Die Charaktere gehören Stephenie Meyer. Ich freue mich über jede Kritik, positiv wie negativ.
So da bin ich wieder. Ich hoffe ihr habt euch gefreut, dass ich wieder schreibe. Hier mein nächstes Kapitel. Viel Spaß.
11. Kapitel – Die Schuld
Charlies POV
Nach dem aufwühlenden Gespräch mit Bella und Renée gestern, hatte ich mich schnell auf den Weg zur Arbeit gemacht. Ich mochte keine Gefühlsausbrüche und Bellas Reaktion hatte mich zutiefst erschrocken. In Gedanken versunken, war der Tag dann aber schnell an mir vorbei gezogen, habe endlich die ganze Büroarbeit erledigt. Ich kam erst spät nach Hause und verschwand heute auch wieder sehr früh. Heute war zwar Sonntag aber die Wache war ohnehin eh jeden Tag besetzt und ich arbeitete oft auch mal am Wochenende. Ich wollte nur um jeden Preis eine Konfrontation vermeiden. Was sollte ich auch sagen? Ich konnte es ihnen ja nicht einfach erklären, meine Gründe dürften nie heraus kommen. Nun ging ich heute Morgen alleine in die Kirche, aber am anderen Ende der Stadt. Ich wollte nicht, dass jemand bemerkte, dass ich alleine kam. Ich hatte Sue, meiner Sekretärin, gestern Bescheid gegeben, dass ich heute arbeiten kommen würde. Sie wollte demnach heute auch eine Sonderschicht einlegen. Ich wollte um 10 Uhr auf der Wache sein, nun war ich schon sehr spät dran. Normalerweise kam ich nie zu spät, doch ich wollte Sue heute nicht begegnen, bevor mein Kopf frei war. Sue kannte mich gut, zu gut. Es wäre ihr aufgefallen, dass mich etwas beschäftigte. Wir hatten schon öfters länger bleiben müssen und Überstunden gemacht. Ich genoss es mit ihr zusammen zu sein, unsere gelegentlichen Ablenkungen auf meinem Schreibtisch genoss ich besonders.
Sue hatte 2 Kinder, Leah und Seth. Ihr Ehemann, Harry Clearwater, war vor einigen Jahren an einem Herzleiden gestorben. Ich lernte sie damals kurz nach der Beerdigung kennen. Sie stellte sich hier in der Wache vor, wollte eine Arbeit haben. Frauen durften bei uns nicht arbeiten, das kam gar nicht in Frage. Doch sie machte da vorne so einen Aufstand, dass meine Deputies mich zu Hilfe holen mussten. Ich nahm sie mit in mein Büro und versuchte ihr zu erklären, dass es hier keine Arbeit für sie gab. Sollte sie doch zur Poststelle oder Telefonstelle gehen, das war Frauenarbeit. Doch sie blieb standhaft und zeigte verbissen, dass sie nur hier arbeiten wolle und auch müsse. Sie erzählte mir, dass ihr Ehemann gerade erst verstorben sei und sie nun die Kinder durchbringen müsse. Sie tat mir irgendwie leid und vom Typ her, konnte man sie schon ertragen. Sie war stark und hatte Durchsetzungsvermögen. Auch ließ sie sich nicht von den blöden Sprüchen der Deputies stören, das imponierte mir. Dennoch gab es noch ein kleines Problem. Sue wohnte im Wald, wie einige andere auch. Eigentlich wollten die Menschen in der Stadt nichts mit ihnen zu tun haben, sie waren irgendwie sonderbar, sahen auch alle furchteinflößend aus. Ich war also nicht sonderlich begeistert, dass sie ausgerechnet hier arbeiten wollte aber sie tat mir doch irgendwie leid und ich gab ihr eine Stelle als meine Sekretärin.
Mit der Zeit lernten wir uns dadurch auch näher kennen, vor allem aber lieben. Vor einiger Zeit hatte ich überlegt, meine Frau zu verlassen und mit ihr zusammen zu leben. Aber ich verwarf den Gedanken schnell wieder. Eine Trennung würde für einen Chief keine schönen Folgen haben, schon gar nicht wenn dann noch heraus käme, dass ich etwas mit einer Frau aus dem Reservat hätte.
Dennoch war Sue eine tolle Frau, zwar etwas herrisch aber hilfsbereit. Sie kümmerte sich hervorragend um mich und wusste immer genau was ich brauchte, in allen Angelegenheiten.
Und auch wenn ich Sue gerne hatte, ihre Nachbarn im Wald waren mir nicht so ganz geheuer. Sie verbrachen nie etwas, zumindest wurde ich nie dorthin gerufen, dennoch hatte ich Respekt vor den Leuten. Ich wollte mit denen nichts zu tun haben. Bald jedoch änderte sich für mich alles zum Schlechten. Einer der Blacks, Billy, hatte herausgefunden was zwischen mir und Sue lief und erpresste mich damit. Er würde nichts sagen wenn ich nicht so genau hinsehen würde. Ich wusste nicht was er da für Geschäfte am Laufen hatte aber ich verschloss meine Augen und ließ ihn gewähren. Ich hatte Angst um meinen Ruf und auch um den von Sue.
„Guten Morgen Chief. Sie sind ziemlich spät dran." Sagte Sue etwas scharf. Das war für mich normal, so konnten wir die Fassade aufrechterhalten und meine Deputies merkten nichts.
„Morgen. Ja gab noch einiges zu tun. Was Neues?" brummte ich zurück, während ich in mein Büro ging. Auch das gehörte zu unserem Schauspiel, Sue wusste das genauso zu nehmen wie ich. Sie folgte mir schnell und quasselte drauf los, viele uninteressante Sachen, darum konnten sich die Deputies kümmern. Meine Gedanken schweiften schon wieder zurück zu meinen Streit mit Bella und Renée gestern. Mir war auch nicht wohl bei der Sache aber ich hatte keine andere Wahl. Billy hatte wieder seine Finger im Spiel. Entweder Bella würde seinen Sohn Jacob heiraten oder aber er würde Renée mein kleines, süßes Geheimnis verraten. Das durfte wiederrum auf keinen Fall geschehen, die Folgen für mich wären unakzeptabel. Natürlich hätte mein Auffliegen auch schwerwiegende Folgen für Bella und Renée, mit diesen Gedanken rechtfertigte ich zumindest mein Handeln. Es war so für alle das Beste. Als ich mit Bella darüber sprach, war sie anfangs sogar erfreut, dass ich sie verheiraten wollte. Ich hegte Hoffnung, dass es uns wohl doch nicht so viel kosten würde. Doch nachdem ich ihr sagte, dass es Jacob sein wird, den sie heiraten sollte, war sie völlig ausgerastet. Sie hatte mich angeschrien und sich völlig unpassend verhalten. So redete keiner mit mir und schon gar nicht meine eigene Tochter. Sie liebte ihn nicht, na das würde schon noch kommen. Sie hatte das zu tun, was ich sagte und früher oder später würde sie schon erkennen, dass es so am besten war.
„Charlie? Ist alles in Ordnung? Du warst gestern schon so abwesend, geht es dir gut?" fragte Sue. Sie klang besorgt. Wir waren mittlerweile alleine in meinem Büro, daher gab es keinen Grund die Scharade weiter zu spielen.
„Es ist alles in Ordnung, nur ein bisschen zu viel Arbeit in der letzten Zeit." Log ich. Ich konnte ihr nicht die Wahrheit sagen, ich wollte nicht, dass sie irgendetwas erfährt. Außerdem hatte ich Angst, was sie von mir denken könnte, wenn ich ihr meine Pläne erzählen würde.
„Bist du sicher?" fragte sich noch einmal ungläubig nach.
„Aber ja."
„Vielleicht kann ich dir dann etwas Ablenkung verschaffen?" sie sah mich verschmitzt an.
„Nicht jetzt, meine Liebe. Es sind zu viele Deputies hier, vielleicht später." Antwortete ich nun freundlicher. Sue war wirklich für diesen Job gemacht, sie wusste immer was ich brauchte. Aber das half mir bei meinen Problemen im Moment auch nicht. Mein Telefon klingelte, ich war der Einzige hier, der diesen Luxus besaß.
„Chief Swan" sagte ich. Am anderen Ende war Billy dran. Das konnte ich nun nicht auch noch gebrauchen. Wie kamen die im Reservat eigentlich an Telefone? Ich gab Sue mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass ich alleine sein wollte und sie ging augenblicklich raus an ihren Schreibtisch.
„Billy. Was gibt's? ... Ja ich habe es ihr gesagt… Nein, das nicht unbedingt… Wann? … Warum die Eile? … Schließlich geht's hier um meine Tochter, da stehen mir auch ein paar Antworten zu… Nein das ist kein Problem… Sie wird da sein…" und damit legte ich auf. Billy schien es eilig zu haben, die Hochzeit war in 4 Wochen geplant. Wie sollte ich das der Familie beibringen? Es schien aussichtslos, ich musste da jetzt durch. Heute würde ich keinen klaren Kopf mehr bekommen, also entschied ich mich doch für etwas Entspannung. Ich suchte meine ganzen Anzeigen zusammen und verteilte alles auf meine Deputies, so dass nur noch einer in der Wache zurück blieb. Ich wies ihn darauf hin, dass ich nicht gestört werden wollte, egal was passieren würde. Auf dem Weg zurück in mein Büro zwinkerte ich Sue zu und sie folgte mir wortlos in mein Büro. Ich schloss die Tür ab und als ich mich umdrehte, hatte Sue sich schon den Rock nach oben geschoben, saß auf meinem Schreibtisch und winkte mich verführerisch zu sich. Ja, sie war wirklich perfekt, für die nächsten Stunden würde ich nicht denken müssen.
Bellas POV
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, eine Stunde, eine Minute, ein ganzer Tag? Zeit spielte für mich keine Rolle mehr, ich hatte Edward gehen lassen. Ich hatte ihn verloren. Was sollte ich nun noch mit mir anfangen? Es gab nichts was ich hätte tun können oder wollen. Ich wollte nur Edward wieder bei mir haben aber das war vielleicht das Einzige was ich nicht haben konnte. Ich hatte ihn nicht verdient, nie hätte ich mir Hoffnungen machen sollen. Es war doch offensichtlich, dass er niemals bei mir geblieben wäre, was war ich denn schon? Ich war ein Niemand, nicht besonders oder wertvoll, nicht so wie seine Mutter. Vor ein paar Tagen war meine Welt noch in Ordnung gewesen. Ich hatte Freunde und war halbwegs glücklich, ich hatte nicht über Liebe oder Heiraten nachgedacht. Jetzt musste ich fühlen was die Liebe für eine seelenlose Leere in mir übrig gelassen hatte und mich mit dem Gedanken anfreunden, einen wildfremden Jungen zu heiraten. Es war mir jetzt egal wen ich heiraten sollte, Edward wollte mich nicht mehr. Ich würde ohnehin niemals mehr glücklich werden.
War heute noch Sonntag? Wir hätten heute eigentlich zusammen in die Kirche gehen sollen, so wie wir das jeden Sonntag machten. Aber die vielen Ereignisse haben alles andere in unserem Leben unwichtig erscheinen lassen, selbst Gott. Wieso war Gott so gemein zu mir, was hatte ich ihm denn getan? Ich war immer regelmäßig in die Kirche gegangen und bin ihm gläubig gefolgt. Wieso schenkte Gott mir erst den schönsten Engel, den er hatte um ihn mir dann wieder weg zu nehmen? Ich dachte immer ein Mensch hätte etwas sehr Schlimmes verbrochen haben müssen, um von unserem Herrn so bestraft zu werden.
Wo waren eigentlich meine Mutter oder mein Vater? Waren sie ohne mich gegangen? Hatten sie vielleicht Edward beim Gehen angetroffen und wussten, dass ich nun eine seelenlose Hülle war? Ohne Seele und Herz brauchte ich dann auch nicht mehr zu beten, das konnte Edward jetzt für mich mit tun, denn er hatte alles in mir mitgenommen. Es gab nichts mehr was ich sagen konnte, nichts mehr was noch nicht durch meine Gedanken gerieselt ist. Ich spürte wie verquollen ich aussehen musste, ich hatte zu viel geweint aber auch das war mir jetzt egal. Meine Augen schlossen sich ganz langsam und mich ummantelte eine Leere, eine willkommene Leere. So musste ich zumindest nicht mehr diesen Schmerz fühlen, also umarmte ich die Stille und ließ mich weiter in sie hineinziehen.
Renées POV
Nachdem ich mich von Phil verabschiedet hatte, lief ich schnell wieder nach Hause. Ich musste nur noch an Bella denken. Wie egoistisch war ich doch gewesen, meinen Schmerz bei Phil zu betäuben und Bella mit ihrem oder Edwards Schmerz zurück zu lassen. Wahrscheinlich waren die beiden noch zusammen und gaben sich gegenseitig Halt aber ich wusste ja nicht einmal was mit Edward war und ob es ihm jetzt schon besser ging. Ich hoffte Dr. Cullen war wirklich erschienen. Ich fühlte mich so schlecht. Was war ich nur für eine Mutter und Gastgeberin?
Als ich zuhause ankam war es sehr ruhig. Ich wurde nicht wie üblich von Jessica oder Mrs. Hammond empfangen, das war verwunderlich bis ich feststellte, dass es gerade an der Zeit war, den Tee vorzubereiten. Ich legte meine noch nassen Sachen ab und begab mich zuerst einmal in meinen Schlafraum. Ich hätte gerne nach Jessica gerufen aber ich wollte nicht, dass jemand meinen Aufzug sah. Es wäre schon sehr verdächtig, wenn man mich so nass sehen würde und die Dienstboten würden anfangen sich fragen zu stellen oder zu tratschen. Ich zog mir also selbst ein neues Kleid an und begab mich dann in den Salon um Mrs. Hammond zu rufen. Sie sollte dann gleich den Tee servieren, ich wollte nur schnell nach meiner Tochter sehen. Ich ging hinauf in den Ostflügel unseres Hauses und begab mich zum Zimmer von Bella.
„Bella? Bist du da?" ich klopfte leise an ihre Tür. Es kam keine Antwort. Ich ging ein paar Schritte weiter und klopfte auch bei Edward, auch da kam keine Reaktion. Ich öffnete seine Tür und sah, dass er gegangen war. Sowohl sein Koffer war weg als auch sein Schrank war leer geräumt. Auf dem Schreibtisch lag ein Zettel.
Liebe Mrs. Swan, Mr. Swan
Ich danke Ihnen sehr für Ihre Gastfreundschaft, auch im Namen meiner Mutter. Entschuldigen Sie bitte meinen so unpersönlichen Abschied, aber Sie werden sicher verstehen, dass meine Mutter mich jetzt braucht und ich nicht länger warten konnte. Ohnehin schickt es sich nun nicht mehr für mich, hier weiterhin bei Ihnen zu nächtigen, wo Isabella nun mit Jacob Black verlobt ist. Richten Sie ihr bitte nochmals meine Glückwünsche aus.
Ich verbleibe mit den herzlichsten Grüßen
Edward Masen
Edward war gegangen? Er muss verletzt gewesen sein, all diese Neuigkeiten. Die Zurückweisung seines Antrages und dann noch den Tod des Vaters. Es war gewiss verständlich, dass er nun so schnell wie möglich zu seiner Mutter wollte aber was ist nun mit Bella? Wusste sie schon davon? Ich ging durch die Flügeltür direkt herüber zu meiner Tochter. Sie lag vollständig bekleidet auf dem Bett, die Augen geschlossen. Trotzdem konnte ich erkennen, dass sie viel geweint haben musste, ihr ganzes Gesicht war völlig aufgequollen. Sie wusste also über Edwards Abschied Bescheid. Es war sehr ehrenhaft, sich zumindest von Bella persönlich zu verabschieden. War sie dann vor Erschöpfung eingeschlafen? Ich setzte mich vorsichtig auf die Bettkante und strich ihr übers Haar. Sie rührte sich nicht, also ließ ich sie lieber schlafen. Wahrscheinlich brauchte sie den Schlaf jetzt mehr als ich meine Antworten. Langsam stand ich auf und verließ leise das Zimmer. Das war ein sehr langer und anstrengender Tag gewesen, ich brauchte jetzt auch etwas Ruhe und eine schöne Tasse Tee. Danach erst würde ich mir wieder Gedanken wegen der ganzen Probleme machen.
So das war's dann erst mal wieder. Ich hoffe es hat euch gefallen. Bitte hinterlasst mir fleißig Reviews. Im nächsten Kapitel muss Bella dann Jake kennenlernen. Ihr könnt gespannt sein, es wird anders als erwartet.
Vorschau:
Kapitel 12 – Seelentröster
Bellas POV
Ich war die letzten Tage völlig leer und zeitlos. Meine Mutter hatte viel geweint, mit mir geredet, mich angeschrien, getröstet aber das alles war mir egal. Ich war leblos und leer. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich war wie von dicker Watte umgeben, nichts kam so richtig zu mir durch.
