über dieses schwierige Thema wusste.

Laura schien sehr interessiert und fragte ihn tausend Fragen, bis er ins Schwitzen kam. Wieso musste ausgerechnet er solche Fragen beantworten? Gab es dafür nicht Sexualunterricht in den Schulen? Er erinnerte sich daran, dass er Laura ein Buch hatte kaufen wollen, wo all das beschrieben wurde und bedauerte nun sehr, dass er das noch nicht getan hatte.

„Und wenn man dann Sex macht, wenn man gerade die Tage hat, dann müssen ja die Spermien durchs Blut schwimmen und dann verirren sie sich weil sie nur rot sehen. Vielleicht werden sie auch gleich weg geströmt?" fragte Laura, die alles im Detail wissen wollte.

Sie sprach darüber, als ginge es um eine Hausaufgabe die sie nicht ganz verstand. Kein bisschen schien ihr dieses Thema peinlich zu sein. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vater, der innerlich die Augen verdrehte.

„Man ist eben sicherer, wenn man sich trotzdem schützt," sagte Severus knapp. Wieso konnte sie sich nicht mit einer Antwort zufrieden geben und musste alles hinterfragen?

„Dann könnte man ja gleich zwei Kondöme anziehen," überlegte sie laut. Snape sah sie fragend an und sie erklärte: "Ich meine, dann ist man doch noch sicherer, oder?"

Ihr Vater atmete hörbar aus und biss die Zähne zusammen. „Ich dachte, du willst sowieso nie sowas machen?" fragte er etwas ungeduldig und hoffte, damit der Fragerei zu entkommen.

Laura zuckte sie Schultern und legte sich auf dem Sofa hin. „Will ich auch nicht, aber ich muss ja wohl Bescheid wissen!" Sie hob einen Fuß und zog die Socke, die bei den Zehen etwas vor gerutscht war, zurecht.

„Hättest du nicht sehen wollen, wie ich da unten bei meiner Mum rausgekommen bin?" wollte sie nun wissen und stopfte sich ein Kissen unter den Pulli, was nicht sehr leicht ging, da das Kissen ziemlich dick war.

„Ich meine, du hast sie ja schon vorher nackt gesehen, nehme ich an." Laura stellte mit dem Kissen eine Geburt nach. Sie prustete und hächelte ziemlich naturgetreu und Snapes Augen verengten sich bei dem Schauspiel.

Er atmete hörbar aus, als seine Tochter so tat, als presse sie nun das Baby hinaus und er gab sich Mühe, das Lächeln zurück zu drängen über Lauras Inszenierung. Sie hatte schauspielerisches Talent, dachte er amüsiert.

Laura küsste nun das neugeborene Kissen und redete in Babysprache mit ihm, wie das Erwachsene oft mit ihren jungen Sprösslingen tun.

Snapes Augenbraue hob sich und Laura schwang nun das Kissen, an einem Zipfel haltend, im Kreis herum wie einen Propeller.

„Meinst du nicht, dem wird davon übel?" fragte Snape ironisch und Laura musste lachen.

Wenn er sich nun entscheiden könnte, würde er wahrscheinlich gerne die Geburt seines Kindes miterlebt haben. Aber geboren war sie nun ja schon lange und nun sah sie ihn mit so großen, erwartungsvollen Augen an und wollte mehr wissen, als er gerne beantworten wollte.

„Das mit deiner Geburt steht ja nun wohl nicht mehr zur Debatte, Laura. Zeit fürs Bett, bevor dir noch mehr Fragen einfallen," sagte er und Laura sah enttäuscht aus. Ja, es war schon etwas spät, aber das Gespräch mit ihrem Dad war gerade so lustig. Und tatsächlich hatte er ihr Dinge erzählt, die sie noch gar nicht gewusst hatte.

Sie würde wohl dieses Thema bald wieder anschneiden, dachte sie etwas schadenfreudig...

s s s

Harry hatte sich entschlossen, sich der Sache mit dem Tagebuch erstmals alleine anzunehmen. Ron war fluchend am Hausaufgaben schreiben und er hatte sich in sein Schlafzimmer zurück gezogen.

Das war aufregend und er legte sich bäuchlings auf sein Bett. Er nahm die Feder zur Hand und tauchte sie in die Tinte, die auf dem Nachttisch stand. Vorsichtig klopfte er den ersten Tropfen ab, um nicht das Bett blau zu färben.

Gespannt sah er auf seine Worte, die er auf die erste Seite geschrieben hatte. Er starrte darauf und -nichts geschah!

Enttäuscht wollte er einen zweiten Versuch machen. Diesmal würde er eine Beleidigung schreiben, vielleicht reagierte das Buch nur darauf.

Doch als er die Feder wieder anlegen wollte, verschwanden die Worte, die er geschrieben hatte.

'Hallo Harry Potter, mein Name ist Tom Riddle,'

s s s

„Ich muss euch was erzählen," flüsterte Harry aufgeregt. Laura und Ron saßen auf dem Lieblingssofa und alberten herum. Sie versuchten spielerisch, sich gegenseitig von dem Möbel herunter zu bekommen. Hermine war ein Buch am durchblättern, in dem sie scheinbar etwas suchte und ärgerte sich etwas über die Rauferei der Freunde.

Als sie nun Harrys ernstes Gesicht sahen, wurden sie sofort ernst.

Tom hatte ihm aus seiner Schulzeit in Hogwarts erzählt. Er hatte ihn mitgenommen, in die Zeit vor fünfzig Jahren. Würden ihm die Freunde sowas glauben?

Er selbst hatte Mühe zu glauben, dass Hagrid, sein Freund Hagrid, die Kammer das erste Mal geöffnet haben sollte.

Eine so große Spinne, wie in Toms Tagebucherinnerung hatte Harry noch nie gesehen. Wenn die giftig war... oh Gott. Und dass sie extrem schnell war, hatte Harry ja gesehen.

„Hagrid soll es gewesen sein," begann er und die Kinder hörten aufmerksam zu, als der Freund von seinem Erlebnis erzählte.

Ron fand das ziemlich schwer zu glauben. Dass man in ein Tagebuch rutschen kann und dort sieht, was damals geschehen war.

Laura sah sich nach Emma um, die sich ja immer etwas außen vor behandelt fühlte, die war aber in alberne Kichergespräche mit anderen Mädchen vertieft und Laura hatte keine Lust, sie zu holen.

„Was sollen wir tun?" fragte Ron. „Ihn fragen?"

Laura hatte zu Beginn des Schuljahres ihre Freunde falsch verdächtigt, als ein Zaubertrank, der ihrem Vater aus dem Lager gestohlen worden war, in ihrer Tasche aufgetaucht war. Es würde ihr nicht noch einmal passieren, dass sie einen Freund unschuldig verdächtigte.

Es war ihr sowas von peinlich gewesen, dass sie ihre treuen Freunde im Verdacht gehabt hatte.

„Ich kann mir schlecht vorstellen, dass Hagrid sowas getan hat. Sonst würde ihn Dumbledore wohl kaum hier leben lassen."

Klar musste sie sich eingestehen, dass Hagrid doch einen Faible für Monster hatte, wie er mehrfach bewiesen hatte. Von einem trug sie immer noch eine Brandnarbe am Arm.

„Aber du hast gesagt, Hagrid habe die Spinne in einer Kiste gehabt, also nicht in einer Kammer, oder? Und falls es damals Hagrid gewesen war, oder besser gesagt, wenn Hagrids Spinne das Monster der Kammer ist, wieso sollte er es dann ausgerechnet jetzt wieder loslassen wollen? Für mich geht die Sache nicht ganz auf. Außerdem hasst Hagrid keine Muggelstämmigen, oder?" meinte Hermine, der das alles sehr seltsam vorkam.

„Das Tagebuch scheint ziemlich ominös zu sein. Du solltest es Remus zeigen," meinte sie. Harry schien von dieser Idee nicht angetan. Das Büchlein faszinierte ihn und er hatte schon seinen Tarnumhang abgeben müssen.

Er war froh, dass Ron das genau so sah. „Nee, der nimmt es uns bestimmt weg und sagt, dass das nichts für Kinder ist," vermutete der rothaarige Junge und Laura und Harry nickten. Hermine war der Meinung, dass es bestimmt besser wäre, es jemandem Erwachsenem zu zeigen, beharrte dann aber nicht darauf.

„He, Kleine... ehm... Laura," erklang plötzlich Georges Stimme, direkt hinter Laura, die sich schnell umdrehte. Die Jungs schienen es immer zu riechen, wenn sie etwas Wichtiges diskutierten.

„Hast du eigentlich dein Frettchen wieder? Ich habe heute, während dem Flugtraining so ein kleines Vieh gesehen, dachte es wäre deins," sagte er und er hatte nun Lauras volle Aufmerksamkeit.

„Wo?" wollte sie sofort wissen.

George sah sie herausfordernd an. „Worüber unterhaltet ihr euch denn? Klingt spannend," fragte er, sah in die Runde und lächelte leicht.

„Geht dich nichts an," sagte Laura etwas unfreundlich. "Wo hast du das Streifenhörnchen gesehen. Glaubst du, es war Jimmy? Sag schon!" drängte sie ungeduldig.

George zuckte sie Schultern. „Weiß nicht, ob es deins war, es war zu weit weg. Ist Richtung Schloss gelaufen," sagte der rothaarige, große Junge und ging dann davon.

Laura schöpfte neue Hoffnung. Konnte das Jimmy sein? Aber wieso kam sie dann nicht mehr nach Hause?

Sie würde mit ihrem Vater nach ihm suchen gehen.

Die Kinder diskutierten den ganzen Abend über die Kammer des Schreckens und das Tagebuch. Sie durchdachten alle verschiedenen Möglichkeiten und beschlossen, erst mal abzuwarten und zu versuchen, noch mehr aus dem mysteriösen Buch raus zu kriegen.

Lauras Gedanken drifteten aber immer wieder ab zu ihrem kleinen Streifenhörnchen. Ob sie es finden würde? Am liebsten hätte sie sich jetzt auf der Stelle auf die Suche gemacht

S s s s

Laura rührte in dem Zaubertrank, den sie bei ihrem Dad gebraut hatte. Er war beinahe fertig, nur musste er noch einige Minuten gerührt werden.

Sie war äußerst stolz auf sich. Sie hatte ihn zwar mit Hilfe ihres Dads gebraut, hatte aber sehr vieles alleine gemacht, nur einmal hatte ihr Vater sie korrigiert, da sie etwas zu früh das Toraniumpulver hatte hinein geben wollen. Sie hatte viele Feinheiten und Kniffs nun gut ihm Griff und wusste, worauf es ankam. Es machte ihr Spaß, obwohl sie wusste, dass es noch sehr viel zu lernen gab. Und sie wusste, dass dies ein ganz spezieller Trank war. Nicht nur dass er speziell schwierig war und erst für Sechst- oder Siebtklässler gedacht war, sondern auch, dass es der Trank war, den Edna erfunden hatte. Der Erinnerungstrank.

Sie rührte in dem Trank, der sich in Kürze gelblich färben würde. Nun hatte er die Farbe von Wasser mit einem Schuss Milch.

Laura kniete auf ihrem Schemel. Obwohl ihr Dad sie schon einige Male deswegen geschimpft hatte, da sie den Halt verlieren könnte, war es ihr am bequemsten so.

Es war ziemlich stickig hier drin und Snape schrieb wie wahnsinnig in ein Buch, was er oft tat, wenn er am Brauen war.

Gähnend sehnte sie sich danach, das Fenster öffnen zu können, um etwas frische Luft zu bekommen.

Sie sah auf ihre rührende Hand hinunter und plötzlich sah sie etwas Seltsames und ihre Augen verengten sich. Obwohl sie wusste, dass sie nicht schlief, fühlte es sich an wie ein Traum. Wie eine sehr lebendige Erinnerung.

Ihre Hand war die einer jungen Frau. Der Raum war dunkler und kleiner, als der, in dem sie eben noch war.

Ihre eigene Hand, die gleichmäßig rührte, sah sie auch noch verschwommen. Aber deutlicher sah sie die Hand, die ganz klar nicht ihr gehörte. Eifrig, sogar etwas hektisch mischte die fremde Hand einen dickflüssigen Trank. Die andere Hand rieselte ein paar Kräuter hinein.

Der orange Trank sah aus wie eine zu dicke Gemüsesuppe. Laura hielt den Atem an und blinzelte. Ein spezieller Duft erfüllte den Raum und die fremden Hände waren immer noch emsig und geschickt am Werk.

Nun war sie neugierig auf den Trank. War es ihr diesmal besser gelungen? War die Wirkung nachhaltiger und hatte sie den Trank etwas neutralisieren können? So viel Arbeit hatte sie schon in diese Versuche gesteckt.

Sie wusste, dass ihre Mutter nicht erfahren durfte, was sie hier braute. Es war ihr bewusst, dass das Geheimnis bewahrt werden musste. Ihre Mutter dachte, dass sie die einzige wäre, die von Margarida wusste.

Niemals würde sie ihr verraten, dass es ihr gelungen war sich schon wieder an Bruchstücke von der Existenz ihrer Schwester zu erinnern. Und es würde ihr auch gelingen, sich wieder an alles zu erinnern!

Sie nahm die Holzkelle und kostete von dem Trank.

Das Gefühl, das folgte, sobald sie den Trank geschluckt hatte, kannte sie schon. Es war, als würde eine Seifenblase in ihrem Kopf zerplatzen und eine Erinnerung frei geben.

Eine riesige Hitze breitete sich in ihrem Bauch aus. Es schien ihre Magenwände zu zerfressen. Sie musste den Neutralisierungstrank nehmen. Sie wusste, dass das nicht gut war für ihren Körper. Dass sie ihn schon zu oft mit ihren Versuchen gequält hatte. Das Feuer in ihrem Bauch schien ihr ein Loch zu brennen. Sie krümmte sich und die Holzkelle entglitt ihrer Hand.

Die Erinnerung, die sie in ihrem Kopf frei gelassen hatte, war verschwommen. Sie zeigte ein kleines, etwa drei- oder vierjähriges Mädchen, das spielend auf dem Fußboden saß. Mit einem groben Kamm fuhr sie einer gestrickten Puppe durch das Haar, welches aus Wolle war... mit Mühe öffneten die leicht zitternden Hände der jungen Frau den Korken des kleinen Fläschchens und in einer Bewegung leerte sie es sich den Hals hinunter. Als wäre es Eiswasser, löschte es die lodernden Flammen, die nun den ganzen Bauch auszufüllen schienen.

Mit einem Seufzer ließ Laura ihre Kelle los und diese verschwand im brodelnden Trank. Snape sah erstaunt zu ihr auf und es war ihm sofort klar, dass etwas mit seiner Tochter nicht stimmte.

Als hätte sie einen Geist gesehen, starrte sie vor sich hin. Sie war blass und ihre dunklen Augen riesig. Er stand sofort auf und ging zu ihr hinüber.

Laura hatte so viele Gedanken in ihrem Kopf. Sie drehten sich um den Trank, der vor ihr brodelte. Nicht um den Traumlosschlaftrank, sondern um den Erinnerungstrank. Sie wusste, dass es Ednas Gedanken waren, aber sie wollte sie wissen. Sie wollte nicht wegsehen.

Viele Versuche hatte sie schon gemacht, um den Trank zu verbessern. Die Versuche waren sehr aufwendig, da die Zutaten sehr schwierig zu beschaffen waren.

Die Alraune, die eine Hauptzutat war, war ein ziemlich zickiges und eigenwilliges Pflänzchen, das sich nur mit wenigen anderen Pflanzen vertrug. Den Ginseng, den sie unbedingt im Trank brauchte, vertrug sie schlecht und ihre Wirkung verringerte sich dramatisch, sobald die Blätter des Ginsengs beigegeben wurden.

Sie hatte heraus gefunden, dass das nicht der Fall war, wenn er zusammen mit Schneckenschleim getrocknet und dann zugegeben wurde. Der Schleim bildete eine Art Schutzhülle, um die Alraune zu schonen. Nur Schnecken zu finden, die ein paar Tage lang darüber krochen, die Blätter aber nicht frassen, war eine Aufgabe für sich gewesen. Aber sie hatte es geschafft.

Margarida und sie hatten als Kind manchmal mit dem Großvater gebraut. Dieser hatte in jungen Jahren in Afrika gearbeitet, als Mediziner und hatte daher viele Erfahrungen gesammelt, was Pflanzen anging, die dort wuchsen. Er hatte ihnen ein paar Tricks und Insidertipps verraten.

Es gab einen afrikanischen Baum, dessen Rindensaft alkalische Tränke neutralisieren konnten ohne beachtliche Nebeneffekte. Das hatte er ihr gezeigt, sie erinnerte sich genau. Nur wusste sie nicht mehr, wie der Baum hieß.

Um die Dichte des Trankes zu verbessern, gab es ein Blatt, dessen Harztropfen sich positiv auswirkten. Auch das hatte ihr der Großvater verraten und sie erinnerte sich genau an das Messgerät, mit dem der Mann den Enkelinnen dann gezeigt hatte, wie man die Dichte messen konnte.

Aber das Harz machte wiederum das Hirn erholende Kraut Celebrist in Ednas Trank wirkungslos. Es war zum Heulen!

Nun hatte sie die äußerste Schicht von normalen Bananenschalen genommen, die eine ähnliche Wirkung haben sollte, wie das Harz und tatsächlich hatte sich das auf die Dichte ausgewirkt. Sie würde es schaffen! Sie würde einen optimalen Trank zu Stande bringen!

Severus fasste seiner Tochter an die Schulter. „Laura!" sagte er scharf, als er den weggetretenen Blick sah. Das war ziemlich beunruhigend.

Sie blinzelte und starrte auf ihre Hände. Die Kelle war im Trank verschwunden und kochte nun auf dem Grund des Kessels mit.

„Entschuldigung, Dad," hauchte sie und ihre Augen waren immer noch sehr groß und etwas erstaunt. Wieder sah sie auf ihre Hände.

Sie wusste, dass das gerade Ednas Hände gewesen waren. Doch wieso hatte sie von Edna geträumt, ohne geschlafen zu haben? War sie so beduselt gewesen? Oder war sie gar über dem Trank eingeschlafen? Und es war doch paradoxerweise ein Traumlosschlaftrank.

Nein, dachte sie entschieden. Sie war hellwach! Das war seltsam. Sie hatte Ednas Gedanken gedacht, eigentlich genau so, wie sie es immer getan hatte, wenn sie schlief.

Sie drehte sich zu ihrem Vater um und vergrub ihr Gesicht in seinen Kleidern. Snape wusste nicht, was gerade vorgefallen war.

„Was ist los?" fragte er, erhielt aber keine Antwort. Laura vergrub ihr Gesicht tiefer in Snapes Kleidung und dieser wurde ungeduldig. Laura atmete tief den bekannten Duft ihres Vaters ein, was sie beruhigte.

Er fasste sie an den Oberarmen und fragte eindringlich: "Laura Smethurst, du sagst mir jetzt auf der Stelle, was mit dir los ist!"

Laura sah ihn an. Sie weinte nicht, was ihn etwas erstaunte. Ihrem Verhalten nach zu schließen, war er beinahe sicher gewesen, dass sie weinte.

„Hast du ein Gespenst gesehen?" fragte er, als sie immer noch nicht antwortete.

Sie zuckte die Schultern und sagte leise: "Weiß nicht, Dad. Ich habe etwas gesehen..."

Wie sollte man sowas Unlogisches jemandem erklären, für den es nur logische, erklärbare Dinge gab?

Er sollte ja nicht meinen, sie sei eingeschlafen über dem Brauen. Und er sollte nicht denken, dass höchste Zeit fürs Bett war.

Der erwartungsvolle Blick ihres Vaters ließ sie tief Luft holen. Snape setzte sich und Laura warf sich einfach in seine Arme. „Ich erzähls dir gleich, Dad," nuschelte sie in seine Halsbeuge. Resigniert schloss er seine Arme um das Kind und spürte, wie ihr Herz ziemlich laut pochte.

Als Laura sich gefangen hatte, ließ sie Snape los und setzte sich auf sein Bein. Sie überlegte kurz, wie sie das beschreiben konnte.

In zwei, drei Sätzen erzählte sie ihrem Vater, was sei eben erlebt hatte. Er war sehr nachdenklich und sagte eine Weile nichts.

„Dad, wieso zeigt sie mir das? Das macht mir Angst," schloss sie.

Sie legte den Kopf an seine Brust. Es tat einfach so gut, in seiner Nähe zu sein, da sie sich bei ihm so beschützt fühlte.

„Vielleicht hatte sie es nie jemandem erzählen können," mutmaßte er. „Vielleicht möchte sie einfach, dass du es weißt. Und beendest, was sie nicht mehr hatte beenden können. Ich denke nicht, dass es ihr Ziel ist, dich zu ängstigen."

„Meinst du, dass es ihr nicht gelungen ist, an Margaridas Grab zu kommen? Ich weiß, dass sie sich unbedingt hatte verabschieden wollen," fragte Laura.

„Das könnte ich mir vorstellen," antwortete Snape und putzte mit einer raschen Handbewegung etwas Pulver von Lauras Ärmel.

Er hatte sich viele Gedanken gemacht. Das war das Einzige, das er sich vorstellen konnte. Der Trank war ja beendet und perfekt, also konnte es nichts damit zu tun haben.

Der Trank... ja, der Trank war fertig entworfen, aber seiner, an dem er seit ein paar Jahren arbeitete, war es nicht.

Es war nicht der Einzige, an dem er Verbesserungsversuche machte, aber der eine, den er bei der Tränkekonferenz vorstellen wollte, hatte ihm besonderes Kopfzerbrechen bereitet.

Und genau um Dichte ging es bei dem Trank auch.

Der Saft der Rindes von diesem afrikanischen Baum war nicht geeignet gewesen, für Ednas Trank, aber vielleicht war er es für seinen.

Er würde mit Veleno reden und es heraus finden, um welchen Baum es sich handelte, und dann würde er es versuchen, dachte er erfreut.

Danke, Edna, sagte er in Gedanken und freute sich, dass er nun eine Idee hatte, wie er weiter fahren könnte.

S s s s s

'Ich verstehe dich gut, Harry. Ich war auch immer etwas anders als die anderen Schüler. Genieße es einfach, es ist gut anders zu sein.'

Harry sah fasziniert auf das Buch, das ihm antwortete und so nett und verständnisvoll war. Dieser Tom Riddle musste ein netter Kerl gewesen sein, dachte er. Mit dem konnte man gut reden.

'Aber ich habe es satt und einige verdächtigen sogar mich, dass ich dieser Erbe von Slytherin sei und all diese schlimmen Dinge tun würde!'

Harry hatte etwas Mühe, mit der alten, etwas stumpfen Feder zu schreiben. Er hatte extra ein Pergament unter das Büchlein gelegt, um Tropfen zu vermeiden.

'Was für Dinge?'

'Diese Leute und sogar Geister versteinern und so. Aber ich bin nicht dieser verdammte Erbe, Tom. Auch wenn ich mit Schlangen sprechen kann!'

'Das ist gut, Harry! Sieh es einfach so: Wenn sie dich fürchten, dann respektieren sie dich auch!'

Harry zog seine Stirn in Falten. Was meinte Tom denn damit?

„Harry! Ron fragt ob du den Aufsatz..." Ginny hatte sich zu Harry, der vor dem Feuer auf dem Boden lag, hinunter gekauert und Harry sah sie nun fragend an, da sie mitten im Satz aufgehört hatte zu reden und sein Tagebuch anstarrte.

„Was?" fragte er und Ginny blinzelte ein paarmal und sagte dann etwas tonlos, dass Ron seinen Aufsatz über Verwandlungen abschreiben wolle, falls er diesen schon geschrieben habe. Harry nickte und klappte das Büchlein zu. Er würde sich dann später, im Bett, weiter unterhalten.

S s s s s s s

Severus lag mit Amélie im Bett. Er hatte den Arm um sie gelegt und lehnte sich, das Kissen hinterm Rücken, an die Kopflehne des Bettes. Es war warm und gemütlich. Er dachte daran, wie er am frühen Abend mit Laura auf dem Schlossgelände rumgewandert war, um nach diesem Marder zu suchen! Keine Spur von Jimmy war zu finden gewesen und den 'Accio' hatten sie nicht anwenden wollen, da es für das Tier das Ende bedeutet hätte, da es ja vielleicht irgendwo mitten im Wald war. Dieser Zauber hätte es auf direktem Weg und in ziemlicher Geschwindigkeit zu ihnen befördert, wodurch es an den nächsten Baum geknallt wäre.

Laura war verständlicherweise sehr enttäuscht und traurig gewesen und er hatte ihr noch ein paar Streicheleinheiten geben müssen, bevor er sie dann in den Gryffindorturm gebracht hatte.

Er wusste nicht, ob die junge Frau neben ihm schlief, sie war jedenfalls ganz entspannt und atmete gleichmässig.

Es war eigentlich kein Treffen geplant gewesen für heute, aber Amélie hatte es nicht mehr ausgehalten ohne ihn. Das hatte sie jedenfalls gesagt, als sie durch den Kamin gekommen war und sich buchstäblich in seine Arme geworfen hatte.

Dass es jemand nicht mehr aushielt ohne ihn, konnte Severus fast nicht ernst nehmen. Amélie kam selten mehr als einmal in der Woche, meist Mittwochs zu ihm zu Besuch.

Sie wusste, dass er meist sehr beschäftigt war und wollte ihn nicht von der Arbeit abhalten. Aber hin und wieder gab es einfach Zeiten, da sie solche Sehnsucht hatte, dass es kaum zu ertragen war.

Als sie nun so nahe bei ihm lag, ihn roch, fühlte und sein Herz hörte, wünschte sie sich, dass sie morgen nicht arbeiten gehen müsste. Dass sie wochenlang so mit ihm hier unten leben könnte, am besten im Bett.

Sie seufzte und er streichelte ihr über den Rücken.

„Ich liebe dich so unendlich, Severus Snape," hauchte sie und griff nach seiner Hand. Seine Wärme durchströmte sie und wieder wünschte sie, die Zeit stoppen zu können.

„Genügt dir das?" fragte er und Amélie sah bei diesen ernüchternden Worten fragend zu ihm auf.

„Genügt es dir, mich zu lieben? Möchtest du keine Familie wie andere junge Frauen? Möchtest du nicht in einem schönen Haus wohnen und verheiratet sein und Kinder großziehen?" fragte er weiter.

Diese Gedanken hatten ihn in letzter Zeit nicht los gelassen und er sorgte sich sehr, dass er der Frau nicht geben könnte, was sie wollte.

Er würde es nicht ertragen, sie zu verlieren, aber sich so verbiegen und ein Leben führen, das nicht zu ihm passte, wollte er auch nicht. Schon gar nicht, wenn die Zukunft so unsicher war. Er sorgte sich schon genug um das Kind, das er hatte.

Und die meisten jungen Frauen wollten eben Heim und Familie.

Amélie setzte sich auf. „Ich wohne in einem schönen Haus, Severus. Ich kann keine Kinder haben und ich kann mir nicht vorstellen, dass du noch mehr willst. Oder?" fragte sie zurück. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er ein Familien-Daddy war, der abends nach dem Arbeiten nach Hause kam, wo eine Schar Kinder auf ihn zu rannte.

Natürlich wusste sie, dass er seine Tochter mehr als alles in der Welt liebte. Bestimmt würde er auch weitere Kinder lieben, wenn er welche hätte. Sie konnte ihn sich nicht vorstellen, mit einem Kleinkind, aber natürlich wusste sie es nicht bestimmt. Sie hoffte es, denn mit ihr würde das nicht gehen.

Severus sah sie etwas erstaunt an. Natürlich verhüteten sie nicht nur wegen Schwangerschaft, aber sie hatte ihm nicht erzählt, dass sie keine Kinder haben konnte. Ob sie darunter litt?

„Hättest du gerne Kinder?" wollte er wissen.

Amélie überlegte einen Moment und antwortete dann ernst: "Es hat mich ziemlich geschockt, als ich erfahren habe, dass ich niemals Kinder haben könnte," begann sie. „Ich hatte einen schlimmen Unfall beim Quidditch." Sie sah nachdenklich aus, aber Severus unterbrach sie nicht.

„Später habe ich einfach mein Leben kinderlos geplant und ich glaube, es ist gut so. Ich bin sehr freiheitsliebend und vielleicht etwas egoistisch. Ich liebe meinen Job und möchte nicht kürzer treten vorläufig. Es ist gut, wie es ist, wenn es für dich auch gut ist. Ich wohne gerne im Haus meiner Großeltern, jedenfalls zur Zeit. Und vielleicht teilst du ja deine Laura ein wenig mit mir, hmm?"

Sie lächelte und sah, wie erleichtert ihr geliebter Tränkemeister aussah. Vermutlich war es auch für ihn gut so, dachte sie glücklich.

Er lächelte zurück und gab ihr einen Kuss. Amélies Herz flatterte. Himmel, wie sehr sie diesen Mann liebte!

Sie war froh, dass sie das nun diskutiert hatten und noch mehr froh, dass das für ihn kein Problem war. Dass es gut war, so. Und alles weitere würde sich zeigen.

S s s

'Harry, schön, dass du schreibst!' antwortete das Tagebuch, kaum hatte Harry 'Hallo' geschrieben.

'Geht es dir gut, Harry? Reden die anderen immer noch über dich?'

Harry atmete tief aus. Er musste aufpassen, dass er sein Bett nicht beschmutzte und tauchte die Feder vorsichtig in die Tinte.

Er horchte und hörte Rons gleichmäßige Atemzüge. Neville schnarchte leise vor sich hin und von den anderen Jungs hörte er gar nichts. Sie schienen zu schlafen.

Auch Dean und Seamus hatten ihm in letzter Zeit oftmals seltsame, misstrauische Blicke gegeben, die ihn sehr verletzt hatten, auch wenn er es nicht zugegeben hätte.

'Ein wenig' antwortete er etwas zurückhaltend.

'Du weisst, dass du die anderen nicht brauchst, Harry. Ich habe mich auch immer nur auf mich selbst verlassen und es hat mich weit gebracht. Sehr weit!'

Auf seiner Unterlippe rumkauend sah er auf die geschwungene Schrift hinunter. 'Auf meine Freunde und Remus kann ich mich immer verlassen. Die lieben mich und halten zu mir.'

Sobald das Tagebuch seine Schrift aufgesaugt hatte, erschienen schon wieder neue Worte von Tom. 'Möglich. Ist dieser Remus dein Pate?'

Harry kratzte sich an der Stirn. 'Sowas Ähnliches. Er war ein Freund meiner Eltern. Meine Eltern sind tot,' kritzelte Harry in der nicht gerade schönsten Schrift in das Tagebuch. 'Er kümmert sich um mich.'

'Tut mir Leid, dass deine Eltern gestorben sind. Ich war auch ein Waisenkind. Waisenkinder haben es noch schwerer, die richtigen Leute zu finden, da die meisten nur Mitleid haben. Bestimmt kümmert sich Remus nicht nur aus Mitleid um dich?' fragte Tom und Harry überlegte.

Er wusste, dass Remus ihn liebte. Aber hatte er nicht zugestimmt, sich um ihn zu kümmern, weil er keine Eltern hatte? Hatte Remus das Gefühl, er schulde das seinen verstorbenen Freunden?

'Remus liebt mich!' schrieb er etwas trotzig zurück. 'Und meine Freunde auch!'

'Ja natürlich. Wie heißen denn deine Freunde?'

TBC...