Gespräche

Zwei Wochen später waren Hermione und Charlie gemeinsam im Reservat unterwegs. Zwar durfte Charlie noch nicht wieder richtig mit Drachen arbeiten, aber er ließ es sich nicht entgehen, seine Schützlinge zumindest wieder zu besuchen. Außerdem zeigte er Hermione, warum er so gerne hier lebte. Sie fand die kleinen Wunder wirklich erstaunlich und genoss die friedlichen Natur, wenn man von den Drachen einmal absah. In den Bergen gab es einen See, der von einem Wasserfall gespeist wurde. Den mochte Hermione ganz besonders. Das Wasser war unglaublich klar und schien türkisblau zu leuchten, wenn die Sonne es im richtigen Winkel traf. Hin und wieder sah sie kleine Fische, welche sich durch das Wasser jagten.

Sie setzte sich auf einen Baumstamm am Rande des Sees und genoss die Sonne und den schönen Anblick. Sobald sich Charlie allerdings neben sie gesetzt hatte, war es mit der Ruhe vorbei. Ihre Gefühle begannen Achterbahn zu fahren und durch ihren Kopf rasten tausende Gedanken. Merlin noch eins...warum fühlte sie sich nur so. Sie konnte sich doch unmöglich in ihn verliebt haben...oder doch?
Und wenn doch, dann musste sie schnellstens hier weg, bevor ihr das Herz gebrochen wurde. Charlie hatte ihr bereits erklärt, dass es eine andere Frau gab...und das war nicht sie. Ein Mann wie er, der jede Frau haben konnte, würde sich nicht in einen Bücherwurm wie sie verlieben. Hermione fasste einen Entschluss: Sobald sie absolut sicher war, dass es Charlie wirklich gut ging, würde sie zurück nach England reisen.

„Es ist schön hier, oder?", wurde sie von Charlie aus ihren Gedanken gerissen. „Ja...ich hatte nicht gedacht, dass es hier so einen Ort gibt." „Deshalb ist es mein Lieblingsplatz. Man erwartet so etwas hier nicht und dann kann man es plötzlich mit eigenen Augen sehen. Auch wenn es nichts mit Zauberei zu tun hat, so ist der Ort doch irgendwie magisch.", erklärte er und die Hexe konnte ihm hier nur zustimmen.

Als es langsam Nachmittag wurde, machten sie sich auf den Rückweg zu Charlies Haus, Hermione wollte noch etwas die Pflanzenwelt untersuchen und Fiona wollte Charlie Besuchen kommen. Hermione würde in den nächsten Tagen noch oft hierher kommen und so fühlte sie kein Bedauern als sie zurück liefen.

„Hey, ihr beiden...", wurden sie von Fiona begrüßt, welche schon auf der Veranda auf sie gewartet hatte. „Hey Fiona...", begrüßte Hermione sie freundlich, ging dann in das Haus und kam mit einem Rucksack zurück. Kaum dass sie weg war, setzten die beiden Drachenbändiger sich auf die Bank vor dem Haus. „Du siehst besser aus...", bemerkte Fiona, als sie Charlie genauer betrachtete. Dieser nickte und zog sein Shirt etwas hoch um ihr die Narbe zu zeigen, welche vom Angriff des Drachen noch übrig war. „Ich fühl mich auch besser. Die Wunde ist schnell geheilt und in einer Woche kann ich wieder arbeiten." Fiona lachte etwas. „Wenigstens kann ich jetzt wieder mit dir reden ohne verrückt zu werden. Ich hatte ständig Angst dich zu besuchen, weil ich dachte die Kontrolle zu verlieren." „Du doch nicht. Auch wenn du Blut zum fressen gern hast." „Du hast gut reden. Als ich dein Blut in der Krankenstation gesehen hab, wäre ich fast auf dich losgegangen." Charlie lachte laut. „Ich wäre wohl eine nette Mahlzeit gewesen, was?" Sie grinste und gab ihm einen Schlag gegen den Oberarm. „Das ist nicht lustig! Ich hatte seit vier Tagen nichts mehr getrunken! Und du weißt, wie ich werden kann, wenn ich Blut rieche." „Ja, ich hab gesehen, wie du dich über die Blutkonserve hergemacht hast." „Meine Essmanieren sind tadellos, aber wenn es ums Bluttrinken geht, dann sind sie mir völlig egal. Übrigens wo wir gerade beim Thema essen sind...Das Essen in der Cafeteria wird immer schlimmer, seit du nicht mehr im Dienst bist. Wir brauchen endlich wieder jemanden der Kochen kann. Nichts gegen Jack, aber sein Gekochtes ist noch schlimmer als das von Liam." In der Cafeteria gab es immer Mittagessen für alle im Dienst, was meist von Charlie gekocht wurde, da er davon genauso viel Ahnung hatte, wie vom Drachenzähmen. Charlie hingegen lachte. „So schlimm ist es doch nicht. Außerdem musst du es nicht mal essen. Du isst doch eigentlich nur wegen dem Geschmack. Nährstoffe bekommst du doch sowieso nicht von dem Essen." „Nach heute werde ich auch nichts mehr essen, was Jack gekocht hat! Ich könnte schwören, dass sich heute noch etwas auf meinem Teller bewegt hat!" Sie schüttelte sich etwas, während Charlie in schallendes Gelächter ausbrach.

„Aber mal was anderes. Was ist eigentlich mit Hermione? Hast du es ihr endlich gesagt?" „Fiona, ich habe sie eingeladen, weil sie ruhe vor den Reportern brauchte...nicht um sie auszunutzen! Ich werde es ihr nicht sagen." „Aber das musst du!" „Nein, ich...", begann er, doch die Blondine unterbrach ihn. „Doch, du musst es ihr sagen! Sie wird sonst in einer Woche zurück nach England gehen!" Charlie war erschrocken als er das hörte. Sie wollte Rumänien und ihn verlassen? „Woher weißt du das?" „Charlie, ich kann ihre Gefühle spüren! Sie wird gehen, wenn du es ihr nicht sagst.", Fiona seufzte, „Sie hat sich in den letzten Wochen in dich verliebt. Und sie denkt, dass du eine andere liebst! Also verdammt noch eins: Sag ihr endlich die Wahrheit!", fauchte sie und klang dabei sehr nach einem Drachen. Charlie schüttelte allerdings nur traurig den Kopf. „Sie wäre hier niemals glücklich mit mir. Und genau deshalb werde ich es ihr nicht sagen, auch wenn es bedeutet, dass ich nicht glücklich sein werde." Fiona stand auf und legte Charlie eine Hand auf die Schulter. „Und was ist mit Hermiones Glück? Bist du bereit auch das zu opfern?", fragte sie leise, bevor sie ging.

Hermione saß mit einem Buch auf einem Baumstamm am unteren Ende des Pfades, welcher von Charlies Haus zum Tal führte, als Fiona zu ihr kam und sich neben sie setzte. „Hier bist du also...", stellte sie fest und Hermione sah auf. „Ja, ich hab einige Pflanzen gefunden, die ich noch nie gesehen habe." „Ja, hier im Reservat gibt es einige seltene Exemplare.", erklärte sie, bevor sie Hermione ansah. „Hermione, ich muss etwas wichtiges mit dir besprechen." Die Hexe legte also ihr Buch weg und sah ihr gegenüber an. „Was gibt es?" „Es geht um Charlie..." „Hat er wieder etwas angestellt?", die Hexe war besorgt. Er sollte es doch nicht übertreiben, auch wenn die Wunde soweit wieder zu war. „Nein. Ich meinte eher es geht um deine Gefühle für Charlie." „Was meinst du?" Fiona lächelte. „Hermione, ich weiß was du fühlst. Ich kann deine Gefühle spüren. Du weißt was ich bin...", erklärte sie und lächelte die junge Hexe an. Diese seufzte traurig. „Schon idiotisch von mir, oder? Ausgerechnet ich muss mich in einen Mann wie Charlie verlieben." „Was genau meinst du?" Hermione lachte trocken auf. „Hast du dir einmal Charlie Weasley angesehen? Er ist unglaublich attraktiv, intelligent, lustig, ein guter Freund..." „Und was ist jetzt daran das Problem?" „Das ich die beste Freundin seines Bruders bin?! Dass er in eine andere verliebt ist?! Und dass ich niemals auch nur eine Chance bei ihm haben werde, weil ich nur der allwissende Bücherwurm bin?!" Fiona schüttelte nur den Kopf und sah sie eindringlich an. „Hermione, ich weiß was du vorhast...aber du darfst nicht gehen!" „Aber ich muss. Ich kann nicht länger hier bleiben und mir das Herz brechen lassen." Fiona legte ihr die Hand auf die Schulter. „Wenn du gehst, dann brichst du Charlies Herz. Denk doch mal genau nach...du bist die Freundin seines Bruders...also unerreichbar für ihn." Damit stand Fiona auf und ließ sie sitzen.

Hermione hingegen dachte nach. Warum würde sie Charlie das Herz brechen, wenn sie ging? Doch dann fiel es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen! Fiona hatte gesagt, dass sie die Freundin von Charlies Bruder war. Sie hatte gesagt die Freundin...nicht eine Freundin oder die beste Freundin. Und Charlie hatte gesagt, dass die Frau für ihn unerreichbar war...und zwar bevor sie ihm erzählt hatte, dass zwischen ihr und Ron nichts lief. Bei Merlin...sie musste zu Charlie Weasley!