Hey,

nach dem etwas düstererem touch vom letzten Mal heute wieder etwas mehr typisches Schuldrama!

Sorry, dass es solange gedauert hat:)

LG EvannaLy


Kapitel 13 - Auf dem Astronomieturm und ein Kuss

Schneller als Lily es gedacht hätte, nahte der Mittwoch und damit ihre Verabredung mit Severus. Ohne zu Wissen weshalb wurde sie mit jeder Stunde nervöser. Am Mittwochmorgen dann stand sie endgültig neben sich. Erst vergaß sie sich umzuziehen und wäre beinahe im Schlafanzug in die große Halle zum Frühstück gegangen, wenn Marlene sie nicht vorsichtig darauf hingewiesen hätte, dann vergaß sie ihren Stundenplan und wartete vor dem Verwandlungsklassenzimmer anstatt vor den Gewächshäusern. Marlene, Alice und Molly waren schon vorgegangen nach Verteidigung gegen die dunklen Künste, deswegen war niemand da der sie darauf hätte hinweisen können.

Beim Mittagessen war sie mit ihren Nerven endgültig am Ende. „Was ist denn heute los mit dir?", fragte Alice lachend als Lily versehentlich Kürbissaft neben ihren Becher schüttete, da sie völlig in Gedanken versunken war. Lily fuhr sich müde durch die Haare. „Ich weiß auch nicht. Schlecht geschlafen!" Alice hob eine Augenbraue und sah sie misstrauisch an. „Das hast du schon öfter, aber das hat kein Mal-", sie fuchtelte mit ihren Händen herum und deutete erst auf Lily und dann den Kürbissaft, „SO was bewirkt! Irgendwas ist anders als sonst!", „Ach Quatsch Alice, das bildest du dir nur ein", „Bist du dir da sicher?" Nun mischte sich auch noch Marlene mit ein und auch Molly streckte interessiert ihren Kopf näher zu ihnen. Lily zuckte mit den Schultern.

„Da fällt mir was ein!", kam es völlig aus dem Nichts von Marlene. „So?", fragte Lily skeptisch. „Was denn?", „Was für ein Tag ist heute?", „Mittwoch, oder nicht?", antwortete Alice verwirrt. Auf Mollys Gesicht dagegen spiegelte sich plötzlich die Erkenntnis. „Oh nein!", „Was denn?" fragte Alice verzweifelt. „Lily, nein, sag, dass das nicht wahr ist! Du hast dich doch nicht etwa wieder mit-" Molly brach ab. Alice Augen wurden größer. „Nein Lily! Nein!" „Was denn?", erwiderte Lily entnervt. „Du hast dich also wieder mit Snape vertragen? Dein Ernst?", zischte Marlene leise zu ihr, um nicht die in der Nähe sitzenden Rumtreiber auf sich aufmerksam zu machen. „Und wenn schon!" „LILY!" ertönte es einstimmig von ihren Freundinnen.

„Das kann euch doch egal sein! Ihr müsst ja nichts mit ihm machen!", wütend sprang Lily von ihrem Platz auf und griff nach ihrer Tasche. „Ich dachte, ihr wärt alt genug um endlich diese lächerlichen Vorurteile zu überwinden!" Schnaubend drehte sie sich um und stapfte aufgebracht aus der Halle.

Es war immer noch dasselbe Generve! Immer noch konnten sie sich nicht damit abfinden, dass Lily, eine Muggelgeborene, tatsächlich mit einem Slytherin befreundet war! Sie kannten Sev doch gar nicht! Dann sollten sie auch nicht über ihn urteilen! Nein, sie würde sich ihre Freundschaft zu ihm von niemandem schlecht reden lassen!
Da sie noch etwas Zeit bis zu ihrer nächsten Stunde hatte, verbrachte sie die übrige Zeit lesend in der Bibliothek. Von ihrer Nervosität war nichts mehr übrig. Die war zusammen mit der Auseinandersetzung mit Marlene, Alice und Molly auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ohne dass sie es wussten, hatten ihre Freundinnen ihre letzten Zweifel bezüglich ihres Treffens mit Severus in den Wind geschlagen.

Den restlichen Tag verhielt sie sich wie immer und ihre Freundinnen legten ihr Misstrauen nieder. Nach dem Abendessen dann nach einem erfrischenden Schlagabtausch mit Sirius steuerte sie nicht den Gryffindorgemeinschaftsraum an, sondern den Astronomieturm, nach einem kurzen Abstecher in die Küche. Sie war vor Severus da und breitete die mitgebrachte Decke aus. Dann stellte sie ihre Errungenschaften aus der Küche darauf – Schokolade, Erdbeeren, etwas Kürbissaft und Kekse. Wie früher, dachte sie wehmütig.

Als sie Schritte auf der Treppe hörte zuckte ihr Blick auf den Treppenausgang. Ihr Herzschlag wurde etwas schneller. Einen Moment später erschien Severus auf dem Treppenabsatz. Sie blickten sich direkt in die Augen und erblickten beide das gleiche - Erleichterung, dass der Andere tatsächlich aufgetaucht war. Lily beendete die entstandene Stille und klopfte auf die Decke neben sich. Severus setzte sich wieder in Bewegung und ließ sich neben ihr nieder. Dann holte er Muffins und Kakao aus seiner Tasche. Lily konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und Severus grinste zurück. In diesem Moment war es wieder genauso wie früher, als dieses Treffen Normalität gewesen war.

Um keine peinliche Stille aufkommen zu lassen fing Lily an zu plappern – ebenfalls wie immer! Severus grinste einfach weiter. Sie redete davon, wie ihre Freundinnen sie belagert hatten, bis sie sah, dass er immer noch grinste. Sie schlug ihm beleidigt auf den Hinterkopf. „Hey!" lachte Severus. Lily zog eine Schnute. „Hör auf dich über mich lustig zu machen!", „Würde mir doch nicht im Traum einfallen." spottete Severus. „Dir doch nicht!", grummelte Lily ironisch zurück. Severus lachte weiter und griff dann nach der Schokolade und brach ein Stück ab, welches er Lily hin hob. Sie nahm sein Friedensangebot an und steckte sich die Schokolade in ihren Mund.

„Wie geht's dir?" fragte Lily kurz darauf unvermittelt. „Wie meinst du das?", „Na ja, es ist schon ewig her, dass wir miteinander geredet haben. Richtig geredet. Und im Sommer hab ich dich auch das erste Mal nicht ständig gesehen. Wie ist es dir ergangen? So schlimm wie immer?" Severus hatte seine schwierigen Familienverhältnisse nicht lange vor ihr geheim halten können. Früher hatte er deswegen oft bei ihr übernachtet im Sommer und Ausflüge mit ihr unternommen, um seinem Zuhause entgehen zu können.

„Es ist – du weißt wie es ist. Es ist nichts neues passiert." Mitfühlend drückte sie seinen Arm. Er war, als sie das unangenehme Thema aufgebracht hatte, wieder ein wenig verschlossener geworden und hatte seine Emotionen mal wieder versteckt. Lily deutete es aber als gutes Zeichen, dass er sich ihr wieder langsam zu öffnen schien. „In den nächsten Ferien, kommst du wieder zu mir!" meinte sie entschlossen. „Es – dieser ständige Streit war einfach schrecklich! Ich versprech dir, zu versuchen mich zusammen zu reißen und deine" sie schluckte. „Freunde nicht mehr zu erwähnen und in Frage zu stellen." Severus sah sie an, als könne er nicht ganz glauben, dass sie es ernst meinte. Als sie keinen Rückzieher machte entspannte er sich sichtlich. „Im Gegenzug will ich versuchen deine neuen" diesmal war er es, der schlucken musste. „Freunde, ach-ich-bin-so-toll Black und schaut-alle-wie-super-ich-bin Potter, ebenfalls nicht zu erwähnen und in Frage zu stellen. Nur einmal kurz gesagt: ich stelle diese plötzliche Freundschaft in Frage!" Das Ende klang beinahe etwas beleidigt. Lily wusste, dass er nicht gut auf sie zu sprechen war, aber gleichzeitig galt das für sie und seine Freunde ja genauso. Also grinste sie ihn nur an.

Nachdem sie die restlichen Naschereien verdrückt und sich über unverfänglichere Themen unterhalten hatten, trennten sie sich am Fuß des Turms wieder voneinander. Nach einer kurzen Umarmung verdrückte sich Severus in die Kerker und sie selber schlich sich zurück zum Gryffindorturm. Als sie durch das Portraitloch kletterte und den Gemeinschaftsraum betrat stand sie vor versammelter Mannschaft. Marlene, Alice, Molly und alle vier Rumtreiber saßen in 'ihrer' Ecke und schienen auf sie zu warten. Der Rest des Gemeinschaftsraumes wirkte fast vollständig verlassen. Sie hatte vollkommen die Zeit vergessen.

Stöhnend ging sie auf die Ecke zu und fühlte sich wie vor einem Gericht, auch wenn nicht alle Anwesenden scharf darauf schienen anwesend zu sein, wenn sie sich Remus und Alice so ansah. Sie machte sich innerlich auf das unabwendbare gefasst und prompt kamen die ersten vorwurfsvollen Fragen auf sie eingeprasselt. „Wo hast du solange gesteckt?", „Mit wem hast du dich getroffen?", „Wusstest du nicht, was für Sorgen wir uns gemacht haben?", „Hast du was angestellt?" - der Einwurf kam von Sirius, der sie angrinste und sich über die anderen sichtlich lustig machte. „Also wirklich, ihr seid doch nicht meine Eltern!", versuchte sie schließlich dazwischen zu kommen – vergeblich. Sie stand weiter unter dem Bombardement ihrer Freunde. Lily hatte aber absolut keine Nerven mehr sich zu streiten. Als James die Frage abschoss, ob sie etwas mit jemandem am Laufen hätte, platzte ihr der Kragen und sie beschloss ihre sich aufspielenden Freunde ein wenig zu schocken.

„Wer sagt denn, dass ich mich nicht weggeschlichen habe, um davon abzulenken, dass ich mit jemandem, der hier im Raum ist, zusammen bin? Um euch andere abzulenken?" Die Anderen starrten sie alle überrumpelt an, vor allem James schien sich nicht sicher zu sein, was er von ihrer Aussage halten sollte. Nur Sirius sie zu durchschauen. Sie blickte ihn unauffällig an und er gab ihr sein stummes Einverständnis. Lily sagte nichts mehr sondern ließ Taten folgen. Sie ging selbstbewusst auf Sirius zu, beugte sich zu seinem Sessel hinab und drückte ihre Lippen auf seine. Es war kein ernst gemeinter Kuss, sondern rein dazu gedacht, die anderen zu schocken. Sirius hatte verstanden und erwiderte den Kuss willig. Als sie sich voneinander lösten sahen ihre Freundinnen komplett geschockt aus und James geradezu entsetzt. Remus hatte die Stirn gerunzelt und schien der Wendung der Ereignisse nicht so ganz Glauben schenken zu wollen. Peter ahmte einfach James Reaktion nach.

„Also, gute Nacht alle zusammen!" Breit grinsend ging sie beschwingten Schrittes zum Mädchenturm und hinauf bis in ihren Schlafsaal. Diese Überraschung war ihr echt gelungen!

Am nächsten Morgen erwachte sie wieder um einiges früher als ihre Zimmergenossinnen. Auch wenn es sich um einen Donnerstag handelte und Schule war, fragte sie sich genervt, ob sie das Ausschlafen verlernt hatte. Wieso wachte sie immer so früh auf in letzter Zeit? Himmelherrgottnochmal, sie war Langschläferin!
Begleitend von den ersten frühen Sonnenstrahlen schlich sie leise aus dem Zimmer und die lange Wendeltreppe hinunter in den Gemeinschaftsraum. Dort traute sie kaum ihren Augen, als sie sah wer da offensichtlich auf jemanden zu warten schien. Auf einem Sessel in ihrer üblichen Ecke saß niemand anderes als Sirius Black – der einzige Mensch den sie kannte, der normalerweise ein noch größerer Morgenmuffel war als sie. Außerdem erinnerte sie sich plötzlich an den vorgetäuschten 'echten' Kuss gestern Abend, woraufhin ihr etwas unwohl zu Mute wurde.

„Was machst du denn hier?" fragte sie ihn dennoch völlig perplex. Er grinste sie verschlafen an. „Was kann ich dafür, dass du neuerdings zum Frühaufsteher mutiert bist? Das war die einzige Möglichkeit vor dem Frühstück unter vier Augen mit dir zu reden." Sie sah ihn etwas mitleidig an wie er müde gähnte als sie auf den Sessel neben ihm zusteuerte und sich darauf fallen ließ. „Ist wahrscheinlich besser so." murmelte sie. Dann hob sie den Kopf. „Uns beiden ist klar, dass absolut nichts zwischen uns läuft, oder?" fragte sie gegen Ende ein wenig unsicher. Sirius grinste sie frech an und alle Müdigkeit schien wie auf einen Schlag verschwunden. „Bist du dir da so sicher?" er näherte sich ihr langsam, schloss die Augen und spitzte seine Lippen. Lily war vor Überraschung wie erstarrt. „W-was glaubst du machst du da?" In dem Moment konnte Sirius sich nicht länger zusammenreißen und brach in lautes Gelächter aus. Missbilligend verzog Lily das Gesicht und schlug ihn in die Seite, woraufhin er aufjaulte. „Geschieht dir Recht!" meinte sie beleidigt. Das hielt aber nicht lange an, bis sie beide anfingen zu lachen. Immerhin war die seltsame Stimmung zwischen den Beiden nun wieder normal.

„Nun, wir beide wissen, dass zwischen uns nichts ist, aber die anderen?" fing er an. „Die wissen vermutlich gerade gar nicht mehr was sie glauben sollen." fügte Lily hinzu. „Ich wollte ihnen einfach nur einen kleinen Schock verpassen als Lehre dafür, sich wie meine Eltern aufzuführen! Das war doch wirklich mehr als lächerlich." „Das musst du mir nicht sagen. Ich war von Anfang an dagegen." Er schaute nachdenklich ins Feuer, dass trotz der Sonne draußen stetig flackerte und brannte. „Ich glaube, zumindest James hat uns die Show abgekauft." „WAS?" entfuhr es Lily, bevor sie es verhindern konnte. Ihre Wangen röteten sich und sie senkte schnell den Kopf, als Sirius Blick zu ihr raste. „Soso, wieso kümmert dich das denn so?" „Es kümmert mich nicht." „Nein", sagte er sarkastisch. „Schön, dann kümmert es mich eben, zufrieden?" schnauzte sie ihn an. „Ziemlich" gab er zurück und grinste. „Wurde ja auch langsam Zeit" „Was willst du damit sagen?" fragte sie ängstlich. „"Es war doch abzusehen, dass ihr früher oder später zusammen kommt." „WAS? Sirius Black, wie kommst du auf solche – wieso rede ich überhaupt mit dir über so was?"

Sirius lächelte als er ihre leicht verzweifelte Miene sah. Sie waren in den letzten Wochen wirklich gute Freunde geworden – vor kurzem wäre das völlig verrückt erschienen, aber dennoch. „Weil ich so ziemlich dein bester Freund bin." Lily wollte etwas bissiges erwidern, dass er nicht ihr bester Freund sondern Sev, und was er sich eigentlich anmaßte zu vermuten. Aber wenn sie ehrlich war, war Sev nicht mehr ihr bester Freund. Ein guter Freund, ja, aber nicht mehr ihr bester. Dafür war zu viel zwischen ihnen vorgefallen. Sirius dagegen, er kam wirklich sehr nah an einen besten Freund heran.

„Du hast Recht." Sirius Mund klappte auf. „Was? Lily Evans gibt zu, dass sie unrecht hat? Wo ist mein Kalender, dass muss ich mir anstreichen! AU! Du musst endlich deine Gewaltreflexe in den Griff bekommen! Oder anfangen Quidditch zu spielen!" Sie hatte ihn schon wieder geboxt.
„Konzentrier dich." mahnte sie. „Wie sollen wir uns den Anderen gegenüber verhalten? So zu tun als hätten wir eine Beziehung würde sie nur um so mehr verletzen, wenn sie später herausfinden, dass es gespielt war." „Am besten wir klären das gleich. Das wird am wenigsten Stress geben." stimmte er ihr zu. „Und sie werden erneut anfangen zu fragen wo ich gewesen bin." seufzte sie. „Tja, so sind sie halt."

Eine Zeit lang saßen sie in einvernehmlichen Schweigen da, bevor Lily das Unheil verkündende Grinsen auf Sirius' Gesicht sah. „Was hast du vor?" fragte sie vorsichtig und mit einer gehörigen Portion Misstrauen in der Stimme. „Ich wusste gar nicht, dass du so gut küssen kannst, Evans." „Und ich wusste schon immer, dass deine hoch gepriesenen Fähigkeiten absolut nicht der Wahrheit entsprechen - BLACK." Jetzt war es an ihr zu grinsen. Sirius war manchmal so berechenbar. „WAS?" Er schaute sie geschockt an. „Hast du währenddessen nicht aufgepasst?" „Doch eigentlich schon." „Ist das eine Herausforderung?" „Nein, eigentlich nicht." „Hör auf dich ständig zu wiederholen!" Er starrte sie einen Moment lang an, wie sie ihn siegessicher angrinste. „Ich glaube, ich muss dich noch einmal an meine Fähigkeiten erinnern." Er kam näher. „Warte – was? Ist das dein Ernst?" Ihre Augen weiteten sich, als sich sein Gesicht ihrem immer mehr näherte. „Du hast mich herausgefordert!" Dann lagen seine Lippen erneut auf ihren Lippen und sie stieß einen überraschten Laut aus.

Okay, sie musste es zugeben, er konnte gut küssen, WIRKLICH gut. Aber ihr war klar, dass dies ein rein freundschaftlicher Kuss war mit einem Hauch Leidenschaft, denn weder waren sie verliebt in einander noch sonst irgendwas in die Richtung. Aber es fühlte sich dennoch gut an, also wieso nicht einfach genießen, und nachher dann den Anderen von der Show erzählen.
Sie begann den Kuss zu erwidern und spürte, wie Sirius an ihre Lippen grinste. Er wollte sich gerade von ihr lösen, hundertprozentig um einen überheblichen Kommentar zu machen, als sie ein unterdrücktes Keuchen hörten und auseinander stoben. Im Treppenaufgang zu den Schlafsälen der Jungen stand James.


So :) mit reviews kommt das nächste Kapitel deutlich schneller :P