Ein Meer aus Kirschblüten bedeckte Konohagakure und tauchte das Dorf in rosanes Licht. Nicht unbedingt Sasukes Lieblingszeit im Jahr, aber war nun nicht alles anders?

Das gleiche dachte Hinata, während sie sich Blumen in die Haare steckte. Dieses Jahr war in der Tat alles anders. Sie blickte sich selbst durch den Spiegel in die Augen und konnte ihren eigenen Blick nicht deuten. Dabei war sie doch heute abend perfekt - äußerlich.

Sie spürte Arm, die sich um ihre Taille schlangen, und einen Kopf auf ihrer Schulter. "Alles ist anders als sonst." flüsterte Naruto ihr ins Ohr und küsste sie auf die Wange.

Feuerwerk, Zuckerwatte, der süßliche Geruch von Kirschblüten in der Luft. Narutos Arm um ihre Taille. Leute, die ihr Komplimente machten, wie gut sie doch aussehe in ihrem violetten Kimono.

War nicht alles anders?

Unter all den Menschen suchten ihre Augen nur den einen, den, auf den es wirklich ankam. "Komm!" Naruto zog sie von Stand zu Stand. Jetzt war er zu einer Schießbude gelaufen und grinste sie an, griff nach einem Ball.

Er brauchte sieben Bälle, um die oberste Dose endlich zu treffen, und suchte einen Stoffhund aus. Spitzbübisches Lächeln. "'Für dich." Verdammt, warum musste er nur so nett sein? Hinata spürte einen Luftzug hinter sich. Er war hier.

War nicht alles anders?

Zum Glück konnte sie Naruto für einen Moment bei Shikamaru stehen lassen, und murmelte Sakura zu, sie müsse nur kurz mal eben auf die Toilette.

"Du hast mich lange warten lassen..." Es war ein liebevoller Tadel, den sie mit einer scherzhaften Entrüstung bedachte. "Ich muss mich doch noch um meine anderen Liebhaber kümmern!" Sie lachten beide, wohlwissend, dass es eigentlich eher zum Weinen war. Und auch in ihrem Kuss lag Traurigkeit, Sasuke merkte es sofort.

Er nahm ihren Kopf in seine Hände, fragte: "Was ist los?" Entschlossen. "Er - er ist einfach zu lieb und freundlich!" brach es aus Hinata heraus. "Kann er es nicht merken, mich anschreien, beschimpfen, aus seinem Haus jagen, irgendwas? Warum tut er bloß diese ganzen unglaublich lieben Dinge, wegen derer ich DICH eigentlich vergessen sollte - es aber nicht kann?" Verwirrt, ausweichend schüttelte ihr Gegenüber den Kopf. "Wir haben doch nun schon so oft darüber geredet. Ich kann deine Gefühle verstehen. Du weißt, wenn du es willst, werde ich dir fernbleiben."

Aber sie hielt ihn fest. Küsste ihn. "Geh nicht."

Eine Stimme rief ihren Namen. "Bis später", flüsterte er noch, dann hastete er durch das Gebüsch.

War nicht alles anders?

Der Abend wurde zur reinsten Tortur und dennoch wunderbar. In der einen Sekunde war Hinata bei Naruto und den anderen, sah sich Tänze an, ging unter den blühenden Bäumen spazieren, probierte Leckerbissen, und in der nächsten stahl sie sich davon, wurde in einem günstigen Moment von einer Hand hinter einen Busch gezogen. Sie war sich beinahe sicher, irgendjemandem würde es auffallen, doch wie durch ein Wunder merkte niemand etwas, oder wenn, dann ließ sich derjenige nichts von seinen Beobachtungen anmerken.

Das Fest neigte sich dem Ende zu und bald war das große Feuerwerk, bei dem Hinata natürlich mit Naruto erscheinen musste, wenn sie nicht sofort einen Eklat riskieren wollte. Doch noch war sie in einer Umarmung von Sasuke gefangen, und es erweckte nicht den Anschein, als wolle er sie so bald loslassen. "Ich muss gehen..." "Nein." "Das Feuerwerk beginnt gleich. Siehst du nicht, die Akichimis bereiten schon alles vor." Mit einem Seufzer ließ er sie los. "Ich weiß. Aber komm später noch einmal hierher. Ich muss dich noch etwas fragen."

Sakura rief bereits von weitem nach ihr: "Schnell, Hinata, es beginnt gleich!" Naruto nahm sie in die Arme. Und wie sie dort standen, war klar, das heute, in dieser Nacht, etwas geschehen würde. Hinata sah sich um, Familien, Kinder, verliebte Paare. Kurenai mit dem kleinen Asuma an der Hand, daneben ihr neuer Freund, die Genins, Sakura und Lee, eng umschlungen.

Die erste Rakete stieg in die Luft, knallte, dann Stille. Der Regen aus bunten Funken spiegelte sich in aller Augen, die erstaunt über solche Schönheit weit geöffnet waren. Einen Moment hielt diese magische Stille, dann knallten die Raketen Schlag auf Schlag. Die Luft war erfüllt von Rauch und Licht, es war lärmig.

"Willst du mich heiraten?"

War nicht alles anders?

Sie lief, lief davon, ihre Sandalen klapperten und rutschten auf dem schlammigen Boden. Die Blumen, die in ihren Haaren gesteckt hatten, waren irgendwo auf die Erde gefallen. Der Saum ihres Kimonos war dreckig und nass, aber ihr war alles egal. Sie wollte nur weg.

Sie sah seinen Blick vor ihren Augen, bestürzt, verzweifelt, sie wusste, obwohl sie nicht zurück geblickt hatte, dass er ihr so hinterhergesehen haben musste. Hoffentlich hatten die anderen nichts gemerkt.

Sie bemerte die Lichter, die neben ihr schwach leuchteten, durch die Zweige hindurch. Natürlich, sie war an dem Schrein, in dem Sasuke auf sie wartete.

Sasuke war erschrocken, Hinata so zu sehen. Völlig aufgewühlt. Zuerst hielt er sie nur fest. Diese verdammten Uchihas, dachte er sich, die wissen, wie man mit Frauen umgeht. Sie können ihnen mit einem einzigen Blick Gänsehaut verschaffen, sie so küssen, dass sie den Verstand verlieren, sie sich mit einer Berührung winden lassen wie ein Schlangenbeschwörer seine Schlangen. Sie können sie mit einem Wort zum Weinen bringen und mit einer Bewegung das Herz brechen.

Aber sie können sie auch in ihren Armen halten und Trost spenden, wobei das die Fähigkeit ist, die der Clan die Jahrzehnte über fast verkümmern ließ. Aber sie ist immernoch da.

Es dauerte eine Weile, bis sie damit herausrückte, was geschehen war. "...und dann bin ich weggerannt." schloss sie. Sasuke hatte während ihrer Erzählung den Blick abgewandt. Er sah verletzt aus, sie berührte ihn an der Schulter, er zuckte zusammen. "Was ist los?" Trauriges Lächeln. "Naruto ist mir mal wieder zuvorgekommen. Ich wollte dich auch etwas fragen. Aber ich lasse es lieber." Aufgeregt drängte sie ihn, zu reden, aber er lehnte ab, we wolle sie nicht überforedern,. Doch Hinata bat ihn flehentlich. "Ich will die Wahrheit wissen... Ich liebe in einem Leben voll Lügen. Sag wenigstens du die Wahrheit."

"Nun gut..." Er atmete tief durch, machte den Mund auf, schloss ihn wieder, und begann dann doch zu reden.

"Würdest du ihn für mich verlassen?"

Ohne ihr Gelegenheit zu geben, zu antworten, fuhr er fort. "Ich kann dir vieles, aber nicht alles geben, was er kann. Mein Vater war ein Tyrann, kein ehrbarer Hokage. Der Stammbaum meiner Familie ist mit Blutflecken übersäht. Aber...", nun hielt er inne. Hinata konnte ihre Verwunderung; doch sah sie ihm in die Augen und schenkte ihm das Lächeln, das er so liebte.

"Ich werde viel nachdenken."

War nicht alles anders?