Kapitel 6 - Man bessert sich

Am nächsten Morgen erwachte Lily frierend und mit höllischen Kopfschmerzen. Sie hatte nur wenige Stunden geschlafen und diese auch bloß sehr unruhig. Sie hatte sich hin und her gewälzt und sogar ihre Decke auf den Zimmerboden befördert. Stöhnend zog sie sich in eine sitzende Position und rieb sich die Augen. Was für ein grauenhafter Start in den Tag! Als ihr dann auch noch Petunias Brief einfiel war es geschafft, ihre Laune war bis in die tiefsten Tiefen der Kerker gerutscht. Schlecht gelaunt öffnete sie leise ihren Koffer und nahm sich einige Klamotten sowie ihr Waschzeug heraus. Ohne ihre Freundinnen zu wecken schlich sie in ihren eigenen kleinen Waschraum. Lily nahm ihn das erste Mal bewusst war und prompt besserte sich ihre Laune zumindest ein wenig, denn der Raum den sie vor sich hatte, übertroff den Gemeinschaftswaschraum der Mädchen von Gryffindor schon um Längen. Er war in drei Bereiche gegliedert. Zu ihrer Linken befanden sich vier Waschbecken nebeneinander, über denen Spiegel hingen. Außerdem stand dort ein großer Schrank, der durch vier Türen gegliedert war. Für jedes Mädchen gab es also je ein Waschbecken und einige Regale. Zu ihrer Rechten gab es zwei Toiletten mit Sichtschutz und direkt vor Lily erstreckte sich eine kleine Badelandschaft. Es gab eine riesige Badewanne, eher schon einen kleinen Pool, der mit scharlachroten Kacheln versehen war, und eine separate Dusche. Dahinter standen zusätzlich noch 2 hellrote Liegen, die einen zum Entspannen einluden. Lily betrachtete alles begeistert und deponierte dann ihr Waschzeug in ihrem Teil des Schranks. Alice, Marlene und Molly hatten dies bereits getan und so füllte Lily die letzten freien Regale. Dann nahm sie sich ihr Muggel-Shampoo - sie hielt eher wenig von der vergleichbaren Zaubervariante, einer Art Öl von dem ihre Haare auch noch nach taten kreuz und quer von ihrem Kopf ab standen - und ging duschen. Sie genoss das warm herab prasselnde Wasser und verließ die Dusche später nur äußerst ungern. Es wurde allerdings Zeit zum Frühstück zu gehen. Sie hörte ihre Freundinnen im Schlafzimmer herum gehen und reden und schlüpfte seufzend in ihre Schuluniform. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabs waren ihre Haare wieder trocken und in einen lockeren Pferdeschwanz gebunden. Sie blickte ein letztes Mal auf ihr Spiegelbild und wappnete sich innerlich für den Tag. Wen interessierte es schon was Petunia dachte? Entschlossen wandte sie sich zur Tür und betrat das Turmzimmer. "Morgen" grüßte sie ihre Freundinnen. Es schallte ein grüßendes "Moin" zurück und gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die große Halle. Sie stiegen die Treppe hinunter in den Gemeinschaftsraum, durchquerten diesen und kletterten dann aus dem Portraitloch. Sie lauschten dem Bericht einer aufgedrehten Molly über ihren Arthur während sie den langen Weg vom siebten Stock bis in die Eingangshalle meisterten. Sie traten durch die großen Türen in die große Halle und schlenderten zu ihren Plätzen. Es waren noch nicht sonderlich viele Schüler auf den Beinen und die langen Haustische nur spärlich gefüllt. Immer noch Mollys verliebtem Monolog lauschend ließen sie sich auf die Bank fallen und begannen zu Essen. Lily sicherte sich ein Brötchen, das sie mit Honig versah und verschmauste etwas Joghurt. "... und dann sind wir in unseren Garten und haben einen laaangen Spaziergang gemacht. Es war richtig romantisch..." Lily grinste in sich hinein. Molly war echt ausdauernd darin, über Arthur zu schwärmen. Sie selbst kannte diesen nur flüchtig und hatte erst wenige Male mit ihm gesprochen. Er war meist zurückhaltend und fiel nicht groß auf. Außerdem hatte sie einen Großteil der letzten Jahre damit verbracht, sich über denn Vollidioten James aufzuregen. JAMES? Oh Gott, das musste wirklich aufhören! Lily kippte ihren Kaffee in ihren Mund und schloss genervt die Augen. Selbst in ihren Gedanken belästigte er sie! "Hey, Evans!" Lily stöhnte auf. Wenn man vom Teufel sprach - äh, dachte... "Was willst du Potter?" knurrte sie zurück und öffnete ihre Augen wieder. Am Rande nahm sie wahr, dass Potters Auftreten zumindest Mollys Geschwärme unterbrochen hatte. "Ach ja und nein, ich werde nicht mit dir ausgehen!" Setzte sie sicherheitshalber gleich hinterher. James hob schützend die Hände hoch. "Wow, so gut gelaunt heute morgen? Aber keine Sorge, dass wollte ich gar nicht fragen." Lily bedachte ihn daraufhin mit einem skeptischen Blick. "Ich meine es ernst. Ich wollte nur wissen ob ich mich hier an den Tisch setzten könnte, oder ob sich Madame dann belästigt fühlt." Zog er seine Frage ins Lächerliche. Lily dachte kurz nach und konterte dann samtig: "Weiß sich der Herr denn auch zu benehmen?" James stieg in das Spiel mit ein. "Nun, sie können es ja selbst heraus finden". "Wenn sie darauf bestehen..." James starrte sie erstaunt an, wie es schien, hatte er mit keiner Zusage gerechnet. Beinahe unsicher ließ er sich dennoch ihr gegenüber nieder. Er griff ebenfalls nach einem Brötchen und wurde langsam wieder sicherer. Er beschmierte es mit Honig wie sie auch, wie Lily auffiel. Und tatsächlich, ohne Black schaffte er es sogar, anständig zu essen. Nach einer Weile wandte Lily ihren Blick von dem fast beunruhigend normalen Potter ab und griff nach ihrer Schultasche. "Kommt, der Unterricht geht gleich los!" sagte sie zu Alice, Marlene und Molly, stand auf und steuerte den Ausgang an. Kurz darauf hörte sie drei Paar Füße hinter sich her eilen. "Warte mal", "Lily, Stopp!". In der Eingangshalle holten sie sie ein. "Was war das denn gerade?", fragte Marlene neugierig. "Ja, du hast fast normal mit Potter geredet!" fügte Molly hinzu. Lily zuckte mit den Schultern. "Wieso auch nicht, er ist ein Mensch wie du und ich und beherrscht unsere Sprache genauso gut wie du." "Ja, aber es ist Potter. POTTER!" Lily schaute Molly nur fragend an. "Na und? Auf jeden Fall müssen wir jetzt los, Verwandlung fängt gleich an." Auf dem Weg zum Klassenzimmer im zweiten Stock dachte Lily über das Gespräch nach. Es stimmte, sie hatte sich James, äh Potter, gegenüber nicht wie normalerweise verhalten, aber irgendwie hatte ihr der kleine Schlagabtausch gefallen. Sie hatten sich in dem Moment gut ergänzt... Lily schüttelte verwirrt den Kopf. Was war zur Zeit bloß mit ihr los? Seit wann dachte sie anders über Potter? Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als die das Klassenzimmer erreichten. Lily steuerte gemeinsam mit Alice ihren Stammplatz auf der linken Seite des Raumes an. Als sie sich nieder ließen bemerkte Lily den Blick ihrer Freundin und war sich sicher, sie würde sich noch einem Gespräch mit ihr stellen müssen. Sie verdrehte die Augen und holte Pergament, Tinte und Feder aus ihrer Tasche, denn Professor McGonagall hatte den Raum betreten. "Guten Morgen! Heute werden wir uns mit Gamps Gesetz der elementaren Transfiguration und den 5 Ausnahmen beschäftigen..."

Nach einer ermüdenden Theoriestunde Verwandlung trennten sich die Freundinnen und gingen getrennt in Arithmantik, Alte Runen und Wahrsagen. Lily hatte zusammen mit Alice Alte Runen gewählt und verbrachte die nächsten zwei Stunden damit, schwierige Texte mithilfe von 'Zaubermanns Silbentabelle' zu entschlüsseln.

Zum Mittagessen trafen sich die vier wieder in der großen Halle. "Oh Mann, Wahrsagen ist so was von unnötig!" klagte Marlene. "Alles was die alte Lehrerin vor sich hin brabbelt ist kompletter Schwachsinn! Als ob man aus Teeblättern die Zukunft lesen kann!" "Tja, ich hab mich immer gewundert, weswegen du das Fach gewählt hast!", sagte Lily. "Es erschien mir als das leichteste", gab Marlene genervt zu. "Das ist bitter" amüsierte sich Alice auf Kosten ihrer Freundin. Auch Molly und Lily mussten grinsen und Marlene schnaubte beleidigt auf. "Und so was schimpft sich Freunde...", murrte sie vor sich hin während sie sich Kartoffelsalat nahm. Die anderen drei grinsten auch weiterhin und beluden nun ebenfalls ihre Teller. Nach einigen Minuten gefräßiger Stille fragte Lily: "Wo sind eigentlich Potter und Black?" "Warum interessiert dich das denn?" wollte Molly sofort neugierig wissen. "Es ist so angenehm ruhig hier!" schoss es sofort von Lily zurück. "Und ich dachte, ich hätte dich heute Morgen von meinen Fähigkeiten zu Tisch überzeugt!" wisperte es in Lilys Ohr. Sie überlief sofort eine Gänsehaut. Sie schnellte herum und knurrte nur "Potter!" Der Angesprochene lachte nur und zog mit Black, Lupin und Pettigrew weiter zu ihren Stammplätzen. Lily starrte ihm hinterher bis Marlene ihre Aufmerksamkeit forderte. "Lily, hast du uns vielleicht etwas im Bezug auf Potter zu sagen?" Lily blickte sie irritiert an. Marlene verdrehte die Augen. "Seit wann pflegt ihr denn so einen friedlichen Umgang miteinander? Normalerweise schlagt ihr euch gegenseitig die Köpfe ein, obwohl, eigentlich kam das immer sehr einseitig von dir aus..." Lily lief leicht rot an. "Das stimmt nicht!" "Oh doch", mischte sich nun auch Molly mit ein. "Marlene hat vollkommen Recht. Irgendetwas hat sich verändert!" Lily schüttelte abwehrend den Kopf. "Ich weiß ja nicht, was ihr euch schon wieder einbildet, aber ich kann euch sagen, alles ist beim Alten!" Damit wandte sie sich ruckartig von den dreien ab, nahm ihre Tasche und stapfte gen Ausgang. Wie schon am Morgen hörte sie daraufhin Fußgetrippel, das ihr folgte. Dieses Mal war es allerdings nur Alice. Lily wartete nicht und wollte schon die Treppe in den ersten Stock betreten, als sie Alice' Hand auf ihrer Schulter spürte, die sie auf hielt. "Was?" fragte Lily genervt. "Wir sollten wirklich mal reden. Allerdings nur zu zweit. Komm mit!" Mit einem Seufzen gab Lily ihrer Freundin nach und ließ sich von ihr aus dem Schloss heraus auf die Ländereien ziehen. Schweigend gingen sie zum See und machten es sich auf einigen großen flachen Steinen direkt am Ufer gemütlich. Lily schaute abwartend auf ihre Freundin, die bloß ihre Beine anzog und auf den See hinaus starrte. "Also", kam es von ihr. "Was ist los? Was hat sich zwischen dir und Potter geändert? Und sag jetzt nicht 'Nichts', denn das kannst du dem Weihnachtsmann erzählen, aber nicht mir!" Während ihren Worten hatte sie ihren Kopf gedreht und blickte Lily jetzt direkt an.