Disclaimer: Siehe Prolog.
Anmerkung: Nun geht die eigentliche Handlung los. Ich bin ein bißchen aufgeregt, denn ich habe wirklich schon ewig nicht mehr so viel Zeit und Mühe und Liebe in eine Geschichte gesteckt. Ich hoffe die Figuren sind halbwegs in character. Für mich sind Charles und Erik unglaublich komplexe Figuren und ich habe immer das Gefühl, das es in meinem Kopf besser funktioniert als auf dem Papier. Trotzdem hoffe ich, hier habt Spaß dran! :) Und auch falls nicht, würd ich mich über konstruktive Kritik freuen. Nur so kann ich besser werden!
KKKKKKKKKKK
Kapitel 1
KKKKKKKKKKK
Als er wieder zu sich kam, saß Charles an seinem Bett. Sein besorgter Gesichtsausdruck verwandelte sich in ein erleichtertes Lächeln, als er bemerkte, dass Erik wach war. Er streckte die Hand aus und streichelte zärtlich über seine Stirn.
„Hey. Langsam habe ich mir wirklich Sorgen um dich gemacht."
„Du weißt doch, so leicht bringt mich nichts um.", krächzte Erik und versuchte die höllischen Schmerzen in seinem Kopf zu ignorieren. Und die Tatsache, dass er sich nicht im geringsten erinnern konnte, was ihn überhaupt ausgeknockt hatte.
Nein, das Letztere konnte er doch nicht ignorieren.
„Was ist passiert? Ich kann mich an nichts erinnern."
Charles Gesicht wurde wieder ernst. „Ich gebe nur kurz den anderen Bescheid, dass du wach bist. Wir alle haben uns Sorgen gemacht." Er legte zwei Finger an die Stirn und schien einen Moment mit den andern zu kommunizieren. Erik wartete ungeduldig. Das Letzte woran er sich erinnern konnte, war der Abend bevor sie nach Kuba aufbrechen wollten. Was war dann passiert? Seine Anstrengungen die Erinnerung zurückzuholen, verbesserten seine Kopfschmerzen auch nicht gerade.
Endlich ließ Charles seine Hand sinken. Er wollte gerade dazu ansetzen etwas zu sagen, als die Tür schon aufgerissen wurde und die anderen herein stürzten. Alle schienen ehrlich erleichtert Erik wach und – soweit sie es beurteilen konnten – munter zu sehen. Sie alle schnatterten wild durcheinander: Raven, Sean, Alex und – ein blau befellter Mutant, mit beunruhigendem Gebiss, der ihn seltsam an Hank erinnerte. Er konnte nicht umhin ebendiesen Mutanten anzustarren und zu fragen: „Hank?" Plötzlich schwiegen alle betreten und warfen Charles unsichere Blicke zu. Fragende Blicke. Was ihn zurück zu seinerFrage brachte.
„Kann mir jetzt verdammt noch mal jemand sagen, was passiert ist?", stieß er grimmig hervor.
Alle schwiegen weiter und blickten unruhig zu Charles hinüber. Was hatte das zu bedeuten?
„Ja, nun, man könnte sagen, dass Hank nun sein volles Potential ausgeschöpft hat.", antwortete Charles mit einem Lächeln. Erik wollte noch mehr fragen, als der Schmerz in seinem Kopf plötzlich kaum noch erträglich wurde. Alle zuckten zusammen, als er einen Moment später aufschrie, beide Hände über der Stirn zusammengeschlagen. Alles verwischte vor seinen Augen und es war schwer, so verdammt schwer, zu denken.
Charles war sofort über ihm, eine kühlende Hand auf seiner Stirn. Unwillkürlich zuckte Erik zurück. Wenn Charles es bemerkte, so ignorierte er es. Verschwommen konnte er sein Gesicht erkennen, auf dem sich nun eine große Sorgenfalte ausbreitete. Sanft sagte Charles: „Du brauchst noch Ruhe, Erik." Und dann verlor er das Bewusstsein.
MMMMMMMMM
Als Erik erneut erwachte, war er wieder allein mit Charles. Der war auf dem Stuhl neben seinem Bett eingeschlafen. Erleichtert stellte Erik fest, dass sich die Schmerzen in seinem Kopf nur noch auf ein leichtes Pochen beschränkten. Er war hin und her gerissen, ob er Charles wecken, oder ihn lieber weiterschlafen lassen sollte. Er musste dringend wissen was passiert war, aber dennoch brachte er es nicht über sich ihn zu wecken. Und so lag er einige Minuten da und starrte Charles an, bis dieser prompt davon erwachte.
„Wie geht es dir?", fragte er besorgt, während er den letzten Schlaf aus den Augen wischte.
„Ging mir schon mal besser. Aber auch schon mal schlechter.", erwiderte Erik fast mit dem Anflug eines Lächelns. Es verschwand jedoch sofort wieder, als er hinzu fügte: „Ich kann mich immer noch nicht erinnern was geschehen ist."
„Das lässt dir keine Ruhe, hm? Ich weiß nicht … du solltest dich noch etwas schonen ...". Es war gar nicht Charles Art Fragen auszuweichen. Erik verlor jedenfalls die Geduld.
„Was ist verdammt noch mal mit Shaw, Charles?", schrie er ihn an. Er bereute seinen Ausbruch fast, als das Pochen in seinem Kopf wieder zunahm. Aber er musste es wissen! Er hatte zu lange auf seine Chance gewartet, er musste wissen, ob er es endlich geschafft hatte!
Charles ließ sich davon nicht einschüchtern, gab ihm aber endlich die gewünschte Information.
„Shaw ist tot. Du hast ihn getötet.", sagte er mit festem Blick in Eriks Augen. Erik fühlte wie sich etwas in ihm löste. „Es ist vorbei", dachte er.
„Wie?", bohrte er weiter nach. Charles brach den Augenkontakt und sah leicht an ihm vorbei.
„Ich weiß es nicht. Du warst allein mit ihm im U-Boot. Unser mentaler Kontakt brach ab ..."
Da war es wieder. Irgendetwas stimmte nicht. Erik konnte nicht genau sagen was, aber etwas war falsch. Charles wich seinem Blick gewöhnlich nie aus. Das war eines der ersten Dinge, die ihm an Charles aufgefallen waren. Er ließ sich niemals von seinen Blicken einschüchtern ...
Erst jetzt fiel ihm auf wie müde Charles aussah.
„Wie lange war ich weg?"
Charles schien erleichtert darüber, dass er endlich das Thema wechselte.
„Zwei Tage. Und dann noch mal -", er warf einen Blick auf seine Armbanduhr, „etwa acht Stunden."
„Und du hast die ganze Zeit hier gesessen?"
Charles warf ihm einen warmen Blick zu. Doch da war noch etwas anderes …
„Natürlich." Und er fing Eriks Blick auf und hielt ihn fest, als er ernst hinzufügte: „Ich würde dich nie verlassen."
Erik fühlte wie sich ein Klumpen in seinem Hals bildete. Er konnte Charles Blick nicht standhalten. Und so brach er den Augenkontakt ab.
Charles war müde. Und er musste jetzt allein sein. Er musste nachdenken. Und er zwang seine Stimme so heiter wie möglich zu klingen, als er entgegnete: „Jetzt solltest du mich aber verlassen, Charles. Es geht mir schon besser." Er klang rauer und abweisender, als er es beabsichtigt hatte.
Charles stand abrupt auf.
„Sicher." Bevor er jedoch das Zimmer verließ, strich er Erik noch einmal über die Stirn. Erneut wich Erik einem unbewussten Impuls folgend zurück. Dem Ausdruck in Charles Augen zufolge war es ihm nicht entgangen. Dennoch folgte noch ein: „Schlaf gut, Erik."
Und dann war er fort.
PPPPPPPPPP
Charles konnte nicht schlafen. Zweimal war Erik vor seinen Berührungen zurück gezuckt.
Wie viel von seinen Erinnerungen hatte er tatsächlich gelöscht? Es sollte eigentlich nicht weiter gehen, als bis zu Eriks Konfrontation mit Shaw. Aber es war alles so schnell gegangen. Und er war in Panik gewesen. Erik konnte sich nicht mehr an Hanks Transformation erinnern ...
Konnte es sein, dass er auch den Kuss vergessen hatte? Jenen einen, perfekten Kuss? Charles konnte sich noch sehr gut erinnern. Es war in der Nacht vor Kuba gewesen. Eigentlich hätten sie längst schlafen sollen, und doch begegneten sie sich in den endlosen Gängen des Hauses. Er war auf dem Weg zu Erik. Erik war auf dem Weg zu ihm. Und so küssten sie sich, küssten sich in dem dunklen, leeren Korridor. Als sie wieder voneinander abließen, lächelte Erik jenes seltene, wunderbare, alle Zähne offenbarende Lächeln, das sein Gesicht so offen und glücklich wirken lies. Charles war nicht weniger glücklich und sie flüsterten sich in der Dunkelheit ein letztes „Gute Nacht" zu, bevor sie tatsächlich den Schlaf fanden, den sie so dringend brauchten. Vielleicht hatte Erik diesen besonderen Moment nun auch vergessen und war irritiert von den Berührungen seines Freundes.
In jedem Fall hatte er schreckliche Schmerzen. Das quälte Charles am meisten. Er hatte sich zu aggressiv in Eriks Kopf gedrängt, zu schnell zu viel gewollt. Als Erik zunächst aus seiner Ohnmacht nicht erwachte, hatte Charles wirklich Angst bekommen. Bisher hatte er vielleicht ein, oder zweimal kleinere Erinnerungen von anderen gelöscht. Aber nie in diesem Ausmaß. Und nie so unkontrolliert. Und für eine Weile hatte er gefürchtet, er hätte Eriks Gehirn vielleicht ernsthaft verletzt mit seinem Eindringen. Das hätte er sich nie verzeihen können.
Charles verdrängte den Gedanken. Alles war jetzt gut. Erik war wach. Und die Schmerzen wurden auch schon besser. Und es war schließlich nur zu Eriks Bestem, sagte er sich. Er würde ihm helfen. Er würde ihm helfen sich von all seiner Wut und all dem Schmerz zu lösen. Alles was er brauchte war mehr Zeit. Nur mehr Zeit. Und dann würde Erik ihn verstehen. Dann könnten sie wieder Zusammenarbeiten. Wie vor dem Moment indem Erik ihn mit diesem verdammten Helm aus seinen Gedanken ausgesperrt hatte!
Der Helm war hier. Charles hatte ihn in einem Fach seines Schreibtisches eingeschlossen. Und er erwog ein noch besseres Versteck dafür zu finden. Erik durfte auf keinen Fall wieder in seinen Besitz gelangen. Das Gefühl zu beschreiben, als Erik ihn aus seinem Kopf ausschloss … Nein, er würde nicht zulassen, dass das noch einmal -.
Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Er wusste bereits wer es war, bevor Erik im Zimmer stand. Aber es war nicht der Erik, den er kannte. Eriks Gedanken waren zwar immer ein reißender Fluss, aber heute schien Erik selbst den Boden unter seinen Füßen verloren zu haben.
„Du solltest dich doch noch schonen.", sagte Charles sanft. Erik antwortete nicht. Eine unkontrollierte Welle von Schmerz überrollte Charles, doch es war nicht die Art Schmerz, die ihm vertraut war. Erik tappte durch die Dunkelheit auf das Bett zu und erst jetzt konnte Charles sein Gesicht erkennen. Die kontrollierte, gleichgültige Maske, die er sonst trug, war abgefallen. Und da war nur noch Panik.
„Ich kann mich nicht erinnern, ich kann mich einfach nicht erinnern!", flüsterte er dringlich. Und Charles war einen Moment schockiert von der Unsicherheit in seiner Stimme.
„Ist ja gut.", sagte er beruhigend und klopfte auf den Platz neben sich auf dem Bett. „Komm her zu mir." Erik gehorchte und zu Charles völliger Überraschung presste er sich an ihn, wie ein verängstigtes Kind an seine Mutter. Er wirkte so verloren. Charles legte seine Arme um ihn und streichelte zärtlich über sein Haar. Dabei sagte er immer wieder. „Ist ja gut, alles ist gut." Er merkte wie Eriks Atmung langsam etwas ruhiger wurde und der Sturm in seinem Kopf etwas nachließ. Kurz darauf rückte Erik etwas von ihm ab und fuhr sich geistesabwesend durchs Haar. Seine Stimme klang schon fast wieder normal, als er sagte: „Entschuldige. Ich … ich weiß nicht was los war. Es ist nur … Ich … kann mich einfach nicht erinnern." Sein Ausbruch von grade war ihm unangenehm. Aber er fühlte sich so hilflos. Allein in seinem Zimmer konnte er nicht mehr aufhören darüber nachzudenken was geschehen war. Doch die Erinnerung wollte einfach nicht zurück kommen. Und dann das seltsame Verhalten der Anderen. Charles Ausweichmanöver. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas war falsch. Aber er konnte sich einfach nicht erinnern was. Er war immer unruhiger geworden. „Woher soll ich wissen, dass Shaw wirklich tot ist?", hörte Charles ihn denken. Wie soll ich sicher sein, dass er nicht noch irgendwo da draußen ist?
Charles war beunruhigt. Er hatte nicht erwartet, dass es Erik so zusetzen würde, das er sich nicht an Shaws Tod erinnern konnte. Er hatte geglaubt ihm zu erzählen, das Shaw tot war, würde genügen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr.
„Was ist das Letzte woran du dich erinnern kannst?", fragte er ruhig.
Es war der Kuss. Erik erinnerte sich daran mit einer Deutlichkeit und Heftigkeit, die ihn selbst überraschte.
„Die Nacht vor Kuba.", antwortete er.
„Du erinnerst dich nicht, wie du das U-Boot aus dem Wasser gehoben hast?"
Erik schüttelte bekümmert den Kopf.
Das hatte Charles nicht gewollt. Er hatte einen der wichtigsten Momente in Eriks Leben aus seinem Gedächtnis gelöscht. Nie würde er Eriks Freude und Stolz vergessen, als sich das U-Boot aus dem Wasser hob. Er hätte seine Erinnerung auf Erik übertragen können, aber er hatte zu viel Angst, das damit auch die anderen Erinnerungen einher gehen würden.
Also sagte Charles mit einem Lächeln. „Es war großartig! Du bist auf das Rollgestell des Jets gestiegen und du hast das U-Boot aus dem Wasser gehoben, bis es mit uns auf einer Höhe war. Dann hat unglücklicherweise dieser Mutant von Shaw einen kleinen Wirbelsturm los gelassen und unser Jet wurde auf eine Insel geschleudert. Aber du hast es geschafft das U-Boot mitzunehmen."
Erik sah den Stolz in Charles Augen, hörte ihn in seiner Stimme. Er konnte sich immer noch nicht erinnern, aber für den Moment ging es ihm etwas besser.
„Was ist dann passiert?"
In Charles schossen die Erinnerungen hoch. Er schloss die Augen um sie auszublenden, doch sie wurden nur noch deutlicher. Wie der Kontakt zu Erik abbrach. Und wie er dann durch Shaws Augen Erik sah. Einen fremden Erik. Da war nur Kälte und ein alles verschlingender Hass. Er hatte gewusst, das all das in Erik steckte. Aber nie hatte er ihn so gesehen. Und Erik hatte auch noch zugegeben, das er im Grunde mit Shaw einer Meinung war. Und bevor sich Charles davon erholt hatte, spürte er den Schmerz, den brennenden, scharfen Schmerz der Münze, die durch seinen Kopf schoss. Er schrie auf, für einen Moment orientierungslos, bis er begriff, das es nicht sein Schmerz, sondern der von Shaw gewesen war.
All das schien sich jetzt auf seinem Gesicht zu spiegeln, denn Erik fragte, beinahe besorgt: „Charles?"
Charles öffnete seine Augen wieder, Eriks Gesicht war nah und in seine harten Augen hatte sich tatsächlich etwas Sorge gemischt. Charles wusste sich nicht anders zu helfen. Er wollte vergessen, wollte diesen schrecklichen, fremden Erik vergessen. Und so schloss er den letzten Abstand zwischen ihnen, zog Erik fest an sich und küsste ihn. Erik erwiderte den Kuss, und versuchte ihn noch näher an sich zu ziehen. Sie klammerten sich aneinander, hungrig und grimmig. Da war nichts mehr von der Süße jenes ersten, reinen Kusses. Etwas hatte sich verändert. Sie beide wollten vergessen. Der eine wollte vergessen woran er sich nur zu gut erinnern konnte, der andere, woran er sich nicht erinnerte.
Wenn sie den anderen nur festhalten konnten, dann würde alles gut werden. Dann konnten sie vergessen, das etwas falsch war.
Und für den Moment verloren sie sich ineinander. Und es fühlte sich richtig an.
