Chapter 8
Natürlich beschäftigte sich Lilah nicht ausschließlich mit Angels Verschwinden, sie hatte ja immer noch ihre eigenen Probleme zu klären und diesen A zu finden. So sehr sie sich auch bemühte, nichts ergab eine Spur oder brachte auch nur einen winzigen Hinweis. Sie seufzte, fuhr sich durch die Haare und lehnte sich in ihrem Bürostuhl zurück. Das konnte doch gar nicht wahr sein. Lösen sich die Leute neuerdings reihenweise in Luft auf?
Lilah musste innerlich ein wenig auflachen, nachdem ihr einfiel, dass das Mitarbeitern bei Wolfram & Hart, die ihren Auftrag vergeigt hatten durchaus passierte, allerdings gewollt und ausgewählt. Trotzdem half ihr das jetzt auch nicht weiter. Auch wenn kurz der Gedanke in ihr aufblitzte, dass die Verwandlung vielleicht sogar von Wolfram & Hart initiiert wurde, aus welchem Grund auch immer. Doch dann fiel ihr ein, dass irgendjemand aus der Kanzlei ihr das wohl mitgeteilt hätte oder zumindest jetzt auf ihren Zustand eingegangen wäre.
Da das nicht der Fall war, hakte sie gedanklich diese Idee auch ab. Im Kopf ging sie sogar die Liste ihrer ‚Feinde' oder Leute, die ihrer nicht sonderlich wohlgesonnen waren, durch. Das gab sie jedoch schnell wieder auf – das hätte Stunden, wenn nicht gar Tage in Anspruch genommen, immerhin war sie Anwältin und das auch noch bei Wolfram & Hart! Außerdem fehlten ihr immer noch Details, einmal über den Hergang des ganzen Treffens und über das Wichtigste: Dem Aussehen dieses verdammten Blutsaugers.
Sie schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf Angels Verschwinden. Es war, als wollte ihr plötzlich nichts mehr gelingen. Von Angel keine Spur, von ihrem geheimnisvollen Klienten keine Spur. Aber von Angel wusste sie wenigstens, wie er aussah, sodass sie ihn definitiv aus den öffentlichen Überwachungskameras in den dunkelsten Ecken erkennen würde. Leider ist er da auch nicht aufgetaucht. Lilah fühlte sich wirklich frustriert und hätte jetzt so gern einen warmen Hals gehabt, an dem sie knabbern konnte.
Erst nachdem sie zu Ende gedacht hatte, erschrak sie über ihre Gedankengänge. Vielleicht sollte sie sich doch auf die alkoholischen Getränke in ihrer Minibar beschränken. Also stand sie auf und ging zur Bar, dort goss sie sich gedankenverloren einen Drink ein. Wie wäre es wohl, einen Menschen zu beißen? Einfach so? Würde ich mich nie wieder beherrschen können? Würde ich die Alternative aus dem Krankenhaus nicht mehr anrühren wollen, wenn ich einmal den frischen Geschmack des pulsierenden Blutes aus den Adern eines Menschen gesaugt hätte? Lilah wurde plötzlich aus den Gedanken gerissen, einmal weil sie den Alkohol über den Rand des Glases und damit auf ihre Hände gegossen hatte und zum Anderen, weil Lindsey plötzlich ihr Büro betreten hatte, hinter ihr stand und irgendetwas fragte, sein Geruch verriet ihn.
„OH!" Lilah versuchte den See auf der Bar einzudämmen und suchte sich etwas zum aufwischen. Dann sah sie Lindsey an. „Was war die Frage?" Dieser lächelte sie nur an. „Ich wollte wissen, ob es etwas zu feiern gibt? Angels Auftauchen zum Beispiel…" Lilah wurde schon wieder nervös, daran waren ihre Gedanken von vorhin Schuld. Sie starrte ihren Konkurrenten an, ihr Blick fixierte seinen Hals und sie konnte hören, wie das Blut durch seine Adern gepumpt wurde. Gleichzeitig konnte sie erneut seinen appetitanregenden Geruch wahrnehmen.
Sie hatte Angst, dass jederzeit ihr vampirisches Ich mit ihr durchgehen könnte, also schloss sie die Augen und versuchte nur noch durch den Mund zu atmen. „Nein, leider nichts. Ich dachte nur, dass ich vielleicht einen kleinen Denkanschub gebrauchen könnte und Alkohol weitet schließlich die Blutgefäße." Was war das denn für eine dämliche Entgegnung? Lindsey lachte nur kurz auf als Antwort. Was war denn in letzter Zeit mit Lilah los? Darauf konnte Lindsey nur innerlich mit den Schultern zucken. Lilah versuchte nun lockerer zu werden. Sie stellte ein zweites Glas neben ihres. „Wollen Sie auch einen Schluck? Vielleich verhilft es uns beiden ja zu gedanklichen Höchstleistungen…"
Sie ließ ihren Blick über Lindsey schweifen, der nur stumm nickte. Kann ja nicht schaden. Und da sie selbst auch trinkt, kann auch kein Gift drin sein. Über den Gedanken musste der Anwalt schmunzeln. Lilah sah dies allerdings nicht, da sie mit eingießen beschäftigt war und dadurch mit dem Rücken zu ihm gedreht stand. Danach gab sie Lindsey das Glas. „Auf größtmögliche Erfolge – Cheers!" „Cheers!" Es erklang ein leises ‚Bling' vom Zusammentreffen der Gläser, bevor beide ansetzten und tranken.
Beim Absetzen mischte sich in Lilah's Geschmack des Alkohols auch noch Lindseys Duft. Sie stellte sich nun genau vor ihn und sah ihm tief in die Augen. „Und? Spüren Sie schon irgendwelche Ideen?" Lindsey wusste in diesem Moment nicht wirklich, was vor sich ging, ihm lief aber bei Lilah's durchbohrendem Blick ein kalter aber doch angenehm wohliger Schauer über den Rücken. Das konnte doch nicht wahr sein! Lindsey, jetzt konzentrier dich! „Ähm, nein, leider nicht…"
Lilah nahm ihm sein geleertes Glas aus der Hand. „Nun vielleicht hilft der Erste noch nicht…" Mit einem koketten Grinsen wandte sie sich wieder der Flasche zu und füllte beide Gläser auf. Danach stellte sie sich erneut vor Lindsey. Dieser hatte das Gefühl, dass der Raum zwischen ihnen beiden immer enger wurde – was ihn dabei irritierte war, dass es ihn nicht störte, ganz im Gegenteil… Langsam geht meine Fantasie mit mir durch! Lilah erhob ihr Glas und wartete auf Lindsey, der irgendwie versuchte seine Gedanken zu ordnen.
Dies gelang ihm eher schwer, denn nun ließ er seinen Blick Lilah's gesamten Körper entlang gleiten, bis er an ihrem erhobenen Glas ankam und realisierte, worauf sie wartete. Lilah grinste verschmitzt, da ihr seine Blicke nicht entgangen waren. Lindsey hob nun auch sein Glas, ließ es wieder sanft gegen ihres klirren und trank es erneut mit einem Zug leer. Lilah musste schneller gewesen sein, denn er konnte ihre kalten Finger fühlen, die entlang seines Halses wanderten.
Als er seinen Blick nach vorn wandte, sah er Lilah vor sich, dichter als zuvor, diesmal war kein Platz mehr zwischen ihrem und seinem Körper. Sein Blick bohrte sich in ihren. Dann ging alles ganz schnell: Er stellte sein Glas neben Lilah's auf ihren Schreibtisch, Lindsey zog sie an sich heran und ihre Lippen fanden sich. Lilah zog sich kurz von Lindsey zurück, welcher sie ein wenig unsicher anschaute, dann presste sie sich geradezu gegen ihn und fuhr mit ihrer Zunge seine Lippen entlang.
Der Anwalt seufzte, öffnete seinen Mund und Lilah suchte rasch nach seiner Zunge. Wie sonst auch immer im Job, fochten nun ihre Zungen einen Kampf um die gegenseitige Dominanz aus. Lindsey erkundete derweil Lilah's Körper und hatte seine Hände unter ihre Bluse geschoben. Lilah's Hände waren inzwischen damit beschäftigt, sein Hemd aufzuknöpfen. Sie öffnete Knopf für Knopf von oben nach unten, dabei ließ sie ihren Mund Lindsey's nackte Haut spüren. Am unteren Ende des Hemdes angekommen, konnte sie deutlich erkennen, wie sehr Lindsey dies gefiel.
Dieser schaute auf sie hinab während sie sich küssend, leckend und leicht beißend wieder ihren Weg nach oben bahnte. Lindsey legte den Kopf in den Nacken und stöhnte leise, als Lilah bei seinen Brustwarzen angekommen war und auch diese verwöhnte. Lilah bewegte sich dann weiter nach oben – und war nun bei seinem Hals angelangt. Dieser Duft – so intensiv… Lilah schluckte hart. Sie leckte und küsste nun an seinem Hals entlang und konnte deutlich seine Schlagader unter ihrer Zunge spüren. Sie leckte ihre Lippen und wusste genau, welcher ihr nächster Schritt sein würde…
Das gab ihr den Rest – bevor sie total die Beherrschung verlor, wandte sie sich von Lindsey ab. Sie drehte sich um, um wieder klar denken zu können. Sie wischte sich über den Mund, um seinen Geschmack loszuwerden – erfolglos. Lindsey schaute sie erstaunt an, zumindest ihren Rücken. „Was…" „Es tut mir Leid, Lindsey, das war sehr unprofessionell von mir. Es ist vielleicht besser, wenn du jetzt gehst." Sie pausierte kurz, um unnötigerweise Luft zu holen. „Wir haben noch Einiges zu tun…"
Als sie sich sicher war, dass sie ihn für einen Moment anschauen konnte, ohne die Kontrolle zu verlieren, drehte sie sich um und schaute ihn an – aber sie konnte ihm nicht in die Augen sehen. „Lilah, dass… ich meine…. Ich…" Lindsey konnte nur stottern. Er kapierte gerade gar nicht, was hier passiert war. Anscheinend machte Lilah die Erwiderung ihrer Gefühle Angst, er selbst war nicht weniger überrascht davon. Er trat vor sie und berührte sie an der Schulter. „Hör zu, es ist alles okay. Nichts ist unprofessionell und wenn, dann wir beide."
Er lächelte sie an, doch das Einzige, was Lilah sagte war: „Bitte, geh jetzt!" Sie brachte sogar soviel Willen auf, ihrer Bitte Nachdruck zu verleihen, indem sie ihm in die Augen sah. Lindsey resignierte bei dem Ausdruck ihrer Augen, doch er erkannte, dass nicht irgendwelche Gefühle diesen Rückzug verursacht hatten, zumindest nicht nur. Er knöpfte sein Hemd zu und verließ dann Lilah's Büro. Bevor er die Tür schloss warf er noch einen Blick auf die schattenartige Person in der Düsterheit des Büros. Sie hatte sich immer noch nicht gerührt. Daraufhin verschwand er, verwirrt und geil, in seinem Büro.
Lilah wurde schlagartig bewusst, was sie da gerade getan hatte. Die erste Erleuchtung war, dass sie wohl ein wenig zu locker an die Sache herangegangen war und es eindeutig aus dem Ruder gelaufen ist. Doch die zweite, viel bedeutendere Erleuchtung war, dass sie das Verlangen nach Sex mit Hunger verwechselt hatte. Oder das Eine auf einmal in das Andere überging. Sie hatte ihren Trieben die Oberhand erlangen lassen.
Enttäuscht über sich selbst schüttelte sie den Kopf. Sie ließ sich erneut auf ihren Bürostuhl fallen und ihre Gedanken nahmen freundlichere Züge an, als sie daran dachte, dass sie zwar die Absicht hatte, ihn zu beißen aber immer noch den Willen sich zurückzuhalten. Von nun an nahm sie sich vor, sich nicht mehr allzu sehr in der Nähe von Lindsey aufzuhalten. Des Weiteren war ihr auch noch nicht ganz klar, wie sie ihm das nächste Mal begegnen sollte und diesen Ausrutscher erklären sollte. Eine äußerst heikle und peinliche Situation.
.:TBC:.
