Kapitel 2 – Welcome home

Lamb grinste ironisch, als Veronica ihn geschockt ansah. „Du wusstest es nicht?" Als sie den Kopf schüttelte, wurde das Grinsen noch breiter. „Ungefähr zwei Jahre, nachdem du Neptune verlassen hast, hat Echolls sie geheiratet." Er schnaubte, als sie ihn ungläubig ansah. „War eine wirklich schöne Hochzeit. Hat eine Menge Aufsehen in den Medien erregt. Ich bin überrascht, dass du nichts davon in den Boulevardblättern gelesen hast." Und er konnte sich nicht verkneifen, zu sagen: „Die beiden haben sogar zwei Kinder. Einen Jungen und ein Mädchen. Kommen ganz auf ihre Eltern. Echte 09er."

Plötzlich tauchte neben Veronica ein Agent auf und hielt ihr einen Plastikbeutel hin. Gedankenverloren ließ sie das Portemonnaie hineinfallen. Sie nickte dem Agent zu, der den Beutel schloss und sich wortlos zurückzog.

Sie blinzelte und der abwesende Gesichtsausdruck war augenblicklich verschwunden. „Doktor? Ich will das Gesicht der Toten sehen.", sagte sie bestimmt. Ihr Gesichtsausdruck war vollkommen emotionslos.

Der Gerichtsmediziner nickte kurz und strich der Toten die wasserstoffblonden Haare aus dem Gesicht, die einmal zu oft gebleicht worden waren, um die eigentliche Haarfarbe ihrer Besitzerin zu überdecken – ein Straßenköterblond. Er legte ein Gesicht frei, dass durchaus vor einigen Jahren noch hübsch gewesen war – vor sehr vielen Jahren.

„Wann ist sie gestorben?", fragte sie ruhig. Ihr Gesicht eine ausdruckslose Maske.

„Vor circa 5 Stunden.", sagte der Doktor. „Aber sie ist nicht hier getötet worden." Er sah Veronca direkt an. „Mehr kann ich im Moment noch nicht sagen."

Veronica nickte und wandte sich dann Lamb zu. „Das ist sie nicht." Sie schnaubte. „Das ist nicht Madison Sinclair."

Er nickte. „Stimmt!"

„War ja klar, dass du das sofort erkennst.", sagte sie. Ihre Stimme hatte einen eindeutig triefend ironischen Unterton. „Ihr zwei hattet ja", sie hielt kurz inne und auf ihr Gesicht stahl sich ein schiefes Grinsen, „eine innige Beziehung."

Er sah sie fragend an und legte den Kopf schräg. „Wie meinst du das?"

„Oh, ihr zwei habt vor all den Jahren nicht bedacht, dass es im Aufzug des Neptune Grand eine Kamera gibt." Ihr Lächeln wurde breiter, als sie seinen ertappten Gesichtsausdruck sah. „Ich hab die Aufzeichnung gesehen. War wirklich…interessant. Ein paar wirklich schicke Aufnahmen. Du hättest sie dir geben lassen sollen. Wirklich eindrucksvoll."

„Ja.", sagte er ruhig und sah sie mit stechendem Blick an. „Aber sie ist am nächsten Morgen nicht einfach aufgestanden und gegangen!"

Sie sah ihn mit stechendem Blick an.

In diesem Moment kam ein Agent kam näher und verhinderte damit eine ihrer bissigen Bemerkungen. „Wir sind fertig!"

„Ich komme sofort.", sagte Veronica und lächelte den Agent an, der nickte und zum Wagen zurückkehrte. Dann wandte sie sich an Lamb. „Hat mich gefreut, Sheriff. Wir sehen uns später." Sie wandte sich um, ohne auf eine Reaktion von ihm zu warten, und ging in Richtung Wagen davon.

„Was soll das heißen – später?", brüllte er ihr hinterher. So kannte er sie nicht. Sie hatte sich eindeutig verändert. Früher hätte sie es nicht dabei belassen. Hätte sich nicht umgedreht und wäre gegangen.

Doch statt einer Antwort hob sie nur den Arm und winkte zum Abschied, ohne sich auch nur noch einmal umzudrehen.

„Willkommen Zuhause, Mars!", murmelte er und sah ihr hinterher, bis er nur noch die Rücklichter des Wagens sah.