Von Liebschaften und Drachenbabies
Sie waren irgendwann nach drinnen gegangen und unterhielten sich dort weiter. Hermione hatte schnell gemerkt, dass ein freundschaftliches Necken hier an der Tagesordnung war und ließ ab und zu auch mal ein solches Kommentar fallen. Als es dann aber langsam auf den Abend zuging, verabschiedeten Charlie und sie sich von den anderen und draußen vor den Häusern apparierte der Drachenbändiger sie wieder zu der Blockhütte. Tatsächlich bemerkte Hermione auch, was der Weasley ihr schon gesagt hatte, bevor sie ins Tal geflogen waren. Draußen wurde es langsam kühl, doch in dem Haus war es durch die Holzwände noch immer warm.
Trotz der noch herrschenden Wärme, entfachte Charlie ein Feuer im Kamin, da es draußen jetzt, wo die Sonne weg war, rasant kälter werden würde. Hermione riet er noch sich besser etwas wärmeres anzuziehen.
Als die Hexe dann wieder nach unten kam, diesmal in einer langen Hose und einem der kuscheligen Pullover, die Molly immer zu Weihnachten verschenkte, stand Charlie bereits in der Küche am Herd und kochte Abendessen. Hermione hingegen begann die Schränke zu durchsuchen, bis sie das Geschirr fand. Natürlich standen die Teller im letzten Schrank, den sie öffnete...was auch sonst?
Die Spaghetti, welche Charlie gekocht hatte, waren die besten die sie jemals gegessen hatte. Charlie hatte ihr zugezwinkert, als sie ihm das gesagt hatte und gemeint, dass es sein Geheimrezept wäre. Jetzt saßen sie beide, mit einer Flasche Butterbier in der Hand, auf der Couch und unterhielten sich. Hermione hatte sich gegen Charlie gelehnt und der hatte einen Arm um sie gelegt. Sie hatten so schon auch immer im Fuchsbau zusammengesessen, da es einfach bequem war.
Gerade sprachen sie über Familie und Freunde, als Hermione etwas grinste. „Also, warum hast du noch niemanden an deiner Seite? Liebst du dieses Junggesellenleben so sehr, oder hast du einfach noch nicht die richtige Hexe getroffen...oder vielleicht auch den richtigen Zauberer?" Charlie sah sie an, als wäre ihr soeben ein zweiter Kopf gewachsen. „Merlin, wie kommst du denn auf die Idee mit..?" Dann fiel es ihm ein, sein Blick wurde finster und er murmelte etwas von wegen Fred und George umbringen, bevor er ihr antwortete. „Also nur damit das klar ist. Ich steh eindeutig auf Frauen! Den ganzen anderen Mist hatten sich Fred und George ausgedacht!" „Gut, dann hast du wohl einfach noch nicht die richtige Hexe getroffen?"
Charlie nahm einen Schluck von seinem Butterbier, bevor er ihr schließlich antwortete. „Nun, ich habe die Zeit als Junggeselle wirklich genossen. Wenn wir hier in eine Bar gegangen sind, bin ich meist nie allein nach Hause.", er wirkte etwas melancholisch, als er plötzlich aufhörte zu reden. „Was hat sich geändert?" Hermione war aufgefallen, dass er in der Vergangenheit gesprochen hatte. Charlie trank wieder einen Schluck, bevor er ihr antwortete. „Ich hab mich verliebt...in eine Frau, die unerreichbar für mich ist. Sie ist wunderschön, gütig, klug und eine großartige Hexe." Er lächelte einen Moment traurig, bevor er den Kopf schüttelte, wie um die dunklen Gedanken zu vertreiben, und fragte. „Was ist eigentlich mit dir und meinem Bruder?" „Ron und ich?", sie lachte. „Wir sind nur Freunde. Alles was in den Zeitungen steht, von wegen tragischer Liebe, etc. haben sich entweder Rita Kimmkorn oder die Hexenwoche ausgedacht. Nein, ich bin Single und mehr oder weniger zufrieden damit." „Mehr oder weniger?" Hermione lachte freudlos auf. „Kennst du den Spruch warum starke Frauen so oft single sind?" Charlie schmunzelte etwas und ergänzte dann. „Schon mal eine Löwin an der Leine gesehen? Es braucht einen Löwen um sie zu halten und keinen Schwächling, der sie aus Angst an die Leine legt." „Ganz genau. Ich wusste nicht, dass du Muggelsprüche kennst." „Oh, du weißt einiges über mich nicht, meine Liebe." „Zum Beispiel?" Der Drachenbändiger lachte. „Das musst du schon selbst raus finden."
Als Charlie am nächsten Morgen aufstand, hörte er Hermione im Bad und entschied sich schon einmal Frühstück machen. Gerade als er am Herd hantierte, hörte er wie Hermione die Treppe runterkam. „Morgen, Hermione..." „Morgen, Charlie...", antwortete sie, als sie die Küche betrat und die Teller aus dem Schrank nahm um den Tisch zu decken. Als sie das erledigt hatte, setzte sie sich an den Tisch und beobachtete Charlie etwas. Er trug nur eine Pyjamahose, die ziemlich tief auf seinen Hüften hing und war gerade damit beschäftigt den Bacon in der Pfanne zu wenden. So konnte Hermione auch einen ziemlich guten Blick auf seinen Oberkörper werfen. Charlie war ziemlich gut trainiert durch die Arbeit mit den Drachen, von der er allerdings auch viele Narben davon getragen hatte. Einige davon hatte er mit Drachentattoos überdeckt, andere hatte er so gelassen.
Kaum dass Charlie die Pfanne auf dem Esstisch abstellte, kam wieder Bewegung in Hermione. Schnell schenkte sie ihnen beiden Kaffee ein und verteilte das Essen. Charlie sah sie lächelnd an. „Ich hab eine Überraschung für dich. Wenn du willst, dann darfst du mit den frisch geschlüpften Drachen arbeiten." „Wirklich?!" Hermione war aufgeregt. Sie hatte in den letzten beiden Tagen viel über Drachen und ihre Jungen gelesen. „Ja, wirklich. Du wirst die kleinen Dinger lieben! Aber wir müssen wieder ins Tal fliegen." Das war doch ein kleiner Dämpfer für sie. „Okay, wenn es sein muss..." „Ja, und diesmal lässt du die Augen offen und schaust dir mal das Reservat von oben an."
Nach dem Essen hatte sich Hermione bereit erklärt die Küche aufzuräumen, während Charlie sich fertig machte. Gerade als sie die letzte Kaffeetasse in den Schrank stellte, kam Charlie die Treppe runter. Diesmal trug er doch tatsächlich eine Muggeljeans und ein einfaches beiges Shirt. An seinen Unterarmen befanden sich Armschienen aus Drachenleder und er hatte ein paar Drachenlederhandschuhe mit einem Karabiner an seiner Jeans befestigt. „Hermione, hast du deine Drachenlederhandschuhe?" „Ja, die hab ich.", zur Bestätigung hielt sie sie hoch und Charlie nickte zufrieden. „Ich bring dich als erstes zu den Drachenküken. Fiona wird dir dort alles weitere erklären. Ich muss leider weiter zu den anderen Drachen. Ein Viperzahnhybrid macht Ärger am Südende des Reservats. Momentan ist er zwar ruhig, aber er wird bestimmt bald wieder loslegen." „Okay..."
Sobald sie im Tal waren, führte Charlie sie zu einem der Häuser, welches Abseits lag. „Fiona?" „Ich bin hier, Charlie." Die Frau, welche sie schon gestern gesehen hatte, kam aus einer der vielen Türen. „Kümmerst du dich bitte um Hermione und erklärst ihr alles? Wir haben Probleme mit dem Vipernzahnhybrid.", bat Charlie sie. „Wir werden schon klarkommen. Und jetzt kümmer dich lieber um den Drachen, bevor der noch alles in Schutt und Asche legt." Charlie musste trotz der Situation grinsen. „Wie die Dame befiehlt. Bis später dann." Damit verschwand er auch schon und ließ die beiden Frauen allein zurück. Während Hermione eine einfache Jeans und eine Bluse trug, war Fiona ganz anders gekleidet. Sie trug eine Art kurzes, braunes Kleid, welches eine Korsettbluse und einen Rock besaß, der hinten etwas länger war, als vorn. Die Korsettbluse, welche aus Drachenleder gefertigt war, war vorn geschnürt und hatte einen ziemlich weiten Ausschnitt. Die schmalen Träger aus Leder wurden von langen weißen Hemdärmeln ergänzt, welche eng anlagen. Unter dem ledernen Rock trug sie eine schwarze Lederhose, welche unten in hohe, ebenfalls schwarze, Schnürstiefel gesteckt war. Ihre blonden Haare wurden durch Haarnadeln und ganz sicher auch durch Magie zurückgehalten, anders konnte es sich Hermione einfach nicht erklären.
Fiona lächelte sie jetzt freundlich an. „Komm mit, ich zeig dir alles." Sie führte Hermione in eine der Türen und schloss sie wieder sorgsam hinter sich. „Das erste woran du immer denken musst, ist die Türen hinter dir zu schließen." Der Raum in dem sie jetzt standen war ziemlich warm und Hermione sah den Grund dafür ziemlich schnell. An den Wänden standen große Inkubatoren in welchen Dracheneier über magischem Feuer lagen. „Das hier ist der Raum wo wir die Dracheneier ausbrüten. Die meisten davon wurde bei Razzien beschlagnahmt, aber es gibt auch Exemplare deren Mütter sie verstoßen haben, was selten vorkommt. Wir haben hier aber auch Dracheneier von denen die Mütter im Kampf mit anderen Drachen oder mit Wilderern getötet wurden. Die Eier werden jeden Tag kontrolliert, ob sich etwas tut. Falls ja, wird das Ei aus dem Feuer genommen und unter unserer Aufsicht kann das Küken dann schlüpfen. Die Küken werden anschließend untersucht und zu den anderen Jungen gebracht." Die beiden Hexen verließen den Brutraum und gingen in das Nachbarzimmer. Hier herrschte ein Kältezauber, da in der Kammer das Fleisch für die Drachen gelagert wurde. Fiona gab eine große Schüssel mit Fleischbrocken Hermione und nahm sich selbst auch eine, bevor sie den Raum wieder verließen. „Das war der Raum, wo wir das Futter lagern. Die Tür muss sofort wieder geschlossen werden, wenn man durch ist. Hier gibt es schließlich nicht nur ausgewachsene Drachen im Reservat, sondern auch ab und zu Bären. Der Geruch von Fleisch würde sie anlocken und das gäbe ein Desaster.", erklärte die Drachenbändigerin, bevor sie zu dem nächsten Raum gingen.
„Und hier sind die Drachenbabies untergebracht. Sie können ziemlich wild sein, also pass lieber auf.", sagte Fiona, bevor sie schließlich eintraten. Es war ein riesiger Raum welcher von einer Glaskuppel bedeckt wurde, die den Himmel draußen zeigte. Hermione vermutete einige Zauber um das ganze so echt aussehen zu lassen. Ihr Blick war jedoch hauptsächlich auf die Drachenküken vor ihr gerichtet. Dutzende niedlich Drachenbabies tapsten auf dem Boden, schliefen in großen Nestern oder versuchten sich im Fliegen. Kaum erblickten sie jedoch das Fleisch stürmten sie alle auf die beiden Hexen zu. Fiona stellte zuerst ihre Schüssel und dann auch die von Hermione ab, setzte sich und bedeutete Hermione es ihr gleich zu tun. Dann nahm sie eine der Drachen vorsichtig hoch und reichte ihn Hermione, bevor sie sich selbst einen griff. „Jetzt nimm dir ein Stück Fleisch nach dem andern und fütter den Drachen damit, den du auf dem Arm hast. Deiner ist noch recht klein, also dürften zehn Stücke genügen."
Sobald sie damit fertig waren, die kleinen Drachen zu füttern, grinste Fiona. „Jetzt kommt mein Lieblingsteil. Spiel einfach mit den kleinen Rackern, streichel sie und überschütte sie mit Liebe." Diesem Wunsch kam die klügste Hexe ihres Jahrhunderts nur zu gerne nach. Die Drachenbabies waren unglaublich niedlich und verschmust, was Charlies Worte nur bestätigte. Sie liebte die kleinen Frechdachse. „Sind Charlie und du heute Abend auch da? Wir wollten alle zusammen etwas trinken.", wollte Fiona wissen, während sie gerade einem rumänischen Langhorn den Bauch kraulte, während ein schwedischer Kurzschnäuzler auf ihrem Schoß zusammengerollt schlief. „Ich kann zwar nicht für Charlie sprechen, aber ich würde gern kommen." „Sehr gut. Dann wird das heute Abend ziemlich spaßig.", sie lächelte und gab dem Langhorn einen Kuss auf den Kopf, bevor sie ihn absetzte und sich einen ukrainischen Eisenbauch angelte, der bis gerade eben noch auf dem Boden vor ihr gesessen hatte. „Was hast du da eigentlich an, Fiona?" Die blonde Hexe sah an sich herunter und lachte. „Ja, ich seh wohl nicht aus wie eine Drachenbändigerin, sondern eher wie eine Mischung aus Piratin, Bardame und Kriegerin in einem dieser Muggel-Fantasyromane." Sie schmunzelte kurz, bevor sie weitersprach. „Mein Vater war dagegen, als ich hier angefangen habe. Er meinte es wäre der sicherste Weg mich umbringen zu lassen. Jedenfalls hab ich mir dann Kleidung aus Drachenleder zugelegt. Die ist Feuer-und Bissfest und hält auch den schärfsten Klauen stand. Da ich allerdings noch zeigen will, dass ich eine Frau bin hab ich mich für das Kleid entschieden, weil mir die Jungs mit ihren Späßen auch langsam auf die Nerven gegangen sind. Und die Drachenjungen mögen es auch." Sie sah auf den Kurzschnäuzler auf ihrem Rock, welcher so gespannt war, dass er eine Hängematte für den Drachen bildete. „Ich bin meisten hier bei den Kleinen. Nur wenn es wirklich einen richtig schlimmen Notfall gibt, geh ich mit den anderen Bändigern um das Problem zu beseitigen." „Wie lang bist du schon hier?" „Es werden bald fünf Jahre. Aber es kommt mir bei weitem nicht so lang vor. Die Arbeit hier macht wahnsinnigen Spaß und die Kollegen sind die besten Freunde, die man sich vorstellen kann. Wir sind bald so etwas wie eine Familie."
