Severus Snape

Ich verlor kaum einen Gedanken daran, dass ich runter musste und damit auch jeder Menge Auroren über den Weg laufen würde, die mich möglichweise schnappen und zu McKean schaffen würden. Deshalb erschrak ich umso mehr, je näher ich der Eingangshalle kam: Das Schloss lag in Trümmern, es bröckelte und brannte – es war kaum zu glauben, was sie in einer knappen Dreiviertelstunde damit angestellt hatten. Doch zu meiner großen Überraschung war es – zumindest hier – ruhig. Ich begegnete keiner Seele. Anscheinend hatten sie die hartnäckigsten Todesser in den Kern den Schlosses getrieben, wo es kein Entrinnen mehr gab. Ich würde es so machen und sie dort einkesseln.
Ich sprang die Stufen hinab in die kühle Nachtluft, über Steine und Körper hinweg – ich wehrte mich dagegen, darauf zu achten, ob sie lebten oder wer es war. Ich wollte es im Moment weder wissen, noch hatte ich einen Kopf dafür. Mein Herz pochte wie verrückt, mit jedem Schritt kam ich Voldemort näher – ich spürte es in meiner Stirn. Aber ich dachte trotzdem nur an meinen Vater.

Noch außer Hörweite des Häuschens bremste ich ab und vergaß James für einige Augenblicke. Ich schlich zitternd durch die Dunkelheit, schwer atmend, um das bemooste Mauerwerk herum und versuchte, durch die trüben Scheibchen der Fenster etwas zu erkennen. Das Herz schlug mir bis zum Hals – der Horkrux war da drin, ich war sicher. Aber wie an ihn rankommen? Ich hatte keine Chance an Voldemort vorbei. Ich hörte ihn reden und die Angst seines Gegenübers konnte ich vage erahnen. Wenn sie nur halb so groß war, wie meine, dann… Ich ging mucksmäuschenstill zu Boden, kroch auf allen vieren in die Nähe der Tür und erkannte im Fackelschein einen mittelgroßen, dünnen Mann in durch und durch schwarzem Umhang und strähnigem, schulterlangem Haar. Snape?
„Heute Nacht, wenn der Junge kommt, wird er Euch den Dienst nicht versagen …", ertönte eine mir altbekannte, ölige Stimme von drinnen. Ja. Snape. „Ich bin sicher. Der Elderstab dient Euch, mein Lord. Euch allein!"
„Ist das so?", säuselte Voldemort und ich runzelte heftig die Stirn. „Dient er wirklich mir? Du bist ein intelligenter Mann, Severus … du musst es wissen. Wo liegt seine wahre Loyalität?"
„Bei Euch!", antwortete Snape mit erstaunlicher Ruhe, obwohl der Stock in seinem Hintern in Wirklichkeit kurz davor sein musste, ihm den Arsch aufzureißen.
„Nein", entgegnete Voldemort bedrohlich leise. „Der Elderstab dient mir nicht bedingungslos … weil ich nicht sein wahrer Herr bin. Er dient demjenigen, der seinen letzten Besitzer getötet hat…"
Dass der Stab ihm nicht gehorchte, war eine gute Nachricht – wäre Voldemort nicht am besten Weg, das Problem zu lösen:
„Du hast Dumbledore getötet, Severus…"
Meine Nackenhaare sträubten sich – bis hierher spürte ich, wie Snape steif wurde.
„Du warst mir ein guter und treuer Diener", sagte Voldemort und seine Kälte ließ mich frösteln. „Aber nur ich … kann ewig leben!"
Sollte das etwa eine Entschuldigung sein?! Ich riss reflexartig den Zauberstab hoch, wollte aufspringen – plötzlich war jeder Hass vergessen – zu zweit könnten wir – aber es war zu spät.
Snape krachte gegen die Scheiben direkt vor mir – ich zuckte so heftig zurück, dass ich fast umfiel – warum das Glas ganz blieb, entzog sich jeglicher Logik – er sank zu Boden –
Nagini … töte!"
Fast entwich mir ein Aufschrei – von hinter mir schnellte eine Hand vor – GROSSER GOTT, das Parfum!
Es war James. Und er brach mir fast den Hals, als er, den Handballen an meiner Schläfe, mein Gesicht vom Fenster wegdrückte –
Augen zu!", zischte er und im nächsten schmerzenden Herzschlag verstand ich, warum: „Imprisono!"
Die Appariersperre traf ausschließlich diejenigen, die den (ohnehin kaum wahrnehmbaren) Lichtblitz sahen. James ließ mich sofort los, aber er war dicht hinter mir, ich spürte ihn körperlich – und es versetzte mich mehr in Aufruhr als Nagini – die aus dem Dunkel hervorschoss – ein entsetzliches Fauchen ertönte. Ich kniff die Augen zu. Snape gab nicht einen Ton von sich und doch musste ich hören, wie das Untier die Zähne in seinen Körper stieß. Es waren nur wenige, aber lange Sekunden – in denen mir war, als kauerte ich ewig da, sein Knie im Rücken – bis das Vieh von Snape abließ. James konnte das Hämmern in meiner Brust unmöglich überhören – ich war nur froh, dass er es auf Voldemort schieben würde.
Wie in Trance blickte ich auf, als es mit einem Mal still wurde und sah Snape leblos an der blutbespritzten Scheibe liegen.
Plopp

Voldemort war verschwunden. Ich sprang auf – stürzte über die Schwelle.
Blut strömte aus Snapes Wunden, die sich über seinen ganzen Torso zogen. Es ließ seinen Umhang glänzen und ich hatte sein leichenblasses, schmerzverzerrtes Gesicht kaum gesehen, wusste ich, er würde es nicht schaffen – weil er es wusste. In tiefstem Schock starrte er mir entgegen – nein, nicht mir. Ich wirbelte herum. Erst jetzt begriff ich, dass James mir gefolgt war – auch er ging eilig an der Seite seines alten Schulkollegen in die Knie und ich war nicht überrascht. Ich war geschockt: Snape sah ihn an und mir war sofort klar, sie sahen sich nicht zum ersten Mal.
„Schon gut – bleib ruhig …", flüsterte James mit derselben sanften Stimme, mit der er auch auf Harman eingeredet hatte. Sein Gesichtsausdruck versetzte mir einen Stich – und Snape entspannte sofort, als er zwei leuchtende Hände über sich zu spüren anfing. Ich war völlig perplex – damit hatte ich nicht gerechnet. Genauso wenig, wie ich in siebzehn Jahren damit gerechnet hatte, dass das vorteilhafte Profil meines Vaters und seine eindrucksvolle Schulterlinie mich so fesseln würden. Es war so gewaltig, dass ich sogar den schwerverletzten Snape vergaß. Mit einem Mal runzelte James für eine Sekunde die Stirn – riss mich aus meinen Gedanken – und dass die Blutungen nicht besser wurden, sah ich als erstes in seinem gefassten Gesicht.
„Warum passiert nichts?", wisperte ich, während er Snapes angsterfüllten Blick traf, in dem dieselbe verzweifelte Frage stand.
„Weil ich nicht derjenige bin, der dir vom Boden hochhelfen soll …", antwortete James Snape und unverständlicherweise huschte ein kleines, leises Lächeln über sein Gesicht. Snape ließ das scheinbar verstehen, denn er schloss für einen Moment die Augen und sammelte sich sichtlich.
„Elender Mistkerl …", flüsterte er und zum ersten Mal war ich mit ihm einer Meinung. „Da habe ich die Ehre, unter der Hand des Senators zu gehen und dann bist du es…"
Ich biss mir auf die Zunge, denn James trug nicht die Spur eines Rangabzeichens. Er zuckte die Nase und ich starrte ihn nur an als er raunte: „Soll ich dir post-mortem noch einen Orden für diese Strapaze verleihen?"
„James…"
Ich blickte fassungslos zu Snape hinunter.
„Lass nur … ich weiß das alles", unterbrach James ihn mit beschwichtigender, ja sanfter Miene. „Und meinst du, ich hatte einen anderen Grund?"
Snape nickte leicht, seltsam erleichtert, und ich würde allzu bald verstehen, worum sich diese Unterhaltung gedreht hatte.
„Euch Zwillinge nebeneinander zu sehen ist grusliger, als ich dachte …", wisperte Snape und blickte zwischen uns hin und her. Sein Gesicht verzog sich gequält und eine silberne Träne tropfte aus seinem Auge. Ich sog scharf Luft ein – eine Erinnerung. Erschöpft sah er zu mir auf. „Bitte, fang sie auf … geh zum Denkarium … du musst es wissen…"
Was? Noch bevor ich meine Verständnislosigkeit überwinden und reagieren konnte, lenkte mich von links eine Bewegung ab. James griff eine Phiole aus dem Nichts und auch in seinen Augen sah ich Snapes seltsamen Satz. Das warme Braun lähmte mich einen Moment … aber ich gewöhnte mich immer mehr an seine Gegenwart. Ich wurde mit jeder Sekunde selbstbewusster, sagte aber trotzdem nichts. Ich würde ohnehin keine Antwort kriegen. Also sickerte die Erinnerung in das Glas und als ich aufsah, fand ich einen Blick im Gesicht meines ehemaligen Lehrers vor, den ich dort noch nie zuvor gesehen hatte.
„Du hast die Augen deiner Mutter, Harry …", hauchte er und meine Kehle schnürte sich zu, als seinen Lungen die letzte Luft entwich.
James griff nach seiner Schlagader und was als nächstes kam, jagte mir eine Gänsehaut über den Körper:
Écoulé, ich habe einen Kandidaten hier!", sagte er laut und seine Hände erloschen in der Sekunde, als das Rekrutierungskomitee des Weltsicherheitsrats Snape zu sich holte.

Geschockt starrte ich auf die verlassene Blutpfütze, in der Snape gerade noch gelegen hatte. Ich war völlig perplex – ein Todesser? Snape – im Begriff, hoher Auror zu werden?! Doch ich hatte nicht lange Zeit, den Gedanken zu verdauen.
„Was zum Teufel tust du hier?", raunte James und das Satinfutter seines camelfarbenen Gehrocks raschelte leise, als er aufstand. „Du solltest bei Blake McKean sein! Wofür bringst du dich in Gefahr, wenn es nicht länger nötig ist?"
„Was interessiert dich das?", sagte ich leise und umklammerte die Phiole so fest, dass das Glas knirschte. Ich wandte mich um. „Ich hab dich in zwölf Jahren nicht interessiert."
„Wofür?", ging James nicht auf meine Aussage ein. „Du solltest hinter der Front in Sicherheit sein – es ist nicht länger dein Job, dich an Voldemorts Fersen zu heften, Harry! Schon gar nicht allein."
Die Strenge in seiner Stimme versetzte mir einen Stich. „Du machst dir doch nicht etwa Sorgen, ich könnte sterben?", ätzte ich (nicht Herr meiner Sinne) und James hob die Braue. Das schien ihn überrascht zu haben.
„Oh, entschuldige – ich wusste nicht, dass ich kein Anrecht darauf habe!", fauchte er und seine unerwartete Reaktion warf mich einen Schritt zurück. Doch ich fing mich rasch wieder:
„Du hast mich jahrelang in dem Glauben gelassen, du wärst Geschichte – wie Mum!" Meine Stimme war holprig vor Wut. „Und jetzt kreuzt du hier auf und wagst es, dir Sorgen zu machen?"
Ich konnte ihm kaum in die sanften Augen sehen, weil es mir im Innersten wehtat. Und meiner nächsten, impulsiven Intention konnte ich ebenso nicht folgen, denn James packte mich am Arm und hielt mich zurück, bevor ich davonstürmen konnte. Denn das wollte ich – obwohl ich ihn hatte, wo ihn hatte haben wollen.
„Hör mir mal zu, junger Mann! Ich bin nicht hier, weil ich glaube, dass es einfach für dich ist!", sagte er mit fester Stimme und meine Kehle wurde staubtrocken. „Ich glaube keineswegs, dass es keine Spuren hinterlassen hat, dich in Dumbledores Händen zu lassen – bei uns beiden!"
„Das bezweifle ich!", fauchte ich und riss mich los. „Du musstest dich mit keiner endlosen Aneinanderreihung von Katastrophen herumschlagen!"
„Ich musste mich mit wesentlich heftigeren Dingen herumschlagen, mein Lieber – und das sehr viel länger als siebzehn Jahre!", sagte er mit erstaunlich neutraler Miene.
Ich atmete heftig aus. „Ich weiß!", zischte ich. „Aber du warst erwachsen! Ich war ein Kind – und ich war allein – allein!" Meine Augen loderten auf.
„Wenigstens bist du es heute nicht!", entgegnete James energisch. „Die besten Auroren des Landes sind hier, um dir unter die Arme zu greifen – warum nimmst du das nicht an? Warum sorgst du noch dafür, dass wir dir ins Schlachtfeld nachlaufen müssen? Niemand will dich später zu den unnötigen Toten zählen – auch ich nicht!"
„Der Senator, meist du?", meinte ich leise und es zerriss mir das Herz.
Drei Sekunden schwieg er und für eine wundervolle davon dachte ich – „Ja!"
Es erschlug mich beinah. Es war als hätte er mir eins der Ruder über den Schädel gezogen, dass das Holz splitterte. „Wenn Voldemort dein primäres Ziel ist, dann konzentrier dich auf ihn … und lass mich in Ruhe!", sagte ich bitter. „Bitte, James, lass mich in Ruhe." Ich wandte mich um, damit er die Tränen in meinen Augen nicht sah.
„Ich versuche es gern!", sagte er und hörte sich nicht danach an, als würde ihn meine Bitte irgendwie treffen. „Aber wenn du dich auf Voldemort konzentrierst, kann ich das nicht! Schon gar nicht, wenn du es im Alleingang tust!"
So bestimmt er auch geklungen hatte, so wenig tat er, um mich zu irgendetwas zu bewegen. Er wandte sich zum Gehen und mit jedem seiner festen Schritte schien der Klang seiner zarten Anzugschuhe lauter zu schreien: Halt ihn auf!
„Was muss ich wissen?", sagte ich mit bebender Stimme. „Du weißt es!"
James hielt inne. Ich zitterte am ganzen Körper – was würde jetzt passieren?
„Ich kehre nicht vor anderer Leute Tür …", raunte er leise über die Schulter und die Gleichgültigkeit in seiner Stimme war wie ein Reibeisen. „Ich habe zu der Sache nichts zu sagen – Amirauté McKeans Angelegenheiten gehen mich weiter nichts an!"
Es traf mich wie ein Schuss. „Es geht dich nichts an …", wiederholte ich verstört. Blinde Wut kochte in mir hoch und plötzlich gab es kein Halten mehr: „Wen gehe ich denn deiner Meinung nach an?! Deinen verhassten Erzfeind?! So gut bin ich dir also, ja? So gut, dass er mehr von dir kriegt, als ich?! Hab ich denn gar nichts von dir verdient?! Sieh mich wenigstens an!"
Plötzlich zitterte ich nicht mehr vor Wut, sondern vor Angst. Eine gefühlte Ewigkeit starrte ich seinen Rücken an – vielleicht hatte ich zu hoch gepokert. Vielleicht würde er in einer Sekunde disappariert sein. Doch als er sich umwandte – als er sich wirklich umwandte – plötzlich majestätischer denn je – zuckte er die definierten Brauen, wie um mir zu sagen, dass er mir sogar zuhören würde.
Senator", knurrte ich und wusste selbst nicht, woher die Kraft kam, gegen ihn anzugehen. „Warum hast du ihn ausgefasst? Für deine Noblesse, deinen Edelmut und deine Selbstlosigkeit?! Weil du nie einen Soldaten zurückgelassen hast – weil du ein Mann und ein Held warst?!" Ich ballte die Fäuste vor Zorn. „Du sitzt auf deinem hohen Ross – auf deinen Titeln, deinen Orden und deinen Auroren – und ich?! Ich dachte immer, hohe Auroren wären mutig – ich dachte, sie wären Männer! Aber offensichtlich beschränkt sich das nur auf ihren Job" –
Plötzlich fuhr ein schreckliches Kreischen durch die Luft – bis in jede Zelle, jeden Knochen – Panik kroch meinen Rücken hoch – Voldemort erhob die Stimme.
Ich wünsche all das nicht …", dröhnte über die Schlossgründe – ich zog den Kopf ein. „Jeder Tropfen magischen Blutes, der vergossen wird ist eine schreckliche Vergeudung … daher befehle ich meinen Streitkräften, sich zurückzuziehen. Nutzt ihre Abwesenheit und schafft eure Toten in Würde fort…"
Meine Nackenhaare sträubten sich immer mehr – ich wusste, es gab keinen Grund, aufzuatmen.
Harry Potter."
James´ Blick verfinsterte sich, ich schloss die Augen.
Ich spreche nun direkt zu dir … heute Nacht hast du zugelassen, dass deine Freunde für dich sterben, anstatt mir selbst gegenüberzutreten … es gibt keine größere Schande … komm zu mir in den verbotenen Wald … und stelle dich deinem Schicksal. Tust du es nicht, werde ich ohne Ausnahme jeden töten, der versucht, dich vor mir zu verbergen. Bis auf den letzten Mann … die letzte Frau … das letzte Kind… Komm…"
Voldemorts grauenhafte Stimme verhallte und obwohl der beste Auror weit und breit vor mir stand, fühlte ich mich hilfloser als jemals zuvor. Denn er war mein Vater und er war es auch nicht.
„Er soll es erst mal versuchen!", sagte er, kaum dass er meine Miene gesehen hatte und es war ein Befehl: „Du gehst nicht!"
Wie eine Lawine brach über mich herein, was ich über Voldemorts Worten verdrängt hatte – ich schnaubte heftig. „Als wenn ich dir fehlen würde!", knurrte ich. „Du wusstest, was ich durchgemacht hab – du wusstest, dass ich auf mich gestellt war – du hast gewusst, wie schlecht es mir ging!" Mit jedem Wort wurde ich lauter. „Sirius ist selbst aus Askaban ausgebrochen, weil er für mich da sein wollte – und du?! Du hast alles gewusst und keinen Finger gerührt – DU BIST MEIN VATER UND DU HAST KEINEN FINGER GERÜHRT! Du hast dich vor mir ans andere Ende der Welt geflüchtet! Ins Paradies Australien, wo es keinen Voldemort und keine Todesser gibt, die durch dein Palastfenster linsen, während ich mich mit ihnen abgequält hab! Du hattest es bestimmt bequemer, mich einfach im Stich zu lassen!"
Ich bekam kaum noch Luft, Punkte schwirrten vor meinen Augen.
Einen Augenblick lang schwieg er.
„Diese Formulierung gefällt mir zwar nicht", sagte er mit ruhiger Stimme und ich runzelte die Stirn, „aber da ich sie auch nicht ohne weiteres entkräften kann, muss ich sie wohl fürs erste so stehen lassen! Nur wenn du ernsthaft so denkst, ist dir bei Merlin nicht mehr zu helfen, Harry. Wirklich. Denkst du allen Ernstes, ich hätte es bequem?"
„Ich weiß nicht, was ich denken soll." Ich schüttelte den Kopf, mir war schlecht. „Ich hatte immer eine andere Meinung von dir. Ich dachte, zu recht."
James verzog keine Miene und es erzürnte mich nur noch mehr. „Die brauchst du nicht über Bord zu werfen – jedenfalls noch nicht, das wäre voreilig! Meine Absichten dir gegenüber sind immer dieselben gewesen!"
„WARUM BIST DU DANN NICHT VOR ZWÖLF JAHREN AUFGETAUCHT?!" Ich drehte durch. Und was er meinte, kam schlicht nicht an.
„Zu spät kann es nicht sein, du lebst schließlich noch!", zischte er. „Ich bin Senatsauror, Harry! Ich bin Senator! Das alles ist nicht annähernd so einfach, wie du es dir vorstellst!"
„Dann mach es einfach für mich!", rief ich – mir flog eine Sicherung. „Wenn du schon nichts von mir wissen willst, warum bist du dem nicht treu geblieben? Wofür holst du mich aus der Klemme raus – warum konntest du das keinen deiner Lakaien übernehmen lassen?! Hast du in nächster Zukunft nicht genügend Gelegenheiten, den dicken Senator zu markieren?!"
„Wäre dir sterben lieber gewesen?"
„Im Moment, ja!", bellte ich und es war, so traurig es war, die Wahrheit. „Ich hab zu meinem Vater aufgesehen – ich hab zu James Macaulay aufgesehen! Und für beides kriege ich einen Schlag ins Gesicht! Wofür um alles in der Welt hast du mir dieses Wissen aufgezwungen?! Ist dir klar, was du mir antust?!"
Beinah kreischte ich und hatte es nicht ausgesprochen, doch James wusste, wovon die Rede war.
„Ja!", nickte er und mich überraschte, dass es wohl nicht gelogen war. „Und du hast mein Wort, dass ich ein Treffen vermeiden wollte!"
Mir stand der Mund offen. Gerade hatte ich mir selbst noch gewünscht, es nie gewusst zu haben, doch jetzt war James' kühle Aussage wie ein Dolch in meinem Rücken.
„Es wäre so einfach gewesen, wenn du mich einfach aus dem Schloss gestaubt hättest, wie alle anderen auch!", rief ich mit krächzender Stimme. „Warum hast du mich da reingezogen?!"
„Weil deine Verbindung zu Voldemort zu besonders ist, um deine Anwesenheit vorzutäuschen!", sagte er prompt und mir klappte der Mund auf. „Ich kann ihn diesbezüglich nicht an der Nase herumführen – es ist schlicht nicht möglich!"
Kurz war ich sprachlos. Doch mein Adrenalinspiegel ließ mich zu Höchstleistungen auflaufen: „Die Appariersperre steht … wofür brauchst du mich noch?"
„Harry, ich kenne vielleicht Voldemort – du kennst seine Gefühle und seinen Affekt!", sagte er knapp – alles Blut wich in meine Füße. „Hör zu – ich erwarte nicht, dass du irgendetwas verstehst. Nicht mal, dass du mir dankbar bist, weil ich dir den Hals gerettet habe! Nur, dass du dich am Riemen reißt! Wir beide sind gegen Voldemort hier und ich rate dir dringend nicht gegen deine eigene Seite zu arbeiten! Vor allem nicht, indem du auf eigene Faust losschlägst!"
„Ich habe die letzten sieben Jahre gegen ihn gekämpft und es ohne dich durchgestanden – wie arrogant bist du eigentlich tatsächlich, zu glauben, dass es plötzlich nicht mehr ohne dich geht?!", bellte ich und wirbelte herum.
„Ihm steht das Wasser bis zum Hals!", sagte James und wirkte tatsächlich belustigt. „Und das weiß er – er wird alle Register aufziehen! Und ich kann dir nun mal helfen!"
Mir flog die letzte Sicherung – die Worte kamen aus meinem Mund in der einfachen Absicht, ihn mitten ins Herz zu treffen, ohne dass ich je über sie nachgedacht hatte: „So wie du Mum geholfen hast, was?"
James´ sympathisches Gesicht veränderte sich. Kurz war er sprachlos und der Ausdruck, der in sein Gesicht trat jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Vor allem, als sein Blick sich von meinem Gesicht löste und zu etwas hinter mir wechselte.

TBC