Schon beim ersten Schritt durchbrach ich den Zauber und aus dem unsichtbaren Charles Turner vor mir wurde ein mittelgroßer, offenbar relativ junger Mann mit braunem Haar, in edlem Reiseumhang. Ich nahm einen großzügigen Umweg durch die Regalreihen, während ich ihm folgte – mich auf den Punkt zubewegte, von dem nunmehr lautes Gemurmel und einige Hektik ausging. Ich wusste nicht, wie nahe ich herankonnte, ob sie mich wittern oder sonst wie bemerken würden, also spähte ich nur vorsichtig zwischen den Büchern hindurch. Um den großen Tisch zwischen den Regalen tummelte sich eine Horde Zauberer und Hexen, einige in Reiseumhängen, einige erstaunlich schlicht in Anzug oder Kostüm und mit Schauern erkannte ich tatsächlich an jedem Revers ein allessagendes Rangabzeichen.
Das waren sie also, die überraschend jungen hohen Auroren zu James Macaulay. Ich konnte nicht den ganzen Raum überblicken, aber es waren etwa sechzig Leute anwesend. Offenbar die ganze McKean-Staffel.
Es war eigenartig, kein einziger und keine einzige wirkte so, wie man sich einen solchen Agenten vorstellen würde. Tatsächlich schienen einige als wären sie nur um ein Haar nicht mehr grün hinter den Ohren. Die jüngsten, die Etudiant, sahen für mich nicht viel älter aus als zwanzig und auch der nächsthöhere Dienstgrad, die Soutién, schienen unter dreißig zu sein. Beide Dienstgrade hatten sich in Gruppen um ihren jeweiligen Teamleiter geschart, ihren Appui, doch nicht alle Gruppen waren komplett – offenbar waren einige Auroren noch unterwegs hierher, oder bereits irgendwo im Schloss beschäftigt. Alle hatten besorgte Gesichter und diskutierten eifrig, aber ich verstand kein Wort, das Stimmengewirr war zu verstrickt.
Plötzlich knallte die Tür zur Bibliothek auf und als der Auror, der hereingekommen war, am Tisch vorbeitrat und in mein Blickfeld kam, erkannte ich das Rangabzeichen von Amirauté Blake McKean – und mir klappte der Mund auf. Ich hatte ihn auf der Karte völlig übersehen – Macaulay schien Voldemort mehr als ernst zu nehmen, wenn er auch ihn persönlich hier antreten ließ.
McKean sah aus wie sein Ruf, den er von Macaulay geerbt hatte. Er wirkte wie ein Kerl, der mit allen Wassern gewaschen war, sehr kompetent und respekteinflößend, obwohl auch er erstaunlich jung für sein Amt war – er sah aus, als ginge er gerade mal auf die Vierzig zu. Er hatte dunkles Haar und ein markantes, attraktives Gesicht; war schlank und wirkte körperlich wie geistig fit; war ein Stück über eins achtzig und trug erstaunlicherweise keinen Umhang. Schon gar nicht den majestätischen Umhang seines Standes, sondern bloß einen sportlichen (!), dunkelblauen Anzug mit Krawatte.
„Miss Sheridan, was tun Sie denn hier?", fragte einer der Appui verdutzt und erst jetzt fiel mir auf, dass mit McKean eine Frau mit in die Bibliothek gekommen war, die ich normalerweise im Leben nie übersehen hätte – weil sie auffallend schön war. Sie war sehr jung und hatte eine tolle Figur, die in eine schmale schwarz-glänzende Chino, ein fließendes, blassgelbes Blusenshirt und einen schwarzen Kurzblazer gehüllt war, trug hohe Pumps, mit denen sie vielleicht eins siebzig war und ihr langes, mittelblondes Haar fiel ihr in weichen Wellen auf die Brust. Sie sah organisiert, absolut professionell und wie die Herrin der ganzen Situation aus.
„Der Senator koordiniert den Einsatz! Appui!", rief sie mit ihrer hellen Stimme und winkte den Rang zu sich.
Die sechs, seltsam überraschten Appui der Staffel – darunter auch Turner, dem ich in die Bibliothek gefolgt war – nahmen am Tisch Platz und ehe der Amirauté einen Aufruf nach Ruhe tätigen konnte, hörte ich die Tür das nächste Mal aufgehen – enormes Stimmengewirr hob an, das offenbar von der Person mitgebracht wurde, die den Raum betrat.
„Senator!", grüßte McKean mit respekttriefender Stimme und mit einem Mal wirbelte der ganze Raum herum. Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich musste nicht auf die Karte sehen, um zu wissen, dass er es war – seine Magie war ungeahnt stark spürbar – sie breitete sich wie eine Welle durch den ganzen Raum aus und elektrisierte die Luft wie ein nahendes Gewitter, aber es war kein bedrohliches Gefühl … mehr ein beeindruckendes.
Die Gruppe Auroren, die mit Macaulay gekommen war, war es, die unentwegt schnatterte und nun eilig an den Fenstern Aufstellung nahm. Tatsächlich, seine Leibgarde – die Société – oder zumindest ein Teil von ihr, es waren keine sechzig Leute. Und auch sie hätte ich mir anders vorgestellt. James Macaulays Leibwächter schienen reifer, aber sie wirkten ansonsten nicht anders wie Blake McKeans Staffel. Obwohl sie ständig mit dem Senator zu tun und damit schon von der Etikette her eine völlig andere – ehrvollere – Rolle hatten, waren sie nicht schöner angezogen oder sahen aus, als könnte man mit ihnen keinen netten Kaffee trinken. Sie überraschten mich doppelt, denn an der Garde sah man für gewöhnlich, wie gut oder schlecht mit dem Senator selbst Kirschen essen war und demnach schien man in Gegenwart von James Macaulay nicht wie ein Mäuschen den Kopf einziehen zu müssen.
Entsprechend reagierten auch die Auroren von Blake McKean auf ihn – keine besondere Aufstellung, kein Salut … erstaunlich. Sie hatten zwar reagiert, aber ebenso gut hätte der Vorstandsvorsitzende irgendeiner Firma ins Zimmer gekommen sein können. Sie gruppierten sich um den Tisch – ich reckte den Kopf – doch Macaulay war auf der Tischseite geblieben, die für mich hinter dem Regal verborgen war. Die souveräne Schönheit von Assistentin – Coco Sheridan – hatte keine Miene verzogen und schritt zu ihm hinüber – natürlich! Als hätte ich es mir nicht gleich denken können, dass sie zum Chef gehörte.
„Also gut, Ruhe jetzt!"
Schlagartig verstummten alle – Macaulay. Ein tiefer Bariton – klar und ruhig, aber energiegeladen. Ich zuckte zusammen.
„Senator" –
„Später, Blake!"
Was, ein Vorname? Er fuhr ohne Pause fort und seine Stimme nahm einen durchdringenden Befehlston an: „Erstens – Gray, zu mir! Sofort!"
Die Stimme des Senators löste etwas in mir aus, aber ich konnte nicht sagen, was es war – eine eigenartige, einzigartige Faszination ging von ihm aus.
„Zweitens!"
Klatsch!
„Dies ist ein kompletter – wirklich kompletter – Lageplan von Schloss Hogwarts und dem Gelände – aufgrund seiner Vollständigkeit vielleicht etwas schwer als eben dieser zu identifizieren!", sagte Macaulay und der strenge Unterton war verschwunden, er klang plötzlich ausgesprochen freundlich. „Verschwindende Stufen, Gänge hinter Gemälden oder Wandteppichen, Geheimgänge für deren Benutzung ein kleines Zauberwort nötig ist, verborgene Räume und magische Hindernisse. Ich erwarte, dass alle sich diesen Grundriss einimpfen! Selbst die Plappertaschen von denen Voldemort umgeben ist, kennen sich nicht so weitgehend aus! Und sollten Sie in der Klemme stecken, kann das Schloss Ihre Rettung sein!"
Ein seltsames Gefühl hatte mich beschlichen, während James Macaulay gesprochen hatte, ich runzelte die Stirn. Seine Stimme gefiel mir nicht – also nicht die Stimmlage selbst oder sein Ton, ganz und gar nicht, er klang sogar schwer sympathisch. Aber sie ließ etwas in mir aufkommen, das ich überhaupt nicht mochte. Von keinem Auroren, der gekämpft hatte, wie er und der gesehen hatte, was er gesehen hatte, hätte ich erwartet, dass er so menschlich klingen würde, so … heil. Als hätte er aus seinen hundertsechsundsechzig Jahren nichts als eine positive, lebensbejahende Einstellung mitgenommen.
„Drittens – Chuck und Andrew!"
„Senator?" Die beiden Appui sahen auf.
„Chuck, ich überlasse es Ihnen, dieses Schloss innerhalb der nächsten halben Stunde in eine Festung zu verwandeln – wie, mit wem und womit ist mir egal! Los!"
Also waren es nicht bloß die Auroren von Blake McKean, die hier waren – diese Aufgabe war eindeutig für einen Verwandlungs- und Zauberkünstler bestimmt. Also für die Auroren eines anderen Amirauté – Eric Johnson war der Name des Staffelchefs, wenn ich mich recht erinnerte. Der Appui sprang augenblicklich auf, winkte seiner Gruppe und sie eilten nach draußen, eifrig diskutierend.
„Andrew, Sie kümmern Sie um die Geheimgänge!", fuhr Macaulay an den anderen gewandt fort. „Passierbarkeit prüfen – Stolperdrähte legen – nach Wichtigkeit vorgehen! Es ist unmöglich, binnen dreißig Minuten das gesamte Schloss umzugraben. Also – acht Geheimgänge führen aus dem Schloss. Am wichtigsten sind mir Dumbledore, Honigtopf und heulende Hütte – verminen Sie den Raum der Wünsche und vergewissern Sie sich, dass das Verschwindekabinett tatsächlich eliminiert wurde!"
Was?!
Andrew tat es seinem Kollegen gleich, er sprang auf und während einige Auroren seines Teams loseilten, trat er zu den übrigen in den Hintergrund um das weitere Vorgehen zu besprechen.
„Viertens – Charles!"
„Senator?" Appui Turner blickte seinen Vorgesetzten in fast freudiger Erwartung an.
„Ich will Schüler, Lehrer und den Orden des Phönix aus dem Schloss haben! Jeden einzelnen!"
Meine Augen weiteten sich. Ich war nicht überrascht, dass Macaulay auf dem Laufenden war. Es war sein Job, klar. Aber … großer Merlin, wie sehr am laufenden war er?!
„So schnell wie möglich – wenn es sein muss auch mit Gewalt!"
Ich schluckte.
„Gedächtniszauber anwenden – es soll sich nicht herumsprechen, dass wir hier sind – und fangen Sie mit den Kindern an! Ich kann nicht sagen, wie viel Zeit noch bleibt, also schaffen Sie sie fürs erste durch den Geheimgang nach Hogsmeade und in die Hügel hoch! Dumbledore soll sich auf Besuch einstellen, Coco!"
Ich versuchte mich mehr erfolglos daran, einzuatmen.
„Ich weiß, dass viele entschlossen sind, aber es ist unnötig auch nur einen von Ihnen länger zu gefährden… Abgesehen von Potter!", sprach Macaulay weiter und ich konnte nicht glauben, was ich da hörte.
„Sollen wir die Eltern benachrichtigen?", fragte Coco dazwischen und sie hatte nur die Gelegenheit, weil er Luft holte. Ich war mehr als erstaunt, dass sie sich das erlauben konnte – gewöhnlicherweise war es das um und auf, einem Senator nicht zwischenzureden. Turner schickte schon die ersten Auroren los, während Macaulay kurz überlegte.
„Nein", sagte er schließlich und klang nicht im Mindesten verstimmt über den Einwurf. „Jeder Elternteil würde sofort losstürzen – und ich will so wenige Zivilisten in der Nähe haben, wie irgend möglich! Sobald Zeit und Gelegenheit da ist, die Schüler nach Hause zu schicken, sehen wir zu, dass wir Kontakt zu den Eltern kriegen – nicht früher!"
„Warum wollen Sie Potter hier haben?", fragte Appui Turner nun und beinah verschluckte ich meine Zunge. „Er ist auch nur ein Siebzehnjähriger – bislang ohne Abschluss!"
„Er ist Voldemort dichter auf den Fersen als jeder andere, das wissen Sie!", raunte Macaulay, ohne dass auch nur sein Tonfall den Appui wegen des Singular (!)-Zweifels maßregelte, für den andere Senatoren ihn in den Kerker geworfen hätten. Mir war plötzlich schlecht. „Er hat einen besonderen Draht zu ihm – im wahrsten Sinn! Und wir brauchen ihn als Lockvogel!"
Mir lief ein Schauer über den Rücken und ich sah Blake McKean die Stirn runzeln, doch er sagte nichts.
„Solange Voldemort seinetwegen hier ist, bleibt er hier!"
„Der Orden liegt Potter zu Füßen … die werden garantiert protestieren!", murmelte Turner.
„Selbst wenn sie wüssten, inwieweit er bewacht wird – lautstark!" Macaulay grinste hörbar und reflexartig schoss mein Blick über die Schulter. „Zumindest, wenn Sie sie nicht von hinten verhexen!" Er fuhr immer noch leicht belustigt fort: „Na gut, fünftens … dieses Schloss war einige Monate in den Händen von Todessern… Wer macht die Drecksarbeit freiwillig? Zum ersten … zum Zweiten…"
Eine Hand hob sich.
„Verkauft an den Kerl mit den gewagten Chucks!", grinste Macaulay und ich musste lachen. Sein Kommentar richtete sich an den nächsten der Appui, der tatsächlich schräge Chuck Tailors trug.
Sogar der Appui selbst schmunzelte. „Ich werde die dunkle Magie zusammen mit den Schuhen eliminieren!", sagte er, stand auf und seine Handbewegung ließ seine Auroren loslaufen.
Tatsächlich konnte sich Macaulay ein Lachen nicht verkneifen und man hörte deutlich, dass er nur witzelte: „Bloß nicht, Zack – vielleicht bringen Sie Voldemort damit aus dem Konzept!"
Der Ton in der Stimme des Senators ließ mir etwas in den Sinn kommen. Etwas das mein Herz höher schlagen ließ. Mittlerweile war einige Bewegung in die Truppe gekommen, die Auroren, die schon eine Aufgabe hatten, flüsterten sich gegenseitig Dinge zu und tigerten teilweise hin und her, es kamen neue herein, andere eilten hinaus – ich hatte längst den Überblick über die Anzahl verloren, doch Macaulay ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen:
„Blake, Sie hatten ein Anliegen?"
„Ein sehr Dringendes, bisher konnte niemand im Schloss apparieren!", sagte McKean sofort und ich entnahm seinem Gesicht, dass das ein ungewöhnlicher Umstand war. „Ich habe es selbst in mehreren Ecken probiert …", er schüttelte mit besorgter Miene den Kopf. „Es klappt nicht und ich kann mir nicht erklären, weshalb!"
Ein Geräusch war zu hören, das mir sagte, dass der Probelauf des Senators erfolgreich gewesen war und die Runde schien davon ebensowenig überrascht, wie ich. Gerade als ich anfing, mich darüber zu wundern, dass der Amirauté gerade gegenüber jemandem, der ihn dafür feuern konnte, locker zugeben hatte, dass er ratlos war, tauchte Macaulay auf der anderen Seite des Tisches auf – mit dem Rücken zu mir – und ich riss die Augen auf.
Nicht mal von hinten sah er aus, wie ich es erwartet hätte – im Gegenteil. James Macaulay hatte beneidenswert dichtes, seidig-glänzendes, rabenschwarzes Haar mit einer leichten Welle und ohne einer einzigen grauen Strähne, war groß und ABSOLUT vorteilhaft angezogen – wie alle anderen auch, sportlich-elegant. Er steckte in einer hellbraunen, leicht glänzenden, hüftigen Superslim-Business-Chino mit extrem schickem, schwarzbraunem Gürtel, der perfekt zu den leichten Anzugschuhen passte, und den er einzig und allein als Accessoire trug, einem blütenweißen Hemd und einem ebenso hellbraunen Gilet mit seidenem Rückenteil, das nicht ein einziges Speckröllchen kaschierte, sondern feste Muskeln betonte – er sah aus wie ein Unterwäschemodel.
„Rex", forderte er einen der Umstehenden auf und riss mich damit zurück in die Besprechung – prompt verschwand drüben am Fenster einer der Corbillat. „Okay…"
Macaulay hatte offensichtlich damit den Grund entlarvt und verschwand ebenfalls wieder, just als der Corbillat einen Meter weiter links auftauchte.
„Wenn die Garde apparieren kann, fällt eine externe Ursache aus!", gab einer der Appui zu bedenken und ich hörte langsam auf, mich zu wundern. Denn auch dem Amirauté eine intelligente Äußerung aus dem Mund zu nehmen, wäre in jedem anderen Stab mehr als nur unhöflich gewesen.
„Richtig, ich bin die Ursache – genau genommen meine Appariersperre!", sagte Macaulay, der längst an seinem Platz appariert war. „Ich habe sie sehr stark aufgezogen, es ist nicht weiter verwunderlich, dass alles außer mir und damit der Garde blockiert ist… Aber ich kann sie nicht nachlassen – alles leichtere hält Voldemort nicht auf! Um ihn später hier festzuhalten, gibt es keine andere Möglichkeit – mit dem Preis werden wir leben müssen!"
„Senator!" Ein Auror war hereingeplatzt.
„Michael, wie sieht es da draußen aus?", fragte Macaulay ohne Umschweife.
„Wir haben es mit einer Armada zu tun!"
„Oh Gott, was kommt denn als nächstes?", fragte einer der umstehenden Etudiant. „Wir sind keine siebzig!"
„Lassen Sie sich davon nicht aus dem Konzept bringen!", sagte Macaulay sofort, ohne verärgert auf den unüberlegten Zwischenruf zu reagieren. „Genau das ist es, was ihm seine Armee als einziges bringt!"
„Gut!", sagte ich erstaunt.
Macaulay hatte augenblicklich eine Lösung parat: „Wir tun folgendes … solange Voldemort sie uns überlässt, bleiben wir in der Defensive! Er wird die Offensive beibehalten, bis er begreift, was er für einen Gegner hat … und wenn er soweit ist, werden seine Streitkräfte bereits drastisch reduziert sein – doch er kann sich dann nicht mehr an die Situation anpassen und seine Armee ist erledigt!"
Wow…
„Glauben Sie, dass er noch mehr Überraschungen parat hat?"
„Zweifellos! Aber die hab ich auch für ihn!" Ich glaubte, ein breites Schmunzeln zu hören.
„Senator Macaulay?"
Es waren drei Auroren erschienen. Angesprochener hielt sich auch jetzt nicht mit Formalitäten auf:
„Alex, Tarnung für die Staffel McKean! Appui Turner evakuiert das Schloss via dem Raum der Wünsche – Abmarsch!"
Der Auror zuckte voller Tatendrang die Brauen und verschwand.
„Alle medimagischen Tränke, die ihnen einfallen, Gifte, welcher Art auch immer, flüssige Flüche, Rauchbomben, Finsternispulver, Sprengsätze …", sagte Macaulay zu den anderen beiden, offenkundig zwei Trankmeistern, „und seien Sie ein wenig kreativ!"
Beide Auroren verließen eifrig diskutierend den Raum.
„Zum Abschluss…", sagte Macaulay langsam und wartete bis die Tür hinter den beiden zugegangen war, ehe er weiterredete. „Für die Einsatzgruppe Hogwarts!"
Er sprach plötzlich erneut mit einer ähnlichen Durchdringlichkeit und Lautstärke wie vorhin – da begriff ich, dass diese Worte von ihm für alle angesprochenen Auroren zu hören sein mussten.
Zunächst … der Grund für Ihre Immobilität ist meine Appariersperre! Sie umfasst das gesamte Schloss bis runter in die Katakomben und verhindert das Verlassen des Geländes! Aus dem Schloss heraus und am Gelände können Sie sich bewegen und mit den verbliebenen Nachteilen gehen Sie bitte möglichst elegant um – wie genau ist mir egal!
Nächster Punkt, die Staffel Agnew wird vollzählig an Ihrer Seite sein!
"
Gütiger Himmel. Amirauté Alexander Agnew war der Chefmedimagier im Stab, er selbst war der beste Unfallchirurg des Landes und hatte Kollegen aller möglichen Spezialisierungsgebiete unter sich – die allesamt hier waren? Womit um alles in der Welt rechnete Macaulay?!
Es ist also zumindest vorerst nicht vonnöten, kleine Verletzungen hintanzustellen. Melden Sie sich mit jeder Wunde, die noch nicht verschwunden ist, wenn Sie bei Amirauté Agnew ankommen! Für den Fall, dass sich eine Situation ergibt, in der Ihnen der Fußweg in den Ostflügel unzumutbar oder auch nur unvernünftig erscheint, stelle ich Ihnen die Gruppe Corbillat-Appui Berkeley zum Apparieren zur Verfügung! Und zu besonders heiklen Fällen dürfen Sie SELBSTVERSTÄNDLICH auch mich rufen!"
Wow. Das ließ mich endgültig verstehen, woher er seinen Ruf in puncto Umgang mit seinem Gefolge hatte.
Und damit zumindest jemand um sie herum das kann … will ich im Laufe des Kampfes keinen einzigen von Ihnen allein antreffen! Niemanden! Verstanden?"
Allseitiges Nicken.
Ich glaube nicht, dass Sie den Todessern oder dem Rest des Gefolges nicht gewachsen sind, doch Voldemort selbst ist ein ernstzunehmender Gegner. In dieser Heftigkeit waren Sie noch nie mit jemandem seiner Art konfrontiert. Sollten Sie auf ihn treffen, spielen Sie nicht die Helden – alle wissen, dass Sie das sind! Bis auf Widerruf gilt der BEFEHL – hauen Sie ab! Und sollte das nicht gehen, rufen Sie Verstärkung – und zwar nicht erst, wenn Sie feststellen, dass Sie sie tatsächlich brauchen, sondern SOFORT! Niemand hält sich mit Unsinnigkeiten auf … und ich will so wenige Tote wie möglich!"
Wow. Jeder im Raum schien den Atem anzuhalten und ich auch. Das war der letzte Beweis, dass er Voldemort kannte – er wusste, womit er es zu tun hatte.
So wie ich ihn einschätze, wird er sich allerdings nicht sofort einmischen – er wird jede andere Möglichkeit ausreizen, ehe er Zeit und Kraft darin investiert, Zauberer aus dem Weg zu räumen, die ohnehin keine Chance gegen ihn haben – er wird seine Schergen das im Vorfeld erledigen lassen!"
Ich schluckte. Ja. Er kannte Voldemort.
Was Sie mit ihnen anstellen ist mir heute egal, Hauptsache, Sie setzen sie außer Gefecht – nehmen Sie sie fest, wenn Zeit ist – ansonsten backen Sie meinetwegen Muffins aus ihnen! Aber outen Sie sich um keinen Preis als Senatsauror! Zum einen natürlich, um Ihre Schwachstelle nicht zu verraten und zum anderen hilft uns dieser Überraschungseffekt vielleicht später noch entscheidend! Deshalb: keine exklusiven Flüche, zauberkünstlerischen oder offensichtlich zauberstablosen Einlagen – es sei denn NATÜRLICH, es ginge um Ihr Leben oder Ihre Gegenüber hätten keine Gelegenheit, Voldemort von Ihnen zu berichten! Appui Eldredge wird eine Formwandlung umsetzen – SOLLTE diese aus bekannten Gründen nicht anhalten … keine Titel, keine Namen, verräterische Umhänge und Rangabzeichen runter!"
Auf der Stelle folgten alle Anwesenden dieser Anweisung, selbst McKean montierte die Brosche vom Revers.
Zu guter Letzt … wir spielen auf Zeit, also halten Sie sie hin so gut es geht – wir brauchen im Hintergrund jede Minute!"
Die Horkruxe – schoss mir durch den Kopf. Er wusste es also.
Ich werde Sie im Auge behalten und Sie vorwarnen, sollte sich etwas um Sie zusammenbrauen … aber seien Sie dennoch sehr vorsichtig und zögern Sie nicht, Amirauté McKean zu rufen, sollten Sie trotz alldem in eine lebensgefährliche Klemme geraten – er wird mit einem der Corbillat mobil sein!", sagte Macaulay, er sprach damit einen seiner Leibwächter an, und McKean nickte ihm daraufhin zu als Zeichen, dass er auch das zwischen den Zeilen gesagte kapiert hatte.
Stuhlbeine kratzten über den Boden, als sich die Runde erhob und die verbliebenen Appui bauten sich in einer Reihe hinter dem sitzen gebliebenen Amirauté auf.
Ich wünsche Ihnen alles Glück der Welt … auf das wir möglichst heil nach Jervis Bay zurückkommen … alles Gute!" Der Ton verschwand. „Die Etudiant bleiben bitte noch eine Minute!"
Die älteren Auroren senkten für eine Sekunde respektvoll die Köpfe und eilten dann allesamt aus der Bibliothek. McKean lächelte in sich hinein und auch die Leibgarde warf sich im Hintergrund wissend schmunzelnde Blicke zu, während James Macaulay wartete, bis die Tür hinter dem letzten zugegangen war, ehe er anhob und ich konnte kaum glauben, was er zu seinem jüngsten einsatzfähigen Dienstgrad zu sagen hatte:
„Ihr allererster großer Kampf …", warf er in die überschaubare Gruppe und ich glaubte, ein Lächeln zu hören. „Wie geht es Ihnen damit? Der Einsatzbefehl ist ja nun doch recht plötzlich gekommen…"
„Plötzlich ist freundlich ausgedrückt!", murmelte einer der Etudiant amüsiert. „Vor einer Stunde war ich noch mitten in" –
„Jessica?", grinste Macaulay tatsächlich und ich musste mir, wie die ganze Runde, hart das Lachen verkneifen – es war fast körperlich spürbar, wie die Nervosität im Raum augenblicklich nachließ. „Jaja… Aber das ist beruhigend, Jason! Es impliziert, Sie wissen, wofür Sie das hier schaffen müssen?"
Beim Gedanken an seine Freundin oder Frau trat ein sichtlich herzerwärmtes Lächeln in Jasons Gesicht und er nickte.
„Sich darauf zu besinnen, rate ich Ihnen allen!", sagte Macaulay und mein ganzer Bauch verkrampfte sich ob seiner warmen, aufmunternden Stimme. „Mehr als das brauchen Sie für unterwegs nicht. Verbleiben Sie nicht beim großen Ganzen! Konzentrieren sie sich auf den Gegner … aber besinnen sie sich auf sich! Suchen Sie sich eine persönliche Sache, für die sie all das hier erfolgreich und lebendig hinter sich bringen wollen! Egal wie bedeutungslos sie erscheint … spätestens, wenn es um Ihr Leben und Ihren Tod geht, wird sie das Einzige sein, das Sie durchhalten lässt! Egal für wie stark Sie sich in mentaler Hinsicht halten… Echte Motivation kommt nicht aus dem Kopf. Auch nicht aus meinem!"
Längst hatte ich ein Lächeln im Gesicht.
„Wie schon gesagt, ich glaube nicht, dass die magischen Wesen oder auch die Todesser unbewältigbare Probleme machen werden – offen gestanden sind die meisten von ihnen echte Hohlbirnen…"
Gott sei Dank war ich nicht der einzige, der lachen musste.
„Trotzdem sind Sie natürlich aufgeregt… Aber bleiben Sie sachlich – es gibt keinen Grund, in Frage zu stellen, was Sie können und was Sie nicht können! Ich weiß, was Sie können und was Voldemorts Schergen können … und mache mir keine Sorgen! Also tun Sie selbst das auch nicht! Okay? Abtreten!"
Wow. Völlig egal, wie weise die Dinge waren, die er zu sagen hatte … allein seine ruhige, warme Aura reichte, um die ganze Truppe den Raum sichtlich ermutigt verlassen zu lassen. Auch McKean erhob sich und folgte seinen Etudiant Richtung Tür.
„Blake!", pfiff Macaulay seinen Amirauté zurück und er wandte sich im letzten Moment um. „Fühlst du dich wohl in deiner ersten Hauptrolle?"
Fast fielen mir die Augen raus.
„Als Held der Stunde?", schmunzelte McKean. „Natürlich! Ich habe bloß das untrügerische Gefühl, Jay … dass sich an mich nach diesem Tag keine Seele erinnern wird!"
Ich konnte es nicht glauben. Jay? Zum Senator dieses Landes?!
Macaulay schmunzelte. „Ich werde mich zurückziehen … die Richtlinien sind mehr oder weniger eindeutig. Aber du hast genügend Zeit mit mir verbracht, um zu dem Schluss zu kommen!", raunte er und der Subtext der Aussage kam auch bei mir an … und er jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich hörte die Tür zugehen – McKean war verschwunden.
„Ich dachte, wenn schon nicht die Richtlinien, wäre doch zumindest Kanzler Devereuxs Befehl eindeutig? Sie schreiten dennoch ein, wenn Probleme auftauchen?", meldete sich Coco Sheridan plötzlich zu Wort – auch ihr war offensichtlich nicht entgangen, was er gemeint hatte.
Nie, wenn es einen Befehl des Senatskanzlers gab … gegen eine Anweisung seines Vorgesetzten doch nicht… Ich war mehr als überrascht, als seine Antwort lautete:
„Ja", sagte er und ich riss die Brauen hoch. „Und was das angeht, sollten wir über eine Sache reden…"
Ich runzelte die Stirn, denn er hatte plötzlich völlig anders geklungen – da hörte ich ihn disapparieren – offenbar mit ihr – auch die Garde verschwand. Und es war still.

TBC