III.

Ihr erster Tag... sie war furchtbar aufgeregt.

Sie würde zusammen mit Hagrid unterrichten... bzw, eher;ihn unterstützen.

Sie war etwas skeptisch gewesen, was sein Vorhaben betraf... er war so enthusiastisch, daß er seinen Schülern unbedingt etwas besonders Spektakuläres zeigen wollte... und was wäre spektakulärer gewesen als dieses wunderschöne und stolze Wesen?

Auch das war ein Grund, weshalb Amelin dabei sein wollte... denn sie kannte Seidenschnabel.

Und er war so voller Stolz, wie ein Hippogreif nur sein konnte.

Sie hatte es Hagrid nicht ausreden können... also würde sie versuchen, aufzupassen... nur zur Sicherheit.

Natürlich konnte Hagrid mit Seidenschnabel umgehen, er hatte ja einen Draht zu allen Tieren.... aber er hielt ja auch Drachen für "zutiefst mißverstandene Kreaturen"....

Sie selbst hegte keinerlei Abneigung oder Scheu gegen jegliche Arten von Tieren, ob magisch oder nicht... aber Tatsache war, daß Drachen definitiv keine mißverstandenen Kreaturen waren.

Sie waren nicht böse, das war kein Wesen von Natur aus... aber sie waren sehr impulsiv und einfach vollkommen zerstörerisch veranlagt.

Und sie waren nicht geschaffen, um sie als Haustiere zu halten.

Leider neigte Hagrid in seiner unendlichen Liebe zu Tieren dazu, alle von ihnen zu verniedlichen.

Amelin wußte bescheid über die Sache mit Aragog.

Sie kannte ihn.

Und... sie hatte keine Angst vor ihm.

Aragog schien sie aus Gründen zu respektieren, die sie nicht kannte... genau wie Firenze.

Und Seidenschnabel.

Und trotzdem waren sie alle gefährliche magische Wesen, und keinem von ihnen hätte sie einen Schüler ausgesetzt.

Aber Hagrid hatte es sich nun mal in den Kopf gesetzt, seine neuen Schüler mit dem schönen Hippogreif zu beeindrucken... nun gut.

Sie würde sehr wachsam sein.

Sie blickte auf die Pergamentrolle in ihrer Hand... sie mußte sich mit den Namen ihrer zukünftigen Schüler (auch wenn sie in diesem Fach nur die Erst-und Zweitklässler unterrichten würde) vertraut machen.

Dann sah sie auf; die Schüler standen vor ihr und sahen sie, teilweise aufgeregt, an.

Es waren Gryffindors und Slytherins.

Sie lächelte sanft und sagte:

"Guten Morgen.

Ich kenne euch noch nicht... also werde ich jetzt eure Namen aufrufen, damit ich weiß, wer wer ist."

Sie sah wiederauf die Liste, atmete tief durch... und begann:

"...Aniston, Miranda..."

"Hier.."

"...Butterfield, Lorie..."

"Hier..."

"Crabbe, Vincent..."

"Hier.."

"Finnigan, Seamus..."

"Hier..."

"Granger, Hermine..."

"Hier!"

"Longbottom, Neville..."

"...äh... hier..."

Amelins Augen rutschen wieder eine Zeile tiefer auf dem Pergament... und sie stockte....

Oh.... oh mein Gott....

Sie schluckte... und sagte ganz langsam:

"Malfoy.... Draco."

"Hier!" sagte eine glatte Stimme... und sie sah auf.

Der Junge, der gesprochen hatte, lächelte leicht und etwas arrogant.

Sie schluckte erneut, versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

Nach all den Überlegungen, die sie getätigt hatte, während sie sich für diese Stelle entschieden hatte... war ihr ein Gedanke niemals gekommen - nämlich der, daß er einen Sohn hatte.

Sie sah Draco kurz blinzelnd an... seine Augen sahen unverwandt zurück... sie waren hell und blau, sein Haar war silbrigblond, sein Lächeln selbstzufrieden... großer Gott.

Er war sein Ebenbild.

Seine Augen wurden nun leicht schmal, als sie ihn weiter schweigend ansah... und schnell wandte sie ihr Gesicht wieder dem Pergament zu.

Hastig las sie weiter:

"Parkinson, Pansy..."

"Hier..."

"Pine, Elliott..."

"Hier..."

Und wieder stockte sie.. diesmal jedoch mit einem leichten, neugierigen Kribbeln... und sie sagte:

"Potter... Harry."

"Hier...", sagte eine leise, unsichere Stimme, sie sah auf.

Das war er also.

Der 13-jährige Junge, der vor drei Monaten einen Basilisken besiegt hatte.

Der Auserwählte.

Ihr neuer Schüler.

* * *