Epilog:

6 Jahre später:

Amárie ließ ihren Blick über das bunte Treiben im Vorhof gleiten und verweilte für einen Moment im Torbogen, von wo aus sie alles beobachteten konnte. Das helle Lachen von Kindern erfüllte die Luft und übertönte die alltägliche Geräuschkulisse die durch das geschäftige Treiben der Mägde, Burschen und Rohirrim hervorgerufen wurde. Die sorglose Freude der Kinder schien die allgemeine Stimmung wie immer zu heben und Amárie entdeckte mehr als eine Person die stehen blieb um den Kleinen bei ihrem Spiel zu zuschauen. In den Jahren nach dem Krieg hatten sie alle gelernt solche Dinge nicht als selbstverständlich anzusehen.

Die einzige Person die sich nicht von der Stimmung mitreißen ließ und grimmig drein schaute war Éomer. Grinsend beobachtete sie wie er seine Hände abwechselnd zu Fäusten ballte und sie wieder löste während sein Blick auf einem goldhaarigen Mädchen ruhte das von einem der beiden dunkelhaarigen Jungen davon rannte und vergnügt quietschte als er erfolglos versuchte sie zu fangen. Ohne Éomer aus den Augen zu lassen, ging sie langsam auf ihn zu. Wie immer zu dieser Zeit konnte sie ihren Körper nur langsam und etwas schwerfällig bewegen. Dieses Mal war es schlimmer als je zuvor was ihr viel gutmütigen Spott von Éowyn einbrachte. Amárie hatte jedoch den Verdacht das sie es hauptsächlich tat um ihren Bruder zu ärgern, was auch stets klappte denn er eilte jedes Mal prompt zu ihrer Verteidigung.

Éomer der sie kommen sah, streckte ihr in einer wortlosen Geste die Hand entgegen und wie immer breitete sich ein warmes Gefühl in ihrem Inneren aus als sie beobachtete wie sich seine Gesichtszüge bei ihrem Anblick aufhellten. Für einen Moment verweilte sein Blick auf ihrem gerade zu gigantischem Bauch und als er wieder zu ihr aufblickte schien das Leuchten in seinen Augen noch zugenommen zu haben.

Mit einem eigenen Lächeln auf den Lippen ergriff sie die ihr dargebotene Hand und ließ sich sanft gegen seinen Körper ziehen. Seine Arme schlangen sich von hinten um ihren Körper so das sie mit dem Rücken zu ihm zum stehen kam und er sein Hände auf ihrem Bauch ablegen konnte. Seufzend lehnte sie sich zurück und genoss den Moment.

„Wie fühlt ihr drei euch?" Éomers Stimme klang nah an ihrem Ohr und als wollten die Zwillinge die Frage beantworten traten sie kräftig gegen ihren Bauch und sie musste scharf den Atem ein ziehen.

„Ich könnte schwören sie treten von mal zu mal fester!"

Sein Lachen vibrierte in seiner Brust und seine Handfläche rieb beruhigend über ihre Mitte, was die beiden zu ihrer Erleichterung zu besänftigen schien. Noch zwei Monate und sie hatte auch diese, wie sie sie Éomer mehrfach versichert hatte, ihre dritte und letzte, Schwangerschaft hinter sich wenn er wusste was gut für ihn war. Sie liebte ihre Kinder, auch die beiden Babys die bald zur Welt kommen würden, aber sie hatte genug geschwollene Füße, Rückenschmerzen, Gemütsschwankungen und ekelerregende Essgewohnheiten für zwei Leben durchgemacht.

„Es sind schließlich meine Söhne von denen du da sprichst."

„Es könnten auch Töchter sein," erwiderte sie schmunzelnd obwohl sie beide wussten das er recht hatte. Wie bei Ándwyn und ein Jahr später Éranur wusste sie sie auch dieses Mal ganz sicher das es Jungen werden würden. Für Éomers Nerven war es wahrscheinlich besser. Amárie hatte ihre Zweifel das er noch eine Tochter überleben würde. Ihr Blick wandte sich erneut ihrer Tochter zu die inzwischen aufgehört hatte mit Aragorns Sohn fangen zu spielen und damit beschäftigt war ihm etwas zu zeigen. Doch so aufgeregt Ándwyn auch über das etwas in ihrer Hand war, Eldarion schien viel eher fasziniert von ihr und ihrem goldblondem Schopf. Es war nicht das erste Mal das sie beobachtete wie der kleine Prinz beinahe ehrfürchtig die Hand nach ihrem Haar ausstreckte und schüchtern eine ihrer Locken berührte.

Ein unzufriedenes Brummen ging durch Éomers Brust und Amárie wusste das er ihrem Blick gefolgt war, doch anders als sie war er alles andere als begeistert.

„Es ist nicht richtig wie er sie anschaut!" Murmelte er und Amárie konnte sich ihr Lachen nicht länger verkneifen.

„Er ist fünf Éomer!" Rügte sie ihn lachend doch an der unverständlich gebrummten Antwort konnte sie erkennen das es für ihn keine Rolle spielte. Seufzend dachte sie daran das ihre Tochter es nicht leicht haben würde mit Éomer und drei Brüdern die stets mit Habichtaugen alle Männer in ihrem Umfeld beäugten. Selbst jetzt konnte sie sehen wie Éranur der ein Jahr jünger war als Ándwyn seine Schwester nicht aus den Augen ließ, während er aufpasste das sein kleiner Cousin Elboron der noch etwas unsicher auf den Füßen war nicht hinfiel. Obwohl die beiden Prinzen beste Freunde waren schien es ihrem Sohn nicht zu behagen wie viel Aufmerksamkeit Eldarion Ándwyn bei jedem seiner Besuche schenkte.

Arwen, sie und selbst Aragorn nahmen es mit Humor, doch die Männer in ihrer Familie schienen von Eldarions kindlicher Schwärmerei nichts zu halten.

„Sie sind Kinder, Éomer. Es sind ihre Haare die ihn so faszinieren," erklärte sie ihm zum hundertsten Mal. Es bedurfte nur ein Blick auf ihre Tochter um all die Zweifler zum verstummen zu bringen die ihr vor der Geburt ihres Kindes vorgeworfen hatten, sie hätte Rohans König ein Kind untergeschoben um Königin zu werden. Ándwyn war ohne Zweifel Éomers Tochter. Die goldblonden Haare, das störrische Kinn und die Hochgewachsene Gestalt ließen ihr rohanisches Erbe erkennen und ein paar ältere Zofen und Mägde hatten ihr versichert das ihre Tochter ein Abbild der jungen Lady Théodwyn, Éomers Mutter, war. Nur die tiefgrünen Augen hatte sie von ihr geerbt.

„In Gondor gibt es nicht all zu viele mit Haar das so hell ist wie ihres. Mit der Zeit wird sich seine Faszination legen." Doch tief in ihrem Inneren wusste sie das es nicht so einfach war wie sie es klingen ließ. Sie beobachte wie ihre Tochter Eldarion ein strahlendes Lachen zuwarf, dass er schüchtern erwiderte, bevor sie ihn bei der Hand nahm und mit sich zog. Und in diesem kurzen Moment glaubte Amárie eine wesentlich ältere Version der beiden zu sehen wie sie sich an den Händen hielten und sich anlächelten als gäbe es niemanden sonst auf der Welt.

Blinzelnd starrte sie den Kindern nach. Während jeder Schwangerschaft hatte es ein zwei Momente gegeben in denen sie einen Blick in die Zukunft erhascht hatte, doch noch nie war er so klar und deutlich gewesen wie dieses Mal. Amárie vermutete das es etwas mit ihrer Gabe zu tun hatte die sie mit ihren Kindern teilte. Vielleicht lag es daran das sie dieses Mal Zwillinge in sich trug, oder der Funke Magie in den beiden besonders groß war, doch sie hegte keinen Zweifel das ihre Version wirklich werden würde.

Lächelnd ließ sie sich tiefer in Éomers Arme sinken und seufzte glücklich als er seinen Kopf auf ihrer Schulter anlehnte. Besser sie erzählte ihm nichts von ihrem kleinen Einblick in die Zukunft sonst würde er Ándwyn wohl möglich noch in einem Turm wegsperren.

Für den Moment entschied sie sich einfach die Augen zu schließen, die Sonne auf ihren Gesicht und Éomers warmen Körper hinter sich zu fühlen, während das Lachen ihrer Kinder die Luft erfüllte.

Das Leben war gut und Amárie war glücklich endlich ihren Platz darin gefunden zu haben.

***Ende***