Nick Stokes betrat das kleine Cafe und streckte sich, während er seinen Blick über die wenigen Kunden wandern ließ, die zu dieser frühen Morgenstunde bereits oder immer noch unterwegs waren.
Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er Warrick Brown an einem der Fensterplätze sah, der ihm zuwinkte. Mit langen Schritten ging Nick hinüber zu seinem Freund. Dabei wurde er von einem Paar haselnußfarbener Augen genau beobachtet, was ihm aber, zumindest zunächst, nicht weiter auffielt.
"Wie war's heute nacht?" fragte er und ließ sich in die Bank rutschen.
Warrick zuckte mit den Schultern. Mit wenig Begeisterung schob er einen Stapel Papiere in ein Aktenkuvert zurück, legte das ganze schließlich zur Seite.
"Nicht viel. Im Moment verhält die Unterwelt sich erstaunlich ruhig", sagte er, runzelte dann die Stirn, als sein Blick kurz auf die hochgewachsene Gestalt eines Mannes am Tresen glitt. Doch dann schüttelte er den Kopf.
"Was ist?" Nick wollte sich gerade umdrehen, als die, übermüdet wirkende Bedienung an ihren Tisch trat und ihm unaufgefordert eine Tasse schwarzen Kaffee einschenkte.
Warrick schüttelte, die Stirn noch gerunzelt, den Kopf. "Nichts weiter. Mir kam der Kerl da drüben nur bekannt vor."
"Was wollen Sie?" nuschelte die Bedienung unfreundlich.
Nick richtete seine Aufmerksamkeit kurz der Karte zu. "Einmal Rührei mit Schinken", bestellte er.
Warrick schien sein Deja Vu ebenfalls vergessen zu haben und bestellte statt dessen selbst etwas.
Nick sah sich nun doch noch einmal um, dabei blieben seine Augen vielleicht eine halbe Sekunde länger an dem Fremden am Tresen haften. Allein, weil dieser für eben diese kurze Zeit seinen Blick erwiderte, ehe er sich wieder über seine Tasse beugte.
"Ich hab gehört, Catherine und Sara hätten die Fälle getauscht", wandte Nick sich schließlich wieder an seinen Freund.
Warrick seufzte, nickte dann aber. "Ja, Grissom will diese Sache wohl schnell vom Tisch haben. Immerhin geht's um eine Kollegin von uns."
"Ach!" Nick setzte sich gerade auf. "Wer denn?"
"CSI-LA. War wohl übers Wochenen..." Warrick schloß abrupt den Mund, sein Kopf schnellte zu dem Mann am Tresen hinüber. "Das ist doch ihr Begleiter!"
Im nächsten Moment schien auch dem Fremden aufzugehen, daß seine Tarnung aufgeflogen war. Er glitt so schnell von seinem Hocker herunter und war zur Tür hinaus, daß die beiden gerade auf Höhe seines Sitzplatzes waren, als sie von draußen das rauhe Aufbrüllen eines Motorrad-Motors hörten. Im nächsten Moment rauschte der Fremde auf der Straße neben der gläsernen Eingangstür davon, Richtung Strip ...
"Was wollte der hier?" fragte Nick.
"Keine Ahnung." Warrick schüttelte den Kopf. Die Falte auf seiner Stirn wuchs wieder. "Aber ich schätze, wir sollten das melden."

XOXOXO

"Sara?"
Die junge Spurenexpertin blickte auf und sah Grissom in der Tür zum Damen-Umkleideraum stehen.
"Gil", grüßte sie ihn, während ihr Magen deutlich grummelte aufgrund der Erklärung, die sie nun geben mußte.
Grissom sah sie forschend an, trat dann schließlich ein. "Ich mag es nicht sonderlich, wenn ich bei Änderungen der Zuteilungen nicht informiert werde", erklärte er. "Ich glaubte eigentlich, du wüßtest das."
"Natürlich." Ein nervöses Lächeln erschien auf Saras Lippen, doch gleich darauf erlosch es und machte statt dessen einem Stirnrunzeln platz. "Gibt es etwas neues über Brennan?"
Grissom atmete tief ein, schüttelte dann den Kopf. "Ich fürchte nicht. Sie ist noch immer bewußtlos. Ich wußte allerdings nicht, daß ihr beide euch kennt."
Wieder lächelte Sara nervös, wischte sich ihre Hände an den Seiten ihrer Jeans ab, als habe sie plötzlich Schmutz an ihnen.
"Das war noch in San Francisco", gestand sie ihm dann schließlich zu wissen.
Grissom nickte. "Catherine hat die Akte angefordert. Ich weiß, daß du O'Donnell geholfen hast bei der Mörderjagd."
"Dann weißt du auch, daß wir erfolglos waren", ergänzte Sara, faltete die Arme vor der Brust. "Brennan war sich sicher, daß es ein Insider gewesen ist, aber wir konnten nichts beweisen. Sie ... sie muß eine neue Spur gefunden haben, falls sie deswegen hergekommen ist."
"Bist du dir da sicher?" Grissom runzelte nun seinerseits die Stirn.
Sara schüttelte den Kopf. "Ich weiß es nicht", gab sie zu. "Aber warum sonst sollte sie herkommen?"
Grissom sah sie noch immer an, mit seiner ausdruckslosen Miene, die für diejenigen, die ihn besser kannten, Bände sprach. "Dann hattet ihr keinen Kontakt mehr?"
Sara wurde es unwohl. Nervös blickte sie zur Seite. "Vor einem halben Jahr rief Brennan mich an. Da hatte sie gerade das CSI in LA übernommen. Sie wollte mich dort haben."
Grissoms Blick wurde intensiver. "Und das war alles?"
Sara schluckte. "Ich habe abgesagt." Und wieder versuchte sie sich an einem nervösen Lächeln.
"Da ging es aber nicht um den Fall von damals?" bohrte Grissom nach.
Sara atmete aus. Endlich entschloß sie sich, ihm mitzuteilen, was er wissen mußte:
"Ich weiß, daß Brennan nie aufgehört hat, nach dem Kerl zu suchen. Es mag mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund gerückt sein, aber sie hat sich in diese Sache verbissen. Wenn sie nicht deswegen hergekommen wäre, würde es mich wundern. Vor allem, weil ... Brennan wollte sich noch einmal mit einem Zeugen von damals treffen, das hat sie mir in einer Mail geschrieben. Und sie wollte jemanden mitbringen, dem sie zutraute, das Rätsel endlich zu lösen. Ein Mitarbeiter, soweit ich weiß."
"Brendan Dean?"
"Sie nannte keinen Namen. Ich weiß weder, mit wem sie sich treffen, noch wen sie mitbringen wollte. Tut mir leid, Gil." Sara zuckte hilflos mit den Schultern.
Grissom hielt die Stirn gerunzelt, nickte dann aber. "Und du und O'Donnell? Ihr seid befreundet?"
"Gute Bekannte." Sara sah ihn hilflos an. "Gil, ich möchte nur nicht in diese Sache mit hineingezogen werden. Damals wurde schon genug schmutzige Wäsche gewaschen, glaube mir."
Grissoms Handy klingelte. Mit einem Seufzen entließ er sie endlich - und Sara fühlte sich mit einem Mal wirklich befreit.