Hey :)
Dieses Kapitel ist für Die Hofnaerrin, die als erste ein review gegeben hat - vielen lieben Dank!
Viel Spaß beim Lesen, EvannaLy
Kapitel 15 - Wendepunkt
Ihr Kopf sauste herum und blickte direkt in James' funkelnde Augen. „Hi", sagte er zögernd. Sie stand langsam auf und erwiderte seinen Gruß entgegen ihrer sonstigen Art verhältnismäßig schüchtern. Ihr Kopf war wie leer gefegt, sie wusste nicht wie sie anfangen sollte, was sie sagen sollte, sie wusste gar nichts mehr. „Sollen wir uns hinsetzen?", sie deutete auf den Platz, den sie bis eben noch eingenommen hatte. Zeit schinden! James nickte nur. Er sah ebenso unentschlossen aus wie sie und fuhr sich fahrig durch die sowieso schon in alle Richtungen abstehenden Haare.
Nach über einer Minute peinlichen Schweigens nahm sie sich ein Herz und brach die Stille. „Du hast also mit Sirius geredet." Ein Nicken seinerseits. „Was hat er gesagt?", versuchte sie sich vorsichtig dem Thema anzunähern. „Nur, dass du bereit wärst mit mir zu reden und den K-", er stockte und räusperte sich abermals. „Und dich zu erklären." Lily fluchte innerlich. Noch uneindeutiger hätte sich Sirius ja nicht ausdrücken können. Sah ihm ähnlich, er hätte ja zumindest ein wenig Vorarbeit leisten können! Grr!
„Nur um es nochmal eindeutig klarzustellen-", begann Lily. Irgendwo musste sie ja ansetzen. „Sirius und ich, das war nie etwas, da ist nichts, und da wird nie etwas sein!" Sie warf James einen Blick aus dem Augenwinkel zu. Er schaute sie nicht an sondern blickte auf den See und die langsam hell strahlende Sonne. Bei ihren Worten hatte er sich sichtlich erleichtert kaum merklich etwas entspannt. „Abgesehen davon, dass wir uns viel zu schwester-/brüderlich verhalten, könnte niemals zwischen uns etwas laufen, weil ich schon länger... anderweitig interessiert bin." Lily brach ab und versuchte ihren pochenden Herzschlag unter Kontrolle zu kriegen. Ihr ganzes Gefühlschaos, dass sie ja noch nicht einmal selbst vollständig verstanden hatte in Worte zu fassen war verdammt nochmal nicht leicht und James war ihr wirklich keine Hilfe!
Sie warf ihm erneut einen Seitenblick zu. Die vorige Entspannung war wieder verschwunden und er schien nervös darauf zu warten, dass sie fort fuhr. Jetzt kam der wirklich schwierige Teil. War sie wirklich bereit, sich ihm gegenüber so verletzbar zu machen? In Kauf zu nehmen, dass er sich über sie lustig machte? Ihre Gedanken waren ein einziges Chaos. Natürlich hatte sie Sirius Worte, James' würde es ernst meinen noch im Kopf. Und wenn sie sich Besagten so ansah, schien er das absolute Gegenteil von entspannt, locker und hämisch zu sein, und dennoch bekam sie innerlich geradezu eine Panikattacke. „Ich-", setzte sie an und brach direkt wieder ab. „Der Kuss-", sie bekam den Satz einfach nicht fertig.
„Du willst mir sagen, der K-, die Aktion vorhin deinerseits war nur eine Methode um mich zum Schweigen zu bringen und Sirius und meine Freundschaft durch einen deutlichen Gegenbeweis, dass alles fake war, wieder zu kitten, weil du nunmal inzwischen auch mit ihm befreundet bist.", stieß James stattdessen tonlos hervor. Lily starrte ihn hingegen mit offenem Mund an. Wie kam er denn jetzt auf sowas? War sie so vage gewesen oder er doch einfach nur so hohl wie sie vergangenen sechs Schuljahre immer behauptet hatte? Sie war dermaßen fassungslos über diese unerwartete Wendung des Gesprächs, dass sie beinahe verpasst hätte, wie James dabei war aufzustehen und mit einem verletzten Gesichtsausdruck zu verschwinden.
Ihr Arm schnellte hervor und hielt ihn am Ärmel fest. „Warte! Du hast das schon wieder alles falsch verstanden!", „Ich glaube nicht!", erwiderte er nur und versuchte sich von ihr losreißen. „Du verdammter Blindfisch!", fluchte Lily unterdrückt. Es war kaum zu glauben, wie kompliziert das alles war. „Vielen Dank, wenn ich weiter beleidigt werden will, melde ich mich.", knurrte James sarkastisch und drückte ihre Hand weg um zum zweiten Mal an diesem Tag Richtung Schloss zu marschieren.
Lily schloss frustriert die Augen und war kurz davor, wie zuletzt als vierjährige wütend mit dem Fuß aufzustampfen. Sie atmete einmal tief durch und öffnete sie dann wieder entschlossen. Sie begann zu rennen, James war noch nicht weit gekommen. *Ich glaub nicht, dass ich das jetzt tue – schon wieder!*, dachte sie noch, bevor sie ihn zu Boden warf, diesmal ohne Petrificus Totalus, dafür aber mit einem gestellten Bein. „Was zum-", hörte sie ihn noch fluchen, dann drückte sie ihre Lippen auf die seinen. Wie am Morgen erstarrte er zuerst, bevor er begann den Kuss zu erwidern. Beide ließen ihre Frustration, ihre Verwirrung, aber auch ihr Verlangen hinein fließen.
Als sie sich schließlich voneinander lösten strich Lily ihm eine störrische Haarsträhne aus der Stirn. „Ich hab Interesse an DIR du Idiot.", fand sie endlich den Mut es auszusprechen und konnte beobachten, wie sich James Miene immer weiter aufhellte und das Funkeln, von dem sie am Morgen schon einen ersten Eindruck bekommen hatte, in doppelter Stärke wiederkehrte. „Sag das doch gleich!", murmelte er erleichtert. Im nächsten Moment hatte er sie beide umgedreht, dass nun Lily mit dem Rücken im Gras lag und küsste sie ein zweites Mal.
Als es nach dem Mittagessen zu einer Doppelstunde Verwandlung läutete staunten Alice, Marlene, Molly, Remus und Peter nicht schlecht, als ausgerechnet Lily und James Hand in Hand mit Gras in den verwuschelten Haaren auf sie zu schlenderten. Sirius hingegen streckte eine Faust in die Luft und begann einen kleinen Freudentanz, sehr zur Überraschung – und Verstören – der Umstehenden. „Danke, Merlin, Danke! Das war ja nicht mehr zum aushalten, dieses umeinander her Getänzel!", rief er fröhlich und hüpfte auf Lily und James zu. Er schlug ihm einmal kräftig auf die Schulter und umarmte anschließend Lily. „Gut gemacht!", flüsterte er ihr leise ins Ohr. Als sie sich lösten grinsten sie sich kurz zu, bevor Sirius an allen vorbei ins Klassenzimmer hüpfte, direkt an einer mehr als verstörten Professor McGonagall vorbei (Sirius Black dermaßen fröhlich? Das konnte nichts Gutes bedeuten!).
„Liiiiiilyyyy!", kam nun ein Quietschen von Marlene, die sich offenbar als erste wieder gefangen hatte. „Könnte es sein, dass du uns was zu erzählen hast?", sie kam mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf sie zu und zog sie mit einem Ruck von James weg. „Ähm-", „Ja, das denke ich auch!", gesellte sich Molly nun zu ihrer anderen Seite hinzu und nahm sie gemeinsam mit Marlene in die Mitte. Lily warf einen verzweifelten Blick zurück zu James, der nur hilflos die Arme hob und sich mit einem schiefen Grinsen im Gesicht zu Remus gesellte. „Feigling!", fluchte sie leise. „Was hast du gesagt?", flötete Alice nun von der Seite.
*Wer braucht Feinde wenn er Freunde hat*, war Lilys letzter Gedanke, bevor die Horrorstunde Verwandlung aka Verhör a la Marlene-Molly-Alice begann.
Als sich alle zum Abendessen in der großen Halle versammelten, war Lily kurz davor entweder zu verhungern, oder ihre Gewaltfantasien bezüglich ihrer – Achtung Ironieschild – herzallerliebsten Freundinnen Realität werden zu lassen! Sie hatte weder gefrühstückt, noch die Möglichkeit eines Mittagessen wahrgenommen ob ihres Gesprächs mit James, was sich langsam in Form eines knurrenden Magens bemerkbar machte.
„Erzähl doch nochmal, wie es genau dazu gekommen ist, dass du ihn zu Boden tacklen musstest, damit es nicht vollständig eskaliert!", kam es wie auf Kommando auch schon von Molly, die sich neben ihr auf die Bank fallen ließ. „Molly Prewett! Ich hab das – unter Zwang, wohlgemerkt! – seit heute Mittag mindestens viermal erzählt! Du kennst die Story jetzt in und auswendig, also lass gut sein!", knurrte sie förmlich. Im selben Moment wurde sie von rechts in eine Bärenumarmung gezogen. „Sirius, ich bekomme keine Luft mehr!", röchelte Lily fassungslos und machte sich von ihm los. „Hast du was falsches gegessen und bist high, oder warum läufst du mit so einem Monstergrinsen durch die Gegend?" Besagtes Monster griff zur Kürbissaftkanne, schenkte sich ein und sagte wie nebenbei: „Ist dir eigentlich aufgegangen, dass wir jetzt jeden Streich spielen können, den wir wollen, wo du uns nicht mehr verpfeifen kannst, da ja dein FREUND" - er hob anzüglich die Augenbrauen, worauf sich Lilys Augen verengten - „Jetzt einer der Übeltäter ist?" Er grinste sie immer noch begeistert an und Lily war kurz davor ihren Kopf auf den Tisch zu hauen. „Verrückte, alles Verrückte!"
„Wer ist verrückt?", sprach's prompt hinter ihr und sie schnellte herum. „Krone! Wird ja auch Zeit, dass du uns Gesellschaft leistest." Sirius quasselte ununterbrochen weiter ohne zu merken, dass weder James noch Lily ihm auch nur ansatzweise folgten. Ihre Blicke hatten sich verhakt und Lily konnte in diesem Moment kaum glauben, dass tatsächlich James Potter, Potter!, ihr Freund sein sollte.
„HEY!", ertönte es im nächsten Moment und Lily blinzelte, um sich aus ihrer Starre zu lösen. James hatte Sirius einfach zur Seite gedrängt und seinen Platz geklaut. „Hast du was zu sagen Tatze? Man wird ja wohl noch neben seiner Freundin sitzen dürfen...", schloss James äußerst selbstzufrieden. Sirius starrte ihn böse an und grummelte vor sich hin. „Vergiss nicht, dass ICH zuerst mit ihr befreundet war!", „Jungs, sollen wir euch zurück in den Kindergarten bringen?", meinte Marlene mit hochgezogener Augenbraue. „Ist ja gut, ist ja gut,… und so was nennt sich bester Freund...".
Sirius schmollte das gesamte Abendessen, während Lily sich – endlich – auf ihre heiß geliebte Lasagne stürzen konnte, begleitet von dem gewohnten Kopfschütteln ihrer Freunde. Zumindest ein wenig der üblichen Routine konnte also gewahrt werden. Dass James währenddessen unauffällig unter dem Tisch ihre Hand in die Seine nahm machte das Gesamtbild perfekt, trotz aller voran gegangener Nerverei.
Es war das erste Abendessen seit Schuljahresbeginn, an dem Lily keine Sekunde an Petunia, ihre Eltern oder Linus dachte.
Sooo, sie scheinens ja endlich auf die Reihe zu bekommen :D
Und diesmal sogar ohne cliffhanger :P
