ᴇᴍɪʟʏ ʜᴜɴᴛᴇʀ
25. Dezember 1994
An diesem Morgen wachte ich in aller Früh auf. Vor lauter Aufregung auf den kommenden Abend, beschloss ich das nochmal-Einschlafen streichen zu können und ging stattdessen direkt ins Bad.
Nachdem ich mich fertig gemacht hatte und mir Jeans und Pulli angezogen hatte, öffnete ich freudig meine ganzen Geschenke. Von Ginny bekam ich ein ganzes Sortiment an magischen Duftkerzen mit eingeschränktem Radius, da sie sich oft darüber beschwerte, was für einen Mist ich da immer anzündete und ihr damit Kopfschmerzen bereitete.
Hermine hatte mir ein sehr berühmtes Buch aus der Muggel Welt geschenkt, Stolz und Vorurteil, über das ich mich wahnsinnig freute. Von Ron bekam ich eine Tüte Süßigkeiten aus dem Honigtopf; Harry schenkte mir ein Besenpflegeset und von Mrs. Weasley bekam ich den üblichen Pulli mit den selbst gemachten Pasteten.
Mein Bruder schickte mir ein Paar Gryffindor-Handschuhe und schrieb dann, zu meiner Belustigung, dazu, wie die Verkäuferin ihn angesehen hatte, als er mit seinem Slytherinschal, diese auf den Tresen gelegt hatte.
Von meinen Eltern bekam ich mal wieder Geld; wie immer. Anscheinend hatten sie nicht einmal mehr die Zeit dazu ein Geschenk zu kaufen, aber mich im Drei Besen zu blamieren passte wunderbar in ihren Zeitplan.
Nachdem ich alles ausgepackt hatte, beschloss ich, meine restlichen Hausaufgaben im Gemeinschaftsraum zu erledigen und ging nach unten. Zu meinem Glück war dieser noch menschenleer, lediglich ein angenehm wärmendes Feuer prasselte leise im Hintergrund.
Ich setzte mich in meinen Lieblingssessel direkt am Feuer und breitete meine Sachen auf dem kleinen Tisch aus. Eine Weile arbeitete ich so still vor mich hin, erst als sich eine Tür öffnete und Schritte auf der Treppe ertönten, sah ich auf. Es war Ron.
„Hey", begrüßte ich den noch ziemlich verschlafend aussehenden Weasley. Er grummelte nur irgendetwas Unverständliches und ließ sich auf den Sessel neben mir plumpsen.
Anscheinend hatte er dann beschlossen weiter zu schlafen, denn er regte sich kaum noch und sagte auch nichts, weshalb ich einfach weiter an meinem Aufsatz für Zaubertränke schrieb, bis Ron auf einmal doch noch etwas sagte. „Sag mal, hat Hermine wirklich eine Begleitung?"
„Ja", antwortete ich und sah auf. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Hatte ihn das so beschäftigt?
„Wer ist es?"
„Das darf ich dir nicht sagen." Hermine würde mich umbringen.
Ron grummelte wieder etwas, stand dann auf und machte sich wieder auf noch oben. Verwirrt runzelte ich die Stirn. Was war denn mit dem los?
Nach einer Weile beschloss ich, dass mein Aufsatz die gewünschte Länge hatte und Snape nicht meckern konnte und packte meine Sachen wieder ein. Im Mädchenschlafsaal saßen Hermine und Ginny schon wach auf ihren Betten und waren extremst aufgeregt. „Bei Merlins Unterhose, das wird der beste Abend unseres Lebens!", jubelte Ginny und klatschte aufgeregt in die Hände.
„Na, ich weiß ja nicht", meinte ich und stopfte meine Tasche wieder unter mein Bett, „Ich muss vortanzen, schon vergessen?"
„Ich doch auch", rief Hermine.
„Ja, aber du kannst tanzen! Ich werde entweder stolpern oder auf Harrys Füße treten!"
„Ich glaube bei der letzten Tanzstunde hat man ganz deutlich gesehen, dass, wenn jemand auf jemandes Füße tritt, dass das dann ganz sicher Harry ist", meinte Hermine sachlich und verschwand im Bad.
„Komm schon, Emily. Das wird ein super Abend", meinte Ginny und hopste leicht auf ihrem Bett auf und ab.
Ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Wenn ich erst mal das Vortanzen überstanden hatte, konnte der Abend sicherlich lustig werden.
„Na gut", stimmte ich schließlich in ihre Begeisterung mit ein, woraufhin sie mich jubelnd in die Arme schloss.
Nachdem die beiden sich endlich fertig gemacht hatte, gingen wir direkt runter in den Gemeinschaftsraum, in dem schon Harry und Ron auf uns warteten, wobei Ron immer noch ein wenig misepetrig aussah. Ginny ließ es sich natürlich nicht nehmen, ihren Bruder damit aufzuziehen.
Beim Thema Bruder: Mein armer Bruder musste über die Weihnachtsferien nach Hause fahren, ins Manor. Der Arme hatte mir des Todes leid getan, als ich mich von ihm verabschiedet hatte und zusehen musste, wie er nach unten zum Bahnhof lief.
Glücklicherweise blieb mir dieses Pech erspart, doch auch ich musste den Zug zwei Tage nach dem Weihnachtsball nach Hause nehmen, um bei der alljährlichen schnöseligen Silvesterparty des Ministeriums dabei zu sein. Malfoy wird natürlich auch da sein; was für ein Glück.
In der großen Halle setzten wir uns wie immer auf unsere Plätze und begannen zu essen. Mir war unklar, wer genau auf die Idee gekommen war, Kekse am Morgen zu servieren, doch sie waren angenehm lecker und hatten einen schokoladigen Kern.
Während ich genüsslich vor mich hin aß, sah ich aus den Augenwinkeln, wie Fred und George gemeinsam mit ihrem Freund Lee Jordan die große Halle betraten und auf uns zusteuerten. Vor Schreck verschluckte ich mich an meinem Keks und Hermine musste mir kräftig auf den Rücken hauen.
Zu meiner Freude und gleichzeitigem Schrecken setzte sich George direkt gegenüber von mir hin und begrüßte mich mit einem „Frohe Weihnachten."
„Frohe Weihnachten", krächzte ich zurück und wünschte mir im selben Moment einfach nichts gesagt zu haben. Schnell schnappte ich nach meinem Kaffee und kippte ihn mir runter. Das heiße Getränk kribbelte in meiner Kehle, doch ich fühlte mich gleich viel frischer und bereit für den Tag.
„Bereit fürs Vortanzen?", fragte Fred schelmisch an mich und Harry gewandt. Harry wurde tatsächlich etwas grün im Gesicht.
„Total", sagte ich trocken, „Das war schon immer mein Wunsch."
„Mit wem geht ihr?", fragte Ron sofort, kaum hatte er den letzten Bissen heruntergeschluckt.
„Angelina", erwiderte Fred prompt und zwinkerte dieser direkt über den halben Tisch hinweg zu.
„Katie Bell", sagte George und kratzte sich am Kopf. Ich versuchte nicht allzu erleichtert auszusehen; Katie Bell hatte einen Freund, den sie letzten Sommer im Urlaub kennengelernt hatte und woraus sie auch kein Geheimnis machte.
„Emily", sagte Harry unnötigerweise, denn ich hatte George erst vor Kurzem gesagt, dass ich mit ihm gehen würde. Nun gut, das konnte er ja nicht wissen.
Ron blieb ziemlich stumm und murmelte dann zu meiner Überraschung ein „Padam Patil." Alle Achtung, er hatte tatsächlich ein Date abbekommen und es war nicht Eloise Midgen.
„Ach sieh an", feixte Hermine und funkelte ihn an, „Wie hast du das denn hinbekommen?"
„Hermine, lass gut sein", schaltete Harry sich ein, doch Hermine funkelte ihn nur böse an, woraufhin er verstummte.
„Ginny?", fragte Fred langsam und starrte sie ziemlich neugierig an.
Doch diese machte keine Anstalten, etwas zu sagen, bis schließlich alle sie anstarrten. Leise seufzte sie und murmelte: „Neville."
Damit schienen die drei ganz zufrieden zu sein, denn sie standen auf und machten sich mit einem „Wir müssen noch etwas erledigen" vom Acker.
Nach dem Frühstück standen wir alle auf und gingen zurück in den Gemeinschaftsraum, wo wir uns mit unseren Geschenken amüsierten. Zum Mittagessen gab es mindestens hundert Truthähne, Plumpuddings und bergeweise Kribbels Zauberkräcker.
Nach dem Essen einigten wir uns, nach draußen zu gehen, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Es musste über Nacht geschneit haben; die weißen Kristalle bedeckten den Boden und die Äste der dichten Tannen, und wirbelten dabei fröhlich in der Luft herum. Munter schwatzend liefen wir durch den dichten unberührten Schnee, der unter unseren Füßen leise knirschte.
Auf einmal, ohne jede Vorwarnung, traf mich ein Schneeball mitten im Rücken. Der matschige Haufen tröpfelte direkt an meiner Jacke ab und klatschte auf den Boden. „Geht's noch?", rief ich in Richtung Harry, der mich damit abgeworfen hatte, „Wenn mich jetzt erkälte, kannst du alleine vortanzen." Lachend hob ich einen Batzen Schnee vom Boden auf, formte ihn und ... traf direkt in seinen Bauch. Werfen war absolut meine Stärke.
Hermine und Ginny schlossen sich mir an und innerhalb von Sekunden war eine ausartende Schneeballschlacht im Gange, der sich auch bald die Zwillinge anschlossen und die wir erst beendeten, als der ganze Schnee um uns herum nur noch Matsch war. Lachend machten wir uns zurück auf zum Schloss, um uns vor dem Kamin aufzuwärmen und anschließend für den Ball fertig zu machen.
Ein von mir ausgeführter Tempus, sagte uns, dass es in etwa fünf Uhr war. Noch drei Stunden Zeit bis zum Ball. Den ganzen Tag über hatte ich den Gedanken vortanzen zu müssen, gekonnt verdrängt, doch jetzt überkam mich wieder eine ganz hibbelig machende Nervosität.
Auf dem Weg hoch in den Gryffindorturm bogen wir um eine Ecke und sahen- Malfoy. Als er uns sah, lachte er spöttisch auf und musterte uns. Wir gaben kein besonders elegantes Bild ab, mit unseren geröteten Wangen, den nassen Klamotten und verstrubbelten Haaren. Er ließ einen spöttischen Kommentar über unser kindisches Verhalten fallen, doch ich musste nur lachen und entgegnete, dass er nur so traurig sei, da er keine Freunde hatte und keinen Spaß haben konnte. Ich nahm mir sogar die Freiheit ihm gespielt mitleidig auf die Schulter zu klopfen, während wir lachend an ihm vorbeigingen.
Im Gryffindorturm angekommen, stürmten wir sofort in unseren Schlafsaal und machten uns fertig. Ich hatte letztens in der Bibliothek einen ziemlich nützlichen Zauber für Nägel gesehen, den ich an uns dreien anwandte. Meine Nägel zauberte ich selber ein Stück länger und dunkelrot glitzernd. Hermine machte mir meine Haare und Ginny schminkte mich währenddessen. Nachdem wir uns alle gegenseitig frisiert und geschminkt hatten, was in etwa zwei Stunden dauerte, zogen wir uns unsere Kleider und Schuhe an und betrachteten uns im Spiegel.
Wir sahen atemberaubend aus; nicht von dieser Welt. Meine schwarzen Pumps ließen mich ein Stück größer wirken und mein Make-up, gepaart mit den rubinrot-glitzernden Ohrringen, hob meine natürlichen Gesichtszüge hervor und ließ meine Augen strahlen. Meine Haare waren hinten zu einem eleganten Knoten geflochten worden, einzig eine vordere Haarsträhne hing vorne heraus und ließ das Ganze weicher wirken. Um meinen Hals hatte ich eine leichte dreiteilige, rubinrote Halskette gelegt, die meinen Hals betonte. Von meinem Kleid fing ich gar nicht erst an. Ich war wunderschön.
„Oh mein Gott, danke für alles", quietschte ich freudig los und umarmte meine beiden Freundinnen fest, „Wir sehen so gut aus!"
Hermine war auch nicht weniger erfreut; als sie sich schließlich von ihrem Spiegelbild angewandt hatte, glitzerten Freudestränen in ihren Augen. „Machen wir es zum besten Abend unseres Lebens", sagte sie glücklich und umarmte uns noch einmal.
Wir sahen uns noch einmal alle an, dann öffneten wir die Tür und gingen hinaus. Es war fast acht Uhr und die meisten waren wahrscheinlich schon unten vor der großen Halle. Den Weg nach unten sagte keiner ein Wort, zu aufgeregt waren wir. Am Fuße der Treppe konnte ich Harry erkennen, der, als er mich sah, mir erleichtert zuwinkte. Er stand neben Ron, der einen grässlichen Rüschenumhang trug, an dem er versucht hatte, diese zu trennen, weshalb jetzt überall Fransen hingen. Der Arme.
„Du siehst toll aus", begrüßte mich Harry, als ich bei ihm ankam.
„Danke, du auch", gab ich zurück und ließ meinen Blick durch die Menge schweifen.
Er blieb an der Treppe hängen, auf der in diesem Moment Malfoy herunterkamen. An seinem Arm klammerte sich diese Greengrass oder wie sie hieß, fest und strahlte gekünstelt in die Menge. Immerhin besaß Malfoy ein Mindestmaß an Geschmack, denn Greengrass war tatsächlich nicht hässlich, mit ihren zurückgesteckten, blonden Haaren und dem dunkelgrünen Umhang.
An Malfoys Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, dass er Harry und mich nicht in Ruhe lassen und einen Spruch abgeben würde. Doch ich meinte auch eine Spur Überraschung in seinen Augen erkennen zu können, als er mich erkannte.
Kaum war er unten angekommen, fing er schon an: „Potter; Hunter, wie reizend. Siehst du, Daphne? Ich wusste, dass Hunter keine Begleitung hat und sich jetzt wie ein Schoßhündchen an Potter klammert." Hämisch sah er mich an und blieb an meinen Augen hängen.
Greengrass lachte leise und zischte: „Wo ist deine Begleitung, Potter? Hat sie dich sitzen gelassen, wie schade!" Gackernd warf sie den Kopf in den Nacken und weckte den unweigerlichen Drang in mir, ihr ins Gesicht zu schlagen.
„Eigentlich", meinte Harry ruhig, „steht meine Begleitung direkt vor euch." Die Schadenfreude verschwand aus ihren Augen und sie sahen uns ziemlich wütend an, als wir ihnen einen herabblassenden Blick schenkten.
„Hübsches ... Outfit", meinte ich arrogant an Greengrass gewandt und zog ganz in Malfoy-Manier meine Augenbrauen nach oben. Greengrass gefiel das gar nicht und sie zog Malfoy unter einem „Pah!" von uns weg.
Lachend sahen wir uns an. „Ihre Gesichter waren gold wert", meinte ich munter, als in diesem Moment McGonagall in unser Sichtfeld trat.
„Ahh gut, Mr. Potter, Miss Hunter, sie sind direkt nach Mr. Diggory und Miss Chang an der Reihe. Na los, husch, gehen sie auf ihre Plätze!" Gestresst ging sie weiter.
Gemeinsam reihten wir uns nach vorne ein, wobei Hermine, die hinter uns lief, mir ein nervöses Lächeln schenkte. Kaum hatten wir uns eingereiht, schwangen die riesigen Portaltüren auf und gaben den Eingang in die Winterlandschaft frei, von der heute Mittag noch nichts zu sehen war. Sofort hoben sich meine Mundwinkel zu einem komplett ungefälschtem Strahlen und wir liefen gemeinsam los.
War ich bereit?
Sowas von!
