Vielen Dank für all die tollen Reviews! Scientific ida danke ich fürs schnelle Korrigieren!
Phoebe und tinschchen: auch euch ganz lieben Dank für eure tollen Reviews, haben mich sehr gefreut! Liebe Grüsse,und viel Spass allen beim nächsten Kapi, SAlly
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Severus war sich bewusst, dass Laura ihren besten Freunden sowieso alles im kleinsten Detail erzählen würde. Deshalb hatte er schlussendlich auch keine Einwände, dass Harry auch dabei war, bei dem, was sie jetzt vorhatten.
Er hatte die Kiste nicht alleine öffnen können im unterirdischen Raum und Remus war spezialisiert auf solche Dinge. Nichts sollte Schaden nehmen, das sich in der Schachtel befand und sie wollten sorgfältig vorgehen.
Amélie konnte, genau wie die Kinder, ihre Neugierde kaum im Zaum halten und sah gespannt zu, wie die beiden Männer die Zauberstäbe auf das Schloss richteten.
Den dritten Anlauf hatten sie schon genommen und wieder geschah nichts.
„Hmm..." überlegte Remus ruhig. Laura und Harry sahen ihn so gespannt an, dass Amélie lachen musste.
„Spanisch," sagte er. „Kannst du spanisch?" fragte er, an Severus gerichtet. Auch Amélie gab er einen fragenden Blick, aber sie schüttelte den Kopf.
Remus schwenkte den Zauberstab und in der Luft hing das Wort 'abrirse'.
„Abrirse!" sagte Remus und richtete den Zauberstab auf das Schloss. „Komm, zusammen!" sagte er leise zu Snape.
Doch kein Klicken des Schlosses war zu hören. Laura atmete hörbar und etwas ungeduldig aus. Auch Amélie wollte nun unbedingt wissen, was für einen Schatz diese Kiste barg. Schon am Nachmittag hatte sie ihre Neugierde kaum bändigen können, als Severus und Laura im Gang verschwunden waren und sie selbst hatte Wache stehen müssen, falls etwas passiert wäre.
„Och Mann!" sagte Laura und trommelte mit den Fingerspitzen nervös auf den Tisch. Snapes Augen huschten sofort warnend zu ihr hinüber. Es nervte ihn, wenn sie sich so ungeduldig benahm. Schließlich war sie schon zwölf!
Allerdings benahm sich seine Herzallerliebste so ziemlich ähnlich, dachte er und seltsamerweise amüsierte ihn das etwas.
„Wahrscheinlich sprechen wir das falsch aus," vermutete Remus.
Laura biss sich vor Ungeduld auf die Innenseite der Wange. „Wen könnten wir fragen?" sagte sie und dachte dabei natürlich an Fabrizzio.
„Meine Mum kann ein wenig Spanisch," meldete sich Amélie. „Ich könnte sie kurz fragen gehen."
Snape nickte und Laura dachte, dass das Zeitverschwendung war. Sie sollten doch einfach einen 'bombarda'-Zauber anwenden. Sie wollte jetzt endlich wissen, was das dadrin war. Jetzt und nicht erst in ein paar Stunden oder Tagen oder Jahren...
Aber ihr Dad hatte gesagt, dass da etwas leicht Magisches drin war und dass man sanft vorgehen musste.
Die Kinder ließen sich missmutig auf das Sofa plumpsen, als Amélie weg appariert war. Das konnte ja wirklich Stunden dauern! dachten sie enttäuscht.
Doch Amélie tauchte schon nach wenigen Minuten wieder auf.
In diesen wenigen Minuten waren die Kinder, oder zumindest Laura, zweimal geschimpft worden, da sie vor lauter angestauter Energie angefangen hatten, sich spielerisch zu raufen und dann noch, weil Laura einen nicht sehr schönen Ausdruck verwendet hatte.
Auch die Nerven der Erwachsenen waren etwas angespannt, vielleicht steckten die Kinder sie an.
„Ich weiß, wie man es ausspricht!" sagte Amélie zufrieden und etwas überdreht und sie sagte es den Männern zweimal vor.
„Abrirse!" versuchten es die Männer nochmals. Wieder vergebens. Vielleicht war es wieder der falsche Spruch. Die Kinder zappelten unruhig umher und Amélie zückte ihren Zauberstab. Das war ja zum Mäusemelken, dachte sie. Entschieden trat sie etwas näher.
„Abrirse!" sagte nun Amélie, ihren Zauberstab auf das Schloss gerichtet und siehe da - Mit einem leisen Klicken öffnete sich das Schloss.
Die Männer sahen sie erstaunt an. Sie wussten nicht, ob es an der Aussprache gelegen hatte, oder an der Tatsache, dass Amélie eine Frau war.
Aber egal. Sie öffneten die Kiste und die Kinder hatten natürlich ihre Nasen zuvorderst.
'Klatsch!' machte es, als Snape seiner Tochter eins auf die Finger haute. Diese hatte ohne zu überlegen in die Kiste fassen wollen.
Sie biss sich verlegen auf die Lippen und rieb sich die Hand. Klar hatte ihr Vater sie mehrmals gewarnt, nicht einfach etwas anzufassen.
Das war schon ziemlich peinlich für Laura, wie ein Kleinkind eines auf die Finger zu bekommen. Vor Harrys Augen.
Aber der Inhalt der Kiste lenkte sie sofort wieder von ihrer Schmach ab.
Snape lies ein altes, gerahmtes Foto heraus schweben. Darauf war ein kleines Mädchen zu sehen, das auf einem Stuhl hin und her rutschte und in die Kamera starrte. Sie war sehr süß. Etwa fünf Jahre alt. Ihre Gesichtszüge waren ebenmäßig und ihre Augen mit den langen Wimpern waren groß und dunkel. Sie hatte schön geschwungene Augenbrauen und leicht gelocktes Haar, Lauras sehr ähnlich.
„Das ist Margarida," sagte Laura ohne die Augen von dem Mädchen zu nehmen. Sie wusste das, da sie das Kind in ihren Träumen und auch in der Kammer, halb durchsichtig, gesehen hatte. Da war ihr Haar zwar eher glatt gewesen, aber kleinere Kinder hatten häufig Locken, die sich dann heraus wuchsen.
Alle starrten das Kind im Foto an. Severus vermutete, dass die Magie, die er gemessen hatte, von diesem magischen Bild stammte, denn sonst war nichts in der Kiste, das ihm magisch erschien. Er richtete den Zauberstab nochmals auf den Inhalt der Kiste und seine Vermutung bestätigte sich. Nichts anderes war magisch.
Eine schwarze Haarlocke, die oben mit einer Schnur zusammen gebunden war, wurde als nächstes aus der Holzschachtel geholt.
„Wahrscheinlich von ihr!" meinte Amélie und strich mit der Hand sanft über das glänzende Haar. Dann kitzelte sie Lauras Nase mit der Haarsträhne und Lauras Nase kräuselte sich automatisch.
Ein paar Briefe ohne Umschlag waren noch in der Kiste aufgestapelt und eine goldene Halskette mit einem Kreuz. Bevor Severus sie hinaus nahm, überprüfte er sie auf irgendwelche Flüche oder Energien.
„Scheint mir, als habe sich da jemand ein paar Erinnerungen an Margarida Marconas aufgehoben," sagte Snape leise.
Als er Amélie von dem unterirdischen Raum erzählt hatte, hatte sie sofort befürchtet, dass dort unten jemand gelebt hatte, oder eingesperrt gewesen sei. Aber Severus war sich ganz sicher, dass das nicht der Fall gewesen war. Für ihn war das so eine Art Tempel, in dem die 'heiligen' Andenken an Margarida aufbewahrt worden waren.
„Wer wohl?" fragte Laura. Natürlich war es entweder Edna gewesen oder Rachel. Aber Laura vermutetet Rachel, da es Edna ja wohl nicht gelungen war, an der Echse vorbei zu kommen. Sonst hätte sie ja auch Margaridas Grab besuchen können.
„Rachel," bestätigte auch Snape Lauras Verdacht.
„Das ist traurig," meinte Amélie nachdenklich und Remus nickte. Harry sah ihn an und schaute dann wieder auf die Gegenstände, die sie gefunden hatten. Das war eine seltsame Geschichte, fand er.
„Was war eigentlich in der großen Kiste, die auf dem Boden stand?" fragte Harry plötzlich. Laura hatte ihm natürlich alles genau erzählt.
Laura gab ihrem Dad einen kurzen Blick und erzählte dann, dass eine Bettdecke und ein paar Kleider drin gewesen seien. Wahrscheinlich hatten sie Margarida gehört.
Snape sah sich die Briefe an. Sie waren auf Spanisch geschrieben und die Schrift war recht schwierig zu entziffern.
Die würde er sich dann am Abend genau ansehen.
„Darf ich das anfassen?" fragte Laura vorsichtshalber, bevor sie das gerahmte Foto von Margarida aufhob.
Ihr Vater nickte und während sich die Erwachsenen unterhielten, sah Laura nachdenklich auf das Foto.
„Bestimmt hat sie das Foto geküsst," sagte Laura plötzlich.
Harry sah sie etwas fragend an. „Wer? Meinst du ihre Mutter?" Er fand die Geschichte auch traurig. Er selbst sah sich die Fotos seiner Eltern fast täglich an und hatte sie schon viele Male geküsst.
Etwa ähnlich musste es auch der Mutter von Margarida gegangen sein. Er konnte sich ihren Schmerz nicht vorstellen. Er selbst konnte sich an seine Eltern nicht erinnern. Er hatte sich trotzdem immer nach ihnen gesehnt. Aber wie musste es erst sein, wenn man jemanden liebt und ihn dann verliert?
Laura nickte und gemeinsam betrachteten sie das Bild des sehr lebendigen Mädchens mit den schwarzen, fröhlichen Augen.
„Irgendwie ähnelst du ihr ein bisschen," meinte Harry leise.
„Findest du?" fragte Laura. Also bis auf die Haar- und Augenfarbe konnte sie keine Ähnlichkeit feststellen. Aber selber konnte man das auch immer schlecht beurteilen.
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Mit einer Tasse Kaffee setzte sich Severus am Abend zu Amélie an den Tisch. Remus war mit Harry zu sich nach Hause gegangen.
Die Holzschachtel stand vor ihnen und nun wollten sie zusammen die Briefe lesen. Sie waren beide gespannt. Severus hatte sich entschlossen, dass Laura nicht dabei sein sollte, wenn sie die Briefe zum ersten Mal lasen, da sie nicht wussten, was sie enthüllen würden.
Severus entfaltete den ersten Brief. Wer ihn wohl geschrieben hatte und an wen? dachte er.
Er legte das vergilbte Pergament vor Amélie auf den Tisch und diese sah ihn an. Dann schwenkte sie elegant den Zauberstab. In der Luft bildeten sich Buchstaben und sie begann mit ruhiger Stimme zu lesen.
Meine liebe Margarida, Kind meines Herzens,
Amélie sah Severus einen Moment erstaunt an, dann las sie weiter.
der Schmerz lässt nicht nach und ich frage mich, ob ich nicht doch auch den Trank hätte zu mir nehmen sollen. Aber ich konnte es nicht. Ich kann es nicht zulassen, dass ich dich vergesse.
Jeden Tag bin ich im Zimmer und rieche an deiner Decke. Dein Geruch ist noch da, Margarida, aber er verblasst. So, wie meine Erinnerungen an deine Stimme und dein Lachen.
Wenn ich mich konzentriere und es ganz ruhig ist, sehe ich dein Gesicht vor mir. Es ist lange Zeit her, dass ich dich das letzte Mal gesehen habe.
Ich habe den Verdacht, dass Edna etwas weiß. Ich weiß nicht, ob der Trank an ihr wirklich funktioniert hat. Sie sagt nichts, aber ich denke, sie weiß etwas.
Deine Mama
Amélie sah von dem Brief zu Severus auf. „Seltsam," sagte sie tonlos.
„Wieso schreibt sie ihrem toten Kind einen Brief? Oder meinst du, Margarida war gar nicht tot? Oder... war die Frau paranoid? Dachte sie, Margarida lebe noch?" fragte sie verwirrt.
Severus überlegte. „Ich denke schon, dass Margarida tot war. Sie wird die Briefe für sich selbst geschrieben haben, ohne die Absicht, dass jemand sie jemals lesen würde. Wie eine Art Tagebuch. Vielleicht hat es ihr Trost gegeben," vermutete er und seine Augen ruhten in Amélies.
Diese nickte. Ja, die Briefe waren ja nicht in Umschlägen und sie wird nicht die Absicht gehabt haben, diese zu verschicken.
„Ich finde das alles sehr traurig," gestand sie. Auch Severus hatte Mitleid mit der Vorfahrin, die um ihr Kind trauerte. Sie musste wohl viel Zeit in diesem unterirdischen 'Zimmer' verbracht haben und um das Mädchen getrauert haben.
Nur schien sie dabei vergessen zu haben, dass sie auch noch eine lebendige Tochter hatte, die sie vielleicht gebraucht hätte. Die auch das Recht darauf gehabt hatte, geliebt zu werden.
„Meinst du, das war ihr Geist, da unten in dem Raum?" fragte Amélie, die die Erzählung von Severus über den Vorfall in dem unterirdischen Zimmer ziemlich unheimlich fand.
„Rachels? Ich weiß nicht," sagte er und war selbst nicht sicher, was er denken sollte. Was könnte es sonst gewesen sein? Es war keine Magie messbar gewesen, also konnte es kein Zauber gewesen sein.
Nach Lauras Erlebnis in der Kammer des Schreckens, wo sie ihren verstorbenen Vorfahrinnen begegnet war, konnte er solche Dinge nicht mehr ausschließen. Er konnte auch nicht bestreiten, dass es unerklärliche Dinge gab.
Außerdem gab es in Hogwarts auch Geister, wenn auch sichtbare. Da handelte es sich aber um Verstorbene, die nicht in die andere Dimension gegangen waren, weil sie unerwartet gestorben waren oder den Tod nicht akzeptierten. Das schien bei Rachel nicht der Fall zu sein, sonst hätte sie sichtbar, wenn auch feinstofflich sein müssen.
Allerdings hatte Remus, dem er von dem seltsamen Vorfall im unterirdischen Raum erzählt hatte, gemeint, dass auch Verstorbene der anderen Dimension zeitweise 'zurückkommen' könnten. Wenn etwas geschieht, dass ihnen nicht gefällt zum Beispiel, oder bei ganz besonderen Ereignissen in der Familie. Allerdings blieben sie dann meist unbemerkt.
Nur mit sehr viel Anstrengung und vielen angesammelten Emotionen sei es solchen Verstorbenen, insbesondere schon längere Zeit Verstorbenen manchmal möglich, Dinge zu bewegen oder Töne zu erzeugen.
In Nahtodsituationen oder bei Unfällen kam es hin und wieder vor, dass Menschen ihre verstorbenen Verwandten sehen konnten. Sowohl Zauberer als auch Muggel.
Geister, wie diese in Hogwarts waren für Muggel aber nicht sichtbar.
Amélie sah ihn fragend an. Was sollte es sonst gewesen sein? Sie hatten nichts gesehen, gar nichts und auch nichts gemessen.
„Laura!" sagte Snape plötzlich scharf und Amélie fuhr leicht zusammen. Ihr Blick glitt zur Tür, wo sie Laura die Treppe hoch huschen sah. Sie hatte scheinbar gelauscht. So ein Lausemädel! dachte sie und lächelte.
Severus schien das nicht so lustig zu finden, denn er stand schnell auf und folgte ihr raschen Schrittes.
Laura war eben schnell in ihr Bett geschlüpft und hatte sich bis zur Nase zugedeckt, als ihr Dad schon in der Tür stand.
Ohne ein Wort trat er auf ihr Bett zu, und klappte rasch die Decke zurück. Er drehte sie um und verabreichte ihr einen klatschenden Klaps auf den Hintern.
„Das ist das letzte Mal, dass du heimlich lauschst!" sagte er streng und Laura nickte schnell. Unbewusst rieb sie sich mit der Hand über den Hintern und ihr Dad sah sie streng an. „Du hast schon etliche Male gelauscht und ich habe dich immer wieder gewarnt."
Laura biss sich auf die Lippen, während ihr Vater sie wieder zudeckte.
Dann sah er mit vor der Brust verkreuzten Armen auf sie hinunter und Laura entschuldigte sich verlegen.
Ein paar Sekunden sah er sie nur wortlos und streng an.
„Du wirst schon noch erfahren, was in den Briefen steht, Laura. Zuerst wollen wir sie lesen, um zu wissen, ob ihr Inhalt kindertauglich ist," sagte er ruhig.
Wieder nickte Laura und hauchte: "Ja,Dad."
Snape nickte kurz und verließ dann das Zimmer. Laura lag da und schämte sich ein wenig. Ihr Dad hatte ihr schon sehr lange keinen Klaps mehr gegeben und sie konnte noch nicht mal behaupten, dass sie ihn nicht verdient hatte. Aber bestimmt war er der allerstrengste Vater der Welt. Bestimmt waren Hermines Eltern total locker. Aber wahrscheinlich tat Hermine ja auch nie etwas Verbotenes, musste sie einräumen.
Nochmals rieb sie sich über die Pyjamahose, zog dann ihre Knie zur Brust und kuschelte sich ein. Sie würde sich wohl oder übel gedulden müssen, dachte sie resigniert.
S s s
Als Severus wieder ins Wohnzimmer kam, saß Amélie gedankenverloren am Tisch und hielt die schwarze Locke in der Hand.
Sie sah zu ihm auf, als er sich hinsetzte.
„Wieso warst du so wütend?" fragte sie und sah ihn an. Lauschen fand sie nicht ein sooo schlimmes Verbrechen und sie hatte den Klaps, den Severus seiner Tochter scheinbar auf den Hintern geklatscht hatte, deutlich gehört.
„Laura hat verdient was sie bekommen hat, Amélie," sagte er ruhig. „Das war schon lange überfällig, da sie schon etliche Male gelauscht hat und es scheinbar noch nicht gelernt hat, dass sie das besser lassen sollte."
Amélie nickte und er nahm einen weiteren Brief. Sie wollte sich nicht einmischen. Sie fand, dass er eigentlich ein guter Vater war, wenn auch manchmal etwas sehr streng und engstirnig.
Diesmal kreiste er den Zauberstab in der Luft und wieder bildeten sich Buchstaben, die die spanische Schrift im Brief übersetzten.
Mit leiser Stimme begann er zu lesen.
Dieses Land ist furchtbar, meine liebe Margarida. Alles ist so anders und ich fühle mich auch nach fünf Jahren hier noch kein bisschen zu Hause.
Auch die Sprache liegt mir nicht. Ich vermisse dich jeden Tag und hoffe, dass du in den Armen von der Mutter Maria bist.
Edna geht nun nicht mehr in diese Hogwartsschule. In Zaubertränken war sie die Beste. Ansonsten war sie nicht übermäßig gut in der Schule.
Ich denke, du wärst eine sehr gute Hexe geworden mit dem besten Abschluss der ganzen Schule.
Dein Vater lebt im Frieden, da er sich nicht an dich erinnert. Er ist aber sehr ruhig und zieht sich immer mehr zurück.
Margarida, ich schaue auf dein Foto und bete zur Mutter Maria und allen Heiligen, dass sie dich gut behüten sollen.
Deine Mama
„Das scheint etwas früher gewesen zu sein, als der andere Brief," vermutete er. „Es ist kein Datum drauf."
Sie lasen noch zwei ähnliche Briefe, die wahrscheinlich noch etwas früher geschrieben worden waren, denn Rachel erzählte von Edna und der Schule. Immer wieder schrieb sie, wie sehr sie die Tochter vermisse und um sie traure und wie unwohl sie sich hier fühlte.
Als Amélie den fünften Brief entfaltete, schlug Severus vor, dass dieser für heute der letzte sein würde.
Mein liebes Kind, deine Schwester scheint besessen vom Tränkebrauen, das berichtet ihr Lehrmeister. Er ist sehr beeindruckt von ihrer Motivation. Sie ackert Bücher durch und schreibt den ganzen Tag an irgendwelchen Tränkerezepten. Was genau sie da tut, erzählt sie nicht und ich merke, dass sie mir etwas verheimlicht.
Sie hat einmal in der Nacht von dir gesprochen im Schlaf. Ich bin mir sicher, dass sie etwas weiß. Sie hat deutlich deinen Namen gesagt.
Mehrmals habe ich ihr von dem Vergessenstrank ins Trinken geschmuggelt, aber sie scheint irgendwie immun zu sein dagegen.
Ich habe den Vergessenstrank mehrfach Konzentriert und mache Versuche mit Tieren, bei denen er perfekt wirkt in kleinsten Konzentrationen.
Wieviel verträglich ist, ohne gefährlich zu werden bei Menschen, weiß ich nicht. Aber ich kann nicht zulassen, dass Edna etwas verrät. Ich muss vorsichtig sein, dass ich ihr nicht zu viel gebe. Aber unser Geheimnis muss bewahrt bleiben.
Gott behüte dich, meine Tochter. Deine Mutter denkt jeden Tag an dich.
In Liebe, Mama
Amélie sah mit entsetztem Gesicht zu Severus, dessen Augen sich verengt hatten. „Das darf doch nicht wahr sein!" sagte sie leise und musterte sein Gesicht.
„Sie flößt ihr heimlich hochkonzentrierte Tränke ein!" empörte sie sich. „Sie weiß ja, wie gefährlich das ist!"
Snape sah Amélie an. „Sie befürchtet, dass Edna zu viel weiß. Natürlich weiß sie nicht, dass Edna regelmäßig von dem Erinnerungstrank, den sie entwickelt, trinkt. Das ist doppelt schädlich und nicht nur für die Leber," fügte er hinzu und seine Augen sahen an Amélie vorbei.
Amélie sagte nichts, als er doch noch einen Brief öffnete, denn sie war sehr gespannt, was darin stand und sie hoffte, dass es kein älterer war. Sie wollte wissen, ob sie Edna weiterhin Tränke einflösste und ob sie Schuld hatte, an Ednas frühem Tod.
„Es scheint, als habe sie sich das Bild einer perfekten Tochter kreiert und die Realität total verloren," sagte Amélie und Severus nickte. Ja, die tote Tochter schien tatsächlich eine Art Wunderkind gewesen zu sein, in den Augen und der Phantasie der Mutter. Aber Tote konnten ja auch niemanden enttäuschen, indem sie die Erwartungen nicht erfüllten. Der Phantasie waren eben keine Grenzen gesetzt.
S s s s
Kaum hatten sich die Worte in der Luft über dem vergilbten Brief geformt, begann Severus zu lesen.
Liebste Margarida, Kind meines Herzens,
wieder sitze ich hier und seh mir deine Kleider an, die du getragen hast. Er zerreißt mir das Herz!
Edna bringt große Schande über die Familie. Sie ist immer noch mit diesem Griechen zusammen, diesem Taugenichts. Er hat sie geschwängert und sie will noch nicht einmal heiraten. Tag und Nacht rede ich auf sie ein, doch sie ist stur und will nicht.
Dieser Sideris wäre nicht abgeneigt, sie zu heiraten. Die Leute mögen ihn, er ist immer fröhlich und lustig. Doch er geht keiner anständigen Beschäftigung nach, um eine Familie zu ernähren. Er singt immerzu und lebt nicht demütig und gottesfürchtig.
Wieso muss meine Tochter mich so enttäuschen? Margarida, die Leute hier sind sonderbar.
Gestern war eine angesehene Zaubererfamilie zu Besuch, die Barklays. Sie haben einen behinderten Sohn. Ein schreckliches kleines Wesen und er hat in meinem Tränkelabor herumgeschnüffelt.
Eine meiner besonders tränkerestistenten Mäuse, die bis zum Rand vollgepumpt war mit Vergessenskonzentrat, hat ihn gebissen. Der dumme Kerl ist selber schuld, wenn er nun einen Schaden davon trägt. Aber das wird nicht weiter auffallen, da er kaum spricht.
Ich habe die Mäuse besonders resistent gezüchtet gegenüber Zaubertränken, da Edna auch besonders resistent scheint.
Immer wieder habe ich das Gefühl, dass Edna sich erinnert. Aber jetzt, da sie schwanger ist, kann ich ihr nichts verabreichen. Aber vielleicht sollte ich es trotzdem tun, dann wäre wenigstens dieser Schandfleck beseitigt!
Margarida, es würde dir bestimmt auch nicht gefallen hier!
Bestimmt horchst du den himmlischen Chören und bist umgeben von wunderschönen Engeln. Deine Mama denkt an dich in Liebe
Das wurde ja immer besser, dachte Severus. Natürlich hatte Rachel nicht gedacht, dass jemand einmal diese Briefe lesen würde. Sie war sich sicher, dass die Echse jahrhunderte lang leben würde und dann vielleicht das Haus schon lange nicht mehr stehen und sie in Vergessenheit geraten würde.
„Ich frage mich, wie Rachel an der Echse vorbei gekommen ist," sagte er nachdenklich und Amélie sah ihn fragend an.
„Was?" fragte sie, da sie eigentlich am Inhalt des Briefes herum studierte.
Severus stapelte die Briefe und legte sie zurück in die Holzkiste. Für heute reichte es. „Das war eine magische Echse, an der kommt man nicht einfach so vorbei, auch nicht mit einem einfachen Zauber," sagte er.
Amélie zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht hatte sie einen speziellen Trick oder einen Zauberspruch," vermutete sie.
„Aber was war da, mit diesem Jungen? Den Namen Barklay habe ich schon einmal gehört," redete sie weiter.
Mit einem Klick schloss Severus den Deckel der Holzkiste und nickte. „Der Angestellte meiner Tante heißt so. Allerdings heißt er auch noch Mr. Timothy," sagte er und gab Amélie einen vielsagenden Blick. Er hatte ihr von der sonderbaren Persönlichkeit, die bei seiner Tante scheinbar seit vielen Jahren arbeitete, erzählt.
„Er ist nicht behindert, wie mir scheint," sagte er. „Er hat eine Hasenscharte und ist mindestens zwei Personen auf einmal, wie meine Tante das ausgedrückt hat, aber das scheint mir eher eine psychische Störung zu sein. Ob er sonst geistig behindert ist, kann ich nicht beurteilen und körperlich schien er mir auch nicht behindert."
„Vielleicht ist das eine Auswirkung des hochkonzentrieren Zaubertrankes, mit dem deine Tante ihre Versuchsmäuse vollgepumpt hatte. Kann das überhaupt sein?" fragte sie.
Severus' Augenbrauen zogen sich etwas zusammen. „Es gibt bestimmte Mäuserassen, die man von klein auf mit einer Substanz, oder einem Zaubertrank füttern kann und die dann eine Resistenz entwickeln, oder eine sehr hohe Toleranzgrenze haben, gegenüber diesem Trank.
Wenn die Maus vor dem Biss davon gefressen oder getrunken hat, kann es sein, dass davon eine kleine Menge direkt in die Blutbahn des Jungen geraten ist. Und da der Trank ja hochkonzentriert war, könnte es doch Auswirkungen auf das junge Kind gehabt haben," erklärte er, als ob eine Schar Schüler vor ihm sitzen würde.
Amélie nickte nachdenklich.
„Wir werden uns mit meiner Großtante unterhalten," schlug Severus vor. „Ich wollte sie dir sowieso vorstellen."
Amélie nickte und lächelte dann verschmitzt. „Jaaaa, morgen dann." Sie hielt ihren Kopf etwas schief, als sie ihn schelmisch ansah. „Aber jetzt, mein Lieber, habe ich etwas gaaaanz anderes im Sinn mit dir!" Schnell setzte sie sich dem etwas überrumpelten Severus auf den Schoss und drückte ihm einen vielversprechenden Kuss auf den Mund.
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Beim Frühstück am nächsten Tag, wollte nun Laura genau wissen, was in den Briefen gestanden hatte und Severus wog sorgfältig ab, was er seine Tochter wissen lassen wollte und was nicht.
Sie frühstückten im Garten, denn es war angenehm warm in der Sonne. Ein paar Vögel stritten sich in einem Busch gleich neben ihnen und es roch herrlich nach Sommer, fand Laura. Das Bild, an welchem Laura vorhin gemalt hatte, das einen Basilisken zeigte, der die Augen seltsam verdrehte, einen Phoenix und einen Hahn, der offensichtlich schrie, hatte Laura auf den Boden gelegt und mit einem Stein beschwert, damit es nicht davon wehte.
Während ihr Vater nun sprach, hörte sie so gespannt zu, dass sie vergaß ihr mit Marmelade bestrichenes Brot zu essen.
„Edna hat in der Kammer etwas angedeutet, dass ihre Mum vermutete, dass sie zuviel wusste," bemerkte Laura in Gedanken versunken, als ihr Dad so in etwa alles erzählt hatte.
„Wir besuchen nachher meine Großtante. Sie ist die jüngere Schwester meines Großvaters, Serian Prince. Bei ihr arbeitet ein alter Mann, Mr. Barklay. Da werden wir vielleicht etwas mehr herausfinden," erwiderte Snape und nahm einen Schluck seines Kaffees.
Als ihr Dad dann das Thema wechselte und sich mit Amélie unterhielt, ließ Laura sich das alles nochmals durch den Kopf gehen.
„Laura iss!" sagte ihr Dad, der bemerkte, dass Laura nur in ihrer Milch rührte und vor sich hin starrte.
In einem Zug trank Laura dann aus und ass rasch das Brot. Eine Wespe surrte über dem Tisch hin und her.
„Dad?" fragte Laura plötzlich, als die Erwachsenen eine kurze Redepause machten.
„Harry hat mir erzählt, dass Remus ihn adoptieren würde, wenn er könnte." Sie steckte ihr Messer durch den Henkel der Tasse und hob sie etwas vom Tisch hoch. „Dürfen Werwölfe keine Kinder haben? Ich meine, was, wenn sie selber welche machen? Die können das ja wohl auch!" Laura sah ihn fragend an. Das kann ja jede Feuerwanze! dachte sie, denn überall sah sie in letzter Zeit wieder solche, mit dem Hinterteil aneinandergeklebte, rotschwarze Käferchen herumkrabbeln.
Snape sah kurz zu Amélie und dann zu seiner Tochter. „Lass das, Laura!" sagte er und deutete auf die Tasse, die in der Luft an Lauras Messer baumelte und räusperte sich, bevor er weiter sprach. „Eigene Kinder dürfen alle Zauberer haben. Aber bei Adoptionen ist das Ministerium sehr zurückhaltend."
Er wusste, wie sehr Remus an dem Jungen hing, aber er hatte ihm noch nie erzählt, dass er an Adoption dachte. Natürlich wäre der Mann wohl auch sehr glücklich, wenn er schon der legale Vormund von Harry wäre und diese verdammten Dursleys keine Rechte mehr hatten und Harry nicht mehr zu ihnen müsste.
Vielleicht sollte er Remus raten, sich mit Albus Dumbledore zu unterhalten und zu versuchen, dessen Beziehungen spielen zu lassen, um etwas bewirken zu können im Ministerium.
Laura, die die Tasse wieder auf den Tisch gestellt hatte, dafür nun aber in die Serviette sägte mit dem Messer, fragte sich, wieso die Leute vom Zaubereiministerium so gemein waren. Remus wäre ein perfekter Vater!
„Dad, Remus liebt Harry wohl wirklich sehr," sagte sie und blinzelte etwas, da die Sonne sie blendete.
„Und wenn man ein Kind adoptiert, hat man es irgendwie besser. Ich meine, dann kann man seine Kinder aussuchen und weiß dann, was man hat, weil man sie schon kennt. Richtige Eltern müssen einfach nehmen, was sie kriegen, nicht wahr?"
Amélie lächelte und Snape hob eine Augenbraue.
„Und Harry hasst es, zu den Dursleys gehen zu müssen." Laura atmete seufzend aus. „Die sind einfach so blöd!"
Snape griff nach Lauras Messer, mit dem sie wütend die Serviette attakierte und nahm es ihr mit einer raschen Bewegung und einem vielsagenden Blick weg.
„Dad, wieso muss er unbedingt zu denen? Sie hassen ihn noch mehr als er sie. Sie behandeln ihn, wie Schei..."
„Laura!" sagte Snape scharf, bevor Laura den Satz beenden konnte. „Du sprichst anständig oder du verbringst den Morgen in deinem Zimmer!"
Laura biss sich auf die Lippen. Sie wusste, wie sehr sich ihr Vater über solche Ausdrücke aufregen konnte, aber es war ihr einfach raus gerutscht.
Harry hatte ihr hin und wieder so Müsterchen erzählt von den Dursleys und sie war überzeugt, dass es schlimm gewesen sein musste, bei denen aufzuwachsen. Sie selbst war auch nicht gerade behütet aufgewachsen, auch sie hatte häufig auf der Straße rumgelungert und bei ihrem Bach. Auch sie hatte selten eine richtige Mahlzeit bekommen, da ihre Tante psychisch meistens nicht im Stande gewesen war, schon nur einzukaufen, geschweige denn zu kochen. Aber Harry war richtig gehend schlecht behandelt worden. Ihm war absichtlich das Essen gestrichen worden, wenn er nicht alles gemacht hatte, was seine Tante und sein Onkel ihm befohlen hatten. Er war als abartig hingestellt worden und als minderwertig.
„Es ist aber wahr..." sagte sie leise.
Snape atmete tief aus. Es passte ihm auch nicht, dass Lilys Kind dort leben musste, wenn es auch nur eine Woche war. „Er wird es überleben müssen, Laura. Er hat es zehn Jahre lang überlebt, da wird er auch eine Woche aushalten."
Er konnte sich zu gut an diese Petunia erinnern, die so gar keine Ähnlichkeit mit Lily gehabt hatte. Und dieses Nilpferd, Dursley, den sie geheiratet hat, musste nach Lauras Erzählungen noch schlimmer sein. Er würde denen wohl einmal einen Besuch abstatten müssen! dachte er mit grimmiger Vorfreude. Zusammen mit Remus, wäre vielleicht ganz gut, da dieser sich ja um Harry kümmerte.
„Hähne haben keinen Penis!" bemerkte Laura aus dem Nichts heraus, worauf Severus und Amélie sie fragend ansahen und Snape seine Augen etwas verengte.
TBC...
