Chapter 13

Als Lilah erwachte, blinzelte sie erst einmal in die Dunkelheit. Die Jalousien und die Gardinen waren zugezogen. Sie hatte keinerlei Zeitgefühl und war sich sicher, dass sie in diesem Moment einfach nur extrem verschlafen hatte und die letzten Tage einfach zu einem Traum gehörten. Sie wollte sich lieber nicht darauf festlegen, ob es ein Albtraum oder ein schöner Traum gewesen ist. Lilah war sich allerdings fast sicher, dass in den nächsten Minuten ihr Telefon klingeln würde und sie sich eine Schimpftirade von ihrem Chef anhören dürfte.

In diesem Moment hörte sie, wie das Wasser in ihrem Badezimmer lief. Oh Oh… Sie drehte sich in Richtung des Geräuschs und richtete sich auf. Das war der Augenblick, in dem ihr Auffiel, dass sie nackt war. Das wird doch wohl doch nicht... Lilah schluckte und wickelte sich ihre Decke um den Oberkörper. Sie spürte ein Brennen in ihrer Kehle, als hätte sie drei Tage lang nichts getrunken. Das Wassergeräusch war plötzlich verschwunden.

Die Anwältin schüttelte ihren Kopf und versuchte einen klaren, logischen Gedanken zu fassen. Die Badezimmertür flog plötzlich auf und es stand jemand in der Tür. Oh verdammt! Lilah wurde in diesem Moment bewusst, dass es wohl doch kein Traum war. Sie konnte fühlen, wie die Person sie ansah. „Lilah, mein Dornröschen! Schön, dass du auch erwacht bist. Ich dachte schon, du würdest auch noch die schöne, sternklare Nacht verschlafen." Die Stille wurde durch ein tiefes Gelächter durchbrochen.

Sie blinzelte noch ein paar Mal und fragte dann, als so etwas, wie Erkennen eingesetzt hatte: „Hmm, Angel?" Das Gelächter kam nun näher. „Nicht ganz…" Die Person setzte sich neben sie auf die Bettkante und strich ihr eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. Lilah fielen sofort die gelben leuchtenden Augen und die spitzen Zähne ihres Gegenübers auf. „Angelus?", fragte sie nun wiederrum ein wenig irritiert.

„Ich wusste, du bist ein schlaues Mädchen!" Er fuhr mit dem Finger ihre Gesichtskonturen nach. Ihr war gerade nicht klar, was sie davon halten sollte, dass sie nun plötzlich Angelus vor sich hatte. „Wo ist...? Also ich meine, wie...?" Angelus lachte nun wieder aus tiefster Kehle. Lilah räusperte sich und wurde langsam ungeduldig.

„Okay, Angel, ich hab keine Ahnung, welches kranke, perverse Spiel das nun wieder von dir ist, aber ich sag dir, dass ich absolut keine Lust habe…" weiter kam sie nicht, da Angelus ihr seinen Finger auf die Lippen legte. „Beruhige dich erstmal, Darling" Er schaute ihr eindringlich in die Augen, verwandelte sich wieder zurück und ersetzte dann seinen Finger durch seine Lippen. Lilah zog sich ein wenig zurück, als seine Zunge um Einlass bettelte. „Okay, Sweetheart. Du willst wissen, was los ist?"

Er wartete keine Reaktion Lilahs ab, sondern sprach gleich weiter. „Vielleicht bin ich ja einfach nur glücklich? Was, wenn ich endlich meine richtige Bestimmung, mein wahres Ich und vor allem meine wahre Gefährtin entdeckt habe?" Lilah schaute ihn immer noch irritiert an. Das konnte nicht passiert sein – niemals! „Also willst du mir jetzt einreden, dass ich dich sooo glücklich gemacht habe, dass der Zigeunerfluch gebrochen wurde?" Angelus nickte.

Diesmal grinste er allerdings nicht. „Was wenn der gute Angel einfach keine Lust mehr hatte, sich andauernd dem Bösen in ihm zu wiedersetzen, sondern erkannt und akzeptiert hat, dass es einfach ein Teil von ihm ist, welchen man nicht ewig unterdrücken kann? Dein Zutun war simpel nämlich, dass du dich auf ihn eingelassen hast, ihn hast gewähren lassen, auf seine innere Stimme zu hören."

Er breitete die Arme aus und grinste Lilah triumphierend an: „Und siehe da! Hier bin ich!" Dann blickte er ihr wieder tief in die Augen. „Von nun an werde ich dich in das wahre Vampirleben einweihen. Wir werden viel Spaß miteinander haben und vor allem mit den Menschen…" Er grinste niederträchtig. „Angelus is back – und er ist in neuer, teuflischer Begleitung!" „Das wird viel besser als früher! Wir gehören einfach zusammen…" fügte er noch murmelnd hinzu. Dabei sah er Lilah an.

Diese war nun doch überzeugt, den waschechten Angelus vor sich zu haben. Sie konnte es kaum fassen! Jahrelang haben sie und Wolfram & Hart versucht, Angelus wiederzuerwecken und ihn auf ihre Seite zu ziehen. Nun war dieser Moment gekommen, nur dass Lilah eine viel bedeutendere Rolle dabei spielte, als sie oder irgendjemand jemals dachte.

Sie hatte wirklich das ‚Beste' aus ihm hervorgeholt… Ihr wurde außerdem klar, dass es noch eine weitere Veränderung gab: außer nur mit Angelus zusammenzuarbeiten als Anwältin bei Wolfram und Hart, konnte sie nun mit ihm gemeinsam arbeiten, an seiner Seite, unabhängig von der Kanzlei.

Und genau das würde sie auch tun! Ihre Intuition stimmte diesem Vorschlag vehement zu und die war das Einzige, worauf sie sich gerade verlassen konnte. Sie beugte sich ihm entgegen und zog ihn in einen leidenschaftlichen, heftigen Kuss. Ihre Zungen kämpften aber nun nicht mehr gegeneinander, nein, sie tanzten wild miteinander. Als sich beide voneinander lösten, meinte Angelus grinsend zu seiner neuen Gefährtin: „Also gut, dann fangen wir gleich mal an, meine Liebste. Ich befürchte du wirst hungrig sein?"

Lilah nickte bestätigend. „Gut, ich könnte auch ein kleines Frühstück vertragen. Was hältst du davon, wenn wir uns mal ein wenig nach etwas Schmackhaften umsehen? L. A. ist groß, ich denke da finden wir schon etwas für deinen und meinen Geschmack." Lilah grinste nun ebenfalls.

„Ok, warte einen Moment…" Sie stand auf und ging, nackt wie sie war, ins Badezimmer. Angelus sah ihr mit lüsternem Blick hinterher. Wenige Augenblicke später kam sie frisch geduscht und bekleidet wieder. Ja, dachte er bei sich, ich habe definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Angelus stand auf und hielt ihr breit grinsend seinen angewinkelten Arm entgegen. „Darf ich Sie zum Essen ausführen?" Lilah nickte ebenfalls grinsend und hakte sich bei ihm ein. „Sehr gern…" Damit verließen sie Lilah's Wohnung, um L. A. von nun an gemeinsam unsicher zu machen

.:ENDE:.

A/N: Vielen Dank fürs Lesen. Reviews sind jederzeit erwünscht ;)