Yay. Kapitel drei. Kommt schon, Leute, gönnt mir den Spaß und schreibt mir ein kleines Review, bittebitte?
Ich habe die ersten Kapitel überarbeitet. Langsam komme ich wieder rein in die deutsche Sprache, Gott sei's gedankt. Und keine Sorge, es wird noch spannend. Später. Irgendwann. Pinkie Promise.
In der unveröffentlichten Pilot-Episode von Sherlock Holmes (die ich gestern zum ersten Mal gesehen habe, und SQUEE) gibt es eine Szene, in der man ein Emailfenster auf Sherlocks Laptop einsehen kann. Der Name des Absenders, soweit lesbar, ist "Gregson L". Ich habe keine Ahnung, ob der Name "Gregory" fannon ist oder ob "Gregson L" lediglich einen Zufall darstellt. In jedem Falle habe ich mir in diesem Moment selbst einen Eid geschworen: Lestrades Vorname wird in meinen Geschichten niemals,
absolut niemals, Gregson lauten.
Hiermit gebe ich bekannt, dass ich DAS LIED FÜR SHERLOCK entdeckt habe. Ich verrate euch den Titel, wenn ihr wisst, wer die "Sechs Personen auf der Welt" (s.u.) sind. :3

Zitat: There is an East Wind coming, Watson...


Kapitel Drei_Test


"Lass mich das noch einmal zusammenfassen."

Es ist später Vormittag in London, England, und die Sonne scheint mit deutlich mehr Kraft durch die Wohzimmerfenster von 221b Baker Street und malt leuchtende Muster auf den verwaschenen roten Teppich. John und Sherlock sitzen in ihren Sesseln- John lehnt sich gerade zurück und saugt geistesabwesend an seiner Unterlippe, während Sherlock sich erwartungsvoll vorbeugt. Er hat die Beine elegant übereinander gefaltet und die verschränkten Finger auf die Knie gestützt. Fokus seiner Aufmerksamkeit ist Detective Inspector Gregory "Greg" Lestrade, seines Zeichens brillianter Mitarbeitet des Scotland Yard (auch wenn Sherlock hier anderer Meinung ist) und zum ersten Mal seit Jahren tatsächlich ansatzweise ausgeschlafen. (Und sollte mich diese vorübergehende Suspendierung nicht ein ganzes Stück mehr aus der Bahn werfen? denkt der Mann bei sich. Aber nein, er hat tatsächlich nach Johns Anruf noch einige Stunden seelenruhig geschlummert.) Jetzt, wach und deutlich ruhiger als noch vor einigen Minuten (als John ihn mit Gewalt von Sherlocks süffisantem Grinsen fernhalten musste), versucht er stirnrunzelnd, die Puzzleteile zusammenzusetzen.

"Du sagst also", beginnt er und sieht Sherlock direkt in die Augen (er gehört zu den sechs Menschen auf dem Planeten, die dazu erwiesenermaßen in der Lage sind, und es bedurfte ihn jahrelanger Arbeit), "Jim Moriarty hat das Versteckspiel aufgegeben, ist wieder in London aktiv und gibt uns das erste Lebenszeichen seit Monaten, um mich loszuwerden?"

Ein verzweifelter Seufzer entringt sich Sherlocks Brust und er rauft sich die Haare. "Lestrade", sagt er und schafft es mit erschreckender Leichtigkeit, den Namen wie eine Beleidigung klingen zu lassen. "Denk nach. Es ging bei der ganzen Sache nicht um dich. Dein Einschreiten ist lediglich ein Bonus." Er hat geduscht und den zerknitterten Anzug vom Vortag gegen schlichte, dunkle Hosen und ein einfaches weißes Hemd eingetauscht. Beides unzweifelhaft von höchster Qualität (und wie bezahlt jemand wie Sherlock ein Laster wie dieses?). Seine Locken sind noch feucht und stehen nun, da sie seinen Händen hilflos ausgeliefert sind, in alle Richtungen ab. Im Licht der Mittagssonne schimmern die einzelnen Strähnen in einem dunklen Rot, und nicht zum ersten Mal ist John verblüfft über einen Beweis der Familienähnlichkeit zwischen Sherlock und Mycroft, die sich nur in den kleinsten Gesten und winzigen äußerliche Merkmalen abzeichnet. Er kneift die Augen zusammen, kratzt sich am Nasenrücken und wendet seine Gedanken wieder dem Fall zu- genauer gesagt, dem Anblick von Lestrade, der von Sherlocks Manieren unbeeindruckt seine nächste Theorie hervorbringt.

"Also nimmt Moriarty seine Arbeit als beratender Krimineller wieder auf, und seine erste Amtshandlung besteht in der Suspendierung von Doktor Anderson?" Irgendwie klingt Andersons Name in diesem Moment noch mehr nach einer Beleidigung als sein eigener zuvor, und Greg beißt sich im Stillen auf die Zunge. Sherlock, auf der anderen Seite, ist offensichtlich hellauf begeistert.

"Das wiederum", sagt er (und wirklich, kann er nicht wenigstens so tun, als würde es ihn nicht freuen?), "trifft die Sache auf den Punkt."

Lestrade atmet zu schnell und zu flach und er zwingt sich, tief Luft zu holen und sich zu beruhigen. Dieses ganze Gespräch ist Wahnsinn. Es ist lächerlich, wirklich (und er spürt ein hysterisches Lachen in seiner Kehle aufsteigen), lächerlich, aber Sherlock scherzt nicht. Aus den Augenwinkeln kann er sehen, wie John (immer ganz der Doktor) ihm einen kurzen Blick zuwirft, bevor er sich wieder Sherlock zuwendet. Beide Männer warten auf eine ausführlichere Antwort von Sherlock, irgendeine Erklärung für diesen Unsinn, während sich besagter Detektiv plötzlich wahnsinnig für die spezielle Musterung der Tapete über dem Kamin zu interessieren scheint. Bittet mich, sagt die spöttische Kurve seiner Lippen. Es ist Lestrade, der die Stille schließlich bricht (und verdammt noch eins, John kennt dieses Spielchen nicht nur bereits, er ist außerdem jetzt schon besser als der Inspektor). Nervös befeuchtet er die trockenen Lippen mit der Zungenspitze, bevor er redet, und John neben ihm steht augenblicklich auf und verschwindet in der Küche, unzweifelhaft, um ihm etwas zu trinken zu besorgen. (Der Mann ist auf seine ganz eigene Weise aufmerksam, denkt Greg bei sich. Es geht neben Sherlocks Erläuterungen unweigerlich unter, aber John Watson hat ein scharfes Auge für Mimik und Gestik. Sie ergänzen sich auf geradezu unheimliche Weise. Er schüttelt den Gedanken ab. In dieser Richtung wartet nichts als Wahnsinn.)

"Sherlock", sagt der Inspektor sehr langsam und sehr deutlich, "ich habe keine Ahnung, was du meinst."

In einer übertrieben fassungslosen Geste fährt der junge Mann sich mit der Hand übers Gesicht. "Wirklich, Zivilisten heutzutage." Greg knirscht mit den Zähnen und ist froh, dass John ihm eine Teetasse in die Hand drückt, bevor er etwas anderes mit ihr tun kann. Sherlocks Nase brechen, nur um ein Beispiel zu nennen. Er trinkt einen Schluck des dampfenden Getränks und ist überrascht, nicht Tee, sondern Kakao darin vorzufinden. Nein, kein Kakao- Rum mit einem Schuss Kakao, denkt er und verspürt den plötzlichen Drang, John zu umarmen. (Auf sehr männliche Weise, versteht sich.) Der Trick ist genau so einfach wie genial- Sherlock hasst heiße Schokolade.

"Ganz offensichtlich", sagt Sherlock gerade und setzt beide Füße fest auf dem Boden ab, "ist es ein Test für mich. In seiner Nachricht sagte Moriarty, er wolle-"

"Stopp", sagt John genau in dem Moment, in dem auch Lestrade ein entgeistertes "wie bitte?" entfährt. Was will Sherlock bitte andeuten? Er bedeutet dem Doktor rasch, weiterzusprechen. "Stopp", wiederholt John leise, und in seiner Stimme klingt auf einmal etwas Gefährliches mit, etwas hartes und dunkles, das zu seiner äußeren Erscheinung so wenig passt wie ein Blutmond an den Mittagshimmel. Lestrade muss unwillkürlich schlucken. "Welche Nachricht, Sherlock?"

Uh oh. Lestrade lehnt sich zurück, nippt vorsichtig an seinem Kakao und arbeitet an der für Polizisten lebenswichtigen Fähigkeit, mit seinem Hintergrund zu verschmelzen. Sherlock, auf der anderen Seite des Couchtisches, ist scheinbar völlig unbeeindruckt. Lediglich eine gehobene Augenbraue erlaubt Spekulation über seine Gedanken. "Eine CD. Dafür habe ich mir deinen Player gestern ausgeliehen. Sie kam mit der Post und ich habe den Umschlag sofort ans Yard weitergeleitet. Du warst in der Klinik." Johns stahlblaue Augen wenden sich dem Inspektor zu, nicht ungleich Suchscheinwerfern, und Lestrade fragt sich im Stillen, ob die Waffe (sie, deren Name nicht genannt werden darf) sich im Raum befindet. Er hofft wider besseren Wissens auf das Gegenteil, als er antwortet.

"Nun, wir haben tatsächlich einen Briefumschlag zugeschickt bekommen. In einem weiteren Briefumschlag. Abgeliefert von einem Eilkurier, den wir bezahlen mussten. Es gab keinen Absender und keine weiteren Erklärungen, und ehrlich gesagt ist das Ding im Trubel gestern ziemlich untergegangen." Diesmal ist es John, der die Brauen hebt. Sherlock wedelt abweisend mit der Hand. "Unwichtige Details, Lestrade. Unwichtige Details." (Jeder im Raum weiß, dass dies Sherlock-isch für 'daran habe ich nicht gedacht' ist, aber niemand sagt etwas. Was könnte man dazu auch sagen?)

"In jedem Fall gab es eine Nachricht. Moriarty- ich vermute jedenfalls stark, dass er es war- drohte mir, als nächstes mein näheres Umfeld zu attackieren. Offenbar ist er unzufrieden über den Ausgang der Pool-Affäre und plant, mich loszuwerden, bevor er irgendetwas anderes versucht." Er schnieft ungehalten, aber seine gehobenen Mundwinkel verraten, dass er überaus zufrieden mit sich ist.

Lestrade fehlen die Worte. So vieles ist falsch an diesem letzten Satz, dass er nicht weiß, wo er anfangen soll. (Seine Auswahl rangiert praktisch überall zwischen einem sarkastischen 'Ach, wirklich?' und einem gebrüllten 'warum behälst du das für dich, du Schwachkopf!') Neben ihm seufzt John leise (es ist ein zutiefst erschöpfter, beinahe verzweifelter Laut, und Lestrade spürt jede Unze dieser Last, als käme der Seufzer von ihm selbst), bevor er aufsteht und in Sherlocks Zimmer verschwindet, um besagten CD-Spieler zu holen. Lestrade atmet tief durch. "Sherlock." Der jüngere Mann fixiert den Blick seiner nebelgrauen Augen auf den Inspektor und runzelt die Stirn. "Wie wird aus deinem 'näheren Umfeld' ausgerechnet Anderson? Du hasst den Kerl." Und er dich nicht weniger, mein Freund.

Sherlock verzieht das Gesicht. "Aber nicht doch, Lestrade. Ich hasse Anderson nicht mehr, als ich einen Baum hassen könnte. Oder einen Stein. Auf dem Grund der Themse. Er fällt nicht in das nötige Intelligenzspektrum, das ein Wesen haben muss, damit man es hassen kann. Es ist nicht seine Schuld." Er seufzt, leise, als wäre ihm nicht bewusst, dass er es tut. Und beinahe- für eine Sekunde nur- scheint es, als sacken seine Schultern ein wenig nach vorne. (Lestrade blinzelt, und der Moment verfliegt.) "Aber ja, es ist ein Test. Und er ist noch nicht vorbei. Moriarty fängt ganz außen an, bei entfernten Kontakten und Bekanntschaften, aber der Ring wird sich zuziehen." Das stellt Lestrade nicht zufrieden. Warum sollte Moriarty jetzt Sherlocks Sozialleben anvisieren? Ihm wird schmerzlich bewusst, nicht zum ersten Mal, dass er nicht wirklich weiß, was an jenem Abend am Pool genau passiert ist. Aber er weiß nicht, wie er anfangen soll, und die Gelegenheit verstreicht.

John erspart ihnen beiden jedes weitere Wort, indem er das Objekt der gemeinsamen Begierde auf den niedrigen Couchtisch stellt und ohne viel Federlesen Play drückt.

Sie hören die Nachricht drei Mal, und dann immer wieder Teile und Auszüge. Sherlock holt seine Notizen, und John beißt sich auf die Unterlippe. Sie gehen verschiedene Möglichkeiten durch, ergehen sich in immer wilderen Spekulationen, sehen kaum auf, als der Lieferdienst kommt und essen mit abwesender Mechanik, während die Stunden vorüberziehen. Die Aktivität hat etwas fliehendes ohne die üblichen Akten und Fotos, die jetzt wieder hervorgesucht werden. Wo als nächstes? Warum jetzt? Und wie verhindern wir es? Jede Idee verbirgt neues Unheil. Jede Frage wirft neue Fragen auf, ohne dass die wichtigen Punkte wirklich angesprochen werden. Manchmal sitzen sie für lange Minuten nur da, zu dritt auf dem Sofa, und schweigen die Tapete an. Sherlock wirft ihnen Informationen und Worte an den Kopf, wie es seine Art ist, ohne Erklärungen und- leider- ohne sichtbares Ergebnis.

Lestrade geht nicht, als die Sonne hinter den Hausdächern versinkt und die Dunstglocke über London in glühend rotes Licht taucht. Er bleibt, als sich die Diskussion im Kreis dreht, hin und her und die Worte für Stunden eine verletzende, bissige Kante haben. Er verlässt die Wohnung nicht, als Sherlock erklärt, dass er weder Anderson noch Donovan Unglück wünscht- aber dass ihr Wohlergehen ihn nicht im geringsten interessiert. Er bleibt wach, als John vorschlägt, eine Liste mit Personen zu erstellen, die Ziel des nächsten Angriffs werden könnten, und Sherlock nur verächtlich schnaubt. Er lauscht dem plötzlichen, mitternächtlichen Regenschauer, während er die Küchenregale des Appartments nach Wanzen absucht. Es ist lange nach ein Uhr am Morgen, als er schließlich auf die menschenleere Straße tritt und seinen Wagen unter hunderten sucht, um nach Hause zu fahren.

Niemand ermahnt ihn, vorsichtig zu sein. Niemand erwartet einen Anruf, um zu zeigen, dass er angekommen ist. Niemand fragt nach.

Aber er schläft mit seiner Dienstwaffe unter dem Kopfkissen, und sie findet ihren Weg wie von selbst in seinen Rucksack, als er am nächsten Tag zum Fitnessstudio geht. Er trägt sein Handy immer bei sich und ertappt sich jede halbe Stunde dabei, wie er auf das Display starrt und auf eine Nachricht wartet, die nicht kommt. Und er mustert die Menschen auf der Straße mit neuer Intensität, auf einer neuen Ebene, umgeht Abkürzungen und Parks wenn er kann und lässt seine Speisen und Getränke nicht eine Sekunde lang aus den Augen.

(Sherlock Holmes nennt sich selbst einen Soziopathen, und Lestrade lässt ihn reden. Aber in dem Moment, in dem die Sprache auf eine Liste von Sherlock nahe stehenden Personen kam, flackerte der Blick des Detektivs für einen Sekundenbruchteil von John zu Greg und wieder zurück. Eine Sekunde nur, aber das ist schon genug. Genug für eine seltsame Mischung aus Beschützerinstinkt und Furcht, die sich irgendwo in ihm einnistet. Niemand sagt ihm, dass er vorsichtig sein soll. Aber das braucht auch niemand. Wenn Moriarty mit Sherlock Holmes' Gefühlen spielen muss, dann ganz sicher nicht über Gregory Lestrade. Nicht, wenn er es verhindern kann.)