Kapitel 1:
„Cho, du fliegst heute unaufmerksam. Wenn das so weiter geht, muss ich mir wirklich einen anderen Sucher organisieren." die tadelnde Stimme von Roger Davies hallte durch das leere Quidditchstadion.
„Es tut mir leid." antwortete Cho hilfesuchend. „Ich weiß nicht, was in letzter Zeit los ist, ich bin nur so furchtbar aufgeregt wegen unserem ersten Spiel." Cho stiegen die Tränen in die Augen. Sie war doch noch ganz neu in der Mannschaft, wie konnten denn alle so viel von ihr erwarten?
„Ich muss mich auf dich verlassen können." fuhr der Quidditchkapitän von Ravenclaw fort. „Es ist nur Hufflepuff. Die sind nicht so stark aufgestellt dieses Jahr, das weiß jeder. Aber ich kann es mir nicht leisten, einen sicheren Sieg zu verschenken, nur weil meine Sucherin Lampenfieber hat."
„Ja." murmelte Cho kleinlaut. Was blieb ihr auch anderes übrig? Sie konnte dem Kapitän ja schlecht sagen, dass sie nur deswegen so aufgeregt war, weil sie den Sucher der Hufflepuffs, Cedric Diggory so unwiderstehlich fand. Wenn sie ihn nur aus der Ferne sah, zitterten ihr die Knie und sie wusste keinen klaren Gedanken zu fassen. So schwieg Cho und hütete ihr kleines Geheimnis eisern.
„Ich werde dich nicht enttäuschen." sagte sie nachdrücklich und Roger nickte schließlich und entließ sie aus ihrem privaten Training. Er hatte Cho bei jedem Training länger dabehalten, damit sie gewappnet war für ihr erstes Spiel. Cho neigte dazu nervös zu werden, wenn sie den Schnatz nicht schnell genug fand, was dazu führte dass sie unsicher und unaufmerksam wurde.
Cho schulterte ihren Besen und machte sich alleine auf den Weg zu den Umkleiden. Es war ihr ausgesprochen peinlich, von ihrem Kapitän beim träumen erwischt worden zu sein und dass sie Cedric heute morgen Hand in Hand mit einer anderen Hufflepuff gesehen hatte, tat sein Übrigstes. Trotzig kickte sie mit ihrem Schuh einen Stein weg. Cedric wusste wahrscheinlich nicht einmal, dass es sie gab. Aber beim Quidditchspiel, da musste er einfach Notiz von ihr nehmen, schließlich würde sie seine direkte Gegnerin sein. Eigentlich war sie gar nicht so ein Mädchen, dass den Jungs hinterherlief oder sich in jemanden verliebte, nur weil er hübsch aussah, aber Tatsache war, dass sie noch nie mit Cedric gesprochen hatte und trotzdem schlug ihr das Herz jedes Mal bis zum Hals, wenn er sie sah.
„Hallo, Cho!" rief ihr Serenety Dippet aus der Umkleide zu.
„Oh, du bist noch hier?" fragte Cho verwundert. Serenity war Jägerin im Team der Ravenclaws und eigentlich hätte sie schon längst zurück im Schloss sein müssen, denn das Training war seit über einer Stunde vorbei.
„Nun ja..." druckste Serenity herum. „Komm erst mal rein. Aber mach bitte die Türe zu."
Cho tat wie geheißen und sah Serenity erstaunt an. Sie trug ein langes, grünes Kleid, das ziemlich teuer aussah.
„Warum?..." begann Cho, doch dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie musste kichern. „Du hast ein Date?" rief sie neugierig.
„Nun, nein..." antwortete Serenity und lief rot an. „Aber ich dachte vielleicht es wäre ein angemessener Aufzug, um danach zu fragen."
„Dann solltest du dich beeilen. Roger ist gerade in die Umkleide rein."
„Blödsinn." schnappte Serenity. „Ich will mich doch nicht mit Roger treffen. Aber in zehn Minuten haben die Hufflepuffs das Spielfeld gemietet und ich wollte... na du weißt schon... der Sucher von ihnen, der ist so..." schwärmte sie.
Chos Lächeln gefror und ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen. Alles, nur das nicht. Serenity war so viel hübscher als sie und auch noch ein Jahr älter und in Cedrics Jahrgang. „Oh." murmelte sie und sah zu Boden.
„Meinst du, ich kann ihn einfach so fragen?" sagte Serenity besorgt.
„Bestimmt." antwortete Cho teilnahmslos, aber Serenity war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um Chos Traurigkeit zu bemerken.
„Ich will ihn fragen, ob er mit mir ausgeht." meinte Serenity leise.
Chos Gesicht verdüsterte sich und sie war dankbar dafür, dass die Freundin ihr Gesicht nicht sehen konnte.
„Ich habe ihn heute händchenhaltend mit einer Hufflepuff gesehen." antwortete Cho ihr mit gespielter Gleichgültigkeit.
Serenity sah sie erschrocken an. „Wirklich?"
„Ja, heute morgen auf dem Weg zu Verteidigung gegen die dunklen Künste."
„Oh je..." stammelte Serenity. „Ich mache mich hier zum Narren und... das wusste ich nicht." Sie rang um Fassung. „Wie bescheuert ich bin. Verzeih mir, dass ich dich gefragt habe."
Hastig verließ Serenity die Umkleide und Cho blieb allein im Halbdunkeln zurück.
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Am Vorabend ihres ersten Quidditchspiels war Cho nervös wie nie. Ihr war schlecht vor Aufregung und jeder der sie ansprach bekam nur eine bissige Antwort zu hören. Lediglich mit Marietta, ihrer besten Freundin unterhielt sie sich stockend, doch immer wieder verstummte das Gespräch.
Der Gemeinschaftsraum der Ravenclaws, mit der großen Statue von Rowena Ravenclaw, lag im obersten Turm von Hogwarts. Von hier aus hatte man einen großartigen Ausblick auf die Ländereien der Schule und die weitere Umgebung.
Aber Cho hatte für all diese Dinge heute Abend keinen Blick, denn immer wieder spielte sie in Gedanken ihr Quidditchspiel nach. Einige Schachzüge, die sie mit Roger geübt hatte und immer wieder rief sie sich die Taktik der Hufflepuffs in Erinnerung.
„Du sollst endlich damit aufhören." jammerte Marietta nach einer Weile. „Deine Hände zittern schon wieder."
Cho faltete ihre Hände zusammen, damit Marietta das Zittern nicht mehr sah. „Tut mir Leid." sagte sie verlegen. Seit mehreren Tagen war sie sich eigentlich nur noch am entschuldigen und es ging ihr selbst schon furchtbar auf die Nerven. „Ich kann nichts für meine Aufregung." grummelte sie. Cho war immer aufgeregt vor Prüfungen, vor der Notenvergabe, vor dem ersten Schultag, die Liste schien endlos lang zu sein. Zum wiederholten Male wünschte sie sich, endlich einmal selbstbewusster zu sein, aber zum wiederholten Male fragte sie sich auch, wie sie das wohl anstellen sollte? Wenn es nur einen Zauber dafür gäbe, dachte sie.
„Geh ins Bett." schlug ihr Marietta halbherzig vor.
„Da hat sie Recht." mischte sich nun Rico Fipes ein, einer der Treiber der Mannschaft ein. „Du musst morgen ausgeschlafen sein, wenn wir gewinnen wollen."
Cho wusste es zwar zu schätzen, dass die ganze Mannschaft ihr Mut zusprechen wollte, doch jetzt, in diesem Moment, gingen sie ihr alle nur furchtbar auf die Nerven.
„Darum kann ich mich selber kümmern." sagte sie schnippisch und Rico zog sich zurück.
„Deswegen musst du aber nicht gemein werden." maulte Marietta.
„Oh, sei endlich still." fauchte Cho. Sie hatte langsam genug davon, dass jeder ihr sagte, was sie wohl am besten tun sollte.
„Dann bleib halt hier." rief ihre Freundin und stolzierte erhobenen Hauptes zum Schlafsaal davon.
„Mach ich auch." rief Cho ihr hinterher und verschränkte die Arme vor der Brust.
Nach und nach leerte sich der Gemeinschaftsraum und schließlich blieb Cho alleine zurück. Das Kaminfeuer war nur noch eine schwächliche Glut und Cho starrte es mit bösem Blick an. Auch wenn sie sich für ihren Ausbruch schämte, war das noch lange kein Grund, sie wie ein Kind zu behandeln. Immerhin war sie dreizehn Jahre alt und aus eigener Kraft in die Quidditmannschaft gewählt worden, weil sie besser geflogen war als die anderen Anwärter. Mit diesen düsteren Gedanken schlief sie schließlich auf dem weichen Sofa ein.
