Chapter 9

Als Lilah an diesem Arbeitstag nach Hause kam, war es schon fast Mitternacht. Nachdem sie Wolfram & Hart durch das Kanalsystem verlassen hatte, lief sie nun, drei Straßen weiter, wieder an der Oberfläche. Sie genoss den leichten Wind, der sie umspielte und versuchte jegliche menschliche Gerüche auszuschalten. Schneller als gedacht war sie an ihrer Wohnung angekommen und suchte in ihrer Tasche nach dem Schlüssel.

Das gesamte Haus stand dunkel und still da. Lilah fand schließlich das Gesuchte und betrat das Haus. Sie entleerte ihren Briefkasten und machte sich auf den Weg in ihre Wohnung. Nach dem Betreten der Wohnung legte sie zuerst ihre Tasche und ihren Mantel ab. Sie machte kein Licht an, da sie ja trotzdem gut im Dunkeln sehen konnte. Danach nahm sie wieder ihre Briefe in die Hand und sah die Absender durch. Sie stand gerade im Wohnzimmer und schlug ihren Gang Richtung Couch ein, als eine tiefe, fremde Stimme die Stille brach. „Hallo Lilah!"

Die Angesprochene zuckte zusammen und ließ vor Schreck die Briefe fallen. Sie fixierte einen Punkt in der Richtung, aus der die Stimme kam. „Angel?" kam es ungläubig von Lilah, die nun doch eine kleine Lampe einschaltete. „Was wollen Sie denn hier? In meiner Wohnung? Wer hat Sie überhaupt hereingelassen?" Lilah holte wieder einmal unnötigerweise Luft um sich zu beruhigen und mit gewohnter Coolness weiterzusprechen.

„Wir haben Sie schon überall gesucht! Hätte ich gewusst, dass ich in meiner Wohnung mit der Suche anfangen sollte…" Sie setzte ein unschuldiges Lächeln auf. Angel blieb ruhig sitzen und beantwortete nur die letzte Frage. „Es ist einfach, in Wohnungen von Toten zu gelangen." Das war alles, was er vorerst sagte. Lilah riss die Augen auf. Woher wusste er…? Natürlich, sie konnte ja auch spüren und riechen, dass er ein Vampir war. Die Anwältin versuchte locker zu bleiben. „Also was wollen Sie nun? Mich ein wenig aufziehen oder im Club der Untoten begrüßen?"

„Vielleicht möchte ich Ihnen auch helfen und Ihnen sagen, wer Ihnen das angetan hat." Seine Stimme brach zum Schluss ein wenig, war aber trocken und unbetont. Lilah verschlug es nun wirklich ein wenig die Sprache. „Wo… Woher wollen Sie wissen, dass… wer?" Sie räusperte sich, da sie nicht total wie ein Trottel rüberkommen wollte und setzte erneut an: „Also gut, wer war es denn, dem ich dieses neue Leben zu verdanken hab?" Ihre Stimme nahm einen herablassenden Ton an. „Und woher soll ich wissen, dass Sie mich nicht sowieso von vornherein belügen?" Sie hatte sich nun wieder einigermaßen im Griff und warf Angel einen schnippischen Blick entgegen. „Wir waren immerhin nie die besten Freunde und Ehrlichkeit war erst recht kein Bestandteil unserer ‚Beziehung'" Nun sah sie ihn herausfordernd an.

Angel erhob sich ganz langsam. „Es würde mir keinerlei Vorteil bringen, Sie anzulügen. Außerdem sollte niemand diese schwere Übergangszeit allein durchmachen müssen. Jeder braucht einen Helfer, einen Mentor." Seine Stimme klang nun irgendwie verändert, weicher. Lilah blickte ihm misstrauisch in die Augen. Angel hielt ihrem Blick stand, er starrte sie sogar fast gebannt mit ehrlichem Blick an. „Und Sie wollen mein Mentor und Helfer sein? Hätte ich mir ja denken können. Angel Investigations hilft schließlich den ‚Hilflosen…'" Sie lachte kurz auf und wollte sich den Schuh einer ‚Hilflosen' absolut nicht anziehen.

Immerhin hatte sie die erste Woche auch ganz gut rumgekriegt ohne irgendwelche Mentoren – und sie hatte niemanden getötet. „Ich bin nicht hilflos!" presste sie zwischen zusammengepressten Lippen heraus. Ihr Blick und ihre Haltung wurden nun trotzig. Angel trat noch ein bisschen näher an sie heran, jedoch in kleinen Schritten, er wollte schließlich nicht, dass sie auf dumme Ideen kam, außerdem wollte er sie ja besänftigen und nicht aufwühlen.

„Das hier hat mit Angel Investigations überhaupt nichts zu tun. Die Anderen befinden sich größtenteils noch nicht einmal mehr in L.A." Er lächelte sie an und hoffte, dass dies ein wenig vertrauenserweckend wirkte. Die Anwältin setzte sich nun behutsam und ein wenig unsicher auf die Couch. Angel bot sie einen Platz ihr gegenüber an. Neben ihr musste ja nicht gleich sein, dachte sie, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Angel setzte sich also ebenfalls. Lilah schlug ein Bein über das Andere und blickte nun intensiv auf ihr Gegenüber. „Also, dann: Was wissen Sie?" Lilah hatte beschlossen, sich Angels Story anzuhören, sie hatte immerhin nichts zu verlieren und schaden konnte es ja auch nicht.

.:TBC:.