Chapter 2

Ein Klingeln von weit her weckte sie wieder. Sie riss die Augen auf und presste sich sofort an die kühlen Badfliesen. Sie sah sich um und erkannte erneut, dass sie in ihrer Wohnung war. Sie beruhigte sich wieder ein wenig, stellte aber fest, dass ihr Herz nicht raste. Ein beängstigendes Gefühl stieg in ihr auf.

„Was war das denn gerade für ein komischer Traum?" Sie erschrak ein wenig über ihre Stimme und versuchte aufzustehen. Als sie schließlich stand, wusch sie ihr Gesicht und ihre Hände und trocknete sich anschließend ab. Dabei blickte sie erneut in den Spiegel – und war nahe dran erneut umzukippen, aber sie hielt sich am Waschbecken fest.

„Okay, offensichtlich war es ein wahr gewordener Albtraum!" Ihren Blick wandte sie nun dem Fenster zu – und musste gleich wieder wegschauen. Die Sonne hatte begonnen aufzugehen und schickte schon die ersten Strahlen in Richtung Erde. Lilah bewegte sich, mit noch leicht wackligen Beinen, am Rand ihres Badezimmers entlang zum Fenster.

Dort angekommen wagte sie einen kleinen Versuch. Dies sollte ihr ihr neues Ich definitiv bestätigen. Sie hielt ihre zittrige Hand ein wenig vor das Fenster, wo ein Sonnenstrahl davon Besitz ergriff. Ein brennender Schmerz durchzog ihre Hand, Lilah zuckte schnell wieder zurück und zog das Rollo zu – beinahe in einer Bewegung. Danach lief sie zurück ins Wohnzimmer und in sämtliche andere Zimmer, um ebenfalls jeweils die Vorhänge zu zuziehen. Danach ließ sie sich im Wohnzimmer auf ihre Couch fallen.

In diesem Moment wurde ihr das erste Mal richtig bewusst, was aus ihr geworden war. Was sie jetzt überhaupt war. Etwas, was sie nie werden wollte, ja sogar verabscheute. Was sie zwar meist beruflich vertreten hatte aber nie wirklich mochte – ein blutsaugender Vampir. Lilah seufzte und dachte erneut darüber nach, wie das passieren konnte. Ihr war klar, dass sie ihrem letzten Klienten ihr neues Leben zu ‚verdanken' hatte. In dem Moment schweifte ihr Blick über den Anrufbeantworter, an dem ein rotes Lämpchen blinkte. Die Anwältin stand auf und drückte darauf.

Lilah? Wo sind Sie? Wir haben ein Meeting und ich habe noch nie erlebt, dass Sie zu spät waren! Melden Sie sich sofort – nein, noch besser – erscheinen Sie sofort in der Kanzlei!"

Ms. Morgan! Langsam werde ich wirklich ungeduldig! Wo zur Hölle stecken Sie? Hier häufen sich eine Menge Fälle an, während Sie mit andauernder Abwesenheit glänzen! Das wird auch den Senior Partnern nicht gefallen…"

Lilah? Es wäre vielleicht wirklich vorteilhaft, langsam mal ein Lebenszeichen von Ihnen zu geben! Holland ist total außer sich… Es wäre also ratsam eine gute Erklärung für Ihre ewige Abwesenheit dabei zu haben, falls Sie vorhaben überhaupt wieder aufzutauchen und weiter hier arbeiten wollen!"

Diese und noch weitere Nachrichten befanden sich auf ihrem Anrufbeantworter. Die Ersten waren unverkennbar von ihrem reizenden Chef – Holland Manners. Aber sogar ihr Lieblingskollege Lindsey hat es sich nicht nehmen lassen, ihr auch eine nette Nachricht zu hinterlassen.

Sie drückte auf Löschen und lehnte sich zurück. Wie viele Tage war sie weg gewesen? Sie suchte nach ihrer Tasche, welche sie im Flur auch fand und kramte nach ihrem Terminkalender. Der Tag des Treffens mit dem neuen Klienten war immer noch markiert. Sie nahm sich ihr Handy und schaute auf das heutige Datum. Sie war nur 2 Tage lang weg. Naja, ‚nur' ist gut! dachte sie sich, immerhin hatte sie keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert war… Obwohl doch, sie hatte sich in einen V… Va… Vamp… - sie war eben nicht mehr dieselbe.

Nur zwei Sachen waren ihr klar: Sie musste herausfinden, wer ihr letzter Klient war und vor allem wo dieser war… Um ihm kräftig in den Hintern zu treten für DAS hier! Und sie brauchte ne gute, wirklich sehr gute Ausrede für Wolfram & Hart. Kann ich da überhaupt wieder hin? Ohne alle aus…zu… saugen? Lilah war unentschlossen, entschied sich nach kurzer Bedenkzeit allerdings dafür, mit der Bedingung sich vorher etwas Schmackhaftes zum Verzehr zu versorgen.

.:TBC:.