Professor Lockhart war ins 's StMungos eingeliefert worden, nachdem Snape leider keinen Erinnerungstrank mehr zur Verfügung gehabt hatte, wie er versichert hatte. Zwar war Dumbledore sich nicht sicher, ob das wirklich der Fall war, aber er konnte es Severus nicht nachsehen, dass seine Lust, dem Kollegen zu helfen sich in Grenzen hielt.

Madam Pomfreys Einsatz war auch ungewohnt bescheiden und kühl gewesen und der blonde Schönling hatte nicht sehr viel Fürsorge und aufopfernde Pflege erhalten.

Ganz im Gegensatz zu Milly, die von ihrem Meister persönlich jeden Tag einen Trank verabreicht bekam und die den Befehl erhalten hatte, nur hier in seinem Privatquartier zu putzen. Das auch nur, weil Snape genau wusste, dass es für Milly eine schreckliche Blamage sein würde, gar nichts tun zu müssen. Und zu seiner Freude und vor allem zu Lauras Freude, erholte sich die Elfe sehr rasch.

Einige Schüler waren nun besonders nett zu Harry, nachdem sie ihn unschuldig verdächtigt hatten und er das Monster auch noch erfolgreich bekämpft hatte. Dass er Ginny gerettet hatte, machte ihn besonders zum Helden, was ihm allerdings nicht sonderlich gefiel.

Einfach mal normal zu sein, wäre ihm viel lieber gewesen.

Nett war Malfoy allerdings gar nicht und er reizte und stichelte Harry, wo er nur konnte und versuchte krampfhaft, alle anderen Schüler davon zu überzeugen, dass Harry sich nur wichtig machen wollte. Sonst war Malfoy nicht mehr so großpurig und stolz unterwegs, wie noch vor kurzem, nun, da sein Vater als Schulrat gefeuert worden war.

Als die Schüler am Mittwoch morgen in die Kerker zur Zaubertrankstunde gingen und den Slytherins begegneten, rammte Malfoy Laura absichtlich von hinten, was keine ungewöhnliche Begebenheit war.

„Hast du keine Augen im Kopf?" fauchte sie sofort und hätte ihm gerne eine geschmiert, was auch kein außergewöhnlicher Wunsch war.

„Dass du kein Hirn hast, wusste ich ja..." giftete sie stattdessen, da es gut tat, ihren Ärger wenigstens so auszulassen. Sie wandte sich an Harry, Ron und Hermine. "Die Augen scheinen nur Attrappe zu sein. Damit man seinen Kopf nicht für einen weißen Ballon hält," sagte sie leise.

„Ist ja etwa dasselbe drin," fügte Harry hinzu und Ron und Laura lachten.

„Der mag dich wohl, sonst würde er nicht so wild sein auf Körperkontakt mit dir," feixte Ron ziemlich laut, so dass es Malfoy ganz sicher hören musste.

Der hellblonde Junge schnaubte und drehte den Kopf zu ihnen, ohne jedoch anzuhalten. Neben ihm her gingen wie immer die Leibwächter Crabbe und Goyle.

„Ich stehe nicht auf kleine, mickrige Schwarzwurzeln," höhnte er und ging stolz weiter.

Harry hätte ihm auch ganz gerne eine reingehauen oder noch besser einen ganz üblen Zauber angehext, vor allem, weil er seinen Ärger schon einige Tage angestaut hatte. „Sei einfach still, du überheblicher Angeber," sagte er nun verärgert.

Laura konnte es nicht lassen und zückte den Zauberstab. Leise sprach sie einen Spruch und zielte den Zauberstab auf Malfoys Hintern. Malfoy schrie kurz auf und drehte sich sofort um. Gerade rechtzeitig hatte Laura ihren Zauberstab wieder eingesteckt, mit dem sie einen kleines, aber unangenehmes Zwicken gezaubert hatte, das den Allerwertesten des Feindes scheinbar gut getroffen hatte. Das hatten ihr die Zwillinge beigebracht, wofür sie ihnen jetzt im Stillen dankte.

Doch Malfoy schien anzunehmen, dass Harry gezaubert hatte, denn er sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.

„Du Möchtegernheld!" spie er und Hermine war sofort klar, dass Malfoy neidisch auf Harrys Ruhm war.

Der Junge zückte den Zauberstab und Harry tat es ihm gleich. Doch Malfoy hatte schon einen Zauber gesprochen und Harrys Brillengläser waren grasgrün.

Nichts konnte Harry mehr sehen durch die Gläser und er zog sie schnell aus. Er hätte sich bestimmt nicht mehr im Griff gehabt, wenn sich nicht die Klassenzimmertür geöffnet hätte und Professor Snape erschienen wäre, um zu sehen, was da los war.

Harry steckte die Brille vorsichtig in die Tasche. Remus hatte sie ihm gekauft. Eine ganz neue Brille, die ihm gefiel und die er mit großer Sorge trug. Das würde der dumme Kerl bitter bereuen, schwor sich Harry.

Doch was sollte er nun tun? Ohne Brille sah er kaum etwas. Er würde einen Gegenspruch probieren müssen. Woher Malfoy diesen Zauberspruch konnte, wusste Harry nicht. In der Schule hatten sie den jedenfalls nicht gelernt.

S s s s

Der Stress, den Harry hatte, wegen Malfoy, stachelte seinen Ärger gegen den hellblonden Slytherin noch mehr an. Er musste alles, was an der Wandtafel stand von Ron abschreiben und dessen Schrift war alles andere als gut leserlich.

Außerdem konnte er Professor Snapes musternden Blick beinahe körperlich spüren. So unauffällig wie möglich schielte er zum Heft seines Freundes hinüber, in welches Ron mit seiner etwas zerzausten Feder kritzelte.

„Mister Potter, wieso tragen Sie Ihre Brille nicht? Ich nehme nicht an, dass eine Wunderheilung stattgefunden hat," hörte Harry plötzlich Snapes Stimme genau vor seinem Tisch.

Er sah zu dem Professor hinauf und wusste nicht, wie er antworten sollte. Eigentlich hätte er am liebsten gesagt, was dieser blöde Malfoy mit seiner teuren Brille gemacht hat. Andererseits wollte er nicht petzen. Er hatte gelernt, nicht zu petzen, auch wenn etwas noch so ungerecht war. Natürlich hatte es ihm früher bei Dudley nie Vorteile gebracht, wenn er die Wahrheit erzählt hatte. Im Gegenteil.

Harry hätte auch sehr gerne herausgefunden, wie Snape reagiert hätte. Klar hätte Snape sich im ersten Schuljahr über ihn lustig gemacht, den Zwischenfall einfach ignoriert, oder ihm aus irgend einem Grund noch Hauspunkte abgezogen. Aber auf keinen Fall hätte er Malfoy beschuldigt oder mit ihm geschimpft.

Wie er nun reagieren würde, wäre interessant heraus zu finden, denn es hatte sich in der Zwischenzeit wirklich vieles geändert.

„Wo ist Ihre Brille?" fragte Snape langsam und er hatte sich auf seinem Tisch abgestützt und sein Gesicht war Harrys ziemlich nahe.

Laura konnte sich kaum zurück halten, ihrem Dad sofort zu erzählen, was geschehen war, aber sie würde das Harry auf seine Weise tun lassen.

Mit roten Wangen kramte Harry die gefärbte Brille aus der Tasche und legte sie wortlos vor sich auf den Tisch. Seine Augen waren auf die Tischplatte gerichtet und er spürte plötzlich einen Kloß im Hals. Ob aus Wut auf Malfoy, oder aus Verzweiflung, dass seine Brille unbrauchbar war, oder weil der Wunsch, Malfoy dafür büßen zu lassen immer größer wurde, wusste er nicht.

Snape, der sich wieder aufgerichtet hatte, sah mit finsterem Blick auf die Brille, deren Gläser sehr grün waren, hinunter. „Wer hat das getan?" fragte er scharf.

Es war ihm absolut bewusst, dass das kein Unfall gewesen war, dem Gesichtsausdruck von Harry zu urteilen. Er wusste auch, wie sehr Harry sich über diese Brille gefreut hatte, denn er war dabei gewesen, als Remus sie ihm besorgt hatte.

Harry schluckte leer, sagte aber nichts. Nein, er würde nicht petzen, er würde sich selber rächen. Er biss sich auf die Zunge und Snape sah, mit vor der Brust gekreuzten Armen, auf ihn hinunter.

Der Junge erinnerte ihn sehr an seine Tochter. Laura war auch schon in dieser Situation gewesen, und er hatte auch schon nichts aus ihr heraus gebracht. Einerseits bewunderte er diese Stärke, andererseits hätte kein Slytherin wohl die Chance verspielt, einem Gryffindor eins auszuwischen und man hätte das auch als falschen Stolz einstufen können.

Er sah deutlich, wie unwohl Harry zumute war und er wollte ihn nicht weiter drängen.

„Sie bleiben nach dem Unterricht hier, Mister Potter," sagte er kurz und Harry nickte.

„Ja, Sir," sagte er leise und sah zu, wie der Lehrer seine Brille nahm und zu seinem Lehrertisch trug.

S s s s s s s s

Glücklich wartete Harry in Snapes Privaträumen, dass Remus ihn abholen würde. Er hatte die Genehmigung vom Schulleiter, dass er das Wochenende zu Hause verbringen dürfte. Remus hatte frei und er wollte mit Harry Kleider kaufen gehen.

Er saß am Tisch und sah Laura zu, wie sie mit Kohlestiften ein Bild malte. Sie konnte gut malen. Und er konnte zum Glück wieder gut sehen, da Professor Snape seine Brille gereinigt hatte mit einer speziellen Lösung.

Dass Harry Malfoys Schultasche in eine Schildkröte verwandelt hatte, hatte der Tränkelehrer wohl nicht mitbekommen. In Zauberei hatten sie gelernt, wie man Gegenstände in Tiere und Tiere in Gegenstände verwandelte. Natürlich waren solche Zauber nicht auf Dauer wirksam, aber immerhin hatte sich die Schildkrötenschultasche gemütlich aus dem Staub machen können, während des Pflanzenkundeunterrichts.

Malfoy hatte wohl gedacht, dass er seine Schultasche irgendwo verlegt hatte und hatte sie überall gesucht. Der Acciozauber hatte nicht gewirkt, da er nach der Schultasche verlangt hatte, aber die Schultasche war ja in dem Moment nicht wirklich eine Schultasche gewesen.

Harry und seine Freunde hatten sich sehr darüber amüsiert, obwohl Harry der Zauber nicht einwandfrei gelungen war und die Schildkröte noch einen Reißverschluss auf dem Rückenpanzer gehabt hatte.

Etwas dümmer war gewesen, dass es sich offenbar um eine Wasserschildkröte gehandelt hatte und sie in die nächste Pfütze geeilt war. Dadurch waren dann natürlich die Schulbücher nass geworden, als Malfoy die Tasche dann gegen Abend gefunden hatte. Halb zurückverwandelt war sie gewesen und er hatte gedroht, es seinem Vater zu melden und Harry müsse dann alle Schulbücher bezahlen.

Harry biss sich unbewusst auf die Lippen, während Laura ein paar gekonnte Striche zog, um den Kopf eines Drachen zu vervollständigen. Hoffentlich bekam er nicht tatsächlich noch Ärger wegen dem.

Aber er hatte sich gefreut, dass Snape ihn nicht ausgequetscht hatte, wegen der grünen Brille. Er war sogar überrascht gewesen, wie nett der sonst so strenge Mann mit ihm gewesen war, als er gestern nach dem Tränkeunterricht hatte da bleiben müssen.

„Dad, wie sieht man bei Drachen, ob sie männlich oder weiblich sind?" fragte Laura und drehte sich zu ihrem Vater um.

Snapes Augen huschten von seiner Tochter zum Kamin, in dem es knisterte und im nächsten Moment stand Remus freudestrahlend vor ihnen. Sofort stand Harry auf und ging zu dem Mann, um ihn zu umarmen. Das fand er nun mittlerweile nicht mehr peinlich, auch nicht vor Snape und Laura, da Laura auch immer ungeniert ihren Dad umarmte und sogar küsste.

„Hallo meine Lieben," grüßte Remus die Kinder. „Hallo Severus," fügte er hinzu, als Snape den Raum betrat. Laura drückte dem jungen Mann, den sie so lieb hatte, einen Kuss auf die Wange und Remus drückte sie kurz an sich.

„Wir sehen uns ja heute Abend dann," sagte Laura, denn ihr Dad hatte ihr erzählt, dass Remus und Harry am Abend zu ihnen nach Hause kommen würden und sie freute sich unglaublich.

S s s

Snape hatte sich aufs Sofa gesetzt mit einem Zaubertrankmagazin in der Hand und seinen Tee hatte er auf das Tischchen gestellt.

Bald würde er mit seiner Tochter zu seinem Haus flohen, aber zuvor wollte er sich noch ein wenig ausruhen von der anstrengenden Woche. Wer sich wohl an Harrys Brille vergriffen hatte, dass diese so grün war? Der Junge hatte ziemlich elend ausgesehen im Klassenzimmer, als er ihn nach dem Verbleib der Brille gefragt hatte. Und er war wirklich glücklich und dankbar gewesen, als er sie ihm dann gereinigt hatte. Immer weniger dachte er an den eitlen, selbstüberzeugten James Potter, wenn er den Jungen ansah. Selbst die äußerliche Ähnlichkeit war nicht mehr so groß, fand Snape. Vielleicht war sie groß, aber die Mimik und das ganze Verhalten war so anders.

Die leuchtenden Augen, mit denen Harry ihn angesehen hatte, als seine Brille wieder heil war und wie er sich bedankt hatte! Nein, überhaupt nicht wie James. Und vielleicht hatte es trotz all des Unglücks doch etwas Gutes, dass das Kind fern von allem Ruhm und fern der Zaubererwelt aufgewachsen war. Niemals hätte er es für möglich gehalten, dass er das Kind des Erzfeindes jemals auch nur ansatzweise mögen würde. Das wäre wohl auch nie der Fall gewesen, wenn er durch Laura nicht den wahren Harry Potter kennen gelernt hätte.

Er wollte die Hand ausstrecken, um einen Schluck Tee zu nehmen, da hatte er schon seine Tochter auf dem Schoß. Er sah sie mit etwas erhobener Augenbraue an und sie umarmte ihn und grub ihr Gesicht in seine Kleidung. Sie liebte den Geruch ihres Dads.

Mit tiefem Seufzer machte sie es sich bequem. Nun hatte sie ihren Vater für sich! Das hatte sie zwar gestern Abend auch gehabt, aber er hatte sie geschimpft, weil sie sich wiedereinmal zu wenig angestrengt hatte, bei den Okklumentikübungen. Harry hatte mehr geübt unter der Woche und der ganze Unmut des Mannes hatte ihr gegolten.

Eigentlich waren die Extrastunden, die sie bei ihrem Dad hatten, meistens spannend, fand Laura, aber dieses Okklumentikzeug war ihr einfach zu langweilig und sie musste meistens kichern, weil sie genau wusste, dass sie das nicht tun sollte. Sie konnte es sich nicht erklären, wieso sie dann erst recht den Drang dazu hatte.

Gestern Abend hatte sie ihn damit wohl ziemlich genervt und sie hatte ziemliches Glück gehabt, dass sie nach der frechen Bemerkung, die sie dann noch gemacht hatte nicht noch eine Strafe kassiert hatte.

Nachdem Harry dann zurück im Gryffindorturm gewesen war, hatten sie noch ein Spiel gespielt, aber ihr Dad war ziemlich ernst und sauer gewesen und ihr war klar gewesen, dass er wohl nicht in der Stimmung zum Kuscheln gewesen war.

„Dad, willst du Amélie heiraten?" fragte sie auf einmal und rieb den Stoff seines Ärmels zwischen ihren Fingern.

Snape sah zu ihr hinunter um in ihr Gesicht sehen zu können. Er strich ihr eine Strähne schwarzen Haares aus dem Gesicht und sie hob ihren Blick.

„Heute und morgen nicht, Laura," antwortete er. An heiraten hatte er bis jetzt überhaupt noch nicht gedacht und es würde wohl auch keine Vorteile bringen, dachte er.

„Dad, ich weiß gar nicht, ob Josephine überhaupt ein Mädchen ist," überlegte Laura laut.

Na, das Thema Hochzeit schien ja brennend gewesen zu sein, dachte Snape, wenn sie es so schnell wieder fallen ließ.

„Dem Namen nach zu schließen schon," antwortete er unbeeindruckt über den Themawechsel. „Mir ist außerdem keine Josephine bekannt," fügte er hinzu, da er wirklich nicht wusste, wen seine Tochter damit meinte. Keine Schülerin von Hogwarts hieß so. "Wer ist das?"

„Na, meine Schildkröte natürlich," sagte Laura selbstverständlich.

Was spielt das schon für eine Rolle, dachte Snape. Solange Laura nur eine Schildkröte hatte! "Frag doch Remus, der kennt sich mit sowas aus. Ebenfalls mit der Frage, wegen der Drachen. Ich weiß nur, dass es ziemlich schwierig ist, das Geschlecht von Drachen zu bestimmen, da sie einen ja nicht gerade freiwillig nachsehen lassen."

„Vielleicht möchte sie einen Mann-Schildkröte," bemerkte Laura und sah ihren Vater fragend an. "Die möchte ja vielleicht junge Babyschildkrötchen machen. Falls sie eine sie ist."

Ich möchte aber keine jungen Babyschildkrötchen haben, Laura," sagte er bestimmt. „Es kann sich nicht alles vermehren, du hast genügend Tiere."

„Freust du dich, wenn ich mal Babys habe?" fragte sie gleich weiter und Snape sah Laura forschend an. Was für einen Zusammenhang das Kind da wieder sah, wusste er nicht und auch nicht, was für Gedankensprünge sie immer machte. Sie machte sich doch hoffentlich nicht schon Gedanken über solche Dinge!

„Heute und Morgen würde ich mich eher weniger freuen," antwortete er trocken und hoffte, dass damit das Babythema erledigt war.

Laura stand auf und drückte ihrem Dad dann einen dicken Schmatzer auf den Mund, bevor er sich versehen konnte. Sie war sich nicht sicher, ob er das mochte, aber genau deshalb machte es auch Spaß, ihm solche zu verabreichen. Er konnte sie ja schlecht fürs Küssen bestrafen. Solange es ihr eigener Vater war, den sie küsste, dachte sie verschmitzt. Das würde ja lustig werden, wenn sie erst mal was mit einem Jungen hätte.

Eigentlich hätte sie ziemlich große Lust gehabt, das mal auszuprobieren. Nur so zum Spaß. Aber dazu würde sie sich nicht überwinden können und es wäre demjenigen gegenüber wohl auch nicht so fair.

„Du räumst bitte noch dein Zimmer auf, bevor wir gehen," sagte Snape und nahm endlich einen Schluck seines Tees, der nun nur noch lauwarm war. Seine Tochter hatte ein riesiges Durcheinander auf ihrem Schreibtisch und einige Papierfetzen und Farbstifte am Boden.

Laura rümpfte die Nase und erwiderte: "Och, ich habe aber Heute und Morgen keine Lust!"

Automatisch hob sich eine von Snapes Augenbrauen, als er die Nachahmung seines Ausdruckes von vorhin bemerkte.

„Morgen steht hier nicht zur Debatte, junge Dame. Heute! Oder anders ausgedrückt 'jetzt gleich'!" betonte er, worauf sie wütend die Luft ausstieß.

Doch sie drehte sich schließlich trotzdem um und zottelte in ihr Zimmer. Hatte ja doch keinen Wert, seine Meinung ändern zu wollen! Ihr Dad war sturer als der sturste aller sturen Böcke! Zum Glück konnte er keine Gedanken lesen! dachte sie mit einem Grinsen auf den Lippen.

s s s s s s s s s s s s

Ein sumpfiges Schmatzen unter Lauras Füßen verriet ihr, dass sie in eine Matschpfütze getreten war. Ihre Augen glitten an der rauhen Felswand entlang nach oben, wo ein Rinnsal Wasser irgendwo aus einer Ritze drang und den Stein hinunter auf den Boden rann. Das war scheinbar schon seit längerem der Fall, denn das Wasser hatte eine Kalkspur hinterlassen.

Der erste Teil des Ganges war eher in die Erde gegraben gewesen, während hier nun alles Fels war.

Sie schloss näher zu ihrem Dad auf. Das war sehr aufregend, aber auch unheimlich, fand sie.

Diese Stille.

Und es war ziemlich kühl hier. Nun war sie froh, dass sie auf ihren Vater gehört und einen Pullover angezogen hatte. Sie hatte gebettelt, mit ihrem Dad hier hinunter gehen zu dürfen. Amélie war auch mitgegangen, aber die wartete im Steinkreis, vor dem Eingang in den unterirdischen Gang, für den Fall, dass irgend etwas passieren sollte. Am Morgen, kurz nachdem Remus Harry abgeholt hatte, hatten sie Hogwarts verlassen, um das Wochenende hier in ihrem Zuhause zu verbringen. Mit Amélie.

Ihr Dad hatte ihr am Morgen früh erzählt, dass sie den Geheimgang von der anderen Seite her untersuchen würden. Harry und Remus würden dann später kommen um mit ihnen zu Abend zu essen.

Es kam äußerst selten vor, dass ihr Dad während des Schuljahres die Schule verließ, da er ja Hauslehrer war und immer alles unter Kontrolle haben wollte. Harry hatte sich super gefreut, dass auch er das Wochenende mit Remus verbringen durfte, denn es kam auch nicht häufig vor, dass Schüler während des Schuljahres ein Wochenende außerhalb von Hogwarts verbrachten.

Aber der Schulleiter hatte wohl gedacht, dass es Harry gut tun würde, nach den etwas struben Zeiten.

Lauras Finger berührten das Wasser, dass den Fels hinunter rann. Es war hier etwas eng und feucht.

Die Erinnerung, als sie vor ein paar Monaten in den engen Gang gekrochen war, um Jimmy zu retten, stieg in ihr hoch. Diese Panik und Platzangst, die sie dort empfunden hatte, war ihr noch in den Knochen und sie musste sich auf ihren Dad konzentrieren, damit diese nicht wieder Besitz von ihr ergriff.

Und wenn sie jetzt daran dachte, dass damals der Basilisk irgendwo in den Lüftungsrohren unterwegs gewesen war...

Natürlich war es hier nicht so eng zum Glück, aber sehr viel Platz hatte man nicht. Ihr Vater musste immer wieder geduckt gehen.

Laura war froh, dass der Gang etwas breiter und höher wurde.

Wer diesen Geheimgang wohl gebaut hatte? fragte sich Laura. Bestimmt hatte ihn seit vielen Jahren niemand mehr betreten. Jedenfalls nicht, seit die Echse hier gehaust hatte.

„Dad?" fragte Laura, die sich nun wirklich nicht mehr so mutig fühlte, wie sie am Anfang geblufft hatte. Ihre Stimme wurde irgendwie fast verschluckt von dem Stein rund um sie. Oder meinte sie das nur? „Es ist ein wenig unheimlich, hier."

Snape blieb stehen und sah sich nach ihr um. „Willst du umkehren?" fragte er knapp. Das Mädchen, das mit riesigen Augen hinter ihm stand, schüttelte etwas zögerlich den Kopf.

„Dad, wohin der Gang wohl führt?" sie schluckte leer. „Kann der nicht einstürzen?"

Snape drehte sich nun ganz zu ihr um und sah sie ernst und auch ein wenig streng an. „Wenn du umkehren willst, dann sag es jetzt, Laura!" forderte er und Laura biss sich auf die Lippen.

„Nein, Dad," hauchte sie und ihr Vater sah sie noch einen Moment an und nickte dann kurz, bevor er sich umdrehte und seinen Weg fortsetzte.

„Dieser Teil hier ist in den Fels gehauen und deshalb nicht so einsturzgefährdet," sagte er dann aber noch und seine Worte klangen unheimlich, fand Laura.

So gingen sie schweigend ein paar Meter weiter und Laura merkte, dass sie trotz der kühlen Temperaturen hier unten, zu schwitzen begann. Ob hier genügend Sauerstoff war? fragte sie sich tief atmend.

Nun konnte Snape gut aufrecht gehen und der Gang war auch etwas breiter.

Erschrocken drehte er sich um, den Zauberstab gezückt, als Laura hinter ihm kurz aufschrie. Mit den Armen schlug sie um sich. Sofort erkannte Snape, dass sie einen Ocapu vertreiben wollte, der um sie herum flatterte und sie erschreckt hatte. Im Licht der Zauberstabes sah er die schönen Regenbogenfarben an den Flügeln des Flatterichs.

Flink zielte er mit dem Zauberstab auf das Tier und ein kurzer, kräftiger Windstoß stieß daraus hervor und wehte das Tier davon. Mit zerzaustem Haar, dankte Laura ihrem Vater verlegen.

„Da!" sagte sie plötzlich und zeigte mit dem Finger den dunklen Gang entlang. Snape sah sich um und sah ein paar Meter weiter vorne eine Tür. Interessiert, aber auch vorsichtig, trat er darauf zu.

Der Rahmen der eichernen, schweren Tür war nicht optimal in den Felsen eingepasst und wies an einigen Stellen Lücken auf, was scheinbar niemanden gestört hatte.

Snape deutete Laura mit der Hand Abstand zu halten. „Warte!" sagte er deutlich.

Mit dem Zauberstab maß er, ob er Magie feststellen konnte, hinter der Tür oder an der Tür. Sie war ganz klar magisch verschlossen, stellte er fest. Allerdings war auch ein schweres schmiedeisernes Schloss daran eingebracht, was darauf hinwies, dass diejenigen, die diese Tür hier hinein gebaut hatten, diese mit einem Schlüssel abschlossen.

Dahinter war sehr schwache und wie es schien eher ungefährliche Magie messbar. Wenn sie gefährlich gewesen wäre, wäre sie auf jeden Fall stärker gewesen, selbst, wenn sie alt und nicht mehr so stark wirksam gewesen wäre.

„Alohomora!" sagte Snape leise, aber nichts tat sich. Er versuchte es nochmals und zielte genau auf das schmiedeiserne Schloss.

Nichts.

„Patesco!" sagte er und diesmal war ein leises Klicken zu hören.

Mit gespanntem Gesicht trat Laura schnell auf die Tür zu, wurde aber von Snapes strengem Blick gestoppt, als sie dem begegnete.

„Laura!" warnte er nur.

Diese trat einen Schritt zurück, mit schuldbewusstem Blick. Sie hatte ihrem Vater versprechen müssen, dass sie ihm aufs Wort gehorchen würde und nichts anfassen würde ohne seine Erlaubnis, wenn er sie mitnahm in den Gang.

Snape nickte und drückte die Tür mit der Hand auf. Laura reckte gespannt den Hals. Sie war so aufgeregt und wollte unbedingt wissen, was hinter der Tür war. Vielleicht ein Schatz? Das Meer war ja nicht weit, vielleicht hatten hier ja einst Seeräuber gehaust.

S s s s s s

Amélie, die oben Wache stand, wurde immer ungeduldiger. Zu gerne wäre sie mitgegangen, in den unterirdischen Gang, der unter einem der Steine zum Vorschein gekommen war. Es war erstaunlich einfach gewesen, den Stein davon zu überzeugen, den Eingang frei zu geben. Nur zwei verschiedene Zaubersprüche und der riesige Stein hatte sich kratzend zur Seite geschoben. Wahrscheinlich hatten sie diesen Eingang nicht mehr gesichert gehabt, da Rachel ja auf den Steinkreis einen Schutzzauber gelegt hatte und weil die Echse ja für Jahrhunderte hätte wachen sollen.

Amélie kniete sich hin und machte einen Lumosmaxima-Zauber, um wenigstens den Anfang des Ganges sehen zu können. Eine steile Steintreppe führte hinunter in die feuchte Dunkelheit, und Amélies Sicht endete dort, wo die Treppe eine Wende machte.

Eine Feuerwanze krabbelte über ihren Finger. Die junge Frau hatte gerade heute mit Laura über diese Käferchen gesprochen. Sie musste lächeln, als sie daran dachte, wie Laura von den rotschwarzen Krabbeltieren geschwärmt hatte. Alles was da krabbelt und kriecht, schien das Mädchen zu interessieren.

Sie fragte sich, wie lange es noch gehen würde, bis etwas ganz anderes die Tochter ihres Tränkemeisters interessieren würde.

Als sie Laura eingekleidet hatte, vor ihrer Party der Weasley-Zwillinge, hatte sie das erste Mal bemerkt, dass das Mädchen sich gefiel mit etwas spezielleren Kleidern, die sonst niemand hatte und dass es ihr Spaß machte, sich ein wenig hübsch zu machen.

Erst hatte sich ihr Interesse und auch die Begeisterung in Grenzen gehalten, als Amélie den Vorschlag gemacht hatte, ihr etwas Passendes zu kreieren. Sie hatte das Mädchen in ihren Laden mitgenommen und Laura hatte sich aussuchen können, was in etwa ihr gefiel. Sie hatte sich da mehr für die Nähmaschinen interessiert, die von selbst genäht hatten und für den Schaukelstuhl, den sie ziemlich heftig hatte schaukeln lassen.

Amélie richtete sich auf und ging zu dem Ort hinüber, wo Margarida begraben lag. Laura hatte wieder eine Blume gepflanzt und ein paar schöne Steine um den Grabstein gelegt, der eigentlich nur ein größerer Stein mit den Initialen des darunter begrabenen Kindes trug.

S s s s s s

Der kleine Raum, der sich hinter der Holztür verbarg, erinnerte Laura allerdings eher an einen Bunker als an eine Seeräuberhöhle. Der Raum mass etwa vier auf vier Meter und die Wände waren aus Stein.

Es war der seltsamste Anblick, den Laura sich vorstellen konnte. Das hätte sie hier ganz sicher nicht erwartet.

In dem kargen, düsteren Raum, stand ein einfacher alter Tisch. Zwei Fackelhalter waren in der Wand angebracht und auf dem Tisch und auf einer alten Truhe, die in einer Ecke stand, waren verschiedene Dinge, die man eher in einem Kinderzimmer finden würde, aufgestellt. Auch zwei Kerzen lagen auf dem Tisch, aber kein Kerzenständer.

Eine Puppe, ganz ähnlich der, die Laura auf dem Dachboden gefunden hatte, starrte sie mit ihren leeren Puppenaugen an. Vergessen von den Kindern, die einst mit ihr gespielt hatten. Ein trauriger und rührender Anblick, fand Laura. Die Sachen sahen so fehl am Platz aus hier drinnen.

Ein alter, angelaufener Spiegel stand auf der Truhe und ein kleines Holzpferd und zwei dazugehörende Holzmenschen standen auf dem Tisch. Eine altmodische, schwere Haarbürste und eine kleine Holzkiste mit einem Schloss daran, standen daneben.

Laura sah ihren Vater fragend an. Auch den schien dieser Anblick zu befremden.

Mit ein paar Schritten war Laura bei dem Tisch und wollte sich eben das geschnitzte Pferd nehmen, als sie am Handgelenk gepackt wurde.

Erschrocken drehte sie sich um und sah in die schwarzen Augen ihres Vaters, die ärgerlich blitzten.

„Nein, Laura!" sagte er streng. „Fass nichts an!" Seine Stimme klang ein wenig hallend, in diesem Raum.

Laura stieß etwas genervt die Luft aus und versuchte ihr Handgelenk aus dem Griff ihres Vaters zu befreien. „Ach, Dad, lass mich los! Wer sollte denn da etwas verzaubert haben?" fragte sie ungeduldig und mit ziemlich verärgerter Stimme.

„Wem gehört das Zeug?" fragte sie gleich weiter und sah sich neugierig um „Das sieht irgendwie unheimlich aus, hier drin. Und es klingt auch so unheimlich." Vor Spannung sah sie nicht, wie unerfreut ihr Dad über ihre freche Bemerkung von vorhin war.

„Wem das alles gehört oder gehörte, werden wir hoffentlich heraus finden. Und wenn du deine Ungeduld und deine Frechheit nicht zügeln kannst, wirst du auch gleich noch heraus finden, wie unheimlich es hier drin klingt, wenn man eins auf den Hintern bekommt!" warnte er.

Laura sah erschrocken über den scharfen Rüffel zu ihrem Dad auf. Sofort sah sie, dass er es ernst meinte und entschuldigte sich vorsichtshalber.

„Dad, ist in dieser Kiste vielleicht ein Schatz?" fragte sie, nun viel vorsichtiger und deutete auf die Holzkiste. Dabei passte sie auf, dass ihre Hand so weit wie möglich von der Kiste weg war.

Snape konnte ein kleines Lächeln nicht verbergen und deutete mit dem Zauberstab darauf. Die Kiste fing sofort an, sanft rot zu leuchten, dann verschwand das fade Licht wieder.

„Es ist etwas schwach Magisches drin. Ich werde sie öffnen," sagte er und Laura konnte kaum still stehen vor Aufregung.

S s s

Mit einem lauten 'Klong' fiel die Tür ins Schloss. Laura erschrak so sehr, dass sie einen Satz in die Luft nahm.

Snapes Augen verengten sich und er richtete seinen Zauberstab auf die Tür. Sofort erkannte er, dass niemand in der Nähe war. Das konnte er mit seinem Zauberstab messen. Und auch keine Magie war messbar. Das war seltsam!

Windig war es auch nicht und er schritt auf die Tür zu. Mit einer raschen Bewegung öffnete er die Tür und Laura war sehr froh, dass sie sich überhaupt öffnen ließ. Sie hatte befürchtet, dass sie nun hier eingesperrt waren. Dass sich ihr Dad ein paar Meter von ihr entfernt hatte, gefiel ihr nicht und schnell trat sie nahe neben ihn. Das war unheimlich!

Doch plötzlich fühlte sie etwas. Kalt lief es ihr den Rücken hinunter. Sie war sich absolut sicher, dass sie noch nie so ein Gefühl gehabt hatte. Sie sah sich um.

„Dad," sagte sie und klammerte sich an ihren Arm. „Dad, da ist jemand!" sagte sie leise, aber ängstlich.

Snape sah sich um, sah aber niemanden. Den Zauberstab hatte er fest in seiner Hand und mit der anderen schob er seine Tochter automatisch etwas hinter sich.

„Laura!" sagte er streng, aber er spürte, wie Laura zitterte. „Wo ist jemand?" wollte er wissen.

Das Mädchen drückte sich fest an ihren Vater. „Ich weiß es nicht, aber es ist jemand da!" behauptete sie im Flüsterton. Sie spürte es. Jemand war da. Und er oder sie war ärgerlich.

„Ich will hier weg!" bettelte sie und zu ihrem Erstaunen schimpfte ihr Dad nicht, sondern nickte.

Er nahm die Schachtel, die auf dem Tisch stand, und die er mit seinen Zaubersprüchen nicht hatte öffnen können.

Als er sich umdrehte, knallte die Tür erneut energisch zu. Nun war es auch ihm, als wären sie nicht alleine hier.

Nochmals hob er den Zauberstab und überprüfte, ob wirklich kein Mensch oder sonst ein intelligentes Wesen in der Nähe war. Wieder war niemand im näheren Umkreis. Das war seltsam!

Er öffnete die Tür und schloss sie hinter sich. Er nahm Laura, die an seinem Arm geklammert war an die Hand und ging den Gang zurück, aus dem sie gekommen waren.

S s s s s s

Harry genoss es, mit Remus durch die Winkelgasse zu schlendern. Es war angenehm warm und sie bestaunten die Schaufenster. Nie hatte sich ein Erwachsener extra für ihn Zeit genommen. Natürlich schon gar nicht zum einkaufen für ihn.

Es war ihm etwas unangenehm, dass Remus für ihn Geld ausgeben wollte. Er wusste, dass er selbst wohl viel Geld in Gringotts hatte. Wieso wollte dann Remus unbedingt die Kleider bezahlen? Er war ja nicht Remus' Kind. Remus hatte gesagt, dass er das Geld schon noch brauchen würde und hatte sich nicht davon überzeugen lassen, dass er selbst für seine Sachen bezahlen würde.

„Wow, sieh mal der Besen da!" sagte Harry und deutete auf einen schneidigen Besen in einem Schaufenster.

Remus trat neben ihn und Harry sah ihn in der Reflektion des Schaufensters nicken. „Der ist toll, nicht wahr?" stimmte er dem Jungen zu. „Aber dein Besen ist auch sehr toll."

„Ja!" antwortete Harry und sah zu Remus auf. „Ich liebe es zu fliegen. Da fühle ich mich so frei... und das ist etwas, das ich wirklich gut kann," fügte er etwas leiser hinzu.

Remus sah lächelnd zu ihm hinunter, dabei fiel ihm eine hellbraune Haarsträhne ins Gesicht. Er fuhr Harry mit der Hand über den Kopf. "Du kannst vieles gut," sagte er. Harry zuckte mit den Schultern. Er war nicht besonders gut in der Schule und was sollte er sonst schon gut können?

Erstaunlicherweise waren nicht viele Menschen auf der Straße und Harry sah sich kurz um. „Remus, ich... ich bin froh, dass du so eine Art Vormund bist für mich," sagte er. Wenn er daran dachte, dass er zu den Dursleys musste für eine Woche, sobald die Sommerferien begannen, wurde ihm halb schlecht. Aber wenn er sich vorstellte, danach nicht zu Remus gehen zu können oder gar die ganzen Ferien dort verbringen zu müssen, wäre das noch viel schlimmer.

Remus war über die ehrlichen Worte erstaunt. Sehr freudig erstaunt, denn Harry sprach selten über seine Gefühle. Remus vermutete, dass das bis vor Harrys Zeit in Hogwarts wahrscheinlich nie jemanden wirklich interessiert hatte.

Der Junge sprach vielleicht mit den Freunden hin und wieder, wie er sich fühlte, aber mit jemandem Erwachsenen so offen zu sprechen, war wohl eher ungewohnt.

Er nickte. "Das bin ich auch, Harry," sagte er ehrlich.

Harry musterte ihn und fragte: "Auch wenn ich so anstrengend bin und mich immer in Schwierigkeiten bringe?"

Remus lachte laut. „Ja, auch wenn du nicht immer zahm bist." Er beugte sich etwas zu Harry hinunter und sagte etwas leiser: "Weisst du, meine Freunde und ich waren auch nicht gerade dass, was man brave Musterschüler nennt."

Harry lächelte. „Ja, das denke ich," sagte er und erinnerte sich an die vielen Geschichten, die Remus über seinen Dad und die Rumtreiber erzählt hatte.

„Mhm... hoffentlich bist du immer mein Vormund," sagte er leise und scharrte mit dem Fuß ein paar Kieselsteine beiseite. Es wäre schrecklich für ihn, wenn Remus sich plötzlich entschließen würde, die Vormundsache aufzugeben. Harry hatte sich nie so wohl gefühlt, wie in den letzten Monaten, in denen Remus sich um ihn gekümmert hatte.

Remus hatte das Zimmer, in dem er schlief, extra für ihn hergerichtet und nun hatte er sogar einen eigenen Schrank, was Harry gezeigt hatte, dass Remus es ernst zu meinen schien.

Aber im Hinterkopf war trotzdem immer diese Angst, dass das alles plötzlich vorbei sein könnte.

„Harry," sagte Remus ernst und legte seine Hände auf Harrys Schultern. Seine Augen blickten ihn an und Harry sah etwas wie Trauer in ihnen. „Glaube mir, ich würde sehr gerne dein offizieller Vormund werden, ich würde dich sogar adoptieren, aber ich habe keine Chance, dass das Zaubereiministerium das erlauben würde. Aber ich werde auch so immer für dich da sein. Das ist ein Versprechen."

Harry sah ihm mit großen grünen Augen an und nickte nach einem Moment. Das bedeutete ihm wirklich viel.

„Möchtest du mal eigene Kinder?" fragte Harry leise, worauf Remus sich wieder aufrichtete und ihn anlächelte.

„Da bräuchte ich wohl erst eine Frau, nicht wahr?" sagte er. „Im Moment ist mir aber eher nach einem Eis," meinte er und ging mit Harry, der breit grinste, Richtung Fortescues Eisdiele.

„Wuoahh, sieh mal!" sagte Harry plötzlich und zeigte auf einen jungen, blonden Mann, der auf der Strasse mit Feuer tanzte. Ja, er tanzte tatsächlich! Das Feuer, das von einer Fackel stammte, schlängelte um ihn herum und Harry blieb staunend stehen.

Der junge Mann lächelte ihn an, während er die brennende Fackel in die Luft warf und sie dann mit einer Leichtigkeit wieder auffing, die nicht nur den Jungen zu beeindrucken schien. Ein älteres Ehepaar war auch stehen geblieben und eine Frau mit zwei kleinen Kindern.

Ein alter Schlapphut lag am Boden vor dem Feuertänzer und Remus kramte etwas Geld hervor, um es in den Hut zu werfen.

TBC...