Clay Harman

Ich wusste nur eins, während ich durch die Gänge ging, auf der Suche nach einem Ort, der mich alles vergessen ließ: dass mir schlecht war. Ich hatte sein Gesicht wie ein Foto vor meinem geistigen Auge, als hätte es sich dort eingebrannt. Sein fruchtig-würziges Cologne saß hartnäckig in meiner Nase, wie der Geruch von faulen Eiern, und in meinem Kopf hallte jene Antwort, die nie ein anderer von James Macaulay bekommen hatte.
Es ratterte in meinem Kopf. Ich konnte es einfach nicht glauben, ich wollte es nicht glauben. Doch so es mich im ersten Moment mit unfassbarem Glück erfüllt hatte – hatte ich mir doch Zeit meines Lebens nichts sehnlicher gewünscht, als das – war ich jetzt weiß vor Zorn. Er hatte zumindest die letzten acht Jahre – seit er Senator war – neben mir existiert, ohne ein Wort zu verlieren. Als er Senatoranwärter geworden und hergekommen war, war ich fünf Jahre alt gewesen und er hatte mich einfach links liegen lassen. Er hatte sich nicht für mich interessiert – obwohl er mitbekommen haben musste, wie schlimm es in meinem Leben zugegangen war – er hatte mich einfach allein gelassen. Nicht völlig vergessen, offensichtlich, aber inwieweit das nur an meiner Rolle im bestehenden staatlichen Problem lag, blieb fraglich.
Der Gedanke, dass ich mich gerade eben einen kurzen Augenblick lang am liebsten an seine Brust geworfen hätte, ließ mich fast Abscheu und Hass empfinden und dass er wie selbstverständlich in mein Leben schneite, erzürnte mich auf eine noch nie erlebte Weise. Für ihn waren freilich hundertvierundfünfzig Jahre vergangen, bevor er hierher zurückgekommen war – er würde also mit mir so fertig sein, wie er es nur sein konnte – doch dass er dennoch nicht mal mit der Wimper gezuckt hatte, war wie ein KO-Schlag.
Wie oft hatte ich an genau den Moment gedacht, davon geträumt, mich gefragt, wie es wäre und war jedes Mal zu dem Schluss gekommen, mein Vater würde mich als allererstes schlicht bloß in den Arm nehmen. Schließlich hatte er sich für meine Mutter und mich dem sicheren Tod entgegengestellt, er hatte uns geliebt – mehr als sein eigenes Leben. Ich war überzeugt gewesen, er wäre glücklich gewesen, mich zu sehen – dass er ein Treffen kaum hätte erwarten können und entsprechend dem reagiert hätte. Doch nun hatte ich mich einem Mann gegenüber gesehen, der zwar aussah, wie mein Vater – nicht im mindesten so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, aber dennoch wie mein Vater – der sich aber nicht weniger wie mein Vater hätte verhalten können.
Ich hatte immer gehofft, dass mich meine Eltern eines Tages in den Arm schließen würden. Doch jetzt war von einer Sekunde zur nächsten klar geworden, dass zumindest meinem Vater daran gar nichts lag. Dass ich ihn verloren hatte war schon schlimm genug. Doch dass es offenbar wirklich endgültig war – dass es nicht die leiseste Hoffnung auf ihn zu geben schien, nicht mal im Tod, tat weh als hätte ich ihn ein zweites Mal verloren. Die Erkenntnis und der Schock darüber, dass ich ihm nicht wichtiger war als sein Einsatz hier jagten die Splitter meines Herzens wie Schrapnelle durch meinen Brustkorb – obwohl ich wusste, dass es nicht an mir lag, sondern daran was er erlebt und durchgemacht hatte.
Der Fall läge völlig anders, wäre er heute nicht Senator. Er hatte Schlachten und Kriege gesehen und diese Dinge konnten sein Herz mit Leichtigkeit zerstört haben. Doch mir war gleichzeitig auch klar, das hatten sie nicht: Er machte sich so viele Gedanken um seine Auroren, war so herzlich und besorgt ihnen gegenüber gewesen… Der unbestreitbar schöne Klang seines aufmunternden, ermutigenden Lächelns war wie ein Donner in meinem Kopf – und das verstörte mich umso mehr. Es war spürbar gewesen, dass das keine Masche gewesen war – auch sein Ruf sprach nicht dafür – er hatte nicht Theater gespielt. Doch warum war er dann zu mir so anders gewesen? So kurz angebunden und nüchtern ¬– ein Befehl und fertig. Er könnte doch er selbst sein und anderweitig klar machen, dass er sich nicht länger als Vater sah – das wäre allemal leichter zu verkraften als der Auftritt gerade.
Ich konnte mir keinen Reim auf all das machen, in meiner Aufwühlung schon gar nicht und obwohl die Bitte, es nicht zu tun, vom Senator dieses Landes gekommen war, hielt mich einzig meine Wut davon ab meinen Aufruhr in die Welt zu schreien. Ich war fast sicher, dass sich mein Magen umdrehen würde, sobald ich es aussprach. Ich zitterte am ganzen Körper und in meinem Hals saß ein Knoten von der Größe eines Klatschers. Warum, Dad? Erschöpft ließ ich mich auf die Treppe zum Turm sinken. Dad, warum? Was haben all diese Jahre mit dir gemacht? Du hast mich doch geliebt, oder?
Mit jedem Gedanken wurde es schlimmer. James hatte sich vollen Bewusstseins aus meinem Leben rausgehalten. Er hatte mich hängen lassen, er hatte Sirius hängen lassen – er hatte PETTIGREW frei rumlaufen lassen. ER. Plötzlich war ich nicht bloß wütend auf ihn, sondern auch auf Sirius und Remus. James war im tiefsten Inneren also doch der Mistkerl, als den ich ihn im Denkarium kennengelernt hatte. Rausgewachsen … pff! Schlimmer! Angestrengt versuchte ich den Gedanken abzuschütteln – anderthalb Jahrhunderte. Er hatte anderthalb Jahrhunderte lang ein anderes Leben geführt und so wenig ich ahnen konnte, was in dieser Zeit mit ihm passiert war, konnte ich doch zumindest verstehen, dass er das Thema Sohn abgeschlossen hatte. Aber abgehakt?

„DIE SCHLACHT IST IN VOLLEM GANGE UND DU RAUSCHT OHNE JEDEN LEIBWÄCHTER AB WIE EIN SCHNAUBENDER STIER! WAS WAR DAS FÜR DICH, JAMES? MORGENSPORT?! BIST DU VERRÜCKT GEWORDEN?! HAST DU SIE NOCH ALLE?! FEHLT DIR NOCH KAFFEE ODER WAS?! WILLST DU MIR EINEN HERZANFALL VERPASSEN – WOFÜR WAR DAS GUT, JAY?! WAS ZUM TEUFEL HAT DICH GERITTEN, DU" –
„Rick", unterbrach James seinen tobenden Sicherheitschef bedrohlich leise, aber mit geduldiger Miene. „Begreif erst, um wen es gegangen ist, bevor du dir die Mühe machst, mich zu fragen, was mich geritten hat."
Jedes weitere Wort blieb dem Amirauté im Hals stecken. Er folgte James´ schönen, haselnussbraunen Augen auf die große Karte am Tisch, auf den Punkt mit der Beschriftung „Harry James Potter", der sich gerade eine Treppe hochbewegte und verstand schneller als ihm lieb war.
Rick McMenamin war ein großer, durchtrainierter Mann Ende dreißig mit kurzem, hellbraunem Pferdeschwanz und Nerven wie Drahtseilen, aber nun wurde selbst er weiß. „Oh mein Gott", entwich es ihm und war nicht mal mehr ein bisschen wütend.
„Ja." James warf einen bedrückten Blick durch die menschenleere Bibliothek und seine sonst so ruhige Stimme zitterte. „Was hätte ich tun sollen, Rick? Ich habe es im letzten Moment gesehen – es war keine Zeit!"
„Ich weiß!", nickte der Kommandeur der Leibgarde eilig und legte seinem Schützling die Hände auf die Schultern. „Ich weiß, du konntest nicht anders! Ich wusste immer, dass du dich für ihn entscheiden würdest - und ich mich mit dir!"
„Jetzt gilt nur noch eins … cool bleiben", sagte James leise, die Worte und der feste Blick seines alten Freundes brachte ihn runter – ebenso wie umgekehrt seiner den Amirauté.
„Noch hält der Schutz!", nickte der, aber seine Gelassenheit war nur gespielt. „Vielleicht bleibt es so."
„Ich war gerade Senator da unten …", raunte James, seine gewohnte Stimme war zurück, aber er sah aus, als hätte ihm jemand den Arm die Kehle runtergesteckt und sein Herz einmal um seine eigene Achse gedreht. „Natürlich hält er noch! Aber sobald sie herausfinden, dass ich sein Du-weißt-schon-was bin … ist es aus."
„Es bräuchte einiges, damit sie das rausfinden, Jay – du weißt das!", schärfte Rick ihm ein und konnte die Ruhe seines Chefs kaum fassen. Er selbst an seiner Stelle hätte sämtliche Nerven verloren – immerhin stand jetzt sein Leben auf dem Spiel. „Wir beide wissen, was der Schutz bisher schon an Gefühlen vertuscht hat – denk an den Abend, als Voldemort zurückkam!"
„Rick, das war etwas anderes – der Kleine weiß es jetzt!", entgegnete der junge Vater und verschränkte die Arme vor der Brust. Ricks Miene verfinsterte sich. „Heute stehe ich ihm gegenüber!"
Der Amirauté schluckte heftig und sagte nichts.
„Ich werde mein Bestes tun …", sagte James, sichtlich traurig, aber gefasst, „damit es nicht rauskommt. Ich meine, ich kann ihm schlecht aus dem Weg gehen, also … werde ich ihm gegenüber so viel Senator wie möglich sein. Aber garantieren kann ich nichts. Allein ihm gerade in die Augen zu sehen, war…" Seine Stimme versagte. „Ich dachte nur … schnapp ihn dir!"
Unbeschreiblicher Schmerz spiegelte sich in den Augen seines Gegenübers, stumm schloss Rick seinen besten Freund in den Arm.
„Das Gefühl war so enorm … ich dachte, ich würde mich umdrehen, und …", James schüttelte über Ricks Schulter den Kopf, „ich dachte, weiter käme ich nicht."
Rick hielt ihn fest und sagte immer noch nichts – es gab nichts, was den Schwarzhaarigen hätte trösten können. Höchstens etwas, das ihn ablenken konnte:
„SENATOR MACAULAY!"
Die beiden höchsten Auroren fuhren auseinander – James hörte seinen Etudiant nach ihm schreien und funktionierte sofort. Er fragte sich nicht mal, welcher Grad von Schlamassel ihn erwarten würde. Er hatte den Kampf, in den Hawkins und der Rest von Harrys Eskorte geraten war, auf seiner Karte gesehen und geahnt, es würde nicht glimpflich ausgehen.
Senator und Sicherheitschef wechselten einen Blick. „Diesmal mit Garde?!", raunte Rick mahnend und –
Plopp

Wie von der Tarantel gestochen hechtete ich hinter eine Rüstung, als ich abbog und bemerkte, wohin mich meine ziellosen Schritte getragen hatten. Zurück zum Ort des Geschehens, von wo ich losgerannt und Greyback und letztlich James in die Arme gelaufen war.
Der Kampf, der stattgefunden hatte, war vorbei und offensichtlich mehr wüst gewesen, es herrschte das reinste Chaos:
Rauchschwaden hingen in der Luft, die Wand zum Klassenzimmer war eingestürzt, überall lagen Körper, unmöglich zu sagen ob lebendig oder tot – fast drehte sich mir der Magen um. Zwei oder drei Auroren – offensichtlich war einige Verstärkung dazugekommen – rappelten sich gerade mit Hilfe ihrer Kollegen vom Boden hoch, ich sah einige Todesser, darunter Callaghan und McNair, in blau schimmernden Fesseln und zitternd vor Angst an der Wand kauern, während andere, ohnmächtige, soeben erst festgemacht wurden – da entdeckte ich etwas, das mir alles Blut aus dem Kopf weichen ließ: Mittendrin, umringt von gut einem Dutzend seiner Leibwächter, kniete der Senator am Boden – James – mit drei anderen über einem Schwerstverletzten.
„Clay, hören Sie mich noch?", rief er gerade – angespannt, aber ruhig – und rubbelte dem blutjungen Auroren fest mit den Fingerknöcheln über das Brustbein. „Clay! Bleiben Sie wach! Stark bleiben – sehen Sie mich an!"
Es war ein entsetzlicher Anblick. Ein See aus Blut breitete sich auf dem Boden aus und sechs Hände leuchteten über dem Unterarm des Auroren, der nur noch an einigen Muskelsträngen am Körper hing – zwei weitere strahlten hell wie Halogenspots und ihre Heilkraft schien keine direkte Konzentration auf die Wunde zu brauchen, um zu wirken.
„Clay! Kommen Sie zu sich – konzentrieren Sie sich!", sagte ihr Besitzer mit starker Stimme, den Blick fest in die verzweifelten Augen seines Auroren gerichtet und er berührte ihn so tröstend, wie ich es kaum fassen konnte. „Alles wird gut – keine Panik! Wir kriegen Sie hin!"
Es war fast unglaublich – ich konnte absolut nicht verstehen, wie das gehen sollte – die anderen drei sahen aus, als würden sie jeden Moment nervlich aussteigen – aber ob seiner Fassung kam ich nicht umhin, James zu glauben. Er hatte nicht mal seine glatte Stirn in Falten gelegt.
Plötzlich apparierten Hand in Hand zwei Auroren – einer von ihnen hatte eine dunkle Tasche dabei und hechtete direkt zu Boden.
„Soutién Harman, der OP wartet schon – wir haben Sie in null Komma nichts am Tisch!", sagte er beruhigend, doch Clay Harman reagierte auf ihn überhaupt nicht.
„Durchatmen, Junge – keine Angst!", redete James unbeirrt weiter, mit so warmer Miene, dass sich meine Eingeweide verknoteten. Dad, warum? „Sie haben Schmerzen – das weiß ich! Wir tun gleich was dagegen!"
Erst jetzt sah er zu dem Medimagier auf, der bereits eilig das erste Notfallequipment hervorkramte. „Geben Sie die Druckmanschette her – na los!", befahl er ihm gegenüber wesentlich angespannter, riss ihm die gezückte Manschette aus der Hand, damit er sich einer anderen Maßnahme zuwenden konnte, und montierte sie blitzartig um Harmans blutenden Arm, den bislang ein vierter Auror zusammengedrückt hatte – die Blutung ließ etwas nach. „Nate – anziehen!"
Sofort sprang der Corbillat hinzu, während James sich wieder dem Verwundeten zuwandte, und mit jedem Bisschen, das der Oberarm noch mehr komprimiert wurde, blutete es weniger.
„Clay, sehen Sie mich an! Es sind Minuten bis in den Ostflügel – beißen Sie durch!", sagte James eindringlich – wie ein Licht im Dunklen und mit den Händen an seinem Kopf und Brustkorb. „Wir schaffen es – ich lasse Sie nicht sterben!"
„Das sind bestimmt schon über zwei Liter – nehmen Sie die Kupitalvene!", sagte der Medimagier mit einem Blick über die Blutlache und jagte Harman unterdessen mit geübten Händen eine ekelhafte Nadel in den Hals.
James sah augenblicklich verstimmt aus, aber nicht, weil er einen Befehl bekommen hatte – er zögerte nicht einen Pulsschlag. Er ließ Harmans Nacken nicht los, obwohl er sich dann einfacher über seinen Kopf hinweg hätte recken können, und zog auf den ersten Griff eine weitere zugeschweißte Nadel aus dem Notfallkoffer.
„Clay, bleiben Sie bei mir! Sie können schlappmachen, wenn Sie stabil sind!"
Es war kaum zu fassen, dass er sich offensichtlich lieber auf den Auroren selbst konzentriert hätte – aber er riss ihm den linken Ärmel hoch und die Verpackung flog in hohem Bogen.
„Warum kommen Sie überhaupt allein, Dave?", machte er seinem Ärger auf Harmans Ellenbogen konzentriert Luft und traf die Vene mit ruhigen Händen tatsächlich auf den ersten Stich. Für eine Sekunde sah er hoch. „Brauche keine Antwort!"
Dave hatte inzwischen drei verschiedene Medikamente durch den Zugang am Hals gespritzt und schloss nun einen Beutel mit einer durchsichtigen Flüssigkeit an. Er streckte die Hand damit in die Höhe. „Hier – halten Sie das!"
Der Société hinter ihm nahm ihm sofort den Beutel aus der Hand. Es war auffällig, dass die älteren Corbillat offenkundig schon mehr Verletzungen diesen Ausmaßes gesehen hatten – im Gegensatz zu den drei anderen Auroren, die Harman ihre Heilkraft reinpumpten, wirkten sie geradezu entspannt.
Clay Harman hielt sich nur mit Müh und Not wach. Immer wieder wurden ihm die Lider schwer und riss er kurz darauf die Augen auf, als hätte er das grausame Gefühl, sie blieben sonst für immer geschlossen.
„Also ist Voldemort ausgemacht worden?", fragte Dave und hielt James einen Kunststoffbeutel mit – offensichtlich – Blut hin. „Sind Sie sicher, dass er B positiv hat?!"
„Ja!", sagte James eindringlich, aber er fauchte nicht – obwohl es in der Hektik durchaus verständlich gewesen wäre – und er und Dave schlossen Harman gleich an mehrere Blutkonserven an, die ein weiterer Leibwächter in die Höhe hielt. „Und Voldemort steht vor den Toren, ja!"
Mir sank das Herz in die Knie und tiefer, als James sich wieder Clay zuwandte. Während Dave sich und seine Kraft nun auf den verletzten Arm konzentrierte, um die Blutung endgültig in den Griff zu bekommen, legte er ihm die Hand an die Flanke und wischte ihm wirklich die Tränen aus dem Gesicht.
„Clay, Sie kriegen jetzt mehr Blut rein, als sie verlieren – es wird nicht mehr schlimmer!", sagte James und jetzt war ich absolut sicher, dass die Wärme in seinem Gesicht nicht geschauspielert war. „Wir haben Sie jetzt im Griff, die Blutung steht so gut wie!"
Man musste kein Hellseher sein, um zu merken, dass James sehr genau wusste, was in Clay Harman vorging. Er redete ihm tatsächlich seine Ängste aus und das unglaublicherweise erfolgreich – obwohl es in Anbetracht seiner ruhigen, warmen Worte und seiner (ich konnte es kaum denken) Zuwendung ganz und gar nicht unglaublich war. Clay Harman starrte in seine sanften Augen und schien den Schrecken seiner Lage mit jedem Wort mehr zu vergessen.
„Ich weiß, Sie werden müder, aber das ist jetzt kein schlechtes Zeichen mehr – es sind die Analgetika … Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wenn Sie nicht mehr können! Ich bleibe bei Ihnen… Okay?"
Ich ertrug den Anblick nicht. Ein hysterischer Troll hätte sich unter diesem Menschen beruhigt, mir stieg die Galle auf. James, warum?
„Wir narkotisieren Sie jetzt an Ort und Stelle und wenn Sie aufwachen, sehen wir uns wieder … Ehrenwort!"
Clay Harman schaffte ein Nicken, bevor die nächste Dosis schlagartig zu wirken anfing – er schlief ein, kaum dass der Medimagier die Spritze weggelegt hatte. James sah zu den anderen drei Heilern auf, ohne ihn loszulassen – als wüsste er, er spürte ihn noch.
„Gehen Sie kotzen, TJ!", bemühte er sich mit urteilsfreier Miene sichtlich absichtlich um keine standesgemäße Formulierung und Angesprochener ließ es sich nicht zwei Mal sagen.
Ich schluckte und James streckte nun die strahlenden Handflächen über Harmans Arm aus. Selbst die letzte Blutung versiegte, während Dave ihm nicht hektisch, aber rasch einen ekligen Spatel die Kehle runterschob und dem hinterher einen Kunststoffschlauch.
„Ich kann es nur immer wieder sagen, Senator Macaulay …", raunte er und stöpselte einen blauen Ballon an den Schlauch, um ihn zu beatmen. „Ich werde niemals begreifen, warum Ihr nicht Medimagier geworden seid!"
„Ich kann es nur immer wieder sagen, Appui Stanton …", sagte James, nahm ihm den Ballon ab und schmunzelte. „Weil mir der Kampf hinter der Front nicht liegt! Und wenn du diesen Monat noch einen Plural rauslässt, knallt's!"
Bald würde ich knallen. Dave Stanton lachte schallend und auch die Corbillat mussten kichern, denn sein letzter Satz war mehr als ein Witz gewesen.
„Es ist bereits Mai, James – damit hab ich noch weitere drei frei, bevor du mich wegen Befehlsverweigerung verknacken kannst!", grinste Dave und James rollte genervt, aber sichtbar amüsiert die großen Augen, bevor er seinen Blick traf und mit ihm, Harman und sämtlichen Société disapparierte.

TBC