Meine Lieben...

Lang hat es gedauert, bis ich meinen Weg auf diese Seite gefunden habe, aber jetzt bin ich hier ebenso wie auf dem deutschsprachigen Pendant – mit meiner folgenschweren Version des Ausgangs der Geschichte von Harry und seinen Mitstreitern. Ich schreibe an dieser Geschichte seit fünf Jahren, sie ist also ziemlich ausgereift und auf meinem PC schon mehr oder minder fertig – es wird daher regelmäßig Nachschub kommen. Ursprünglich dachte ich nicht, dass ich sie veröffentlichen würde ... aber mit der Zeit wurde es zu schön für mich, um sie nicht zu teilen.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen und danke Euch schon jetzt für Eure Reviews!
Kuss

PS: In der Geschichte steckt am Anfang ein bisschen "Theorie", bevor es spannend wird - bitte einfach überspringen, sollte es euch zu langweilig sein. Fürs Verständnis und die Wirkung habe ich diese Absätze drin gelassen, aber man kommt notfalls, denke ich, auch so mit.

Inhaltsangabe:

Der letzte Kampf hat begonnen. Harry, Ron und Hermine haben Schloss Hogwarts erreicht, um den nächsten Horkrux zu suchen, doch die Zuversicht, Lord Voldemort besiegen zu können, schwindet mit jeder Sekunde. Der Orden ist unrettbar in der Unterzahl, die Kräfte schwinden von Minute zu Minute und die Gedanken drehen sich immer mehr um die letzte Hoffnung, die Großbritannien noch hat: Den Weltsicherheitsrat der Zauberwelt. Sein britischer Arm, angeführt vom geheimnisumwobenen Senator Macaulay, bekommt in letzter Minute die Erlaubnis der Welt: Er kann endlich eingreifen, um Land und Schule zu retten. Doch was für Harry als Segen beginnt, entpuppt sich als Alptraum.

Prolog

„HARRY!"

„Warte!"

„Wo willst du hin?!"

Ich wirbelte herum, um meine besten Freunde auf mich zuspringen zu sehen – voller Staub und teilweise durchnässt, aber scheinbar unversehrt. „Oh mein Gott – alles in Ordnung mit euch?! Der ist Kelch zerstört? Oder was hab ich gespürt?"

Schlitternd bremsten Hermine Granger und Ron Weasley vor mir ab. „Ja – der Kelch – ja! Bei dir auch?", keuchte Hermine und klammerte sich außer Atem an meine Schulter. „Hast du rausbekommen, wo das Diadem sein könnte?"

„Ja – Helena Ravenclaw hat mir gesagt – also, nicht direkt gesagt – aus dem, was sie gesagt hat, lässt sich schließen, dass es im Raum der Wünsche ist!", schnaufte ich. „Kommt – wir müssen – er kann jeden Moment – was ist? Ihr seht komisch aus!"

„Wir haben die Karte benutzt, um dich zu finden – und es wird immer schlimmer!"

„Noch mehr fremde Namen, als die, die wir vorhin darauf gesehen haben?" Alarmiert riss ich ihr die Karte des Rumtreibers aus der Hand.

„Ja!", nickte Ron und fuhr sich durch das zerzauste rote Haar. „Sieh nur!" Er wies auf die Flure, die Richtung Bibliothek führten. „Ich fürchte, das sind alles Todesser – ich kenne keinen einzigen von ihnen! Du? Wir sind tot und erledigt! Die schaffen wir nicht!"

Ich musste ihm zustimmen und schüttelte den Kopf – es waren zu viele Namen, zu viele Füße. Nicht mehr fünf oder zehn – dutzende. „Nein, mir sagt kein einziger Name etwas!"

Verzweifelt klammerte sich Hermine an Ron.

„RON!"

Ich sah Fred und George auf der Karte noch bevor ich mich zu denjenigen umdrehen konnte, deren laute Schritte von den Mauern wiederhallten.

„Wohin seid ihr unterwegs?", empfing Ron seine käsebleichen Brüder erschrocken.

„Zu unserem Posten im Südflügel!", brachte Fred außer Atem hervor. „Was ist los?"

Hermine wies wortlos auf die Karte – die Zwillinge beugten sich stirnrunzelnd darüber. „Wer sind denn die alle?"

„Die sammeln sich …", murmelte ich plötzlich, ich hatte auch ein Stockwerk tiefer weitere neue Personen entdeckt. „Oder? Die laufen alle Richtung Bibliothek!"

Wir warfen uns Blicke zu, ich blieb an Hermine hängen.

„Ich weiß, es klingt verrückt", sagte ich leise. „Ich weiß, es ist ein Strohhalm und vielleicht drehe ich durch vor Angst! Aber ist es unmöglich … der britische Stab?"

Meiner Freundin entwich ein Lachen. „Das ist wirklich verrückt!"

„Der britische Stab?"

„Es ist zu früh, Harry! Nie! Unsere Lage ist noch nicht hoffnungslos genug, dass Macaulay eingreifen dürfte!"

„Die hohen Auroren!", antwortete Ron George. „James Macaulays Truppe – erzähl mir nicht, du wüsstest nicht, wer das ist?!"

Natürlich weiß ich, wer James Macaulay ist!", fauchte George. „Er war das einzige Thema, bei dem Binns nicht zum Einschlafen war!"

„Seit Monaten reden wir davon, dass er irgendwann eingreifen wird!", sagte ich eindringlich. „Dass er die Autorisierung kriegen wird, seine Auroren ins Feld zu schicken, wenn die Situation erst aussichtslos genug ist! Ich finde, sie ist gerade ziemlich aussichtslos!"

„Aber es wäre nie an uns vorüber gegangen, wenn er einen Antrag auf diese Notstandsvollmachten gestellt hätte!", wiedersprach Hermine. „Es stünde in allen Zeitungen, würde der Weltsicherheitsrat darüber abstimmen!"

„Macaulay hat vor drei Jahren zum ersten Mal angefragt und es stand nicht größer in der Zeitung als so", beharrte ich und deutete mit den Fingern eine drei Zentimeter lange Nachricht an. „Vielleicht haben wir es übersehen! Außerdem werkelt er gern im Hintergrund – er hält sich aus der Öffentlichkeit raus – das wisst ihr genauso wie ich!"

„Voldemorts Tage sind gezählt, wenn Macaulay hier anrückt!", sagte Fred leise. „Ich meine nicht, dass er selber kommt – es wäre idiotisch, das anzunehmen! Nicht mal, dass der ganze Stab kommt – die Außendienststaffel würde schon reichen!"

Ich starrte auf das Gewusel auf der Karte und betete zu allen Göttern der Welt. Wenn sie es waren – wenn es wirklich das Außendienstteam war, hätte Voldemort keine Tage mehr, die man zählen könnte. Denn jeder einzelne britische Eliteauror war die Verlängerung eines einzigen, begnadeten Arms: Senator James Macaulays. Und dieser Name war weltweit der oberste auf der Liste der gefürchtetsten Gegner, die ein Schwarzmagier ausfassen konnte – wer in sein Visier geriet, konnte sich im Grunde auch gleich freiwillig stellen.

„Warum sollte man sie auf der Karte sehen?!", wehrte sich Hermine weiter gegen die Idee. „Sie würden doch wohl heimlich anrücken!"

„Keine Ahnung!", knurrte ich. „Ich weiß nur, dass ich will, dass sie es sind! Mit jeder Faser!"

Wer könnte nicht wollen, dass sechzig Topagenten Voldemort auf die Pelle rückten? Sechzig Agenten in sechs Dienstgraden, die wegen ihres Talents noch im Tod für die Tätigkeit auserwählt worden und mit dem Herzen bei der Sache waren. Die sogar langsamer alterten, je talentierter und versierter sie waren – die extreme Erfahrung mitbrachten, ohne ruhestandsreif zu sein. Agenten, die mit jeder Beförderung in ein anderes Jahrhundert versetzt werden konnten und die mit den Jahren immer mächtiger und gefährlicher wurden. Agenten, die mit bloßen Händen zaubern – ja sogar heilen konnten und so stark waren, dass es höchste rechtlich-magische Hürden – Vorsichtsmaßnahmen geben musste, damit sie sich nicht unkontrolliert überall einmischen konnten.

„Andererseits – wie sollten Todesser ins Schloss gekommen sein?", meldete sich plötzlich Ron, der ebenso auf meine Idee zu hoffen schien. „Es wurde abgeschirmt! Die kommen nicht allzu schnell durch – und wenn sie schon hier sind … warum greifen sie nicht an?!"

„Vergessen wir es!", sagte ich plötzlich. „Egal wer diese Typen sind – wir sind uns bestimmt einig, dass wir es herausfinden müssen! Und sei es, um die letzten Leben zu retten, die wir retten können!"

Meine vier Freunde nickten bitter.

„Hört zu, das – das könnte gefährlich werden!", sagte ich bitter. „Ich schlage vor, ihr sucht weiter den Horkrux – und ich gehe in die Bibliothek!"

„Aber du würdest den Horkrux am schnellsten finden!", wiedersprach Hermine – die Idee gefiel ihr offensichtlich nicht.

„Wenn es Todesser sind, wollen sie ohnehin mich – ich will nicht, dass ihr euch dafür in Gefahr bringt!", sagte ich hartnäckig. „Ihr findet den Horkrux auch ohne mich!"

Mitunter war das Vorhaben bescheuert – aber jede Faser in mir wollte gehen.

„Ich finde, wir sollten die Zeit nutzen, die wir noch haben! Und zusammenhelfen!", sagte Hermine und starrte in meine Augen. „Ich meine, wenn es Todesser sind, haben wir später vielleicht keine Chance mehr, auch nur in die Nähe des Horkruxes zu kommen! Und wenn es Macaulays Auroren sind, hätten wir ihnen zumindest Arbeit abgenommen!"

„Glaubt ihr, sie wissen von den Horkruxen?", warf Ron ein. „Wenn nicht, sollten sie es erfahren…"

„Und das bevor alle sterben, die es wissen!", sprang ich auf den Zug auf, obwohl ich nicht daran zweifelte, dass der Senator Bescheid wusste. Seine Späher waren überall. Es war sein Job, auf dem Laufenden zu sein – damit er jederzeit eingreifen konnte, wenn nichts anderes mehr ging. „Und vor allem sollten sie wissen, dass ich helfen kann!"

Hermine atmete aus. „Das stimmt", gab sie zu. „Okay – wir machen es so. Behalt du die Karte, Harry! Und – bitte, sei vorsichtig!"

„Klar!" Wir küssten uns auf die Wangen. „Ihr auch!"

Damit zerstreuten wir uns erneut. Mir schlug das Herz bis zum Hals und darüber hinaus – lass es die Rettung sein, auf die wir alle warten! BITTE, lass es den Senat sein, dann haben wir keine Probleme mehr, sondern nur noch Möglichkeiten und Lösungen! James Macaulay konnte, wenn er erst seine Notstandsvollmachten erhalten hatte, einfach alles anordnen und konnte es auch selbst durchsetzen. Festnahmen – selbst die des Zaubereiministers, Durchsuchungen sogar der Gringotts-Verließe – er durfte über Leben und Tod entscheiden. Bitte, lass es James Macaulay sein! Und irgendwie wünschte ich es mir nicht nur für uns und das Land und gegen Voldemort, sondern auch für mich.

Ich gab zu, ich war sein Fan – seine Erfolge hingen aufgelistet an der Wand jedes jungen Menschen, der Auror werden wollte und so auch an meiner. Obwohl ich wusste, ich würde ihn nie persönlich kennenlernen, war es ein irres Gefühl, in einen seiner Einsätze – zumindest erst mal potentiell – verwickelt zu sein. Denn er war der Auror schlechthin. Alastor Moody war ein Goldfisch gegen ihn. Moody hatte Askaban gefüllt, Macaulay hatte es in seinen hundertsechsundsechzig Dienstjahren praktisch gebaut – nicht buchstäblich, aber für die Schwarzmagier, deren Umtreiben durch seine Hand ein Ende gefunden hatte, brauchte es mehr als bloß ein paar Zellen. Niemand, dessen Akt jemals auf seinem Tisch gelandet war, war lange auf freiem Fuß geblieben, er war der Fleisch gewordene Alptraum eines jeden flüchtigen Super-Straftäters. Auch Voldemorts.

Macaulays Ruf allein war mächtiger, als Voldemort es jemals gewesen war und die Geschichten über die Magie, die er im Lauf seiner Karriere zustande gebracht hatte, waren mehr als legendär. Auch wenn er selbst den Außendienst mit Antritt des Senatorpostens natürlich quittiert hatte … mit Agenten am Zug, die von ihm kommandiert wurden und die seine Ideen, Tricks und Kniffe umsetzten, gab es selbst für die gefährlichsten Kriminellen und Staatsfeinde nur noch zwei Hoffnungen: dass die übrigen Senatoren der Welt Macaulays Initiative nicht zustimmten, und dass der Zaubereiminister sich nicht gezwungen sah, ihn auf den Plan zu rufen. Auch mit Sirius hatten wir gezittert. Hätte Fudge seinen Fall Macaulay vorgelegt, hätte ich wohl die längste Zeit einen Paten gehabt. Einzig Gott wusste, warum er es nie getan hatte (und wie sich herausstellen sollte, James Macaulay ebenfalls).

Immer wieder warf ich prüfende Blicke über die Karte, vor allem bevor ich neue Gänge und Stockwerke betrat. Ich nahm jeden möglichen Geheimgang, hastete durch einsame Korridore und begegnete quer durch das Schloss keiner Seele. Meine Nervosität wuchs ins unermessliche. Immer noch tummelten sich die vielen Personen um und in der Bibliothek und mein Instinkt sagte mir die ganze Zeit nur, dass Hermine Unrecht hatte. Ich kannte vielleicht keinen der Namen, aber –

Beinah schrie ich – ich blieb wie angewurzelt stehen. Ich starrte auf den Namen und das Paar Füße, das durch den Korridor im dritten Stock schritt und rührte mich nicht. Mir liefen eiskalte Schauer über den Rücken – ich traute meinen Augen nicht. Das war unmöglich! Gut, nicht unmöglich, aber undenkbar! Er? Hier? Jetzt?Ich zitterte vor Schreck und mein erleichtertes Aufatmen erstickte sich selbst in dem, was mir die Karte zu lesen gab:

James Nute Kamien Macaulay.

Der Senator höchst selbst eilte, flankiert von einer Schar Zauberer zweifellos ebenfalls Richtung Bibliothek. Ich zögerte keine Sekunde mehr – ich setzte los und sprang über mehrere Stufen zugleich die Treppe hinunter. Er war es wirklich, ich war nicht verrückt! Er war hier – seine Leute formierten sich bereits seit einer Stunde – seit auch der Orden begonnen hatte, sich auf den Kampf vorzubereiten. Meine Seite schmerzte, aber ich war so erleichtert, dass ich besser als jemals in den letzten Monaten Luft bekam. Obwohl die Tatsache, dass er persönlich kommandieren würde mir andererseits auch eine Höllenangst einjagte. Denn es bedeutete, dass er die Lage als zu ernst ansah, um sie selbst seinem besten Mann zu überlassen. Trotzdem, wir waren nicht länger allein – der Rettungsanker war geworfen! Fieberhaft flogen meine Augen über das Pergament. Macaulays Begleiter waren allesamt Männer und ich fragte mich gar nicht erst, ob es seine Leibgarde war oder nicht – ich sah ohnehin nur ihn.

Es war der schiere Wahnsinn, mit ihm unter einem Dach zu sein – ihn zu erleben – geschweige denn, ihn in Aktion zu sehen. Was sollte man sich unter einem Vertreter seines Standes, der seine Geschichte hatte, vorstellen? Einen kleinen, bierbäuchigen Kerl, der jeden Zentimeter apparierte oder chauffiert wurde und schon beim Treppensteigen ins Keuchen kam? Einen großen, glatzköpfigen, Pfeife rauchenden? Einen kugelrunden, mürrischen, der im stillen Kämmerlein an seinen Taktiken feilte und von seiner Höchstform dreißig Kilo entfernt war? Einen angegrauten, gesetzten Herrn in festlichem Umhang, mit Bauch und Haarausfall, dem man keinen Funken des Eliteagenten ansah, der er einst gewesen war?

Die Antwort kannte kaum jemand. Er war der größte Star, aber gleichzeitig der größte Mythos der Elitestrafverfolgung – nur sein Karriereverlauf war bekannt, er selbst nicht. Zwar war es nicht ungewöhnlich, in der Elitestrafverfolgung ein Phantom zu sein – von kaum einem hohen Auroren war bekannt, wo er ursprünglich herkam, nicht mal ob sein Name sein echter Name war. Aber Macaulay war doch noch mehr als ein bloßes Phantom. Man wusste nicht mal, wie alt er war. Auch seine Antwort auf die interessanteste Frage – was ihn dazu bewegt hatte, das Angebot des Senats anzunehmen … was ihn bewegt hatte, den friedlichen Tod auszuschlagen und in einer fremden Zeit gegen die dunkle Seite weiterzumachen, ohne je wieder nach Hause zu kommen – war bislang ein Geheimnis geblieben.

Man wusste nur, dass er eine sehr steile Karriere hingelegt und sich stets, selbst heute wo ein Teil seiner Tätigkeit politischer Natur war, von der Öffentlichkeit distanziert – ja, hermetisch abgeschirmt hatte. Nicht mal die Verleihung seines Senatortitels – ein hochoffizieller, im Land nur alle paar Jahrzehnte für eine einzige Person stattfindender Festakt, zu dem hunderte Persönlichkeiten aus Fach und Politik geladen waren – hatte von der Presse mitverfolgt werden dürfen. Personen, die nicht dem Senat angehörten und wussten, wie er aussah, ließen sich an einer Hand abzählen und waren (demnach, dass es sich nicht herumsprach) auch nicht in der Lage, diesbezüglich den Mund aufzumachen.

Der Grund dafür war jedoch ein mindestens so großes Mysterium wie Macaulay selbst, denn selbst Personenschutz war als Hintergrund umstritten – obwohl er selbst damit argumentierte. Zwar hatte er aufgrund seiner Vergangenheit bestimmt mehr als genug Widersacher, die für ihre Rache einiges unternehmen würden … doch er war als Senator auch fast unbesiegbar und für das bisschen Besiegbarkeit, das noch blieb, hatte er eine sechzig Mann starke Leibgarde, die für ihn durchs Feuer ging.

Mehr als Gerüchte über den konkreten Anlass seiner Geheimnistuerei gab es also nicht und eins davon war unrealistischer als das andere. Einig war man sich nur darüber, dass seine Zurückhaltung ungewöhnlich war, denn nie hatte ein Senator jemals auf seine öffentlichen Ehren verzichtet. Gerade von Macaulay war die Entscheidung noch überraschender gekommen, als ohnehin schon – es war beinah erwartet worden, dass er sich feiern ließ, als vor zwölf Jahren bekannt geworden war, dass er derjenige war, der Glen Harris im Amt nachfolgen würde – denn im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern gab es an ihm wirklich etwas zu feiern und zu verehren.

Er war derjenige Agent und Kommandant, dem Großbritannien und Europa mit am meisten von allen zu verdanken hatte. Er allein war während des großen, magischen Kriegs im neunzehnten Jahrhundert derjenige gewesen, der das Blatt zugunsten Europas gewendet hatte – an seiner Taktik und seiner Magie war in der Schlacht um Cyprus Hill (in der es achtzehnachtundachtzig darum gegangen war, ob die afrikanische Allianz in Europa einfiel oder nicht) eine ganze Invasion gescheitert.

Er war ein echter Staatsheld. Ein Beispiel britischer Tapferkeit und wenn ein Mensch den adelsgleichen Titel Senator zu Großbritannien und seinen Kolonien, Irland und Australien verdient hatte, dann er. Und wenn ein Mensch dazu im Stande (vielleicht noch nicht dazu authentifiziert, aber dazu im Stande) war, Voldemort zu besiegen, dann er.

Freilich hatte Fred Recht: Er war nicht selbst derjenige, der in den Kampf ziehen würde – aber auch aus dem Hintergrund konnte er noch genug gegen Voldemort und zur Unterstützung seiner Auroren tun, um sich keine Sorgen machen zu müssen. Vor allem nicht, wenn man jenen Agenten bedachte, der mit seiner Abteilung für alle Außendienstangelegenheiten und so auch den heutigen Einsatz zuständig war – Macaulays ersten Amirauté, Blake McKean. McKean ging als Macaulays rechte Hand durch. Er hatte seinen Job von der Pike auf von ihm gelernt, war auch in Cyprus Hill an seiner Seite gewesen und galt als sein bis dato formvollendetstes Kunstwerk. Selbst wenn möglicherweise auch er nicht bis an die Front gehen würde, würde Voldemorts letzte Stunde bald schlagen.

Ich erreichte die letzte Biegung vor der Bibliothek und atmete tief durch. Bebend zog ich den Tarnumhang über den Kopf. James Macaulay war noch einige Minuten entfernt, unterwegs durch den Hauptflügel. Ich warf einen skeptischen Blick um die Ecke, es war zu still, als dass in dem Flur zwanzig Leute sein könnten. Ich runzelte die Stirn – tatsächlich war er leer. Es war niemand zu sehen – doch die Karte log bestimmt nicht.

Leise trat ich näher, hörte nicht ein Rascheln … die hohen Auroren hatten ihre Stellung nicht umsonst, so viel stand fest. Ich schlich um die Namen und Fußpaare herum, die mir die Karte in meiner kalten Hand zeigte. Die meisten waren in der Bibliothek, wo ich längst die Einsatzzentrale vermutete, aber ich konnte schlecht die Tür aufmachen und einfach reingehen. Doch das Problem erübrigte sich schneller als gedacht – ich sprang aus dem Weg, als zwei Füße mit der Überschrift Charles Turner hinter mir angerannt kamen. Einen Wimpernschlag später riss er die Tür auf, die wie von Geisterhand aufzugehen schien und ich huschte ihm nach in die großen Räumlichkeiten.

TBC