Mein erstes Dankeschön geht an meine Betaleserin scientific ida, die meine Fehler ausgebügelt hat. Danke vielmals!

Poebe: Danke vielmals für dein Review und nachträglich Happy Birthday! freut mich, dass ich dir eine kleine Freude bereiten konnte. Und es freut mich, dass dir das Kapi gefallen hat. Ich habe SweetyTweetylein eine Nachricht zukommen lassen, wegen dem Review.

Susi: Danke auch dir vielmals, für deinen Kommentar. Toll, dass es dir gefällt, freut mich!

Allen Lesern und allen Reviewern vielen Dank und viel Spass bei Kap 30

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Milly hätte es sich nie verziehen, wenn sie es nicht geschafft hätte, Laura zu helfen. Es war für sie eine so große magische Anstrengung gewesen, dass sie nun völlig kraftlos war. Sie stand wie unter Schock und fühlte sich verzweifelt. Die Batterien ihrer Magie waren leer. Wenn sie sich nicht wieder füllen würden, wäre sie eine nutzlose Hauselfe.

Dass sie sich ganz zittrig und schwach fühlte, ignorierte sie. Das einzige, was sie wollte war, zu wissen, wie es ihrer Laura ging. Sie hatte solche Angst um das Kind. Einige Tränen rannen über ihre Wangen und tropften lautlos auf den sehr sauberen Krankenhausboden.

Snape hatte ihre verzweifelte Bitte erhört und hatte sie mitgehen lassen, ins Spital, nachdem sie in Snapes Quartier heil angekommen waren. Milly war nicht mehr im Stande gewesen, selbst zu apparieren und hatte sich an Snapes Arm festgehalten. Das war für sie eine Schande gewesen und äußerst peinlich, aber Laura war nun einfach wichtiger.

Sie hörte durch die Tür hindurch, wie ihr Meister die Ärzte zurecht wies und ihnen befahl, sich augenblicklich intensivstens seiner Tochter zu widmen oder sie würden seinen Unmut zu spüren bekommen. Das schien den Ärzten und Pflegern Eindruck gemacht zu haben, denn obwohl sie Laura schon genaustens untersucht hatten und eine klare Diagnosestellung hatten, begannen sie das Kind erneut zu überprüfen. Sie machten alle möglichen Tests, ohne etwas anderes zu finden, als schon diagnostiziert war.

Milly wartete draussen auf dem Flur und spitzte die Ohren um zu hören, wie es Laura ging. Sie wusste nicht, ob es ihr erlaubt wäre, sich auch im Zimmer aufzuhalten. Und sie wollte den Ärzten, die ihrer Laura halfen, nicht im Wege sein.

Plötzlich hörte sie eilige Schritte und sah die junge Frau Amélie heran eilen. Ihr Gesicht war sehr besorgt und blass.

Sie hatte keine Augen für die Elfe, was diese ihr nicht übel nahm, sondern hastete an Milly vorbei in das Zimmer, in dem Laura lag.

Milly sah ihr sehnsüchtig nach und trat dann etwas zur Seite, da eine Trage mit einem lädiert aussehenden Zauberer darauf durch den Gang schwebte und um eine Ecke verschwand.

Die Tür, vor der Milly mit gummigen Beinen stand, war viel zu weiß für Millys Geschmack und schien sie höhnisch anzugrinsen. Zu! Sie war zu! Dahinter lag ihre Laura. Ob sie wieder ganz gesund würde? Ob sie wieder zusammen Elfenlieder singen und lachen würden? Ob sie wieder Abende in Lauras Zimmer verbringen würden, wo sie dem geliebten Kind das glänzende Haar kämmen würde und Laura ihr von ihren Freunden erzählte?

Ob sie wieder an Lauras Bett stehen würde und Laura sie mit ihren Dackelblick bitten würde, noch mehr von den Hauselfen und den alten Geschichten zu erzählen?

Hier hinter dieser Tür war ihr geliebtes Zaubererkind...

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Severus nahm die junge Frau sofort in die Arme. Das hatte er noch nie getan, in der Öffentlichkeit und sie genoss diese Geste. Sie spürte, dass er sie jetzt brauchte und das tat gut. Er hielt sie ganz fest.

Als sie die Nachricht erhalten hatte, dass Laura hier war, hatte sie alles stehen und liegen gelassen und den Laden sofort geschlossen.

Sie sah nun das Mädchen an, das reglos da lag mit geschlossenen Augen. Sie sah die langen, dunklen Wimpern und die blasse Haut. Ihr wurde bewusst, wieviel Liebe sie für Laura empfand. Es verzweifelte sie ungeheuerlich, das Kind so zu sehen. Sie sah so klein und hilflos aus. Sie war beinahe so blass wie das weiße Krankenhaushemd, das sie trug.

Sie fuhr ihr mit der Hand über die Wange. „Sie wird es schaffen, Severus, nicht wahr?" fragte sie und wollte keine andere Antwort hören als ein klares, selbstüberzeugtes Ja.

Prüfend sah sie zu Severus hinauf, der seinerseits sehr besorgt aussah. Seine Augen waren traurig und trotzdem nickte er nach einem Moment. Amélie drückte es das Herz schmerzhaft zusammen, ihn so zu sehen. Automatisch griff sie nach seiner Hand. Beide sahen zu Laura, die gleichmäßig atmete.

Man wusste nie, ob eine Hirnblutung auftreten würde und dann würde es wirklich kritisch. Aber sie wollten sich das nicht ausdenken. Es musste gut kommen!

Diese verdammten Ärzte sollten doch etwas tun! Natürlich wusste Severus selbst, das man im Moment nichts Weiteres tun konnte, als sie ruhen zu lassen.

Er atmete tief aus. Als alle Ärzte und Pfleger den Raum verlassen hatten, setzte er sich auf einen Stuhl neben Lauras Bett. Amélie tat es ihm gleich und legte ihm die Hand auf den Rücken.

Sie sah ihn erschrocken an, als sie bemerkte, dass er weinte.

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„Ich bin froh, dass ich heute hier schlafen kann, Remus," sagte Harry, als er sich in seinem Bett bei Remus zu Hause einkuschelte. Das Zimmer war beinahe quadratisch und diente Remus auch als Büro. Doch er hatte ein Bett hinein gestellt für Harry und einen kleinen Schrank. Das Bild eines Drachens, den Remus einmal für Harry gemalt hatte, hing an der Wand. Harry hatte ihn erst kürzlich gebeten, es mit einem Klebezauber an der Wand zu befestigen.

Ein kleines Büchergestell stand in einer Ecke mit Büchern, die Remus für den Jungen besorgt hatte und ein paar Spielen.

Auch Ron und Ginny waren diese Nacht bei ihren Eltern zu Hause. Harry war es jetzt erst so richtig bewusst, wie schön es war, ein Zuhause zu haben, in dem man sich wohl und geborgen fühlte nach so einem schlimmen Abenteuer und soviel Aufregung.

Und trotz der Predigt, die er von Remus erhalten hatte und all der Sorge, die er dem Mann bereitet hatte, was ihm natürlich Leid tat, war es doch so beruhigend und so schön, wenn sich jemand um einen kümmerte.

Lange hatten sie an diesem Abend auf dem altmodischen Sofa gesessen und Harry hatte alles erzählt, was in der Kammer geschehen war. Er hatte sich immer wieder korrigieren müssen, da irgendwie alles so schnell gegangen war. Es war gut gewesen, die Gedanken etwas zu sortieren und Remus alles zu sagen. Es nahm irgendwie eine Last von ihm.

Natürlich hatte Poppy den Jungen von oben bis unten untersucht und ihn dann aus dem Krankenflügel entlassen, mit der Bedingung, dass er sich schonen sollte.

Es war ein wirklich aufregender Tag gewesen und irgendwie fühlte sich Harry, nebst den Schuldgefühlen, wie ein Held. Ja, er hatte mit einem Schwert gekämpft und ein riesiges Monster getötet, auch wenn er vor Angst fast gestorben wäre. Er hätte sich das niemals zugetraut! Und doch hatte er, ohne zu überlegen und ohne Plan, wahrscheinlich instinktiv richtig gehandelt.

Aber es nagten auch unangenehme Gefühle in ihm. Er sah zu Remus auf, der nun auf seiner Bettkante saß, und überlegte, wie er ihm das sagen konnte. Er sah den Mann ein wenig verschwommen, da seine Brille auf dem Nachttischchen lag, neben einem Foto seiner Eltern. Remus würde ihn bestimmt für einen dummen, naiven Jungen halten, wenn er ihm sagen würde, was er dem Tagebuch alles blindlings anvertraut hatte. Und natürlich hatte Voldemort das alles nur zu gerne gelesen und die Informationen zu seinem Vorteil genutzt.

„Ich bin auch froh, dass du heute hier bleibst, Harry," antwortete Remus und küsste ihn, zum wiederholten Male auf die Stirn. „Du hattest heute wohl nicht nur einen Schutzengel dabei, sondern gleich eine ganze Armee, was?" bemerkte er sanft lächelnd und zog die hellblaue Bettdecke etwas höher, bis zu Harrys Brust. „Schlaf jetzt," fügte er leise hinzu, während er Harry übers Haar strich.

Harry lächelte etwas gequält. Er wollte noch mehr mit Remus sprechen, aber dieser hatte sich ja nun extra den ganzen Abend frei genommen im und er wollte nun bestimmt auch seine Ruhe.

„Gute Nacht, Remus," hauchte er und drehte sich zur Seite. Der junge Mann sah den Sohn seines verstorbenen Freundes noch einen Moment länger an und dankte allen Heiligen und allen, denen man danken konnte, dass Harry lebendig aus dieser Sache raus gekommen war.

Dann ging er aus dem schlichten, kleinen Zimmer und löschte das Licht. „Gute Nacht," erwiderte er leise von der Tür her.

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Wieder wälzte Harry sich auf die andere Seite. Ihm war so heiß, aber wenn er sich abdeckte, war ihm zu kalt.

Immer wieder durchlebte er Szenen von der Kammer. Immer wieder sah er das riesige, aufgesperrte Maul des Basilisken, was ihm den Schweiß auf die Stirn trieb. Es war ein grausiges Gefühl gewesen, dem Tier das Schwert in den Rachen zu stecken. Schrecklich. Er wollte soetwas nie wieder tun müssen!

Er sah die kleinen Lichtlein an seiner Decke an, die durch die Vorhänge der Fenster drangen. Zum Glück war nicht Vollmond heute Nacht.

Seufzend setzte er sich im halbdunkeln Zimmer auf. Er würde heute nicht schlafen können. Schon seit einer Ewigkeit versuchte er in den Schlaf zu gleiten. Vergebens!

Er zog die Decke vor sein Gesicht. Sie roch ziemlich gut und Harry fragte sich, ob Remus selbst Wäsche wusch, da er keine Hauselfe hatte, oder ob er das irgendwie magisch tat.

Und eigentlich hatte er sich sowieso schon gefragt, wieso Zauberer überhaupt Hauselfen brauchten, wenn sie sich doch alles hinzaubern und sauber zaubern konnten, was sie wollten.

Sein Gesicht im kühlen Überzug der Decke vergraben, holten die Ereignisse des Tages ihn erneut ein. Egal wie angestrengt er versuchte, an etwas anderes zu denken, drängte sich immer wieder das höhnisch grinsende und etwas überheblich blickende Gesicht von dem jungen Voldemort in seine Gedanken.

Wenn er doch nur nicht so unglaublich dumm gewesen wäre, diesem tausendmal verdammten Tagebuch alles mögliche zu erzählen! Und Ginny auch.

Er konnte sich an Toms spöttischen Worte erinnern in der kühlen Höhle unten, bevor er den Basilisken frei gelassen hatte.

Wie sehr es ihn erstaunt habe, dass ein Junge so leichtgläubig sein konnte, wie Harry, der ihm so bereitwillig geglaubt hatte, hatte Tom gesagt. Doch ihm sei diese Dummheit gelegen gekommen, denn welch eine Fügung des Schicksals, dass Harry Ginny Weasley als eine Freundin aufgezählt hatte.

Ginny habe ihm, oder dem Tagebuch nämlich vorgeweint, dass der berühmte Harry Potter sie bestimmt nicht einmal bemerke und dass er sich niemals für sie interessieren würde.

Es wäre so lächerlich einfach gewesen, ihn hier her zu locken! Zu der armen, entführten Freundin.

Harry hatte sich so geschämt und hatte sich so schuldig und ärgerlich gefühlt. Hätte er diesem Tagebuch nicht vertraut, wäre Ginny für den geisteskranken Tom vielleicht nicht so interessant gewesen. Jedenfalls nicht mehr, nachdem sie für ihn die Kammer geöffnet hatte.

Frustriert schlug Harry die Fäuste auf die Bettdecke und zu seinem Ärger traten Tränen in seine Augen.

Er drückte die Fäuste gegen die Augen und da spürte er Remus' Hand auf seinem Rücken. Keiner sagte etwas, aber es tat Harry unglaublich gut. Eigentlich wollte er nicht, dass Remus ihn weinen sah, aber er konnte es nicht verhindern, auch wenn er es versuchte.

Leise weinte er vor sich hin und Remus hörte nur, wie Harry ab und zu die Luft ausatmete und etwas schwer schluckte, während er versuchte kein Geräusch von sich zu geben.

Remus setzte sich wieder auf die Bettkante und zog den Jungen zu sich. Er schloss seine Arme beschützend um ihn und wartete geduldig.

Harry konnte sich erinnern, wie er sich als kleiner Junge solche beschützenden Arme gewünscht hatte. Er hatte oftmals große Sorgen gehabt, jedenfalls waren sie ihm damals groß erschienen und er erinnerte sich ganz genau, wie einsam er sich in solchen Momenten in seinem Schrank unter der Treppe gefühlt hatte.

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„Ich bin so froh, dass Ginny noch lebt," sagte Harry nachdenklich, mit etwas rauher Stimme und zeichnete mit dem Finger die rötlichen Spuren einer früheren, tiefen Kratzwunde an Remus' Handgelenk nach. Harry wusste, dass das nur eine der zahlreichen Narben war, die Remus an seinem Körper trug. Er lehnte seinen Kopf an Remus' Oberarm.

Remus lächelte und freute sich über das Zutrauen des Jungen, der am Anfang noch viel zurückhaltender gewesen war mit solchen Gesten.

Lange Zeit hatte Harry vor sich hin geweint und war dann einfach bewegungslos in Remus' Armen geblieben. Dann hatte er ihm von seinen Schuldgefühlen erzählt und Remus hatte Harry immer wieder versichern müssen, dass es alleine die Schuld dieses Monsters war. Nicht die des Basilisken, der war nur ein unschuldiges magisches Wesen, das von dem eigentlichen Ungeheuer gesteuert worden war. Das eigentliche Monster war Voldemort. Er hatte sich dieser Kinder bedient und hatte ein weiteres mal versucht, Harry erbarmungslos zu töten. Er hoffte nun, dass Harry wusste, wie gut er das alles gemeistert hatte und morgen würde dann Albus Dumbledore mit ihm reden können.

Auch Toms Bemerkung, dass Harry ihm ähnlich sei, hatte ihn unglaublich beunruhigt. Remus hatte ihm versichert, dass er ein gutem Mensch sei und sein Charakter überhaupt nicht dem von Voldemort ähnelte. Er wollte aber mit Albus über die Ängste des Kindes, das seinen Kopf immer noch sanft an seiner Schulter hatte, reden. Er wusste, wieviel Achtung Harry vor dem Schulleiter hatte und seine Worte würden ihn bestimmt noch mehr beruhigen und ihm Rückversicherung geben.

Die ganze Geschichte war wirklich unglaublich, fand Remus.

„Ginny kommt doch nicht in Schwierigkeiten, wegen des Tagebuchs, oder?" fragte er besorgt. „Ich meine, sie konnte ja nichts dafür!"

Remus schüttelte den Kopf. „Nein, Harry, dieser... Mörder hat eine große Gabe, andere zu manipulieren. Wie hätte sich da ein kleines Mädchen wehren können!"

Albus Dumbledore war ein sehr kluger Kopf und er hatte außerdem ein sehr sanftes Wesen. Niemals würde er Ginny Vorwürfe machen.

Remus hatte ihnen beiden einen Tee gemacht und sie saßen, die heißen Tassen vor sich auf dem Tischchen, auf dem Sofa.

„Ich hoffe nur, dass es Laura bald besser geht."

Remus nickte. „Professor Snape wird den Ärzten schon Feuer unterm Hintern machen," lächelte er, war aber insgeheim auch sehr besorgt um das Mädchen. Er war ziemlich geschockt gewesen über das, was Harry ihm von Laura gesagt hatte. Das blutverklebte Haar und das unnatürlich abstehende Bein... es schauderte ihm und er würde sich nach ihr erkundigen, sobald Harry schlafen würde. Es freute ihn, dass Harry sich so viele Gedanken machte, um die Freundinnen.

„Es ist schön, wenn man solche Freunde hat," sagte Remus und sah Harry intensiv an und der nickte, während er mit seiner freien Hand sanft auf die von Remus klopfte.

„Sirius, mein Pate war auch ein guter Freund von dir, nicht wahr?" fragte Harry nach einem kleinen Augenblick. Irgendwie konnte er einfach nicht fassen, dass er einen Paten hatte. Auch wenn dieser im schlimmsten aller Gefängnisse saß.

Remus' Blick wurde traurig, was Harry sofort auffiel. „In einigen Menschen kann man sich irren," hauchte der Mann leise. Dass er sich so hatte irren können, war immer noch ein unglaublicher Schock für Remus, und es hatte eine tiefe Verletzung und Unglauben in ihm hinterlassen.

Natürlich war Sirius vornedurch frech und großartig gewesen, aber er hatte den sanften, ernsten Sirius gut gekannt. Sehr gut. Viele viele Gespräche hatten sie geführt und Sirius hatte ihm viel anvertraut. Das war bestimmt nicht alles gelogen gewesen, dessen war Remus sich sicher. Sirius war ein sensibler Mensch gewesen und ein treuer Freund.

Und dass der Freund heimlich die Seiten gewechselt hatte, konnte er sich nicht vorstellen, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt kein so extrem enges Verhältnis gehabt hatten. Sie hatten sich doch regelmässig getroffen und immer wieder Abende zusammen verbracht und viel geredet. Sirius war der Einzige seiner Freunde der noch am Leben war. Und trotzdem hatte er ihn verloren.

Man konnte sich wohl eben doch täuschen und sich in Personen irren, auch wenn man denkt, sie gut zu kennen. Und Remus musste zugeben, dass er nicht sehr viele Freunde gehabt hatte in seinem Leben, ja, eigentlich keine. Also, wie sollte er einen Menschen richtig einschätzen können?

„Du hast gesagt, dass er viele Menschen getötet hat," wollte Harry wissen, denn Remus hatte ihm das einmal mit wenigen Worten erklärt und ihm gesagt, dass er es später dann mal genauer erzählen würde.

„Was, wenn er es nicht war?" fragte er weiter.

Remus seufzte. „Es gab viele Zeugen, Harry!" sagte er leise und sah in Harrys grüne Augen. „Trink etwas, das wird dir gut tun. Und nachher gehen wir ins Bett. Madam Pomfrey wird nicht glücklich sein, wenn du nicht genügend Ruhe hattest," sagte er lächelnd.

Doch Harry war dieses Thema sehr wichtig und er ließ es nicht so einfach fallen. „Aber Remus, denkst du, dass er es war?"

Remus wollte Harry nicht mit der ganzen Wahrheit, dem Verrat an seinen Eltern belasten. Vor allem nicht, nach diesem Tag.

„Ich weiß es nicht," antwortete er, denn es stimmte. „Heute erfährst du nichts mehr darüber, mein Junge, du hast genug Aufwühlendes erlebt. Ich werde dir alles erzählen, wenn du etwas älter bist," sagte er etwas strenger, legte dabei aber den Arm um Harry.

Als sie schweigend den Tee getrunken hatten, stand Remus auf, trug Harrys Matratze in sein eigenes Schlafzimmer und legte sie neben sein Bett.

Harry strahlte glücklich, als er realisierte, dass er heute nicht alleine schlafen musste. Schnell kuschelte er sich in sein Deckbett und sah zu Remus hinauf, der dasselbe getan hatte und nun spitzbübisch zu ihm hinunter grinste. In diesem Moment kam Remus ihm viel jünger vor, als er eigentlich war und er lächelte zurück.

„Hagrid und Professor Dumbledore werden nun zurück kommen, nicht wahr?" fragte Harry und Remus nickte schweigend. Das waren sie höchst wahrscheinlich schon, dachte er.

Harry war froh und atmete hörbar aus.

„Schlaf schön und ich bin froh, dass es dir gut geht," sagte Remus dann und Harry nickte glücklich.

„Ich hab dich lieb, Remus," sagte er leise und hatte keine Ahnung, wieviel Remus diese Worte bedeuteten.

„Ich habe dich auch lieb," erwiderte Remus und lächelte Harry zu, bevor er das Licht löschte.

S s s s s s s s s

Laura war müde. Sie überwand sich dann aber, die Augen zu öffnen. Es blendete sie unangenehm und sie blinzelte.

Mit etwas verschwommenem Blick sah sie zu den Personen, die neben ihr am Bett saßen. Sie war erleichtert, als ihre Sicht scharf wurde und sie ihren Vater erkannte. Neben ihm Amélie.

Doch etwas stimmte ganz und gar nicht. Laura blinzelte ungläubig und verengte die Augen, um besser sehen zu können.

Doch, sie hatte sich nicht geirrt. So unglaublich es war, ihr Vater weinte. Laura schloss die Augen und öffnete sie nach einem Moment wieder.

Träumte sie das? Doch als sie wieder hin sah, wurde ihr bewusst, dass ihr Dad tatsächlich richtig weinte. Amélie saß neben ihm und sah etwas hilflos aus. Den Arm hatte Amélie auf Severus' Rücken gelegt, weil sie nicht richtig wusste, was sie tun konnte, außer hier bei ihm zu sein. Auch für sie war das ein ganz ungewohntes Bild.

Schnell schloss Laura die Augen. Sie wusste nicht, was Schreckliches passiert sein sollte, das eine solche Reaktion bei Snape auslöste. Sie hatte erwartet, dass er stinksauer sei. Dass er ihr den Hintern verhaute, sobald sie die Augen aufschlug. Na gut, das konnte ja immer noch geschehen, denn er hatte ja noch nicht bemerkt, dass Laura wach war.

Sie sortierte ihre Gedanken und bald fiel ihr ein, wie sie am Boden gelegen hatte und dass sie verletzt gewesen war. Sie erinnerte sich auch an die beiden Mädchen, die ihr beigestanden hatten, als sie da in der Kammer gelegen hatte. Auch die starken Schmerzen fielen ihr wieder ein und erst jetzt bemerkte sie, dass diese verschwunden waren.

Sie fühlte sich sehr schuldig. Sie wusste, dass sie ihren Vater sehr sehr geschockt hatte. Ihr Vater weinte! Hatte sie vielleicht einen bleibenden Schaden, dass er so traurig war?

Angst kroch in ihr hoch. War sie schwerer verletzt, als sie gedacht hatte? Würde sie sogar sterben? Oder - war sie gar schon tot?

Vorsichtig öffnete sie dann wieder die Augen und sah, dass Amélie sie ansah. Snape hatte seine Stirn in seine Handballen gestützt, sodass sie sein Gesicht kaum sehen konnte. Trotzdem sah sie, dass er weinte.

Lauras Augen wanderten durch den weißen, hellen Raum. Das war wohl ein Krankenhaus, dachte sie und drehte sachte den Kopf um bessere Sicht zu haben. Ein Fenster sah sie, mit geschlossenen Vorhängen.

Wieder sah sie zu Amélie, die sie nun anlächelte. Amélie trommelte mit den Fingern leicht auf Severus' Rücken um seine Aufmerksamkeit zu erregen und als er zu ihr sah, deutete sie mit dem Kopf zu Laura.

Ein schreckliches Gefühl überkam das Kind, als sie in das Gesicht ihres Dads sah. Tränen liefen ihm die Nase und Wangen hinunter. Seine sonst strengen Augen waren so voll Trauer, dass sie sich ihm am liebsten um den Hals geworfen und um Verzeihung gebeten hätte.

„Dad!" hauchte sie schwach und ihre Stimme klang kratzig. Ihr Mund war so trocken und die Zunge so lahm. Sie lebte wohl doch noch, dachte sie erleichtert, sonst könnte sie wohl nicht mehr sprechen.

Sie sah die große Erleichterung in den Augen ihres Vaters und sie sah ihn mit großen Augen an.

Severus musterte sie. Sie sah wach aus und ihre Augen fixierten ihn ganz klar. Kein apatischer, weggetretener Blick.

Er lehnte sich etwas vor und umarmte sie. Sie spürte sein nasses Gesicht und die warmen Tränen, die sich nun mit ihren eigenen mischten. Sie spürte auch, dass er sich heute, wohl zum ersten mal, seit sie ihn kannte, nicht rasiert hatte.

„Es tut mir Leid, Dad," hauchte sie. Sie schluckte leer und bemerkte, wie trocken ihr Hals war.

„Ich hab Durst."

Er nickte in der Umarmung, wartete noch ein paar Sekunden, bis er sie los ließ und griff nach dem Glas, das auf dem Tisch neben Lauras Bett stand. Er hob ihren Kopf ganz sanft, und ließ sie ein paar Schlückchen trinken.

Erschöpft schloss Laura danach wieder die Augen. „Ist Harry nichts passiert? Und Ginny und Ron?" fragte sie leise.

„Sie sind alle wohlauf," antwortete Snape ruhig und Laura fand, dass seine Stimme etwas seltsam klang.

„Und ich? Bin ich auch noch ganz?" wollte sie nun wissen und öffnete die Augen um Snapes Gesichtsausdruck zu sehen.

„Ja, ich hoffe es," antwortete er ernst. Amélie war auch total erleichtert, dass Laura in Ordnung schien.

In diesem Moment ging die Tür auf und eine energische Krankenschwester mit Abwärtsmundwinkeln trat ein. „So, das junge Fräulein ist wach. Hier kommen die Medikamente," sagte sie mit unpassend hoher, aber scharfer Stimme und man merkte, dass das eine sehr routinierte Krankenschwester war, die ihren Job wohl schon gar zu lange ausübte. Schon war sie bei Laura und hielt ihr einen Trank vor den Mund, der so ziemlich ähnlich roch, wie der Kompost bei ihnen zu Hause im Hochsommer.

Sie rümpfte die Nase und schüttelte leicht den Kopf. Die Schwester ließ sich davon nicht beirren und machte kurzen Prozess. Sie hielt Lauras Nase zu, bis diese den Mund öffnete und lehrte den Trank dann, alles auf einmal, hinein.

Nur dank Snapes mahnendem Blick spie Laura den Trank nicht sofort ins Gesicht der unfreundlichen Schwester, sondern schluckte mit zugekniffenen Augen. Das war ja noch ekliger, als der Geruch. Laura gab der Krankenschwester einen vernichtenden Blick, genauso auch Snape. Dass diese unmögliche Person so mit seiner lädieren Tochter umsprang, war nicht akzeptabel. Er würde mit der später noch ein ernstes Wörtchen reden.

Amélie sah ihn auch vielsagend an und lächelte dann Laura an.

Sie strich dem Mädchen die dunklen Locken aus dem Gesicht und Laura sah sie an. Amélie griff sich Lauras Hand und diese drückte sie leicht. „Hast du Schmerzen, mein Schatz?" fragte sie und Laura schüttelte den Kopf. Eigentlich fühlte sie sich gar nicht so schlimm, einfach müde war sie. „Wo ist Milly?" fragte sie und Amélie sah zu Snape. „Kann es sein, dass ich ihr vorhin im Flur begegnet bin?" fragte sie. Ja, an irgend jemandem war sie da vorbei gelaufen.

Milly stand nervös im Gang des Krankenhauses. Sie hatte sich noch nie so seltsam gefühlt wie jetzt und nun, da niemand auf dem Flur war, lehnte sie sich etwas an die Wand. Sie wusste, dass sich das nicht gehörte, aber sie konnte nicht anders, denn ihre Beine wollten sie einfach nicht mehr so zuverlässig tragen. Lange hatte sie vor der Tür gestanden und ihre großen Ohren aufgesperrt um etwas zu hören von drinnen.

Sie war froh über die kühle Wand, die sie stützte. Sie schämte sich sehr dafür. So eine Hauselfe konnte niemand gebrauchen. Meister Professor Snape hasste faule und schwache Leute und er würde auch keine faule und schwache Hauselfe haben wollen.

Als sie hörte, dass sich die Tür öffnete, stellte sie sich aber schnell wieder gerade hin und sah Amélie mit großen Augen entgegen. „Laura fragt nach dir," sagte die junge, nette Französin freundlich und Millys Brust schwoll an vor Freude und Stolz, dass das Kind nach IHR verlangte. Und dass sie aufgewacht war, ließ Millys Herz erst recht einen Salto schlagen.

Unsicher sah sie zu der Frau auf, die ihr mit einer Handbewegung zu verstehen gab, mitzukommen und das tat sie auch mit zitternden Beinen.

Milly kletterte, nach einem Seitenblick zu ihrem Meister, der ihr zunickte, etwas umständlich auf einen Stuhl und sah auf Laura hinunter. Diese streckte die Arme nach ihr aus um die geliebte Elfe zu umarmen.

„Was ist, Milly?" fragte Laura besorgt und sah hilfesuchend zu ihrem Vater. „Dad, Milly gehts nicht gut!" sagte sie besorgt und nun fiel auch Snape auf, dass Milly eine etwas seltsame Gesichtsfarbe hatte und sich in untypischer Weise auf Lauras Bett abstützte.

„Was ist mit dir, Milly?" fragte er ernst und musterte sie. Milly schüttelte nur den Kopf, und Snape sagte zu Amélie, sie solle eine Schwester rufen. Wenn möglich nicht die von vorhin.

Er legte die Hauselfe einfach neben Laura auf das Bett und befahl ihr liegen zu bleiben, was Milly widerwillig tat. Eine anständige Hauselfe legte sich nicht auf das Bett eines Zauberers und eine anständige Hauselfe riss sich zusammen, auch wenn sie sich nicht so wohl fühlte. Aber sie musste ihrem Meister gehorchen und eigentlich war sie froh, liegen zu können. Ihr war schwindelig und sie hatte überhaupt keine Kraft.

Als die junge Pflegerin den Raum betrat, sah sie die Hauselfe erstaunt, aber nicht erfreut an.

„Bringen Sie bitte sofort einen Aufputschtrank," forderte Snape und die Schwester protestierte, denn schliesslich waren sie ein Menschenkrankenhaus. „Aber Sir, wir behandeln hier keine..." weiter kam sie nicht.

„Jetzt!" sagte Snape mit einschüchternden Stimme, die sogar seine ältesten Schüler wie Espenlaub zittern und mit den Zähnen klappern lies, und sie nickte und ging ohne ein weiteres Wort davon. Nach einer Minute kam sie mit dem Trank zurück.

Schnell überreichte sie ihn Snape und verließ sofort wieder den Raum.

Snape gab Milly das ganze Fläschchen zum Trinken und augenblicklich fühlte diese sich besser und bedankte sich überschwänglich bei ihrem Meister. Ihr Zusammenbruch war eine große Schmach für die kleine Person, die sich immer noch schwach und zittrig fühlte, aber längst nicht mehr in dem Ausmaß wie vorhin.

Sie setzte sich auf dem Bett auf. Laura hielt ihre Hand und sah dann von Amélie zu Snape und dann zu Milly und wieder zurück.

„Ich hab euch alle so lieb!" sagte sie im Flüsterton. Ihr war jetzt bewusster denn je, dass dies die Personen waren, die sie am allermeisten liebte.

S s s s s

Laura träumte von Monstern mit riesigen Zähnen und sauste Steinrutschen hinunter, die nicht enden wollten.

Als sie dann aufwachte, lag sie alleine in dem kleinen, weißen Raum. Sie rieb sich die Augen. Sie wusste, dass sie nun nicht wieder diesen Edna-Traum haben würde. Und sie hoffte, dass sie auch nie wieder etwas Ähnliches erleben würde. Natürlich war sie froh, dass sie die Geschichte ihrer Vorfahrinnen kannte. Es gab ihr auch eine angenehme Ruhe, dass sie wusste, das Ednas großer Wunsch sich erfüllt hatte und sie dachte an die beiden Mädchen, die da bei ihr in der Kammer gewesen waren und so ganz normal gewirkt hatten. Ob sie glücklich waren, dort, wo sie nun waren? Ob ihre Mum wohl auf sie aufpasste. Edna und Margarida hatten gesagt, dass sie immer irgendwie hier wären, da sie ein Teil von ihr waren.

Laura wusste nicht, wieso genau sie das so tröstete. Vielleicht, weil sie so die Gewissheit hatte, dass auch ihre Mum immer irgendwie bei ihr war.

Laura drehte den Kopf etwas, als die Tür aufging. Ihr Dad trat ein und sah wieder ganz normal aus. Sie hatte sich ziemlich erschrocken, als sie ihn weinen gesehen hatte.

„Hattest du eine gute Nacht?" fragte Snape sie.

Nacht? Laura hatte gar nicht realisiert, dass Nacht gewesen war. Sie hatte gar kein Zeitgefühl gehabt.

Sie nickte nur. Wann würde wohl das Donnerwetter kommen? fragte sie sich. Ganz bestimmt würde es kommen!

„Es ist jemand hier, der dich besuchen möchte," sagte er und sah zur Tür, die sich langsam öffnete.

Hinein kamen Harry, Ron, Ginny, Emma und - Hermine. Laura strahlte über das ganze Gesicht.

„Ich lass euch dann mal alleine," sagte Snape, dem es zu eng wurde mit so vielen Kindern.

Als er auf den Gang trat, hörte er die unverkennbare, etwas schrille Stimme von Molly Weasley, die die ganze Meute gebracht hatte und nun vor sich hin schimpfte.

„So sture Köpfe, von wem die das wohl haben..."

Neben ihr her gingen die Zwillinge. Fred errötete etwas, als er den Professor sah und Molly steuerte sofort auf Snape zu. „Wie geht es ihr, Severus? Wir sind ja so unendlich froh, dass Ginny und Ron nichts geschehen ist..." redete sie nervös auf den Mann ein, der seinen finsteren Blick über die beiden Jungen huschen lies.

„Dort," sagte er und klang so unnahbar wie immer, während er auf das Zimmer zeigte, in welchem Laura und die ganze Rasselbande war. Die Zwillinge schlüpften sofort hinein und Snape unterhielt sich kurz mit Molly, bevor diese dann auch in das Zimmer zu Laura ging.

Snape war über den Trubel nicht sehr erfreut und er würde dafür sorgen, dass seine Tochter bald wieder Ruhe hatte.

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"Was ist das?" fragte Laura neugierig, als Fred ihr eine rote Kugel in die Hand drückte und dabei etwas verlegen aussah. Laura hatte einige kleine Geschenke bekommen, von Klassenkameraden, was sie sehr süß fand. Als die Gryffindors gehört hatten, dass Emma und die anderen Laura besuchen gingen, hatten einige Mitschüler kleine Habseligkeiten gebracht und sogar ein paar Karten hatten sie für Laura geschrieben und Emma mitgegeben.

Die Schokofrösche und andere Süßigkeiten lagen auf dem Nachttisch und Laura fühlte sich etwas seltsam, als alle um ihr Bett rum standen. Vor allem fühlte sie sich ja recht wohl und trotzdem lag sie da so rum.

Ginny hatte erzählt, dass Professor Dumbledore wieder da sei und mit ihr geredet habe. Emma erzählte, dass auch Hagrid wieder in Hogwarts sei, was alle sehr freute.

Gespannt sahen alle auf die Kugel, die sich in Lauras Hand ganz sachte bewegte, als würde sie leben. "Du musst deutlich den Namen der Person sagen, die dir die Kugel geschenkt hat," instruierte nun George und Lauras Blick glitt sofort zu Fred.

"Und was geschieht dann?" wollte sie skeptisch wissen.

George verdrehte die Augen und Harry setzte sich auf Lauras Bettkannte.

"Das siehst du dann," sagte Fred, worauf Laura ihn vielsagend ansah.

"Einem Geschenk von Fred Weasely vertraue ich nicht blind. Bin ja nicht lebensmüde," witzelte sie und Fred machte ein beleidigtes Gesicht.

"Nichts Schlimmes!" sagte George ungeduldig. "Sag schon!"

Laura sah die Kugel, die etwa zwei Zentimeter Durchmesser hatte, genau an und sagte dann klar und deutlich: "Fred Weasley."

Leise erklang eine zarte Melodie und die Kugel zitterte ein wenig. Fred hielt den Atem an und hoffte gespannt, es möge sich doch etwas tun.

Nun sahen sie, wie Blütenblätter, die ganz enganliegend um die Kugel gefaltet gewesen waren sich nun lockerten und sich immer weiter öffneten. Das war wunderschön mitanzusehen. Die hohen, leisen Klänge, welche die Blume dabei begleiteten, verklangen, als der Blumenkopf ganz geöffnet war. Nun sah die Blume aus wie eine besonders große Ringelblume. Allerdings hatte Laura noch nie eine rote Ringelblume gesehen. Ihre Augen wurden noch größer, als einige Blütenblätter sich streckten und die Blume die Form eines Sternes annahm.

"Wow!" sagte Laura und George klopfte Fred übertrieben fest auf die Schulter. "Immerhin besteht Hoffnung, Brüderchen," sagte er und Laura verstand nicht, was er damit meinte.

Laura sah von der Blüte in ihrer Hand, deren Blütenblätter beinahe ihre ganze Hand mit Fingern bedeckte, zu Fred und George auf. "Was ist das?" fragte sie und sah von Fred zu George und wieder zu Fred, als keiner antwortete.

"Eine Blume," sagte George in einem Ton, als wäre Laura ein Kleinkind.

"Nein, wirklich?" staunte Laura und Emma kicherte. "Was für eine Blume und was soll das heißen, es besteht Hoffnung?" fragte sie nun ungeduldig und fordernd.

"Du bist eine Wundernase!" sagte Fred. "Es ist einfach eine Blume, gefällt sie dir nicht?" fragte er unschuldig, doch Laura wurde allmählich sauer.

Sie sah ihn mit funkelnden Augen an und drohte: "Du sagst mir jetzt augenblicklich, was es mit diesem Ding auf sich hat oder... oder ich verwandle dich in einen Frosch!"

"Soso, ohne Zauberstab," grinste Fred und George fügte hinzu. "Na, wenn du den Frosch dann küsst hat er nichts dagegen."

Das Grinsen verging ihm allerdings sogleich, da in dem Augenblick die Tür aufgegangen war und Snape scheinbar den letzten Satz gehört hatte, denn er blickte nicht gerade freundlich. Allerdings tat er das sowieso nie.

Hinter ihm her kam Molly in den Raum und sah besorgt zu Laura. "Och Schatz!" sagte sie und bahnte sich einen Weg zu Lauras Bett. Sie drückte das Kind an sich und Harry grinste, da auch er sich vor einer halben Stunde in dieser schraubstockähnlichen Umarmung befunden hatte.

"Ohhh, ein Liebesparameter!" säuselte sie, als sie die Blüte in Lauras Hand entdeckte. "Die gabs doch schon zu unserer Zeit," wandte sie sich an Snape, welcher alles andere als begeistert aussah und die sternförmige, rote Blume in der Hand seiner Tochter musterte, als wäre sie gefährlich.

"Von wem hast du die?" fragte er scharf und Laura blinzelte ihn fragend an. Wieso war er so sauer? "Von Fred," sagte sie schulterzuckend und sah den Freund an. Dieser wurde unter Snapes Blick ganz klein und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Er wusste nicht was sagen und der Professor sah ihn so gefährlich an, als hätte er in der Zaubertrankstunde einen Kessel explodieren lassen. Seine Mutter allerdings sah entzückt aus und blickte glücklich von Laura zu Fred und von Fred zu Laura, als hätten die beiden sich gerade das Jawort gegeben.

"Was bedeutet das?" fragte nun Laura und streckte ihre Hand mit der Blume aus.

Molly lächelte Laura an. "Das ist eine verzauberte Blüte, Laura. Man schenkt sie einer Person, die man... besonders mag. Die Blüte zeigt dann an, ob die auserwählte Person gar kein Interesse an einem hat, ob Hoffnung besteht, oder ob die betreffende Person gar die Liebe erwidert." Wieder blickte sie auf die Blüte, die immernoch sternförmig auf Lauras Hand lag. "Wäre die Blüte zu geblieben, wären gar keine Gefühle zu erwarten gewesen. Der Stern heißt Hoffnung, ein Herz wäre dann Liebe.

Emmas Augen leuchteten begeistert.

Molly wusste, dass diese Blumen noch ziemlich teuer waren. Also musste ihr Sohn wohl recht verliebt sein. Das fand sie sehr süß und dass es ausgerechnet Laura war, begeisterte sie. Natürlich war Laura noch ein Kind, aber vielleicht würde sie in ein paar Monaten dann mehr Interesse haben, an Jungs und hoffentlich an Fred.

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Severus war froh, dass Molly die ganze Traube Kinder wieder nach Hogwarts begleitet hatte und er sich mit Laura alleine unterhalten konnte. Er wusste, dass Professor Dumbledore nun mit Harry sprechen würde. Remus hatte ihm das am Morgen früh erzählt, als er hier war um Laura zu besuchen. Er hatte einen Alarm gezaubert, der ihn benachrichtigen würde, wenn Harry aufwachte.

Es hatte gut getan, sich mit dem Mann zu unterhalten, dachte Snape. Seltsam, wieviel sie sich gegenseitig anvertrauten. Severus wusste genau, dass das, was er Remus erzählte, auch bei diesem bleiben würde und dass er es niemals jemandem weitererzählen würde. Und es war spannend, wieviel man zu bereden hatte mit Kindern. Remus hatte ihm erzählt, welche Vorwürfe Harry sich gemacht hatte und wieder einmal bemerkte Severus, wie ähnlich Harry eigentlich Lily war.

Er schloss die Tür und setzte sich auf die Bettkante zu Laura. Diese schien zu spüren, was nun kommen sollte, denn sie sah ihn schuldbewusst an.

Sie hatte den Besuch der Freunde sehr genossen, obwohl sie danach auch froh gewesen war, als sie wieder gegangen waren. Sie hatte klar gemerkt, dass dieses Abenteuer sie noch mehr zusammengeschweißt hatte. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl genoss Laura sehr. Sie wusste, dass die Freunde auch für sie da wären, wenn sie sie brauchen würde und das gab ihr eine angenehme Sicherheit.

Doch als sie nun Snapes strengem Blick begegnete, bedauerte sie es doch, dass die Freunde nicht mehr da waren. Nun würde sie die Predigt ihres Dads über sich ergehen lassen müssen.

Sie schluckte schwer und zog die Bettdecke noch etwas höher zu ihrem Kinn, obwohl ihr ziemlich heiß war.

„Dad, ich musste helfen. Ich konnte sie doch nicht im Stich lassen und ich hab dich holen wollen und du warst nicht da und da hab ich..."

Laura sprach ohne Punkt und Komma, bis Snape sie unterbrach.

„Laura!" sagte er ruhig und eine Träne kullerte ihr die Wange runter. „Ich weiß das," sagte er und seine Tochter sah ihn überrascht an.

„Ich bin freudig überrascht, dass du mich zu Hilfe holen wolltest. Myrte hat auch, etwas unfreiwillig, zugegeben, dass du da hinunter gestürzt bist, weil sie dich erschreckt hat. Vielleicht wärst du auch gesprungen, nicht wahr?" fragte er und sah sie prüfend an.

Laura zuckte die Schultern. „Weiß nicht, Dad," gestand sie. Sie wusste es wirklich nicht. Vielleicht hätte sie auf ihren Vater gewartet, sie konnte es aber nicht garantieren.

Dass sie sich so für ihre Freunde einsetzte, schätzte Severus. Aber natürlich schätze er es nicht, wenn sie ihr Leben gefährdete. Aber er wusste auch, dass Laura nicht anders konnte. Genau so wenig wie er anders könnte, wenn jemand in Gefahr wäre, den er liebt.

„Ich hatte solche Angst," hauchte Laura und nun war die Decke bis zu ihrer Nasenspitze. Die Erinnerung an die Angst, die sie während des ganzen Abenteuers, aber vor allem am Boden der Kammer gehabt hatte, lies sie erschaudern. Sie hatte wirklich riesengroße Angst gehabt.

„Aber zum Glück waren sie da," fügte sie leise und mehr zu sich selbst hinzu.

Die Augen ihres Vaters verengten sich etwas. „Wer?"

„Margarida und Edna," antwortete sie und sah ihren Vater an. Würde er ihr das glauben?

Seine Augen verrieten nichts. „Als ich da am Boden lag, da waren sie plötzlich da. Sie haben mit mir gesprochen und gesagt, dass du bald kommen würdest. Dass ich nicht einschlafen dürfe."

Sie machte eine Pause und überlegte. Nun strampelte sie die Decke von sich weg. Zu warm war ihr.

„Und sie haben gesagt... sie haben sich bedankt, dass ich geholfen habe, wegen Margarida. Und die Ratte war auch da. Die Versuchs..."

Sie schlug sich die Hand vor den Mund und verriet ihrem Vater damit, dass sie was ausgeplaudert hatte, dass sie nicht hätte sagen sollen. Damit verriet sie sich natürlich erst recht.

Er hob nur eine Augenbraue und sah sie fragend an.

Laura wechselte schnell das Thema und hoffte, dass ihr Dad sie nicht mehr ausquetschen würde, wegen der Ratte.

„Dad?" begann Laura und sah ihren Vater dabei nicht an. Sie kratzte an einer Kruste einer Hautschürfung an ihrem Bein. Sie trug ein Nachthemd aus dem Krankenhaus, das ihr nur bis zu den Knien reichte. „Wenn ich wieder gesund bin... wirst du dann... bekomme ich dann eine Strafe?" Nun sahen ihre schwarzen Augen ins Gesicht ihres Vaters, das streng, aber nicht ärgerlich aussah.

Sie biss sich auf die Unterlippe, aber Snape schüttelte leicht den Kopf, nachdem er sie lange angesehen hatte.

„Ich denke, du hattest Strafe genug, mit einem gebrochenen Bein und einem Schädelbruch samt Gehirnerschütterung. Ich weiß, dass du nicht aus Unartigkeit so gehandelt hast."

Wieder sah er sie nur an und Laura wirkte ziemlich erleichtert.

„Über die Sache mit der Ratte sprechen wir dann ein anderes Mal," fügte er hinzu, worauf Laura die Augen senkte und nickte.

„Waren Margarida und Edna Kinder oder Erwachsene?" wollte er plötzlich wissen und Laura fühlte, dass er ihr glaubte, dass sie die beiden gesehen hatte.

„Sie waren Kinder, und sie waren gar nicht durchsichtig wie die Geister vom Schloss," erklärte sie.

Dann streckte sie ihre Arme aus, um Snape zu umarmen. Sie brauchte irgendwie Trost, obwohl sie nicht ganz genau hätte sagen können, wieso.

Snape schloss sie in die Arme und zog sie auf seinen Schoß. Er war so froh, dass seinem Kind nichts Schlimmeres geschehen war und sie keinen bleibenden Schaden hatte.

Ob sie sich die Vorfahrinnen eingebildet hatte? Ob sie eine Halluzination gewesen waren, durch ihre Gehirnerschütterung ausgelöst? Oder ob Edna und Margarida tatsächlich eine Verbindung hatten herstellen können, um mit seiner Tochter zu reden, und ihr hatten beistehen können?

„Remus war hier, als du geschlafen hast," sagte Snape und Laura nickte lächelnd. Der liebe Remus!

TBC...