2. ‚Wer dass liehst ist dum'
„Ich hätte nicht gedacht, dass Sie sich mit Muggeln auskennen." War das erste was Harry, unüberlegter weise, über die Lippen kam. Und er bereute es gleich, als sich Snapes Augen verengten.
„Sie wissen so einiges nicht Mr. Potter. Ich hoffe Sie haben wenigstens Ihren Brief sorgfältig gelesen."
Harry nickte, da er Snape nur ungern noch mehr reizen wollte. „Ich mache einen Schülerjob in diesem Ferienlager," - er deutete mit der Hand hinter sich. „gehe normalerweise an die St. Mariannenschule und alles was mit Zaubern zu tun hat ist verboten." Fasste er grob zusammen.
„Wenigstens konnten Sie sich drei Punkte merken." Spottete sein Lehrer und setzte sich in Bewegung. Langsam, fasst angewidert, ging er Richtung Eingang während er seinen schwarzen Rollkoffer hinter sich her zog. Harry atmete einmal tief durch um den aufkommenden Ärger runter zu schlucken und folgte Snape zum Haus.
Er hoffte inständig, dass Snape nicht auch als Kinderbetreuer hier war. Denn sonst würden die Kinder nach ihrem Aufenthalt hier, nie wieder in ein Ferienlager fahren wollen.
Der kurze Weg bis zu dem kleinen Haus, war staubig und finster. Einzig und allein, das leuchtende Schild über dem Eingang spendete etwas Licht.
Er schloss zu seinem Lehrer auf und versuchte nicht all zu interessiert zu klingen, als er fragte: „Welcher Tätigkeit werden Sie hier nachgehen, außer mich im Auge zu behalten, Sir?" und in den Wahnsinn zu treiben- fügte er gedanklich hinzu.
„Buchhalter." Antwortete Snape monoton und nicht erpicht darauf, mit seinem so wahnsinnig berühmten Begleiter ein Gespräch zu beginnen. Wenigstens kannte ihn hier keiner.
Harry grunzte und biss sich auf die Unterlippe, um sich das Lachen zu verkneifen. Snape in einem Büro, umgeben von Belegen und Rechnungen weit entfernt von seinen geliebten Zaubertränken. Die Vorstellung war einfach herrlich.
Snape fand das allerdings nicht so unterhaltsam wie Harry und drehte sich gereizt zu seinem Schüler um und traktierte ihn mit einem stechenden Blick.
„Mr. Potter, nur weil wir nicht in Hogwarts sind, heißt das nicht, dass ich Ihnen keine Punkte für Ihr Haus abziehen kann!"
„Verzeihung, Sir." Murmelte Harry resigniert, dem nun das Lachen vergangen war. Snape stapfte weiter und Harry hatte die leise Ahnung, dass der Punktestand der Gryffindors, am Ende dieser ganzen Aktion hier wahrscheinlich im Minusbereich liegen würde…
Kaum waren sie an der Rezeption angekommen, stürmte eine ältere Dame auf sie zu. Sie war etwas fülliger, ihr graues Haar war zu einem Dutt hochgesteckt und in ihrem Gesicht strahlte ein freundliches Lächeln. „Sie müssen Mr. Snape sein!" Sie schnappte sich Snapes Hand und schüttelte sie kräftig. „Ich bin Mrs. Malfa, die Leiterin dieses hübschen kleinen Ferienlagers" Sie wand sich zu Harry. „Und Sie sind Mr. Potter nehme ich an?" Harry nickte freundlich, nahm die Hand der alten Frau entgegen und merkte augenblicklich, warum Snapes eh schon falsches Lächeln noch verkrampfter als sonst war.
„Ich bringe Sie beide erst einmal auf Ihre Zimmer, alles Weitere werden wir morgen beim Frühstück besprechen." Strahlend wühlte die Frau in einer Schublade, während Harry seine schmerzende Hand rieb.
„Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie sich bereits kennen?" Fragte sie und ehe Harry den Mund öffnen konnte brummte Snape ein „Nur flüchtig."
„Ok, na dann, folgen Sie mir!" Flötete Mrs. Malfa und ging mit zwei Schlüsseln klimpernd voraus.
„Ein Händedruck wie ein Troll." murmelte Snape und Harry musste ihm innerlich zustimmen, auch wenn er noch nie einem Troll die Hand geschüttelt hatte.
Zu dritt gingen sie zur Hintertür hinaus, über eine große Wiese mit Spielplatz und steuerten auf ein breites, zweistöckiges, bungalowartiges Holzhaus zu. In dem
Haus war es bereits dunkel und es roch etwas muffig. Obwohl es mitten in der Nacht war, hörte man noch vereinzelt einige Kinder lachen.
„Die kleinen Racker sollten eigentlich schon schlafen." Kicherte Mrs. Malfa liebevoll und deutete dann mit einer ausschweifenden Handbewegung nach links und rechts den Gang entlang, in dessen Mitte sie gerade standen. „Hier unten sind schon alle Zimmer belegt, jeweils am Ende des Ganges befinden sich die Waschräume für die Kinder. Die Angestellten haben ein eigenes Bad in der zweiten Etage, auch am Ende des Ganges. Ihr Räume befinden sich ebenfalls in der zweiten Etage." Sie deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Harry. „Ihre Kinder kommen morgen Mittag und werden die Schlafräume neben Ihrem Zimmer beziehen. Somit haben Sie die kleinen besser im Blick. Aber keine Angst." Sie klopfte Harry zwinkernd auf die Schulter als sie seinen überforderten Blick bemerkte. „Sie müssen sich natürlich nicht rund um die Uhr um die Kinder kümmern. Da Sie selbst noch Schüler sind bekommen Sie natürlich Unterstützung von den anderen Betreuern. Aber genug für Heute, Sie sind sicher beide erschöpft von der Anreise. Kommen Sie!"
Endlich stiegen sie in die zweite Etage hinauf und wurden ihren Zimmern zugewiesen. „Dann wünsche ich Ihnen eine erholsame Nacht. Wenn etwas ist, die Nummer ist im Telefon gespeichert. Achja, Frühstück beginnt 8:00 Uhr, ich werde Sie unten an der Treppe abholen. Träumt was Schönes~ " Malfa verschwand auf Zehenspitzen die Treppe hinunter und dann wurde es fast schon unangenehm still.
Harry drehte sich halb zu Snape rüber, dessen Zimmer unschöner weise schräg gegenüber von seinem war. „Also dann… gute Nacht Professor." Presste er, die Höflichkeit bewahrend, hervor und schloss rasch seine Tür auf.
„Einen Moment Mr. Potter" Snape kam zu ihm herüber und streckte auffordernd die Hand aus. „Ihren Zauberstab."
„Was? Aber-„
Snapes rechte Augenbraue zuckte in die Höhe „Sie dürfen hier keine Magie verwenden, also werden Sie ihn auch nicht brauchen. Ich werde ihn solange aufbewahren… nur falls Sie mal wieder ganz ausversehen die Regeln vergessen sollten."
Äußerst widerwillig, griff Harry in die Innentasche seiner Jacke und überreichte Snape seinen Zauberstab. Dieser lies ihn geschwind in seine eigene Tasche gleiten, dann ging er wider rüber um sein Zimmer zu öffnen.
Harry wollte gerade seine Tür hinter sich schließen, als sein Lehrer noch einmal das Wort an ihn wandte.
„Ach und Potter,"
„Hmmm?" genervt streckte er den Kopf aus der Tür.
„Ich hoffe, Sie bekommen genauso nervige Gören wie Sie und ihre Freunde es sind…"
Dieser Mann war doch echt-! Harry schnaubte.
„Keine Angst Professor, damit werde ich sicher super zu Recht kommen, solange ich nicht so einen verbitterten Griesgram wie Sie in der Gruppe haben werde!"
„Zwanzig Pu-„ Hörte man nur noch, bevor Harry die Tür schloss. Am liebsten hätte er sie so richtig zugepfeffert, aber er war sich bewusst, dass in dem Haus noch Kinder schliefen.
Er sah sich sein kleines Zimmer an, um sich auf andere Gedanken zu bringen. Ein einfaches Bett stand in der rechten Ecke neben dem Fenster. Gegenüber, ein Schreibtisch mit Stuhl, daneben ein Schrank und neben der Tür stand ein ausramponierter Sessel. Anscheinend das Privileg eines Lehrer- bzw. Aufseherzimmers, ein alter muffiger Sessel. Erinnerte ihn an Snape, weswegen er das Teil jetzt schon nicht leiden konnte.
Harry öffnete eine Schranktür, auf deren Innenseite krakelige Sprüche hingeschmiert wurden.
‚Ficken ist cool!' und ‚Wer dass liehst ist dum' und lauter solche schöne Sachen. Seufzend warf er seinen Koffer auf Sessel-Snape, beschloss dann aber, erst morgen auszupacken und sich jetzt lieber bettfertig zu machen.
Als er dann mit rotem Gryffindor-Schlafanzug im Bett lag, fiel es ihm allerdings recht schwer sich in das Land der Träume sinken zu lassen. Er hatte Hunger….und er fragte sich, wie es seinen Freunden ging. Zweifelsohne hatte es Ron immer noch am besten, selbst mit Hermine würde er momentan gerne tauschen wollen. Aber vielleicht hatte Harry ja doch noch Glück und Snape würde morgen in einem riesigen Berg von Papieren ertrinken. Harry musste grinsen bei der Vorstellung, wie Snape in einem, mit Papieren überfluteten Raum um sein Leben paddelte. Und mit diesem genugtuenden Bild vor Augen gelang es dem Gryffindorjungen, dann doch endlich, in den ersehnten Schlaf abzudriften...
